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Infoabend: Essstörungen

Mittwoch, 31. Januar 2018, 18:00 – 20:00 Uhr
Informationsabend zu Magersucht und Bulimie für Betroffene, Angehörige und Interessierte
Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten. Die Platzanzahl ist begrenzt.

 

Das größte Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, liegt in der Pubertät. Doch Magersucht und Bulimie betreffen nicht nur Jugendliche. Unbehandelt bleiben sie meist bis ins Erwachsenenalter bestehen, oder sie brechen in emotional belastenden Situationen wieder auf. Umso wichtiger ist es, eine Essstörung so früh wie möglich zu erkennen und zu therapieren.
Am 31. Januar 2018 informieren Experten der Christoph-Dornier-Klinik Jugendliche und Erwachsene, Betroffene, Angehörige und Interessierte über Anzeichen, Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten von Magersucht und Bulimie. Der Infoabend beginnt um 18 Uhr in der Tibusstraße 7-11, 48143 Münster.

Neben den Vorträgen der Bereichsleiterin Jugendliche und junge Erwachsene, Diplom-Psychologin Vera Frühauf, und des leitenden Arztes der Klinik, Dr. med. Andreas Pelzer, wird es Raum und Zeit für Fragen und offenen Austausch geben.

Weitere Informationen erhalten Sie telefonisch unter 0251/4810-102 oder im Internet unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Bulimie: Zwischen Fassade und Kontrollverlust

Die Bulimie gilt als heimlichste aller Essstörungen. Der innere Kampf um Kontrolle, Verlangen und Gewicht bleibt der Außenwelt oft verborgen. Der wichtigste Schritt, um wieder gesund zu werden, ist das Essverhalten zu normalisieren

Foto: Christoph-Dornier-Klinik, Judith Müller, Stellvertretende Leitende Psychologische Psychotherapeutin

Judith Müller, Stellvertretende Leitende Psychologische Psychotherapeutin

Rund 1,3 Prozent aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Bulimie. Männer sind ebenfalls betroffen, trotz hoher Dunkelziffer aber seltener. Meistens wirkt nach außen hin alles „perfekt“. Das Gewicht ist normal, das Essen kontrolliert, meist fett- und kalorienarm. Menschen, die an Bulimie erkranken, sind häufig ehrgeizig und eher überangepasst. Dass sie Tausende von Kalorien verschlingen und erbrechen, oder hochdosierte Abführmittel schlucken, passt nicht ins Bild. Keiner darf etwas merken, die Scham ist riesig. Doch der Teufelskreis der Bulimie kann überwunden werden, selbst wenn die Krankheit schon lange besteht. Das Essverhalten zu normalisieren, ist der wichtigste erste Schritt.

Wie entsteht der Teufelskreis der Bulimie?

Über 90 Prozent der Menschen, die an Bulimie erkranken, wollen anfänglich abnehmen Sie lassen Mahlzeiten ausfallen, verzichten auf bestimmte Nahrungsmittel oder fasten, zum Beispiel bevor sie Alkohol trinken. Restriktives Essen schürt meistens jedoch Heißhunger, denn der Körper lechzt nach Nahrung. „Viele unserer Patientinnen berichten, dass sie auf den ‚Tipp‘ gestoßen sind, Nahrung zu erbrechen, um einerseits uneingeschränkt essen zu können und andererseits nicht zuzunehmen. Die Handlungsabläufe verselbstständigen sich dann relativ schnell, innerhalb weniger Wochen, weil sich der Stoffwechsel und das Hunger-Sättigungsgefühl verändern und die Angst vor dem Dicksein eher größer wird. Schließlich löst der Anblick von Nahrungsmitteln fast reflexhaft Heißhunger aus, so wie Völlegefühl den sofortigen Drang zu erbrechen“, erklärt Judith Müller, stellvertretende leitende Psychologische Psychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Einen kurzen Moment lang fühlt es sich befreiend an: Der zum Platzen volle Bauch ist wieder leer. Und mit den Kalorien, die das Gewicht gefährden, sind auch Gefühle weggespült. Stress und Anspannung lassen nach. Doch dann kommen die Scham und der Ekel vor sich selbst – und der Kreislauf beginnt von neuem. Die Kontrolle zieht wieder ein, über das Essen, die Gefühle, über das „Außen“. Die Fassade aufrechtzuerhalten, kostet viel Kraft und endet oft in Selbstbetrug. 75 Prozent der Menschen, die an einer Bulimie erkranken, werden depressiv. Etwa 30 Prozent entwickeln eine Angst- oder Zwangserkrankung, oft eine soziale Phobie. Dazu kommen häufig Alkoholprobleme.

Wie lässt sich der Teufelskreis durchbrechen?

Jede Essstörung hat ihre eigene Geschichte. Es gibt genetische und biologische, aber auch soziale und persönliche Faktoren, die sie begünstigen. „Bevor man jedoch an Hintergrundkonflikten und Funktionalitäten arbeitet, ist es wichtig, zuerst das Essverhalten zu normalisieren. Denn der körperliche Mangelzustand wirkt sich auf den Hormon- und Botenstoffhaushalt aus, auf die Wahrnehmung, das Verhalten und die Emotionen“, so Judith Müller. „Je normaler das Essverhalten, desto besser funktioniert auch das Hunger-Sattheitsgefühl, das die Nahrungsaufnahme auf natürliche Weise reguliert. Heißhungerattacken werden seltener und sogar die Angst vor einer Gewichtszunahme nimmt ab.“ Sie zu überwinden, ist ein weiterer wichtiger und notwendiger Therapiebaustein.

Hat sich das Essverhalten normalisiert, ist es für die Betroffenen wichtig zu lernen, besser mit Stimmungsschwankungen, Konflikten und Belastungen umzugehen, und auch das übermächtige Schlankheitsideal zu überwinden. Denn nur dann kann der Teufelskreis der Bulimia nervosa dauerhaft durchbrochen werden.

Diagnosekriterien der Bulimie nervosa

  • wiederkehrende Essattacken (Verzehr größerer, meist hochkalorischer Nahrungsmengen mit dem Gefühl von Kontrollverlust), mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten
  • absichtliches Erbrechen, strenge Diäten, exzessiver Sport oder Einsatz von Abführmitteln, um einer Gewichtszunahme entgegenzuwirken
  • Selbstbewertung hängt übermäßig stark von Körpergewicht und Figur ab
  • kein deutliches Untergewicht (ansonsten könnte es sich um eine Magersucht handeln)

Es gibt jedoch auch atypische Erscheinungsformen der Ess-Brech-Sucht, bei denen nicht alle Diagnosekriterien erfüllt sind. Auch sie mindern die Lebensqualität, schaden der Gesundheit und sollten psychotherapeutisch behandelt werden.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

„Wenn die Psyche hungert“

Münster – Infoabend zu Magersucht und Bulimie für Betroffene, Angehörige und Interessierte am 1. März 2017 von 18 bis 20 Uhr in der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Das größte Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, liegt in der Pubertät. Doch Magersucht und Bulimie betreffen nicht nur Jugendliche. Unbehandelt bleiben sie meist bis ins Erwachsenenalter bestehen, oder sie brechen in emotional belastenden Situationen wieder auf. Umso wichtiger ist es, eine Essstörung so früh wie möglich zu erkennen und zu therapieren.

Am 1. März 2017 informieren Experten der Christoph-Dornier-Klinik Betroffene, Angehörige und Interessierte über Anzeichen, Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten von Magersucht und Bulimie. Der Infoabend „Wenn die Psyche hungert“ beginnt um 18 Uhr in der Tibusstraße 7-11, 48143 Münster. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten.

 

Neben den Vorträgen des leitenden Arztes der Klinik, Dr. med. Andreas Pelzer, und der stellvertretenden leitenden Psychologischen Psychotherapeutin, Judith Müller, wird es Raum für Fragen und offenen Austausch geben. Weitere Informationen erhalten Interessierte telefonisch unter 0251/4810-102 oder im Internet unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Thema: „Wenn die Psyche hungert“
Infoabend zu Magersucht und Bulimie
Datum: Mittwoch, 01.03.2017
Ort: Christoph-Dornier-Klinik, Tibusstraße 7-11
Uhrzeit: 18.00 – 20.00 Uhr
Zielgruppe: Betroffene, Angehörige und Interessierte
Referenten: Dr. med. Andreas Pelzer und Judith Müller
Besonderheiten: Anmeldung nicht erforderlich, kostenfrei

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Essstörungen: Leben am seidenen Faden

An Essstörungen sterben mehr Menschen als an jeder anderen psychischen Erkrankung. Den Betroffenen selbst ist die Lebensgefahr oft nicht bewusst. Sie klar zu benennen, kann ihnen helfen, sich dem Leben wieder zuzuwenden.

CDK-MagersuchtMünster – Besonders hoch ist das Sterberisiko für Menschen, die an Magersucht (Anorexia nervosa) erkranken. Ab einem Body Mass Index von zwölf – berechnet aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern – besteht akute Lebensgefahr.
„Etwa zehn Prozent der Magersüchtigen sterben an den direkten körperlichen Folgen ihrer Erkrankung. Meistens kollabiert das Herz-Kreislauf-System oder es versagen die Organe. Etwa jeder fünfte Todesfall ist jedoch ein Suizid. Bei bulimiekranken Menschen ist der Anteil an Suiziden im Verhältnis zu den natürlichen Toden sogar noch höher“, erklärt Judith Müller, stellvertretende leitende Psychologische Psychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Lebensmüde Gedanken sind ein häufiger Begleiter

Laut WHO versuchen rund 16 Prozent der Anorexiekranken sich das Leben zu nehmen. Bei bulimischen Patientinnen und Patienten sollen es mehr als doppelt so viele sein. Das Risiko, frühzeitig an den körperlichen oder seelischen Folgen einer Essstörung zu sterben, steigt mit ihrer Chronifizierung. Und auch mit einem späten Beginn der Erkrankung, wie eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München jüngst zeigte. Besonders gefährdet sind Patientinnen und Patienten, die alleine leben, und diejenigen, die gewollt oder ungewollt die Therapie vorzeitig abbrechen.

Es ist wichtig, sie sehr ernst zu nehmen

Viele Essstörungen gehen mit Persönlichkeitsstörungen und Depressionen einher. Dies erklärt auch die ausgeprägte Lebensmüdigkeit der Betroffenen. Sie kämpfen an verschiedenen Fronten und rauben sich gleichzeitig all ihre körperliche und geistige Energie. „Es ist wichtig, gezielt nachzufragen und lebensmüde Gedanken sehr ernst zu nehmen. Egal, ob sie appellativ oder resignativ geäußert werden. Das gilt auch in der Therapie. Denn nur dann können wir sie gemeinsam bearbeiten, die Not verstehen, die dahinter steckt, und Perspektiven für ein gesundes Leben entwickeln. Wir müssen unseren Patienten Schutz anbieten und ihnen helfen, mit diesen Gedanken umzugehen – und sie nicht in die Tat umzusetzen“, betont Judith Müller.

„Das Spiel mit dem Tod können sie nur verlieren“

Viele wüssten, dass ihnen die Essstörung nicht gut tut, die psychischen Auswirkungen und die lebensbedrohlichen körperlichen Folgen seien ihnen aber oft nicht bewusst. „Manche können wir aufrütteln, indem wir ihnen ganz klar sagen, dass sie sich auf der Schwelle des Todes befinden. Bei anderen hilft es, sehr deutlich zu machen, dass ihr Verhalten hoch riskant ist und sie das „Spiel“ mit dem Tod nur verlieren können“ so Müller. Ihre Patientinnen und Patienten, die teilweise mit einem BMI unter 13 in die Klinik kommen (und grundsätzlich nicht per Sonde ernährt werden), werden engmaschig internistisch mitbetreut.

Funktionalität der Essstörung erkennen und bearbeiten

Wie gut es gelingt, Patienten wachzurütteln und aus der Lebensmüdigkeit oder lebensbedrohlichen Situation herauszuholen, hängt wesentlich davon ab, welche Bedeutung die Essstörung im Alltag und in Beziehungen hat. Je höher die Funktionalität, desto schwieriger ist es, sich von ihr zu lösen. Wird diese nicht erkannt und psychotherapeutisch bearbeitet, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Therapieabbruchs.

Alltags- und Beziehungsanforderungen mit gesunden Mitteln lösen

„Die Patienten brauchen eine hohe Motivation, um etwas loszulassen, was ihnen unter Umständen jahrelang Halt gegeben hat. Dafür müssen sie die Mechanismen, die die Symptomatik aufrechterhalten, und den Sinn dahinter verstehen. Ansonsten stellt jede Veränderung eine Bedrohung dar. Und sie müssen natürlich auch die Kompetenzen haben beziehungsweise erwerben, Alltags- und Beziehungsanforderungen ohne die Essstörung zu lösen. Psychotherapeutisch haben wir beste Voraussetzungen, um ihnen dabei zu helfen“, so die Psychotherapeutin aus Münster. Weitere Informationen zu Merkmalen und Behandlung von Essstörungen erhalten Betroffene und Angehörige unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Castingshows begünstigen psychische Störungen wie Magersucht

Jungen Mädchen wird vermittelt, dass „normal“ nicht gut genug ist und dass sie, ohne sich zu optimieren, keinen Erfolg haben werden

Münster – Castingshows wie Germany’s next Topmodel beeinflussen die Wahrnehmung einer ganzen Generation junger Mädchen und sie begünstigen, gerade zum wiederholten Male nachgewiesen, psychische Störungen wie Magersucht. Verantwortung dafür zu übernehmen und sich selbstkritisch mit den vermittelten Werten auseinanderzusetzen, lehnen sie weiterhin ab. Es wird höchstens die Verpackung geändert: Statt „du bist zu dick“ heißt es jetzt „du bist nicht in shape“. Ihre falsche und gefährliche Botschaft senden die Macher unvermittelt weiter: „So wie du bist, bist du nicht gut genug.“

Ist ein erfülltes Leben nur über Optimierung zu erreichen?

„Bei all diesen Sendungen, dazu zähle ich auch ‚Extrem schön‘, dreht sich alles um Defizite, wobei der vermeintliche Makel objektiv betrachtet, meistens noch nicht mal einer ist. Ein Bauch wölbt sich natürlicherweise auch bei schlanken Menschen etwas nach außen. In ihm sitzen schließlich unsere Organe. Inzwischen werden selbst völlig normale Zustände als mangelhaft betrachtet. Wie sollen Mädchen ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, wenn sie mit dem Bild aufwachsen, dass ein erfülltes Leben nur über Optimierung zu erreichen ist?“, fragt Judith Kugelmann, stellvertretende leitende Psychologin der auf Essstörungen spezialisierten Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Idealgewicht

Bild: Der ständige Blick aufs Defizit – Castingshows wie Germany’s next Topmodel beeinflussen die Wahrnehmung einer ganzen Generation junger Mädchen und sie begünstigen.

Wie stark sich Mädchen und junge Frauen an Model-Shows und Hochglanzmagazinen orientieren und wie „normal“ der Anblick von Frauen geworden ist, die sich an der Grenze zum Untergewicht auf dem Laufsteg präsentieren, erlebt die Therapeutin tagtäglich. Wenn sie ihren essgestörten Patientinnen erklärt, dass sie einen Mindest-BMI vom 19 erreichen müssen, um gesund werden zu können, erntet sie oft Widerstand: „Wenn ein Model so einen BMI nicht hat, warum müssen wir ihn dann haben? Wir finden Models toll.“

Der schlanke bis dünne Körper als Zeichen von Schönheit, Glück und Erfolg hat sich tief in die kollektive Wahrnehmung gebrannt. Vorher- und Nachher-Bilder von Prominenten schüren den Wettbewerb um die Kilos. Wer zu viele davon hat, wird medial abgestraft. Judith Kugelmann plädiert dafür, diese „Formel zum Glücklichsein“ gründlich zu hinterfragen: „Ist es erstrebenswert, dass wir alle einheitlichen Maßstäben gerecht werden. Sind es nicht die Unterschiede und die Vielfalt, die das Leben interessant und schön machen? Wir müssen uns als Gesellschaft gut überlegen, welche Werte wir den nachfolgenden Generationen vermitteln möchten. Es ist Zeit, dass wir uns unserer Verantwortung stellen und die aktuellen Schönheitsideale und Erfolgsmodelle kritisch überprüfen.“

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster