Nachlassende Bindung zwischen Zellen
fördert Metastasen-Bildung: Promotionspreis für Forschung am Pankreaskarzinom

Münster (mfm/tw) – Den Krebs besser verstehen: In ihrer Dissertation hat Dr. Hannah Listing sich mit dem Pankreaskarzinom befasst, das in Deutschland zu den zehn häufigsten bösartigen Tumoren gehört. Die Sterblichkeitsrate ist mit einer Fünf-Jahres-Überlebensrate von nur sechs Prozent extrem hoch. Für ihre Forschung zur Ausbreitung des Tumors im Bauchraum erhielt Listing, die an der münsterschen Uniklinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie promovierte, jetzt den Onkologie-Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung.
Die Bauchspeicheldrüse (fachsprachlich das Pankreas) ist vor allem für die Verdauung wichtig. „Krebs greift vom Pankreas häufig auf das Bauchfell über, mit dem die Bauchhöhle ausgekleidet ist“, erläutert Listing. „Bei Versuchen in der Petrischale konnte ich beobachten, dass sich die Pankreaskrebszellen durch Interaktion mit den Zellen des Bauchfells unterschiedlich entwickeln.“ Bei etwa der Hälfte der untersuchten Zelllinien verformen die Krebszellen sich von rund zu länglich.

Listing fand dafür eine mögliche zellbiologische Erklärung: Die sich verformenden Zelllinien bilden bestimmte microRNAs – das sind Molekülketten, die eine wichtige Rolle in der Genregulation spielen – in deutlich erhöhtem Maße. Dadurch wird indirekt die Ausprägung eines Proteins gehemmt, das Zellen miteinander verbindet. Zellen können sich dadurch leicht aus ihrem Zellverband lösen und zu anderen Orten wandern; bei Krebszellen trägt das zur Bildung gefährlicher Metastasen bei. „In meiner Arbeit konnte ich erstmals beschreiben, wie die frühe Phase der Metastasierung in das Bauchfell abläuft und welche Regulationsmechanismen der Zellen daran beteiligt sind“, sagt Listing. „Dieses grundlegende Wissen ist Voraussetzung, um in Zukunft neue Therapie-Ansätze etablieren zu können.“

Listing wurde in Berlin geboren. Nach Schulbesuch und Abitur im ostwestfälischen Bünde studierte sie von 2003 bis 2009 Humanmedizin in Münster, 2015 legte sie erfolgreich die Facharztprüfung für Anästhesie ab. Ihre Promotion reichte Listing 2014 ein; ihr Doktorvater ist Prof. Dr. Jörg Haier, vormaliger Direktor des Comprehensive Cancer Center Münster (CCCM). Seit 2010 arbeitet Listing in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Münster.
Der Rechtsanwalt Dr. Gerd Möller gründete die Maria-Möller-Stiftung im Andenken an seine Frau Maria Möller, die 2006 nach mehrjähriger Krankheit an Brustkrebs verstorben war. Der mit 500 Euro dotierte Maria-Möller-Promotionspreis wird seit 2008 an der Medizinischen Fakultät der Universität für herausragende Doktorarbeiten vergeben, die sich mit Früherkennung, Heilung oder Linderung von Krebserkrankungen befassen. Eine Jury unter Leitung von Dekan Prof. Wilhelm Schmitz wählt unter den onkologischen Arbeiten diejenigen mit besonders hohem Erkenntniswert aus.

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Bild: Prodekanin Prof. Heidi Pfeiffer überreichte Dr. Hannah Listing (l.) die Auszeichnung während der Promotionsfeier der Medizinischen Fakultät (Foto: FZ)

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster