Neues Verfahren im Kampf gegen Tumore und Metastasen in Wirbelkörpern

Mit Wärme gegen den Krebs

Münster – Absiedlungen von Krebszellen im Körper, sogenannte Metastasen, sind gefürchtete Begleiterscheinungen von Tumorerkrankungen. „Vor allem Brust-, Prostata-, Nieren-, Lungen- und Hautkrebs führen leider oft zu schmerzhaften Metastasen in den Knochen, besonders in den Wirbelkörpern“, erläutert Manfred Pützler, einer der beiden Chefärzte der gemeinsamen Verbundabteilung für Radiologie und Nuklearmedizin von Clemenshospital und Raphaelsklinik. Gemeinsam mit seinem Chefarztkollegen Prof. Dr. Johannes Weßling freut sich der Radiologe über die Einführung einer neuen Technik zur Behandlung von Wirbelkörpermetastasen.

Bei der sogenannten STAR-Tumorablation wird mit einer kleinen Kanüle eine bewegliche Sonde direkt zur Metastase geführt. Deren Spitze erwärmt das umliegende Gewebe kontrolliert und gleichmäßig, die bösartigen Tumorzellen sterben ab. „Die Ausdehnung des Wärmefeldes ist sehr genau zu kontrollieren, umliegende, empfindliche Strukturen der Wirbelsäule bleiben dabei geschützt“, erklärt der Radiologe. Falls nötig, kann zum Ausfüllen des im Wirbelkörper entstehenden Hohlraums durch die gleiche Kanüle computergesteuert eine flüssige, zementartige Masse eingespritzt werden, die in dem Knochen aushärtet und ihn vor dem Zusammenbrechen schützt. Anders als bei früheren Verfahren wird die gesunde Knochenstruktur geschont, was die Knochenheilung deutlich verbessert. Der Patient ist während der Behandlung schmerzfrei und behält höchstens eine kleine, punktförmige Narbe zurück. Nach dem Eingriff haben die Patienten wesentlich weniger Schmerzen, sodass die Einnahme von Schmerzmitteln deutlich verringert werden kann. Nach einem nur dreitägigen Krankenhausaufenthalt können eventuell notwendige andere Therapien sofort angeschlossen werden, beschreibt Pützler weitere Vorteile des Verfahrens.
Während die STAR-Tumorablation weltweit bereits bei rund 5000 Patienten erfolgreich angewendet wurde, ist dieses Verfahren in Deutschland bislang wenig verbreitet. In Münster wird es nur an der Raphaelsklinik, einem der beiden Standorte der Verbundabteilung, durchgeführt. „Dies ist eine neue ergänzende Methode innerhalb der Möglichkeiten von Chirurgie, Chemotherapie, Radiologie und Strahlentherapie im Kampf gegen den Krebs“, sagt der Chefarzt und macht klar, dass der jeweils erfolgversprechendste Weg immer unter allen beteiligten Fachdisziplinen besprochen und abgewogen werden muss.
Die Tumorzentren der Raphaelsklinik sind zusammen mit denen des Clemenshospitals und der Fachklinik Hornheide in der „Münsteraner Allianz gegen Krebs“ (MAgKs) zusammengeschlossen, deren Experten sich regelmäßig zu Tumorkonferenzen treffen, die Fälle aller Patienten innerhalb der drei Krankenhäuser besprechen und dabei gemeinsam und klinikübergreifend den besten Behandlungsweg erarbeiten.

RAK_Wirbelmetastasen

Bild: Chefarzt Manfred Pützler von der Raphaelsklinik (l.) mit dem Entwickler der STAR-Tumorablation, Prof. Dr. Andreas Kurth vom Klinikum Frankfurt (Oder).

Quelle: © Raphaelsklinik Münster