Neues Autismus-Kompetenzzentrum für Münster

Münster – Christoph-Dornier-Klinik spendet 20.000 Euro und fördert damit die wissenschaftlich fundierte Behandlung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen. Ziel ist es, diese früh und adäquat zu unterstützen, um ihnen Perspektiven auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu eröffnen.

Seit vier Jahren gibt es MIA, das Münsteraner Intensivprogramm für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen (ASS). Ein Modellprojekt der Fachhochschule Münster, das sich einer leitliniengerechten, wissenschaftlich fundierten Behandlung von ASS verschrieben hat. Am 1. September dieses Jahres wird nun ein eigenes Autismus-Kompetenzzentrum eröffnet, getragen von dem 2014 gegründeten „Verein zur Förderung wissenschaftlicher Interventionen bei Autismus-Spektrum-Störungen (WIA)“. Dies verbessert in Münster und Umgebung nicht nur die Versorgungssituation von Menschen mit ASS, sondern auch den fachlichen Standard des Therapieangebots.

Die Christoph-Dornier-Klinik hat das Vorhaben mit 20.000 Euro unterstützt. Sie ist eine der wenigen Kliniken in Deutschland, die Jugendliche und Erwachsene mit ASS stationär behandeln. Die stellvertretende Leitende Psychologin Judith Kugelmann, die den Behandlungsschwerpunkt zusammen mit Schide Nedjat, ehemalige Leitende Ärztin der Klinik, aufgebaut hat, weiß, wie wichtig eine frühzeitige und zielgerichtete Behandlung ist: „Mit zunehmendem Alter wird die Problematik immer schwerwiegender. Viele Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung werden psychisch krank, weil sie nicht gelernt haben, ihre eigene Besonderheit und Reaktionen ihrer Umwelt darauf einzuordnen. Dass es ihnen schwerfällt Gefühle auszudrücken und Emotionen anderer wahrzunehmen, heißt ja nicht, dass sie nichts empfinden und nicht unter Unverständnis und zwischenmenschlichen Konflikten leiden. Bei den Patienten, die zu uns kommen, ist der Leidensdruck sehr hoch. Umso wichtiger sind für sie die Erkenntnis, dass es eine Ursache für ihre Probleme gibt, und die Erfahrung, dass ihnen effektiv geholfen werden kann.“

CDK-Spende-an-WIA_13.03.2015

Bild: (v.l.n.r.) Dipl.-Psych. Judith Kugelmann, Christoph-Dornier-Klinik, Dr. Schide Nedjat, ehemalige Leitende Ärztin der CDK und Mitinitiatorin des neuen Zentrums, Prof. Dr. Röttgers, Vorsitzender des Vereins WIA.

Je früher Menschen mit ASS diese Erfahrung machen, desto entlastender ist es für sie und ihre Familien. Die Eröffnung des Münsteraner Kompetenzzentrums leistet für die Versorgung dieser Menschen in zweierlei Hinsicht einen wichtigen Beitrag. Erstens führt es die Betreuung von Kindern im Vor- und Grundschulalter rund um das Intensivprogramm MIA fort. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass es sich an der Lebenswelt der Kinder und ihrer Familien orientiert. So bezieht es das häusliche Umfeld ebenso mit ein wie Kindergarten und Schule. Es unterstützt die Eltern darin, selbst zu Experten für ihr Kind und dessen besondere Bedürfnisse zu werden. Insgesamt ist das therapeutische Angebot jedoch auf alle Altersgruppen ausgerichtet. Hinzu kommen Gruppenangebote für soziale und emotionale Kompetenz, die auch im stationären Kontext der Christoph-Dornier-Klinik eine zentrale Rolle spielen. Zweitens ermöglicht die Kooperation mit der Fachhochschule Münster die Aus- und Fortbildung von Ärzten, Psychologen, Pädagogen und Sozialarbeitern – eine wichtige Grundlage, um einen angemessenen fachlichen Standard in der Autismus-Therapie zu etablieren. „In der ASS-Therapie dürfen wir keine Zeit mehr mit unspezifischen Angeboten verlieren und wertvolle Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben vergeben. Gerade in frühen Entwicklungsphasen zählt jeder Tag. Wir können Autismus nicht heilen, aber mit hochfrequenten alltagsnahen verhaltenstherapeutischen Maßnahmen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich zweifelsfrei belegt ist, können wir die Alltagsfähigkeit und die Selbstständigkeit – und damit die Lebensqualität – dieser Menschen und ihrer Familien erheblich verbessern“, berichtet Schide Nedjat aus langjähriger Erfahrung. Sie wird im September die Ärztliche Leitung des neuen Kompetenzzentrums übernehmen.

Zusammen mit Hanns Rüdiger Röttgers, Professor an der Fachhochschule Münster, Initiator des Modellprogramms MIA und Vorsitzender des gemeinnützigen Trägervereins WIA, setzt sie sich bereits seit Jahren dafür ein, das Therapieangebot für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung auf wissenschaftlich fundierte Füße zu stellen. Ein Ziel, das auch die Christoph-Dornier-Klinik mit ihrem therapeutischen Angebot seit ihrer Gründung vor 22 Jahren konsequent verfolgt. Weitere Informationen unter www.c-d-k.de

Quelle: @ Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie