Ein Lichtblick für Blinde:
Bionisches Auge (Netzhautchip) verhilft zu orientierendem Sehen

Experten der Klinik für Augenheilkunde des UKM implantieren Netzhautchip / Wahrnehmung von Kontrasten und Strukturen macht Patienten im Alltag wieder mobiler / Verfahren bieten nur wenige Kliniken bundesweit an

Münster (ukm) – Lichtmuster und Silhouetten, die Hoffnung geben: Eine erblindete Patientin hat durch ein am UKM (Universitätsklinikum Münster) eingesetztes Netzhautimplantat wieder eine orientierende Sehfähigkeit zurückerlangt. Die 69-Jährige leidet an Retinitis pigmentosa (RP) und ist eine von 25 Patienten, bei der dieses neue Therapieverfahren in Deutschland eingesetzt worden ist. Seit 15 Jahren konnte sie nur noch hell und dunkel wahrnehmen und keine Formen mehr erkennen. „Durch die Wahrnehmung von Kontrasten und Strukturen können Patienten, die einen vollständigen Sehverlust erlitten haben, ihren Alltag wieder mobiler gestalten. Das Implantat hilft blinden Patienten bei der Orientierung und gibt ihnen beispielsweise auch einen Tag-Nacht-Rhythmus zurück“, erklärt Prof. Dr. Nicole Eter, Direktorin der Klinik für Augenheilkunde am UKM, die den mehrstündigen Eingriff vorgenommen hat. „Es ist für uns Mediziner eine spannende Zeit, da wir erstmals Blinden wieder zu einer Wahrnehmung verhelfen können.“

UKM_Netzhautimplantat_Eter

Bild: Prof. Dr. Nicole Eter zeigt an einem Foto des Auges den implantierten Netzhautchip, der orientierendes Sehen ermöglicht.

Das Implantat ist Teil des sogenannten Argus II Systems, das neben dem Netzhautchip aus einer Brille mit integrierter Minikamera und einer kleinen Computer-einheit besteht. Die Minikamera nimmt Umgebungsbilder auf, die in einer Computereinheit in elektrische Impulse umgewandelt und kabellos an einen auf der Netzhaut implantierten Chip des Patienten weitergeleitet werden. Die Signale stimulieren die noch vorhandenen Netzhautzellen und erzeugen so visuelle Lichtmuster. In einem speziellen Training lernen die Patienten, diese zu deuten, um so ein funktionales Sehvermögen zurückzugewinnen. „Unsere Patientin zeigte bereits beim ersten Anschalten des Systems vielversprechende Ergebnisse“, zeigt sich Eter zufrieden.

In Deutschland sind schätzungsweise 30.000 Menschen von Retinitis pigmentosa betroffen, einer erblich bedingten Augenerkrankung, die zum Absterben der lichtempfindlichen Fotorezeptoren auf der Netzhaut des Auges führt. Während die Sehfähigkeit stetig abnimmt, bleibt der Sehnerv jedoch intakt. Bislang ist es nicht möglich, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Bundesweit setzen nun zehn Kliniken das neue Verfahren, das zu orientierendem Sehen verhilft, ein. Münster ist neben Köln und Aachen eine von drei Kliniken in Nordrhein-Westfalen.

Informationsveranstaltung am 7. Oktober 2015

Im Rahmen der „Woche des Sehens“ findet am Mittwoch, 07. Oktober 2015, von 17.00 bis 18.30 Uhr eine Informationsveranstaltung zu diesem neuen Therapieverfahren im Hörsaal der Klinik für Augenheilkunde, Domagkstraße 15, 48149 Münster statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen unter www.augenklinikUKM.de