Promotion zur Rolle von RTK bei Ewing-Sarkomen:
Möller-Preis geht an Krebsforscherin Dr. Amelie Tillmanns

Artikel-MFM_12072016Münster (mfm/tw) – Amélie Tillmanns hat den Onkologie-Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung erhalten. Die Stiftung zeichnet die Promovendin der Universität Münster für ihre wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Ewing-Sarkom, einer vor allem bei Kindern und Jugendlichen verbreiteten Knochenkrebsform, aus.

In ihrer Doktorarbeit befasste sich Tillmanns mit der Rolle von Rezeptor-Tyrosinkinasen (RTK) – das sind Proteine an der Zellmembran, die Signale aus dem Körper ins Zellinnere leiten, unter anderem für Zellwachstum und Zellwanderung. Aus bisherigen Studien ist bereits bekannt, dass manche Tumoren über besonders viele RTK verfügen und dadurch zu schnellerem Wachstum oder stärkerer Tumorausbreitung (Metastasierung) angeregt werden. Durch Blockade der RTK könnte das Wachstum der Tumoren gebremst werden. Bei Lungen- und Brustkrebs wird dieser Behandlungsweg bereits angewandt.

Ein Ziel von Tillmanns Doktorarbeit war es, besser zu verstehen, welche RTK bei Ewing-Sarkomen besonders häufig auftreten und möglicherweise zur Aggressivität der Tumore beitragen. Insgesamt sind 58 unterschiedliche RTK bekannt, 45 davon konnte Tillmanns in 21 untersuchten Ewing-Sarkomen nachweisen.

Außerdem identifizierte Tillmanns RTK, die als Ziele einer Tumorbehandlung besonders attraktiv erscheinen. Dazu gehört ROR1: Aus bisherigen Studien ist bereits bekannt, dass ROR1 eventuell eine Rolle bei der Metastasenbildung spielt. Tillmanns konnte nachweisen, dass eine Blockade von ROR1 die Zellwanderung beeinträchtigt. Möglicherweise könnte auf dieser Grundlage eine neue Therapie entwickelt werden.

Tillmanns wuchs in Neuss bei Düsseldorf auf. Nach dem Abitur studierte sie von 2007 bis 2014 Humanmedizin in Münster. Ihre Approbation als Ärztin erhielt Tillmanns im Frühjahr 2015, die Promotion schloss sie in diesem Januar ab. Derzeit arbeitet Tillmanns als Assistenzärztin in der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie – das ist eine Disziplin, die sich mit Sprach-, Stimm- und Hörstörungen befasst – an der Uniklinik Münster. Die Krebsforschung lässt sie aber nicht los: In einem Projekt befasst sich die Ärztin mit den Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten auf das Gehör junger Patienten.

Der Rechtsanwalt Dr. Gerd Möller gründete die Maria-Möller-Stiftung im Andenken an seine Frau Maria Möller, die 2006 nach mehrjähriger Krankheit an Brustkrebs verstorben war.

Der mit 1.000 Euro dotierte Maria-Möller-Promotionspreis wird seit 2008 zweimal jährlich an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster vergeben – für herausragende Doktorarbeiten, die an der Fakultät entstanden sind und sich mit Früherkennung, Heilung oder Linderung von Krebserkrankungen befassen. Tillmanns wird das Preisgeld an eine abgelegene Dorfklinik in Guatemala, in der sie 2015 einige Wochen lang arbeitete, für die Anschaffung neuer Geräte oder Medikamente spenden.

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster