Frühgeburten verhindern: „Endlich effektive Therapiemethoden in Sicht“

Neue Sprechstunde am UKM für Schwangere mit drohender Frühgeburt / „Beste Betreuung von Frühgeborenen beginnt vor der Geburt“

Münster (ukm/js) – Frühgeborene Kinder haben heute dank moderner Medizin einen viel besseren Start ins Leben als noch vor einigen Jahren. Selbst extreme Frühchen mit weniger als 1000 Gramm Geburtsgewicht haben gute Chancen später ein gesundes Leben zu führen. Doch auch wenn medizinisch vieles möglich ist: „Unser Ziel ist immer, eine Frühgeburt zu vermeiden und die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten. Davon profitiert das Kind lebenslang. Daher beginnt die beste Betreuung von Frühgeborenen bereits vor der Geburt“, erklärt der Leiter der UKM Geburtshilfe und Experte für Risikogeburten Prof. Dr. Walter Klockenbusch. Das Team der Geburtshilfe unter Leitung von Klockenbusch und Dr. Ralf Schmitz arbeitet eng mit den Experten der von Prof. Dr. Heymut Omran geleiteten Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Allgemeine Pädiatrie des UKM zusammen. Zusammen bilden die Geburtshilfe und die UKM Kinderklinik das größte Perinatalzentrum der Region. „Wir betreuen Schwangere aus ganz Westfalen, aber auch dem Emsland oder dem Rheinland“, erklärt Dr. Ralf Schmitz. Das Besondere in der Zusammenarbeit am UKM: Geburtshelfer, Kinderärzte und bei Bedarf weitere Spezialisten betreuen Schwangere, denen eine Frühgeburt droht, von Beginn an zusammen – und nicht erst dann, wenn das Baby auf die Welt kommt. Seit kurzem gibt es eine gemeinsame „Frühgeborenensprechstunde“. „Hier beraten die Spezialisten gemeinsam Schwangere mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt. Durch unsere enge organisatorische und räumliche Verflechtung können wir eine optimale Versorgung anbieten, von der frühen Schwangerschaft bis in spätere kindliche Entwicklungsphasen“, sagt Dr. Claudius Werner, Leiter der Neonatologie an der UKM Kinderklinik. Ist eine Frühgeburt unabwendbar, kann eine umfassende und maximale Versorgung des Kindes gewährleistet werden.

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Bild: Um Frühgeborenen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, arbeiten am UKM Geburtshelfer und Kinderärzte eng zusammen und versuchen nach Möglichkeit, eine Frühgeburt zu verhindern.

Klockenbusch, Schmitz sowie Omran und Werner sehen aktuell eine Trendwende in Sachen Frühgeburt: Über Jahrzehnte konnte weltweit trotz großer Anstrengungen die Frühgeburtenrate nicht gesenkt werden. „Es besteht nun die berechtigte Hoffnung, dass der gezielte Einsatz bestimmter Verfahren effektive Schwangerschaftsverlängerungen ermöglicht. Endlich sind effektive Therapiemethoden in Sicht. Das bedeutet eine wesentliche Verbesserung für die Lebensperspektive dieser Kinder“, sagt Prof. Dr. Walter Klockenbusch.

Drei Fragen an Prof. Dr. Walter Klockenbusch, Leiter der UKM Geburtshilfe

Welche Schwangeren haben ein Risiko für Frühgeburten?
Prof. Dr. Walter Klockenbusch: „Besonders gefährdet sind Frauen, die bereits zuvor schon einmal eine Frühgeburt erlitten haben, aber auch Schwangere, die zwei oder mehr Kinder erwarten. Aus diesem Grund bieten wir neben der Frühgeborenensprechstunde auch eine Sprechstunde speziell für werdende Mehrlingseltern an.“

Wieso ist es wichtig schon vor der Geburt zu beraten?
Prof. Dr. Walter Klockenbusch: „Wir haben heute gute Möglichkeiten Risikofaktoren schon frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, noch bevor die Frau Beschwerden hat. Das ist aber nur möglich, wenn wir die Schwangeren bereits dann beraten haben.“

Welche Angebote bietet das Perinatalzentrum am UKM darüber hinaus?
Prof. Dr. Walter Klockenbusch: „Unsere Spezialisten verfügen über eine sehr große Erfahrung bei der Früherkennung von Risiken. Außerdem sind wir als Uniklinik auch an der Entwicklung und Erforschung neuer Therapiemöglichkeiten beteiligt. Mein Kollege Dr. Ralf Schmitz hat beispielsweise ein Verfahren entwickelt, das es erstmals ermöglicht subjektiv die Elastizität des Gebärmutterhalses zu messen, was ein wesentlicher Faktor bei Frühgeburten ist.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster