Medienabhängigkeit:
Wann ist eine stationäre Therapie sinnvoll?

Artikel-CDK_13072015Münster – 560.000 Menschen gelten in Deutschland als computer- oder onlinesüchtig. Gefangen in der virtuellen Welt verlieren sie die Kontrolle über ihr Leben. Eine stationäre Therapie kann helfen, der digitalen Abhängigkeit zu entkommen.

Medienabhängigkeit: Viele Menschen nutzen das Internet, um Problemen im realen Leben zu entkommen. Sie suchen Entlastung, Gemeinschaft und Anerkennung, auch Herausforderung, und werden in Online-Spielen oder sozialen Netzwerken fündig. Oft merken sie gar nicht, dass sie immer mehr Zeit im Internet verbringen und ihr Tagesablauf zunehmend computergesteuert ist. Der Übergang in eine Sucht ist fließend. „Es gibt inzwischen gute ambulante Hilfsangebote, auch wenn die Versorgungslage insgesamt noch nicht optimal ist. Eine stationäre Behandlung ist zu empfehlen, wenn das Problem schon länger besteht, sich schwerwiegende Folgen wie der Verlust der Partnerschaft oder des Arbeitsplatzes abzeichnen, der soziale Rückhalt fehlt und weitere psychische Störungen auftreten“, sagt Judith Kugelmann, stellvertretende leitende Psychologin der Christoph-Dornier Klinik in Münster.

Bei 90 Prozent der pathologischen Internetnutzer lassen sich depressive Syndrome, Angst-erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen sowie Suchtmittelmissbrauch oder -abhängigkeiten diagnostizieren – fast viermal häufiger als bei „normalen“ Nutzern. Dennoch ist die Hemmschwelle, sich einer spezialisierten Klinik anzuvertrauen, groß. Manche erkennen die Dramatik der Situation selbst gar nicht mehr, anderen stehen Ängste im Weg, vor der Leere des Offline-Seins und dem, was diese Leere dann fällt. Dabei bietet eine stationäre Therapie die Chance, das Suchtverhalten in einem geschätzten Rahmen zu unterbrechen, Schritt für Schritt Alternativen zu entwickeln und intensiv an den Hintergrundkonflikten zu arbeiten. Ein geregelter Tagesablauf, regelmäßige Essenszeiten und die realen Kontakte zu anderen Menschen geben Struktur und verbessern die soziale Kompetenz.

In der Christoph-Dornier-Klinik werden die Behandlungsziele gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet. Zehn Sitzungen pro Woche zuzüglich Gruppentherapien ermöglichen eine individuelle intensivtherapeutische Begleitung, die bei Bedarf auch das häusliche Umfeld einbezieht. Ziel der Behandlung ist eine starke Reduktion der Online-Zeiten und gegebenenfalls auch die vollständige Aufgabe des süchtig machenden Spiels oder Programms. Dafür müssen Nutzungsgewohnheiten verändert und alternative Verhaltensweisen aufgebaut werden. Weiteres Ziel ist es, den zuvor eingeengten persönlichen Handlungsspielraum wieder zu erweitern und vernachlässigte Aktivitäten sowie soziale Kontakte wieder aufzubauen. Parallel dazu gilt es Auswege aus zusätzlich bestehenden psychischen Störungen zu erarbeiten. Denn die pathologische Internetnutzung kann Ausgangspunkt, aufrechterhaltende Bedingung, aber auch ein Lösungsversuch für die sich darstellende Problematik sein. Weitere Informationen unter www.c-d-k.de.

Zudem bietet die Christoph-Dornier-Klinik mittwochs zwischen 17 und 20 Uhr unter der Rufnummer 0251/ 48 10-148 oder -140 ein kostenloses Beratungstelefon an.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster