Darmkrebs: Lächeln half L. Tillmann auf dem Weg zurück ins Leben

Darmkrebsmonat März: Menschen mit chronischen Darmerkrankungen sind besonders gefährdet

Münster – Im Sommer 2009 fing sie an, die Leidensgeschichte von Lena Tillmann aus Emsdetten, die nach einem langen und dramatischen Krankheitsverlauf heute wieder mitten im Leben steht. Vor sechs Jahren bemerkte sie zum ersten Mal Blut im Stuhl und hielt das zunächst für keine große Sache. Untersuchungen beim Facharzt ergaben nach einigen Monaten die Gewissheit: Lena Tillmann hat Colitis ulcerosa, eine chronische Entzündung des Dickdarms. Zunächst mit Medikamenten gut eingestellt, kam es dann ausgerechnet im Urlaub zu einer deutlichen Verschlechterung. So verbrachte sie vier der sieben Urlaubstage im ausländischen Krankenhaus. Nur mit Mühe gelang es der schwer kranken jungen Frau, einen Flug nach Deutschland zu bekommen. Die Bedingung der Ärzte für die Heimreise war: Sie solle sich umgehend nach ihrer Rückkehr ins Krankenhaus begeben.

So wurde Lena Tillmann das erste Mal im St. Franziskus-Hospital behandelt. Hier im interdisziplinären Darmzentrum sind die Ärzte neben der Behandlung von Darmkrebs auch auf entzündliche Darmerkrankungen spezialisiert. Während eines mehrwöchigen Aufenthaltes in der Klinik für Innere Medizin II unter der Leitung von Professor Dr. Bernhard Glasbrenner wurde die Patientin mit Infusionen und Medikamenten stabilisiert. „Ihr Zustand war zwischenzeitlich sehr kritisch“, erinnert sich der behandelnde Arzt Professor Dr. Glasbrenner. „Über die gesamte Behandlungszeit mussten wir den Blutverlust mit mehreren Blutkonserven ausgleichen.“ Wieder mit gegen die Darmentzündung gerichteten Medikamenten (Immunsuppressiva) versorgt und von der Ernährungsberatung des Hospitals informiert, verließ Lena die Klinik und lebte recht beschwerdefrei; sie wurde in dieser Zeit engmaschig beim Gastroenterologen vor Ort überwacht.

Ende 2013 kam es zu einem neuen Krankheitsschub: Immer mehr Speisen, die sie in den vergangenen Jahren gut vertragen hatte, bereiteten ihr plötzlich Probleme. Sie hatte wieder Blut im Stuhl, auch die Stuhlfrequenz stieg wieder: „Es ging mir genau so schlecht wie vorher“, erinnert sich die heute 26-Jährige. Zunächst sollte ein neuer Wirkstoff die Beschwerden lindern. „Doch bis zum Eintritt der Wirkung war ich schon wieder stationär im St. Franziskus-Hospital aufgenommen und wurde wieder stabilisiert.“ Professor Dr. Matthias Brüwer, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Kinderchirurgie, riet Lena Tillmann während ihres Aufenthaltes erstmals zur operativen Entfernung des Dickdarms, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Doch davon wollte die junge Frau nichts wissen. „Es ging ja auch so. Bis zu 20 Stuhlgänge am Tag hielt ich für normal und ich war fest entschlossen, damit weiter zu leben“, sagt sie rückblickend.

Doch schon eine Woche später kam es zum operativen Eingriff: Plötzlich auftretendes, sehr hohes Fieber deutete darauf hin, dass der Darm so angegriffen war, dass er den Körper bald vergiften würde. Die Mediziner warteten in dieser dramatischen Lage nur so lange ab, bis sie so stabil war, dass die dringende Operation stattfinden konnte. Bei dem Eingriff wurde der Dickdarm bis auf einige Zentimeter entfernt und ein künstlicher Darmausgang, ein so genanntes Stoma, angelegt. „Bei 20 bis 30 Prozent der Patienten mit Colitis ulcerosa muss im Laufe der Erkrankung der gesamte Dickdarm entfernt werden. Gründe hierfür sind meistens ein Wirkverlust der Medikamente (Therapierefraktärität), Nebenwirkungen der Therapie oder auch die Entwicklung von Darmkrebs“, erläutert Professor Brüwer, Leiter des interdisziplinären Darmzentrums am St. Franziskus-Hospital Münster, einer Einrichtung der St. Franziskus-Stiftung Münster.
Tillmann

Bild: Freuen sich über den Behandlungserfolg (v.l.): Professor Dr. Matthias Brüwer, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Kinderchirurgie und Leiter des interdisziplinären Darmzentrums am St. Franziskus-Hospital Münster, Patientin Lena Tillmann und Professor Dr. Bernhard Glasbrenner, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am St. Franziskus-Hospital Münster.

Elf Tage Behandlung auf der Intensivstation schlossen sich für Lena Tillmann nach dem Eingriff an, schwere Nebenwirkungen wie Aphten, Herpes, schlechte Blutwerte oder massive Wassereinlagerungen mussten überwunden werden. Lena Tillmann bezeichnet diese Zeit als „die schlimmste ihres Lebens“ und war trotzdem in der Lage, zu trösten und so oft wie möglich zu lächeln, um ihre Besucher aufzumuntern. Nach der langen Liegezeit musste sie das Laufen wieder neu lernen. „Nicht nur nach, auch während der Operation, so sagte man uns, hat Lena mehrfach kämpfen müssen. Diese Stärke und die positive Lebenseinstellung haben ihr immer wieder geholfen, am Leben zu bleiben“, beschreibt die Mutter Marlene Tillmann ihre Erinnerung an die schwere Zeit. Ihr hat das Lächeln ihrer Tochter immer wieder Kraft und Zuversicht gegeben hat.

Der Rollstuhl, der nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zu Hause auf die 26-Jährige wartete, musste nach wenigen Tagen den Haushalt verlassen: „Den will ich nicht und den brauche ich auch nicht“, so die Begründung der jungen Frau. Auch der künstliche Darmausgang war für sie kein Weltuntergang. „Ohne ihn wäre ich nicht mehr am Leben“, sagt sie heute und kann der Maßnahme sogar Positives abgewinnen, denn er macht sie unabhängig von der Nähe zur Toilette – ohne Stoma kann das zum Problem werden.

Kurz nach der Rückkehr nach Hause ging es zum Rehabilitationsaufenthalt in eine Kurklinik. Es folgten die Wiedereingliederung in den Beruf, einige Monate arbeiten und ein Leben fast wie zuvor. Vor einigen Wochen stand nun geplant die zweite von drei OPs an: Der Restdickdarm wurde entfernt, aus dem letzten Teil des Dünndarmes wurde ein so genannter Pouch, eine Art künstlicher Enddarm, konstruiert und mit den Enddarm verbunden. Dieser Pouch soll künftig die Reservoirfunktion des entfernten Mastdarmes übernehmen. Zum Schutz dieser Nahtverbindung wurde wieder ein künstlicher Darmausgang angelegt. Im letzten Operationsschritt im Mai soll dann das Stoma entfernt und somit eine Stuhlentleerung auf normalem Weg wieder möglich werden. Medikamente sind momentan nicht erforderlich und Lena Tillmann blickt wie immer positiv in die Zukunft: „Ohne die tolle Versorgung der Ärzte und Pflegekräfte im St. Franziskus-Hospital, die Unterstützung meines Freundes und meiner Eltern hätte ich diese schwere Zeit nicht so gut überstanden. Bei ihnen allen möchte ich mich herzlich bedanken, dass ich wieder Pläne schmieden kann“, betont sie. „Einen persönlichen Traum habe ich mir schon vor der Operation erfüllt, als ich in Florida mit Delfinen geschwommen bin. Meine Ziele sind: Urlaub am Meer, schöne Fernreisen, und ansonsten: einfach leben!“

Quelle: © St.-Franziskus-Hospital Münster