Kreuzbanderhaltende Endoprothese
nimmt Knie-OP den Schrecken

Neuartige Prothese ermöglicht den Erhalt der intakten Kreuzbänder

Münster (ukm/aw) – Pasquale Caporale strahlt: dass er innerhalb weniger Monate an beiden Kniegelenken Prothesen bekommen hat, ist kaum zu glauben. In seiner Freizeit spielt er sogar schon wieder Fußball.
Im August 2015 haben die Orthopäden des UKM (Universitätsklinikum Münster) ihm rechts die erste Prothese eingesetzt. Keine herkömmliche allerdings: Eine neuartige Form mit einer Aussparung an der Stelle, wo die Kreuzbänder sitzen, hat möglich gemacht, Caporales vorhandene und noch intakte Kniebänder zu erhalten. Der Eingriff verlief problemlos und der 62-Jährige war nach vergleichsweise kurzer Rehabilitation wieder mobil.

Dr. Ralf Dieckmann, Leiter des EndoProthetikZentrums der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie am UKM hatte ihm diese neue Art der Knie-Endoprothese eingesetzt: „Früher mussten wir die Kreuzbänder bei einer Operation mitentfernen. Dass sie nun erhalten bleiben können, macht das Kniegelenk viel stabiler und der Patient ist schneller wieder auf den Beinen.“

Durch bessere Sensibilität im Knie früher wieder mobil

Durch die kreuzbanderhaltende Knieprothese bleibt vor allem die Tiefensensibilität des Kniegelenks erhalten. Die Patienten haben, anders als bei einer konventionellen Endoprothese, nicht mehr das Gefühl, dass ihr Kniegelenk ein Fremdkörper ist. Der Bewegungsablauf fühlt sich innerhalb kurzer Zeit weitgehend wie früher an. „So sind natürlich auch die schnellen Fortschritte mit Hinblick auf die Beweglichkeit zu erklären“, freut sich Dieckmann. Allerdings, schränkt er ein, ist die Prothese nicht für jeden Patienten geeignet: „Die Arthrose im Kniegelenk darf noch nicht zu weit fortgeschritten sein, die Bänder natürlich nicht vorgeschädigt.“ Eine gewisse Fitness sei also Voraussetzung.

Zehn Patienten wurden am UKM seit dem vergangenen Jahr mit der neuen Prothese versorgt, Caporale ist bisher der einzige, der beidseitig operiert wurde. In ganz Nordrhein-Westfalen wird die kreuzbanderhaltende Prothese bisher nur am EndoProthetikZentrum des UKM verwendet.

Pasquale Caporale ließ wegen des großen Erfolgs der ersten OP Anfang des Jahres auch das linke Kniegelenk operieren. „Hätte ich gewusst, dass das Ergebnis so gut ist – ich hätte mich viel eher zu einer Operation entschlossen“, sagt der gelernte Maurer heute. „Jahrelang hatte ich unerträgliche Schmerzen. Bei der Arbeit und in meiner Freizeit. Dazu kam noch die Angst, dass ich mit Knieprothesen nicht mehr richtig laufen können würde.“ Nur deshalb habe er die Zähne aufeinander gebissen – und viel zu lange gelitten, sagt er: „Jedem Patienten, der eine Chance auf eine kreuzbanderhaltende Knieprothese hat, kann ich diese nur empfehlen.“

UKM_Knieendoprothese_Caporale_2-(2)

Bild: Dr. Ralf Dieckmann und der Patient Pasquale Caporale sind mit dem Ergebnis der kreuzbanderhaltenden Operation sehr zufrieden.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster