Komplexe Hirntumor-Operationen live nach London übertragen

Neurochirurg Prof. Dr. Walter Stummer operiert und beantwortet dabei live Fragen für internationales Fachpublikum

Artikel-UKM_27062016Münster (ukm/aw) – 200 Neurochirurginnen und -chirurgen in London lauschten am 23. Juni gebannt den Erklärungen von Prof. Dr. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) und seit kurzem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC). Während er am offenen Hirn operierte, war der Patient wach und ansprechbar.

Für die Teilnehmer des diesjährigen internationalen Kongresses der Neurochirurgen in London eine Besonderheit: Denn Stummer operierte mit dem von ihm entwickelten Farbstoff 5-ALA. Dieser reichert sich besonders in Tumorzellen des Gehirns an und hilft, diese zu erkennen und zu entfernen. Er kombinierte diese Technik zusätzlich mit weiteren modernsten Verfahren zur elektrischen Überwachung der Gehirnfunktion. So können – auch bei Wach-OPs – wichtige Hirnareale, die z.B. für Sprache und Bewegung verantwortlich sind, geschont werden. Das Risiko, sie zu verletzen, wird minimiert. „Wir setzen den Fluoreszenzfarbstoff 5-ALA regelmäßig ein – je nach Lokalisation des Tumors auch in Kombination mit Wach-Operationen“, so beschreibt Stummer die Technik, die er bereits zum vierten Mal in Folge beim „London live course“ präsentierte. Die Lehrveranstaltung, die für ein internationales Publikum von Neurochirurgen durchgeführt wird, wird von den weltweit renommiertesteten Hirntumorspezialisten abgehalten.

In diesem Jahr wurden gleich zwei OPs aus verschiedenen Operationssälen des UKM übertragen. Dank der technischen Unterstützung des Zentrums für Informationsverarbeitung (ZIV) parallel mittels Videokonferenz. Die Neurochirurgen der Konferenz in London sahen so Bilder in HD-Qualität, für Nachfragen waren sie per Funk zugeschaltet.

Neben Stummers Operationen wurden im Rahmen des Kongresses auch die von führenden Gehirnchirurgen aus San Francisco, Brisbane und Mailand übertragen. Im Anschluss an die OP reiste Stummer selbst nach London. Dort diskutierte er mit anderen Experten seine Technik – und freute sich über das gelungene Ergebnis: „Die Operationen verliefen einwandfrei. Der Patient, der im Vorfeld der Übertragung zugestimmt hat, ist wohlauf.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster