Innovative Shunt-Technik stärkt Lebensqualität von Dialysepatienten

St. Franziskus-Hospital ist eines von drei Zentren in Europa mit neuer Technik

Münster – Die Klinik für Gefäßchirurgie am St. Franziskus-Hospital Münster kann Patienten ab sofort mit einem neuen Verfahren behandeln: einem „Dialyseshunt“, der ohne chirurgischen Schnitt angelegt wird. Damit zählt die Münsteraner Klinik, die von Chefarzt Univ.-Professor Dr. Giovanni Torsello geleitet wird, zu einem von drei Zentren in Europa, die diese Technik seit Februar 2015 anwenden. Bei Patienten, deren Nierenfunktion in einem Maße beeinträchtigt ist, dass eine Blutwäsche/Dialysebehandlung durchgeführt werden muss, ist die Anlage einer Verbindung zwischen einer Armarterie und einer Armvene notwendig.

Wie zum Beispiel bei der 32-jährigen Patientin Jasmin Harms aus Dülmen, die an einer chronischen Nierenerkrankung leidet. „Die Nierenfunktion verschlechterte sich zusehends bis zu dem Moment, an dem Frau Harms kurz vor der Dialysepflicht stand“, erinnern sich Dr. Martin Baumgärtel, Chefarzt der I. Medizinischen Klinik und Dr. Arne Schwindt, Oberarzt an der Klinik für Gefäßchirurgie. Die am St. Franziskus-Hospital gelegene Praxis für Nieren- und Hochdruckerkrankungen (Dres. Thomas Pöppelmann/Daniela Rammrath) hatte der Patientin in Vorbereitung auf die Nierenersatzbehandlung zur Anlage eines Dialyseshunts geraten. Anfang Februar 2015 wurde bei Frau Harms erstmals in Münster eine Shuntanlage für die Dialysetherapie ohne chirurgischen Schnitt durchgeführt. Bei einer solchen Anlage wird normalerweise nach einem Schnitt am Handgelenk oder in der Ellenbeuge die Vene auf die Arterie genäht. „Bei dem neuen Verfahren können wir den Shunt ohne chirurgischen Schnitt erstellen. Per Kathetereingriff verbinden wir Vene und Arterie miteinander. Hierzu werden zwei Punktionen am Oberarm in örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Eingriff ist komplett minimalinvasiv“, so Dr. Schwindt. „Vorteilhaft für den Patienten sind die Vermeidung von chirurgischen Narben an Haut und Unterhaut. Zudem wird der Blutfluss im Gegensatz zum chirurgischen Verfahren nicht mit Gefäßklemmen während des Eingriffs unterbrochen. Diese Klemmung der Gefäße kann im Langzeitverlauf zur Entstehung von Gefäßengen führen, die wiederum behandelt werden müssen. Wir hoffen, dass diese Gefäßengen mit dem neuen Verfahren verringert oder vermieden werden und sich Dialysepatienten somit weniger Folgeeingriffen unterziehen müssen.“ Das neue Verfahren hat die Studienphase bereits abgeschlossen und geeignete Patienten können mit dem zur Shuntanlage zugelassenen Kathetersystem im St. Franziskus-Hospital behandelt werden. Die Eignung der Gefäße wird vor dem Eingriff mittels Ultraschalluntersuchung ermittelt. Der Eingriff kann sowohl bei bereits bestehender Dialysepflicht als auch im Vorfeld bei zu erwartender Dialysepflicht in naher Zukunft erfolgen.

Shunttechnologie

Bild: (v.l.) Freuen sich über das gute Ergebnis der innovativen Shunt-Technik: Univ.-Professor Dr. Giovanni Torsello (Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am St. Franziskus-Hospital Münster), Dr. Arne Schwindt (Oberarzt an der Klinik für Gefäßchirurgie am St. Franziskus-Hospital Münster), Jasmin Harms (Patientin), Dr. Thomas Pöppelmann (Zentrum für Nieren- und Hochdruckerkrankungen, Münster) und Dr. Martin Baumgärtel (Chefarzt der I. Medizinischen Klinik am St. Franziskus-Hospital Münster).

Es liegen bereits klinische Erfahrungen mit über 90 Patienten in Kanada und Südamerika vor die sehr positiv sind und zur europäischen Zulassung des Kathetersystems geführt haben. Univ.-Prof. Dr. Torsello und Dr. Schwindt sind stolz darauf, dass die Nephrologie und Gefäßchirurgie am St. Franziskus-Hospital zu den ersten europäischen Kliniken gehören die das Verfahren anbieten können. Die Klinik für Gefäßchirurgie am St. Franziskus-Hospital zählt mit über 3.000 Kathetereingriffen und Gefäßoperationen pro Jahr zu den Spitzenreitern in Deutschland und Europa und ist im Bereich der Gefäßtherapie in vielen Bereichen Vorreiter hinsichtlich innovativer therapeutischer Ansätze. Die minimalinvasive Shuntanlage ist nach Ansicht der Nephrologen und Gefäßchirurgen am St. Franziskus-Hospital eine sinnvolle Erweiterung der Therapiemöglichkeiten für Dialysepatienten und hat bei ihrer erstmaligen Anwendung in Münster ein für die Patientin gutes Ergebnis erzielt.

Quelle: © St. Franziskus-Hospital GmbH, Münster