Welt-Frühchentag (17.11.2019): „Hallo PAUL!“: Frühchen-Simulator revolutioniert die Neugeborenen-Medizin

In Deutschland kommen jedes Jahr rund 8.000 Kinder noch vor der 30. Schwangerschaftswoche und mit einem Gewicht von weniger als 1.500 Gramm zur Welt. Bei einem Kind, das so viel zu früh ins Leben startet, ist die sofortige und bestmögliche medizinische Versorgung extrem wichtig. Leider kann man den Ernstfall einer so frühen Geburt nie üben, was die neonatologischen Teams vor große Herausforderungen stellt. Ein Frühchen-Simulator namens PAUL soll ab jetzt helfen, Teams zu trainieren, die solche extremen Frühchen erstversorgen. Finanziell möglich gemacht wurde PAUL auch durch Spenden.

Münster (ukm/aw) – PAUL ist 1.000 Gramm schwer und 35 Zentimeter klein. Damit entspricht er einem Frühgeborenen, das in der 27. Schwangerschaftswoche zur Welt gekommen ist. Dr. Katharina Schulze-Oechtering, Kursleiterin des UKM Trainingszentrums für den Bereich Pädiatrie und Neonatologie, kann künftig mit den Teams, für die die Erstversorgung solcher extremer Frühchen Arbeitsalltag ist, realitätsnah und zielgerichtet trainieren. Neugeborenen-Mediziner (Neonatologen) und Kinder- und Gesundheitspflegende werden künftig in interdisziplinären Simulationstrainings alle erdenklichen neonatologischen Ernstfälle mit PAUL üben. Oberärztin Dr. Julia Sandkötter aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKM (Universitätsklinikum Münster) freut sich darüber: „Es versteht sich von selbst, dass wir die verschiedenen Situationen niemals an einem echten Notfall durchspielen können. Für unser Realitätsempfinden ist PAUL, der in seiner Größe und seinem Verhalten einem Frühgeborenen komplett entspricht, enorm hilfreich. Es ist großartig, mit PAUL einen Simulator zu haben, der sich sogar wie ein echtes Frühgeborenes verhält.“

Ein Beispiel für eine solche Simulation: PAUL atmet immer flacher und wird durch den Sauerstoffmangel blau. Für die Teams tritt dann der Notfall ein, bei dem es gilt, die lebensrettenden Maßnahmen sofort und ohne Reibungsverluste im Team umzusetzen.
Möglich gemacht hat die rund 60.000 Euro teure Anschaffung neben der UKM-Eigeninvestition eine 20.000 Euro hohe Spende des Vereins „Das frühgeborene Kind Münster e.V.“. Vereinsvorsitzende Kira Bendel erklärte bei der Übergabe von PAUL heute im UKM Trainingszentrum: „Die Versorgung sehr kleiner Frühgeborener am UKM ist qualitativ hoch und soll es auch bleiben. Wir denken, dass ein regelmäßiges Simulationstraining mit Paul entscheidend dazu beitragen kann. Wir sind sicher, dass das Wissen um eine optimale Vorbereitung des klinischen Personals auf Notfälle Frühchen-Eltern beruhigter durch die schwierige Zeit in der Klinik bringen wird.“ Finanziell unterstützt wurde die Frühchenverein durch den Verein „Herzenswünsche e.V.“. Dessen Schatzmeisterin Ute Wiengarten sieht das Geld ebenfalls in die Sicherheit von künftigen Frühgeborenen investiert: „Herzenswünsche ist die Betreuung der allerkleinsten Patienten und ihrer Eltern ein ganz besonderes Anliegen. Deshalb unterstützen wir gerne die Arbeit des Vereins „Das frühgeborene Kind“ Münster e.V. in seinem Bemühen, die Behandlung dieser Kinder auf höchstem Niveau zu sichern.“

Bild: PAUL im Mittelpunkt: (v.l.)Dr. Julia Sandkötter, Kira Bendel (Frühchen-Verein), Dr. Katharina Schulze-Oechtering, Ute Wiengarten (Herzenswünsche e.V.) und Helmut Foppe freuen sich mit Michael Klatthaar (UKM Trainingszentrum) über den Frühchen-Simulator. ©Foto (UKM)