An der Seite des Lebens:
Erklärung großer kath. Krankenhausträger zur Suizid-beihilfe

Positionierung katholischer Träger von Krankenhäusern, Senioreneinrichtungen und Behinderteneinrichtungen in Deutschland zur Frage des assistierten Suizids (Suizidbeihilfe)

Artikel-ALX_25062015Münster – Anlässlich der 1. Lesung der Gesetzesentwürfe zur Suizidbeihilfe im Deutschen Bundestag am 3. Juli positionieren sich zehn große katholische Krankenhausträger gegen ärztliche und jede weitere Form der geschäftsmäßigen Beihilfe zum Suizid. In der heute unter dem Titel „An der Seite des Lebens“ veröffentlichten Erklärung fordern sie eine Stärkung der hospizlichen und palliativen Versorgung und wenden sich ebenso entschieden gegen alle Formen der geschäftsmäßig organisierten Sterbehilfe und Suizidbeihilfe. Mit dieser Positionierung teilen die Träger die Grundsätze der Bundesärztekammer, die die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ausschließt. So lautet eine der Kernaussagen: „Weder Ärztinnen und Ärzte noch andere Mitarbeitende in unseren Einrichtungen leisten Unterstützung bei der Vorbereitung oder Durchführung eines Suizids.“

Das Bündnis vertritt insgesamt 394 Krankenhäuser und Sozialeinrichtungen in Deutschland, in denen jährlich mehr als 1,6 Millionen Patienten, Klienten und Bewohner ambulant und stationär von knapp 70.000 Mitarbeitern versorgt werden.

Die Erklärung/Positionierung zur Frage des assistierten Suizids im Wortlaut:

„Die Vertreter der unterzeichneten Trägergesellschaften haben die Debatte der letzten Monate um die Fragen von Sterbehilfe und assistiertem Suizid aufmerksam verfolgt. Viele Menschen fürchten sich vor einer Über- oder Unterversorgung am Lebensende, vor der Verletzung ihrer Würde und Situationen der Hilfsbedürftigkeit. Wir sind uns bewusst, dass es für viele Menschen ein schwer erträglicher Gedanke ist, am Ende ihres Lebens möglicherweise schwerem Leid ausgesetzt zu sein. Hinzu kommt die Angst vor Abhängigkeit und Kontrollverlust. Wir wissen, dass auch bei bester Betreuung und Pflege und bei einer professionellen palliativen Begleitung Menschen in besonders schwierigen Einzelfällen den Wunsch haben werden, ihrem Leben ein Ende zu setzen.

In unseren Einrichtungen begegnen wir Menschen, die diesen Wunsch äußern, mit Respekt und größtmöglicher Fürsorge. Wir lassen sie in dieser Notund Leidenssituation nicht alleine, sondern begleiten sie mit besonderer Aufmerksamkeit und Zuwendung. Wir suchen das Gespräch und tun das uns Mögliche, um mit einer optimalen palliativen Versorgung körperliches und seelisches Leid zu lindern. Eine solche Versorgung geht auf die physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse von Patienten, Angehörigen und Behandlungsteam ein. Dazu gehört aus unserer Sicht auch die seelsorgliche Begleitung von Patienten und ihren Angehörigen.

Wir vertrauen darauf, dass unser Leben von Anfang bis Ende ein Geschenk Gottes ist. In diesem Vertrauen steckt zugleich die Aufgabe, allen Menschen entsprechend der ihnen zugesicherten Würde und Gottebenbildlichkeit zu begegnen.

Aus dieser Haltung heraus lehnen wir es ab, dass Ärztinnen und Ärzte Beihilfe zum Suizid leisten. Wir positionieren uns entschieden gegen alle Formen der geschäftsmäßig organisierten Sterbehilfe und Suizidbeihilfe.

Wir teilen hier die Position der Bundesärztekammer, die sie in den aktuellen „Grundsätzen zur ärztlichen Sterbebegleitung“ und der Musterberufsordnung für Ärztinnen und Ärzte zum Ausdruck bringt: Die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung ist keine ärztliche Aufgabe. […]“

[Erklärung als PDF]

Quelle: © Alexianer GmbH