Eine Kerze im Fenster:
Familien gedenken ihrer an Krebs verstorbenen Kinder

Das Team der Kinderonkologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) organisiert jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember eine Gedenkfeier für die verstorbenen Kinder der Abteilung. Seit 15 Jahren bietet die Feier in der Klinikkirche Raum für Trauer – und gibt neue Hoffnung, sagt Marion Thomas, Mutter des verstorbenen Fynn-Levi.

Münster (ukm/aw) – Der zweite Sonntag im Dezember ist der offizielle Worldwide Candle Lighting Day. Weltweit laden an diesem Tag Selbsthilfegruppen trauernder Eltern dazu ein, inne zu halten und sich mit einem Kerzenlicht im Fenster ihrer verstorbenen Kinder zu erinnern. „Wir wollten mit der Gedenkfeier einen Ort der Begegnung für Betroffene schaffen“, sagt Mirjam Barbotin, Fachgesundheits- und Kinderkrankenpflegerin für palliativ care in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. „Deswegen hatten wir vor 15 Jahren die Idee, alle Eltern, die wir beim Sterben ihres Kindes begleitet haben, an diesem Tag einzuladen, sich mit anderen verwaisten Müttern und Vätern auszutauschen und zu erinnern.“ Selbst aus dem Ausland kommen seitdem Eltern zurück an den Ort, an dem sie über Wochen und Monate mit ihrem Kind gelitten haben.

Musik, kleine Lesungen und das Entzünden von Kerzen: Inzwischen füllen rund 250 Teilnehmer die Gedenkfeier in der Klinikkirche. Marion Thomas hat 2008 ihren Sohn Fynn Levi verloren – der zweijährige, fröhliche Junge starb an einem Hirntumor. Mit ihrem Mann und zwei weiteren Kindern war sie in diesem Jahr zum achten Mal dabei: „Es ist jedes Mal eine unendlich traurige Feier – und auf der anderen Seite auch so total schön. Das Team hat für uns schon Engel gebastelt oder Drachen aus Papier. Die hängen wir zuhause dann immer rund um Fynn-Levis Fotos auf.“

Den Mitarbeitern der Kinderonkologie ist die Familie trotz der schweren Zeit damals dankbar: “Es gibt hier ein paar Menschen, zu denen wir echtes Vertrauen gefasst haben. Sie haben Fynn-Levi ja damals öfter gesehen als die eigenen Großeltern. Manchmal begegnet man sich in der Stadt – dann wissen diese Menschen immer noch, wer mein Sohn war.“ Der Tod von Fynn-Levi ereilte die Familie Thomas letztlich plötzlich – lange hatte es so ausgesehen, als hätten die Ärzte das Wachstum des Tumors bekämpfen können. Am Ende siegte dennoch der Krebs. Der Blick zurück ist für Marion Thomas trotzdem nicht bitter: “Klar haben wir die Wochen damals verflucht. Auf der anderen Seite hat man uns auf der Station wertvolle Zeit miteinander geschenkt, die wir sonst niemals gehabt hätten.“

Ob sie auch im kommenden Jahr zur Gedenkfeier in der Klinikkirche gehen wird, weiß Marion Thomas nicht: “Ich denke jedes Jahr: Nun ist es genug! Trotzdem gehen wir immer wieder hin. Bei aller Traurigkeit: Diese Feier ist für meine Familie auch immer wieder der Auftakt zum Advent. Ein intensiver Beginn einer Zeit der Freude.“ Finanziert wird die Gedenkfeier für die verstorbenen Kinder von der Kinderkrebshilfe Münster e.V.. Am UKM ist Mirjam Barbotin Ansprechpartnerin für alle, die mehr erfahren wollen.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster