Eine Alternative, aber kein Ersatz: Nierenlebendspenden in Münster etabliert

38 von 97 Empfängern am UKM erhalten Niere durch Lebendspende / Transplantationszentrum damit bundesweit auf Rang 2 / Klassische Organspende jedoch weiterhin unverzichtbar

UKM_SuwelackMünster (ukm/jug) – Bei der Organspende gewinnt die sogenannte Lebendspende zunehmend an Bedeutung. So auch in Münster: Im Bereich der Nierenlebendspende hat das Transplantationszentrum am UKM (Universitätsklinikum Münster) im Jahr 2014 deutschlandweit die zweitmeisten Transplantationen dieser Art durchgeführt. Insgesamt erhielten am Zentrum in Münster 97 Patienten eine Niere, davon 38 als Lebendspende. Mehr als 400 Nieren wurden in den vergangenen 30 Jahren am UKM auf diese Weise transplantiert. „Dass sich so viele Patienten dazu entschließen, diesen Eingriff hier am UKM vornehmen zu lassen, spricht für ein großes Vertrauen der Patienten“, freut sich Prof. Dr. Barbara Suwelack, seit 2005 Leiterin der Transplantationsnephrologie in der Medizinischen Klinik D.

Das Vorgehen ist im Transplantationsgesetz genau festgelegt: In Frage kommt die Lebendspende nur, wenn keine Aussicht auf die Organspende eines Verstorbenen besteht. „Aufgrund des Organmangels und der damit verbundenen Wartezeiten von zum Teil mehr als sieben Jahren ist das für einige Patienten auf der Warteliste die einzige Möglichkeit“, erklärt Suwelack, die mit ihrem Team genau prüft, wann und ob eine Lebendspende in Frage kommt. Neben einer umfangreichen Aufklärung und medizinischen Prüfung bestimmter immunologischer Gewebemerkmale von Spender und Empfänger ist eine psychologische Begleitung und Prüfung durch die Transplantationskommission der Ärztekammer notwendig. Gesetzlich zugelassen ist diese Möglichkeit der altruistischen freiwilligen Lebendorganspende darüber hinaus nur zwischen Verwandten und Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen.

„Sind all diese Parameter gegeben, sind die Erfolgsaussichten bei einer Lebendnierentransplantation für den Empfänger sehr gut“, so die Medizinerin. Ein Grund dafür ist die kürzere Ischämiezeit, also der Zeitraum, in dem sich das Organ außerhalb des Körpers befindet und nicht durchblutet wird, da keine Transportwege – teils über Ländergrenzen hinweg – notwendig sind. Auch für den Spender sind die gesundheitlichen Risiken nach bisherigen Erkenntnissen gering. In Münster läuft beispielsweise eine gemeinsame wissenschaftliche Untersuchung der Kliniken für Psychosomatik und Psychotherapie und Allgemein- und Viszeralchirurgie, in der die medizinische und psychologische Nachsorge der Lebendspender, Lebensqualität sowie psychosoziale Gesundheit nach der Spende langfristig beobachtet wird.

„Dennoch sollten wir nicht außer Acht lassen, dass eine Lebendspende nicht für jeden Erkrankten in Frage kommt. Zu viele – nicht nur ältere – Patienten auf der Warteliste versterben und wir benötigen in Deutschland dringend eine höhere Organspende-Bereitschaft“, appelliert Prof. Dr. Barbara Suwelack. Allein in Münster stehen derzeit 588 Patienten für eine Niere auf der Warteliste.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster