„Dumbo“-Krake wird von Forschern der Universität Münster in Hochfeld-MRT untersucht

Münster (mfm/jk) – Ohrenartige Flossen rechts und links des Kopfes, spiralenförmig gleiten sie damit durch das Wasser. Nicht zufällig werden sie auch „Dumbo“-Kraken genannt, denn zu auffällig ist ihre Ähnlichkeit mit Disneys Elefanten. Beinahe niedlich sind diese Wesen, die aussehen, als kämen sie von einem fremden Planeten. Und ihr eigentlicher Lebensraum ist auch eine uns nahezu unbekannte Welt: die Tiefsee. Forscher aus Münster, Bonn und den USA haben nun zum ersten Mal einen Dumbo-Schlüpfling mithilfe eines speziellen Kleintier-MRT-Gerätes untersucht und ihre Ergebnisse in der „Current Biology“ publiziert. Das Team rund um Prof. Cornelius Faber aus dem Institut für klinische Radiologie der Universität Münster konnte durch die im MRT entstandenen Aufnahmen die inneren Organe des Kraken-Jungen in einen Zusammenhang mit der Verhaltensweise und dem Entwicklungszyklus dieser Tiefsee-Tiere bringen.

Die Zusammenarbeit der Biologen aus Bonn, Delaware und Massachusetts mit der münsterschen Radiologie resultierte aus einer langjährigen Zusammenarbeit Fabers mit dem Evolutionsbiologen Dr. Alexander Ziegler von der Universität Bonn, der die hohe Qualität der in Münster entstehenden MRT-Aufnahmen schätzt. In mehreren gemeinsamen Veröffentlichungen haben die beiden Wissenschaftler bereits das Innenleben verschiedenster Tierarten sichtbar gemacht, was unter anderem auf den Internetseiten des Naturkundemuseums London zu bewundern ist.
Das seltene Tier wurde 2005 im Nordwest-Atlantik vom Forschungsschiff „Ronald H. Brown“ gefangen und direkt an Bord gefilmt. Dies sind die ersten Aufnahmen überhaupt eines lebenden Dumbo-Jungtieres. Das Jungtier wurde, in Formalin konserviert, per Paketdienst direkt aus Delaware nach Münster geschickt und hier in einem speziellen MRT-Gerät untersucht. Bei solchen Museumspräparaten ähnelt eine derartige Untersuchung „einer Messung am Mikroskop“, so Faber.

Bild: Das Kraken-Jungtier direkt nach dem Schlüpfen, fotografiert an Bord des Forschungsschiffes (© Foto: Timothy M. Shank)

Anhand der Aufnahmen wurde dann ein interaktives 3D-Modell des Innenlebens erstellt. Dadurch zeigte sich eine Besonderheit dieser Tiefsee-Lebewesen: Im Gegensatz zu Kraken-Spezies aus dem Flachwasser haben die Jungtiere keine Elternstube, sondern sind auf sich allein gestellt und auch dementsprechend ausgestattet. So wurde ein großer Dottersack sichtbar, der Engpässe bei der frühen Nahrungsversorgung verhindert. Die Organe weisen zudem darauf hin, dass diese Lebewesen direkt nach dem Schlupf ihre Umgebung visuell und chemisch erfassen können und den Beutefang sowie das Schwimmen mit ihren Kopfflossen schon vom ersten Tag an beherrschen.

Die Tiefsee bleibt einer der am wenigsten erforschten Lebensräume unserer Erde, kein Licht dringt in die mehrere Kilometer tiefen Gewässerschichten, geschweige denn menschliche Taucher. Doch über das Leben der dort vorkommenden Dumbo-Kraken ist jetzt zumindest ein wenig Licht ins Dunkel gekommen.
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