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Hepatitis E: Die unterschätzte Infektionskrankheit

Hepatitis E Spezialist Funktionsoberarzt Dr. Phil-Robin Tepasse aus der Medizinischen Klinik B für Gastroenterologie und Hepatologie am UKMMünster (ukm/jug) – Hepatitis E ist die wohl am wenigsten bekannte Art der viralen Leberentzündung. Seit einigen Jahren nehmen die Fälle in Deutschland aber deutlich zu – auch, weil niedergelassene Ärzte die Krankheit immer öfter erkennen. Warum die Fallzahlen steigen und wie unterschiedlich die Krankheit verlaufen kann – dazu Dr. Phil-Robin Tepasse, Funktionsoberarzt in der Medizinischen Klinik B für Gastroenterologie und Hepatologie am UKM (Universitätsklinikum Münster), im Interview.

Was ist Hepatitis E? Die Krankheit ist bisher nur wenigen Menschen ein Begriff.

Hepatitis E ist weniger bekannt, weil sie erstmals in den 80er Jahren überhaupt als eigenständiges Virus beschrieben worden ist und sie vergleichsweise selten auftritt. Vom Übertragungsweg und von der Erkrankung ist sie der Hepatitis A am nächsten. Ich kann mich anstecken, indem ich verdorbene Nahrung esse, verdorbenes Trinkwasser trinke und bei schlechter Händehygiene durch Schmierübertragung von Mensch zu Mensch. Bei uns in Deutschland spielt die Trinkwasserqualität bei der Übertragung natürlich keine Rolle. Hier sind wahrscheinlich das Hausschwein, Wild generell und auch das Wildschwein die größten Virus-Reservoirs. Rückblickend hat man festgestellt, dass schon Menschen früher mit dem Virus infiziert waren, was wir heute als Hepatitis E kennen.

Wie viele Menschen in Deutschland sind betroffen?

Die Zahlen steigen rasant an: Im Jahr 2013 gab es in Deutschland 500 gemeldete Fälle, im Jahr 2017 bereits mehr als 3.000. Das liegt aber eher nicht nur daran, dass wir mehr Infizierte haben. Da die Bekanntheit des Virus auch unter den Ärztinnen und Ärzten langsam steigt und sie immer häufiger aktiv nach dem Virus suchen, kann die Diagnose häufiger gestellt werden. Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts gehen wir aktuell von mehr als 300.000 Neuinfektionen in Deutschland jährlich aus, davon wird aber nur ein Bruchteil diagnostiziert. Wir glauben also, dass die Dunkelziffer der Erkrankung deutlich höher liegt. Der zunehmende Verzehr von unzureichend erhitztem Wild- und Schweinefleisch ist ein Grund, warum sich das Virus verbreitet. Auch die Zuwanderung nach Europa trägt zu einem Anstieg der Fälle bei. Am UKM haben wir im letzten Jahr 15 Patienten wegen teilweise schwerer Komplikationen stationär behandelt.

Wie merke ich, dass ich an Hepatitis E erkrankt bin?

Die Symptomatik ist eher unspezifisch: grippeähnliche Symptome, leichtes Fieber, Gelenkschmerzen, Schüttelfrost, Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen und insbesondere Durchfall. Viele gehen mit solchen meist banalen Beschwerden ja nicht mal zum Arzt und lassen die Symptome abklären. Ich würde schätzen, dass der Virus in 97 Prozent der Fälle ohne Probleme ausheilt, ohne dass man überhaupt relevante Symptome bemerkt – bei Gesunden läuft es meistens so ab, nur in Einzelfällen bildet sich eine klinisch manifeste Leberentzündung aus. Anders ist es bei Patienten, die ein ohnehin geschwächtes Immunsystem haben, zum Beispiel bei Organtransplantierten, Schwangeren und älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen. Hier kann es ernstere Verläufe geben, die eine erhöhte Komplikationsrate bedeuten. Das kann bis zu einem Leberversagen und sogar zum Tod führen.

Gibt es eine Therapie gegen Hepatitis E?

Aktuell gibt es keine ursächliche Therapie. Wir können nur symptomatisch behandeln, also uns um die Folgeerscheinungen der Hepatitis kümmern. Klinische Studien beschäftigen sich mit Therapien, wirklich belastbare, valide Daten existieren aber bisher noch nicht. Bei schweren Verläufen mit akutem Leberversagen kann je nach Konstellation eine Lebertransplantation dann die einzige lebensrettende Maßnahme sein. Es gibt auch noch keine Impfung, die gibt es nur gegen Hepatitis A und B. Am UKM bieten wir eine Sprechstunde an für Hepatologie und Infektiologie. Dort können Patienten abklären lassen, ob sie eine Lebererkrankung oder Hepatitis-Infektion haben, wenn beispielsweise der Hausarzt mit der Diagnostik nicht mehr weiterkommt. Wir können das ganze Spektrum der Lebererkrankungen abklären. Zusätzlich bieten wir eine zentrale Rufnummer auf unserer Website für Niedergelassene an: Dort können sich Ärztinnen und Ärzte melden, wenn sie denken, dass sie eine Zweitmeinung brauchen oder ihre Patienten bei uns stationär aufgenommen werden müssen.

Votum für Telemedizin

Der Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Nacke (CDU) aus Münster und der Ehrenpräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Rudolf Kösters, haben sich über telemedizinische Visiten zwischen dem UKM und den im Projekt TELnet@NRW angebundenen regionalen Krankenhäusern informiert.

Münster (ukm/aw) – Dass der Ausbau von Telemedizin für die ländliche Patientenversorgung in Zukunft unabdingbar sein wird, dessen ist sich der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM (Universitätsklinikum Münster), Univ.-Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hugo Van Aken, sicher. Aus diesem Grund hat er den Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Nacke (CDU) aus Münster und den Ehrenpräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Rudolf Kösters, eingeladen, sich die bereits vorhandenen telemedizinischen Möglichkeiten am UKM anzusehen.

„Ich freue mich, unseren Gästen die technischen Möglichkeiten der telemedizinischen Visiten über gesicherte Datenverbindungen vorstellen zu können. Das UKM hat bereits durch das vom Innovationsfonds geförderte Projekt TELnet@NRW die technischen Voraussetzungen dafür. Im Projekt arbeiten wir sektorenübergreifend mit unseren Partnerkrankenhäusern einerseits und einem Ärztenetzwerk andererseits. Telemedizinische Visiten bieten so die Möglichkeit, medizinisches Wissen ins Land zu tragen“, so Van Aken. Der Ärztliche Direktor des UKM erläuterte weiter, dass der Erfolg der telemedizinischen Visiten sich auch darin erweise, dass die Anzahl der Patienten, die aus den peripheren Häusern zur weiteren intensivmedizinischen Betreuung ans UKM überwiesen wurden, seit Bestehen des Projektes drastisch gesunken sei. Für die Patienten selbst sei es von Vorteil, dass sie durch die beratende Expertise des UKM in den regionalen Krankenhäusern vor Ort die optimale Behandlung erhalten und nicht verlegt werden müssen.

Nacke und Kösters ließen sich die technischen Voraussetzungen der Telemedizin erläutern und stimmten darin überein, dass künftig mehr Telemedizin gebraucht würde, um die medizinische Versorgung der Menschen in der Region sicherzustellen. Auch der besondere Vorteil einer räumlichen Nähe zwischen einem telemedizinischen Zentrum und den daran angebundenen Kliniken wurde deutlich. In Münster wären die Gegebenheiten bei Fortführung der telemedizinischen Visiten über das Projekt TELnet@NRW hinaus schon gegeben.

Bild: Telemedizinische Visite am UKM mit dem Josephs-Hospital in Warendorf: MdL Dr. Stefan Nacke und der Ehrenpräsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Rudolf Kösters, (hintere Reihe, 3. bzw. 4. v.r.) zeigten sich beeindruckt. (© Foto: UKM/Wibberg)

UKM Notaufnahme: Münsters neuer Emergency Room

Zwischen vierzig und fünfzig Patienten am Tag durchlaufen im Schnitt die neue interdisziplinäre Notaufnahme am UKM. Alle müssen unmittelbar medizinisch eingeschätzt und der entsprechenden Behandlung zugeführt werden. Seit 2017 ist sie bei laufenden Betrieb vergrößert worden: Entstanden ist die hochmoderne UKM Notaufnahme.

Münster (ukm/aw/ks) – Der letzte Anstrich ist kaum getrocknet, wenn ab Montag (15. Juli 2019) die neuesten Untersuchungsräume der UKM Notaufnahme (Universitätsklinikum Münster) in Betrieb gehen. Für rund 1,8 Millionen Euro wurde die ehemalige LANO im laufenden Betrieb umgebaut und ist nun mehr als anderthalb Mal so groß. Auf jetzt 625 Quadratmetern wird der komplexe Zufluss von Notfallpatienten ins UKM gemanagt.

Im Jahr 2018 wurden über die Notaufnahme mehr als 16.500 Patienten aufgenommen. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es 11.000 Patienten, im Jahr 2000 lediglich 4.000 Patienten.

Jeder Laie „weiß“ spätestens durch die US-amerikanische Arztserie „Emergency Room“, dass bei Notfallpatienten jede Minute zählt. In die Wirklichkeit der UKM-Notfallmedizin übersetzt heißt das: Bei der Aufnahme wird nach dem sogenannten „Manchester-Triage-System“ gearbeitet. Die Patienten werden je nach Dringlichkeit der Versorgung eingestuft und innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens untersucht. Die UKM Notaufnahme ist außerdem Bestandteil der speziell zertifizierten Einheiten für Brustschmerz (Chest Pain Unit – in Kooperation mit der Klink für Kardiologie I) und Schlaganfallversorgung (Stroke Unit – Klinik für Neurologie) und führt eigene Observationsbetten (Überwachungsstation).

„Wir haben hier eine Filterfunktion. Je besser die Notfälle bereits direkt in der Notaufnahme eingestuft und untersucht werden, desto weniger kommt es zu Fehlbelegungen auf den Stationen,“ heißt es vom Leiter Prof. Philipp Kümpers. Auch die Liegedauer auf den Stationen könne so teilweise erheblich reduziert werden. „Viele Patienten können nach fokussierter Diagnostik sogar direkt aus der Notaufnahme nach Hause entlassen werden,“ so Kümpers weiter.

Interdisziplinäre Teamarbeit zwischen Medizin-Team und Bau-Team der UKM Infrastruktur Management GmbH (UKM IM): Clevere Planung und Anordnung der neuen Räume tragen zur besseren Notfallversorgung bei.
„Unsere UKM Notaufnahme hat endlich den Platz, den sie auch dringlich benötigt. Vor allem aber durch die hervorragende gemeinsame Vorplanung und Umsetzung des medizinischen Teams sowie des Bau-Teams unserer UKM IM, sind die Räumlichkeiten so clever angeordnet und auf dem neuesten Stand der Technik, dass die Notfallversorgung – und damit auch die Patientensicherheit – erheblich verbessert werden konnte“, freut sich der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM Prof. Hugo Van Aken.

Neben einer Überwachungsstation mit zehn voll ausgestatteten Observationsbetten wurde insbesondere ein großer Schockraum in Betrieb genommen.

Patientenströme sind jetzt strikt getrennt: Mobile Patienten melden sich nun an einer eigenen Anmeldung und werden in unmittelbar angrenzenden Räumlichkeiten aufgenommen, während vom Rettungsdienst eingelieferte Patienten unabhängig davon direkt im stationären Teil der Notaufnahme angenommen werden. Die zwischen dem ambulanten und stationären Teil angeordneten Nebenräume ermöglichen einen optimalen Ablauf der Patientenversorgung beider Bereiche.

Neue Untersuchungs- und Behandlungsräume: Drei Untersuchungs- und Behandlungsräume sowie zwei Isolationszimmer mit eigenem WC, Vorschleuse und separatem Zugang stehen jetzt außerdem zur Verfügung.

Bild: Ungewöhnliches Aufkommen in der UKM-Notaufnahme: Die Medien konnten sich heute ein Bild von den neuen größeren Räumlichkeiten machen. (© Foto UKM/Marschalkowski)

Richtfest am Clemenshospital

Neubau der Tiefgarage und des Klinikgebäudes ist im Zeitplan

Münster – „Als wir mit der Baugrube fertig waren, dachte ich so: Mannomann, was für ein riesiges Loch, wie sollen wir das bloß füllen?“ Udo Kraft, technischer Direktor des Clemenshospitals, erinnert sich daran, wie die Großbaustelle am Clemenshospital noch vor einem Jahr ausgesehen hat. Inzwischen wurde sie gefüllt, drei Geschosse hat die Tiefgarage, die Platz für 286 Fahrzeuge bietet und bereits im September in Betrieb gehen wird. Über der Tiefgarage wurde jetzt der Rohbau für die neue Eingangshalle und sechs weitere Etagen fertiggestellt, in denen moderne Stationen für rund 120 Betten entstehen werden, 16 Betten davon für die Intensivstation. „Durch den Neubau wird es zu einer wesentlichen Stärkung der medizinischen Versorgung im Süden der Stadt kommen“, ist sich der Geschäftsführer des Clemenshospitals, Hartmut Hagmann, sicher. „Die neuen Räumlichkeiten werden unseren Patienten und Mitarbeitern wesentlich mehr Komfort bieten. Auch mit Blick auf die Mitarbeiter ist uns dieser Aspekt sehr wichtig“, betont Hagmann.

Der Geschäftsführer sieht in dem modernen Bauprojekt die perfekte Ergänzung zum medizinischen Spektrum der Klinik am Düesbergweg, das in den letzten Monaten um die Kliniken für Kardiologie, Schlaganfallversorgung, Neuroradiologie und Beatmungsmedizin ebenfalls deutlich erweitert wurde.

In der zentralen Empfangshalle, in dessen Rohbau jetzt das Richtfest mit den Handwerkern und Klinikmitarbeitern gefeiert wurde, wird es neben dem Aufnahmebereich und zahlreichen Sitzgelegenheiten auch ein Café geben, in dem auch ein kleines Angebot an Waren gekauft werden kann.

Sowohl Hagmann als auch Kraft dankten den Patienten, Mitarbeitern und Anliegern für ihre Geduld im Zusammenhang mit den zurückliegenden Baumaßnahmen. „Insgesamt haben zum Beispiel 1.200 LKW-Fahrten stattgefunden, um insgesamt 12.000 Kubikmeter Beton zur Großbaustelle zu befördern. Außerdem wurden 2.200 Tonnen Stahl verbaut“, berichtet Kraft. 50 Millionen Euro soll der Neubau kosten, mit dessen Eröffnung die Bauherren Ende 2021, Anfang 2022 rechnen. Grund hierfür ist der aufwendige Innenausbau zum Beispiel der Intensivstation.

Auf der Internetseite des Clemenshospitals besteht die Möglichkeit, den Baufortschritt live über das Bild einer Webcam zu verfolgen.

Bilder: Feierten zusammen mit den Handwerkern und Mitarbeitern Richtfest am Clemenshospital (v.l.): Geschäftsführer Hartmut Hagmann mit dem technischen Direktor Udo Kraft und Projektleiter Wilhelm Tarner von der Firma Lühnbau in Lingen. Die zukünftige Eingangshalle befindet sich noch im Rohbau, das soll sich bis Ende 2021 ändern. Der Neubau des Clemenshospitals wird 50 Millionen Euro kosten.

Einblicke in die die Radiologie

Münster – Mit einem Tag der offenen Tür haben das Clemenshospital und die Raphaelsklinik ihr neues Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie, Kinderradiologie und Nuklearmedizin der Öffentlichkeit präsentiert. Bereiche, zu denen normalerweise nur die Mediziner und medizinischen Fachangestellten der beiden Kliniken Zutritt haben, konnten besichtigt werden. Verblüffend war für viele Besucher die Genauigkeit, mit denen das Innere von Bananen, Ananas oder Honigmelonen dargestellt werden konnten. Für die jüngsten Gäste gab es die einmalige Gelegenheit, einen Blick in das Innere von Überraschungseiern zu werfen, bevor die Schokohülle geknackt wurde und die Erwachsenen konnten selber per Ultraschall tiefere Einblicke in ein Hühnchenbrustfilet gewinnen. Neben dem reinen Unterhaltungswert gab es für Menschen, die Probleme mit den engen Röhren der klassischen Computer- und Magnetresonanztomographen (MRT) haben, die Möglichkeit, in den Geräten des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik Probe zu liegen und die größeren Öffnungen zu testen. Wer wollte, konnte seinen Lieblingsfilm auf einem USB-Stick mitbringen und im Untersuchungsraum der Raphaelsklinik an die Wand projizieren lassen, während er im MRT lag.

Bild: Der Patient ist in diesem Fall eine Ananas, deren innere Strukturen vom Computertomographen dargestellt werden.

Eichenprozessionsspinner: Jetzt auch Notfälle in der UKM-Augenklinik

Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-AugenklinikMünster (ukm/aw) – Dass das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt, ist seit einigen Wochen bekannt. Neu ist allerdings, dass der Schädling offenbar auch an den Augen heftige Reaktionen verursachen kann. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet von sechs Patienten, denen in dieser Woche Härchen des Prozessionsspinners aus dem Auge operiert werden mussten. Wissenschaftlich sind solche Fälle in Deutschland bisher noch nie beschrieben worden.

Frau Dr. Baydoun, Sie berichten von mehreren Patienten, die mit schwersten Augenbeschwerden notfallmäßig zu Ihnen in die Augenklinik kamen. Offenbar war der Eichenprozessionsspinner Anlass?
Wir waren ganz überrascht, seit dem letzten Wochenende haben wir täglich neue Fälle, inzwischen sechs Fälle , wo Patienten die Härchen vom Eichenprozessionsspinner im Auge hatten. Diese Patienten beschrieben, dass sie vorher Fahrrad gefahren sind, Laub aufgewirbelt haben oder bei der Reinigung der Bäume vom Eichenprozessionsspinner zugeschaut haben. Sie beklagen eine Rötung des Auges, ein Fremdkörpergefühl, Tränen, Jucken und starke Schmerzen, sodass wir gesagt haben, dass wir bei diesen Patienten die Härchen operativ entfernen müssen.

Das mit der Operation ist aber gar nicht so einfach…
Ja, im OP mussten wir feststellen, dass die Härchen so fein sind, dass wir sie selbst mit unseren filigransten Instrumenten kaum zu fassen kriegen. Man muss da schon als Operateur das Bild des Auges mit der größten Einstellung vergrößern, sonst könnte man diese kleinen Härchen gar nicht sehen. Und es ist sehr schwierig, die Härchen aus der Hornhaut zu bekommen, in der sie sich festsetzen. Aber generell muss man sagen, dass wir solche Fälle bislang in Münster noch nie hatten und wir es hier mit einem neuen Phänomen zu tun haben, dass unseres Wissens so als Serie deutschlandweit bisher nicht beschrieben ist.

Was empfehlen Sie Patienten, die in diesen Tagen unerklärliche Augenbeschwerden haben und befürchten, das könnte mit dem Eichenprozessionsspinner zusammenhängen?
Wir empfehlen Patienten, die plötzlich – auch einseitig – ein rotes Auge haben, das heftig schmerzt, tränt und juckt, nicht einfach abzuwarten, ob das von alleine weggeht. Menschen mit solchen Beschwerden sollten schnell zum Augenarzt gehen und überprüfen lassen, ob da vielleicht etwas im Auge ist. Denn wenn es wirklich der Prozessionsspinner ist, dann werden die Beschwerden ohne Behandlung nicht abklingen.

Sport und Hitze: Was geht?

Univ-Prof_Stefan-Martin-BrandMünster (ukm/aw) – Der Leiter des Instituts für Sportmedizin, Univ.-Prof. Stefan-Martin Brand, rät Hobbysportlern, bei der derzeitigen schweißtreibenden Hitze auf Sport im Freien am besten ganz zu verzichten. Zumindest aber sollte, wer beispielsweise das Laufen nicht lassen kann, gewisse Regeln einhalten, um einen Hitzschlag zu vermeiden.

Herr Prof. Brand, das Münsterland schwitzt bei Temperaturen bis weit über dreißig Grad. Trotzdem meinen einige, dass sie so wie jeden Tag Sport treiben müssen. Ist das eine gute Idee?
Für Ungeübte und Leute, die nicht sehr, sehr fit sind, würde ich beispielsweise das Laufen im Freien derzeit in gar keinem Fall empfehlen. Ansonsten sollten das nur Menschen tun, die wirklich fit sind und die wissen, auf was sie sich einlassen, wenn man das bei 36 Grad durchzieht. In der Regel braucht der Körper rund 14 Tage, bis er sich an solche Außentemperaturen angepasst hat. Also wenn es nicht unbedingt sein muss: Bitte das Laufen auf nächste Woche schieben!

Was muss ich an Vorkehrungen treffen, wenn ich es trotzdem tue?
Am besten, man wählt eine Umgebung ohne Sonneneinstrahlung, die Promenade in Münster hat ja zum Beispiel ein Blätterdach, da geht das einigermaßen. Und was ganz wichtig ist. Ausreichend trinken vorher. Bei über dreißig Grad ist das Trinken enorm wichtig!

Ab wann wird es gefährlich, wann sollte ich auf meinen Körper hören?
Also es gibt leider Hobbysportler, die die Zeichen ihres Körpers gerne übersehen. Die über bestimmte Punkte hinausgehen, weil sie ihre persönliche Leistung halten wollen. Die den Schmerz im Knie ignorieren oder vor dem Sport Schmerzmittel nehmen, damit sie eine bestimmte Strecke laufen können. Im Grunde sollte man aber wissen: Wenn plötzlich Schmerzen auftreten oder man durstig wird, dann sollte man immer aufhören!

Kompass D2: „Demenzsensible“ Region Münster

Münster (ukm/aw) – Demenzpatienten bleiben von operativen Eingriffen nicht verschont: Auch sie müssen sich z.B. wegen einer geplanten Hüft-OP, aufgrund von Knochenbrüchen oder auch beispielsweise wegen Erkrankungen von Herz oder Nieren ins Krankenhaus begeben. Dabei sollten allerdings gerade Patienten mit Demenz unter besonderer Beobachtung stehen. „Das Risiko von Komplikationen ist bei Patienten mit relevanten Gedächtnisstörungen deutlich erhöht“, so Prof. Thomas Duning aus der Klinik für Neurologie des UKM (Universitätsklinikum Münster). „Insbesondere eine akute Verwirrtheit, ein so genanntes Delir, während einer Krankenhausbehandlung ist eine unterschätzte, und bisher nicht gut verstandene Komplikation“.

Duning ist Leiter des Verbundprojektes „Kompass D2“, das vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 5,7 Millionen Euro gefördert wird. Darin angeschlossen sind als Konsortialpartner sechs Krankenhäuser aus der Region Münsterland. Das Evangelische Krankenhaus Johannisstift Münster (EVK), das Mathias-Spital und das Jakobikrankenhaus Rheine, das St. Josef-Stift Sendenhorst, das Josephs-Hospital Warendorf sowie das UKM Marienhospital Steinfurt weisen alle eine große Expertise bei der Versorgung von älteren Patienten mit kognitiven Störungen auf. Mithilfe der Fördermittel soll in diesen Häusern ein Standard entwickelt werden, um die Versorgung von Patienten, die sich zu einer Behandlung in eine Klinik begeben müssen, aber gleichzeitig die „Nebendiagnose Demenz“ haben, weiter zu verbessern.

„Das Projekt beinhaltet, dass in den angeschlossenen Häusern alle Patienten ab einem Alter von 70 Jahren nach gemeinsamen Leitlinien gezielt untersucht und betreut werden“, sagt Dr. Peter Kalvari, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Geriatrie des EVK. Im Rahmen des Modellprojekts erfolgt eine Beratung durch die Experten der teilnehmenden Krankenhäuser. Teil der Teams sind jeweils auch speziell ausgebildete Pflegekräfte und Apotheker. „Hintergrund ist, dass einige Medikamente bei älteren Patienten eine kognitive Verschlechterung während des Krankenhausaufenthaltes fördern können „, so Dr. Sebastian Baum, Apotheker im Team Demenzsensibles Krankenhaus des EVK.

Eine Besonderheit des „Kompass D2“- Projekts ist auch, dass die Fallgeschichten der betroffenen Patienten in telemedizinische Visiten besprochen werden, also in einer Bildschirmkonferenz der Experten, bei der auch Patienten angesehen werden können. Die technischen Voraussetzungen dafür werden in allen Häusern geschaffen. “
Auch nach Entlassung werden die Patienten und deren Angehörige weiter betreut und untersucht“, meint Sigrid Krause, Pflegedirektorin des Josephs-Hospitals Warendorf. „Das ist schon etwas Besonderes!“

Ziel des Projekts Kompass D2 ist es, die demenzsensible Behandlung in Krankenhäuser als Regelversorgung deutschlandweit zu etablieren. „Derzeit wird das Delir in deutschen Krankenhäusern nicht ausreichend erkannt, dokumentiert und entsprechend behandelt“, meint Dr. Angela Grote-Reith, Chefärztin der Abteilung für Geriatrie am Mathias-Spital Rheine. „Die Vernetzung der ausgewiesenen Experten in diesem Bereich wird den Patienten nützen. Die Region Münster mit den teilnehmenden Krankenhäusern wird als Referenz für andere Regionen genommen, insofern ist Kompass D2 ein Modellprojekt“, so der Chefarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des St. Josef-Stift Sendenhorst, Dr. Matthias Boschin.

Univ.-Prof. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Neurologie des UKM fügt hinzu: „Mit Blick auf die demografische Entwicklung erscheinen solche Konzepte für Krankenhäuser zukunfts- und vor allem Patienten- und qualitätsorientiert. Sie sind damit praktisch unausweichlich. Wir freuen uns, dass die Region Münster hier eine Vorreiterrolle übernehmen kann und entsprechend gefördert wird.“

Weitere Projektpartner sind der Fachbereich Gesundheitsökonomie der Universität Bielefeld, die Krankenversicherungsträger DAK, Barmer und IKK sowie die zeb.business school und die Stadt Münster.

Projektpartner Kompass D2

Bild: Gemeinsam für eine bessere Behandlung von Demenzpatienten in Krankenhäusern: Prof. Thomas Duning (l.) und die Beteiligten des Modellprojekts. (© Foto (UKM/Wibberg)