Brustrekonstruktion: „Warten ist nie ein Fehler“

Experten informierten über die Möglichkeiten der Brustrekonstruktion nach Brustkrebs

Münster – Erst die Diagnose, dann die belastende Behandlung und danach die Ungewissheit, ob die Erkrankung eventuell wieder aufflammt, die Zeit während und nach einer Brustkrebserkrankung ist für viele Frauen geprägt von Ängsten und Sorgen. Irgendwann kommt jedoch für viele Betroffene, bei denen die Brust operativ entfernt werden musste, die Frage nach einer Wiederherstellung. „Operationen zur Wiederherstellung der weiblichen Brust sind anspruchsvolle Eingriffe, für die der Chirurg viel Erfahrung benötigt und die durchaus zwischen drei und sechs Stunden dauern können“, erklärt der Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals, Dr. Rüdiger Langenberg.

Bild: Dr. Massud Mamarvar und Dr. Rüdiger Langenberg (v.l.) während des Brustkrebstags 2017 im Clemenshospital

Während einer Informationsveranstaltung des Brustzentrums Münsterland im Clemenshospital sprach der Chefarzt Dr. Massud Mamarvar von der Klinik Bassum (Landkreis Diepholz) über das Thema „Möglichkeiten der Brustrekonstruktion bei Patientinnen nach Brustkrebs“. Als Grundvoraussetzung für einen solchen Eingriff nennt der Chirurg zunächst die vollständige Beendigung der Krebsbehandlung, „Warten ist nie ein Fehler“, wie der Experte anmerkt. Dann folgen zwei Eingriffe, zunächst der Wiederaufbau des Volumens und später das Angleichen der rekonstruierten Brust an die andere. Um das entfernte Brustgewebe zu ersetzen, können sowohl künstliche Implantate als auch körpereigenes Gewebe zum Einsatz kommen, das zum Beispiel dem Bauch oder dem Oberschenkel unterhalb des Gesäßes entnommen wird. „Jedes Verfahren hat seine eigene Berechtigung aber es sind nicht immer alle anwendbar“, erklärt Mamarvar. Das Eigengewebe ist für den Körper kein Fremdkörper, es ist weicher als Implantate und lebendes Gewebe. Das Silikonimplantat hingegen ist ein Fremdkörper der sich verkapseln kann und auch tastbar ist. Allerdings ist die Operationsdauer bei künstlichen Implantaten kürzer. Nach dem Eingriff sollten sich die Patientinnen zunächst schonen, nach sechs bis acht Wochen kann aber zum Beispiel wieder Sport getrieben werden.

Spätestens seit Prominente wie Angelina Jolie sich die Brüste haben entfernen lassen, weil sie genetisch ein stark erhöhtes Risiko für Brustkrebs haben, wird diese Form der vorbeugenden Brustoperation auch öffentlich diskutiert. Dr. Rüdiger Langenberg gibt hierbei zu bedenken, dass das Drüsengewebe nie vollständig entfernt werden kann und daher immer ein geringes Restrisiko besteht, dennoch an Brustkrebs zu erkranken. „Wenn ein Defekt der Gene BRCA1 oder BRCA2 vorliegt, das sind die sogenannten Brustkrebsgene, ist auch die Gefahr für Blasen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht, das muss man immer bedenken“, erklärt der Chefarzt den zahlreichen Zuhörerinnen.

Das Brustzentrum Münsterland ist Kooperationspartner in der Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs), einem Zusammenschluss der Tumorzentren von Clemenshospital, Raphaelsklinik und der Fachklink Hornheide.