Die Antwort des Körpers auf eine Verletzung

Besonders in den Sommermonaten verstärkter Behandlungswunsch bei Patienten mit Narbengewebe

Münster (ukm/cf) – Wenn die Temperaturen auf dem Thermometer nach oben klettern, wird es Zeit für kurze Hosen und T-Shirts. Für viele bedeutet das auch, dass ihre Narben besonders am Dekolleté, dem oberen Rücken und den Beinen sichtbar werden. „In den kälteren Jahreszeiten können Narben durch lange Kleidung überdeckt werden – in den Sommermonaten geht das nicht so leicht und der Behandlungswunsch vieler Patienten steigt“, weiß Dr. Stefanie Kemper, Leiterin der Dermatochirurgie der Klinik für Hautkrankheiten am UKM (Universitätsklinikum Münster). Neben der Auffälligkeit werden bei warmen Temperaturen auch Symptome wie Juckreiz bis hin zu einem brennenden Gefühl, Krustenbildung oder Einschränkungen der Bewegungsfreiheit verstärkt. Besonders in den Sommermonaten kommen deshalb bis zu 30 Prozent mehr Patienten in die Narbensprechstunde am UKM.

„Ob durch eine Operation, Verbrennungen oder eine ausgeprägte Akne in der Jugend verursacht – eine Narbe ist immer die Antwort des Körpers auf eine Verletzung“, erklärt die Leiterin der Narbensprechstunde. Sobald es blutet und damit die obere Lederhaut verletzt wurde, füllen die körpereigenen Reparaturmechanismen die Wunde mit Bindegewebe auf und eine Narbe entsteht. „Eine narbenfreie Abheilung gibt es eigentlich nur bei fetaler Haut – also beim Kind im Mutterleib“, weiß Kemper. Trotz intensiver Forschung ist bis heute ungeklärt, warum Wundheilung nach der Geburt immer mit Narbenbildung einhergeht – wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Denn es gibt auffälligere und unauffälligere Narbentypen: Zu unterscheiden sind atrophe Narben wie Schwangerschaftsstreifen, die durch Spannung frischen Narbengewebes verursacht werden, und dicke verhärtete sogenannte hypertrophe Narben, die durch eine verzögerte Wundheilung entstehen. Der auffälligste Narbentyp ist jedoch das genetisch bedingte, wuchernde Narbengewebe, das über das Hautniveau hinaus wächst und damit die größten Einschränkungen für Betroffene bedeutet.

Bild: Dr. Stefanie Kemper behandelt in der Narbensprechstunde am UKM Patienten mit verschiedensten Narben.

„Für die Behandlung von Narben gibt es kein standardisiertes Vorgehen“, so die Leiterin der Narbensprechstunde. Je nach Auslöser, genetischer Prädisposition und Narbentyp wird ein individueller Behandlungsplan zusammengestellt. Das Spektrum reicht dabei von Medikamenten über Druck- oder Bestrahlungstherapie bis hin zum Einsatz von Lasern und operativen Korrekturen. Besonders in der Entstehungsphase kann man aber auch zu Hause etwas gegen Narbengewebe tun. So sollte man für eine ungestörte Wundheilung ohne Infektionen sorgen, indem man hygienische Verbandswechsel durchführt, die betroffene Körperpartie ruhig stellt und nicht direkt der Sonne aussetzt. Auch eine Narbenmassage oder spezielle Salben können die Narbenbildung aufhalten.