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UKM einziges Klinikum deutschlandweit mit zertifiziertem Ultraschallzentrum

Immer im Bild: Ultraschall von der Diagnostik bis zur Therapie

Münster (ukm/aw) – Dr. Thomas Ermert hat am Vormittag in Berlin seinen großen Auftritt. Im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin darf er im Rahmen der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) die Arbeit des bundesweit einzigen zertifizierten Ultraschall-Zentrums vorstellen – und das ist am UKM (Universitätsklinikum Münster). Dabei berichtet der Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie nicht nur von seiner eigenen Arbeit, sondern auch von der der UKM-Kollegen Dr. Ralf Schmitz, Leiter der Pränatalmedizin, und Dr. Hauke Heinzow, leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik B für Gastroenterologie und Hepatologie. „Die drei Kliniken bilden zusammen das UKM-Ultraschallzentrum. Als einzige Klinik bundesweit haben wir so ein Zentrum, in dem sich – nach den Vorgaben der DEGUM – mindestens drei zertifizierte Abteilungen zusammengeschlossen haben müssen. Wir haben alle eine spezielle Ultraschall-Ausbildung, die wir fachübergreifend einsetzen“, freut sich Ermert über die Synergieeffekte zum Wohle der Patienten.

Bild: Patientin Sonja Stresow* mit den Experten des deutschlandweit einzigen zertifizierten Ultraschallzentrums am UKM (v.l.): Dr. Hauke Heinzow, Dr. Thomas Ermert und Dr. Ralf Schmitz. (© Foto UKM)

Eine dieser Patientinnen, der die interdisziplinäre Arbeit mit Ultraschall zu Gute kommt, ist Sonja Stresow* (*Name der Redaktion bekannt). Die 30-Jährige ist hochschwanger in der 37. Woche und leidet an einer Implantationsstörung mit erhöhtem Blutungsrisiko unter der Geburt. „In ein paar Tagen werden wir die Geburt deswegen kontrolliert einleiten“, sagt Dr. Ralf Schmitz. „Bei Frau Stresow war der Einsatz eines Doppler-Ultraschalls mit hochauflösender Bildqualität zum einen pränatal diagnostisch absolut wertvoll, um die Störung überhaupt zu erkennen. Anders als bei unkomplizierten Schwangerschaften muss die Patientin aber auch engmaschig überwacht werden, sozusagen in ‚real time‘. Deswegen ist die Patientin auch schon seit Wochen stationär aufgenommen, um jedes Risiko auszuschließen.“ Und Dr. Hauke Heinzow fügt aus der Sicht des Internisten hinzu: „Ultraschall ist nicht nur diagnostisch notwendig und sinnvoll, sondern kann für den einzelnen Patienten auch therapeutisch unterstützend eingesetzt werden. Die Prognose, dass Frau Stresow für das letzte Drittel ihrer Schwangerschaft dauerhaft überwacht werden muss, konnte leicht gestellt werden. Medizinische Maßnahmen könnten im Ernstfall sofort ergriffen werden.“ „Wir könnten den Ultraschall auch intraoperativ einsetzen, wenn dies nötig würde“, ergänzt Herr Ermert.

Herr Ermert wird heute bei der Pressekonferenz der DEGUM in Berlin von Patienten wie Sonja Stresow* berichten: „An einem Fall wie dem ihren lässt sich leicht festmachen, warum in Deutschland eine fächerübergreifende Ultraschallausbildung weiterentwickelt werden muss. In Ultraschall-Zentren arbeiten Spezialisten verschiedener Fachrichtungen zusammen und können gegenseitig von der Expertise des Einzelnen profitieren.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Deutsch-niederländisches Projekt soll Händehygiene von Grundschülern verbessern

Münster (mfm/sm) – Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das von klein auf: Schon Kinder erlernen früh Verhaltensweisen, die ihren Alltag strukturieren und sich zu Gewohnheiten verfestigen wie beispielsweise Händewaschen als Ritual vor dem Essen. Aber auch im Kampf gegen die Verbreitung von Krankheitserregern ist Händewäschen immens wichtig – will jedoch gelernt sein. Hier helfen nun Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und des Instituts für Erziehungswissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU): Gemeinsam mit Kollegen aus Wissenschaft und Wirtschaft der deutsch-niederländischen Grenzregion untersuchen sie in ihrer Studie das Wissen und die Motivation von Grundschülern zur Händehygiene. Mithilfe ihrer Ergebnisse erarbeiten die Forscher anschließend moderne, altersgerechte Unterrichtsmaterialien, damit die Kinder früh selbstständig ein Bewusstsein für richtige Händehygiene entwickeln.

Erreger von Atemwegs-, Darm- oder Hautinfektionen werden im Alltag vor allem durch unsere Hände übertragen. Hinzu kommen Infektionen mit multiresistenten Keimen, die in deutschen und niederländischen Krankenhäusern längst ein Problem sind. „Hier helfen gängige Antibiotika oft nicht und häufig gibt es für Betroffene deshalb nur noch eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten.“, weiß Prof. Karsten Becker vom Institut für Medizinische Mikrobiologie. Während im Krankenhaus Händedesinfektion Pflicht ist, so gilt im Alltag gründliches Händewaschen immer noch als die beste Prävention. Deshalb sei es umso wichtiger, schon Grundschüler an eine richtige Händehygiene heranzuführen, so Becker.

Bild: Das Projektteam des Händehygiene-Studie bei der Auftaktveranstaltung. Um die die richtige Händehygiene bei Grundschulkindern geht es bei einem neuen Forschungsprojekt unter Leitung von Wissenschaftlern der WWU Münster (Foto: K. Becker)

„Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es nur sehr wenig Daten, die das Hygieneverhalten von Kindern abbilden“, erklärt der Mediziner. Deshalb soll die auf drei Jahre angelegte und mit über 100.000 Euro geförderte Studie – als Teil der Projekte EurHealth-1Health und health-i-care innerhalb der Initiative Interreg V-A der Europäischen Union – das Wissen und die Motivation von Grundschülern zum Thema Händehygiene aufdecken. „Wir arbeiten eng mit unseren Nachbarn in den Niederlanden zusammen, denn für Mikroorganismen bestehen nun mal keine Ländergrenzen“, so Becker.

Auf Grundlage der Ergebnisse entwickeln die münsterschen Mikrobiologen gemeinsam mit Wissenschaftlern aus dem Institut für Erziehungswissenschaft der WWU und der Abteilung für Psychologie, Gesundheit und Technologie der Universität Twente altersgerechte Unterrichtsmaterialien, die das Bewusstsein der Kinder für Händehygiene im Alltag stärken sollen. „Wir planen zusammen mit einem Hygieneunternehmen auch spezielle Seifenspender für Schulen zu entwickeln, die die Kinder mitgestalten können. So wollen wir sie nachhaltig zu regelmäßigem und richtigem Händewaschen motivieren“, führt Becker aus. Dank einer eingebauten smarten Technologie können die Seifenspender aber noch mehr: Sie zeichnen – völlig anonym – Informationen zu ihrer Benutzung auf. Während ihres Einsatzes in 13 Grundschulen im Kreis Steinfurt, unter anderem in Laer, Greven, Altenberge und Emsdetten, wollen die Forscher auswerten, ob sich das Waschverhalten der Schüler – angeschoben von den neuen Unterrichtsmaterialien und ansprechenden Spendern – tatsächlich verändert.

Die EU-Initiative Interreg V-A ist Teil des Strukturfonds zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Europäischen Union und umfasst verschiedene Projekte wie eben EurHealth-1Health und health-i-care. Diese werden vom Universitair Medisch Centrum in Groningen koordiniert und bringen Wissenschaftler und Entwickler von Universitäten, Unternehmen und anderen Einrichtungen der deutsch-niederländischen Grenzregion zusammen. Gemeinsam erarbeiten sie neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten – insbesondere solcher mit multiresistenten Erregern.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Schneller und genauer: UKM führt Laborautomation für DNA-Analyse ein

Pipettierroboter und Sequenziergerät ermöglichen rasche, standardisierte Diagnostik bei Krebserkrankungen und früheren Therapiebeginn

Münster (ukm/maz) – Vier bis sechs Wochen, statt zwei bis drei Monate: Patientenproben können im Institut für Humangenetik des UKM (Universitätsklinikum Münster) ab sofort deutlich schneller bearbeitet werden. Mit der Anschaffung eines Pipettierroboters zur Aufbereitung von DNA-Proben verfügt das Team des molekularbiologischen DNA-Labors jetzt über eine komplette Laborautomation. „Bisher war es möglich, händisch acht Proben pro Tag aufzubereiten, jetzt sind es 96“, belegt Dr. Jochen Seggewiß die schnellere Bearbeitung mit Zahlen. In Kombination mit dem bereits vorhandenen Sequenziergerät, einem sogenannten Next-Generation-Sequencer (NGS), ist damit nicht nur eine rasche Analyse einzelner Gene und eines vielfältigen Gen-Panels möglich, sondern auch eine umfangreiche Sequenzierung, also das Auslesen des genetischen Codes, aller protein-codierenden Bereiche (ca. 20.000 Gene). Für die akut therapierelevante Diagnostik erfolgt dies sogar innerhalb weniger Tage.

Sowohl für die einsendenden Kliniken als auch die betroffenen Patienten bedeutet das eine deutliche Verringerung der Wartezeit, ob zum Beispiel eine Krebserkrankung oder eine mögliche Disposition vorliegt. „Wir haben eine Vielzahl an Gen-Panels eingerichtet, die im Sinne einer Stufendiagnostik auf unterschiedliche klinische und familien-anamnestische Konstellationen von Krebserkrankungen oder syndromalen Erkrankungen zugeschnitten sind“, erklärt Carolin Dreier, Medizinisch-Technische Assistentin im DNA-Labor. „Wir können das Design aber in Absprache mit den Kliniken auch kurzfristig je nach Wunsch erweitern und ein individuelles Gen-Panel anlegen.“

Der neue Pipettierroboter füttert in diesem Gesamtprozess das Hochdurchsatz-Sequenzier-Gerät, 24 bis 30 Stunden dauert ein Lauf je Gerät. Die Arbeiten davor – die Gewinnung der DNA aus Blut, einem Tumor oder Nasenabstrich – und danach – die Interpretation und Analyse der Ergebnisse – werden weiterhin von den acht Medizinisch-Technischen Assistenten und sechs Wissenschaftlern des Instituts selbst durchgeführt. Die gesamte Laborautomation ist vom Probeneingang bis zur Ausgabe von der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) akkreditiert.

Die Neuanschaffung trägt damit neben der zeitlichen Komponente vor allem zur Qualitätssicherung bei: Die Bearbeitung der jährlich rund 1500 Proben werden gleichmäßig und standardisiert durchgeführt, Anwender-bedingte Ungenauigkeiten sind ausgeschlossen. Das Laborteam sieht sich mit dieser Ausstattung gut aufgestellt. „Zwar gibt es noch andere Roboter in der Region, in der Diagnostik sind wir in dieser Größenordnung derzeit aber die Einzigen in Westfalen“, sagt Seggewiß.

Bild: Dr. Jochen Seggewiß und Carolin Dreier zeigen den neuen Pipettierroboters, der 96 Proben auf einer Platte gleichzeitig aufbereitet.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Infoveranstaltung zum Thema Herzschwäche lockte viele Besucher in die Raphaelsklinik

Die Informationsveranstaltung der Klinik für Innere Medizin I – Kardiologie „Das schwache Herz“ lockte am 25. November rund 160 Besucher ins Foyer der Raphaelsklinik.

Münster – Betroffene und Interessierte erfuhren, welche modernen Verfahren es gibt, um einer Herzschwäche vorzubeugen oder sie effektiv zu behandeln. „In den letzten Jahren sind große Fortschritte bei den Therapiemöglichkeiten erzielt worden“, sagte Prof. Dr. Claus Spieker, Chefarzt der Inneren Medizin. „Ein Problem ist aber, dass Patienten mit Herzschwäche die damit verbundenen Beschwerden, wie Leistungsabfall, Atemnot und geschwollene Beine, oft als altersbedingt hinnehmen.“ Es solle aber jeder, der unter Atemnot leidet, den Arzt aufsuchen, um zu klären, ob eine Herzschwäche die Ursache ist.

Neben weiteren Vorträgen über zeitgemäße kardiologische Rehabilitation bei Herzinsuffizienz und Neuerungen in der ambulanten Behandlung, standen den Besuchern verschiedene Informationsstände zur Verfügung. Nicht nur die Selbsthilfegruppe „Herz in Takt e.V.“, auch die Ernährungsberatung der Raphaelsklinik waren vor Ort. Hier informierten Mitarbeiter über Herzgesunde Kost und Interessierte konnten ihr individuelles Risiko für Herzkreislauferkrankungen bestimmen lassen. Nach den Vorträgen nutzten die Besucher zahlreich die Möglichkeit den Experten Fragen zu stellen, die diese gerne beantworteten. Viele Anwesende wollten beispielsweise wissen, welche Einschränkungen es im Alltag bei einer bekannten Herzinsuffizienz gibt. „Es spricht nichts dagegen in die Sauna zu gehen oder Sport zu treiben. Man sollte dabei aber auf sich hören und sich nicht verausgaben“, erklärte Dr. Frank Lieder, leitender Kardiologe der Chest Pain Unit (Brustschmerzzentrum).

Die Erkrankungshäufigkeit der Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist seit Jahren steigend. In Deutschland wird die Zahl der Patienten mit Herzschwäche auf zwei bis drei Millionen geschätzt. 300.000 kommen jedes Jahr neu hinzu, 50.000 sterben an dieser Erkrankung.

Bild: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher informierten sich am Samstag in der Raphaelsklinik über das Thema Herzschwäche.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Erstes Netzwerktreffen der Babylotsen aus NRW

Babylotsen: Gemeinsamer Austausch zeigt Möglichkeiten und Probleme auf

Münster – Erstmalig trafen sich die Babylotsen verschiedener Geburtskliniken aus Nordrhein-Westfalen zu einem Netzwerktreffen. Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung von Familien wächst stetig. Kostenlos beraten die Babylotsen Familien mit besonderem Hilfebedarf. Dabei wird in Absprache mit den Eltern passgenaue Hilfe vor Ort gesucht und in die regionalen Unterstützungsangebote vernetzt. Babylotsen leisten so einen wichtigen Beitrag, der das gesunde Aufwachsen von Kindern ermöglicht. Zum weiteren Ausbau des 2007 ins Leben gerufenen Projektes fand nun das erste Netzwerktreffen der NRW-Babylotsen statt.

Als erster Standort in NRW beteiligte sich 2015 das St. Franziskus-Hospital Münster an dem Projekt Babylotsen. Im weiteren Verlauf kamen das St. Johannes-Hospital Dortmund, das St. Rochus-Hospital Castrop-Rauxel, das St. Marien-Hospital Düren und die St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen hinzu. Beate Riße, Babylotsin im Franziskus Hospital, sieht einen deutlichen Mehrwert durch den neu gegründeten Arbeitskreis: „An unseren jeweiligen Standorten sind wir Einzelkämpfer. Uns fehlt in der täglichen Arbeit der fachliche Austausch“. Das neue Netzwerk ermöglicht, Arbeitsprozesse abzugleichen und Fallbesprechungen durchzuführen.

Das Treffen hatte jedoch auch die Finanzierungsproblematik des Projekts zum Thema. Die Finanzierung von Lotsendiensten in den Geburtskliniken ist derzeit im Regelsystem nicht vorgesehen. Erste Fördermittel laufen an vielen Standorten bereits aus. Das gilt auch für das St. Franziskus-Hospital Münster. „Das Projekt ist sehr wichtig und sinnvoll. Die Finanzierung steht jedoch leider auf der Kippe. Damit die Babylotsin ihre Arbeit bei uns weiterführen kann, sind wir momentan auf der Suche nach finanzieller Unterstützung“, erklärt Dr. Ansgar Klemann, Kaufmännischer Direktor des St. Franziskus-Hospitals.

Bild: Babylotsen der verschiedenen Krankenhäuser in NRW trafen sich in Dortmund zum gemeinsamen Austausch.
v.l.: Beate Riße (Münster), Lucia Goffin (Düren), Sylvia Milke (Hamm-Heessen), Sonja Wollny (Dortmund), Marina Odehnal (Castrop-Rauxel).

Quelle: © St. Franziskus-Hospital Münster

Hebammen überwinden Sprachbarrieren bei der Geburt

Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverbandes verliehen: St. Franziskus-Hospital Münster unter den sechs besten Projekten

Münster – In Berlin wurde jetzt der Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands (kkvd) verliehen. Unter den sechs nominierten Krankenhäusern war auch das St. Franziskus-Hospital Münster. Es hatte sich passend zum diesjährigen Caritas-Motto „Zusammen sind wir Heimat“ mit dem Projekt „Kultursensible Geburtshilfe“ beworben, das Sprachbarrieren überwinden hilft.

Die Idee dazu hatte Henrike Adam, Hebamme im St. Franziskus-Hospital. Das Haus verzeichnet jährlich rund 2500 Geburten; etwa 350 Mütter haben einen Migrationshintergrund. Fehlende Sprachkenntnisse können die Betreuung vor, während und nach der Entbindung erschweren. Im Rahmen einer Caritas-Weiterbildung zur Stationsleitung beschäftigte sich Henrike Adam mit Fragen der Verständigung. Ziel des Projektes „Kultursensible Geburtshilfe“ war es, bei den Patientinnen und Mitarbeitern Sprachbarrieren abzubauen, Empathie und Verständnis für kulturelle Unterschiede zu schaffen und Sicherheit zu vermitteln.

Im Juli 2016 wurde eine eigene Projektgruppe gegründet, welche aus drei Hebammen und zwei Gynäkologinnen des St. Franziskus-Hospitals bestand. Gemeinsam haben sie bebilderte Karten mit Begriffen in sechs Sprachen entwickelt. Sie ermöglichen die Verständigung rund um die Geburt auch ohne Deutsch- und Lesekenntnisse. Zudem wurden Anamnesebögen zum Ankreuzen in verschiedenen Sprachen erarbeitet. Für die Mitarbeiter wurde darüber hinaus eine Mappe mit Informationen über den Umgang mit traumatisierten Frauen erstellt. Die Arbeitsabläufe konnten damit vereinfacht und der Informationsfluss verbessert werden. „Ich finde es schön, dass mein Projekt so viel Zuspruch gefunden hat. Unter die Nominierten des kkvd-Sozialpreises zu gehören, hat mich sehr gefreut“, erzählt Henrike Adam.

Bild: Bei der Preisverleihung in Berlin (v.l.): kkvd-Vorsitzender Generalvikar Theo Paul, Iris Schulte-Bocholt, Henrike Adam, Monika Lottmann, Hebammen im St. Franziskus-Hospital Münster, Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des kkvd, und Dr. Klaus Goedereis, Vorstandsvorsitzender St. Franziskus-Stiftung Münster.

Quelle: © St.-Franziskus-Hospital Münster

Alternative zur OP bei Herzklappenfehler: Erstes Cardioband am UKM implantiert

Neuartiges Katheterverfahren ohne Herz-Lungen-Maschine / Band behebt Klappendefekt dauerhaft, schließt aber weitere Eingriffe nicht aus

Münster (ukm/maz) – Ein kleiner Draht wird in Millimeterarbeit um eine undichte Herzklappe gelegt, akkurat zugezogen – und das vorhandene Leck ist geschlossen. Stefan Szusz‘ Mitralklappe funktioniert seit diesem neuen Eingriff am UKM (Universitätsklinikum Münster) wieder tadellos. Der 46-Jährige ist der erste Patient im Münsterland, bei dem ein schwerer Herzklappenfehler mit dem sogenannten Cardioband behandelt wurde. „Bei diesem Verfahren arbeiten wir uns per Katheter über die Leistenvene zum Herzen vor, wo das Band im linken Vorhof platziert wird“, erklärt Prof. Dr. Helmut Baumgartner, Direktor der Klinik für angeborene (EMAH) und erworbene Herzfehler im Department für Kardiologie und Angiologie. Das Ganze geschieht minimal-invasiv am schlagenden Herzen: Nur ein kleiner Schnitt in der Leiste ist notwendig, der Brustkorb wird nicht eröffnet, die Herz-Lungen-Maschine kommt nicht zum Einsatz. Damit eignet sich die Methode insbesondere für Patienten mit hohem Operationsrisiko.

So wie bei Stefan Szusz. Vom Bett auf die Couch und zurück ins Bett, das war der Radius des Lüdenscheiders im Frühjahr 2017. „Jetzt fühle ich mich richtig gut und kann schon wieder drei Stockwerke am Stück erklimmen“, sagt er knapp vier Monate nach dem Eingriff. Seine Krankengeschichte geht bis 1990 zurück, als die genetisch bedingte Herzmuskelerkrankung nach einem plötzlichen Zusammenbruch diagnostiziert wurde. Über die Jahre hat sie zu einer zunehmenden Erweiterung der linken Kammer mit Reduktion der Pumpfunktion geführt, die wiederum bei der Mitralklappe, also dem Eingangsventil in die Kammer, eine Erweiterung und schwere Undichtigkeit zur Folge hatte. Zwei Kliniken lehnten eine Operation von Szusz aufgrund seines schlechten Allgemeinzustands ab, worauf er im Sommer ans UKM überwiesen wurde.

Drei Stunden hat der Eingriff gedauert, bei dem 15 einzelne, sechs Millimeter kleine Schräubchen zur Fixierung des Bandes in den hinteren Mitralklappenring eingebracht wurden. „Das Band wird so weit zusammengezogen, bis sich die auseinander gewichenen Mitralsegel wieder annähern und die Undichtigkeit behoben ist“, erklärt Baumgartner, der die Katheterbehandlung gemeinsam mit seinen beiden Oberärzten Dr. Gerrit Kaleschke und Dr. Stefan Orwat durchgeführt hat. Während des Verfahrens kann der Zug auf den Ring überprüft und optimal eingestellt, notfalls sogar wieder reduziert werden. Ein weiterer Vorteil: Die Einbringung des Cardiobandes schließt spätere Eingriffe an der Herzklappe nicht aus. „Bei einem jungen Patienten wie Herrn Szusz halten wir uns Optionen offen, noch einmal chirurgisch oder mit dem Katheter einzugreifen“, so der Klinikdirektor. Deshalb hat sich das „Heart-Team“, ein Team aus Herzchirurgen und Kardiologen am UKM, in seinem Fall auch gegen den Mitraclip entschieden, einer sehr erfolgreichen, seit 2011 am münsterschen Klinikum angewandten Methode, bei der die Segel ebenfalls mittels Katheter zusammengeheftet werden.

Nach fünf Tagen konnte Stefan Szusz das UKM wieder verlassen. Aktuell wartet er auf den Beginn seiner Reha-Maßnahme, bevor er ins Berufsleben zurückkehren wird. „Fußball wie früher werde ich zwar nicht wieder spielen können, aber Radfahren, Wandern und Schwimmen sind wieder möglich“, freut sich der Sauerländer.

Bild: Prof. Dr. Helmut Baumgartner (r.), Dr. Stefan Orwat (vorne) und Dr. Gerrit Kaleschke besprechen mit Stefan Szusz, der als erster Patient am UKM vom neuen Cardioband profitiert, die Ergebnisse.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Geburt ohne Kaiserschnitt

Münster – Jetzt, wo der kleine Lemmy satt und glücklich in den Armen seiner Mutter Simone Mückler schlummert, kann man kaum glauben, dass er bereits vor seiner Geburt bei seinen Eltern für einiges Kopfzerbrechen gesorgt hat. Normalerweise drehen sich die Kinder etwa in der 36. Schwangerschaftswoche in die Startposition mit dem Kopf voraus. Drei bis fünf Prozent machen es aber wie Lemmy und liegen mit dem Gesäß oder sogar mit den Füßchen in Richtung Ausgang, in der sogenannten Beckenendlage. „Als ich von meiner Gynäkologin erfahren habe, dass unser Kind in Beckenendlage liegt, war das für mich zunächst sehr schlimm“, berichtet Simone Mückler.

Von Anfang an war für die junge Mutter jedoch klar, dass ein Kaiserschnitt nur die allerletzte Lösung sein soll. „Die natürliche Geburt hat gegenüber dem Kaiserschnitt für Mutter und Kind viele Vorteile“, bestärkt Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals, die Entscheidung der Mutter. „Es handelt sich beim Kaiserschnitt schließlich um eine echte Operation und die Frauen haben nach dem Eingriff die gleichen Probleme wie andere Patienten nach einer OP. Nach der natürlichen Geburt hingegen sind die Frauen wesentlich schneller wieder fit, haben weniger Schmerzen und können das Mutterglück viel besser genießen, was auch dem Baby zugute kommt“, berichtet der Frauenarzt. Auch Simone Mücklers Gynäkologin, ihre Hebamme und ihr Mann Hanno Endres bestärkten die 37-Jährige in ihrer Entscheidung für eine natürliche Geburt. „Ich habe versucht, mit Akupunktur und Osteopathie sanft einzugreifen und eine Drehung in die Kopflage zu bewirken, allerdings ohne Erfolg“, erinnert sie sich. In der Region um Münster werden natürliche Entbindungen von Kindern in Beckenendlage nur von drei Kliniken durchgeführt, das Clemenshospital gehört dazu. „Das Team aus Hebammen und Ärzten muss über viel Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen, in den letzten zehn Jahren ging in den meisten Kliniken jedoch der Trend zum Kaiserschnitt bei einer Beckenendlage“, erklärt Langenberg. Wenn sich zeigt, dass die natürliche Geburt mit einem Risiko für Mutter und Kind verbunden ist, wird auch im Clemenshospital per Kaiserschnitt entbunden, „es ist immer eine Frage des Abwägens“, wie der Chefarzt sagt. Lemmy war offenbar mit der Entscheidung seiner Eltern einverstanden und legte einen Traumstart hin, „die Entbindung ging ruck-zuck, nach insgesamt fünf Stunden war der Kleine auf der Welt!“, freuen sich die jungen Eltern.

Bild: Dr. Rüdiger Langenberg (m.) freut sich mit den Eltern Simone Mückler und Hanno Endres über die natürliche Geburt des kleinen Lemmy

Quelle: © Clemenshospital Münster