„Alles noch mal gut gegangen!“ – Patient kann drei Tage nach Schlaganfall wieder nach Hause zurück

Immer bessere Prognosen bei schneller interdisziplinärer Behandlung in der Stroke Unit / „time is brain“ als Devise für Helfer

Münster (ukm/aw) – Heinz-Josef Ermeling macht seinen Sonntagsspaziergang, als er plötzlich merkt, dass er nicht mehr geradeaus gehen kann. Den Rollstuhl seiner Ehefrau kann er noch in den Graben schieben – dann fällt er einfach um. Zum Glück hält ein Autofahrer an und kümmert sich um den 75 Jahre alten Mann – der Verdacht: Schlaganfall. „Ich hab doch keinen Schlaganfall, habe ich noch gedacht. Dann kam auch schon der Rettungswagen.“ Drei Tage nach dem Vorfall liegt Ermeling auf der Stroke Unit der Klinik für Allgemeine Neurologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) und wartet auf die letzte Untersuchung vor seiner Entlassung nach Hause.
„Im Fall von Herrn Ermeling haben alle richtig, und das heißt schnell, reagiert“, freut sich die behandelnde Funktionsoberärztin Dr. Ilka Kleffner. „Es gilt die Devise: ‚time is brain‘.“ Denn mit jeder Minute, die nach einem Schlaganfall vergeht, sterben tausende von Gehirnzellen ab – und damit steigt die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen.“

Im Fall von Ermeling konnten die Radiologen am UKM schnell diagnostizieren, dass ein Verschluss eines Hauptstammes der Hirngefäße vorlag. „Bei einem solchen Verschluss ist besondere Eile geboten.“, sagt Kleffner, „Herr Ermeling war linksseitig gelähmt. Wir mussten uns sehr beeilen, das Gefäß schnell wieder zu öffnen.“ Das geschah zunächst mittels Thrombolyse, das heißt mit Hilfe eines intravenös gegebenen Medikaments, das den Thrombus auflösen soll. Nach der Notfall-CT-Untersuchung führten die Ärzte eine Thrombektomie durch. Dabei wird der Blutpfropf über einen Katheter aus dem verstopften Hirngefäß „gezogen“. Der Neuroradiologe Priv.-Doz. Dr. med. Wolfram Schwindt, konnte so das Blutgefäß rechtzeitig wieder eröffnen. Der Patient merkt von dem Vorgang nichts, denn der Eingriff erfolgt unter Narkose. Herr Ermeling behielt keine Lähmung zurück. „In Zukunft werden wir Patienten immer öfter helfen können“, freut sich die Neurologin Kleffner. “Die Fortschritte bei den Methoden, die verschlossenen Gefäße wieder zu eröffnen, sind in den letzten Jahren immer besser geworden. Wenn Betroffene rechtzeitig in ein Zentrum gebracht werden, in dem diese Eingriffe durchgeführt werden können, verbessert das die Aussichten, dass sie keine Schäden zurückbehalten.“

Wie wichtig es ist, bei einem Schlaganfall schnell zu handeln, zeigt der Fall von Heinz-Josef Ermeling. Er konnte mit entsprechender medikamentöser Behandlung mit Cholesterin- und Blutdrucksenkern sowie einem blutverdünnenden Medikament nach Hause entlassen werden.

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Bild: Franz-Josef Ermeling und Dr. med. Ilka Kleffner bei letzten neurologischen Untersuchungen vor der Entlassung nach Hause.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster