Alkohol

Alkohol: Genuss oder Gefahr?

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Mit dem Alkohol ist es so eine Sache. Er kann zur geselligen Stimmung beitragen, den Appetit anregen, den Geschmack eines gelungenen Essens abrunden oder schlicht entspannen. Einerseits ist Alkohol also ein bereichernder Bestandteil unserer Kultur – man muss nur die Bilder von van Gogh anschauen, um das zu begreifen. Andererseits ist Alkohol eine Droge, die uns in den Abgrund ziehen kann. „Alkohoool“, singt Herbert Grönemeyer, „ist das Drahtseil, auf dem Du stehst/Alkohol ist das Schiff mit dem Du untergehst“. Wie behält man die Balance und wann sinkt das Schiff? Wann ist Alkohol Genussmittel, wann wird er zur Sucht?

Hinweis: Verwenden Sie die Informationen aus unserer Gesundheits-Rubrik nicht als alleinige Quelle. Bitte fragen Sie bei gesundheitlichen Beschwerden einen Arzt oder Apotheker.

Wenn der Alkoholkonsum zur Sucht wird

Man unterscheidet den Alkoholrausch und den schädlichen Konsum von Alkohol von der Alkoholabhängigkeit, wobei die übergänge vom wiederholten Rausch über den schädlichen Konsum bis zur Abhängigkeit fließend sind.

Alkoholabhängigkeit entsteht nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich in der Regel schleichend. Niemand, der alkoholische Getränke konsumiert, ist davor sicher. Der Alkoholrausch ist der Zustand des "Betrunkenseins". Je nach Trinkgewohnheiten und Toleranzentwicklung beobachtet man eine heitere Stimmung, einen Abbau von ängsten und Hemmungen und eine gesteigerte Bewegung. Im mittleren Dosisbereich beginnen bereits Sprachstörungen, aber auch Störungen des Ganges, der Koordination, der Aufmerksamkeit sowie der Urteilskraft. Es treten Erinnerungslücken auf. Bei höheren Dosen können Gereiztheit, Aggressivität, Ermüdung, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma auftreten.

Von einem schädlichen Gebrauch spricht man, wenn der Alkoholkonsum zur Beeinträchtigung der Gesundheit führt. Diese können sich sowohl im körperlichen Bereich (zum Beispiel Erhöhung der Leberwerte, Magengeschwüre, Bluthochdruck et cetera) als auch im psychischen Bereich (zum Beispiel Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle und so wieiter) äußern. Eine Alkoholabhängigkeit liegt vor, wenn irgendwann während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:

  • Ein starkes Verlangen oder eine Art Zwang, Alkohol zu trinken,
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums,
  • Auftreten körperlicher Entzugserscheinungen, zum Beispiel Schwitzen und Zittern nach Beendigung oder Verminderung des Konsums,
  • Nachweis einer Toleranzentwicklung: Um den gewünschten Effekt zu erreichen, müssen größere Mengen getrunken werden,
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zu Gunsten des Alkoholkonsums – erhöhter Zeitaufwand, um Alkohol zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen,
  • Fortgesetzter Alkoholkonsum trotz schädlicher Folgen im körperlichen, psychischen oder im sozialen Bereich, wider besseres Wissen.
Quelle: © TKK – Oliver Erven; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004); Huber: Psychiatrie. Schattauer (1999) / 24.04.2005

Der Weg in die Abhängigkeit

Die typische männliche Trinkerkarriere – Frauen beginnen meist später mit regelmäßigem Alkoholkonsum – startet im Jugendalter mit ersten Rauscherfahrungen. Mit Mitte 20 nimmt die Menge des Alkohols zu, die gewünschte Wirkung tritt immer später ein. Schleichend greift das Problem auf andere Lebensbereiche über und verbindet sich mit kleinen und großen Lebenskrisen. Im Alter von 30 Jahren tritt bei Vielen der Kontrollverlust ein: Die psychischen und sozialen Probleme nehmen überhand, der Griff zur Flasche bleibt als letzter Rettungsanker bestehen. Bald werden Entzugserscheinungen spürbar, die tägliche Ration Alkohol wird zur „Medizin“, schließlich zur Notwendigkeit. Nun gibt es ohne Hilfe kein Zurück mehr.

Der Problemlöser wird zum Problem

Diese Abfolge ist kein Gesetz, aber ein häufig beobachtetes Phänomen. Die Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, sind bei jedem Einzelnen sehr unterschiedlich. Häufig beginnt es damit, dass der Alkohol die Rolle des Trostspenders übernimmt: Stress und ärger, Wut und Trauer werden mit einem Glas heruntergespült. Alkohol entspannt und beruhigt, indem er große Mengen „belohnender“ Botenstoffe freisetzt, vor allem Serotonin, Dopamin und Endorphine. So kann Alkohol die Laune heben, was Wilhelm Busch in die Worte fasste: „Es ist bekannt von alters her, wer Kummer hat, hat auch Likör.“

Je öfter sich jemand aber bei der Verdrängung von Problemen auf den Alkohol verlässt, desto weniger gelingt es ihm, kritische Situationen nüchtern zu bewältigen. Wenn Gefühle von Einsamkeit, private Konflikte, Gewalterfahrungen oder seelische Schmerzen überhand nehmen, hilft Alkohol, die Gedanken kurzfristig abzulenken. Die Probleme selber bleiben aber bestehen, und der Alkohol mindert nach und nach die Kraft, sich ihnen zu stellen.

Der Weg in die Abhängigkeit entsteht im Kopf: Der Alkohol beeinflusst sämtliche wichtigen Neurotransmitter, also jene Substanzen, vermittels derer Nervenzellen miteinander kommunizieren. Nach und nach wird er Teil der neuronalen Prozesse, und wenn kein Nachschub mehr folgt, gerät das System aus den Fugen. Das Gehirn entwickelt ein „Suchtgedächtnis“, das in bestimmten Situationen zum Trinken animiert – bis ein Wohlgefühl nur noch mit Alkohol möglich ist.

Quelle: © IKK Classic – 2005

Die Ursachen und der Verlauf einer Alkoholabhängigkeit

Die Frage, warum manche Menschen abhängig werden und manche nicht, kann abschließend nicht beantwortet werden. Man geht heute davon aus, dass mehrere Faktoren zur Entstehung einer Alkoholabhängigkeit beitragen. Dazu gehören individuelle Faktoren (zum Beispiel genetische Belastung, Lebensgeschichte), das soziale Umfeld sowie die spezifische Wirkung und Verfügbarkeit der Droge Alkohol. Man beobachtet starke familiäre Häufungen von Alkoholproblemen. Dieses führt man einerseits darauf zurück, dass ein Kind durch seine Vorbilder "lernt", Alkohol auch in großen Mengen zu konsumieren. Andererseits macht man eine genetische Belastung dafür verantwortlich. Von einer spezifischen "Alkoholiker-Persönlichkeit" als Ursache der Alkoholabhängigkeit geht man heutzutage nicht mehr aus.

Wie verläuft eine Alkoholabhängigkeit?

Auch wenn sich die individuellen Krankheitsverläufe oft sehr unterscheiden, so lässt sich ein typischer Verlauf der Entwicklung zur Alkoholabhängigkeit skizzieren:

  1. Voralkoholische Phase
    Diese Phase ist gekennzeichnet durch gelegentliches bis dauerndes Erleichterungstrinken. Alkohol wird immer mehr zur Problemlösung und zum Abbau von Spannungen eingesetzt. Schließlich sucht man fast täglich Entspannung im Alkohol, ohne dass es zum Rausch kommt. Diese Trinkmethode dauert je nach Umständen einige Monate bis zwei Jahre.
  2. Anfangs-Phase
    Die Gedanken kreisen immer häufiger um den Alkohol. Auch das Verhalten ändert sich: Es wird häufiger heimlich und die ersten Gläser gierig getrunken. Der Betroffene legt sich Alkoholvorräte an. Er merkt nun deutlich, dass mit seinem Trinkverhalten etwas nicht stimmt und bekommt Schuldgefühle.
  3. Kritische Phase
    Typisch für diese Phase ist der beginnende Kontrollverlust über das Trinken, das heißt Beginn, Menge und Ende des Konsums können nicht mehr frei bestimmt werden. Das Denken ist in dieser Phase nahezu vollständig auf den Alkohol konzentriert. Selbstmitleid und Selbstvorwürfe quälen den Betroffenen. Mehrfache Abstinenzversuche schlagen fehl. Es kommt zu Veränderungen der Persönlichkeit und zu Konflikten im privaten sowie beruflichen Bereich, da der Betroffene seinen Alkoholkonsum gegenüber der Außenwelt nicht länger verheimlichen kann. Er verbringt immer mehr Zeit mit dem Beschaffen und Konsum von Alkohol und vernachlässigt andere Interessen oder soziale Kontakte. Es zeigen sich bereits deutliche körperliche Folgen sowie Entzugserscheinungen bei vermindertem Konsum.
  4. Chronische Phase
    Alkohol spielt nun die alles beherrschende Rolle: Die Betroffenen sind oft tagelang betrunken, oft muss bereits am Morgen Alkohol – egal in welcher Form – getrunken werden. Der Kranke kann dem Alkohol kaum noch Widerstand entgegensetzen. Er ist schließlich nicht mehr in der Lage, selbst einfachste Tätigkeiten ohne Alkoholkonsum durchzuführen. Durch den geistigen Abbau nehmen Gedächtnisleistungen sowie die Kritik- und Urteilsfähigkeit ab. Körperliche Schäden werden deutlich. In den meisten Fällen resultiert ein rascher sozialer Abstieg.
Quelle: © TKK – Oliver Erven; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004); Huber: Psychiatrie. Schattauer (1999) / 24.04.2005

Welche Folgen entstehen durch die Alkoholabhängigkeit?

Alkohol ist ein Gift, das grundsätzlich alle Organsysteme des Körpers sowie die Psyche schädigt. Alkoholabhängigkeit ist lebensbedrohlich: Pro Jahr sterben 30.000 bis 40.000 Menschen an den Folgen dieser Sucht. Die Lebenserwartung ist statistisch gesehen um rund 15 Prozent vermindert, was durchschnittlich 15 Jahren entspricht.

Welche Schäden in welchem Ausmaß auftreten, ist von Organ zu Organ unterschiedlich. Auch bestehen große Unterschiede zwischen verschiedenen Personen. Körperliche Schäden können bei regelmäßigem Konsum auch dann vorkommen, wenn der Betroffene nicht als alkoholabhängig einzustufen ist.

Allgemeine Symptome

Reduzierter Allgemeinzustand, Appetitmangel, Gewichtsverlust, gerötete Gesichts- haut, vermehrte Schweißneigung, Schlafstörungen.

Neuropsychiatrische Symptome

Entzugserscheinungen: Eine Entzugssituation beginnt meist vier bis zwölf Stunden nach Ende oder Verminderung des Trinkens und erreicht seine stärkste Ausprägung am zweiten Tag. Es ist durch innere Unruhe, Schwitzen, Zittern, übelkeit und Erbrechen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Sprechstörungen, Doppelbilder und allgemeines Krankheitsgefühl gekennzeichnet. Häufig wird die Entzugssituation durch Krampfanfälle kompliziert, die lebensbedrohlich werden können.

Entzugsdelir: Das Delir ist die schwerste Form des Alkoholentzugs-Syndroms. Neben einer ausgeprägten Entzugssymptomatik treten Desorientiertheit, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma sowie optische und akustische Halluzinationen (die berühmten "weißen Mäuse") auf. Daneben kommt es zu Fieber und Blutdruckanstieg. Störungen der Herz-Kreislauf-Regulation und der Atmung können unbehandelt schnell lebensbedrohliches werden und das Entzugsdelir bedarf der sofortigen ärztlichen Behandlung.

Zentrales Nervensystem: Durch die giftige Wirkung des Alkohols sterben im Gehirn Nervenzellen ab, welches zu Gang- und Koordinationsstörungen, zu Wesensänderungen (meist reizbarer und eifersüchtiger) sowie zu Konzentrations- und Gedächtnisstörungen bis hin zur Demenz führen kann. Epileptische Anfälle sind eine häufige Folge übermäßigen Alkoholkonsums.

Peripheres Nervensystem: Zwischen 20 und 30 Prozent der Alkoholiker leiden unter Missempfindungen (Kribbeln, Ameisenlaufen), Taubheitsgefühlen, Schmerzen und Muskelschwäche, insbesondere an den Beinen, die durch Nervenschädigungen bedingt sind (Polyneuropathie). In ausgeprägten Fällen ist die Gehfähigkeit eingeschränkt.

Psyche: Angst und Depressionen werden häufig durch den Alkohol und indirekt durch die sozialen Folgen ausgelöst. 10 bis 15 Prozent der Betroffenen sterben durch Selbstmord.

Gastrointestinale Folgeschäden

Leber: Bei fortgesetztem Alkoholkonsum kommt es zunächst zu einer Leberverfettung, die in der Regel keine Beschwerden verursacht. Anschließend kann sich eine Leberentzündung (Alkoholhepatitis) bis zur Leberzirrhose entwickeln. Die Leberzirrhose geht mit einem zunehmenden Funktionsverlust des Lebergewebes einher und führt schließlich zum Tod durch Leberversagen. Auch ist das Risiko von Leberkrebs 5- bis 15fach erhöht. Eine leberschädigende Wirkung tritt beim Mann schon ab einem Konsum von circa 40 Gramm reinen Alkohol (das entspricht etwa 0,4 Liter Wein oder 0,8 Liter Bier) pro Tag auf. Die Alkoholempfindlichkeit der Frau ist deutlich höher, hier liegt die kritische Grenze bereits bei 20 Gramm pro Tag.

Speiseröhre, Magen: Es besteht ein erhöhtes Risiko für Entzündungen, Geschwüre und Krebserkrankungen. An der Speiseröhre treten vermehrt Schleimhauteinrisse auf.

Darm: Gestörte Aufnahme von lebenswichtigen Nährstoffen (zum Beispiel Vitamin B und Folsäure), so dass Mangelerkrankungen entstehen können.

Bauchspeicheldrüse: Es kann zu einer sehr schmerzhaften und lebensbedrohlichen chronischen Entzündungen des Organs kommen (Bauchspeicheldrüsenentzündung, Pankreatitis). Diese kann auch zur Entstehung einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) führen.

Weitere Folgeschäden

Herz-Kreislauf-System: Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass mäßiger Alkoholkonsum (unter 20 g/Tag für Männer und Frauen) eine schützende Wirkung bezüglich einer koronaren Herzkrankheit hat. Allerdings steigt das Risiko mit steigendem Konsum für einen plötzlichen Herztod und Herzrhythmusstörungen. Weiterhin kommt es zu einer Schädigung des Herzmuskels mit einer krankhaften Vergrößerung des Herzens (dilatative Kardiomyopathie), was zu einer verminderten Leistungsfähigkeit führt. Alkohol bewirkt außerdem eine Erhöhung des Blutdruckes mit allen Folgeerscheinungen.

Blut: Durch die verminderte Blutbildung entsteht eine Blutarmut, und durch eine gestörte Blutgerinnung steigt das Risiko für Blutungen.

Hormonhaushalt: Bei Männern kommt es zu Potenzstörungen, bei Frauen zu Störungen der Regelblutung und bei beiden Geschlechtern zur Abnahme des sexuellen Verlangens.

Schwangerschaft: Erhöhter Alkoholkonsum während der Schwangerschaft verursacht eine Schädigung des Embryos, die sich unter anderem durch Minderwuchs, geistige Behinderung und Herzfehler zeigen kann.

Tumorerkrankungen: Alkoholkonsum erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken. Dies gilt insbesondere für Tumorerkrankungen der Mundhöhle, des Rachens, der Speiseröhre, der Leber, des Darmes und bei Frauen der Brust.

Soziale Folgen

Durch familiäre Probleme, Probleme am Arbeitsplatz, einen Führerscheinverlust sowie die soziale Isolierung durch den Verlust von Freunden und Bekannten kommt es in vielen Fällen zu einem sozialen Abstieg.

Die finanziellen Folgen für die Gesellschaft durch Fehlzeiten, sinkende Arbeitsleistung, alkoholbedingte Unfälle sowie direkte Krankheitskosten durch alkoholkranke Personen werden auf rund 20 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt und machen damit Alkohol zu einem bedeutenden sozialmedizinischen Problem.

Quelle: © TKK – Oliver Erven; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004); Huber: Psychiatrie. Schattauer (1999) / 24.04.2005

Wie kann die Alkoholabhängigkeit behandelt werden?

Hinweise für ein Alkoholproblem sind Verhaltensauffälligkeiten und die oben beschriebenen körperlichen Merkmale der betroffenen Person.

Der Hausarzt, im Idealfall ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein Arzt mit der Weiterbildung in suchtmedizinischer Grundversorgung, stellt die Diagnose durch ein ausführliches Gespräch und durch die Erhebung wichtiger Laborbefunde. In dem Gespräch sollten die aktuellen Beschwerden, Probleme, Vorerkrankungen, aber auch die Lebensgeschichte und Familiengeschichte des Betroffenen berücksichtigt werden. Blutwerte, die auf einen chronischen Alkoholmissbrauch hindeuten sind das mittlere korpuskuläre Volumen der roten Blutkörperchen MCV, das Enzym gamma-GT und das Kohlenhydrat-defiziente Transferrin CDT.

Durch eine umfangreiche körperliche Untersuchung werden bereits eingetretene Folgeschäden des Alkoholismus festgestellt. Darüber hinaus gibt es Kurzfragebögen (zum Beispiel Lübecker Alkoholismus Screening Test, CAGE- Fragebogen), mit denen jeder grob abschätzen kann, ob er durch Alkohol gefährdet ist. Der CAGE-Fragebogen besteht aus vier Fragen. Werden zwei mit "ja" beantwortet liegt mit großer Wahrscheinlichkeit eine Alkoholabhängigkeit vor:

  • Haben Sie schon einmal daran gedacht Ihre Trinkmenge zu reduzieren?
  • Haben Sie sich jemals über die Kritik anderer Personen an Ihrem Trinkverhalten geärgert?
  • Haben Sie sich wegen Ihres Trinkverhaltens schuldig gefühlt?
  • Haben Sie morgens Alkohol getrunken, um wach zu werden oder sich konzentrieren zu können?

Die Behandlung

Grundsätzlich kann man vier Phasen der Therapie unterscheiden, wobei in jedem Stadium die Behandlung individuell geplant werden sollte. Von entscheidender Bedeutung ist die Frühdiagnose.

Kontakt- und Motivationsphase:
Der Betroffene nimmt ersten Kontakt zu einer Beratungsstelle oder einem Arzt auf. Der Kranke – und im Idealfall auch seine Angehörigen – sollten ausführlich informiert werden.
Seine Motivation zum Trinken sollte in eine Motivation zur Abstinenz umschlagen. Der Arzt kann versuchen, eine vorhandene Abstinenz-Motivation zu festigen. Er schlägt dem Patienten eine individuelle Therapie vor und legt die weiteren therapeutischen Schritte fest. Der Patient muss selbst zur Therapie bereit sein, ansonsten wird diese fehlschlagen.

Entgiftungsphase:
Aufgrund der oben beschriebenen möglichen Komplikationen (Entzugserscheinungen mit drohendem Delir), die ein ärztliches Eingreifen notwendig machen, sollte die Entgiftung am besten in einem Krankenhaus erfolgen. Sie sollte sich nicht nur auf körperliche und medikamentöse Maßnahmen beschränken, sondern auch motivationsfördernde und aufklärende Elemente beinhalten.

Entwöhnungsphase:
Im Anschluss an eine Entgiftung sollte eine Entwöhnungsbehandlung stattfinden, da nachweislich eine alleinige Entgiftung meist nicht zur Behandlung einer Alkoholabhängigkeit ausreicht. Diese wird in der Regel in einer Fachklinik oder auch ambulant über einen Zeitraum von mehren Wochen bis Monaten durchgeführt.
Ziel ist die Festigung des Abstinenzwunsches und das Wiedererlernen eines Lebens ohne Alkohol. In der Regel werden verschiedene psychotherapeutische Methoden, Sporttherapie, Arbeitstherapie, soziale Betreuung und vieles mehr angewandt.

Nachsorge- und Rehabilitationsphase:
Ein hohes Rückfallrisiko birgt der übergang von der stationären Behandlung zurück in den Alltag, da man schnell wieder von "alten" Problemen und Verhaltensweisen eingeholt wird.
Umso wichtiger ist eine konsequente und engmaschige ambulante Nachbetreuung. Diese kann durch Suchtambulanzen, Suchtberatungsstellen oder Fachärzte erfolgen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen (zum Beispiel Anonyme Alkoholiker, Blaukreuzler, Guttempler, und so weiter).

Daneben gibt es Medikamente, die das Verlangen nach Alkohol mindern (Acamprosat). Diese Medikamente können eine Behandlung und Therapie durch Fachkliniken sowie den Kontakt zur Selbsthilfegruppe und Suchtberatungsstelle nicht ersetzen sondern unter bestimmten Bedingungen ergänzen.

Wie ist die Prognose?

Eine exakte Prognose der Alkoholkrankheit ist zum Zeitpunkt des Therapiebeginns nicht möglich. Sie ist sehr stark von individuellen Faktoren abhängig, insbesondere von bereits eingetretenen körperlichen und psychischen Schäden. Voraussetzung für die Heilung ist natürlich eine ausreichende Eigenmotivation, ohne die eine Therapie von vorneherein nicht erfolgversprechend ist. Eine mittel- und längerfristige stabile Besserung nach einer Entwöhnungsbehandlung wird in 40 bis 50 Prozent erreicht. Streng genommen dauert die Behandlung der Alkoholabhängigkeit jedoch "ein Leben lang" an.

Was kann man selbst tun?

Alkohol kann grundsätzlich für jeden Menschen zu einem Problem werden. Gerade weil Alkohol in Deutschland zum gesellschaftlichen Leben dazugehört, ist es oft schwierig den Beginn einer Abhängigkeitsentwicklung zu erkennen. Sobald man Bedenken hat, dass der persönliche Konsum zu hoch ist, man den Eindruck hat, nicht vom Alkohol lassen zu können oder von Angehörigen oder Freunden darauf angesprochen wird, sollte man sich an eine qualifizierte Beratungsstelle oder einen Arzt wenden. Auch als Angehöriger hat man die Möglichkeit sich an eine Beratungsstelle zu wenden, auch gibt es spezielle Selbsthilfegruppen für Angehörige.

Quelle: © TKK – Oliver Erven; Dr. med. Maria-Anna Schoppmeyer, Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004); Huber: Psychiatrie. Schattauer (1999) / 24.04.2005

Raus aus der Alkoholfalle

Wie Sie Trinkprobleme bewältigen können

Wenn Sie stärkere Bedenken und das Gefühl haben, seit längerem zu viel zu trinken, sollten Sie sich dem Problem stellen:

  • Führen Sie ein Trinktagebuch. Damit können Sie den Umfang ihres Alkoholkonsums besser einschätzen lernen. Notieren Sie auch Anlässe, aus denen heraus Sie getrunken haben. Kommt dabei ans Licht, dass Alkohol oft der Verdrängung Ihrer Probleme dient, sollten Sie Maßnahmen ergreifen.
  • Erkennen Sie Momente, die Sie zum Trinken verleiten.Oft sind es negative Gefühle, die zum Trinken animieren, wie Einsamkeit oder Depression. Auch Konflikte in Familie und Beruf sind häufige Auslöser. Suchen Sie nach Alternativen. Stress lässt sich zum Beispiel mit Sport oder mit einem Waldspaziergang besser bewältigen als mit Alkohol.
  • Nehmen Sie Ihre Probleme in Angriff. Wenn Sie merken, dass seelische Probleme oder soziale Konflikte Ihren Alkoholkonsum antreiben, sollten Sie diese Probleme bewusst angehen. Holen Sie sich fachkundigen Rat und begeben Sie sich in psychologische Behandlung.
  • Trinken Sie nicht alleine. Nehmen Sie Alkohol nur in Gesellschaft zu sich. Vermeiden Sie die Gesellschaft von Bekannten, die hemmungslos trinken.
  • Halten Sie keine Vorräte zu Hause. Wenn der Kühlschrank voll ist, ist der Griff zum Getränk besonders leicht.
  • Zwingen Sie sich, nicht zu trinken. Zum Beispiel, wenn Sie sich nicht gut fühlen. Bleiben Sie auch hart, wenn Sie einen zwingenden Drang zum Alkohol spüren. Kombinieren Sie Alkohol nicht mit Medikamenten. Und lassen Sie sich nicht von anderen zum Trinken überreden.
  • Verpflichten Sie sich selbst. Erklären Sie gegenüber Menschen in Ihrem Umfeld konkrete Ziele für Ihr Trinkverhalten und lassen Sie sich korrigieren.
  • Legen Sie alkoholfreie Tage fest. Mindestens zweimal in der Woche sollten Sie nichts trinken.
  • Versuchen Sie längere Zeit abstinent zu bleiben. Gar nicht zu trinken lässt sich besser einhalten als wenig zu trinken. Vorausgesetzt der Alkoholentzug bereitet Ihnen keine gesundheitlichen Probleme. Mehrere Wochen ohne Alkohol zeigen Ihnen, dass Sie mit Willenskraft Ziele erreichen können. Außerdem fühlen Sie sich nach einer Zeit ohne Alkohol besser und gesünder.
  • Denken Sie an Ihre Lebensqualität. Wer weniger trinkt, fühlt sich besser. Die Konzentration und Gedächtnisleistung nehmen zu, die körperliche Fitness steigt. Weniger Alkohol bedeutet meist auch: Weniger Pfunde auf der Waage. Auch Schlafstörungen können durch Alkoholverzicht kuriert werden. Und schließlich: Kein Alkohol heißt auch kein Kater am nächsten Morgen.
  • Betreiben Sie Meditation und Sport. Selbstkontrolle will gelernt sein – meditative Praktiken wie das Autogene Training oder Tai Chi helfen Ihnen, ihren Körper in den Griff zu bekommen. Viel Ausdauersport macht gesund und glücklich. Rücken Sie Ihr körperliches Wohlbefinden in den Mittelpunkt. Tun Sie etwas dafür und trinken Sie sich nicht über Beschwerden hinweg.
  • Nutzen Sie professionelle Beratung. In Deutschland gibt es rund 1350 Alkohol-Beratungsstellen. Der fachliche Rat hilft Ihnen, Ihr Alkoholproblem einzuschätzen und Lösungen zu finden. Hier gibt es Adressen von Beratungsstellen.
  • Gehen Sie in eine Selbsthilfegruppe. Es hilft, Erfahrungen auszutauschen mit Menschen, die ähnliche Probleme haben. Wer sein Alkoholproblem bewusst in Angriff nimmt, kann in der Gruppe Kraft gewinnen, um unabhängig zu werden.

Testen Sie Ihr Trinkverhalten

Alkoholmissbrauch ist nicht gleich Alkoholsucht, aber er kann dazu führen. Wer nach Opas 80. Geburtstag am Sonntagmorgen leichte Kopfschmerzen hat, der wird wissen, wo er den Grund suchen muss – und sich mit einem schlechten Gewissen an den Frühstückstisch setzen. Bedenklich wird es, wenn sich das verkaterte Aufwachen häuft. Wenn trotz massiven Alkoholkonsums morgens schon keine Kopfschmerzen mehr spürbar sind und stattdessen womöglich die Lust auf ein weiteres Glas erwacht. Wenn jeder Abend im Exzess endet und Alkohol zum täglichen Begleiter wird.

Als Faustregel für risikoarmes Trinken nennt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V.
Frauen: maximal 12 Gramm Alkohol pro Tag
Männer: maximal 24 Gramm Alkohol pro Tag

Die IKK hat auf ihrer Internetseite weitere Zahlen und Fakten zusammengestellt: [Zahlen und Fakten]

Quelle: © IKK Classic – 2005

Der Alkoholkonsum bei Kindern

Jugendliche und Alkohol – wann Sucht droht

Jugendliche und Alkohol – ein Thema, das viele Eltern verunsichert. Dass Jugendliche mit Alkohol in Berührung kommen, ist kaum zu verhindern. Die Unsicherheiten von Müttern und Vätern beziehen sich auf einige „Wie-Fagen“: Wie viel sollten Jugendliche trinken, wie oft darf es Alkohol sein, wie früh können Jugendliche Alkohol trinken, wie stark dürfen die Getränke ausfallen?

Das Jugendschutzgesetz findet immerhin auf die letzten beiden Fragen eine klare Antwort: Bier und Wein sind ab 16 Jahren erlaubt, alle „härteren“ Spirituosen erst ab 18. Dahinter steckt die medizinische Erkenntnis, dass die Körper junger Menschen gegenüber dem Alkohol empfindlicher reagieren und schneller Schäden davontragen. Das Gehirn zum Beispiel reift bis zum Alter von 17 Jahren aus – früher Alkoholkonsum kann dessen Entwicklung behindern. Untersagen Sie Ihrem Kind alkoholische Getränke, bevor es 16 ist!

Die beste Suchtprävention ist die Erziehung zur Unabhängigkeit

Die gesetzliche Altersgrenze spiegelt nicht so sehr die Fähigkeit wider, verantwortungsvoll mit dem Alkohol umzugehen. Die hängt nämlich weniger vom Alter ab, als von der Persönlichkeit. Wer mit 15 nicht mit Alkohol umgehen kann, wird es wahrscheinlich mit 18 auch nicht können. Darum ist die Basis jeder Suchtvorbeugung die Erziehung zur Selbstständigkeit.

Jugendliche, die ein starkes Selbstwertgefühl und eine stabile Persönlichkeit herausgebildet haben, sind weniger suchtgefährdet. Darum ist es wichtig, dass Jugendliche Liebe, Anerkennung und Geborgenheit in der Familie erfahren. Wenn Kinder ernst genommen werden, lernen sie, sich selbst ernst zu nehmen und Ihr Leben verantwortungsbewusst in Angriff zu nehmen. Erziehen Sie Ihr Kind zur Unabhängigkeit!

Zwei Gläser Bier, mehr nicht

Jede Erziehung wird indes durch jenes Alter auf die Probe gestellt, in dem die Hormone verrückt spielen und Selbstfindung auf dem Tagesprogramm steht: Die Pubertät ist nicht von ungefähr der Zeitraum, in dem die meisten Jugendlichen die ersten Erfahrungen mit dem Alkohol machen. Das Ausprobieren steht dabei oft im Vordergrund, aber auch der Wille, dazuzugehören und Hemmungen abzubauen spielt eine Rolle.

Wenn Ihr Kind ab dem Alter von 16 Jahren hin und wieder in Gemeinschaft zu einem Glas Bier greift, haben Sie keinen Anlass zur Sorge. Für erwachsene Frauen werden 10 bis 20 Gramm Alkohol (10 Gramm sind in einem Glas Bier von 250ml oder einem Glas Wein von 125 ml) und für Männer 20 bis 30 Gramm gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Jugendliche dagegen sollten weit weniger trinken.

Das Bewusstsein schärfen

Wichtig ist darum, das Thema Alkohol und seine gesundheitlichen und psychischen Gefahren zu besprechen und das Bewusstsein zu schärfen. Abschreckung ist wenig hilfreich. Nur Eltern, die selber verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen, können ihren Kindern Vorbild sein. Seien Sie konsequent!

Machen Sie Ihr Kind auch auf die Gefahren härterer Getränke aufmerksam. Seit die Preise so genannter Alkopops, süßer Spirituosen mit Limonadenbeimischung, gestiegen sind, greifen Jugendliche seltener danach. Diese Getränke bleiben aber weiterhin riskant, da sie zum schnellen Trinken verführen und die Selbstkontrolle erschweren.

Wenn die Seele leidet

Jugendliche mit Rückhalt im sozialen Umfeld sind am ehesten gegen Alkoholmissbrauch gefeit. Problematisch wird es, wenn Jugendliche versuchen, ihren seelischen Druck im Alkohol zu ertränken. Stark gefährdet sind Jugendliche mit tiefer liegenden psychischen Problemen wie Minderwertigkeitsgefühlen, Hemmungen und Versagensangst. Gefährdet sind aber auch Jungen und Mädchen, die in ihrer Kindheit Erfahrungen mit psychischer und physischer Gewalt machen mussten.

160.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind alkoholabhängig. Klassische Warnzeichen für den Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen sind regelmäßiger Alkoholkonsum, der Griff zu stärkeren Alkoholika und häufiges Betrunkensein. Aber auch ein Wechsel des Freundeskreises, Verschlossenheit und ähnliche Verhaltensauffälligkeiten können Hinweise auf verstärkten Alkohol- oder Drogenkonsum liefern.

Das Problem ist in diesen Fällen dann schon tief greifend. Eltern sollten in diesem Fall zunächst das eigene Verhalten überprüfen. Dann sollten Sie konsequent Ihrer Erziehungspflicht nachkommen und Ihr Kind auf sein Verhalten ansprechen, nach den Gründen forschen und Lösungen suchen. Wichtig ist, dass Eltern ihren Kindern zur Seite stehen und gemeinsam Probleme bewältigen. Manchmal ist ein Gang zum Therapeuten sehr hilfreich, am besten gemeinsam. Denn an einem Alkoholproblem sind immer auch die Nahestehenden des Betroffenen beteiligt.

Quelle: © IKK Classic – www.ikk-classic.de, 2005