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Freitag 03.02.2012

Stomatag in der Raphaelsklinik

100.000 Menschen leben in Deutschland zeitweise oder dauerhaft mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang, einem sogenannten Stoma. Rund 100 von ihnen trafen sich am Samstag im Foyer der Raphaelsklinik beim „Infotag Stoma“, der vom Darmkrebszentrum des Innenstadtkrankenhauses organisiert wurde. Trotz der beeindruckenden Zahl Betroffener scheuen viele den offenen Umgang mit diesem Thema. „Es dauert eine ganze Weile, bis man sein Bild im Spiegel akzeptiert“, bestätigte Elfriede Korn von der Selbsthilfegruppe ILCO, deren Regionalleiter Willi Nordhoff den Aufgabenbereich des Vereins in seinem Vortrag darstellte. Der Stomatherapeut der Raphaelsklinik, Olaf Hagedorn, kennt aus seiner Praxis sogar einen Fall, bei dem ein Betroffener selbst seiner Ehefrau gegenüber den künstlichen Darmausgang seit Jahren erfolgreich verheimlicht.

Bild: Stomatherapeut Olaf Hagedorn (l.) und Chefarzt Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann berichteten über das Leben mit einem Stoma.

Bild: Stomatherapeut Olaf Hagedorn (l.) und Chefarzt Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann berichteten über das Leben mit einem Stoma.

„Es hat sich in den vergangenen 20 Jahren unglaublich viel getan“, berichtete der Chefarzt und Leiter des Darmkrebszentrums Raphaelsklinik, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, und fügte hinzu: „Früher war es eine Katastrophe, ein Stoma zu haben. Die Materialien waren wesentlich schlechter. Heute sind die Hilfsmittel und die Versorgungsstrukturen in Deutschland hervorragend!“ Zwischen 60 und 120 Operationen zur Anlage eines künstlichen Darmausgangs werden pro Jahr in der Abteilung des Chirurgen durchgeführt.

Neben den medizinischen und pflegerischen Vorträgen konnten sich die Zuhörer auch von Experten des Sozialdienstes über sozialrechtliche Unterstützungsmöglichkeiten und von der Psychoonkologin des Darmkrebszentrums, Cornelia Borchard, über die psychologischen Aspekte des Lebens mit einem künstlichen Darm- oder Blasenausgang informieren lassen: „Nach etwa einem Jahr hat sich die psychische Situation bei den meisten Menschen stabilisiert, das zeigen viele Studien“, beruhigte sie die Zuhörer, deren Operation noch nicht lange zurückliegt. Am Rande der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch mit den Experten.

Quelle: Pressemitteilung der Raphaelsklinik Münster vom 03.02.2012

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Donnerstag 02.02.2012

Landfrauen Wettringen spenden an den Bunten Kreis

Erlös aus Kinderkleiderbörse geht an die Familiennachsorge im Münsterland
Einen Scheck über 1.430 EUR überreichten Vertreterinnen der Landfrauen Wettringen an den Bunten Kreis Münsterland. Die Summe war aus den Standgebühren und aus dem Kuchenverkauf bei der letzten Kinderkleiderbörse in Wettringen zusammengekommen. Stefanie Engels und Nicole Rickershenrich brachten die Spende jetzt ins St. Franziskus-Hospital. „Unsere Arbeit versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe. Unsere Leistungen sind für die betreuten Familien kostenlos und werden durch Spenden sowie durch Krankenkassen finanziert. Der Beitrag aus Wettringen kommt betroffenen Familien aus der Region zu Gute“, erläuterten Cordula Lennerz und Katrin Gangloff vom Bunten Kreis Münsterland.

Bild: Einen Riesenscheck über 1.430 EUR überreichten (v.l.) Stefanie Engels mit Tochter Martha und Nicole Rickershenrich (Landfrauen Wettringen) an Cordula Lennerz und Katrin Gangloff vom Bunten Kreis Münsterland.

Bild: Einen Riesenscheck über 1.430 EUR überreichten (v.l.) Stefanie Engels mit Tochter Martha und Nicole Rickershenrich (Landfrauen Wettringen) an Cordula Lennerz und Katrin Gangloff vom Bunten Kreis Münsterland.

Der Verein „Bunter Kreis Münsterland“ (www.bunter-kreis-muensterland.de) hat seinen Hauptsitz in Coesfeld und bietet auch an seiner Außenstelle im St. Franziskus-Hospital Familiennachsorge an. Schon während der stationären Behandlung eines kranken Kindes stellt sich eine so genannte Case Managerin den Eltern vor. Die Familien und ihr krankes Kind werden durch den Bunten Kreis auf die Entlassung vorbereitet. Sie werden beraten, unterstützt und begleitet, damit der Übergang nach Hause gut gelingt. Regelmäßige Besuche, kurze Wege sowie eine gute Erreichbarkeit unserer Case Managerinnen führen dazu, dass die Eltern die wichtige Sicherheit und Kompetenz im Umgang mit ihrem Kind wieder erlangen. Zu den Aufgaben der Nachsorge gehören daher Planung und Koordination aller notwendigen ambulanten Therapien und Behandlungen, Beratung in sozialrechtlichen Fragen, Krisenintervention, Trauerbegleitung, Selbsthilfegruppen, Psychologische Hilfen, Ernährungsberatung, Pflegenachsorge und Sozialfonds. Die Familien entscheiden selbst, ob sie die Angebote annehmen möchten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Brustimplantat-Trägerinnen empfohlen, die Implantate der Firmen PIP und Rofil vorsorglich entfernen zu lassen. Patientinnen, bei denen aufgrund einer Erkrankung der Wiederaufbau der Brust als Kassenleistung notwendig war, können einen erneuten Brustaufbau als Kassenleistung in Anspruch nehmen.

Quelle: Pressemitteilung des St.-Franziskus-Hospitals Münster vom 02.02.2012

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Dienstag 31.01.2012

Entwarnung für Patientinnen mit Brustimplantaten der EUREGIO-KLINIK

Es wurden keine Implantate der Firmen PIP und Rofil eingesetzt
Nordhorn – Weltweit sollen bis zu 500 000 Frauen minderwertige Silikonkissen der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) erhalten haben. Deren Silikon kann heraussickern, sich im Körper verteilen und Entzündungen auslösen. Nicht bewiesen ist, ob dies das Krebsrisiko erhöht. Anfang Januar hatte das Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte empfohlen, auch Implantate der Firma Rofil Medical Nederland B.V. (Rofil) auszutauschen.

Der Geschäftsführer der EUREGIO-KLINIK, Dr. Christoph Winter, kann Entwarnung für Patientinnen geben, die Brustimplantate bei uns eingesetzt bekommen haben: Unser Krankenhaus verwendet keine Produkte der betroffenen Firmen. „Wir haben keine Brustimplantate der betroffenen Firmen PIP und Rofil in unserer Klinik eingesetzt – auch nicht in der Vergangenheit in beiden Krankenhäusern“, ergänzt der Ärztliche Direktor Dr. Friedrich Auer und weist auf die Recherchen der letzten Wochen hin. „Unser Lieferant für Brustimplantate ist die Firma Mentor“, so Winter weiter, und fährt fort: „Diese erfüllen nach vorliegenden Informationen die geltenden Sicherheits- und Gesundheitsstandards.“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat Brustimplantat-Trägerinnen empfohlen, die Implantate der Firmen PIP und Rofil vorsorglich entfernen zu lassen. Patientinnen, bei denen aufgrund einer Erkrankung der Wiederaufbau der Brust als Kassenleistung notwendig war, können einen erneuten Brustaufbau als Kassenleistung in Anspruch nehmen.

Quelle: Pressemitteilung der Euregio-Klinik Grafschaft Bentheim vom 31.01.2012

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Mittwoch 25.01.2012

Neues Internetportal verbessert Patientenversorgung

Großes Interesse an Neujahrsfortbildung der Augenabteilung am St. Franziskus-Hospital
Rund 170 Augenärzte waren am vergangenen Wochenende ins Marienhaus am St. Franziskus-Hospital in Münster gekommen. Die Augenabteilung hatte ihre Fachkollegen aus dem Münsterland zur traditionellen Neujahrsfortbildung eingeladen. Ein Schwerpunkt des Vormittages war die Präsentation der aktuellen Forschungsergebnisse, die im Bereich modernster Therapieverfahren von den Ärzten der Augenabteilung in Münster gewonnen worden waren. Insbesondere bei der operativen Behandlung und bei chronisch entzündlichen Augenerkrankungen gab es neue Erkenntnisse.

Ein weiteres Schwerpunktthema war die Betreuung von Patienten mit einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD). Die AMD ist eine chronische Augenerkrankung, mit der in Deutschland rund 4,5 Millionen Menschen zu kämpfen haben. In vielen Fällen lässt sich die Krankheit medizinisch nur geringfügig behandeln. Die Beeinträchtigung des Alltags der Betroffenen ist jedoch oft groß. Daher ist die soziale Versorgung besonders wichtig. Bei dieser Erkrankung spielt die Prävention eine immer größere Rolle. Dr. Martha Dietzel und die Zuhörer diskutierten die Erfolgschancen der einzelnen Präventionsstrategien in Abhängigkeit von der individuellen Unterform der Erkrankung durchaus kontrovers. Als weiterer Baustein in der Prävention soll das von der Augenabteilung mit unterstützte AMD-Netz NRW (www.amd-netz.de) dienen. Dieses Forum, gegründet im Mai 2011, hat sich zum Ziel gesetzt, Patienten, Ärzte und soziale Berater besser zu informieren.

Professor Dr. Daniel Pauleikhoff befasste sich mit der Etablierung einer kooperativen Behandlungsstrategie bei sich regelmäßig wiederholenden Medikamentengaben in das Auge bei AMD. Dabei erfolgt der Austausch von Untersuchungsbefunden über ein Internetportal zwischen der Augenabteilung am St.- Franziskus Hospital Münster und den augenärztlichen Kollegen in der Umgebung. Mit diesem neuem Portal wird die Versorgung der Patienten verbessert: Erfolge der zurückliegenden Behandlungen sind einfacher zu erkennen und den Patienten werden damit Fahrten ins Behandlungszentrum am St. Franziskus-Hospital Münster erspart.

Bild: Präsentierten neue Strategien für Diagnostik und Therapie in der Augenheilkunde (v.l.): Professor Dr. Arnd Heiligenhaus, Dr. Jörg Koch, Dr. Suphi Taneri, Dr. Georg Spital, Dr. Claudia Schumacher, PD Dr. Albrecht Lommatzsch, Dr. Martha Dietzel, Dr. Britta Heimes, PD Dr. Carsten Heinz und Prof. Dr. Daniel Pauleikhoff.

Bild: Präsentierten neue Strategien für Diagnostik und Therapie in der Augenheilkunde (v.l.): Professor Dr. Arnd Heiligenhaus, Dr. Jörg Koch, Dr. Suphi Taneri, Dr. Georg Spital, Dr. Claudia Schumacher, PD Dr. Albrecht Lommatzsch, Dr. Martha Dietzel, Dr. Britta Heimes, PD Dr. Carsten Heinz und Prof. Dr. Daniel Pauleikhoff.

Die Augenabteilung am St. Franziskus-Hospital in Münster ist eine große augenärztliche Gemeinschaftspraxis. Neben unseren Untersuchungsräumen in der Ambulanz am Hohenzollernring 74, in unmittelbarer Nachbarschaft zum St. Franziskus-Hospital, sowie in weiteren Räumen im FranziskusCarré, die vornehmlich für eine ausführliche Diagnostik genutzt werden, bieten wir in Spezialsprechstunden modernste Untersuchungstechniken und Therapieverfahren an.

Für den operativen Bereich stehen uns zwei modern ausgerüstete OP-Säle sowie ein weiterer Eingriffssaal im St. Franziskus-Hospital zur Verfügung. In der Belegabteilung mit 20 Betten kann die stationäre Betreuung übernommen werden.

Nähere Informationen zur Augenabteilung am St. Franziskus-Hospital finden Sie unter Verweissymbol www.augen-franziskus.de.

Quelle: Pressemitteilung der St.-Franziskus-Hospital Münster vom 25.01.2012

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Freitag 20.01.2012

Neue Stoma-Sprechstunde im St. Franziskus-Hospital

Beratung und Hilfestellungen für Betroffene
Mit Beginn diesen Jahres bietet das St. Franziskus-Hospital eine regelmäßige Stoma-Sprechstunde an. Betroffene erhalten hier Hilfe bei Fragen rund um den künstlichen Darmausgang. Das Angebot richtet sich bewusst an alle Stomaträger und nicht nur an Patienten, deren Stoma im St. Franziskus-Hospital angelegt wurde. Die Sprechstunde findet jeweils dienstags von 14.00 – 15.00 Uhr unter der Leitung von Angelika Henschel, ausgebildete Wund- und Stomatherapeutin, statt. Es ist eine telefonische Anmeldung unter 0251 935-5208 jedoch kein Überweisung vom Hausarzt notwendig.

Ein künstlicher Darmausgang sei häufig ein Tabuthema, betont Stoma-Expertin Angelika Henschel. Über alles, was mit dem Darm zusammenhänge, werde bisweilen selbst im engsten Familienkreis nicht gesprochen. Willi Nordhoff, Regionalsprecher der ILCO-Selbsthilfegruppe (Vereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs) kann dies nur bestätigen. Er selbst lebt mit einem Stoma und kennt die Berührungsängste seiner Gleichgesinnten: „Das muss aber nicht so sein, denn nur ein offener Umgang hilft den Betroffenen und Angehörigen wirklich.“ Die Selbsthilfegruppe, die in der Region Münsterland rund 150 Mitglieder zählt, trifft sich einmal monatlich und tauscht Erfahrungen und Hilfestellungen für den Alltag aus. In der Sprechstunde kann ein erster Kontakt zur Gruppe hergestellt werden.

Bild: Stehen Betroffenen und Angehörigen bei Fragen rund ums Stoma zur Verfügung (v.l.): Willi Nordhoff, Regionalsprecher ILCO-Selbsthilfegruppe, Stomatherapeutin Angelika Henschel und Dr. Walter Engels, Leiter des Darmzentrum am St. Franziskus-Hospital.

Bild: Stehen Betroffenen und Angehörigen bei Fragen rund ums Stoma zur Verfügung (v.l.): Willi Nordhoff, Regionalsprecher ILCO-Selbsthilfegruppe, Stomatherapeutin Angelika Henschel und Dr. Walter Engels, Leiter des Darmzentrum am St. Franziskus-Hospital.

Stoma-Sprechstunde im St. Franziskus-Hospital
dienstags von 14.00 bis 15.00 Uhr
Angelika Henschel,
Inkontinez-, Wund- und Stomatherapeutin nach DVET
Anmeldung unter 0251 935-5208 oder angelika.henschel@sfh-muenster.de
Überweisung nicht notwendig

Als „Stoma“, „anus praeter“ oder „Seitenausgang“ wird ein künstlicher Ausgang des Darms oder der Blase bezeichnet. In Deutschland erhalten rund 10 000 Menschen pro Jahr einen künstlichen Darm- oder Blasenausgang. Über dieses Stoma werden Stuhl oder Urin durch die Bauchdecke in einen Beutel geleitet. Für Menschen, die eine Stomaanlage erhalten, verändert sich der gewohnte Lebensalltag und diese Umstellung belastet häufig seelisch und körperlich. Um die nötigen Anpassungen an die neue Situation bewältigen zu können, benötigt der Patient Beratung und Hilfestellungen bei der praktischen Umsetzung. Auch Angehörige müssen eventuell eingewiesen werden. Ausgebildete Stomatherapeuten leisten hier durch ein hohes Maß an Fachwissen und Erfahrung praktisch pflegerische und emotionale Hilfestellungen.

Quelle: Pressemitteilung der St.-Franziskus-Hospital Münster vom 20.01.2012

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Donnerstag 19.01.2012

Brustimplantate: UKM stellt Strafanzeige gegen Unbekannt

Prof. Roeder: „Kliniken wurden offenbar getäuscht“ / Dr. Tio fordert nationales Implantat-Register
Münster (ukm/dre) – Das Universitätsklinikum Münster (UKM) hat aufgrund der Brustimplantate der Firma Rofil Strafanzeige wegen Täuschung gegen Unbekannt gestellt. Hintergrund: Die zwischen 2002 und 2005 auch am UKM eingesetzten Rofil-Implantate wurden zum damaligen Zeitpunkt als geprüfte Markenimplantate mit europäischem CE-Siegel verkauft. „Die Implantate waren zu dem Zeitpunkt ein in Deutschland zugelassenes Medizinprodukt. Es gab keinerlei Warnungen in der Zeit, als sie am UKM eingesetzt wurden. Wir haben sehr hohe Qualitätsansprüche an jegliche Implantate, die im UKM verwendet werden. Nach den aktuellen Erkenntnissen muss man sagen: Offenbar wurden die Kliniken, die Implantate der Firma Rofil eingesetzt haben, vom Hersteller  getäuscht. Uns wurden Implantate als hochwertig verkauft, die trotz des damaligen handelsüblichen Preises von seinerzeit rund 420 Euro pro Implantat minderwertig waren“, erklärt Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums. Die Strafanzeige richtet sich gegen Unbekannt, da die Firma nicht mehr existiert. Roeder betont zudem: „Billig-Brustimplantate der Firma PIP wurden im UKM zu keiner Zeit eingesetzt.“
 
Der Hersteller hatte nach Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden und aktuellen Medienberichten zufolge offenbar für diese Anwendung nicht zugelassenes Industrie-Silikon als Füllstoff für die Implantate verwendet. Noch ist unklar, wie viele Implantate dieses Industrie-Silikon enthielten. Von sich aus hatte das UKM in der vergangenen Woche nach der erweiterten Empfehlung des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 6. Januar 34 Frauen angeschrieben, die zwischen 2002 und 2005 mit einem Rofil-Implantat versorgt worden sind. Prof. Roeder: „Wir fühlen uns und unsere Patientinnen arglistig getäuscht. Aus diesem Grund haben wir auch Strafanzeige gestellt. Denn wir sind davon ausgegangen, dass wir entsprechend unserer Qualitätsstandards hochwertige Implantate verwendet haben, da sie mit dem entsprechenden Siegel und zu seinerzeit marktüblichen Preisen verkauft wurden.“
 
Aktuell haben sich bereits 18 Frauen im UKM gemeldet. Fünf OP-Termine wurden in den kommenden Wochen vereinbart, um die Implantate zu entfernen. „Es macht uns sehr betroffen, dass Frauen mit Brustkrebs in der Vergangenheit mit einem Implantat versorgt wurden, welches unseren Qualitätsstandards nicht entspricht“, sagt Dr. Joke Tio, seit 2006 Leiterin des UKM-Brustzentrums. „Auch wenn eine Gesundheitsgefährdung oder eine Schadhaftigkeit der von uns implantierten Brustimplantate bisher nicht erwiesen ist, raten wir zu einem Austausch. Wir bieten jeder Patientin einen Untersuchungstermin innerhalb von 24 Stunden an, wenn dies gewünscht ist.“
 
Am Brustzentrum des Universitätsklinikums Münster  werden seit Jahren ausschließlich Brustimplantate der umfangreich zertifizierten Firmen Mentor (USA) und Polytech (Deutschland) genutzt. „Mit diesen Implantaten sind wir und unsere Patientinnen sehr zufrieden. Das zeigen auch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen“, so Dr. Tio. Auch sie fordert angesichts der jüngsten Ereignisse eine nationales Implantat-Register: „In unserem Brustzentrum am UKM haben wir ein solches Register bereits seit 2007 aufgebaut. Auf nationaler Ebene könnte ein solches Register für die nötige Transparenz sorgen. Denn damit wäre schnell feststellbar, welche Patientin in welcher Klinik mit welchem Implantat wann genau versorgt wurde.“ Inzwischen hat sich am UKM auch eine Patientin gemeldet, die ein Rofil-Implantat in einer anderen Klinik erhalten hat.
 
Für Patientinnen hat das UKM eine Hotline eingerichtet: Anfragen können direkt an das Brustzentrum des UKM unter der Rufnummer: 0251/83-48278 gestellt werden oder in der Zeit von 18 – 20 Uhr auch unter der Rufnummer 0251/83-45841.

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Münster vom 19.01.2012

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Donnerstag 19.01.2012

Zurück in den Alltag kommen
ZaR erhält Zulassung für onkologische Rehabilitation

Das Zentrum für ambulante Rehabilitation (ZaR) erweitert sein Behandlungsspektrum. Die Einrichtung hat aktuell von der Arbeitsgemeinschaft für Krebsbekämpfung im Lande Nordrhein-Westfalen (Arge Krebs NW) die Zulassung für die ambulante onkologische Rehabilitation erhalten. Damit wurde eine Versorgungslücke im Münsterland geschlossen. Patientinnen und Patienten mit Krebserkrankungen haben nun die Möglichkeit einer wohnortnahen Rehabilitation ohne Trennung vom häuslichen und beruflichen Umfeld.

Nach einer Krebserkrankung hatten Betroffene im Münsterland bisher nur die Möglichkeit zur stationären Rehabilitation in einer Reha-Klinik. Nach einer oft langwierigen, komplexen Behandlung besteht bei Patienten jedoch häufig der Wunsch, die Reha wohnortnah durchzuführen, um während der mehrwöchigen Maßnahme die soziale Bindung zu Familie und Arbeitsplatz aufrechtzuerhalten. Für Patienten aus Münster und dem Münsterland bietet das ZaR nun die ambulante onkologische Rehabilitation an. Die Indikationen umfassen Tumore des Magen-Darm-Traktes, der Lunge, des zentralen Nervensystems, der Lymphknoten und des Blutes sowie Tumore des Stütz- und Bewegungsapparates. Darüber hinaus werden hier auch Patientinnen mit Eierstock- und Brustkrebs betreut.

Die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit nach einer Erkrankung wiederherzu­stellen, um eine rasche Reintegration in den Alltag bzw. das Berufsleben zu ermöglichen, ist ein wesentliches Ziel von Rehabilitationsmaßnahmen. Darüber hinaus geht es allgemein um die Verbesserung der Lebensqualität, die Kompensation von Funktionseinschränkungen, die Vermeidung von Risikofaktoren für Erkrankungen und gegebenenfalls die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit.

„Bei der ambulanten Rehabilitation wird Erlerntes direkt im Alltag erprobt und nicht erst nach drei Wochen unter klinischen Bedingungen erstmals zu Hause umgesetzt“, nennt Dr. Oliver Albrecht, Leitender Arzt der Onkologie im ZaR, einen großen Vorteil. Die tägliche Rückmeldung der Patienten ermögliche eine rasche Anpassung der Therapie an ihre alltäglichen Bedürfnisse. Auch die Bezugspersonen aus Familie oder Freundeskreis können eingebunden werden und es könne eine Arbeitsplatzberatung vor Ort stattfinden. „Außerdem können der vertraute niedergelassene Arzt und die vorbehandelnde Klinik bei Komplikationen direkt in die Therapie einbezogen werden – ein besonderer Vorteil, den es bei einer stationären Reha, die fern des eigentlichen Lebensumfelds durchgeführt wird, nicht gibt“, erklärt Albrecht weiter.

Die onkologische Rehabilitation wird hierbei als ganzheitliche Aufgabe betrachtet. So wird nicht nur auf die medizinischen Aspekte der Tumorerkrankung eingegangen, vielmehr sollen die negativen Auswirkungen der Erkrankung auch in psychischer, sozialer und beruflicher Hinsicht verbessert werden.

Bild: Freuen sich über das neue Angebot für onkologische Patienten: Dr. Oliver Albrecht, Leitender Arzt der Onkologie im ZaR, Soz.- Dipl. (VWA) Christoph Wolters, Geschäftsführer des Zentrums für ambulante Rehabilitation Münster (ZaR), Dr. Ingo Liebert, Geschäftsführer des Zentrums für ambulante Rehabilitation Münster (ZaR) und Wolfgang Thomeit, Geschäftsführer der Arge Krebs NW, Bochum.

Bild: Freuen sich über das neue Angebot für onkologische Patienten: Dr. Oliver Albrecht, Leitender Arzt der Onkologie im ZaR, Soz.- Dipl. (VWA) Christoph Wolters, Geschäftsführer des Zentrums für ambulante Rehabilitation Münster (ZaR), Dr. Ingo Liebert, Geschäftsführer des Zentrums für ambulante Rehabilitation Münster (ZaR) und Wolfgang Thomeit, Geschäftsführer der Arge Krebs NW, Bochum.

Im ZaR entwickelt ein interdisziplinäres Team aus Fachärzten, Physiotherapeuten, Ernährungsberatern, Diplomsportlehrern, Psychologen, Sozialarbeitern, Ergotherapeuten und Kranken­schwestern einen auf den Patienten ausgerichteten Behandlungsplan. Die Arbeit der Ärzte umfasst hierbei unter anderem Aufnahme-, Zwischen- und Abschlussuntersuchungen sowie Schmerzbehandlung. Die psychologische Betreuung, der gerade bei Patienten mit einer Krebserkrankung eine besondere Rolle zukommt, beinhaltet Gruppen- und Einzelangebote zur Krankheitsbewältigung und Entspannungstraining. Die physiotherapeutischen Behandlungen wie Krankengymnastik oder Ausdauersport erfolgen ebenfalls einzeln oder in der Gruppe.  

„Eine interdisziplinäre Betreuung ist heutzutage aus der modernen Therapie nicht mehr wegzudenken“, erklärt Dr. Ingo Liebert, ärztlicher Direktor und medizinischer Geschäftsführer des ZaR.  „Dieses Prinzip des Hand in Hand von verschiedenen Fachdisziplinen setzt das ZaR seit seiner Gründung um, um optimale Rehabilitationsergebnisse zu erzielen“, ergänzt Geschäftsführer Christoph Wolters. Mit der Zulassung zur onkologischen Rehabilitation wurde nun das Behandlungsspektrum der Einrichtung bedeutend erweitert und so der Gesundheitsstandort Münsterland gestärkt.

„Das Zentrum gründet auf einem für diese Region einmaligen Konzept, das schon durch die Trägerschaft aller münsterschen Kliniken deutlich wird.“, so Wolfgang Thomeit, Geschäftsführer der Arge Krebs NW, die mit der aktuellen Zulassung das ZaR in die Liste ihrer Vertragseinrichtungen übernimmt. Durch die starke Vernetzung böte es sich an, die onkologische Reha im ZaR perspektivisch auch wissenschaftlich zu begleiten, wagte Thomeit einen Ausblick.

Das ZaR verfügt nun über die Zulassung zur ambulante Reha für Krebspatienten. Die Patienten werden in der Reha darin unterstützt, Funktionseinschränkungen und Probleme auszugleichen, die durch eine Krebserkrankung beziehungsweise ihre Behandlung entstanden sind. Neben der Onkologie verfügt das ZaR über 100 Plätze für orthopädische und 25 Plätze für kardiologische sowie 35 Plätze für die neurologische ambulante Rehabilitation. Außerdem besteht neben Physiotherapie, Psychologie/Neuropsychologie, Ergotherapie und Logopädie ein umfangreiches Präventionsangebot in den Bereichen Bewegung, Entspannung und Ernährung.

Gesellschafter des Zentrums sind das Clemenshospital Münster, das Evangelische Krankenhaus Johannisstift Münster, das Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup, die Raphaelsklinik Münster, das St. Franziskus-Hospital Münster, die Universitätsklinik Münster, das St. Josef-Stift Sendenhorst und das Medizinische Zentrum für Gesundheit Bad Lippspringe.

Quelle: Pressemitteilung des ZaR Münster vom 19.01.2012

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Donnerstag 12.01.2012

UKM-Brustzentrum setzt Implantate ausschließlich aus medizinischen Gründen ein

Keine PIP-Implantate im UKM verwendet / Patientinnen der Jahre 2002 bis 2005 nach erweiterter Empfehlung des BfArM angeschrieben
Münster (ukm/dre) – Am Brustzentrum des Universitätsklinikums Münster (UKM) werden ausschließlich Brustimplantate der Firmen Mentor (USA) und Polytech (Deutschland) genutzt. „Mit diesen Implantaten sind wir und unsere Patientinnen sehr zufrieden. Das zeigen auch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Am UKM setzen wir Implantate ausschließlich aus medizinischen Gründen, z.B. einer Krebserkrankung, ein“, betont Dr. Joke Tio. Die Medizinerin leitet seit 2006 das Brustzentrum am UKM.

Am UKM wurden und werden keine Implantate des französischen Herstellers PIP eingesetzt, auch Implantate des niederländischen Herstellers Rofil werden seit Ende 2005 nicht mehr eingesetzt. Am 6. Januar 2012 hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seine bestehende Empfehlung für Patientinnen mit Brustimplantaten des französischen Herstellers PIP um Rofil-Brustimplantate ergänzt und empfiehlt „dass die betroffenen Implantate als Vorsichtsmaßnahme entfernt werden sollten.“ (Meldung des BfArM vom 6. Januar, www.bfarm.de).

Infolge dieser aktualisierten und erweiterten Empfehlung wurde recherchiert, ob vor 2006 Rofil-Implantate am UKM eingesetzt wurden. Dies ist im Zeitraum von Mitte 2002 bis Ende 2005 geschehen. Das UKM hat daher nun 34 Frauen angeschrieben, denen in diesem Zeitraum Brustimplantate des Herstellers „Rofil Medical“ eingesetzt wurden. Vor 2002 und nach 2005 wurden diese Implantate nicht im UKM verwendet.

„Wir empfehlen den Frauen, einen Untersuchungstermin bei uns oder ihrem behandelnden Arzt wahrzunehmen. Im Anschluss an diesen Termin kann dann gemeinsam eine mögliche Entfernung der Implantate vereinbart werden. Wichtig ist in jedem Fall eine gründliche Untersuchung, gerade um verständliche Ängste zu nehmen“, erklärt Prof. Dr. Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKM. Er verweist zudem auf die aktuelle Erklärung der Präsidenten der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC), der Deutschen Gesellschaft für Senologie (DGS) sowie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, die ebenfalls zu einer Entfernung der Implantate raten. Die gemeinsame Empfehlung der Fachgesellschaften ist abrufbar u.a. unter: www.dgpraec.de.

Dr. Joke Tio hofft nun, dass sich viele Frauen auf ihr Schreiben hin melden. „Natürlich kann es aber auch sein, dass sich inzwischen die uns vorliegenden Adressen geändert haben. Daher rufen wir auch auf diesem Weg alle Frauen auf, bei denen im Zeitraum 2002 bis 2005 ein solches Implantat eingesetzt wurde, sich bei uns zu melden, damit wir mögliche Risiken minimieren können.“ Sie betont zudem: „Das Ersetzen eines Implantats ist in der Regel ein Eingriff, der zügig und mit großem Erfolg durchgeführt werden kann.“

Anfragen können direkt an das Brustzentrum des UKM unter der Rufnummer: 0251/83-48278 gestellt werden oder in der Zeit von 18 – 20 Uhr auch unter der Rufnummer 0251/83-45841. Dort besteht zudem die Möglichkeit, die persönlichen Daten, das Datum des Eingriffs in den Jahren 2002 bis 2005 auf einem Anrufbeantworter zu hinterlassen. So kann direkt Auskunft gegeben werden. Per E-Mail sind Anfragen möglich unter: brustzentrum@ukmuenster.de

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Münster vom 12.01.2012

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Freitag 06.01.2012

Demenz: Experten informieren am 28. Januar im Factory Hotel / Angehörige eines Erkrankten berichtet

Kostenlose Informations- und Diskussionsveranstaltung von 9 bis 13 Uhr / Rund 3.500 Menschen in Münster betroffen
Münster (ukm/akd) – Das Thema Demenz geht immer mehr Menschen an. In Deutschland leben aktuell etwa 1,2 Millionen Demenzkranke. Für Münster wird von ca. 3.500 Menschen mit Demenz ausgegangen. Experten erwarten, dass sich die Zahl der Demenzkranken in Deutschland bis 2050 voraussichtlich verdoppeln wird.

Am 28. Januar laden Demenzexperten verschiedener Einrichtungen aus Münster gemeinsam Angehörige, Patienten und Interessierte ein zur kostenlosen Informations- und Diskussionsveranstaltung „Sprechstunde Demenz: Patienten und Angehörige fragen - Ärzte antworten“ von 9.00 bis 13.00 Uhr in das Factory Hotel (An der Germania Brauerei 5, Münster.)

Ab wann sind Gedächtnislücken als krank zu werten? Wie viel Vergessen ist noch normal? Wie kann ich Demenzerkrankungen vorbeugen? Gibt es wirkungsvolle Therapien? Was tut sich in der Forschung? Wie gehe ich richtig mit den Symptomen um? Wie verhalte ich mich als Angehöriger? Das sind nur einige der Fragen, die am 28. Januar im Mittelpunkt stehen. Zudem schildert eine Angehörige eines Betroffenen, wie die Erkrankung ihr eigenes Leben verändert hat.
Bild: Ruth Hamm (Angehörige eines Betroffenen), Stefanie Oberfeld, Dr. Tilman Fey, Privat-Dozent Dr. Thomas Duning„Sprechstunde Demenz: Patienten und Angehörige fragen, Ärzte antworten“
Termin: 28. Januar, Samstag, 9.00 bis 14.00 Uhr, Factory Hotel Münster, An der Germania Brauerei.
Die Veranstaltung ist kostenfrei, Kaffee und Parken sind kostenlos.

In kurzen und verständlichen Vorträgen von Medizinern des Universitätsklinikums Münster (UKM), der LWL-Klinik Münster, des Alexianer Krankenhauses und des Demenz-Servicezentrums Münster werden folgende Themen vorgestellt und gerne in anschließenden Diskussionen vertieft:


Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Münster vom 06.01.2012

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Donnerstag 29.12.2011

Zeit zu bilanzieren:
Betriebliche Gesundheitsvorsorge steht hoch im Kurs. Work-Life-Balance ist das Zauberwort, doch oft kaum mehr als Makulatur undsicher nicht ausreichend für eine Gesamtbalance im Leben. In einer leistungsgetriebenen Welt wird Selbstfürsorge immer wichtiger

Arbeitstempo und Lebensgeschwindigkeit nehmen unvermindert zu. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt "Lanceo - balanceorientierte Leistungspolitik" sprechen Experten von einer "systematischen Überlastung". Die moderne Arbeitswelt, die sich stärker am "theoretisch Notwendigen" als am "praktisch Machbaren" orientiert, bietet kaum noch garantierte Auszeiten, die einer Regeneration der Arbeitskraft zugute kämen. Psychischer Gesundheitsschutz ist seit 1996 gesetzliche Pflicht, doch nur 50 Prozent der Unternehmen kommen dieser nach. Ein gesunder Ausgleich zwischen verschiedenen Lebensbereichen erfordert Selbstfürsorge, heute mehr denn je.

Schon längst betrifft das Thema Work-Life-Balance nicht mehr nur Frauen, die Beruf, Familie und Haushalt unter einen Hut bekommen wollen, sondern eine ganze Generation von Beschäftigten, die den oftmals widersprüchlichen Zielen des globalen Wettbewerbs gerecht werden sollen und wollen. Statt zu entlasten, führen moderne Controlling- und Optimierungsverfahren vielfach dazu, die Produktivität durch zusätzlichen Dokumentations- und Verwaltungsaufwand zu verringern und den psychischen Druck weiter zu erhöhen. Das Top-Down-Management stellt den Berufstätigen in die Verantwortung, sein Arbeitspensum selbst zu steuern, oft mit dem Gefühl, nicht zu genügen.

Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Letztendlich zählt in vielen Unternehmen nur die harte Arbeit. "Auch wenn Work-Life-Balance auf der Verpackung steht, heißt das noch lange nicht, dass sie auch in der Unternehmenskultur verankert ist. Flexible Arbeitszeiten allein reichen nicht. Zielvorgaben sind heutzutage häufig ausschließlich auf den Ertrag ausgerichtet, unabhängig von den vorhandenen Ressourcen. Damit sind Konflikte vorprogrammiert. Je höher das Maß an Konflikten, desto geringer ist die Lebenszufriedenheit und umso weniger werden Beschäftigte beruflichen und privaten Erwartungen gerecht. So entsteht das Gefühl, nie zu genügen", erklärt Bernhard Croissant, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt der Christoph- Dornier-Klinik in Münster.

"Die Verschränkung von Leistung und Leben ist eine Erfolgsvoraussetzung, die Begrenzung der Verschränkung auch" schreibt das Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung e.V. München auf der diesjährigen Lanceo-Tagung in Freiburg. In Zeiten uneingeschränkter Erreichbarkeit, größtmöglicher Flexibilität und Mobilität und Deadline-getriebener Arbeit erfolgt die Grenzziehung immer weniger durch Institutionen. Statt dessen lässt sich auch hier eine Individualisierung des Problems feststellen: Jeder muss seine Grenzen selbst ziehen.

"Nehmen Sie Ihre Selbstfürsorge ernst. Denn das macht kein anderer für Sie" - so der Rat des Arztes. Selbstfürsorge heißt, die eigenen Ressourcen vor der Verausgabung zu schützen und einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnissen zu finden. "Das kann auch bedeuten, das Anspruchsniveau zu reduzieren. Denn nicht nur der Anspruch der Unternehmen, sondern auch der Anspruch der Beschäftigten an ihre Leistungsfähigkeit ist teilweise unrealistisch hoch. 150-prozentige Leistung ist auf Dauer nicht möglich. Langfristig kommt es darauf an, mit seinen Kräften gut zu haushalten, auch um bei Krankheit, beruflichen oder familiären Problemen nicht aus der Bahn zu geraten. Das Jahresende bietet eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und Verhaltensmuster zu überdenken. Gute Vorsätze für mehr Regeneration können ein erster Schritt sein", meint Bernhard Croissant.

Quelle: Pressemitteilung der Christoph-Dornier-Klinik Münster vom 29.12.2011

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