Archiv für den Monat: September 2019

Vagusnerv-Stimulation: Neue Therapiemöglichkeit gegen behandlungsresistente Depressionen

Nicht immer ist bei einer Depression eine medikamentöse Behandlung oder beispielsweise eine Elektrokrampftherapie (EKT) von Erfolg gekrönt. Für schwer betroffene chronische Patienten bietet das UKM ab sofort zusätzlich eine ergänzende Behandlungsmethode: Die Vagusnerv-Stimulation (VNS-Stimulation) kann gerade auf lange Sicht helfen, depressive Episoden zu vermeiden.

Münster (ukm/aw) – Für Patienten mit einer schweren depressiven Erkrankung kann er eine Steigerung der Lebensqualität bedeuten: ein unterhalb des linken Schlüsselbeins implantierter elektrischer Impulsgeber, der über ein Kabel unter der Haut Reize an einen wichtigen Nerv an der Halsseite, nämlich den Nervus Vagus, der mit dem Gehirn verbunden ist, regelmäßig aussendet. Neurochirurgen der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) unter Univ.-Prof. Walter Stummer setzen den Stimulator operativ ein. Dieser sendet in der Regel alle drei bis fünf Minuten für eine Dauer von 30 Sekunden elektrische Impulse. Diese reizen den linken Vagusnerv im Halsbereich und helfen damit, das Gehirn zu stimulieren. „Das Stromniveau ist so niedrig, dass der Patient nichts von den Impulsen wahrnimmt“, sagt Univ.-Prof. Bernhard Baune, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKM. „Außerdem können die Intensität und die Häufigkeit der Impulse je nach Wirkung und Verträglichkeit modifiziert und der Stimulator sogar für eine Zeit abgeschaltet werden, wenn der Patient dies wünscht.“

Das UKM nimmt mit der seit September neu etablierten und in der Region einzigartigen Methode nun an einer multizentrischen europaweiten Studie zum Erfolg der Vagusnerv-Stimulation teil.

Baune, der seit März die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie leitet und zuvor in Melbourne in Forschung und Behandlung tätig war, berichtet von guten Erfahrungen, die Mediziner in Australien schon seit einigen Jahren mit der Therapie machen. Ursprünglich habe man die VNS-Stimulation bei Patienten mit Epilepsie eingesetzt und bei diesen eher zufällig auch eine einhergehende deutliche Stimmungsaufhellung festgestellt. „Das legte eine Behandlung von affektiven Störungen, also den Einsatz von VNS bei depressiven oder depressiv-bipolaren Patienten zumindest nahe“, so Baune. Hinsichtlich der genauen Wirkung der elektrischen Impulse im Gehirn gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse: Aktuell geht die Forschung von der Hypothese aus, dass diese einerseits die Ausschüttung von Neurotransmittern positiv beeinflussen und zum anderen zu einer generellen Aktivierung der für die Stimmung wichtigen Hirnareale beitragen.

Hinsichtlich der Wirksamkeit der Methode setzen die Behandler vor allem auf einen langfristigen Effekt durch VNS: „Die Wirkung setzt meist erst nach einigen Monaten voll ein und auch hier ist das Ansprechen des einzelnen Patienten darauf individuell“, räumt Baune ein. Nebenwirkungen hat die VNS wenige: So kann zeitweilige Heiserkeit auftreten, die aber über ein Zurückfahren der Impulsstärke gut reguliert werden kann. „Insgesamt bieten wir mit der VNS eine Therapie an, von der längerfristig bis zu 70 Prozent der Patienten stark profitieren“, sagt er laut Studienlage und Erfahrung. „Allerdings muss den Patienten klar sein, dass der beste Erfolg erst durch eine relativ lange Therapiedauer über circa fünf Jahre garantiert werden kann. Die Verbesserung der Lebensqualität unserer Patienten rechtfertigt in unseren Augen aber die lange Behandlungsdauer in jedem Fall.“

Bild: Das Team der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für die VNS-Stimulation: (v.l.): Dr. Erhan Kavakbasi, Dr. Silke Jörgens, Dr. Tillman Ruland, Study Nurse Hildegard Stücker und Klinikdirektor Prof. Bernhard Baune.

Beherztes Eingreifen rettet Leben

Münster – „Das ist schon anstrengend!“, sagt Cosima, während sie an einer Puppe die Herzdruckmassage übt. Der Krankenpfleger und Notfalltrainer Ralf Epping von der Raphaelsklinik hat ihr und den anderen Schülerinnen und Schülern der Klasse 7d des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums vorher genau erklärt, wie eine Herzdruckmassage ablaufen muss. Ob Cosima alle richtig macht, verrät ihr dabei eine App auf dem Smartphone ihrer Klassenkameradin Paula. „Der Strich muss sich zwischen den beiden grünen Balken bewegen und der Zeiger muss in der Mitte stehen“, wissen die beiden, denn nur dann ist der Druck auf die Brust der Übungspuppe nicht zu schwach und nicht zu stark.

Bild: Cosima (r.) übt an einer Puppe die Herzdruckmassage, während Paula auf ihrem Smartphone überprüft, ob ihre Klassenkameradin alles richtig macht.

Viele ihrer Klassenkameradinnen und -kameraden haben bereits Situationen erlebt, in denen schnelle Hilfe notwendig war und Leben gerettet hat. „Bei einem Fahrradrennen ist plötzlich ein Fahrer einfach umgefallen. Der Notarzt kam sofort und hat mit der Wiederbelebung angefangen“, beschreibt zum Beispiel Sefkan ein solches Erlebnis. „Leben retten können aber nicht nur Ärzte, das könnt ihr auch. Wenn ihr wisst, wie“, betont Epping. Nur 15 bis 20 Prozent der Deutschen beherrschen die Herzdruckmassage, in Skandinavien sind es über 70 Prozent berichtet der Experte. Dabei geht es buchstäblich um jede Sekunde, denn wenn das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, treten bereits nach wenigen Minuten Schäden auf, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Die Schüler des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums wissen jetzt jedenfalls, wie sie im Ernstfall beherzt eingreifen können.

Bild: Nermin (l.) und Anna (r.) üben die Herzdruckmassage an einer Puppe, während Anton (m.) auf seinem Smartphone überprüft, ob die beiden dabei alles richtig machen.

St. Franziskus-Hospital arbeitet mit Pflegekräften aus Albanien

Anerkennungsverfahren erfolgreich abgeschlossen

Münster/ Greven – Gut ausgebildete Pflegekräfte zu finden, wird zunehmend schwieriger. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, haben das St. Franziskus-Hospital Münster und das Maria-Josef-Hospital Greven erstmalig fünf Pflegekräfte aus Albanien eingestellt. Sie haben die Anerkennungsprüfung nun erfolgreich abgelegt und dürfen als Gesundheits- und Krankenpfleger in Deutschland arbeiten.

„Für Krankenhäuser in Deutschland wird es schwieriger, den Bedarf an Pflegenden zu decken; das gilt auch für uns. Deshalb haben wir über eine Personal-Agentur den Kontakt zu den albanischen Pflegekräften aufgenommen“, berichtet Leonhard Decker, Pflegedirektor im St. Franziskus-Hospital Münster. In ihrem Herkunftsland war es für die fünf Albaner schwierig, eine angemessene Arbeitsstelle zu finden. Daher entschieden sie sich dazu, ins Ausland zu gehen und kamen vor rund zwei Jahren nach Deutschland. Zuvor haben sie einen Deutschkurs in Albanien mit dem Sprachniveau B1 absolviert, d.h. sie konnten sich auf Deutsch verständigen. Sprachliche Gepflogenheiten und Fachbegriffe lernten sie allerdings nicht in dem Sprachkurs. „Wir haben den neuen Mitarbeitern daher einen speziellen Deutschkurs für Gesundheitsberufe angeboten. Eine Deutschlehrerin hat ihnen die nötigen sprachlichen Grundlagen für den Einsatz in unseren Häusern vermittelt“, erklärt Matthias Apken, Pflegedirektor im Maria-Josef-Hospital in Greven.

„Die ersten drei Monate waren sehr anstrengend. Alles war neu – eine fremde Sprache und eine andere Kultur. Aber mittlerweile fühle ich mich sehr wohl hier“, berichtet die 28-jährige Silvana Atia. Damit die albanischen Pflegekräfte als Gesundheits- und Krankenpfleger in Deutschland arbeiten können, mussten ihre Dokumente und Qualifikationen auf Gleichwertigkeit geprüft werden. Zuständig ist das Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie bei der Bezirksregierung Düsseldorf. In Albanien ist die Krankenpflegeausbildung wie in vielen anderen Ländern in Form eines Studiums organisiert. Dort sind zwar Praxisphasen vorgesehen – dies ist mit der Pflegeausbildung in Deutschland aber nicht gleichzusetzen. Hinzu kommt, dass die Körperpflege der Patienten in Albanien nicht vom Pflegepersonal, sondern von Angehörigen oder Hilfskräften übernommen wird. Die albanischen Pflegekräfte hatten also Nachschulungsbedarf, den es aufzuholen galt. Die Bezirksregierung Düsseldorf legte rund 1200 Stunden fest, die die fünf jungen Menschen in der Krankenhauspraxis und in der Schule für Gesundheitsberufe absolvieren mussten. In dieser Zeit lernten sie die pflegerischen Grundlagen und Besonderheiten des deutschen Krankenhaussystems kennen, die mit Hilfe von Pflegepädagogen in der Theorie und Praxisanleitern auf den Stationen vermittelt wurden. „Wir wurden sehr gut in den Teams aufgenommen. Die Kollegen haben uns geholfen, uns schnell zurechtzufinden“, berichten die neuen Mitarbeiter.

Die Defizite konnten erfolgreich ausgeglichen werden, sodass eine Gleichwertigkeit von Seiten der Bezirksregierung bescheinigt wurde. Vor Kurzem haben sie beim Gesundheitsamt zudem ihre Abschlussprüfung erfolgreich bestanden und dürfen nun eigenständig Patienten versorgen. Sie werden genauso tariflich vergütet, wie deutsche Gesundheits- und Krankenpfleger. Alle Beteiligten sind froh, dass der teils mühsame Weg der Anerkennung nun abgeschlossen ist. Dass es so viel Aufwand ist, damit hatten sie nicht gerechnet. „Ich hatte es mir nicht so schwierig vorgestellt. Ich hatte ja schon 13 Jahre Erfahrung in der Pflege und dachte, ich könnte schneller als Pfleger in Deutschland arbeiten“, berichtet Sokol Koxherri. Für die Verantwortlichen in den Hospitälern war das ganze Verfahren mit all den bürokratischen Hürden neu. „Aber es hat sich gelohnt. Die albanischen Mitarbeiter sind sehr motiviert und ein Gewinn für unsere Häuser“, resümiert Decker. Ziel ist es, weitere ausländische Fachkräfte einzustellen. „Wir profitieren davon, dass die Strukturen stimmen und wir jetzt wissen, wie wir ausländische Pflegende auf ihrem Weg zur Anerkennung am besten begleiten“, ergänzt Apken.

Um den Nachschulungsbedarf ausländischer Pflegepersonen strukturiert aufzugreifen, gibt es seit Kurzem einen speziellen modularen Anpassungslehrgang an der Schule für Gesundheitsberufe des St. Franziskus-Hospitals Münster. Diesen hat die St. Franziskus-Stiftung Münster, zu der die beiden Krankenhäuser gehören, über das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“ mit Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Europäischen Sozialfonds initiiert. Der erste Kurs zur Nachqualifizierung ist im Juli gestartet; zwei weitere folgen im nächsten Jahr. Dabei werden Fachkräften, die in ihren Herkunftsländern bereits eine Berufsausbildung oder akademische Ausbildung in der Pflege abgeschlossen haben, die erforderlichen Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt, um sie in Deutschland ausgebildeten Pflegepersonen fachlich gleichzustellen. Dazu gehören neben der Vermittlung der Fachsprache allgemeine und spezielle Pflegekenntnisse sowie der sichere Umgang mit EDV-gestützten Dokumentationsprogrammen und krankenhausspezifischer Software. Bestandteil der Maßnahme ist zudem die Vermittlung personaler und interkultureller Kompetenzen.

Bild: Die beiden Pflegedirektoren Leonhard Decker (r.) und Matthias Apken (l.) und Bereichsleitung Marlen Pöppelmann (r.) gratulierten den fünf albanischen Pflegekräften zur bestandenen Anerkennungsprüfung und freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit.

Tag der Patientensicherheit: Stationsapotheker für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit

Dr. Katharina Ilting-Reuke ist Stationsapothekerin. Sie unterstützt Stationen im Umgang mit Arzneimitteln – und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit.

Münster (ukm/at/ks) – Das UKM (Universitätsklinikum Münster) hat eine eigene Apotheke. Keine Klassische natürlich, sondern vielmehr ein Produktions- und Verteilzentrum, das Ausgangspunkt und Steuerungszentrale für im Klinikum verabreichte Arzneimittel ist. Das Team um Leiter Dr. Christoph Klaas stellt täglich verschiedenste Infusionslösungen, Salben und Kapseln her und koordiniert die Ausgabe von über 10.000 Arzneimittel-Packungen pro Woche. 45.000 Medikamente finden Platz im modernen Kommissionierautomat, der die benötigten Medikamente für die Verteilung auf die Stationen der Kliniken vorbereitet.

Auf einigen, ganz speziellen Stationen des UKM unterstützen sogenannte Stationsapotheker das ärztliche und pflegerische Personal bei der Arzneimittelvergabe, zum Beispiel in der Kinderonkologie, im Knochenmarktransplantationszentrum oder der Unfallchirurgie. Auch Dr. Katharina Ilting-Reuke ist Stationsapothekerin – mit einem ganz besonderen Einsatzgebiet. Sie gehört zum Team des Demenzsensiblen Krankenhauses und ist auf zumeist ältere Patienten mit Demenz oder leichten kognitiven Einschränkungen spezialisiert. „Viele unserer Patienten kommen bereits mit einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Arzneimitteln zu uns. Fünfzehn bis zwanzig unterschiedliche Arzneimittel sind keine Seltenheit“, weiß Ilting-Reuke. „Wir als Stationsapotheker prüfen die Medikation der Patienten schon bei der Aufnahme, schauen uns Dosierungen und mögliche Wechselwirkungen an.“ Dafür arbeitet die Apothekerin sehr eng mit dem ärztlichen und pflegerischen Personal zusammen – und leistet in einem interdisziplinären Team so einen entscheidenden Beitrag zur Arzneimitteltherapiesicherheit.

„Arzneimitteltherapiesicherheit ist keine Glückssache, sondern das Zusammenspiel aller Akteure in einem optimalen Medikationsprozess“, sagt Dr. Christoph Klaas, Leiter der UKM-Apotheke. „Unser Ziel ist es, alle vermeidbaren Medikationsfehler zu verhindern – zum Schutz unserer Patienten und natürlich auch unserer Mitarbeiter. Unsere Stationsapotheker sind ein wichtiger Baustein der Arzneimitteltherapiesicherheit, weil sie mit einer anderen Perspektive auf jeden einzelnen Patienten schauen und entscheidende Hinweise geben können. Letztlich ist aber wie so oft vor allem ein funktionierendes Zusammenspiel aller Berufsgruppen entscheidend für die Patientensicherheit.“

Den Krampfadern den Kampf ansagen

Makellose Beine? Für rund 20 Prozent der Europäer ist das nur ein Traum, denn sie leiden unter Krampfadern. Allerdings: Am Venen-Kompetenz-Zentrum des UKM kann den bläulich schimmernden Blutgefäßen mittels Radiowellentherapie der Kampf angesagt werden. Auch Doris Engel profitierte nach ihrer Schwangerschaft von der Methode. Behandelt wurde sie von Prof. Dr. Tobias Görge. Der Phlebologe wird vom 18. bis 21. September Tagungspräsident der 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie in Münster sein.

Münster (ukm/som) – Während ihrer ersten Schwangerschaft im Jahr 2014 zeichneten sich bei Doris Engel bereits erste blauverfärbte Venen ab. Nach einem Besuch bei ihrem Hausarzt entschied sie sich damals dazu, sich bei einem Facharzt wegen ihrer Krampfadern informieren zu lassen. Zuerst beraten, später dann auch behandelt wurde die heute 40-Jährige seit dem von Prof. Dr. Tobias Görge, dem Leiter des Venen-Kompetenz-Zentrum der Hautklinik des UKM (Universitätsklinikum Münster), das erst vor Kurzem rezertifiziert wurde. Hier wird das gesamte Untersuchungs- und Behandlungsspektrum der Phlebologie, also der Venenheilkunde, abgedeckt.

„Während die Krampfadern zu Beginn nur beobachtet und regelmäßig kontrolliert wurden, zeichnete sich während der zweiten Schwangerschaft von Frau Engel im Jahr 2018 ab, dass ein Eingriff zu empfehlen ist“, so Görge. Mittels Radiowellentherapie wurden bei der zweifachen Mutter dann im April dieses Jahres die Krampfadern durch Verödung ausgeschaltet. Unter örtlicher Betäubung wurde ihr dazu ein flexibler Hitze-Katheter in die Vene eingeführt, die betroffenen Venenzweige gezielt zerstört. „Ich hatte keinerlei Schmerzen, konnte im Anschluss sofort wieder nach Hause“, weiß Engel. „Nicht mal 30 Minuten dauerte die Behandlung.“
Seit nun mehr acht Jahren bietet das Venen-Kompetenz-Zentrum die Behandlung mit Radiowellen an, die eine Alternative zur herkömmlichen Krossektomie, besser bekannt als Venen-Stripping, darstellt. „Ich bin sicher, dass dem endovenösen Verfahren die Zukunft gehören wird“, betont Görge. „Es gibt keine Wunden oder Vernarbungen: Für den Patienten ist das ganze Verfahren angenehmer, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich und blutig ist es auch nicht. Die Radiowellentherapie hat viele Vorteile.“ Das sehen auch einige gesetzliche Krankenkassen so, die die Kosten übernehmen.

Die Radiowellentherapie und andere Entwicklungen in der Phlebologie sind auch Thema bei der 61. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, die vom 18. bis 21. September in Münster stattfindet und deren Tagungspräsident Görge sein wird. „Neben spannenden Vorträgen freuen wir uns besonders, auch viele praktische Workshops und Kurse anbieten zu können“, so Görge. „Insbesondere am Freitag ein Update zum Wundmanagement speziell für Pflegende.“

Bild: Erfolgreich rezertifiziert: Das Team des Venen-Kompetenz-Zentrums um Tagungspräsident Prof. Tobias Görge. © Foto (UKM)

Vom Modellprojekt zum erfolgreichen Kompetenzzentrum: Das ZaR Münster feiert 20-jähriges Jubiläum

Mit rund 120 Gästen und Mitarbeitern wurde jetzt das 20-jährige Jubiläum des Zentrums für ambulante Rehabilitation (ZaR) gefeiert. Das ZaR ist eine Gemeinschaftseinrichtung aller Münsteraner Krankenhäuser, die mit maßgeblicher Unterstützung der Deutschen Rentenversicherung Westfalen (DRV) gegründet wurde. Ein solches Konzept der ambulanten Rehabilitation und Prävention war bei der Gründung 1999 einzigartig und gilt bis heute bundesweit als beispielhafte Kooperation der Krankenhäuser einer Stadt. Die kontinuierlich gestiegenen Patientenzahlen spiegeln den Erfolgskurs wider.

Eingeleitet wurden die Feierlichkeiten von Christoph Wolters, Geschäftsführer des ZaR, der neben zahlreichen Gästen aus dem Bereich der Politik und der Gesundheitswirtschaft auch langjährige Kooperationspartner sowie Vertreter von Kostenträgern begrüßen konnte.

In seiner Rede blickte Leopold Lauenstein, stellvertretender Vorsitzender der ZaR-Gesellschafterversammlung und Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses Hiltrup, auf die Anfänge im September 1999 zurück. „Zunächst als Modellprojekt gestartet, hat sich unser Rehabilitations- und Präventionszentrum über die Jahre erfolgreich weiterentwickelt. Auch zukünftig wollen wir unsere Kompetenz am Gesundheitsstandort Münster weiter ausbauen“. Mit den stetig wachsenden Patientenzahlen ist ein gestiegener Platzbedarf verbunden. Diesem wurde mit zwei Anbauten Rechnung getragen – die Nutzungsfläche wurde von 2.500 auf 7.400 Quadratmeter vergrößert. Durch den zweiten Neubau sind seit 2015 berufsorientierte Rehabilitationsmaßnahmen möglich, d.h. Patienten können körperliche Belastungen und Fähigkeiten für die Arbeit unter berufsnahen Bedingungen wiederherstellen. Die nächste bauliche Erweiterung ist bereits in Planung. Anfangs wurden rund 50 Patienten behandelt, heute sind es ca. 250 Patienten täglich. 180 Mitarbeitende sind im ZaR tätig, bei denen sich Wolters bedankte: „Diese erfreuliche Entwicklung war nur möglich dank unserer Mitarbeiter, die täglich mit großem Engagement für unsere Patienten im Einsatz sind“.

Als NRW-weit erstes ambulantes Rehabilitationszentrum ist das ZaR Münster zunächst mit den drei Behandlungsbereichen Orthopädie, Kardiologie/Angiologie sowie Neurologie gestartet. Später wurde das Leistungsangebot um die onkologische und psychosomatische Rehabilitation ergänzt. Zudem haben die Verantwortlichen ein Medizinisches Versorgungszentrum am ZaR mit Fachpraxen für ambulante Neuropsychologie sowie Physikalischer und Rehabilitativer Medizin gegründet und den Bereich „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ aufgebaut. Neben dem umfassenden medizinischen und therapeutischen Angebot ist vor allem die Trägerstruktur besonders: Alle Münsteraner Krankenhäuser haben sich als Gesellschafter zusammengeschlossen und bilden mit weiteren Partnern aus dem Gesundheitswesen ein regionales, zielorientiertes Netzwerk. „Dadurch wird ein Wissens- und Erfahrungsaustauch zwischen den Kliniken und dem ZaR ermöglicht und nutzbringend für die Patienten eingesetzt“, erklärt Lauenstein in seiner Ansprache.

Als Vertreterin der Stadt beglückwünschte Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson die Einladenden zu der erfolgreichen Arbeit der vergangenen Jahre: „Die Entwicklung des ZaR ist beispielhaft. Es ist aus der hiesigen Gesundheits- und Wirtschaftsregion nicht mehr wegzudenken“.
Die wohnortnahe ambulante Rehabilitation kommt dem Wunsch vieler Menschen nach, für eine Reha-Maßnahme in ihrem gewohnten Umfeld zu bleiben. Das ist besonders effektiv: So kann das Erlernte direkt im Alltag eingesetzt werden. Zudem können die Familienangehörigen täglich einbezogen werden und auch bei der beruflichen Wiedereingliederung ist die Nähe von Rehabilitationseinrichtung und Arbeitsplatz ein entscheidender Vorteil: Die engen Kontakte zu Betrieben, betriebsärztlichen Diensten und anderen sozialen sowie beruflichen Leistungsträgern ermöglichen eine effektive Betreuung während der Wiedereingliederung. Insgesamt profitiert der Patient im ZaR von der engen Kooperation aller Beteiligten: „Die Schnittstellen zwischen behandelnden Arzt, Krankenhaus, Rehabilitation und nachsorgenden Maßnahmen werden durch das Netzwerk im ZaR stark reduziert, sodass eine optimal abgestimmte Therapie für die Patienten möglich ist“, ergänzte Thomas Keck, Erster Direktor der DRV Westfalen.

Bild: Feierten gemeinsam mit Gästen und Mitarbeitern das 20-jährige Jubiläum des ZaR (v.l.): Dr. Ingo Liebert, Geschäftsführer ZaR, Leopold Lauenstein, Geschäftsführer Herz-Jesu-Krankenhauses Hiltrup, Michael von Helden, Kfm. Direktor Evangelisches Krankenhaus Johannisstift Münster, Burkhard Nolte, Geschäftsführer St. Franziskus-Hospital, Christoph Wolters, Geschäftsführer ZaR, Wendela-Beate Vilhjalmsson, Bürgermeisterin Stadt Münster, Achim Schäfer, Geschäftsführer Karl-Hansen-Klinik GmbH, Thomas Keck, Erster Direktor DRV Westfalen, Hartmut Hagmann, Regionalgeschäftsführer Alexianer Misericordia GmbH sowie Klaus Abel, Geschäftsführer St. Franziskus-Hospital.
Das Zentrum für ambulante Rehabilitation bietet multimodale, interdisziplinäre Therapie- und Beratungsangebote in den Bereichen ambulante Rehabilitation, Nachsorge, Heilmittel, Prävention, Betriebliche Gesundheitsförderung und sozial-medizinische Begutachtung sowie Neuropsychologie. Ganztägige ambulante Rehabilitation wird für Indikationen in den Bereichen Kardiologie/Angiologie, Neurologie, Onkologie, Orthopädie und Psychosomatik angeboten. Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit einer Praxis für physikalische und rehabilitative Medizin sowie einer Praxis für ambulante Neuropsychologie ist integriert. Der VGR Verein für Gesundheits- und Rehabilitationssport Münster e.V. ergänzt das Angebot.
Gesellschafter des Zentrums sind das St. Franziskus-Hospital Münster, das Clemenshospital sowie die Raphaelsklinik unter dem Dach der Ludgerus-Kliniken Münster GmbH , das Evangelische Krankenhaus Johannisstift Münster, das Herz-Jesu-Krankenhaus Hiltrup, das Universitätsklinikum Münster und die Karl-Hansen-Klinik Bad Lippspringe.

Nähere Informationen sind unter www.zar-ms.de abrufbar.

Parkinsonnachmittag am UKM: Mit Cannabis Parkinsonsymptome lindern?

Mit etwa 400.000 Betroffenen in Deutschland ist die Parkinson-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Bei einem Informationsnachmittag am Mittwoch, 11. September stellen Experten des UKM Patienten, Angehörigen und Interessierten neue Behandlungsmöglichkeiten vor. Eine davon: Der Einsatz von medizinischem Cannabis.

Münster (ukm/som) – Bewegungshemmung, Muskelsteifheit und auffälliges Zittern: Durchschnittlich um das 60. Lebensjahr kann Parkinson auftreten. Ausgelöst wird die Krankheit durch das Absterben Dopamin-produzierender Nervenzellen. Bereits heute werden jährlich rund 1.200 Betroffene am UKM (Universitätsklinikum Münster) behandelt. Bis zum Jahr 2030 wird weltweit mit mehr als neun Millionen Parkinson-Patienten gerechnet – wen wundert es da, dass sich in der Erforschung der Krankheit derzeit vieles tut. Von Apps über Anwendungsmöglichkeiten bei der Tiefen Hirnstimulation bis hin zu aktivierenden Therapien: Mit einem Parkinsonnachmittag möchte die Klinik für Neurologie am UKM alle Interessierten über neue Therapiemöglichkeiten informieren.

„Es sind vor allem fachübergreifende Netzwerkstrukturen wie das Parkinsonnetz Münsterland+, die eine verbesserte Versorgung der Patienten ermöglichen“, weiß Prof. Dr. Tobias Warnecke, Oberarzt am UKM. „Aber besonders auch der Einsatz von Cannabis scheint für viele Patienten von großem Interesse, die Nachfrage der Betroffenen danach ist jedenfalls stark steigend.“ Seit mehr als zwei Jahren können Ärzte medizinisches Cannabis zur Unterstützung der Therapie bei Parkinson in bestimmten Fällen verschreiben. Seitdem herrscht ein regelrechter Hype um den Einsatz. Doch dieser ist nach wie vor stark diskutiert, die Wirkung des Cannabis bei Parkinson konnte etwa wissenschaftlich noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. „Wie immer in der Medizin ist hier eine differenzierte Betrachtungsweise sinnvoll“, betont Warnecke. „Die zentrale Frage ist: Wie kann Cannabis spezifisch eingesetzt werden?“ Bei Schmerzen und Schlafstörungen etwa könne der medizinische Einsatz von Cannabis, als Tabletten oder Tropfen eingenommen, bei manchen Patienten Symptome lindern helfen. Doch auch die Nebenwirkungen dürften nicht unbeachtet bleiben. Außerdem wird in Deutschland derzeit an Therapien geforscht, die – anders als Cannabis – die Ursache der Erkrankung bekämpfen.

Diese aktuellen Trends und Forschungen sowie weitere Behandlungsmöglichkeiten stellen ausgewählte Experten des UKM beim Parkinsonnachmittag am Mittwoch, 11. September 2019 von 15 bis 18 Uhr vor.

Lehrgebäude am UKM Zentralklinikum
Hörsaal L10
Albert-Schweitzer-Campus 1, Geb. A6
48149 Münster

Anmeldungen und Informationen unter:
T 0251 83-57833
akademie@ukmuenster.de

Bild: Beim Parkinsonnachmittag werden Prof. Dr. Tobias Warnecke sowie Dr. Inga Claus über neue Therapiemöglichkeiten und Entwicklungen bei Parkinson berichten. ©Foto (UKM)