Archiv für den Monat: Februar 2019

Kieferorthopädie im Kreuzfeuer: Alles nur Ästhetik?

Münster (ukm/aw) – Ein vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenes Gutachten erweckte jüngst den Eindruck, dass viele kieferorthopädische Behandlungen nicht nachhaltig oder gar nicht erst notwendig seien. Ist Kieferorthopädie also nur reine Ästhetik? Eine Auffassung, die laut Prof. Ariane Hohoff, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie am UKM (Universitätsklinikum Münster), weder wissenschaftlich noch medizinisch-praktisch zu halten ist.

Frau Prof. Hohoff, bleibt durch das vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebene Gutachten beim Patienten nicht einfach nur hängen, dass Kieferorthopädie in Form einer Korrektur des Gebisses durch Zahnspangen oft unnötig ist? Und ist das die richtige Sicht?
Nein, es ist absolut nicht die richtige Sicht und das steht vor allem so auch gar nicht in dem Gutachten! Das Gutachten hat einen Nutzen der kieferorthopädischen Behandlung bereits ganz klar bestätigt: Es wird festgestellt, dass Patientinnen und Patienten mit kieferorthopädischer Behandlung eine hohe orale Lebensqualität haben. Letztere beinhaltet zum Beispiel die Freiheit von Schmerzen und eine ungestörte Funktion (essen, sprechen).
Mit Blick auf die Themen Zahnverlust, Zahnlockerung, Karies und Parodontitis gibt das Gutachten, „keine abschließende Einschätzung [… ], ob und welche langfristigen Auswirkungen die angewendeten kieferorthopädischen Therapieregime auf die Mundgesundheit haben.“ Dass etwas „nicht einschätzbar“ ist, heißt aber nicht, dass eine Behandlung unnötig ist bzw. nicht wirkt. Die Forschung entwickelt sich weiter: Inzwischen gibt es zwei neuere relevante Untersuchungen, die nachweisen, dass es bei Zahn- und Kieferfehlstellungen ein höheres Risiko für Karies und Parodontalerkrankungen gibt. Die Kieferorthopädie kann dabei präventiv wirken, indem sie die Fehlstellungen behebt.

Sind Zahnspangen eine Modeerscheinung?
Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass in Deutschland etwa jedes vierte Kind bzw. jeder vierte Jugendliche zwischen drei und siebzehn Jahren in ständiger kieferorthopädischer Behandlung ist. Klinische Gebissanomalien gibt es aber bei weit über der Hälfte aller Kinder, hierbei sind auffällige Röntgenbefunde noch gar nicht mitgezählt. Die gesetzlichen Krankenversicherungen finanzieren nur die Behandlung mittlerer bis schwerer Befunde. Kiefer und Zähne sind aber ein wesentlicher Faktor auch für die psychosoziale Gesundheit. Es gibt eine weitere Studie aus dem Jahr 2013, die zeigt, dass Zähne in der Schule Mobbing-Faktor Nr. 1 sind – noch vor mangelnder körperlicher Stärke oder dem Gewicht. Und auch die Weltgesundheitsorganisation definiert ganz klar, dass das psychosoziale Wohlbefinden zur oralen und allgemeinen Gesundheit unzweifelhaft dazugehört. Dass durch Kieferorthopädie die orale Lebensqualität hoch ist, bestätigt ja auch das vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebene Gutachten.

Die zahnmedizinische Vorsorge hat über viele Jahre erreicht, dass 81 Prozent der 12-Jährigen in Deutschland kariesfrei sind. Viele Menschen gehen zwei Mal im Jahr zum Zahnarzt und nehmen eine professionelle Zahnreinigung in Anspruch. Eltern leiten ihre Kinder zum Zähneputzen und Benutzen von Zahnseide an und achten darauf, ebenso wie auf die Stellung der Zähne und Kiefer.
Es gibt viele andere Bereiche der Medizin, in denen der Nutzen einer Behandlung nie in Frage gestellt wird. Kein Mensch würde behaupten, dass man glücklich hundert Jahre alt werden kann, wenn das eine Bein zehn Zentimeter kürzer ist als das andere. Jeder würde sofort über orthopädische Maßnahmen nachdenken. Diese Logik sollte man auch auf die Kieferorthopädie übertragen.

Bild: Prof. Dr. Ariane Hohoff, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie.

Was würden Sie Menschen entgegenhalten, die sagen, dass so ein paar schief stehende Zähne doch nicht die Gesundheit beeinträchtigen?
Man wird immer Menschen vorzeigen können, die mit Rauchen, Alkoholkonsum oder „schiefen Zähnen“ 100 Jahre alt geworden sind. Das heißt aber nicht, dass es kein Gesundheitsrisiko gibt. Schon alleine gekippt stehende Zähne können unter Umständen dazu führen, dass jemand anfängt, zu knirschen. Das wiederum kann muskuläre Verspannungen und Kopfschmerzen verursachen. Aber das ist auch nicht der Punkt: Es geht in der Kieferorthopädie um ganz andere Dinge als um nur „schief stehende Zähne“. Das sagt ja auch schon der Name der Disziplin, in dem es um „Kiefer“ und „Orthopädie“ geht. Es geht darum, dass wir Wachstumsschäden an den Kiefern und Gelenken verhindern können. Es geht darum, dass wir Lücken schließen, wo Zähne nicht angelegt sind, so dass Zahnersatz überflüssig wird. Es geht darum, dass wir im Kiefer „steckengebliebene“ Zähne in die Mundhöhle einstellen. Es geht darum, dass wir Frontzahnverletzungen verhindern. Wenn zum Beispiel Unter- und Oberkieferschneidezähne horizontal drei bis vier Millimeter zu weit voneinander entfernt sind – im Volksmund „Häschenzähne“ genannt – verdoppelt sich das Risiko, dass diese bei einem Sturz zu Schaden kommen. Und es geht darum, dass wir Patienten mit schweren Fehlbildungen helfen, ein annähernd normales Gesicht zu bekommen und atmen zu können. Das alles ist Kieferorthopädie!
Es wird geschätzt, dass allein Fehlstellungen weltweit über 235 Millionen Zahnverletzungen ausmacht, die ja auch einen volkswirtschaftlichen Schaden darstellen. Ganz zu schweigen von den medizinischen, funktionellen und psychosozialen Folgen, die der Einzelne trägt, wenn diese Zähne, mit denen er abbeißen, lächeln und sprechen muss dauerhaft beschädigt sind.

Wird es die Kieferorthopädie als zahnmedizinische Disziplin weiter geben?
Zweifellos, sie ist fest im Studium der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde verankert, denn es wird immer Menschen geben, die mit den beschriebenen Erkrankungen im Kiefer- und Gesichtsbereich geboren werden oder sie erwerben. Die Befunde sind ja da – sowohl bei den niedergelassenen Ärzten als auch hier an der Uniklinik. Wir behandeln hier übrigens unter anderem auch ganz normale „Fälle“, denn wir bilden ja auch Fachzahnärzte für Kieferorthopädie aus – und das natürlich nicht gleich an den schwierigsten Befunden. Ich sage immer zu meinen Studierenden: „Herzlich willkommen zum schönsten Fach der Welt.“ Denn in vielen Fällen handeln wir ja nicht erst, wenn etwas schon unumkehrbar „kaputt“ ist, wie zum Beispiel bei einer Karies oder nach einer Frontzahnverletzung, sondern wir begleiten unsere Patienten im besten Fall in einem frühen Stadium und können tatsächlich präventiv helfen.

Infoabend: Ängste, Zwänge und Depression im Jugendalter

Münster – Erwachsen zu werden ist nicht immer ganz einfach. Zusätzliche Probleme, wie z. B. die Trennung der Eltern, ein Umzug, Liebeskummer, Leistungsdruck oder Ärger mit Anderen, machen es noch schwerer. Im Jugendalter ist das Risiko, an Ängsten, Zwängen oder Depressionen zu erkranken besonders hoch. Je früher psychische Erkrankungen behandelt werden, desto besser sind die Chancen, gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln und das eigene Leben selbstbestimmt gestalten zu können.

Am 20. März informieren Dr. med. YooJeong Lee, leitende Oberärztin der Christoph-Dornier-Klinik, und Dipl.-Psych. Vera Frühauf Jugendliche und Erwachsene über Anzeichen, Gründe und Behandlungsmöglichkeiten von Angst-, Zwangs- und depressiven Erkrankungen im Jugendalter. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin leitet den Bereich Jugendliche und junge Erwachsene und ist stellvertretende leitende Psychotherapeutin der Klinik.

Thema: Ängste, Zwänge und Depression im Jugendalter
Datum: Samstag, 20.03.2019
Ort: Tibusstraße 7-11
Uhrzeit: 18.00 Uhr

Der Infoabend richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter 0251 48 10-102 oder im Internet unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Sicherheitshinweis zu Herzschrittmachern des Herstellers Medtronic

Der Hersteller Medtronic hat Herzschrittmacher aus einem bestimmten Produktionszeitraum zurückgerufen, die auch 125 Patienten des UKM implantiert wurden. Aus diesem Anlass hat das UKM eine Patienten-Hotline eingerichtet und die Betroffenen informiert.

Münster (ukm/aw) – Ende Januar 2019 hat der Hersteller Medtronic einen Sicherheitshinweis für bestimmte Herzschrittmachersysteme veröffentlicht.
Betroffen sind Zweikammer-Systeme, die zwischen dem 10.03.2017 und 07.01.2019 implantiert wurden. Die betroffenen Herzschrittmacher haben die Markennamen Adapta, Versa, Sensia, Relia, Attesta und Sphera sowie Vitatron der A, E, G und Q Serie. Laut Medtronic soll es in sehr seltenen Fällen und nur in einem bestimmten Modus zu einer Pause in der Stimulation des Herzschrittmachers gekommen sein. Informationen des Herstellers dazu finden Sie hier.

Das UKM (Universitätsklinikum Münster) hat 125 Patienten, bei denen Herzschrittmacher dieser Markennamen im betreffenden Zeitraum im UKM eingesetzt wurden, informiert. Für die meisten Patienten ist ein Update der Schrittmachersoftware ausreichend. Im Einzelfall kann nach sorgfältiger Abwägung von Risiken ein Wechsel des Herzschrittmachers erforderlich sein. „Das Software-Update ist uns von Medtronic für das zweite Halbjahr 2019 angekündigt, dann werden wir es bei unseren Patienten aufspielen können. Insgesamt ist das Risiko sehr gering, wir besprechen aber mit jedem betroffenen Patienten das weitere Vorgehen und wägen den Einzelfall ab“, sagt Prof. Lars Eckardt, Direktor der Klinik für Kardiologie II, Rhythmologie.

Die Klinik für Kardiologie II hat eine Experten-Hotline (T 0251 – 83 43322) geschaltet, bei der sich Patienten melden können, die sich Sorgen machen. Die Hotline ist werktags von 8 bis 17 Uhr besetzt. Weitere Informationen gibt es auch auf der Homepage der Klinik für Kardiologie II.

Mehr Massel als Brassel: Türmerin Martje Saljé und Autorin Marion Lohoff-Börger veranstalten Masematte-Abend

Mit Masematte Gutes tun

Münster – Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Alexianer Waschküche gegenüber vom Hauptbahnhof, als die Autorin Marion Lohoff-Börger und Münsters musikalische Türmerin Martje Saljé zum Masematte-Abend einluden. Das Thema war die Liebe, schließlich war Valentinstag. „Masematte umfasst rund 600 Worte nur leider keines für die Liebe“, erklärte Lohoff-Börger. Dass es trotz dieses Mangels sehr lustig zugehen kann, wenn es auf Münsters Geheimsprache um das schönste aller Gefühle geht, zeigte sich zum Beispiel bei der bekannten Geschichte um den schwarzen Schwan Petra, der sich vor über zwölf Jahren auf dem Aasee in ein Tretboot verliebte. Da musste mit der „Trampelpünte“ auch schonmal ein neuer Masematte-Begriffe konstruiert werden. Auch Zuhörer, die nicht mit Masematte aufgewachsen sind, stellte der Abend vor nicht allzu große Probleme. Viele Vokabeln erklärte die Autorin den Zuhörern im Vorfeld und wenn es kompliziert wurde, bewies die Türmerin bemerkenswerte Qualitäten als Simultanübersetzerin. Martje Saljé zeigte an der Gitarre und am Klavier einmal mehr ihr musikalisches Talent, startete den Abend mit einem Medley bekannter Liebeslieder und begeisterte das Publikum unter anderem mit Liedern von Udo Lindenberg, Rio Reiser oder Herbert Grönemeyer. Dessen Lied „Der Weg“, in dem er den Tod seiner Frau thematisiert, verwies auf den Anlass des Abends, dessen Einnahmen dem Förderverein Palliativmedizin der Raphaelsklinik gespendet wurden. „Valentinstag ist nicht nur der Tag der Liebe sondern auch der Nächstenliebe“ unterstrich die Vereinsvorsitzende Gaby Marbach. Die Spendeneinnahmen des Abends schienen diese Vermutung zu bestätigen, 2220 Euro kamen insgesamt zusammen, die von einem Unterstützer noch verdoppelt werden. „Auf der Palliativstation werden schwerstkranke Menschen betreut, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich ist“, erklärte Marbach, betonte aber gleichzeitig: „Das oberste Ziel aller, die auf der Palliativstation der Raphaelsklinik arbeiten, ist das Leben und die Lebensqualität“. Die Vereinsmittel dienen dazu, das Umfeld auf der Station wohnlicher zu gestalten, aber auch um Angebote wie die Musiktherapie zu ermöglichen, die von den Kassen nicht finanziert werden. [www.palliativ-muenster.de]

Bild: Münsters Türmerin Martje Saljé (l.) und die Autorin Marion Lohoff-Börger engagieren sich für die Palliativstation der Raphaelsklinik.

Nach Anstieg der Grippefälle: Sofortdiagnostik schon bei Verdacht

Seit Mitte dieser Woche steigt die Zahl der Patienten, die mit Verdacht auf Influenza in die Notaufnahme des UKM kommen. Als Konsequenz aus der letztjährigen heftigen Grippewelle geht das UKM mit sofortiger Wirkung zu einer besonders schnellen Diagnostik über.

Münster (ukm/aw) – Nach einer kurzen Sitzung zwischen Vorstandsmitglied und Pflegedirektor Thomas van den Hooven und dem Leiter der interdisziplinären Notaufnahme Prof. Philipp Kümpers ergreift das UKM (Universitätsklinikum Münster) mit sofortiger Wirkung Maßnahmen, die der jetzt anrollenden Grippewelle entgegenwirken sollen. „Seit Mitte dieser Woche stellen sich in unserer Notaufnahme viele Patienten mit typischen Krankheitssymptomen wie Fieber, trockenem Husten, Kopf- und Gliederschmerzen sowie allgemein starkem Krankheitsgefühl vor“, so Kümpers. „Inklusive des Dienstags haben wir an allen Tagen in drei bis vier Fällen eine echte Influenza nachweisen können.“ Nach der ernsten Grippewelle im vergangenen Winter habe man aber Konsequenzen gezogen und den Ablauf in der Notaufnahme optimiert. „Als Konsequenz Schlussfolgerung aus dem heftigen Verlauf im vergangenen Jahr bekommen Patienten mit sofortiger Wirkung bei Verdacht auf Grippe eine Schnelldiagnostik, eine komplette Laboruntersuchung sowie eine Röntgenaufnahme der Lunge, sofern eine Lungenentzündung vorliegen könnte. So können wir innerhalb weniger Stunden sagen, ob es sich um eine echte Grippeerkrankung handelt.“

Auch für die stationären Patienten des UKM wird in Verdachtsfällen ab sofort eine Schnelldiagnostik angeordnet. Pflegedirektor Thomas van den Hooven glaubt, dass die sofortigen Maßnahmen geeignet sind, einer weiteren Ausbreitung der Grippe zumindest entgegenzuwirken. „Wir separieren diese Erkrankten von anderen Patienten und bekommen innerhalb kürzester Zeit aus unserer klinischen Virologie die Diagnose. Bestätigt sich die Grippeinfektion, werden schwere Fälle isoliert stationär versorgt, ohne relevante Vorerkrankungen werden Patienten aus der Notaufnahme nach Hause geschickt und wir verordnen Bettruhe.“

Insgesamt scheint das diesjährige Grippevirus nicht so aggressiv zu sein wie das der Saison 2017/18, wo laut Robert-Koch-Institut deutschlandweit neun Millionen Menschen grippebedingt einen Arzt aufsuchen mussten. Die bisher Erkrankten zeigen nach Einschätzung Kümpers‘ einen klinisch typischen und für die Grippe normalen Verlauf. UKM-Virologe Prof. Joachim Kühn rät auch jetzt noch zur Grippeimpfung: „Wer noch nicht erkrankt ist und beruflich oder privat Kontakt zu vielen Menschen hat, sollte sich unbedingt auch jetzt noch impfen lassen. Zwar benötigt der Impfstoff etwa zwei Wochen, bis er seine vollständige Wirkung aufgebaut hat, aber bereits vorher fällt eine Erkrankung meist deutlich schwächer aus, so dass das auch jetzt noch Sinn macht.“

Foto/UKM: Prof. Philipp Kümpers, Leiter der interdisziplinären Notaufnahme am UKM.

Schüler werden „tolle Typen“: UKM Stammzellspenderdatei leistet mit Workshops Aufklärungsarbeit in Schulen

Münster (ukm/som) – Wie läuft eigentlich eine Stammzellspende ab? Und was passiert mit meinem Wattestäbchen nach der Typisierung? Ab sofort haben Schüler und Schülerinnen im Rahmen eines dauerhaft laufenden Schulprojektes die Möglichkeit, die Experten der UKM Stammzellspenderdatei mit ihren Fragen zu löchern. In Workshops wird unter anderem über die Organisation des Stammzellspendewesens aufgeklärt.

Mit Hilfe von Arbeitsblättern und Multimedialen Materialien können die Jugendlichen ihre neuen Erkenntnisse festigen. Die Workshops werden vor allem in Berufs- und weiterführenden Schulen im Großraum Münster durchgeführt: So war die UKM Stammzellspenderdatei bereits im Biologiekurs der neunten Klasse des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums zu Besuch und traf auch beim Workshop im Leistungskurs des 13. Jahrganges der Hildegardisschule auf interessierte Schüler und Schülerinnen. Durchgeführt wird das Projekt mit Jugendlichen der höheren Jahrgänge, denn besonders junge Erwachsene ab 18 Jahren sind für die Stammzellspende bedeutsam. Mit viel neuem Wissen und praktischen Unterrichtsmaterialien profitieren aber nicht nur die Schulen, sondern auch die Stammzellspenderdatei von dem Projekt. In den Workshops haben die Kollegen und Kolleginnen die Möglichkeit, #tolleTypen kennenzulernen: Denn wer volljährig ist und Lust hat, darf sich nach dem theoretischem Input typisieren lassen und kann so zum Lebensretter werden.

Infos zu den Schul-Workshops und zur UKM Stammzellspenderdatei

Vorschläge für weitere Schulkooperationen werden seitens der UKM Stammzellspenderdatei gerne unter tolletypengesucht@ukmuenster.de entgegengenommen.
Ebenso können über die E-Mail-Adresse kostenlose Typisierungssets angefordert werden. Wissenswertes rund um die Stammzellspenderdatei bietet auch die Seite der UKM Blutspende. Die UKM Blutspende ist auch auf Facebook vertreten.

Bild: Die Expertinnen der UKM Stammzellspenderdatei klären Jugendliche in Workshops über die Arbeit einer Stammzellspenderdatei und den Hintergrund von Typisierungsaktionen auf. (© Foto: UKM/FZ/Marschalkowski)

Vier Augen sehen mehr als zwei: Duale Lotsenstruktur bei seltenen Erkrankungen

Hoffnung für Patienten mit unklarer Diagnose: Im Projekt „ZSE-DUO“ arbeiten Experten für körperliche und für psychosomatische Erkrankungen als Duo – mit dem Ziel einer schnelleren Diagnosestellung. Denn die Symptome können u.a. psychisch belasten oder gar eine seltene Erkrankung verschleiern. Das UKM ist Teil des Millionenprojekts.

Münster (ukm/maz) – Körperliche Beschwerden, egal welcher Art – und trotz Arztmarathon keine Diagnose: Allein in Nordrhein-Westfalen sind schätzungsweise 900.000 Menschen von einer seltenen Erkrankung betroffen, viele von ihnen haben eine jahrelange Odyssee hinter sich. „Das wollen wir verbessern“, sagt Prof. Dr. Heymut Omran, Sprecher des Centrums für seltene Erkrankungen am UKM (Universitätsklinikum Münster), das am bundesweiten Projekt „ZSE-DUO“ beteiligt ist. Mit insgesamt 5,3 Millionen Euro fördert der Gemeinsame Bundesausschuss das elf Standorte umfassende Projekt, das mit einer speziellen Lotsenstruktur die Diagnosestellung für Patienten mit seltenen Erkrankungen verkürzen soll. „In diesem Rahmen wird ein Teil der Patienten von Anfang an durch ein medizinisches Duo begleitet, bestehend aus je einem Spezialisten für körperliche Beschwerden und einem für psychische bzw. psychosomatische Erkrankungen“, erklärt Omran.

In Münster arbeiten dafür das Centrum für seltene Erkrankungen und die Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie eng zusammen. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass bei Menschen mit unklarer Diagnose häufig auch psychische oder psychosomatische Gründe die Ursache sind“, sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Dr. Gereon Heuft. Umgekehrt können die Symptome auch das Vorliegen einer seltenen Erkrankung verschleiern und eine Diagnose und Behandlung erschweren oder verzögern. Im Rahmen des Projekts „ZSE-DUO“ sollen Patienten solange durch die Lotsen begleitet werden, bis eine Diagnose gesichert werden kann. Je nach Fall werden dafür weitere medizinische Fachdisziplinen hinzugezogen.

Bild: Teamarbeit für seltene Erkrankungen (v.l.): Prof. Dr. Dr. Gereon Heuft (Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie), Prof. Dr. Frank Rutsch und Prof. Dr. Heymut Omran (beide Centrum für seltene Erkrankungen).

„Mit diesem vereinten Wissen hoffen wir, die Zahl der Patienten mit unklaren Diagnosen zu verringern, die Zeit bis zur Diagnosestellung zu verkürzen, die Kosten zu reduzieren und natürlich die Zufriedenheit der Betroffenen zu steigern“, erklärt Prof. Dr. Frank Rutsch, stellvertretender Sprecher und Patientenlotse am Centrum für seltene Erkrankungen am UKM, die Ziele von „ZSE-DUO“. Das auf drei Jahre angelegte Projekt umfasst die Universitätsklinika in Aachen, Bochum, Frankfurt am Main, Hannover, Magdeburg/Halle, Mainz, Münster, Regensburg, Tübingen, Ulm und Würzburg (Projektleitung). Weitere Partner sind die Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen ACHSE e.V., die Techniker Krankenkasse, die Innungskrankenkasse IKK Gesund plus sowie die AOK Rheinhessen.

Am UKM können sich ab sofort Patienten ab 12 Jahren melden, die Beschwerden haben, für die bisher kein Arzt eine Diagnose finden konnte und die noch nicht in einem Zentrum für seltene Erkrankungen vorstellig wurden. Die Teilnahme an „ZSE-DUO“ ist Versicherten aller Krankenkassen möglich, mitzubringen sind alle vorhandenen medizinischen Unterlagen. Anmeldung und weitere Informationen auf der Homepage des Centrums für seltene Erkrankungen des UKM sowie unter 0251 83-47700 oder cse@ukmuenster.de.

Marleens Herzensangelegenheit: Spenden für die an Kinderdemenz erkrankte Anastasiia

Elfjährige sammelt Spenden für die an Kinderdemenz erkrankte Anastasiia, die im vergangenen Sommer erstmals am UKM behandelt wurde. Aufgrund einer fehlenden Krankenversicherung ist das ukrainische Mädchen auf Hilfe angewiesen.

Münster (ukm/som) – Von einem neuen Handy bis zu Konzertkarten: Die Wunschlisten elfjähriger Mädchen sind lang. Marleen Kajüter hingegen hat vor allem einen Wunsch: Leben retten. Als sie in einem Zeitungsartikel von dem Schicksal der zehnjährigen Anastasiia hört, die im Sommer erstmals am UKM (Universitätsklinikum Münster) von Prof. Dr. Thorsten Marquardt, Experte für seltene Erkrankungen, behandelt wurde, möchte Marleen helfen: Mit einer Spendenaktion sammelt die Fünftklässlerin 500 Euro für das ukrainische Mädchen, das an der sogenannten „Niemann-Pick-Erkrankung“ leidet, einer Form der Kinderdemenz. Weltweit ist nur jedes 120.000ste Kind betroffen. Die Erkrankten verlieren im Kinder- und Jugendalter alle erlernten Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Laufen und später auch das Sprechen. Schuld daran ist ein Gendefekt, denn in Anastasiias Körper können bestimmte Fette nicht transportiert werden. Die Folge: Nach und nach sterben die Gehirnzellen ab.

„Mädchen in meinem Alter treffen sich normalerweise mit Freundinnen, malen und basteln – haben eine schöne Zeit, so wie ich selbst auch. Als ich erfahren habe, dass sich Anastasiias Zustand ohne Hilfe von Tag zu Tag verschlechtert, hat mich das sehr traurig gemacht“, erinnert sich Marleen. Mit Hilfe ihrer Mutter sowie der Unterstützung von Freunden und Bekannten verkaufte sie daher am zweiten Adventswochenende auf dem Steinfurter Weihnachtsmarkt Karten und Wochenplaner, um mit dem erlösten Geld Anastasiia zu unterstützen.

Dies ist eine finanzielle Hilfe, die die Zehnjährige dringend benötigt. Denn die Situation des ukrainischen Mädchens ist schwierig. „Es ist ein Gefühl der Machtlosigkeit, dass wir Anastasiia wegen ihrer fehlenden Krankenversicherung nicht bestmöglich helfen können“, sagt Marquardt, Leiter des Bereichs für angeborene Stoffwechselerkrankungen am UKM. 9.000 Euro monatlich werden für die Therapie benötigt, die den tödlichen Verlauf der Krankheit verlangsamen kann. Momentan ist Anastasiia dabei auf Spendengelder angewiesen, kann ansonsten keine Behandlung bekommen. „Daher kämpfen wir derzeit für eine neue Lösung“, betont Marquardt. Gerade deswegen freuen sich die Familie und der behandelnde Arzt sehr, dass Marleen sich mit so viel Engagement für Anastasiia einsetzt. Und auch sie ist sichtlich zufrieden, dass sie helfen konnte, ein Leben zu verbessern – plant bereits die nächsten Spendenaktionen.

Bild: Spendenaktion von Kind zu Kind: Mit vollem Engagement setzt sich die elfjährige Marleen (2.v.r.) für die an Kinderdemenz erkrankte Anastasiia (2.v.l.) ein, die am UKM von Prof. Dr. Thorsten Marquardt (Mitte) behandelt wird. (© Foto UKM/FZ)