Archiv für den Monat: Januar 2019

Integration ausländischer Fachkräfte: Startschuss für eine bessere Zukunft

61 ausländische Fachkräfte am UKM absolvieren Prüfung zur Anerkennung ihrer beruflichen Qualifikation / Berufliche Sicherheit erleichtert Integration in Deutschland

Münster (ukm/som) – Es ist ein erster Schritt in ein neues Leben: insgesamt 52 italienische und neun brasilianische Fachkräfte des UKM (Universitätsklinikum Münster) haben bis Ende Januar ihre Prüfung zur Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpfleger in Deutschland erfolgreich abgeschlossen. Dafür absolvierten die Pflegenden in den letzten sechs bis acht Monaten knapp 1.000 Unterrichtsstunden. Diese Herausforderungen und den weiten Weg nach Deutschland nehmen die ausländischen Fachkräfte aufgrund fehlender Arbeitsplätze in ihrer Heimat in Kauf.

Das seit 2012 geltende Gesetz auf Anerkennung ermöglicht es den Pflegenden, nach der Teilnahme an den Anpassungslehrgängen hier in Deutschland in ihrem erlernten Beruf arbeiten zu können. „Wir bieten den ausländischen Kolleginnen und Kollegen eine berufliche Perspektive“, weiß Eugenie Rottmann, Integrationsfachkraft am UKM. „Mit der Anerkennung ist der Grundstein für ihre berufliche Zukunft in Deutschland gelegt. In vielen Fällen folgt nach erfolgreicher Prüfung die Familie aus dem Ausland.“ Möglich gemacht haben die gelungene Integration der ausländischen Pflegekräfte unter anderem die pflegerischen Mentoren auf den jeweiligen Stationen, die immer mit Rat und Tat zur Seite standen.

Sinnbildlich für die Integration ausländischer Fachkräfte steht die Geschichte von Luca Scampoli, Gesundheits- und Krankenpfleger am UKM (Pressemitteilung aus dem Jahr 2017). Der Italiener arbeitet auf der interdisziplinären Station 7 am UKM und hat sich mit seiner Frau und der ersten Tochter gut in Münster eingelebt. Anfang Januar wurde am UKM nun seine zweite Tochter Daphne geboren. „Es ist ein großes Glück, dass ich mir hier in Münster mit meiner kleinen Familie ein neues Leben aufbauen kann. Darauf bin ich stolz“, freut sich Scampoli.

Bild: Beruflicher Neustart in Deutschland für 61 ausländische Pflegekräfte. (© UKM/Tronquet)

Weltkrebstag 2019: PIPAC-Therapie – Mit Hochdruck gegen Bauchfellkrebs

Experten bringen innovative Behandlungsmethode ans UKM. „Weniger Nebenwirkungen – mehr Lebenszeit und -qualität!“

Münster (ukm/lie) – Bauchfellkrebs wird zumeist sehr spät diagnostiziert – oft erst dann, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Mit dem fortschrittlichen PIPAC-Verfahren haben die Experten im UKM (Universitätsklinikum Münster) nun jedoch eine weitere Behandlungsoption, um die Prognosen zu verbessern. „Das Ziel dieser neuen Therapie ist, bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung das Tumorwachstum auszubremsen, Lebenszeit zu gewinnen und dabei die Lebensqualität zu erhalten“, sagt Dr. Urs Pabst-Giger, Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am UKM.

Die Abkürzung PIPAC steht für Pressurized Intra Peritoneal Aerosol Chemotherapy. Dabei werden im Rahmen einer Bauchspiegelung Chemotherapeutika als Aerosol, also als feiner Sprühnebel, unter Druck direkt in die Bauchhöhle gegeben. So können die Tumoren gezielter erreicht und angegriffen werden. „Durch das Vernebeln verteilen sich die Chemotherapeutika sehr gut im Bereich des befallenen Gewebes. Zudem fördert der während des Eingriffs herrschende Überdruck im Bauchraum das Eindringen der Medikamente in den Tumor“, erklärt Dr. Pabst-Giger. „Somit benötigen wir mit der PIPAC-Methode lediglich ein Zehntel der Wirkstoffmenge im Vergleich zur herkömmlichen Chemotherapie.“ Daher gebe es deutlich weniger Nebenwirkungen wie Haarausfall, Müdigkeit und Erbrechen. Der Spezialist für Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinose) ist bereits seit 2012 gemeinsam mit einem interdisziplinären Team der Ruhr-Universität Bochum maßgeblich an der Entwicklung des inzwischen auch international anerkannten Verfahrens beteiligt. Im vergangenen Jahr wechselte das gesamte Expertenteam von Bochum nach Münster, um seine Arbeit im Viszeralonkologischen Zentrum des UKM fortzusetzen.

Bild: Auch eine Art Bildgebung: Wie die Krebszellen bei PIPAC unter Druck gesetzt werden, veranschaulichen Dr. Urs Pabst-Giger (r.) und sein Kollege Dr. Jens Peter Hölzen mit einer eigens von diesem angefertigten Zeichnung.

„Wir behandeln im Zentrum die unterschiedlichsten Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes“, erläutert Dr. Jens Peter Hölzen, geschäftsführender Oberarzt in der Chirurgischen Klinik (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Andreas Pascher). „Mit PIPAC haben wir nun eine zusätzliche Behandlungsoption – quasi einen weiteren Baustein – in der Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem Bauchfellkrebs, bei denen die herkömmlichen Chemotherapien über die Vene nicht mehr greifen oder aus anderen Gründen nicht mehr gegeben werden können.“ Neben modernster Diagnostik und Therapie ist für die optimale Behandlung vor allem auch die enge Zusammenarbeit der Kollegen aller beteiligten Fachbereiche von besonderer Bedeutung. In regelmäßig stattfindenden Tumorkonferenzen tauschen sich daher z.B. Onkologen, Radiologen, Pathologen und Chirurgen aus und besprechen, welche Therapie zu welchem Zeitpunkt am besten für einen Patienten in seiner persönlichen Situation geeignet ist. „Auch die engen Absprachen mit Ernährungstherapeuten, Psychoonkologen und Palliativmedizinern sind bei komplex verlaufenden Erkrankungen wie dieser besonders wichtig“, betont Hölzen.

Jedes Jahr erkranken deutschlandweit mehr als 20.000 Menschen neu an Bauchfellkrebs. Oft ist er die Folge anderer Erkrankungen wie Eierstock-, Magen- oder Darmkrebs. Über 2.000 PIPAC-Applikationen hat das Expertenteam rund um Dr. Pabst-Giger allein in den letzten fünf Jahren durchgeführt. Dokumentiert und ausgewertet werden alle Behandlungsergebnisse im nun ebenfalls von Münster aus geführten internationalen Studienregister unter der Leitung von Dr. Cédric Demtröder mit 52 teilnehmenden Kliniken weltweit. „Auch wenn Bauchfellkrebs bisher nur selten heilbar ist, hat sich in der Behandlung der Erkrankung viel getan“, sind sich die Mediziner einig und fassen die Vorteile des effektiven und zugleich schonenden Verfahrens zusammen: „Weniger Nebenwirkungen – mehr Lebenszeit und -qualität!“

Morbus Pompe: ‚Hope‘ trotz unheilbarer Krankheit

Stoffwechselkrankheit Morbus Pompe verursacht bei Erwachsenen Schwäche der Skelettmuskulatur; UKM-Patientin Sandra Schmit ist Schirmherrin des Selbsthilfeprojekts ‚Hope‘ in Deutschland

Münster (ukm/jug) – Im Alter von 13 Jahren fing es eher harmlos an. „Als Teenager habe ich viel Sport gemacht. Ich hatte aber schnell Muskelkater und vermehrt auch Muskelkrämpfe“, erinnert sich Sandra Schmit zurück an eine Zeit, in der sie noch problemlos Fußball spielen und reiten konnte. Heute ist das für die 37-Jährige undenkbar: Sie leidet unter Morbus Pompe, einer degenerativen Stoffwechselkrankheit, die sich primär in der Muskulatur bemerkbar macht. „Den Betroffenen fehlt erblich bedingt ein Enzym, das in den Muskeln zum Abbau des Kohlenhydrats Glykogen benötigt wird. Das Glykogen sammelt sich also in den Muskelzellen an und verursacht letztlich, dass diese zerstört werden“, erklärt Schmits behandelnder Arzt Priv.-Doz. Dr. Matthias Boentert, Leitender Oberarzt am Institut für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen am UKM (Universitätsklinikum Münster).

Trotz ihrer langen Leidensgeschichte wurde die korrekte Diagnose erst im letzten Jahr am UKM gestellt. Davor vermuteten Mediziner jahrelang eine Muskeldystrophie. Profitiert hat Schmit letztlich davon, dass die Forschung in den letzten Jahren Fortschritte gemacht hat und sie somit am UKM auf Morbus Pompe getestet werden konnte. Die Glykogenspeicherkrankheit zeigt sich bei Erwachsenen vor allem in einer Schwäche der Skelettmuskulatur. „Ich habe Schwierigkeiten beim Laufen, Treppen steigen und aufstehen, das war früher nicht so“, sagt Schmit. Die Folge ist ein typisches Gangbild, „schließlich ist die gesamte Rumpfmuskulatur betroffen. Langfristig wird sich eine Atemmuskelschwäche einstellen, weil auch das Zwerchfell in seiner Funktion eingeschränkt sein wird“, so Boentert. Wird die Krankheit bei Säuglingen diagnostiziert, ist meist neben der Rumpfmuskulatur auch das Herz betroffen. Morbus Pompe gilt als seltene Erkrankung, bei der die Verläufe umso schwerer sind, je früher sich die Krankheit manifestiert. In Deutschland sind wenige hundert Patienten betroffen, das UKM betreut 33 von ihnen.

Bild: Neurologe Priv.-Doz. Dr. Matthias Boentert und Morbus-Pompe-Patientin Sandra Schmit mit ‚Hope‘, Maskottchen des gleichnamigen Selbsthilfeprojekts (© Foto/UKM)

Hoffnung und eine verbesserte Lebensqualität verspricht den Betroffenen eine Enzymersatztherapie, die seit 2006 zugelassen ist. Alle zwei Wochen wird den Patienten das Enzym als Infusion verabreicht, um den körpereigenen Mangel daran zumindest teilweise zu kompensieren. Schmit hat das Medikament erstmals vor einem Jahr bekommen: „Meine Blutwerte haben sich verbessert und die Muskulatur ist deutlich stabilisiert. Ich merke, dass es mir viel besser geht und ich einfach mehr Kraft habe“, berichtet die Team-Assistentin von den positiven Effekten. Parallel zu ihrer Behandlung nimmt sie am UKM an einer klinischen Studie teil, in der die Wirkung des Medikaments weiter erforscht wird.

Morbus Pompe ist (noch) nicht heilbar. Trotz der schwierigen Perspektive bleibt Sandra Schmit positiv und optimistisch, will auch anderen Betroffenen Hoffnung machen. Seit letztem Jahr engagiert sie sich im Projekt ‚Hope Travels‘: „Ein Stofftier namens Hope reist dabei durch die Welt zu den Betroffenen, die dann Fotos mit Hope auf Facebook veröffentlichen“, so Schmit, die Schirmherrin des Projekts für Deutschland ist. Das Maskottchen des Projekts ist ein Faultier, „wir sind ja auch etwas schwerfälliger“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Ihren Humor und ihre Tatkraft wird Morbus Pompe ihr nicht nehmen.

Weitere Informationen zum Hope-Projekt finden Sie hier: https://www.mpompe.de/pompe/community/hope

Neuer Chefarzt im St. Franziskus-Hospital: Priv.-Doz. Dr. med. Sebastian Reith

Experte für minimal invasive Herzklappen-Therapie

 
Münster – Zum 1. Januar 2019 hat Privatdozent Dr. med. Sebastian Reith die Leitung der Klinik für Kardiologie und Angiologie des St. Franziskus-Hospitals Münster übernommen.

PD Dr. Reith ist Facharzt für Innere Medizin – Kardiologie, Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin. Er absolvierte sein Medizinstudium an den Universitäten Bonn und Aachen und war zuletzt leitender Oberarzt, stellvertretender Klinikdirektor und Leiter des Herzkatheterlabors am Universitätsklinikum Aachen.
Der 50-Jährige gilt als ausgewiesener Spezialist der interventionellen Kardiologie und der interventionellen Herzklappentherapie. So beherrscht er die modernen Verfahren der minimal invasiven (= kathetergestützten) Herzklappenimplantation im Bereich der Aortenklappe (TAVI) und im Bereich der Mitralklappe (MitraClip).  Diesen Schwerpunkt möchte PD Dr. Reith in seiner neuen Funktion im St. Franziskus-Hospital weiter ausbauen und darüber hinaus auch neue Akzente im Bereich der Therapie struktureller Herzerkrankungen und der Herzinsuffizienz setzen.
„Ich will an das hohe Qualitätsniveau der Abteilung anknüpfen und das bereits etablierte Leistungsspektrum für die Bevölkerung im Münsterland ausweiten“, beschreibt er seine Pläne für die zukünftige Arbeit. Neben der interventionellen Therapie legt er dabei auch einen Fokus auf innovative Verfahren der koronaren Diagnostik wie der intrakoronaren Bildgebung. „Diese neuen Verfahren ermöglichen es uns, das akute Behandlungsergebnis zum Beispiel nach einem Herzinfarkt sofort zu kontrollieren und falls erforderlich unmittelbar zu optimieren“, so PD Dr. Reith.

Seit Kurzem ist er nun im St. Franziskus-Hospital tätig: „Ich wurde sehr herzlich und offen empfangen und lerne gerade ein wirklich tolles und erfahrenes Team kennen, das hoch motiviert ist und mir den Start sehr leicht macht.“ Neben der beruflichen Eingewöhnung will er mit seiner Partnerin und den zwei kleinen Töchtern auch die für ihn neue Stadt Münster und deren Umgebung noch kennenlernen.

Masematte-Lesung mit Türmerin

Münster – Am Dienstag, 14. Februar, findet in der Alexianer-Waschküche, Bahnhofstraße 6, um 19 Uhr die Musiklesung „Mehr Massel als Brassel (mit der Liebe)“ statt. Die Autorin Marion Lohoff-Börger liest auf Masematte aus ihrem aktuellen Buch und Münsters Türmerin Martje Saljé singt zur Gitarre. Karten für die Veranstaltung zu Gunsten des „Fördervereins Palliativmedizin Raphaelsklinik“ gibt es für 15 Euro im WN-Ticketshop und an der Abendkasse.

Bei der Musiklesung wird diesmal ömmes (tatsächlich) die beseibelte Kowe (dreckige Wäsche) in Sachen Liebe gewaschen. Die Künstler-Kaline Martje Saljé schallert und die Autorin Marion Lohoff-Börger liest aus ihrem Fleppenhaufen (Buch), der im letzten Sommer im agenda Verlag erschienen ist. Wer den Valentinstag nutzen will, um den Förderverein mit seinem Lowi (Geld) zu unterstützen, der kann schon jetzt seine Kaline oder seinen Seegers überraschen und Eintrittskarten biggen (kaufen). Dann dollewinieren (denken) wir nicht nur an uns und den Massel und Brassel mit unserer Liebe, sondern wir makeimern (machen) was Jovles für die Leute, wo der Mulopenk (Tod) schon an die Paze (Tür) klopft.  Denn Liebe hat auch etwas mit Vergänglichkeit zu tun.
Mit Jontev (Freude) und Fez (Spaß), aber auch ömmes mit Pani inne Döppen (Tränen in den Augen), wird an diesem Abend das Thema Liebe mit musikalischen Beiträgen, Lyrik und Texten auf Münsters untergegangener Geheimsprache Masematte beleuchtet.

Bild: Münsters Türmerin Martje Saljé und die Autorin Marion Lohoff-Börger (r.) treten gemeinsam in der Alexianer-Waschküche gegenüber vom Hauptbahnhof auf.

Gegen den Plastikmüll: UKM-Änasthesie setzt auf Mehrweg statt Einweg

Larynxmasken werden hygienisch aufbereitet / Bis zu 40 Mal wiederverwendbar / Entscheidung gegen den allgemeinen klinischen Trend zu mehr Nachhaltigkeit in der Anästhesie

Münster (ukm/aw) – Bis zu 1,25 Fußballfelder könnte man mit den Larynxmasken aus Kunststoff füllen, die bisher jährlich am UKM (Universitätsklinikum Münster) zur Sicherung der Atemwege unter der Narkose verwendet wurden. „Eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass man diesen Plastikmüll auch stark reduzieren kann“, sagt Niklas Wiechert, Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie und Mitglied der OP-Gesamtleitung. Bei pro Jahr 13.000 von insgesamt rund 40.000 Operationen am UKM werden Larynxmasken eingesetzt. Sie dienen dazu, die Atemwege bei narkotisierten Patienten offen zu halten und sind damit ein Standardutensil. „Bisher waren diese Masken für uns ein Wegwerfartikel“, sagt Dr. Thomas Ermert, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und zuständig für das Ärztliche Qualitätsmanagement. „Mit der Umstellung auf Mehrweg zum Jahresbeginn 2019 liegen wir nicht unbedingt im Trend, denn in Krankenhäusern setzt sich immer mehr der Ansatz durch, dass nur Einwegartikel die hygienischen Standards einhalten. Aber mit unserer Aufbereitungsanlage für Anästhesie (AGA) haben wir hausintern die Möglichkeit, nach einem zertifizierten Reinigungsverfahren die Masken so aufzubereiten, dass sie absolut unbedenklich sind“, so Ermert.
 
Diese Aufbereitung ist komplex: In der AGA werden die Larynxmasken in einer speziellen Spülmaschine gespült, anschließend getrocknet und eingeschweißt, damit sie bis zur Verwendung im OP absolut keimfrei bleiben. Bis zu 40 Mal können die Larynxmasken diesen Aufbereitungs-Prozess durchlaufen, bis sie schließlich aussortiert werden müssen. Nebenbei spart das Mehrwegsystem auch noch Geld: Bis zu 18.000 Euro niedriger liegen die jährlichen Kosten, hat die Klinik für Anästhesiologie überschlagen.
 
Und in noch einem weiteren Punkt will die Anästhesiologie am UKM künftig ökologisches Vorbild sein: Die Wärmedecken, die für die aktive operative Wärmung von Patienten eingesetzt werden und die helfen sollen, Komplikationen während und nach einer Operation zu vermeiden, sind künftig aus Textil statt wie bisher aus Kunststoff – auch hier setzt die Klinik auf Mehrweg. „Dementsprechend können die Decken gewaschen werden“, so Wiechert, und er fügt hinzu: „Den Müllwust im OP einzudämmen, ist unser Ziel. Wir können nur unseren kleinen Teil dazu beitragen, die Welt ein bisschen besser zu machen, indem wir unsere Anästhesie ökologischer gestalten.“

Bild: Niklas Wiechert, Mitglied der OP-Gesamtleitung UKM, und der Leiter der AGA, Klaus Lehmkuhl, mit den neuen Mehrweg-Larynxmasken. (© Foto ULKM)

Aktion Saubere Hände: Auf der goldenen Welle segeln

Münster – Bereits zum fünften Mal in Folge wurde das Clemenshospital Münster mit dem Goldsiegel der „Aktion Saubere Hände“, ausgezeichnet. In Deutschland haben rund 50 von fast 800 teilnehmenden Kliniken das Goldsiegel erhalten, unter den teilnehmenden fünf Häusern in Münster erfüllt nur das Clemenshospital die „goldenen“ Kriterien der „Aktion Saubere Hände“.
 
„Fünf Jahre in Folge mit dem goldenen Siegel der „Aktion Saubere Hände“  prämiert zu werden,  ist eine starke Leistung und zeugt von einem hohen Hygienebewusstsein bei allen Mitarbeitern. Dieses Qualitätsmerkmal ist eine der Säulen der Patientensicherheit im Clemenshospital“, erklärt das Team der Hygiene. Das goldene Siegel und die damit verbundene Qualität sei die Basis für Infektionsprävention und damit für die Patientensicherheit. Von den meisten Mitarbeitern werde Hygiene gelebt, wie man am gemessenen Verbrauch vom Händedesinfektionsmittel sehe. „Der Dank gilt deshalb allen Mitarbeitern im Haus und dem unermüdlichen Einsatz eines engagierten Hygiene-Teams“, sagt Dr. Carolin Dame, leitende Ärztin der Krankenhaushygiene. Jährliche Schulungen und Aktionstage, regelmäßige Begehungen auf den Stationen und zahllose Gespräche mit den Mitarbeitern zeigten deutliche Erfolge: Der Verbrauch an Händedesinfektionsmittel ist kontinuierlich gestiegen und die Infektionszahlen sind seit Jahren rückläufig. Aber auch andere Maßnahmen müssen nachgewiesen werden, um das goldenes Siegel zu bekommen
 

Die „Aktion Saubere Hände“ ist eine nationale Kampagne zur Verbesserung der Compliance („Regeltreue“) der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Sie wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen – mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit, des Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e.V..

 

Bild: (v.l.) Claudia Nonnhoff (Hygienefachkraft), Britta Kramer (leitende Hygienefachkraft), Dr. Carolin Dame (leitende Ärztin der Krankenhaushygiene) und Cornelia Mählmann (Hygienefachkraft) freuen sich über das Goldsiegel der „Aktion Saubere Hände“.

Mit der Klangwiege schwerkranken Kindern helfen

Münster – Wenn Vivien Schürmann in der neuen Klangwiege des Clemenshospitals liegt und die Musiktherapeutin Verena Lodde die Saiten dieses außergewöhnlichen Therapiegerätes anschlägt, ist sie ganz entspannt. „Die Schwingungen gehen durch den ganzen Körper“, berichtet die Patientin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin begeistert. „Die Musik bietet oftmals den besten Zugang zu unseren kleinen, schwerstkranken Patienten. Selbst wenn die Kinder nicht bei Bewusstsein sind, dringt die Musik zu ihnen durch“, freut sich Chefarzt Dr. Otfried Debus über die Neuanschaffung.

Möglich war diese nur durch die Spende des Tierarztes Dr. Winfried Schmidt, Geschäftsführer der Firma VetVital, die Krankenkassen finanzieren die Musiktherapie trotz ihrer nachweislichen Erfolge nicht. „Die akustischen Reize der Klangwiege gehen ganz intensiv auf die Patienten über“, erklärt Lodde, während sie wie bei einer Harfe über die Saiten der Klangwiege streicht und ein sonorer, tiefer Ton den gesamten Raum erfüllt. Da jeder Mensch anders auf Musik und sonstige akustische Reize reagiert, muss Verena Lodde sehr sensibel darauf achten, wie die Reaktionen der Patienten sind. „In der Phase, wenn sie aus einem Koma erwachen, sind Kinder oft sehr angespannt, zum Beispiel bei der Krankengymnastik. Hier kann die Musiktherapie ungeheuer entspannend sein und so auch die Physiotherapie sehr wirksam unterstützen“, berichtet Debus.

Die Klangwiege, die fast 5.000 Euro kostet, kann sehr unterschiedlich eingesetzt werden. Während Vivien wie in einer halben Röhre liegt, kann das Gerät auch zum Tunnel umfunktioniert werden, in dem die Patienten liegen. In aufrechter Position kann der Patient in dem Instrument stehen oder auf einem Stuhl sitzen. „Wir können die Klangwiege sogar in das Bett legen, so dass der Patient das Bett nicht zu verlassen braucht“, beschreibt Lodde einen weiteren Vorteil dieses Therapiegerätes.

„Dieses Gerät ist ein neuer Ansatz bei der Behandlung der Patienten, der auch nichts mit Esoterik zu tun hat. Wer weiß, wo die Medizin in 10 oder 20 Jahren ist“, freut sich Dr. Winfried Schmidt gemeinsam mit Verena Lodde und Dr. Otfried Debus über die neuen Möglichkeiten, die die Klangwiege bei der Therapie der Kinder der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Clemenshospitals zukünftig bietet.

Bild: Chefarzt Dr. Otfried Debus (r.) und die Musiktherapeutin Verena Lodde (m.) freuen sich über die neue Klangwiege, die von Dr. Winfried Schmidt (l.) gespendet wurde.