Archiv für den Monat: Dezember 2018

Verein Herzenswünsche e.V.: Im Galopp gegen Depression

Verein Herzenswünsche e.V. und Förderverein der Kinder und Jugendpsychiatrie des UKM ermöglichen jungen Patienten tierische Erlebnisse in Form einer Reit- und einer Hundetherapie

Münster (ukm/som) – Große glänzende Augen und ein strahlendes Lächeln – Saskia, Patientin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKM (Universitätsklinikum Münster), ist sichtlich begeistert, als sie an ihre ersten Erfahrungen auf dem Rücken eines Pferdes zurückdenkt. Seit Ende August bietet die Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKM eine Reittherapie sowie eine Hundetherapie für die jungen Patienten an. Einmal wöchentlich besuchen vier Jugendliche der geschützten Station für Akut- und Intensivbehandlung für eine Stunde die Reittherapie auf dem Hof Krützkemper – von dieser Auszeit aus dem Klinikalltag durfte auch Saskia profitieren. „Unsere Reittherapeutin hat mich in der letzten Woche als Naturtalent bezeichnet“, erzählt die 15-Jährige stolz. „Wenn ich mit dem Pferd durch den Wind reite, fühle ich mich frei. Das ist, als wäre ich gar nicht mehr ich selber. Da vergisst man für einen Moment alle Sorgen.“

„Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd“ nennt sich die Therapie in der Fachsprache und verspricht vor allem für Kinder mit traumatischen Erlebnissen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen eine sinnvolle Ergänzung zum Gesamtbehandlungsplan. Begleitet durch Personal des Pflege- und Erziehungsdienstes und unter der Leitung einer ausgebildeten Reittherapeutin können die Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren während der Tiertherapie über sich hinauswachsen und – wie es bei Saskia war – eine neue Leidenschaft entdecken. Mit Mut, Abenteuerlust und ohne Scheu vor tierischem Körperkontakt sammeln sie hier erste Reiterfahrungen, machen Vertrauensübungen und wer möchte, darf sogar auf dem Pferderücken turnen. „Der Umgang mit den Pferden ist für die Jugendlichen oftmals sehr stabilisierend. Sie tanken Selbstbewusstsein und neue Hoffnung, das hilft gerade bei unseren schwer kranken Patienten enorm bei der Behandlung“, weiß Judith-Maria Fernholz, Oberärztin der geschützten Station.

Bild: In der Reittherapie macht Saskia große Fortschritte. Ihr Ziel ist es, bald schon freihändig auf dem Pferderücken stehen zu können.

Ermöglicht wird die Reittherapie durch den münsterischen Verein Herzenswünsche e.V., der schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen langersehnte Wünsche erfüllt. Für ein Jahr übernimmt der spendenfinanzierte Verein die Kosten der Therapie, die von den Krankenkassen leider nicht getragen werden. „Der Umgang mit Pferden ist eine wunderbare Möglichkeit für junge Patienten, vielfältige Erfahrungen zu sammeln. Das Projekt unterstützen wir sehr gerne“, sagt Vereinsgründerin Wera Röttgering.

Neben der Reittherapie ermöglichte der Förderverein der Kinder- und Jugendpsychiatrie derzeit eine dreimonatige Hundetherapie für die jungen Patienten. Kunststücke üben, Stöckchen werfen und ausgelassen mit den Vierbeinern spielen: Durch den wöchentlichen Umgang mit den Hunden im Garten der Kinder- und Jugendpsychiatrie lernen die Patienten, sich selbst zu behaupten.
„Die Hunde erwecken Emotionen und stellen schnell eine Nähe zu den Kindern her. Daher ist es unser Wunsch, den Patienten diese Begegnung zu ermöglichen, da sie ein wichtiges Zusatzangebot sein kann“, betont die Vorsitzende des Fördervereins Dr. Marlies Averbeck-Holocher, die selber auch als Leitende Oberärztin am UKM tätig ist.

CCCM: Ausgezeichnete Teamarbeit im Kampf gegen Krebs

Mehr als 40 universitäre Kliniken, Organzentren und Institute im Zentrum für Krebsmedizin des UKM (CCCM) überzeugten gemeinsam bei der Qualitätsprüfung im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft. Auch das neue Speiseröhrenkrebszentrum wurde zertifiziert.

Münster (ukm/lie) – Die Versorgung von Krebspatienten stetig verbessern – das ist das Ziel der regelmäßigen Prüfungen durch das unabhängige Institut OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Beim zweiten großen Rezertifizierungs-Audit seit der Erstbegutachtung in 2012 konnte das Team des Zentrums für Krebsmedizin (CCCM – Comprehensive Cancer Center Münster) des UKM (Universitätsklinikum Münster) die Prüfer jetzt in allen Bereichen überzeugen und wurde erneut als fachübergreifendes „Onkologisches Zentrum“ ausgezeichnet.

Insgesamt neun externe Auditoren nahmen zwei Tage lang Strukturen, Zahlen und Arbeitsabläufe in Augenschein. „Beim Kampf gegen Krebs sind schnelles Handeln und die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Experten der unterschiedlichen Fachbereiche besonders wichtig“, erklärt Prof. Dr. Georg Lenz, Leiter des CCCM.

Mit mehr als 40 universitären Kliniken, Abteilungen, Instituten und Organzentren wie z.B. dem Darm-, dem Prostata- und dem neuen, nun ebenfalls zertifizierten Speiseröhrenkrebszentrum bietet das CCCM das größte Spektrum an Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten im Münsterland. „Neben der Krankenversorgung spielen auch die Krebsforschung sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildung von z.B. Medizinstudierenden, Ärzten und Pflegenden eine große Rolle“, sagt Priv.-Doz. Dr. Philipp Lenz, koordinierender Geschäftsführer des CCCM. Darüber hinaus stehen den Patienten im Zentrum auch Psychoonkologen, Mitarbeiter des Sozialdienstes und speziell geschulte Pflegekräfte zur Seite. cccm.ukmuenster.de


Bild: Gemeinsam für mehr Qualität: Im CCCM arbeiten alle an Diagnostik und Behandlung beteiligten Experten und Berufsgruppen eng zusammen. (© Foto UKM/Wibberg)

Adventliche Stimmung im Klinikfoyer

Münster – Adventliche Stimmung machte sich im Foyer der Raphaelsklinik breit, als die Sopranistin und Pianistin Claudia Lawong das erste Weihnachtslied anstimmte und die rund 40 Gäste unter dem überdimensionalen Adventskranz engagiert mitsangen. Eingeladen hatte der „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik“, deren Vorsitzende Gaby Marbach als Moderatorin durch die spätnachmittägliche Veranstaltung führte.

Zwischen den Liedern wurden Weihnachtsgeschichten vorgelesen, den Anfang machte dabei der Schirmherr des Fördervereins und ehemaliger Zoodirektor, Jörg Adler, mit der Geschichte „Die vier Kerzen“. Danach las der onkologische Chefarzt der Raphaelsklinik, Dr. Holger Timmer, eine Geschichte vor, die von seiner Mutter verfasst wurde. Die Masemattekenntnisse der Zuhörer stellte die Autorin Marion Lohoff-Börger auf die Probe, als sie eine Weihnachtsgeschichte in der münsterischen Geheimsprache vorlas. Während der Veranstaltung wurden Kekse verkauft, die von den Auszubildenden des Hotels Kaiserhof gebacken und von der Bäckerei Rötters gespendet wurden.

Insgesamt kamen an diesem Nachmittag 1.000 Euro an Spendengeldern zusammen, die vollständig in die Arbeit des Fördervereins gehen werden, wie Marbach versprach. „Die medizinische und pflegerische Arbeit auf der Station wird von den Kostenträgern finanziert“, erklärte die Vereinsvorsitzende den Zuhörern, machte aber auch klar, dass die Patienten auf einer Palliativstation weitergehende Ansprüche haben als auf einer normalen Krankenstation. „Der Förderverein finanziert zum Beispiel Blumenschmuck auf den Patientenzimmern, Spezialrollstühle oder auch die Arbeit des Musiktherapeuten. Auch beim geplanten Umbau der Station wird sich der Förderverein finanziell engagieren“ berichtete Marbach.

Bild: Während der adventlichen Feier im Foyer der Raphaelsklinik las unter anderem Jörg Adler (l.) Weihnachtsgeschichten vor.

Noch ganz klein – schon brandverletzt! Aktion zum „Tag des brandverletzten Kindes“

Kita-Gruppe lernt anschaulich die Gefahren durch Feuer und heiße Flüssigkeiten kennen / Jährlich 30.000 Kinder mit thermischen Verletzungen / Aktionstag der Plastischen Chirurgien in Münster

Münster (ukm/aw) – Die „Wackelzahnkinder“ der Kindertagesstätte St. Theresia aus Münster hatten einen aufregenden Morgen: Einige von ihnen hielten sich die Ohren zu, als der Rettungshubschrauber des ADAC auf dem Hubschrauberlandeplatz am UKM (Universitätsklinikum Münster) landete. Anschließend konnten die Vorschulkinder die Technik im Innern des Helikopters bestaunen. Doch der Ausflug der Kita-Kinder zum UKM hat einen ernsten Hintergrund: Laut Paulinchen e.V., der Initiative für brandverletzte Kinder, müssen allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 30.000 Kinder mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt werden, 6.000 von ihnen müssen aufgrund ihrer schweren thermischen Verletzungen sogar ins Krankenhaus. „Dreiviertel dieser Kinder sind jünger als fünf Jahre. Wie hoch die Gefahr ist, dass sich gerade die Jüngsten in einem unbeobachteten Moment durch Feuer oder eine heiße Flüssigkeit schlimm verletzen, wird leider oft unterschätzt“, sagt Prof. Tobias Hirsch, der neue Leiter der Sektion Plastische Chirurgie in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM und Chefarzt der Plastischen Chirurgie der Fachklinik Hornheide. „Vorschulkinder ab fünf sind aber kognitiv schon gut in der Lage, die Gefahren abzuschätzen. Mit dem gemeinsamen Aktionstag der Plastischen Chirurgien am UKM und der Fachklinik Hornheide wollen wir aufklären, damit es gar nicht erst zu Unfällen kommt.“ Die Plastische Chirurgie am UKM war erst zu Monatsbeginn durch eine Kooperationsvereinbarung beider Kliniken möglich geworden.

Auch die UKM-Werkfeuerwehr unterstützte den Tag nach Kräften: hier durften die Kinder Feuerwehrautos anschauen und am Ende sogar selbst Feuer löschen.
Paulinchen e.V. ruft jedes Jahr am 7. Dezember zu Aktionstag auf. „Das war sicher nicht unsere letzte Teilnahme heute. Es ist besser, aufzuklären, als dass Kinder die Folgen eines einzigen unbedachten Augenblicks ein Leben lang mit sich tragen müssen“, so Hirsch.

Bild: Vorsicht im Umgang mit Feuer und heißen Flüssigkeiten: Die Wackelzahnkinder bei der UKM-Werkfeuerwehr. (UKM/Hirsch)