Archiv für den Monat: Juli 2018

Wer wird später ein guter Arzt? WWU Münster beteiligt an Studierendenauswahl-Verbund

Hamburg/Münster (mfm/tb) – Viele wollen, nur wenige können: Im Fach Humanmedizin übersteigt die Zahl der Interessenten die der Studienplätze um ein Vielfaches. Rund 2.000 zu 90 ist beispielsweise an der Universität Münster derzeit das Verhältnis. Die Auswahl erfolgt daher einerseits auf der Basis von Quoten – zum Beispiel für die Abiturbesten eines Bundeslandes oder für Bundeswehrärzte – und anderseits durch Auswahlverfahren der Universitäten. So ist es bisher – geplant sind aber Änderungen. Für die soll ein Verbundforschungsprojekt nun die wissenschaftliche Grundlage liefern: An dem neuen Netzwerk „STAV“, das vom Bundesforschungsministerium mit drei Millionen Euro gefördert wird, ist auch die Medizin der Universität Münster beteiligt.

Ziel des „Studierendenauswahl-Verbunds“ (kurz: STAV) ist es, die Qualität der bestehenden Auswahlverfahren für Studienplatzbewerber im Fach Humanmedizin untersuchen und neue Tests zur Messung kognitiver, sozialer und kommunikativer Fähigkeiten der künftigen Medizinstudierenden zu entwickeln. Hintergrund sind die von Bund und Ländern im „Masterplan Medizinstudium 2020“ beschlossene Neugestaltung der Auswahlverfahren sowie die Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach neuen Regeln für die Studierendenauswahl. Beteiligt an STAV sind sechs deutsche Unikliniken und Universitäten; die Koordination liegt am Universitätsklinikum Eppendorf.

Ziel: deutschlandweit einheitliche Tests

Mit STAV wird die Qualität der Konzepte an den verschiedenen Standorten untersucht. Neben den festen Partnern steuern noch 20 weitere Projektbeteiligte ihre Daten bei, um die Vielzahl der in Deutschland eingesetzten Kriterien bewerten zu können. Mit einem gemeinsamen Studierendenauswahlzentrum soll die Einführung wissenschaftlich fundierter, strukturierter und standardisierter Auswahlverfahren an allen deutschen Medizinfakultäten gefördert werden.
Am Ende soll ein Test zu kognitiven Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber stehen, der dann deutschlandweit eingesetzt werden könnte. Auch sollen ein schriftlicher Situational-Judgement-Test und multiple Mini-Interviews zur Messung sozialer und kommunikativer Kompetenzen weiterentwickelt und mit neu entwickelten Qualitätsmessungen der ärztlichen Kompetenz abgeglichen werden.

Bild: Mit ihrem innovativen Auswahlverfahren für Studieninteressenten – hier ein Bild aus der LIMETTE – zählt die Medizinische Fakultät zu den Vorreitern auf diesem Gebiet (© Foto: FZ)

Mediziner der WWU setzen auf Mischung von Kriterien

Münster bringt sein schon seit 2012 praktiziertes hochschuleigenes Verfahren in die Forschung ein: Über die Abiturnote hinaus zählen dort seitdem ein naturwissenschaftlicher Verständnistest, ein Motivationsschreiben und vor allem das Agieren in realitätsnahen Mini-Aktionen. Letztere dienen der Erfassung von interpersonellen, sozialen und motorischen Kompetenzen. Der Studiendekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Bernhard Marschall, schätzt den Wert dieses aufwändigen Verfahrens hoch ein: „Das Bewerberfeld hat sich bei uns seit Einführung des Studierfähigkeitstests stark verändert. Es melden sich nur noch Kandidatinnen und Kandidaten, die sich zutrauen, diesen Anforderungen gerecht zu werden“. Am Ende würden diejenigen zugelassen, die sowohl eine sehr gute Abiturnote mitbringen, als auch andere für Studium und Beruf relevante Kompetenzen unter Beweis gestellt haben. „Es gilt, die besten Kandidatinnen und Kandidaten für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Patienten zu finden“, betont der Studiendekan.

Das von Marschall geleitete Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten koordiniert aufgrund seiner Erfahrungen auf diesem Gebiet bei STAV den Bereich der Multiplen-Mini-Aktionen, auch Multiple-Mini-Interviews genannt. Dabei setzen sich die Bewerber in kurzen Situationen mit verschiedenen Aufgaben auseinander, zum Beispiel interagieren sie mit Schauspielern, äußern sich zu Videoaufnahmen oder zeigen ihre motorische Geschicklichkeit.

Mit der preisgekrönten LIMETTE („Lernzentrum für individualisiertes Tätigkeitstraining und Entwicklung“) verfüge Münster über eine einzigartige Infrastruktur für solche Analysen: Neben einer direkten Observation der Studienbewerber durch verspiegelte Scheiben könnten die Szenen auch auf Video aufgenommen und analysiert werden. Die wesentlichste Säule des münsterschen Forschungsvorhabens sei aber die Arbeitsgruppe von Prof. Mitja Back am Psychologischen Institut der WWU Münster: „Hier erhält das Projekt die methodische und wissenschaftliche Expertise, die für ein aussagekräftiges Ergebnis sorgen wird“, freut sich Marschall auf die kommende Teilverbundleitung bei STAV.

Sorge bereiten ihm allerdings die aktuellen Entwicklungen beim bundesweiten Auswahlverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung (vormals: ZVS). Dort steht eine Software-Überarbeitung an, die es ermöglichen soll, die vom Bundesverfassungsgericht geforderten Änderungen abzubilden. Ein derart kompetenzbasiertes Verfahren wie das in Münster werde in der aktuellen Übergangsphase 2020 nicht stattfinden können, so die Sorge Marschalls.

MitraClip™: Kleine Klammer lindert Herzschwäche bei älteren Patienten

St. Franziskus-Hospital wendet minimal-invasives Verfahren erfolgreich an

Münster – Viele ältere Patienten mit einer undichten Herzklappe (Mitralklappe) können aufgrund von Vorerkrankungen nicht am offenen Herzen operiert werden. Mit dem sogenannten „MitraClip™-Verfahren“ kann ihr geschwächtes Herz entlastet werden. Dieses Katheter-Verfahren wird seit einigen Monaten im St. Franziskus-Hospital Münster angewandt. Rund 30 Clips wurden mittlerweile erfolgreich implantiert. „Dass wir diesen innovativen Eingriff bei uns nun durchführen, verbessert die medizinische Versorgung gerade für ältere Patienten deutlich“, berichtet Dr. Christian Reiner, Leiter des Departments Elektrophysiologie.

Eine seiner Patientinnen ist die 85-Jährige Christa Kissenkötter. Seit ihrem Renteneintritt vor 20 Jahren ist sie leidenschaftliche Orgelspielerin. Sie spielt in zahlreichen Gottesdiensten und erfreut Bewohner in Altenheimen. Vor drei Jahren begannen ihre Herzprobleme und die damit verbundene Luftnot. Anfangs war sie ab und zu aus der Puste, später konnte die gebürtige Beckumerin den kurzen Weg von der Haustür zum Auto kaum mehr bewältigen. „Alles wurde sehr beschwerlich. Ich habe bei jedem Schritt um Luft gerungen. Das Schlimmste für mich war, dass ich keine Orgel mehr spielen konnte“, berichtet Christa Kissenkötter. Nach einigen Untersuchungen stand fest, dass sie einen altersbedingten, primären Klappenfehler an der Mitralkappe hat.

Die Ursachen hierfür sind oftmals eine Entzündung, Alterung oder eine angeborene Verdickung. In einer herzchirurgischen Operation wird die Klappe üblicherweise repariert oder ersetzt. Das Risiko für eine Operation am offenen Herzen ist bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen allerdings oft stark erhöht. Hier kann die Behandlung mit einem MitraClip™ eine sinnvolle Alternative sein.

Bild: Dr. Christian Reiner (r.) und Dr. Jan Lübbesmeyer (l) freuen sich mit Christa Kissenkötter über den Erfolg des MitraClip-Eingriffs.

Mit ihrem Herzproblem stellte sich Christa Kissenkötter in der fachübergreifenden Herzteam-Visite im St. Franziskus-Hospital Münster vor. Dr. Christian Reiner und sein Team, Prof. Dr. Michael Möllmann als Chefarzt der Klinik für Anästhesie des Franziskus Hospitals sowie die Herzchirurgen des Universitätsklinikums Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Sven Martens wägen in dieser Visite gemeinsam das OP-Risiko der Patienten ab und legen die beste Therapie (offene OP oder Clip) fest. Das Herz der 85-Jährigen war schon sehr geschwächt und eine OP zu riskant, sodass sich die Ärzte gemeinsam mit der Patientin für das Clip-Verfahren entschieden haben.
Der Eingriff erfolgt dabei über die Leistenvene, sodass der Brustkorb nicht geöffnet werden muss. Über die Vorhofscheidewand wird ein spezielles Einführbesteck in den linken Vorhof gebracht. Darüber wird dann der Clip unter Röntgen- und Ultraschallkontrolle am Ort der größten Klappenundichtigkeit positioniert und geschlossen.

Der Eingriff bei Christa Kissenkötter ist nun einige Wochen her. Sie kann jetzt wieder ohne Rollator gehen, Fahrrad fahren und vor allem ihrem geliebten Hobby nachgehen: „Ich bin vor kurzem das erste Mal in der Kirche die Treppe zur Orgel hochgegangen. Ganz ohne Pause und Luftnot“, erzählt sie stolz. „Die Implantation war sehr erfolgreich. Es ist schön zu sehen, dass es der Patientin so gut geht“, freut sich Assistenzarzt Dr. Jan Lübbesmeyer. Die Herzschwäche der passionierten Orgelspielerin besteht allerdings weiterhin: „Wir können den Herzfehler mit dem Clip nicht komplett beheben. Aber wir können die Beschwerden lindern und damit die Lebensqualität der Patienten verbessern. Das rechtfertigt den Eingriff und den hohen Organisationsaufwand, der damit verbunden ist“, so Dr. Reiner.

Lebensretter Fahrradhelm

Eine Palette, die sich in einer Baustelle verselbstständigt hat, hätte Klaudia Ahlers fast das Leben gekostet. Mit schwersten Verletzungen wird sie ins UKM eingeliefert – und wirbt jetzt mit der Verkehrswacht Münster für das Tragen eines Fahrradhelms.

Münster (ukm/maz) – Weiß und blutverschmiert: So sieht Klaudia Ahlers Fahrradhelm auch drei Monate nach ihrem Unfall aus, der sie ohne Helm vermutlich das Leben gekostet hätte. Um 5.30 Uhr verunglückte die 53-Jährige in der Dunkelheit in einer Baustelle an der Hammer Straße, in der eine Palette auf dem Radweg lag. „Ab dann ist für mich alles wie im Nirwana“, erzählt die Verwaltungsangestellte. Erst im UKM (Universitätsklinikum Münster) kommt sie wieder zu Bewusstsein, wo sie anfangs in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie von Prof. Dr. Michael Raschke und im weiteren Verlauf in der Klinik für Neurochirurgie vom Team um Prof. Dr. Walter Stummer versorgt wird. Mittlerweile befindet sich Ahlers in der ambulanten Reha, nach wie vor ist sie berufsunfähig. Neben der Sprache und Wortfindungsstörungen, für die sie logopädische Therapie erhält, macht auch ihre rechte Hand noch Probleme. „Nach dem Unfall waren die Finger immer gekrümmt, quasi als Faust zusammengezogen, mittlerweile kann ich die Hand schon wieder öffnen und auch Dinge greifen“, sagt Ahlers, die bereits seit über 20 Jahren einen Fahrradhelm trägt – aus Überzeugung.

Bild: Christoph Becker (r.) demonstriert an einer Wassermelone, dass es bei dem Tragen ohne Helm zu schweren Verletzungen und einem Schädelbruch kommen kann. Prof. Dr. Michael Raschke zeigt die Bruchstelle von Klaudia Ahlers Fahrradhelm, der der 53-Jährigen vermutlich das Leben gerettet hat.

Allerdings gehört sie damit auch in der Fahrradstadt Münster zu einer kleinen Gruppe: „Nur 15 Prozent der Radfahrer tragen Helm“, weiß Christoph Becker von der Verkehrswacht Münster, der diesen Sommer gemeinsam mit Klaudia Ahlers besonders Fahrer eines E-Bikes oder Pedelecs für das Tragen eines Helms sensibilisieren möchte. „Immer mehr Radler nutzen wie Frau Ahlers den schnellen Elektroantrieb, Stürze haben dann aber noch dramatischere Folgen“, so Becker. Vorbild ist für ihn die Schweiz. „Dort konnte innerhalb von zehn Jahren die Helmquote von 15 auf 50 Prozent gesteigert werden.“ Ein Ziel, das auch Prof. Dr. Michael Raschke begrüßen würde: „Wir sehen leider regelmäßig verunfallte Patienten, die anders als Frau Ahlers keinen Helm getragen haben, deren Verletzungen verhindert oder zumindest deutlich geringer hätten ausfallen können.“

Klaudia Ahlers ist mittlerweile schon wieder auf ihr Fahrrad gestiegen; im Rahmen der Reha gehört auch das Radfahren zur Therapie. „Eine Dreiviertelstunde schaffe ich schon und ich hoffe, dass ich noch weitere Fortschritte mache“, freut sich die Münsteranerin über jeden Therapieerfolg – auch wenn die Rückkehr in den Alltag derzeit noch in weiter Ferne liegt.

Das Schütteltrauma ist die schwerste aller Kopfverletzungen bei Säuglingen

Schütteln ist lebensgefährlich, wie die Zahlen des EU-geförderten Schädelhirntrauma-Registers zeigen. Selbst Stürze aus großer Höhe verlaufen meist harmloser.

Münster (ukm/maz) – Ein Baby schreit und schreit und schreit. Über Stunden. In der Verzweiflung wird es geschüttelt, nur wenige Sekunden. Aber die Folgen bleiben meist ein Leben lang. „Ein Schütteltrauma gehört zu den schlimmsten Schädelhirntraumata (SHT), die wir kennen. Viele Kinder sind danach schwerstbehindert“, sagt der Kinderneurologe Prof. Dr. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Allgemeine Pädiatrie am UKM (Universitätsklinikum Münster) und Koordinator des SHT-Registers, einem von der EU und dem Land NRW geförderten Projekt im Münsterland. Im Schnitt werden fünf Kinder pro Jahr am UKM mit Schütteltrauma behandelt, im vergangenen Jahr ist ein Säugling sogar an seinen Verletzungen verstorben.

Abbildung: Aktuelle Zahlen aus dem SHT-Register: Unfallursachen bezogen auf den Schweregrad des Schädelhirntraumas

Denn die Schäden durch Schütteln sind deutlich schwerer als bei Stürzen aus einer Fallhöhe von über einem Meter, wie aus den aktuellen Zahlen des klinischen Registers hervorgeht. „Wir unterscheiden in der Medizin bei einer Schädelhirnverletzung zwischen Schweregrad I, einer Gehirnerschütterung, und den Schweregraden II oder III. Bei allen Verletzungsmustern, seien es Stürze, Schläge oder Unfälle, sind deutlich mehr als die Hälfte der Patienten Kategorie I (67,8%), nur ein kleiner Teil verteilt sich auf II (23,8%) und III (8,4%)“, erklärt Maike Rödiger, die das SHT-Register gemeinsam mit Omran betreut. Absolute Ausnahme sei demnach das Schütteltrauma: „Hier gibt es keine bloße Gehirnerschütterung, alle Fälle sind ausnahmslos Schweregrad II (60%) oder III (40%)“, so die Kinderärztin. Die Folgen sind dramatisch: Sie reichen von Entwicklungsverzögerungen und -defiziten bis hin zu Schwerstbehinderungen. „Wir haben Fälle gesehen, bei denen viele lebenswichtige Regionen des Gehirns zerstört waren“, sagt Rödiger.

Dabei verfügt der Kopf grundsätzlich über einen sehr guten Schutzmechanismus. „Unser Gehirn schwimmt in Flüssigkeit und ist damit bis zu einem gewissen Grad vor Stürzen oder Stößen geschützt“, erklärt Heymut Omran. Beim Schütteln funktioniere diese Pufferfunktion durch das schnelle Hin- und Herbewegen jedoch nicht mehr und die vorhandenen, klitzekleinen Brückenvenen zwischen Gehirn und Schädeldecke zerreißen, Blutungen entstehen. Bei einem schweren SHT sind die Auswirkungen sofort sichtbar, das Kind ist schläfrig, fast komatös. In anderen Fällen dauert der Verlauf wenige Tage, manchmal sogar Wochen, bis die Sickerblutungen den Druck im Schädel so erhöht haben, dass das Kind lethargisch und ein Arzt aufgesucht wird.

Bild: Prof. Dr. Heymut Omran und Kinderärztin Maike Rödiger vom UKM zeigen am MRT-Bild die Verletzungen eines Schütteltraumas.

Für Mediziner geben solch eine Wesensveränderung mit Schläfrigkeit und eine geschwollene Fontanelle Hinweise auf ein mögliches Schütteltrauma, zudem sind Netzhautblutungen in den Augen ein klares Anzeichen. Die Bildgebung gibt Aufschluss, wie ausgeprägt die subduralen Blutungen sind. Mittels Drainagen wird dann für Druckentlastung gesorgt, ein Prozess, der Tage oder Wochen dauern kann. Anschließend erfolgt je nach Ausprägung eine Rehabilitationsmaßnahme. Das Tragische: „Ein Teil der Schäden könnte verhindert werden, wenn frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden würde“, so der Kinderneurologe.

Generell gilt: Jedes ruckartige Vor- und Zurückbewegen eines Säuglings ist verboten. „Suchen Sie mit einem Schreibaby Hilfe bei Ihrem Kinderarzt“, rät Heymut Omran. „Die Kollegen können auf ein großes Netzwerk an Beratungsstellen zurückgreifen. Und ganz wichtig: Sollte es zu einer Kurzschlussreaktion gekommen und ein Kind tatsächlich geschüttelt worden sein, fassen Sie sich ein Herz und suchen einen Arzt auf. Früh erkannt kann selbst erst bei kleinsten Einblutungen bereits eine Druckentlastung im Kopf erfolgen und schwere Folgen können verhindert werden.“

Goldvögel schweben für den guten Zweck

Münster – Eigentlich sollten sie nur in der Zeit des dreiwöchigen City-Advents über den Köpfen der Besucher der Überwasserkirche schweben, die 3.333 goldenen Vögel der Künstlerin Ruth Blanke. „Dieser City-Advent war sehr erfolgreich, rund 25.000 bis 30.000 wollten sich die Ausstellung anschauen“, berichtet Rupert König, Leiter des Kirchenfoyers und Initiator der Kunst-Installation. Begeistert von diesem Erfolg beschloss die Kirchengemeinde, den „Vogelflug“ bis Pfingsten zu verlängern. Offenbar haben sich die goldenen Flattermänner inzwischen derart nachhaltig in die Herzen der Verantwortlichen gemogelt, dass niemand die Schere anlegen wollte, um die dünnen Nylon-Schnüre, an denen die Vögel hängen, zu kappen. Dann kam der Katholikentag und mit ihm die Ausstellung „10 Gebote“ von Udo Lindenberg aber auch der Panik-Rocker schien kein Interesse daran gehabt zu haben, dass die Installation den Abflug macht: „Die Vögelchen dürfen ruhig weiterzwitschern“, wie König in perfekter Lindenberg-Parodie berichtet. Zu guter Letzt war es ein Brautpaar, das den Abbau verhinderte, „die wollten unbedingt unter den goldenen Vögeln getraut werden“.

Bild: Freuen sich über die Spendenbereitschaft der Besucher der Ausstellung in der Überwasserkirche (v.l.): Schwester Klara Maria Breuer (Treffpunkt), Klaus Herold (Kirchenfoyer), Stadtdechant Jörg Hagemann, Ludgera Stadtbäumer (Fundraising), Matthias Eichbauer (Treffpunkt), Rupert König (Kirchenfoyer) und Sabine Junglas (Alexianer Misericordia)

Jetzt ist die Deadline aber endgültig festgelegt, am 17. Juli werden die Vögel abgehängt und vorsichtig in Kartons verstaut. Während der gesamten Zeit konnten die Besucher der Überwasserkirche Geld spenden, wovon sie ausgiebig Gebrauch machten. Insgesamt kamen auf diese Weise 7.239,11 Euro zusammen, die nun dem Leiter des Treffpunkts „An der Clemenskirche“, Matthias Eichbauer, übergeben wurden. Stadtdechant Jörg Hagemann nahm die Übergabe vor, währen über ihm die goldenen Vögel bedächtig weiterbaumelten. „Das künstlerische Projekt sollte nicht abgehoben sondern bodenständig sein. Die Arbeit des Treffpunkts für Menschen in sozialer Notlage ist überaus wichtig“, wie der Stadtdechant erklärt. Ludgera Stadtbäumer vom Fundraising der Alexianer Misericordia, die den Treffpunkt betreibt, hebt hervor, dass die Organisatoren des City-Advent sich mit dieser Aktion für Menschen engagiert haben, die am Rande der Gesellschaft stehen, „das ist bürgerschaftliches Engagement im besten Sinne!“

„Von der beeindruckenden Summe werden wir bevorstehende Renovierungsarbeiten und die Fortbildungen unserer 23 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanzieren“, sagt der Einrichtungsleiter Mattias Eichbauer. Außerdem würden im laufenden Betrieb immer wieder Kosten anfallen, die damit aufgefangen werden könnten. „Das ist wirklich sehr viel Geld“, betont Eichbauer, fast noch wichtiger sei ihm allerdings, dass durch die spektakuläre Kunstaktion die Menschen auf die Arbeit des Treffpunkts „An der Clemenskirche“ aufmerksam geworden sind.