Archiv für den Monat: Juni 2018

OP-Roboter: UKM eröffnet erstes interdisziplinäres Robotik-Zentrum in der Region

Neben Einsatz in der Urologie nun zweiter OP-Roboter für minimalinvasive Verfahren am UKM / Computergesteuerte Unterstützung des Chirurgen bei sogenannten „Schlüsselloch-OPs“

Münster (ukm/aw) – Mit dem Stichtag 1. Juli wird am UKM (Universitätsklinikum Münster) der Grundstein für das erste interdisziplinäre Robotik-Zentrum der Region gelegt. „Mit Beginn der zweiten Jahreshälfte startet am UKM die Ära Chirurgie 4.0: Neben der Klinik für Urologie sind wir ab jetzt in der Lage, einen zweiten da Vinci® in der Chirurgischen Klinik einzusetzen. Bisher haben wir das nur bei minimalinvasiven urologischen Operationen wie zum Beispiel besonders nervenschonenden Eingriffen an der Prostata und komplexen Nieren- und Harnblasenoperationen gekonnt“, so der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKM, Univ.-Prof. Robert Nitsch.

Univ-Prof. Andreas Pascher, seit April neuer Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, ist ausgewiesener Spezialist auf dem Gebiet der minimal-invasiven und roboterassistierten Operationsverfahren. Er hat schon an der Berliner Charité langjährige Erfahrungen mit diesen innovativen OP-Techniken gesammelt und will den Einsatz von da Vinci® am UKM weiterentwickeln: „Insbesondere in der Krebsmedizin verbessert die durch Menschenhand nicht zu überbietende Präzision von OP-Robotern die Behandlungsmöglichkeiten. Vor allem bei der Entfernung von Tumoren des Enddarmes, der Speiseröhre, des Pankreas und der Leber ermöglicht die Robotik uns Chirurgen eine besonders exakte und schonende Durchführung. Wichtig ist, dass der Patient weiß, dass die OP niemals in der Hand des Roboters alleine liegt.“

Bild: Operations-Roboter da Vinci® in Aktion. ©Foto (UKM/Deiters)

Die Operationen mit da Vinci® werden über zentimeterkleine Bauchschnitte durchgeführt. Der Operateur hat durch eine dreidimensionale Full-HD-Videokamera mit mehr als zehnfacher Vergrößerung während des Eingriffs exzellente Sicht auf feinste Strukturen innerhalb des Körpers. Alle Bewegungen der vier Instrumentenarme des Roboters werden bei den Operationen vom Chirurgen an einer Konsole selbst ausgeführt und hochpräzise und zitterfrei übertragen. Selbstständige Bewegungen führt das System nicht aus. Außerdem steht bei jeder Operation ein zweiter Chirurg am OP-Tisch, der den Operateur bei seiner Arbeit direkt am Patienten unterstützt. „Der Vorteil der robotergestützten minimalinvasiven Operationstechniken liegt nicht nur in der Hochgenauigkeit. Gleichzeitig ist der Patient schneller wieder fit, weil er keine großen Operationswunden und später nur kleine Narben hat. Auch der Blutverlust ist deutlich geringer als bei herkömmlichen OPs.“
Derzeit wird das neue da Vinci®-System eingerichtet. „Wir haben pünktlich zum Start des ersten interdisziplinären Robotik-Zentrums in der Region auch neue erfahrene chirurgische Oberärzte gewinnen können, die das System bedienen und andere Ärzte im Umgang damit unterweisen können“, so Pascher. Er freut sich auf den Einsatz des Roboters, den er zur Bedingung gemacht hatte, um nach Münster zu kommen: „Wir werden uns am UKM maßgeblich daran beteiligen, die Zukunft der Chirurgie in den nächsten 20 Jahren mitzugestalten. Die Zukunft der Chirurgie ist computerbasiert. Das meint neben Virtual Reality auch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz: Chirurgie 4.0 bedeutet die beste Umsetzung des Handwerks eines Chirurgen unter Zuhilfenahme von Hochtechnologie.“

Hantaviren: Die Gefahr aus der Garage

Münster (ukm/aw) – Infektionen mit Hantaviren sind – auch bedingt durch den Klimawandel – in Deutschland auf dem Vormarsch. Im vergangenen Jahr wurden beim Robert-Koch-Institut mehr als 1.700 Fälle der meldepflichtigen Erkrankung angezeigt. Hauptausbruchregionen waren unter anderem das Münsterland und das Tecklenburger Land. Dazu der Leiter des Instituts für Molekulare Virologie und Standortleiter der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen, Prof. Stephan Ludwig, im Interview.

© Foto (Peter Grewer): Prof. Dr. med. Stephan LudwigHerr Prof. Ludwig, das Hantavirus ist nicht unbedingt jedem bekannt: Wo kommt es vor und welche Auswirkungen hat es, wenn ich mich damit infiziere?
Das Hantavirus kommt weltweit vor. In Mitteleuropa haben wir im Prinzip zwei Stämme: Der eine kommt aus Finnland und ein weiterer vom Balkan. Die hiesigen Hanta-Arten sind nicht so lebensbedrohlich wie andere Hantaviren beispielsweise in Südostasien oder auch in den USA. Aus Südostasien – nämlich aus Korea – hat das Virus auch seinen Namen: Dort fließt der Fluss Hantan und in dessen Nähe haben sich im Korea-Krieg viele Soldaten infiziert. Angezeigt wurden 3.000 Fälle von schwerem Fieber und auch Nierenversagen mit damals unbekanntem Ursprung. Da hat das Virus seinen Lauf genommen. Wie gesagt: In Mitteleuropa sind diese Stämme nicht so pathogen, also nicht so aggressiv. Wir haben hier eine Sterblichkeit von etwa einem Prozent. In Südostasien und den USA verursachen die dortigen Stämme eine Mortalität von bis zu dreißig Prozent, wobei man sagen muss, dass die Dunkelziffer vielleicht noch höher ist.

Trotzdem verzeichnete das Robert-Koch-Institut 2017 viele Fälle von Hanta-Infektionen

Ja, da kommen wir zu dem Punkt: Was geht uns das denn hier alles an? Die Viren haben einen Wirt im Tierreich – das sind hier in Mitteleuropa die Rötelmäuse. Infizierte Mäuse tragen das Virus ein Leben lang, werden aber selbst nicht krank. Sie scheiden aber den Erreger insbesondere mit dem Kot aus. Der Klassiker der Infektion in unserem Bereich ist, dass man sich über den Staub von Mäusekot durch die Luft aerosolisch infiziert – etwa beim Ausmisten der Garage, des Kellers oder des Geräteschuppens. Insofern kann es jeden treffen, betrifft aber häufig auch Menschen, die in der Natur arbeiten, etwa im Wald, wo es viele Rötelmäuse gibt.

Was kann ich tun, um eine Infektion zu vermeiden?
Zunächst kann ich mir mit Atemmasken behelfen, diese sollten aber besonders dicht sein. Oder man feuchtet das Arbeitsumfeld ein wenig an, so dass der Staub nicht aufgewirbelt wird. Wenn man in so einem Umfeld gearbeitet hat und dann plötzlich sehr schnell sehr hohes Fieber bekommt, Kopf- und Gliederschmerzen hinzukommen, Sehstörungen oder sogar Probleme mit den Nieren, dann sollte man das unbedingt seinem Arzt mitteilen! Denn gerade in den ersten Tagen würden auch Ärzte die Symptome wohl mit einer Grippe verwechseln, vor allem wegen der starken Kopf- und Gliederschmerzen. Neben der Infektionsquelle durch Mäusekot kann man sich übrigens auch infizieren durch Mäusebisse oder den Verzehr von Lebensmitteln, die von Mäusen angeknabbert wurden. Auch Tierfutter wird gerne von Mäusen befallen.

Wie spielt da der Klimawandel mit hinein?
Das Hantavirus ist ein sehr schönes Beispiel dafür, wie Gesundheit, Virologie, Ökologie, und Klimaveränderung zusammenhängen. Denn die Ansteckungsgefahr hat offensichtlich immer etwas zu tun mit der Zahl der Rötelmäuse, die es gerade in der Saison gibt. Rötelmäuse ernähren sich insbesondere von Bucheckern und wir haben wiederkehrend etwa alle zwei, drei Jahre eine Phase, in der es sehr viele davon gibt. Im Folgejahr dieser sogenannten Buchenmast gibt es dann sehr viel mehr Rötelmäuse. Dementsprechend steigt auch die Zahl der Infektionen mit dem Hantavirus in der Saison, wie das 2017 der Fall war. Das Ganze hat auch deshalb etwas mit dem Klimawandel zu tun, weil die Mäuse nicht mehr durch kalte Winter dezimiert werden.

Wie behandelt man eine Infektion mit Hantaviren?
Infektionen werden meist nur hinsichtlich ihrer Symptome behandelt, mit Schmerzmitteln oder Medikamenten zur Aufrechterhaltung der Nierenfunktion. Es gibt weder eine Impfung noch antivirale Medikamente, da sucht man fieberhaft.

Gibt es in Deutschland Forschungsinitiativen die sich mit der Verbreitung des Hantavirus und möglichen Therapien befassen?
Wir hier in Münster sind Koordinationsstandort der Nationalen Forschungsplattform für Zoonosen. Das reicht von der Durchführung von Veranstaltungen bis hin zur Begutachtung von Forschungsanträgen. Und da beschäftigen wir uns tatsächlich in spezifischen Netzwerken mit dem Bereich der durch Nagetiere übertragenen Zoonosen, wie der Infektion mit dem Hantavirus. Auf diesem Feld sind insgesamt rund 600 Wissenschaftler aus der Humanmedizin, der Tiermedizin und der Forschung engagiert, etwa die Hälfte von ihnen nimmt an unseren jährlichen Zoonose-Kongress teil. Das ist ein großer Erfolg, weil er die ursprüngliche Kluft zwischen Human- und Tiermedizin aber auch anderen Forschern überbrückt und wir gemeinsam in sehr vielen integrativen Projekten an der Bekämpfung von Zoonosen arbeiten. Ein großes Projekt befasst sich mit dem Auftreten und der Belastung von Nagern unter anderem mit dem Hantavirus.

Sie sagten, dass es letztlich kein antivirales Medikament zur Behandlung einer Infektion gibt? Kann das nicht zur großen Gefahr werden?
Es gibt gegen viele Viren einfach noch kein Mittel, auch weil Viren die Eigenschaft haben, sich ständig in ihrem Aufbau zu verändern, so dass die Viren sich der Entwicklung eines treffsicheren Medikamentes leicht zu entziehen wissen. Wenn man dann noch davon ausgeht, dass die Entwicklung eines Medikaments rund 10o Millionen Euro kostet und dass zum Beispiel von Hantaviren nur eine kleine Gruppe von Patienten betroffen ist, dann hat man noch eine zusätzliche Idee, warum es das noch nicht gibt. Letztlich müssen wir an der Entwicklung eines Breitband-Antiinfektivums arbeiten. Genau das tun wir hier. Wir haben erste Hinweise darauf, dass unsere Ansätze perspektivisch auch gegen Hanta wirksam sein könnten. Wir nutzen dabei aus, dass jedes Virus eine Zelle braucht, um sich zu vermehren, d.h. es ist abhängig von Faktoren in dieser Zelle. Wenn wir ihnen diese Grundlage zur Vermehrung entziehen, kann das Virus so einen Angriff schwer umgehen. Vereinfacht ausgedrückt: Wir nehmen dem Virus seine Verbreitungsgrundlage.

Langjähriger Einsatz wird feierlich gewürdigt

Münster – „Die Jubilarin, die am längsten bei uns ist, hat Urlaub und kann leider nicht hier sein. Den hat sie sich nach 45 Jahren aber auch verdient“, begann Reinhild Everding, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, mit einem Augenzwinkern die feierliche Zusammenkunft der Rentner und Jubilare des Clemenshospitals. Eva Pascoal blickt auf stolze 45 Jahre Zugehörigkeit zum Clemenshospital zurück und wurde zeitgleich in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Im Namen der Betriebsleitung bedankte sich auch Verwaltungsdirektor Andreas Mönnig bei allen Jubilaren für die langjährige Tätigkeit.

Auf 40 Jahre im Clemenshospital und anderen Einrichtung der Caritas kann Petra Aupers zurückblicken. Gleich acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit 30 Jahren im Clemenshospital tätig: Sr. Bertholde, Sonja Falke, Marion Papenbrock, Elisabeth Revering, Ute Tasch-Kösters, Dr. Wolfgang Tebbe, Hildegard Tönsing und Heike Trostheide.

Bild: Mehr als 50 Rentner und Jubilare wurden im Clemenshospital bei einer Feier geehrt.

Veronika Baumeister, Rüdiger Dame, Ilka Gabriel, Gisela Loercks, Simone Lucht, Sabine Vogt, Natascha Wessel und Anke Wolke arbeiten seit 25 Jahren im Clemenshospital oder in einer anderen Caritaseinrichtung. 25 Jahre im Clemenshospital arbeiten Martin Bruns und Andreas Hackfort. Heike Pennekamp, Davorka Puljic, Zeliha Roters und Mechthild Schotte haben die 25 Jahre noch nicht am Clemenshospital, dafür aber bei einer anderen Einrichtung der Caritas voll und wurden dafür geehrt. Dr. Antonius Beermann, Vera Czajka, Petra Döbbe, Petra Mühlenkamp, Marita Philipp, Julia Pupp und Angelika Tomm wurden für ihre 20-jährige Zugehörigkeit zum Clemenshospital geehrt.

Seit zehn Jahren arbeiten Dunja Adeil-Obeidi, Ahmed Benziane, Priv.-Doz. Dr. Otfried Debus, Stefanie Feldmann, Andrea Frye, Andrea Gierse, Katrin Greve, Priv.-Doz. Dr. Jan Groetzner, Florian Hülsmann, Nadine Jüttner, Kerstin Kaste, Martina Leveringhaus, Stefanie Lindner, Gülsen Sular, Sabine Valenti und Birgit Wennemer im Clemenshospital. Für ihre zehnjährige Mitarbeit in der Alexianer Misericordia Trägergesellschaft wurden Rainer Drees, Jutta Hoffmann und David Lohoff geehrt.

In den Ruhestand wurde neben Eva Pascoal auch Elisabeth Gortheil verabschiedet.