Archiv für den Monat: Mai 2018

Hoffnung bei Hirntumoren: Neue Therapien (z.B. endritische Zelltherapie) ermöglichen wertvolle Lebenszeit

Impfung gegen Krebs mittels dendritischer Zelltherapie, Wirbelsäulen- und Epilepsiechirurgie sowie intraoperatives Imaging sind Schwerpunkte der Jahrestagung der Gesellschaft für Neurochirurgie vom 3. bis 6. Juni in der Halle Münsterland mit rund 1200 Experten

Münster (ukm/maz) – Heilbar sind sie noch nicht, aber die Therapie bösartiger Hirntumoren hat in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte gemacht: Mit immer weiter verfeinerten OP-Techniken, moderner intraoperativer Funktionsüberwachung und Bildgebung geht die Überlebenszeit beim Glioblastom, einer der schlimmsten Erkrankungen, von ein paar Monaten mittlerweile hin zu einigen Jahren – und das bei oftmals guter Lebensqualität. „Unser Ziel ist es, auch bei den unheilbaren Erkrankungen eine möglichst lange, gute Prognose für die Patienten zu schaffen“, sagt Prof. Dr. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie, deren 69. Jahrestagung vom 3. bis 6. Juni in der Halle Münsterland stattfindet.

Als ein Hoffnungsträger gilt derzeit die sogenannte dendritische Zelltherapie, quasi eine Impfung gegen Krebs. „Die Forschung ist auf einem guten Weg und im Rahmen der Düsseldorfer GlioVax-Studie wird zum Beispiel aktuell untersucht, ob eine Impfung zusätzlich zur Standardtherapie mit OP und Radiochemotherapie die Überlebenszeit für Glioblastom-Patienten verlängern kann“, sagt Stummer. Dafür werden körpereigene Abwehrzellen aus dem Blut des Patienten mit Zellen des entnommenen Tumorgewebes gewissermaßen umprogrammiert. Sie präsentieren dann dem Immunsystem Eiweiße der Tumorzellen und können so andere körpereigene Immunzellen, welche gegen diese Eiweiße gerichtet sind, aktivieren. Diese Abwehrzellen sollen die nach der Operation verbliebenen Tumorreste, so die Hoffnung der Forscher, zerstören beziehungsweise das Wachstum hemmen.

Stummer selbst gilt international als höchst ausgewiesener Spezialist im Bereich der Hirntumorchirurgie und Wegbereiter intraoperativer Bildgebung. Das von ihm entwickelte Verfahren der 5-ALA Fluoreszenz erhöht die Chance, maligne Gliome zu entfernen erheblich – und verbessert damit die Prognose der Patienten nachweislich. In Deutschland vor zehn Jahren erstmals vorgestellt, hat dieses jetzt auch die Markzulassung der amerikanischen Behörde FDA erhalten – und ist damit bislang weltweit konkurrenzlos.

Insgesamt präsentieren und diskutieren rund 1200 Mediziner während des viertägigen Kongresses aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, neue Therapieansätze und Herausforderungen. Zentrale Schwerpunkte sind neben den neuroonkologischen Themen die Wirbelsäulenchirurgie, Epilepsiechirurgie und Intraoperatives Imaging. Zu Gast sein werden im Rahmen eines Joint-Meetings erstmals auch zwei lateinamerikanische Fachgesellschaften: aus Mexiko und Kolumbien.

Bauchaortenaneurysma: Eine tickende Zeitbombe

Münster – Siegfried Thiemann hatte Glück im Unglück, durch einen Zufall wurde bei ihm während einer Routineuntersuchung vor 18 Jahren eine Aussackung der Bauchschlagader entdeckt, ein Bauchaortenaneurysma. „Eine solche Veränderung macht leider keine Beschwerden“, erklärt Dr. Jean-Nicolas Beck, Leitender Oberarzt (Gefäßchirurgie) der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie des Clemenshospitals. Dabei handelt es sich um eine tickende Zeitbombe. Sollte eine solche Aussackung platzen, besteht wegen des großen Blutverlustes akute Lebensgefahr. Für Siegfried Thiemann bedeutete die Diagnose zunächst, dass er regelmäßig zum Arzt gehen musste, um die Größe des Aneurysmas überwachen zu lassen. „Wenn die Aussackung eine Größe von fünf Zentimetern erreicht, muss gehandelt werden“, erklärt der Gefäßchirurg.

Im Januar war es so weit, über kleine Schnitte in der Leistengegend wurde mit einem Katheter unter Röntgenkontrolle ein elastisches Metallgeflecht, ein sogenannter Stent, eingesetzt. Der Eingriff unter Vollnarkose dauert zwischen einer und drei Stunden, je nach Patient. „Nach dem Eingriff musste ich zwei Tage im Bett liegen, Schmerzen hatte ich aber nicht. Nach einer Woche konnte ich nach Hause gehen“, berichtet der 77-Jährige Dülmener. „Es gibt für Patienten nach einem solchen Eingriff keine Einschränkungen, in der ersten Zeit muss nur mit regelmäßigen Ultraschall-Untersuchungen überwacht werden, dass alles gut verläuft“, erklärt Beck.

Den Betroffenen kommen die Fortschritte in der Medizin zugute: „Die moderne Technik ermöglicht heutzutage, viele Eingriffe mit einem Katheter vorzunehmen, für die früher große Bauchoperationen notwendig waren. Das ist für den Patienten wesentlich weniger belastend“. Gerade Patienten, die älter als 65 Jahre sind, empfiehlt Dr. Jean-Nicolas Beck dringend, bei der Vorsorgeuntersuchung auch die Bauchschlagader untersuchen zu lassen. „Wenn in Ihrer Familie bereits jemand ein Bauchaortenaneurysma hatte, Sie Raucher sind oder einen erhöhten Blutdruck haben, sollten Sie diese Untersuchung unbedingt bereits in jüngerem Alter wahrnehmen“, rät der Gefäßchirurg.

Am Samstag, den 26. Mai, besteht im Clemenshospital, Düesbergweg 124, von 10 bis 13 Uhr die Möglichkeit, eine kostenlose Bauchaortenuntersuchung vornehmen zu lassen. Dabei handelt es sich um eine kurze, ungefährliche Ultraschalluntersuchung des Oberbauchs. Um eine telefonische Anmeldung unter 0251 976-2351 wird gebeten.

Bild: Dr. Jean-Nicolas Beck (l.) zeigt Siegfried Thiemann und seiner Frau Elisabeth Aufnahmen des Computertomographen mit dem Bauchaortenanaurysma

Treffpunkt „An der Clemenskirche“: 40 Jahre Engagement für Menschen in sozialen Notlagen

Münster – Obwohl der Treffpunkt „An der Clemenskirche“ nur wenige Schritte vom Erbdrostenhof entfernt zentral in Münsters Innenstadt liegt, ist er vielen Bürgern unbekannt. Und wer ihn aus eigener Erfahrung kennt, erzählt nicht unbedingt gerne darüber, aus Scham. Vor 40 Jahren wurde die Einrichtung für Menschen in sozialen Notlagen von den Clemensschwestern gegründet und seine Bedeutung hat in vier Jahrzehnten nichts von seiner Aktualität verloren. „Waren es anfangs überwiegend Wohnungslose, die zu uns gekommen sind, finden sich heute immer mehr Menschen mit psychischen Problemen unter den Gästen“, berichtet Heinrich Klockenkemper, der als ehrenamtlicher Mitarbeiter vom ersten Tag an mit dabei war.

Untrennbar mit der Geschichte des „Treffpunkts“ verbunden ist der Name der Clemensschwester Eveline. Als mit einem Gottesdienst in der Mutterhauskirche der Clemensschwestern und einem anschließenden Festakt im Foyer der benachbarten Raphaelsklinik das runde Jubiläum gefeiert wurde, fiel der Name dieser Ordensschwester immer wieder, die mit ihre resoluten aber auch warmherzigen Art die Einrichtung aufgebaut und lange Zeit geleitet hat. 1995 erhielt sie für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen. „Für die Stadt ist diese Einrichtung ein unglaublicher Gewinn“ betonte Oberbürgermeister Markus Lewe in seiner Glückwunschrede und machte deutlich, dass die Frage, wem die Stadt gehöre, durch die Existenz von Einrichtungen wie dem Treffpunkt beantwortet werde: „Die Stadt gehört allen Bürgern, nicht nur den Reichen!“ Auch Stadtdechant Jörg Hagemann bestärkte das Team um den Leiter der Einrichtung, Matthias Eichbauer, in seinem Engagement: „Machen Sie weiter so, ohne Sie ginge es in Münster nicht!“ Der stellvertretende Generalvikar Dr. Jochen Reidegeld, der den Festgottesdienst abhielt, sagte in seiner Predigt: „Ich hoffe, dass das Leuchten, das vom Treffpunkt ausgeht, auch die Blinden in Münster sehend macht“.

Bild: Oberbürgermeister Markus Lewe gratulierte dem Team des Treffpunkts „An der Clemenskirche“ zum 40. Jubiläum

Während eines Podiumsgesprächs, das vom Kliniksprecher Michael Bührke moderiert wurde, erinnerte sich der ehemalige Leiter des Hauses der Wohnungslosenhilfe, Bernd Mülbrecht, an die Zeit vor 40 Jahren, als zahlreiche soziale Einrichtungen für Menschen in sozialen Notlagen gegründet wurden: „Es war eine sehr bewegte Zeit, es gab einen großen Modernisierungsstau in Deutschland und alle wussten, dass etwas passieren musste“. Als ehemaliger Besucher des Treffpunktes „An der Clemenskirche“ berichtete Rogerio dos Santos von seinen Erfahrungen. „Ich wurde arbeitslos, musste von Hartz IV leben und verlor meine Wohnung. Wenn du Probleme hast, dann wirst du ausgestoßen und verachtet. Im Treffpunkt habe ich Menschen kennengelernt, die mir zugehört haben, das gab mir neuen Mut“. Mit viel Engagement machte sich dos Santos selbstständig und leitet heute ein Restaurant. Eichbauer gab zu bedenken, dass trotz solcher Erfolgsgeschichten die Wohnungslosenhilfe keine Wohnungslosigkeit bekämpfe und die Politik in der Pflicht stehe, verstärkt bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch Mülbrecht sieht diesbezüglich noch „Luft nach oben“.

Statistik belegt: Zufriedene Patientinnen am UKM Brustzentrum

Bei der Befragung zu den 56 Brustzentren in NRW hat das UKM erstmals die Spitzengruppe erreicht. Bisherige Kritik wurde ernstgenommen, Schwachstellen wurden behoben. Vor allem die Pflege punktet.

Münster (ukm/maz) – Für Freude sorgten am UKM Brustzentrum jetzt die Ergebnisse der jährlichen, landesweiten Patientinnen-Befragung des Zentrums für Versorgungsforschung (ZVFK) und Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Universität zu Köln (imvr). Das UKM liegt im Gesamtranking erstmals in der Spitzengruppe und gehört damit zu den besten 20 Prozent der insgesamt 56 Zentren in Nordrhein-Westfalen. Durchweg hat sich das Team um Leiterin Dr. Joke Tio in den einzelnen Kategorien im Vergleich zu den Vorjahren verbessert.

Besonders hervorzuheben ist die Arbeit der Pflege, die erstmals mit in der Spitzengruppe platziert ist. Positiv fallen außerdem die Bewertungen der Ablauforganisation, des psychosozialen Beratungsangebotes und Entlassmanagements auf. „Wir haben 2016 einen interdisziplinären Qualitätszirkel eingeführt, weil wir die an uns herangetragenen Schwachstellen in der Organisation verändern wollten“, erklärt Tio. Seitdem gibt es am UKM zum Beispiel einen eigens eingerichteten Visitendienst am Wochenende, der die Entlassgespräche von Patientinnen übernimmt, die in der zweiten Wochenhälfte operiert wurden. Darüber hinaus wurde zusammen mit dem Sozialdienst ein Konzept erarbeitet, wie diese Patientinnen trotz des Wochenendes beraten werden können. „Der psychosoziale Informationsbedarf ist bei Brustkrebs sehr hoch und dem müssen wir gerecht werden, egal ob eine Patientin dienstags oder samstags entlassen wird.“

Der verstärkte persönliche Kontakt spiegelt sich auch in der Bewertung des Personals wieder: Sowohl in der Kategorie „Vertrauen in Ärzte“ als auch „Vertrauen in Pflegekräfte“ landete das UKM Brustzentrum in der Skala aller Brustzentren in NRW in der Spitzengruppe. „Bei einer Rücklaufquote von 89 Prozent der Befragten kann sich das durchaus sehen lassen“, zeigt sich Joke Tio zufrieden.

Bild: Stolz auf das Team: Leiterin Dr. Joke Tio und Oberärztin Dr. Isabel Radke umringt von den Pflegekräften des Brustzentrum.

Erster Platz für Pflege-Azubis des UKM bei Kongress in Bochum

Auszubildende der Kranken- und Kinderkrankenpflegeschule gewinnen Preis beim Junge Pflege Kongress 2018 für Projekt zum Thema „Pflege hat Wert – zeigt es uns!“

Münster (ukm/jug) – Tolle Auszeichnung für den Pflege-Nachwuchs des UKM (Universitätsklinikum Münster): Die Auszubildenden Vera Kleine-Hartlage, Carolin Rölver, Anna Schonebeck und Kevin Stegl haben beim Junge Pflege Kongress 2018 in Bochum am vergangenen Donnerstag den ersten Platz beim diesjährigen Junge-Pflege-Preis gewonnen. Prämiert wurden sie für ihre schriftliche Ausarbeitung und die kreative Umsetzung des vorgegebenen Themas „Pflege hat Wert – zeigt es uns!“: So entstand Pflegebär Bruno, der den „Pflegeschatz“, die verschiedenen Werte der Pflege, hütet. Mit den vier Azubis freuten sich auch ihre beiden Lehrerinnen Monika Brox und Karina Sensen: „In das Projekt haben unsere Auszubildenden viel Herzblut, Kreativität und Engagement investiert. Der Preis ist auch ein schönes Zeichen für die Pflege am UKM insgesamt.“

Bild: Die Lehrerinnen Karina Sensen und Monika Brox (links und rechts außen) freuen sich mit ihren Schülern über den Junge-Pflege-Preis.

„Familiale Pflege“ am Clemenshospital: Hürter macht mobil

Münster – Die Pflegeexpertinnen für „Familiale Pflege“ im Clemenshospital beraten nicht nur im Krankenhaus, sondern bei Bedarf auch bei den Patienten zu Hause. Mit den Fahrrädern von Fahrrad XXL Hürter sind sie auf diesen Wegen noch flexibler. Die Fahrräder haben einen Wert von jeweils 500 Euro.

Bereits im Krankenhaus leiten die Fachkräfte der „Familialen Pflege“ Angehörige von pflegebedürftigen Patienten an und stehen ihnen beratend zur Seite. Aber auch nach dem Aufenthalt bieten die Expertinnen ihre Hilfe an. Sie schauen im häuslichen Umfeld nach Stolperfallen, unterstützen dabei, Hilfsmittel oder Umbauten zu beantragen oder weisen in die Pflege der Angehörigen ein.

Das Projekt „Familiale Pflege“ wurde von der Universität Bielefeld ins Leben gerufen. Dort werden Pflegekräfte zu Experten für „Familiale Pflege“ geschult. Diese beraten pflegende Angehörige und leiten sie an – im Krankenhaus und bis zu sechs Wochen nach der stationären Behandlung zuhause. Das Projekt wird von der AOK Nordwest finanziert, kann aber unabhängig von der Krankenkasse kostenlos in Anspruch genommen werden.

Bild: Peter Hürter (Geschäftsführer Fahrrad XXL Hürter, 1.v. r.) übergab die Fahrräder an Hildegard Tönsing (Pflegedirektorin, Clemenshospital, 2.v. r.), Elisa Rühle (Referentin Fundraising, Alexianer GmbH, 1.v. l.) sowie die Pflegeexpertinnen für „Familialen Pflege“: (v. l.) Christiane Damer, Birgit Rotterdam-Isfort, Kathrin Kemper, Martina Starp und Christa Hendker.