Archiv für den Monat: Januar 2018

Gefangen in Scham

Münster – Scham hält traumatisierte Menschen nicht nur davon ab, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Sie verstärkt auch die psychischen Folgen und bietet häufig den Nährboden für weitere Traumatisierungen. Besonders Jugendliche neigen dazu, sich klein und unsichtbar zu machen, um ihre Familie zu schützen – und werden dadurch noch verletzlicher.

Scham ist eines der stärksten Gefühle, und eines der unangenehmsten, die ein Mensch erleben kann. Kaum ein anderes Gefühl ist so intim. Scham betrifft immer die gesamte Person und deren soziale Integrität. Denn mit ihr geht nicht nur eine negative Selbstbewertung einher, sondern auch die Befürchtung, von anderen abgewertet oder ausgeschlossen zu werden. Forschungen zeigen, dass Menschen, die sich für ein traumatisches Erlebnis schämen, ein erhöhtes Risiko tragen, psychisch krank zu werden.

Scham begünstigt nicht nur die Entwicklung psychischer Folgeerkrankungen, sie verstärkt auch die Symptome. Dies gilt besonders bei Erfahrungen der körperlichen, sexuellen oder emotionalen Gewalt und bei wiederholten Traumatisierungen. Doch auch bei traumatischen Kriegserlebnissen und Naturkatastrophen – erforscht am Erdbeben imitalienischen L’Aquila – entfalten Schamgefühle diese Wirkung. Hier schämen sich dieMenschen jedoch vor allem, weil sie den eigenen Wertvorstellungen nicht gerechtwerden und zum Beispiel Kinder oder Kameraden nicht beschützen konnten.

Scham behindert die emotionale Verarbeitung eines Traumas

„Scham behindert die emotionale Verarbeitung eines Traumas“, erklärt Diplom-Psychologin Vera Frühauf. Sie leitet in der Münsteraner Christoph-Dornier-Klinik den Bereich Jugendliche und junge Erwachsene. „Ein Grund dafür ist die mit Scham verbundene Abwertung der eigenen Person und das Gefühl, beschädigt, schwach und unzulänglich zu sein. So einen ‚Defekt‘ versteckt man lieber. Manchmal auch, um die Familie zu schützen. Das erlebe ich gerade bei Jugendlichen häufig. Sie machen sich dann so klein und unsichtbar wie möglich.“ Das aber lässt sie noch verletzlicher werden.

Menschen mit traumatischen Erfahrungen und starken Schamgefühlen, vor allem nach körperlicher, emotionaler oder sexueller Gewalt, werden nicht selten Opfer weiterer Übergriffe. Auch weil Scham wichtige soziale Ressourcen blockiert. Studien zeigen, dass Menschen, die sich für ein traumatisches Erlebnis schämen, weniger soziale Unterstützung erwarten. Doch gesellschaftlich gut eingebunden zu sein, hilft, ein Trauma zu verarbeiten. Wer diese Unterstützung nicht erwartet oder sie erst gar nicht hat, entwickelt zusätzlich häufig vermeidende Bewältigungsstiele. Auch diese führen oft zu psychischen Folgeerkrankungen, wie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Zudem können Schamgefühle Grübeleien, Ärger und Aggressionen verstärken, wasdie Entwicklung von PTBS-Symptomen ebenfalls fördert. Die Aggression kann sichzunehmend in selbstzerstörerischem Verhalten zeigen, besonders nach wiederholtenzwischenmenschlichen Traumatisierungen. Manchmal steht am Ende ein Suizidversuch.

Schamgefühle sind schwerer zu überwinden als das Gefühl von Schuld

„Die Scham zu überwinden und sich Hilfe zu suchen, ist die einzige Möglichkeit, sichaus diesem Teufelskreis zu befreien. Traumatische Erlebnisse sind immer eineAusnahmesituation, in der die Grenzen des Erträglichen oft um ein Vielfachesüberschritten werden. Zusätzlich kommt oft noch die Verletzung der eigenen Würdedazu. Dass man darauf psychisch, und auch körperlich, reagiert, ist erst mal ganz normal. Auch Schamgefühle sind normal, aber sie sollten für niemanden zum Gefängnis werden“, so die Traumaexpertin Vera Frühauf.

Während es bei Schuldgefühlen häufig schon sehr gut helfen kann, diese gedanklich zu hinterfragen und zu verändern und die Schuld an den Täter zurückzugeben, sind Schamgefühle schwerer von der eigenen Person zu lösen. Denn neben den zerstörerischen Gedankenmustern – „ich bin ein schlechter Mensch“, „ich bin es nicht wert“ oder „an mir ist etwas falsch“ – ist hier auch die Emotionsregulation in besonderem Maße entscheidend. Also die Fähigkeit, mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Ein sogenanntes Skills Training kann helfen, Schamgefühle abzuschwächen.

Das heißt zum Beispiel, entgegengesetzt handeln zu lernen, sich anderen Menschen wieder zu öffnen und Orte zu besuchen, die mit Schamgefühlen verbunden sind. Denn nur eine Öffnung bietet die Möglichkeit, neues Vertrauen zu schöpfen, in andere Menschen, in die Welt und auch in sich selbst. Das heißt aber auch, entgegengesetzt denken zu lernen, also Eigenschaften aufzurufen, die man an sich selber schätzt. Oft müssen diese Schätze erst geborgen und negative Grundüberzeugungen entmachtet werden. Hierbei können schematherapeutische und klärungsorientierte Verfahren sehr gut helfen. Eine entgegengesetzte Körpersprache kann zusätzlich vermitteln: „So wie ich bin, bin ich in Ordnung“. Ein oft mühsamer, aber lohnender Prozess.

25 Jahre psychotherapeutische Kompetenz

Die Christoph-Dornier-Klinik feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Die Therapie von Traumafolgestörungen ist im Laufe der Jahre zu einem immer wichtigeren Schwerpunkt geworden. Mittwochs zwischen 17 und 20 Uhr bietet die Klinik Betroffenen und Angehörigen ein Infotelefon an. Zu erreichen sind die Diplom-Psychologen unter +49 (0)251 4810-148. Weitere Informationen: www.christoph-dornier-klinik.de.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie Münster

Bunte Deckenbilder für kranke Kinder

Münster – Auch in kleinen Schweinchen kann viel Gutes stecken, beim Sparschwein der Komfortstation des Clemenshospitals waren es rund 2.500 Euro. „Im Lounge-Bereich unserer Station stehen ein Kaffeeautomat und ein Kühlschrank mit kleinen Snacks für die Patienten kostenlos zur Verfügung“, berichtet die Leitung des Patientenservice, Sabine Rügenhagen. Da viele Patienten und Angehörige trotzdem gerne eine kleine Aufmerksamkeit hinterlassen möchten, wurde ein Sparschwein aufgestellt, um Geld für die Station zur neurologischen Frührehabilitation von Kindern im Clemenshospital zu sammeln. “Wir von der Station 6A freuen uns, dass nach drei Jahren eine so hohe Summe zusammengekommen ist und möchten uns bei Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern für Ihre Spendenbereitschaft herzlich bedanken.“

Von dem Geld wurden unter anderem zwei „Wolkensegel“ der Mühlheimer Designerin Heike Ulrich angeschafft, die über den Betten der kleinen Patienten für optische Abwechslung sorgen. Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Otfried Debus und die Pflegekoordinatorin Birgit Batenhorst von der kinderneurologischen Frührehabilitation des Clemenshospitals sind begeistert von der Neuanschaffung: „Die Motive sind auswechselbar und werden den Wünschen der Kinder oder Eltern angepasst. Die Deckenbilder sorgen für ein echtes Wohlgefühl“. Das Pusteblumenmotiv über dem Bett eines der kleinen Patienten dient auch noch einem ganz praktischen Zweck: „Der Junge muss seine Lungen trainieren und soll jetzt einfach immer in Richtung Pusteblume blasen“, berichtet Batenhorst.
Die Arbeiten von Heike Ulrich kommen bereits in Altenheimen oder auf Palliativstationen zum Einsatz, die Anforderungen einer neurologischen Frührehabilitation für Kinder sind für die Künstlerin Neuland: „Für eine Kinderstation ist das ein ganz eigenes Reindenken“. Das Sparschwein indes kommt wieder zum Einsatz und die Mitarbeiter der Komfortstation überlegen bereits, welches Projekt als nächstes mit dem Inhalt verwirklicht werden kann.

Bild: Die Mitarbeiter der Komfortstation und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin freuen sich über die farbenfrohen Deckenbilder auf der kinderneurologischen Frührehabilitation.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Regierungspräsidentin meets Telemedizin: Möglichkeiten der ländlichen ärztlichen Versorgung der Zukunft

Regierungspräsidentin Dorothee Feller informiert sich über telemedizinische Visiten mit Hausärzten und ländlichen Krankenhäusern / UKM sieht sich mitverantwortlich für die ärztliche Versorgung in der Region

Münster (ukm/aw) – Die Regierungspräsidentin der Bezirksregierung Münster, Dorothee Feller, hat sich heute am UKM (Universitätsklinikum Münster) über telemedizinische Visiten informiert. Dabei standen sowohl die Möglichkeiten der Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten als auch die telemedizinischen Visiten zwischen dem UKM und den angebundenen regionalen Krankenhäusern im Mittelpunkt. „Wir freuen uns, der Regierungspräsidentin zeigen zu können, welche Möglichkeiten die telemedizinischen Visiten über gesicherte Verbindungen im Internet für den ländlichen Raum eröffnen. Wir haben am UKM die technischen Voraussetzungen und arbeiten bereits erfolgreich sektorenübergreifend mit unseren Partnerkrankenhäusern einerseits und einem Ärztenetzwerk andererseits im Projekt TELNet@NRW, das im Rahmen des Innovationsfonds gefördert wird. Die telemedizinischen Visiten bieten uns die Möglichkeit, auf dem Land medizinisch beratend zur Seite stehen zu können. Damit nehmen wir angesichts knapper werdender Ressourcen unsere Verantwortung für die künftige ärztliche Versorgung in der Region Münsterland wahr“, so der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Univ.-Prof. Robert Nitsch.
Regierungspräsidentin Dorothee Feller ließ sich auch erläutern, welche technischen Möglichkeiten bereits jetzt zum Wohle der Patientinnen und Patienten eingesetzt werden, um auf die Distanz eine zweite ärztliche Meinung einzuholen: „Es ist sehr wichtig, dass wir Wege finden, wie angesichts des drohenden Mangels an Ärzten auf dem Land die medizinische Versorgung der rund 2,6 Millionen Menschen im Regierungsbezirk vor Ort gesichert bleibt. Bei der künftigen Krankenhausplanung wird auch die Versorgung der Menschen via Telemedizin eine wichtige Rolle spielen. Darum ist es mir wichtig zu sehen, was technisch heute schon umsetzbar ist.“ Die Bezirksregierung hat unter anderem die Aufsicht über 54 Krankenhäuser – das größte darunter das UKM.

Bild: (v.l.n.r.) Prof. Robert Nitsch, Ärztlicher Direktor des UKM, und Regierungspräsidentin Dorothee Feller beim Team für die telemedizinischen Visiten im Projekt TELNet@NRW. Zugeschaltet ist Dr. Tobias Mock aus dem Warendorfer Josephs-Hospital. (Foto (UKM/Tronquet))

Über TELNet@NRW:

Das Projekt TELnet@NRW steht unter der Koordination des Universitätsklinikums Aachen und hat das Universitätsklinikum Münster als regionalen Konsortialpartner. TELNet@NRW verfolgt das Ziel, in den Modellregionen Aachen und Münster ein sektorenübergreifendes tele-medizinisches Netzwerk aufzubauen. Es soll in den überlebenswichtigen Bereichen Infektionsmanagement und Intensivmedizin Krankenhaus- und Fachärzte sowie Hausärzte miteinander verbinden, um die Gesundheits-versorgung flächendeckend zu verbessern und die Behandlungsqualität und die Effizienz der Versorgung von Patienten messbar zu steigern. Das Projekt wird mit 20 Millionen Euro aus dem Innovationsfond durch den Gemeinsamen Bundesausschuss gefördert und läuft über drei Jahre.

Grundlegend für das telemedizinische Netzwerk ist eine sichere Video-Kommunikationsverbindung mit einem schnellen und geschützten Daten-austausch zwischen den beteiligten Einrichtungen. In der Praxis ist dies so umgesetzt, dass mobile und digitale Einheiten wie Computer, Bildschirme und Kameras bis an das Krankenbett bzw. die Behandlungsliege gefahren werden, sodass Ärzte verschiedener Krankenhäuser per Videokonferenz gemeinsam beraten, welche Therapie die jeweils beste ist. Über diese Einheiten können auch Röntgenbilder und andere Befunde und Informationen des Patienten ausgetauscht werden. Die Verbindungen erfolgen über hochgesicherte Datenleitungen mit den Telemedizinzentren der Uniklinika. Innerhalb der Laufzeit von drei Jahren sollen insgesamt rund 40.000 Patienten aus dem ambulanten und stationären Bereich an dem Modellprojekt TELNet@NRW teilnehmen – die jeweilige Einwilligung der infrage kommenden Patienten vorausgesetzt. An dem Projekt nehmen die beiden Universitätsklinika und insgesamt 17 Krankenhäuser, zwei Netzwerke niedergelassener Ärzte sowie als weiterer großer Partner die Techniker Krankenkasse teil. Dabei stehen Patienten mit einer infektiologischen Fragestellung sowie schwer kranke Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, im Vordergrund. Nach der Projektphase wird ausgewertet, ob telemedizinische Visiten mit in die Regelversorgung aufgenommen werden sollten.

Ausführliche Informationen zum Projekt TELNet@NRW finden Sie unter www.telnet.nrw

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Was tun bei Schilddrüsenknoten?

Münster – Kleines Organ, große Wirkung: Nur etwa 50 Gramm wiegt die gesunde Schilddrüse und ist auch ansonsten an ihrem Platz auf der Halsvorderseite eher unauffällig – wenn sie normal funktioniert. Treten Probleme auf, kann der ganze Organismus aus dem Gleichgewicht geraten und die Gefühle fahren Achterbahn: „Produziert das Organ zu viele Hormone, reagiert der Körper mit Nervosität, Unruhe und starkem Schwitzen. Werden zu wenige Hormone ausgeschüttet, ist der Betroffene müde und antriebsarm“ erläutert der Chefarzt der Raphaelsklinik, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann. Der Chirurg leitet das Schilddrüsenzentrum der Innenstadtklinik, das einzige von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie zertifizierte Zentrum im Münsterland. Eng kooperieren die Mediziner des Zentrums mit Experten des Universitätsklinikums Münster, Praxen niedergelassener Ärzte und Selbsthilfegruppen.

Bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung am kommenden Samstag, 20. Januar, um 10 Uhr im Foyer der Raphaelsklinik dreht sich alles um das Thema „Knoten in der Schilddrüse“. Solche Knoten sind weit verbreitet, etwa 20 bis 25 Prozent der Bevölkerung zwischen 20 und 60 Jahren weist solche Veränderungen auf, bei Menschen über 70 Jahren hat sogar jeder zweite einen Schilddrüsenknoten. Nach der Diagnose, die oft ein Zufallsbefund ist, stellen sich den Betroffenen viele Fragen: Muss der Knoten operiert werden, sollten Medikamente eingenommen werden und natürlich: ist der Knoten gut- oder bösartig?

Wie Schilddrüsenknoten erkannt werden, welche operativen und nicht operativen Möglichkeiten der Behandlung es gibt und was zu tun ist, wenn ein Schilddrüsenkrebs diagnostiziert wurde, diese Fragen werden in kurzen, informativen Vorträgen allgemeinverständlich behandelt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig, die Teilnahme ist kostenlos.

Bild: Experten des Schilddrüsenzentrums Münster berichten über moderne Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Infoabend: Essstörungen

Mittwoch, 31. Januar 2018, 18:00 – 20:00 Uhr
Informationsabend zu Magersucht und Bulimie für Betroffene, Angehörige und Interessierte
Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten. Die Platzanzahl ist begrenzt.

 

Das größte Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, liegt in der Pubertät. Doch Magersucht und Bulimie betreffen nicht nur Jugendliche. Unbehandelt bleiben sie meist bis ins Erwachsenenalter bestehen, oder sie brechen in emotional belastenden Situationen wieder auf. Umso wichtiger ist es, eine Essstörung so früh wie möglich zu erkennen und zu therapieren.
Am 31. Januar 2018 informieren Experten der Christoph-Dornier-Klinik Jugendliche und Erwachsene, Betroffene, Angehörige und Interessierte über Anzeichen, Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten von Magersucht und Bulimie. Der Infoabend beginnt um 18 Uhr in der Tibusstraße 7-11, 48143 Münster.

Neben den Vorträgen der Bereichsleiterin Jugendliche und junge Erwachsene, Diplom-Psychologin Vera Frühauf, und des leitenden Arztes der Klinik, Dr. med. Andreas Pelzer, wird es Raum und Zeit für Fragen und offenen Austausch geben.

Weitere Informationen erhalten Sie telefonisch unter 0251/4810-102 oder im Internet unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster