Archiv für das Jahr: 2018

Verein Herzenswünsche e.V.: Im Galopp gegen Depression

Verein Herzenswünsche e.V. und Förderverein der Kinder und Jugendpsychiatrie des UKM ermöglichen jungen Patienten tierische Erlebnisse in Form einer Reit- und einer Hundetherapie

Münster (ukm/som) – Große glänzende Augen und ein strahlendes Lächeln – Saskia, Patientin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKM (Universitätsklinikum Münster), ist sichtlich begeistert, als sie an ihre ersten Erfahrungen auf dem Rücken eines Pferdes zurückdenkt. Seit Ende August bietet die Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKM eine Reittherapie sowie eine Hundetherapie für die jungen Patienten an. Einmal wöchentlich besuchen vier Jugendliche der geschützten Station für Akut- und Intensivbehandlung für eine Stunde die Reittherapie auf dem Hof Krützkemper – von dieser Auszeit aus dem Klinikalltag durfte auch Saskia profitieren. „Unsere Reittherapeutin hat mich in der letzten Woche als Naturtalent bezeichnet“, erzählt die 15-Jährige stolz. „Wenn ich mit dem Pferd durch den Wind reite, fühle ich mich frei. Das ist, als wäre ich gar nicht mehr ich selber. Da vergisst man für einen Moment alle Sorgen.“

„Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd“ nennt sich die Therapie in der Fachsprache und verspricht vor allem für Kinder mit traumatischen Erlebnissen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen eine sinnvolle Ergänzung zum Gesamtbehandlungsplan. Begleitet durch Personal des Pflege- und Erziehungsdienstes und unter der Leitung einer ausgebildeten Reittherapeutin können die Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren während der Tiertherapie über sich hinauswachsen und – wie es bei Saskia war – eine neue Leidenschaft entdecken. Mit Mut, Abenteuerlust und ohne Scheu vor tierischem Körperkontakt sammeln sie hier erste Reiterfahrungen, machen Vertrauensübungen und wer möchte, darf sogar auf dem Pferderücken turnen. „Der Umgang mit den Pferden ist für die Jugendlichen oftmals sehr stabilisierend. Sie tanken Selbstbewusstsein und neue Hoffnung, das hilft gerade bei unseren schwer kranken Patienten enorm bei der Behandlung“, weiß Judith-Maria Fernholz, Oberärztin der geschützten Station.

Bild: In der Reittherapie macht Saskia große Fortschritte. Ihr Ziel ist es, bald schon freihändig auf dem Pferderücken stehen zu können.

Ermöglicht wird die Reittherapie durch den münsterischen Verein Herzenswünsche e.V., der schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen langersehnte Wünsche erfüllt. Für ein Jahr übernimmt der spendenfinanzierte Verein die Kosten der Therapie, die von den Krankenkassen leider nicht getragen werden. „Der Umgang mit Pferden ist eine wunderbare Möglichkeit für junge Patienten, vielfältige Erfahrungen zu sammeln. Das Projekt unterstützen wir sehr gerne“, sagt Vereinsgründerin Wera Röttgering.

Neben der Reittherapie ermöglichte der Förderverein der Kinder- und Jugendpsychiatrie derzeit eine dreimonatige Hundetherapie für die jungen Patienten. Kunststücke üben, Stöckchen werfen und ausgelassen mit den Vierbeinern spielen: Durch den wöchentlichen Umgang mit den Hunden im Garten der Kinder- und Jugendpsychiatrie lernen die Patienten, sich selbst zu behaupten.
„Die Hunde erwecken Emotionen und stellen schnell eine Nähe zu den Kindern her. Daher ist es unser Wunsch, den Patienten diese Begegnung zu ermöglichen, da sie ein wichtiges Zusatzangebot sein kann“, betont die Vorsitzende des Fördervereins Dr. Marlies Averbeck-Holocher, die selber auch als Leitende Oberärztin am UKM tätig ist.

CCCM: Ausgezeichnete Teamarbeit im Kampf gegen Krebs

Mehr als 40 universitäre Kliniken, Organzentren und Institute im Zentrum für Krebsmedizin des UKM (CCCM) überzeugten gemeinsam bei der Qualitätsprüfung im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft. Auch das neue Speiseröhrenkrebszentrum wurde zertifiziert.

Münster (ukm/lie) – Die Versorgung von Krebspatienten stetig verbessern – das ist das Ziel der regelmäßigen Prüfungen durch das unabhängige Institut OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Beim zweiten großen Rezertifizierungs-Audit seit der Erstbegutachtung in 2012 konnte das Team des Zentrums für Krebsmedizin (CCCM – Comprehensive Cancer Center Münster) des UKM (Universitätsklinikum Münster) die Prüfer jetzt in allen Bereichen überzeugen und wurde erneut als fachübergreifendes „Onkologisches Zentrum“ ausgezeichnet.

Insgesamt neun externe Auditoren nahmen zwei Tage lang Strukturen, Zahlen und Arbeitsabläufe in Augenschein. „Beim Kampf gegen Krebs sind schnelles Handeln und die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Experten der unterschiedlichen Fachbereiche besonders wichtig“, erklärt Prof. Dr. Georg Lenz, Leiter des CCCM.

Mit mehr als 40 universitären Kliniken, Abteilungen, Instituten und Organzentren wie z.B. dem Darm-, dem Prostata- und dem neuen, nun ebenfalls zertifizierten Speiseröhrenkrebszentrum bietet das CCCM das größte Spektrum an Diagnostik- und Behandlungsmöglichkeiten im Münsterland. „Neben der Krankenversorgung spielen auch die Krebsforschung sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildung von z.B. Medizinstudierenden, Ärzten und Pflegenden eine große Rolle“, sagt Priv.-Doz. Dr. Philipp Lenz, koordinierender Geschäftsführer des CCCM. Darüber hinaus stehen den Patienten im Zentrum auch Psychoonkologen, Mitarbeiter des Sozialdienstes und speziell geschulte Pflegekräfte zur Seite. cccm.ukmuenster.de


Bild: Gemeinsam für mehr Qualität: Im CCCM arbeiten alle an Diagnostik und Behandlung beteiligten Experten und Berufsgruppen eng zusammen. (© Foto UKM/Wibberg)

Adventliche Stimmung im Klinikfoyer

Münster – Adventliche Stimmung machte sich im Foyer der Raphaelsklinik breit, als die Sopranistin und Pianistin Claudia Lawong das erste Weihnachtslied anstimmte und die rund 40 Gäste unter dem überdimensionalen Adventskranz engagiert mitsangen. Eingeladen hatte der „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik“, deren Vorsitzende Gaby Marbach als Moderatorin durch die spätnachmittägliche Veranstaltung führte.

Zwischen den Liedern wurden Weihnachtsgeschichten vorgelesen, den Anfang machte dabei der Schirmherr des Fördervereins und ehemaliger Zoodirektor, Jörg Adler, mit der Geschichte „Die vier Kerzen“. Danach las der onkologische Chefarzt der Raphaelsklinik, Dr. Holger Timmer, eine Geschichte vor, die von seiner Mutter verfasst wurde. Die Masemattekenntnisse der Zuhörer stellte die Autorin Marion Lohoff-Börger auf die Probe, als sie eine Weihnachtsgeschichte in der münsterischen Geheimsprache vorlas. Während der Veranstaltung wurden Kekse verkauft, die von den Auszubildenden des Hotels Kaiserhof gebacken und von der Bäckerei Rötters gespendet wurden.

Insgesamt kamen an diesem Nachmittag 1.000 Euro an Spendengeldern zusammen, die vollständig in die Arbeit des Fördervereins gehen werden, wie Marbach versprach. „Die medizinische und pflegerische Arbeit auf der Station wird von den Kostenträgern finanziert“, erklärte die Vereinsvorsitzende den Zuhörern, machte aber auch klar, dass die Patienten auf einer Palliativstation weitergehende Ansprüche haben als auf einer normalen Krankenstation. „Der Förderverein finanziert zum Beispiel Blumenschmuck auf den Patientenzimmern, Spezialrollstühle oder auch die Arbeit des Musiktherapeuten. Auch beim geplanten Umbau der Station wird sich der Förderverein finanziell engagieren“ berichtete Marbach.

Bild: Während der adventlichen Feier im Foyer der Raphaelsklinik las unter anderem Jörg Adler (l.) Weihnachtsgeschichten vor.

Noch ganz klein – schon brandverletzt! Aktion zum „Tag des brandverletzten Kindes“

Kita-Gruppe lernt anschaulich die Gefahren durch Feuer und heiße Flüssigkeiten kennen / Jährlich 30.000 Kinder mit thermischen Verletzungen / Aktionstag der Plastischen Chirurgien in Münster

Münster (ukm/aw) – Die „Wackelzahnkinder“ der Kindertagesstätte St. Theresia aus Münster hatten einen aufregenden Morgen: Einige von ihnen hielten sich die Ohren zu, als der Rettungshubschrauber des ADAC auf dem Hubschrauberlandeplatz am UKM (Universitätsklinikum Münster) landete. Anschließend konnten die Vorschulkinder die Technik im Innern des Helikopters bestaunen. Doch der Ausflug der Kita-Kinder zum UKM hat einen ernsten Hintergrund: Laut Paulinchen e.V., der Initiative für brandverletzte Kinder, müssen allein in Deutschland jedes Jahr mehr als 30.000 Kinder mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt werden, 6.000 von ihnen müssen aufgrund ihrer schweren thermischen Verletzungen sogar ins Krankenhaus. „Dreiviertel dieser Kinder sind jünger als fünf Jahre. Wie hoch die Gefahr ist, dass sich gerade die Jüngsten in einem unbeobachteten Moment durch Feuer oder eine heiße Flüssigkeit schlimm verletzen, wird leider oft unterschätzt“, sagt Prof. Tobias Hirsch, der neue Leiter der Sektion Plastische Chirurgie in der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am UKM und Chefarzt der Plastischen Chirurgie der Fachklinik Hornheide. „Vorschulkinder ab fünf sind aber kognitiv schon gut in der Lage, die Gefahren abzuschätzen. Mit dem gemeinsamen Aktionstag der Plastischen Chirurgien am UKM und der Fachklinik Hornheide wollen wir aufklären, damit es gar nicht erst zu Unfällen kommt.“ Die Plastische Chirurgie am UKM war erst zu Monatsbeginn durch eine Kooperationsvereinbarung beider Kliniken möglich geworden.

Auch die UKM-Werkfeuerwehr unterstützte den Tag nach Kräften: hier durften die Kinder Feuerwehrautos anschauen und am Ende sogar selbst Feuer löschen.
Paulinchen e.V. ruft jedes Jahr am 7. Dezember zu Aktionstag auf. „Das war sicher nicht unsere letzte Teilnahme heute. Es ist besser, aufzuklären, als dass Kinder die Folgen eines einzigen unbedachten Augenblicks ein Leben lang mit sich tragen müssen“, so Hirsch.

Bild: Vorsicht im Umgang mit Feuer und heißen Flüssigkeiten: Die Wackelzahnkinder bei der UKM-Werkfeuerwehr. (UKM/Hirsch)

Blinde Passagiere: Münstersche Forscher stellen Studie zur Einfuhr antibiotikaresistenter Keime durch Reisende vor

Münster (mfm/lt) – Aus dem Urlaub bringt man etwas mit nach Hause. Erinnerungen, Souvenirs – und manchmal auch antibiotikaresistente Keime. Jedes Jahr infizieren sich ungefähr 54.000 Deutsche mit antibiotikaresistenten Keimen, ungefähr 2.300 sterben, Tendenz steigend. Nur: Wo und wann ist das Risiko, sich zu infizieren am größten? Eine Forschergruppe mit Wissenschaftlern aus Münster, Berlin und Groningen hat jetzt eine Studie zu der Frage vorgestellt, wann genau sich Auslandsreisende mit den antibiotikaresistenten Keimen infizieren und welche Risikofaktoren besonders gravierend sind.
An der Studie nahmen über 100 Personen teil, die in der deutsch-niederländischen Grenzregion wohnen. Voraussetzung war, dass die Teilnehmer eine Reise nach Afrika, Asien oder Südamerika machten. In diesen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, sich mit antiobiotikaresistenten Keimen zu infizieren. Das größte Infektionsrisiko liegt mit 75 Prozent bei Reisen nach Südasien vor, etwa in Ländern wie Indien, Pakistan oder Afghanistan.

Was können Reisende tun, um keine solchen Keime mit nach Hause zu bringen? Prof. Frieder Schaumburg von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster rät vor allem eines: „Es ist unnötig, Angst zu haben“. Wichtig sei die Tatsache, dass die meisten Reisenden nur vorübergehend mit bestimmten antibiotikaresistenten Keimen besiedelt seien. Nach der Reise lägen schon bald keine Infektionen mehr vor. Wer bei guter Gesundheit sei, müsse sein Reiseverhalten nicht unbedingt ändern. Denn auch, wenn sich antibiotikaresistente Keime im Körper eines Menschen befänden, hieße das noch lange nicht, dass diese eine Krankheit auslösen.

Wer allerdings unter einem geschwächten Immunsystem leidet, sollte bei einer Reise höhere Vorsicht walten lassen. Die Risikofaktoren für eine Besiedlung sind keine große Überraschung: Wer eine Reise nach Asien unternimmt, in Süßwasser-Gewässern schwimmt und sich vor allem von Streetfood oder nicht vegetarisch ernährt, läuft eher Gefahr, sich mit antibiotikaresistenten Keimen zu infizieren.

Laut der Studie wurden die meisten Probanden auf ihrer Reise vorübergehend mit Extended-Spectrum-Betalaktamasen (ESBL) besiedelt. Das sind bakterielle Enzyme, die gegen mehrere Antibiotika – beispielsweise gegen Penicilline – resistent und für viele Infektionen verantwortlich sind. Ein Beispiel für ESBL-bildende Keime sind die bekannten Escherichia coli (E. coli). Sie kommen auch bei gesunden Menschen in der Darmflora vor und sind in den meisten Fällen nicht gefährlich. Doch gibt es einige pathogene (krank machende) Stämme, die durchaus Infektionen auslösen können. Vermehrt kam es bei den Probanden auch zu Infektionen mit Carbapenem-resistenten (ColR-GN) oder nicht intrinsisch Colistin-resistenten gramnegativen (ColR-GN) Bakterien. Gramnegativ beschreibt ein diagnostisches Unterscheidungsmerkmal verschiedener Bakterienstämme. Durch die Gramfärbung können Keime als gramnegativ (dünne Zellwände) und grampositiv (dicke Zellwände) klassifiziert werden. Anhand dieser Unterscheidungen leiten sich unterschiedliche Behandlungsmethoden ab.

Bei Carbapenemen und Colistin handelt es sich um sogenannte Antibiotika, die aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen nur in wenigen und besonders gefährlichen Fällen von bakteriellen Infektionen verwendet werden sollen. Besonders die vermehrt auftretenden Carbapenem-resistenten Keime stellen Ärzte bei der Behandlung von Infektionen vor Probleme, da diese oft zusammen mit mehreren Resistenzen auftreten.

Die Studie – deren Veröffentlichung in Vorbereitung ist – war Teil des EurHealth1Health-Projektes, das innerhalb des INTERREG-Programms Deutschland-Nederland durchgeführt und durch die Europäische Union, das niederländische Gesundheitsministerium, das NRW-Wirtschaftsministerium sowie die Niedersächsische Staatskanzlei mitfinanziert wird. EurHealth-1Health, das von dem Universitätsklinikum Groningen koordiniert wird, hat zum Ziel, durch grenz- und sektorübergreifende Zusammenarbeit antibiotikaresistente Keime gemeinsam zu bekämpfen und Infektionsprävention zu stärken.

Bild: Die Forscher Priv.-Doz. Dr. Robin Köck (Berlin), Dr. Corinna Glasner (Groningen), Prof. Karsten Becker und Prof. Frieder Schaumburg (beide: Universität Münster) bei der Vorstellung ihrer Studienergebnisse (v.l., Foto: FZ/M. Thomas)

Auszubildende backen für den guten Zweck

Münster – Weihnachtsmusik und der Duft nach frisch gebackenen Keksen liegen in der Luft, die normalerweise auf Hochglanz polierten Arbeitsflächen in der Küche des Restaurants „Gabriel’s“ sind mit Mehl und Teigresten übersäht. Die Auszubildenden des Hotels Kaiserhof backen Weihnachtsplätzchen am laufenden Band und haben sichtlich Spaß daran. „Das ist eine Tradition unseres Hauses. Wir backen jedes Jahr Weihnachtskekse, die dann für einen guten Zweck verkauft werden“, erklärt Daan Brussel, der Auszubildendensprecher des Hotels.

Verkauft wird das leckere Backwerk während eines adventlichen Nachmittags mit Lesungen und Musik, der am 8. Dezember um 16.30 Uhr im Foyer der Raphaelsklinik stattfindet. Alle Einnahmen werden dem „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik“ gespendet. Unter den Vorlesenden wird auch der Schirmherr des Fördervereins, Jörg Adler, sein. „Als ich der Pächterin des Kaiserhofs, Anja Fenneberg, von der Idee erzählte, habe ich offene Türen eingerannt“, berichtet die Vorsitzende des Fördervereins, Gaby Marbach und fährt fort: „Sie fand die Idee super!“. Rund 100 Tüten sollen es am Ende werden, das Rezept für den Teig stammt aus einem alten Kochbuch, wie Brussel verrät.

Die Auszubildenden lernen eigentlich andere Berufe, aber an diesem Tag mutieren sie zu versierten Bäckerinnen und Bäckern: „Für den guten Zweck machen wir das gerne!“, erklärt die angehende Hotelfachfrau Sophie Meyersieck. Und wenn am 8. Dezember adventliche Stimmung im Foyer der Klinik an der Loerstraße aufkommt, wird dies vermutlich nicht zuletzt an den leckeren Keksen der Auszubildenden vom Kaiserhof liegen.

Bild: Auszubildende des Hotels Kaiserhof backen Kekse für den guten Zweck (© Foto Raphaelsklinik)

Winterblues und Weihnachtsfrust

Viele kennen ihn, den „Winterblues“ – die Müdigkeit, die Antriebslosigkeit, die schwankende Stimmung und den Heißhunger auf Süßes, wenn die Tage kürzer und dunkler werden. Doch nicht nur der jahreszeitliche Mangel an natürlichem Tageslicht kann auf die Psyche schlagen. Weihnachten und Silvester kommen auch noch dazu.

Münster – Nicht jeder Winterblues ist eine Depression und die allermeisten depressiven Erkrankungen treten ganzjährig auf. Eine Ausnahme bildet die „Saisonal Abhängige Depression“. Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung leidet daran. Frauen erkranken häufiger als Männer, meistens im mittleren Alter. „Die Saisonal Abhängige Depression ist eine anerkannte depressive Erkrankung, die wiederkehrend, besonders in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Sie kann Erwachsene ebenso wie Kinder und Jugendliche und seltener auch ältere Menschen treffen“, sagt Andreas Pelzer, Leitender Arzt der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Energie und Antrieb sind vermindert, die Stimmung ist gedrückt. Doch unter Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, was für Depressionen ansonsten typisch ist, leiden die betroffenen Menschen nicht. Im Gegenteil, ihr Schlafbedürfnis ist sogar erhöht und Heißhunger auf Süßes führt eher zu einer Gewichtszunahme. Vor allem der Mangel an natürlichem Tageslicht sowie die verminderte Lichtintensität werden für die saisonale Depression verantwortlich gemacht. Das Glückshormon Serotonin soll mit an ihrer Entstehung beteiligt sein. Dies würde auch den Heißhunger auf Kohlenhydrate erklären, über den der Körper den Serotonin-Mangel im Gehirn auszugleichen versucht.

„Regelmäßige Bewegung im Freien bei Tageslicht kann oft schon viel bewirken. Auch eine Lichttherapie kann bei dieser Depressionsform sehr hilfreich sein. Bei mittelgradigen und schweren Erkrankungen stehen jedoch krankheitsspezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische und pharmakologische Therapien im Vordergrund“, erklärt Pelzer.

Einsamkeit, Stress und Familienzwist können Depressionen begünstigen

Doch nicht nur der Lichtmangel macht Menschen in dieser Jahreszeit zu schaffen. Auch die besinnliche und harmonische Weihnacht bleibt für viele ein herer Traum. Tatsächlich ist sie häufig von Stress, Familienstreitigkeiten und Einsamkeit gezeichnet. Gründe dafür gibt es viele. „An Weihnachten sind die Erwartungen oft enorm hoch. Alles soll schön sein. Alle sollen sich glücklich über tolle Geschenke freuen und, obwohl sie vielleicht nur einmal im Jahr zusammenkommen, bestens miteinander verstehen. Häufig artet die Vorbereitung in puren Stress aus, die Zeit ist meist knapp und beruflich steht nicht selten noch ein Jahresabschluss bevor. Andere fühlen sich zu dieser Zeit besonders einsam, weil sie an den Feiertagen alleine sind“, so der Münsteraner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Er rät, die Erwartungen an Weihnachten grundsätzlich herunterzuschrauben und sich weder zu verausgaben noch aus Weihnachtsfrust zu Hause einzugraben. Denn beides könne eine depressive Erkrankung begünstigen. Ebenso wie Vergleiche mit anderen, denen es vermeintlich besser geht.

Nach Weihnachten und Silvester fallen viele Menschen in ein psychisches Loch

Nach den Feiertagen in ein psychisches Loch zu fallen, sei ebenfalls nicht ungewöhnlich, sagt Andreas Pelzer. Zum einen falle die Anspannung von einem ab, zum anderen habe man Zeit, nachzudenken und Bilanz zu ziehen. Die Erschöpfung wird spürbar und sichtbar. Doch auch, wenn alles gut verlaufen ist, kann es einem hinterher schlecht gehen. „Nach einer Zeit großer Anspannung muss sich der Hormonhaushalt erst wieder herunterregulieren. Manchmal kommt es vorübergehend zu einer sogenannten ‚Entlastungsdepression‘. Besonders anfällig sind Menschen, die zu Grübeleien und Stimmungsschwankungen neigen“, betont der leitende Arzt der Christoph-Dornier-Klinik. Diese werde aber nicht als Erkrankung eingestuft.

Psychologisches Infotelefon
Weitere Informationen zu Depressionen erhalten Interessierte unter www.christoph-dornier-klinik.de. Darüber hinaus bietet die Klinik mittwochs von 17 bis 20 Uhr ein Psychologisches Infotelefon an. Zu erreichen sind die Experten unter +49 (0)251 4810-148.

Sodbrennen: Mit dem Roboter gegen den Reflux

Jeder Dritte kämpft zumindest zeitweilig mit Sodbrennen. Neben den Schmerzen leiden Betroffene unter mangelndem Schlaf und Appetitlosigkeit. Frank Fritzsche wurde mit einem robotergestützten, minimal-invasiven Eingriff von seinen Beschwerden befreit.

Münster (ukm/maz) – Viele beschreiben es als brennendes Gefühl oder einen Druckschmerz an Brust und Speiseröhre: Sodbrennen. Jeder Dritte kennt das saure Aufstoßen, Räuspern und Heiserkeit, der Markt an Medikamenten ist riesig. „Doch jüngste Veröffentlichungen zeigen bei jahrelanger, regelmäßiger Säureblocker-Einnahme einen unmittelbaren Zusammenhang mit Erkrankungen wie Demenz oder Osteoporose“, sagt Dr. Jens-Peter Hölzen, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster). „Tatsächlich empfiehlt sich für einen Teil der Patienten eher eine Anti-Reflux-Operation.“ So wie für Frank Fritzsche (53), der zeitweilig sogar sitzend im Bett geschlafen hat, damit ihm die Magensäure nicht im wahrsten Sinne bis zum Hals stand.
Sein Beispiel zeigt, dass Betroffene nichts unversucht lassen: Umstellung der Ernährung, keine kohlensäurehaltigen Getränke, tägliche Einnahme von Medikamenten. Und doch gibt es meist nur Linderung, keine Heilung. „Sogar mein Hobby Motorradfahren war durch die etwas nach vorn geneigte Position eine Qual“, erzählt Fritzsche, der sich nach längerer ärztlicher Behandlung, Magenspiegelung und Säuremessung eine Zweitmeinung am UKM einholte. „Grund für Sodbrennen ist in den meisten Fällen nicht zu viel Magensäure, wie viele annehmen, sondern dass die Säure am falschen Platz ist“, erklärt Privat-Dozent Dr. Mike Laukötter, Bereichsleiter Oberer Gastrointestinaltrakt. „Bei der Operation wird der Verschlussmechanismus des Übergangs der Speiseröhre in den Magen ausgebessert, damit die Magensäure nicht wieder zurück fließen kann.“

Die Ursachen für Sodbrennen können vielfältig sein, nicht immer sind sie zu ergründen. Bei dem Niedersachsen Fritzsche lag ein Zwerchfellbruch zugrunde. Nach der Beratung am UKM entschied er sich für den Eingriff mit dem robotergestützten System Da Vinci. Dem Operateur stehen dabei vier flexible Arme, die über eine Konsole gesteuert werden und viel beweglicher als das menschliche Handgelenk sind, und eine Hochleistungskamera zur Verfügung. „Das millimeter-genaue Operieren ist vor allem an schwer zugänglichen und engen Stellen wichtig, wie zum Beispiel im Bereich der Speiseröhre, wo viele empfindliche Strukturen wie Milz, Leber und Hauptschlagader nicht verletzt werden dürfen“, erklärt Robotik-Chirurg Hölzen. Mit welcher Operationsmethode eine Besserung der Symptome erreicht und ob ein Patient mit Hilfe des Roboters operiert wird, entscheiden die behandelnden Experten jeweils individuell.

Frank Fritzsche verlässt das UKM zwei Tage nach der 90-minütigen Operation positiv gestimmt: „Ich habe seit dem Erwachen nach der OP keine Anzeichen mehr von Sodbrennen.“ Nach Brei am ersten Tag konnte er langsam mit normaler Nahrung beginnen; in etwa sechs Wochen ist seine Speiseröhre dann wieder so trainiert, dass sie normal funktioniert.

Bild: Positiv gestimmt am Krankenbett: Patient Frank Fritzsche mit seinen Operateuren Dr. Jens-Peter Hölzen (l.) und Privat-Dozent Dr. Mike Laukötter.