Archiv für das Jahr: 2018

Revolutionäre Fortschritte bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenerkrankungen

Münster – Rund 100 Zuhörer informierten sich im Foyer der Raphaelsklinik über die Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und deren Behandlung. Experten des Pankreaszentrums Münster sowie niedergelassener Praxen und der EOS-Klinik berichteten während der dreistündigen Veranstaltung über die besonderen Eigenarten des Bauchorgans sowie die Untersuchungsmöglichkeiten und Operationsmethoden bei Entzündungen und Krebserkrankungen. Noch immer erzeugt die Nachricht, dass die Bauchspeicheldrüse erkrankt ist, bei vielen Betroffenen Sorgen und Ängste. Dabei hat die Medizin auf diesem Gebiet große Fortschritte gemacht.

„Die enge Zusammenarbeit von Radiologen, Gastroenterologen und Chirurgen ist gerade bei einem Organ wie der Bauchspeicheldrüse von entscheidender Bedeutung um zu unterscheiden ob es sich um eine gutartige oder eine bösartige Erkrankung handelt. Im Zweifel muss oft operiert werden, da im Fall eines bösartigen Tumors eine Heilung nur durch eine frühzeitige Operation erreicht werden kann“, so die Experten. In den letzten Jahren habe es bei den medizinischen Behandlungsmöglichkeiten geradezu revolutionäre Entwicklungen gegen. Durch intensivierte Chemotherapien können fortgeschrittene Tumoren oft so verkleinert werden, dass eine Operation möglich wird: „Wir können heute Menschen helfen, bei denen vor 15 Jahren an eine Heilung gar nicht zu denken war“, berichtete der Chefarzt Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann aus der Praxis.

Erst seit kurzer Zeit sind in der Wissenschaft sehr frühe Vorläuferstadien von Bauchspeicheldrüsentumoren bekannt, die mit speziellen Ultraschall-Endoskopen entdeckt werden können. Bei solch frühen Stadien bestehen sehr gute Heilungschancen, wie der Chefarzt Dr. Ulrich Peitz hervorhebt. Aber auch bei fortgeschritteneren Krebserkrankungen sind durch den frühzeitigen Einsatz moderner Chemotherapien, gezielte Bestrahlungen und präzise OP-Techniken des Chirurgen heutzutage gute Erfolge zu erzielen, berichten die Mediziner des Pankreaszentrums.

Bild: Rund 100 Zuhörer kamen zum „Bauchspeicheldrüsentag“ in das Foyer der Raphaelsklinik

Auszeichnung für Urologen

Münster – Die urologische Gemeinschaftspraxis Münster wurde mit dem renommierten Alexander-von-Lichtenberg-Preis 2018 ausgezeichnet. Diese wichtige Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Urologie ist mit einem Preisgeld von 5.000 Euro verbunden und würdigt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der ganzheitlichen Versorgung von Krebspatienten. Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Dr. Maximilian Cohausz nahmen den Preis beim diesjährigen Jahreskongress in Dresden entgegen.

Besonders hervorgehoben hat die Fachjury das Engagement der Mediziner, die in der Raphaelsklinik die urologische Belegabteilung leiten, sowohl beim Aufbau des Prostatazentrums Münsterland als auch beim deutschlandweit ersten klinikübergreifenden Tumorzentrum „Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs)“. „Um Patienten mit einer Tumorerkrankung umfassend sowohl medizinisch als auch pflegerisch, therapeutisch und psychologisch betreuen zu können, ist ein tragfähiges Netzwerk vieler unterschiedlicher Experten notwendig“, betonen die Preisempfänger. Die Zentren werden regelmäßig von unabhängigen, externen Gutachtergremien überprüft und zertifiziert. Im Prostatazentrum Münsterland werden sowohl Patienten mit bösartigen als auch mit gutartigen Erkrankungen untersucht und behandelt.

Erkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostata) sind sehr verbreitet, bei den über 50-Jährigen leidet bereits jeder zweite, ab 75 fast jeder Mann unter einer gutartigen Vergrößerung der Drüse. Neben den gutartigen Erkrankungen treten deutschlandweit außerdem rund 60.000 Fälle von Prostatakrebs jährlich neu auf, damit ist diese Form der Krebserkrankung die häufigste bei Männern hierzulande.

Bild: Dr. Maximilian Cohausz (2.v.l.) während der Preisübergabe durch Alida Cardinal, Dr. Axel Schroeder und Prof. Dr. Maurice Stephan Michel (v.l.)

Grippeimpfung: Kleiner Picks, große Wirkung

Ein grippaler Infekt wird häufig mit der echten Grippe verwechselt. Und deshalb verharmlost. Die Grippe ist eine ernstzunehmende Erkrankung, sagt Virologe Prof. Dr. Stephan Ludwig. Schutz bietet eine Grippeimpfung, die dieses Jahr erstmalig allen Versicherten als sogenannter Vierfach-Impfstoff zugänglich ist.

Münster (ukm/maz) – Grippe wird unterschätzt – und damit auch die Impfung dagegen. Lediglich 30 bis 40 Prozent der Deutschen lassen sich jährlich impfen, die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Quote von 65 bis 70 Prozent. „Nur so stellen wir eine Herdenimmunität sicher und können damit eine Grippewelle bestmöglich verhindern“, sagt Prof. Dr. Stephan Ludwig, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) und Koordinator des bundesweiten FluResearchNet. Mehr als 1600 Menschen starben laut Robert-Koch-Institut im vergangenen Winter an der Influenza, die Dunkelziffer war vermutlich weitaus größer. Die Zahl von 334.000 bestätigten Fällen lag um 65 Prozent höher als im Vorjahr.
Deshalb antwortet Ludwig auch auf die Frage, wer sich impfen lassen soll: „Am besten alle! Wir brauchen Überzeugungstäter, um die Krankheit, die uns in den westlichen Breitengraden am meisten in Schach hält, eindämmen zu können.“ Insbesondere gilt die Impfempfehlung aber für chronisch Kranke, Menschen ab 60 Jahre sowie Schwangere. Auch medizinisches Personal sollte sich durch die Impfung schützen – und das jedes Jahr neu. „Einen Universalimpfstoff, der über zehn oder fünfzehn Jahre schützt, gibt es noch nicht, auch wenn daran seit Jahrzehnten geforscht wird“, erklärt Ludwig mit dem Hinweis, dass Wiederholungstäter beim Impfen dennoch von einem besonderen Schutz profitieren. „Es kann sich immer ein anderer oder gar neuer Erreger durchsetzen, als prognostiziert wurde, und dann schützt die stetig Geimpften eine Kreuzreaktivität des Immunsystems auf Basis vorhandener Stoffe von vorherigen Impfungen.“

Bild: Macht sich für eine höhere Impfquote bei Grippe stark: Prof. Dr. Stephan Ludwig, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie am UKM.

Allerdings will der Virologe auch nicht verhehlen, dass die Grippeimpfung – solitär betrachtet – in der vergangenen Saison nur bedingt half. „Die Experten-Prognose, welche Erreger in der Welt aktuell jeweils aktiv sind, war im vergangenen Winter falsch“, weiß Stephan Ludwig. Grundlage für die jährlichen Annahmen sind zwei A- und zwei B-Typen des Grippevirus, die immer wieder unterschiedlich auf der Welt zirkulieren. Bisher wurden jeweils drei der erwarteten Virusvarianten in den Standard-Impfstoff aufgenommen, ein Vierfach-Stoff nicht von den Kassen erstattet. Zudem war in der vergangenen Saison nicht ausreichend Vierfach-Impfstoff für eine breite Abdeckung verfügbar, nachdem die Prognose korrigiert wurde. „Darauf hat die STIKO, die Ständige Impfkommission, reagiert. Dieses Jahr erhalten alle den hochwertigen Impfstoff und die Hersteller konnten dementsprechend produzieren“, erklärt Ludwig.

Der beste Zeitpunkt für eine Impfung ist übrigens genau jetzt, im Herbst. Wer aktuell aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden kann, für den macht auch eine Impfung im November oder Dezember Sinn. Ludwig: „Erfahrungsgemäß verläuft die Grippe in zwei Wellen und so ist man zumindest für die zweite Welle, die im letzten Winter übrigens die deutlich stärkere war, geschützt.“ Die Impfung ist beim Hausarzt möglich und die Kosten trägt die Krankenkasse. Nach zwei Wochen ist der Impfschutz vollständig vorhanden.

Welttag der seelischen Gesundheit (10.10.2018): Es gibt keine vollkommene psychische Gesundheit

Münster (ukm/aw) – Der Welttag der seelischen Gesundheit und die dazugehörige Aktionswoche will die Bevölkerung für die Probleme von psychisch und psychosomatisch Erkrankten sensibilisieren. Allein die Zahl der Krankschreibungen aufgrund von psychischen Beschwerden ist laut einer Auskunft der Bundesregierung zwischen 2008 und 2016 um rund 60 Prozent gestiegen. Univ.-Prof. Dr. med. Dr. theol. Gereon Heuft, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am UKM (Universitätsklinikum Münster), warnt vor einer Stigmatisierung und fordert Betroffene auf, sich Hilfe zu holen.

Bild: Univ.-Prof. Dr. med. Dr. theol. Gereon Heuft, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am UKM

Wann spricht man von seelischer Gesundheit?
Zuerst einmal spricht der Fachmann von psychischer, nicht von seelischer Gesundheit, um die Abgrenzung zum Transzendentalen zu gewährleisten. Psychische Gesundheit ist, wenn man es salopp sagen will, etwas, was wir nie ganz erreichen. Jeder hat bessere und schlechtere Tage. Aber wir sprechen von psychischer Gesundheit, wenn jemand mit sich selbst sowie im privaten Umfeld – also seinen sozialen Beziehungen – ohne andauerndes Leid zurechtkommt.

Wodurch kann die psychische Gesundheit eingeschränkt sein?
Da gibt es eigentlich drei denkbare Ursachen. Einmal: ich komm mit meinem Leben im Großen und Ganzen gut zurecht – und dann passiert etwas, was mich von außen trifft. Also, dass mich zum Beispiel jemand bewusst angreift oder verletzt. Oder zweitens: Ich erkranke schicksalhaft, beispielsweise eine Krebserkrankung, und ich komme mit dem Kranksein nicht zurecht. Und zum Dritten können intrapsychische Themen vorliegen, die unverarbeitet sind. Zum Beispiel wenn ich mich schon in meiner Herkunftsfamilie als Kind zurückgesetzt gefühlt habe, gekränkt worden bin durch Eltern, die nie Zeit hatten oder mich abgewertet haben. Das kann sich so auswirken, dass, wenn ich erwachsen bin, ich aus diesen Erfahrungen heraus beispielsweise eine hohe Kränkbarkeit habe. Und wenn dann etwas am Arbeitsplatz oder im Privatleben passiert, zum Beispiel, mein Partner oder die Partnerin geht fremd – was eine sehr kränkende Erfahrung ist – dann kann das zum Auslöser werden, dass man psychische oder psychosomatische Symptome entwickelt.

Die Woche der seelischen Gesundheit will aufklären: Warum werden Menschen, die mit einer psychischen Erkrankung zu tun haben, immer noch stigmatisiert?
Menschen, die noch nie eine psychische Problematik hatten, halten das Thema oft von sich fern, indem sie sagen: Die anderen, die haben das Problem. Insofern entlasten sie sich selbst durch Glaubenssätze wie: „Ich krieg nie eine Depression! Ich bin belastbar und überhaupt nicht kränkbar – anders als andere.“ Mit dem Zeigen des Fingers auf die anderen zeigen sie aber indirekt auf sich selbst zurück und wollen nur nicht wahrhaben, dass auch sie selber betroffen sein könnten. Und dann gibt es noch einen hohen und weit verbreiteten Grad an Selbststigmatisierung. Beispielsweise die Mutter, die sich aufgrund ihrer psychischen Belastung nicht um ihr Kind kümmern kann, und die von sich selbst deshalb sagt: „Ich bin ein Versager!“ Das kann aus dem Gefühl der eigenen Wertlosigkeit heraus dann bis hin zur Suizidalität führen.

Wenn man sich die steigende Zahl von Krankschreibungen vom Menschen im Beruf aufgrund von psychischen Erkrankungen ansieht, handelt es sich offenbar um ein wachsendes gesellschaftliches Phänomen: Muss da mehr aufgeklärt werden?
Ich finde jedenfalls, dass es immer Sinn macht, aufzuklären. Wir haben Aufklärungsbedarf vor allem mit Blick darauf, dass es eben gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. Vor allen Dingen in Fällen, wo die Betreffenden sich total zurückziehen oder denken, wegen ihrer körperlichen Beschwerden sei ihnen sowieso nicht zu helfen. Diese Menschen sollten erfahren, dass da Hilfe möglich ist. Und auch die Angehörigen, Freunde oder Beziehungspartner müssen wissen, dass sie unterstützen können und sagen, „Mensch, probier‘ das doch einfach mal, führe mal ein Beratungsgespräch und nimm die Hilfe an!“

Wann ist der Punkt erreicht für den Einzelnen, dass er losgehen sollte, um sich Hilfe zu holen?
Der Dreh- und Angelpunkt ist das persönliche Leiden. Und da sollte man nicht versuchen, den Helden zu spielen! Wenn man für sich persönlich merkt, sei es nun nach einem äußeren Ereignis oder nach einer Lebensveränderung, oder in Einzelfällen auch scheinbar ohne äußeren Auslöser: Ich tue mich zunehmend schwerer mit der Bewältigung meines Alltags. Aufgrund eines verminderten Antriebs, wegen Ängsten oder körperlicher Beschwerden. Oder mir sagen Menschen von außen, dass ich mich zum Nachteil verändert habe: Dann sollte ich zumindest einmal eine Diagnostik wahrnehmen. Damit ist ja noch nichts passiert: Ich bleibe ja immer Herr und Frau des Verfahrens! Ich kann mich unverbindlich beraten lassen, welche therapeutischen Möglichkeiten es für mich gäbe, und dann bin ich selbst am Zug. Es bleibt ein Angebot, ohne dass mir etwas aufgezwungen wird.

Neue Therapiemöglichkeiten bei Hautkrebs (z.B. Merkelzellkarzinom)

Nach der Diagnose „Merkelzellkarzinom“ ließ sich Lothar Becherer im UKM-Hauttumorzentrum behandeln. Dank innovativer Immuntherapie hat er endlich wieder Hoffnung.

Münster (ukm/lie) – Beim Rasieren fiel Lothar B. die kleine Hautveränderung an der rechten Wange auf. „Ich habe mir erstmal nichts dabei gedacht“, erzählt der 79-Jährige. Eine Woche später ging er in seiner Heimatstadt Bergkamen dann doch zum Hautarzt, um die Stelle sicherheitshalber kontrollieren zu lassen. Es wurden Proben entnommen und untersucht. Das beängstigende Ergebnis: Verdacht auf ein sogenanntes Merkelzellkarzinom, eine besonders aggressive Form von Hautkrebs.

Zur weiteren Behandlung ging Lothar B. ins UKM-Hauttumorzentrum, das zum Zentrum für Krebsmedizin des UKM (Universitätsklinikum Münster) gehört. Der Verdacht bestätigte sich. „Ich war völlig aufgelöst“, erinnert sich der Rentner. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“

Das war im September 2016. Dass Lothar B. heute wieder nach vorne blicken kann, verdankt er zu großen Teilen einer Immuntherapie mit einem neu zugelassenen Wirkstoff – dem PD-L1-Antikörper Avelumab. „Mechanismen, mit denen die Krebszellen sich vor dem Immunsystem verstecken, werden durch den Antikörper blockiert“, erklärt Dr. Carsten Weishaupt, Leiter des UKM-Hauttumorzentrums. „Zudem aktiviert der Wirkstoff spezifische Immunzellen und ermöglicht somit eine gezielte Attacke des körpereigenen Abwehrsystems auf das bösartige Gewebe.“

Immuntherapien gelten als großer Hoffnungsträger in vielen Bereichen der Krebsmedizin. Beeindruckend sind bisher vor allem die Erfolge beim schwarzen Hautkrebs (Melanom) und beim fortgeschrittenen Lungenkrebs. Seit September 2017 ist nun der neue Antikörper Avelumab für die Therapie des metastasierten Merkelzellkarzinoms zugelassen. Mit deutschlandweit weniger als 400 Neuerkrankungen pro Jahr zählt es zu den seltenen Erkrankungen. Bei den meisten Patienten kann der auffällige violett-blaue und kugelige Tumor erfolgreich chirurgisch entfernt werden. Bei der Hälfte der Betroffenen kommt es jedoch trotz OP und Strahlentherapie zu einem Rezidiv, und bei einem Drittel entwickeln sich Metastasen. Auch bei Becherer brachten die bisherigen Standardtherapien zunächst nicht den gewünschten Erfolg. Der Tumor war so aggressiv, dass sich bereits kurze Zeit nach der chirurgischen Entfernung und noch während der anschließenden Strahlentherapie immer wieder neue Absiedlungen direkt unterhalb des rechten Auges und am Hals bildeten. „Ich habe die Hoffnung trotzdem nie aufgegeben“, blickt B. auf diese schwierige und für die gesamte Familie sehr belastende Zeit zurück.

Im November 2017 entschlossen sich Weishaupt und seine Kollegen in der interdisziplinären Hauttumorkonferenz, neue Wege bei der Behandlung zu gehen. „Die Wirkung der Immuntherapie ist beeindruckend“, berichtet der Dermatologe. Bereits nach den ersten drei Infusionen bildete sich der Tumor am Hals deutlich zurück. Inzwischen sind bei den regelmäßigen Kontrollen in den MRT-Bildern keine Metastasen mehr sichtbar. „Ich habe auch kaum Nebenwirkungen“, freut sich Lothar B., der nur ab und zu ein wenig unter Müdigkeit leidet. „Endlich erweitern sich die Behandlungsmöglichkeiten bei Hautkrebs“, so Dr. Weishaupt. „Auch wenn wir nicht immer von Heilung sprechen können, führen die neuen Substanzen doch zu deutlich verbesserten Therapieerfolgen bei oft guter Lebensqualität.“

Bild: Freuen sich über den Therapieerfolg: Dr. Carsten Weishaupt und Lothar B. (v.l.) – © Foto (UKM/Marschalkowski).

Ein Vierteljahrhundert für moderne Psychotherapie

Münster – Vor 25 Jahren wurde die Christoph-Dornier-Klinik in Münster eröffnet. Seitdem unterstützt sie psychisch erkrankte Menschen dabei, Wege zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Für die Gesundheitsregion Münsterland sei sie ein Glücksfall und wichtiger Partner ‒ hoch kompetent und hoch spezialisiert, sagt Peter Schnepper, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, kurz bevor er die Jubiläumsurkunde überreicht.

„1993 wurden störungsspezifische Vorgehensweisen, die sich im englischsprachigen Raum als sehr effektiv erwiesen hatten, in deutschen Kliniken kaum angewandt. Für die evidenzbasierte Psychotherapie in Deutschland war die Christoph-Dornier-Klinik ein Meilenstein. Ihr Konzept und ihre Struktur ermöglichten, moderne und wissenschaftlich begründete, hochwirksame Therapieverfahren konsequent umzusetzen“, so der leitende Psychotherapeut, Benedikt Klauke, zuvor in seinem Festvortrag. Mit spannenden Einblicken in die damalige Berichterstattung lässt er vor Mitarbeitenden und Gästen die Geschichte der Klinik noch einmal Revue passieren.

Bild: Stolz auf 25 erfolgreiche Jahre Psychotherapie: Peter Schnepper (IHK) und die therapeutische Leitung der Christoph-Dornier-Klinik, (v.l.n.r.) Vera Frühauf, Andreas Pelzer, Benedikt Klauke und YooJeong Lee (Copyright: Christoph-Dornier-Klinik)

Ihre Gründung geht auf die private Initiative des Querdenkers, Malers und Mäzens Christoph Dornier (1938 – 2008) zurück, einem Sohn des Flugzeugbauers Claude Dornier (1884 – 1969). Sein Anliegen war es, den Transfer neuester psychotherapeutischer Forschungsergebnisse in die Praxis zu fördern. Diese Vision wurde Wirklichkeit und werde bis heute gelebt, sagt Klauke.

Angst- und Zwangserkrankungen, Essstörungen, Depressionen, Traumafolgestörungen und Persönlichkeitsstörungen sind die Behandlungsschwerpunkte des Hauses. Rund 400.000 Einzeltherapieeinheiten wurden seit der Eröffnung geleistet. Zusammen mit ergänzenden Gruppentherapien sind es weit über eine halbe Million.

Wie gut der zentrale Standort in der Tibusstraße geeignet ist, das Therapiekonzept umzusetzen, illustriert der promovierte Diplom-Psychologe an konkreten Beispielen. Der Lambertiturm, der Wochenmarkt, die Feuerwehr, aber auch Busse und öffentliche Toiletten kommen darin vor. Alles sei für Alltagserfahrungen, aber auch für Expositionsübungen, in denen sich Patient*innen ihrer Angst vor Höhe, Schmutz oder Menschenmengen stellen, fußläufig erreichbar. Neben der Arbeit an Gedanken und Emotionen sind diese ein wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Ihrem Fokus auf die individuelle intensive Einzelpsychotherapie sei die Klinik immer treu geblieben, schließt ihr leitender Arzt Andreas Pelzer. Gemeinsam mit seinem Team freue er sich nun darauf, das innovative Behandlungskonzept in die Zukunft zu führen und weiteren Jugendlichen und Erwachsenen zugänglich zu machen.

„In der Wirtschaft spricht man mit Respekt von Hidden Champions, familiengeführten kleinen und mittleren Betrieben mit innovativen Spezialprodukten, internationaler Ausrichtung und hohem Verantwortungsbewusstsein. Für mich ist auch die Christoph-Dornier-Klinik ein ganz besonderes Unternehmen – freilich ohne „hidden“ zu sein. Die Menschen, die das Haus führen und die es mit Leben füllen, sind keine Maschinen. Sie stellen sich in den Dienst erkrankter Menschen und sie arbeiten täglich daran, für sie und für die Klinik noch besser zu werden. Das zeichnet echte Champions aus. Respekt und Glückwunsch für 25 erfolgreiche Jahre!“, gibt Peter Schnepper dem Klinikteam mit auf den Weg. Dann überreicht er die Jubiläumsurkunde der IHK.

Ein starkes Team für eine stabile Wirbelsäule: UKM als Top-Zentrum (Level I-Zentrum) zertifiziert

Kliniken für Orthopädie, Neurochirurgie und Unfallchirurgie des UKM im Schulterschluss als Level I-Zentrum eines 3-stufigen Systems der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft ausgezeichnet.

Münster (ukm/maz) – Mit der Auszeichnung „Level I-Zentrum“ der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft gehört das UKM (Universitätsklinikum Münster) ab sofort zum Kreis von 15 Kliniken bundesweit, die diese höchste von drei Zertifizierungsstufen offiziell führen dürfen. Die münsterschen Spezialisten der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie (Direktor: Prof. Dr. Georg Gosheger), Klinik für Neurochirurgie (Direktor: Prof. Dr. Walter Stummer) und Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie (Direktor: Prof. Dr. Michael Raschke) behandeln das komplette Spektrum der einfachen bis komplexen Wirbelsäulenleiden wie degenerative und entzündliche Erkrankungen, Tumore, Verletzungen und Deformitäten der Wirbelsäule. Knapp 1000 Operationen führen die drei Kliniken am UKM pro Jahr an der Wirbelsäule durch – eine große Expertise im überregionalen Vergleich. Die Patienten profitieren dabei von modernsten Operationsverfahren und der interdisziplinären universitären Forschung zu Erkrankungen und Behandlungen der Wirbelsäule; dazu gehören zum Beispiel die spinale Navigation, das elektrophysiologische Monitoring, minimalinvasive Techniken und die Verwendung neuester Implantatmaterialien. Diese Verfahren haben in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Patientensicherheit geführt.

Während die Akutversorgung interdisziplinär am UKM erfolgt und sich aus verschiedenen Therapiebausteinen wie Diagnostik und operativer Therapie, medikamentöser Behandlung, Physio-, Sport- und Ergotherapie zusammensetzt, erfolgt die weitere Versorgung der Patienten in kooperierenden Rehabilitationskliniken der Umgebung.

Bild: Ausgezeichnet für die Versorgung von Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen (v.l.): Dr. René Hartensuer, Prof. Dr. Michael Raschke (beide Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie), Dr. Albert Schulze Bövingloh und Dr. Tobias Lange (beide Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie) sowie Dr. Nils Warneke, Prof. Dr. Walter Stummer und Dr. Michael Schwake (alle Klinik für Neurochirurgie).

ECMO rettet Baby Ylvie

Die Extracorporale Membranoxygenierung (ECMO) ist als Eingriff genauso schwerwiegend, wie der Name vermuten lässt: Gemeint ist eine Lungenersatztherapie, die außerhalb des Körpers per Maschine erfolgt. Das UKM ist eines der wenigen ECMO-Zentren in Deutschland. Bei Baby Ylvie hat die Therapie kurz nach der Geburt das Überleben gesichert.

Münster (ukm/aw) – Die Geschichte rund um Klein-Ylvies Geburt ist kurios: Ihre Mutter, Laura Trenkamp, war jahrelang Hebamme an einem münsterländischen Krankenhaus. Dieses kooperiert eng mit der Geburtshilfe und der Pädiatrie am UKM (Universitätsklinikum Münster): Das UKM tritt immer dann auf den Plan, wenn ein Kind nach der Geburt eine medizinische Versorgung benötigt, die es nur an einem Universitätsklinikum gibt – also meistens im Notfall. Dass das für ihre Tochter gelten könnte, hatte die junge Mutter nicht gedacht, denn die Schwangerschaft verlief eigentlich unproblematisch. Deswegen plante die 33-Jährige – die zwischenzeitlich mit ihrem Mann nach Kassel verzogen war und dort nun in einem Geburtshaus arbeitet – ihre Tochter stressfrei an ihrer neuen Wirkungsstätte zur Welt zu bringen. „Mir wurde klar, dass daraus nichts werden würde, als mein Gynäkologe mir sagte, dass ich zu wenig Fruchtwasser habe und mich wegen der Gefahr von Komplikationen lieber in eine Klinik überweisen würde.“ Und so fuhr Laura Trenkamp in der 41. Schwangerschaftswoche ins Münsterland zurück, um sich für die Geburt in die ihr gut bekannten Hände ihrer früheren Kollegen zu begeben: „Wenn schon Klinik, dann dort! dachte ich und war zuversichtlich. Aber nachdem Ylvie auf der Welt war, ging es ihr offensichtlich nicht gut. Sie atmete nicht und musste notfallmäßig versorgt werden. Alle schüttelten immer nur den Kopf, wenn ich wissen wollte, wie es ihr geht. Da wusste ich, dass es schlimm um sie steht.“

Tatsächlich hatte Ylvie durch den Stress bei der Geburt Stuhlgang (auch Kindspech oder Mekonium genannt) ausgeschieden und unter der Geburt aspiriert, also „eingeatmet“. Diagnose: Mekoniumaspirationsyndrom (MAS). „Das Mekonium verklebte regelrecht ihre Lungen und Bronchien, ein selbständiges Atmen ist dann nicht mehr möglich.“, sagt Prof. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKM. Dass Mekonium aspiriert werde, sei gar nicht so selten. Rund ein bis zweimal pro Monat werde ein Kind mit einer solchen Diagnose ins UKM gebracht. „Bei Ylvie war die Situation lebensbedrohlich, wir mussten sofort handeln“, sagt Funktionsoberärztin Dr. Wiebke Beckmann, die das kleine Mädchen mit einem Rettungs-Transport sofort holte. Hier wurde das Kind an die ECMO angeschlossen. Bei dem Verfahren wird das Blut über einen Oxygenator mit Sauerstoff angereichert und anschließend dem Patienten wieder zugeführt. „Durch diese Lungenersatztherapie können wir das Blut der Patienten direkt mit Sauerstoff versorgen und die Lunge ist unbelastet und hat Zeit, sich zu erholen und zu entfalten“, so Beckmann.
Für Laura Trenkamp und ihren Mann eine bange Zeit des Wartens: „Ich glaube, ich habe mir noch mehr Gedanken gemacht als jemand, der nicht vom Fach ist“, sagt die Hebamme. Jetzt, einen Monat später, geht es dem Baby dank ECMO wieder gut. Die Lungen haben sich über die Flimmerhärchen selbst gereinigt, die Entzündung ist abgeheilt – sie atmet selbständig! Wenn alles nach Plan läuft, soll Ylvie bald mit ihrer Mama nach Hause nach Kassel dürfen. Trenkamp ist dankbar: „Ich habe das ganze UKM-Team als sehr einfühlsam und menschlich empfunden. Man spricht ja oft kritisch von der ‚Apparatemedizin‘, aber es ist ein Segen, dass es sie für solche Fälle gibt!“

Bild: Klein-Ylvie und Mama Laura Trenkamp können bald nach Hause. Entsprechend strahlt das Neonatologie-Team der Station 19 A West um Prof. Heymut Omran (3.v.l.) und Dr. Wiebke Beckmann (3.v.r.) (© Foto (UKM/Marschalkowski).