Archiv für das Jahr: 2018

Blinde Passagiere: Münstersche Forscher stellen Studie zur Einfuhr antibiotikaresistenter Keime durch Reisende vor

Münster (mfm/lt) – Aus dem Urlaub bringt man etwas mit nach Hause. Erinnerungen, Souvenirs – und manchmal auch antibiotikaresistente Keime. Jedes Jahr infizieren sich ungefähr 54.000 Deutsche mit antibiotikaresistenten Keimen, ungefähr 2.300 sterben, Tendenz steigend. Nur: Wo und wann ist das Risiko, sich zu infizieren am größten? Eine Forschergruppe mit Wissenschaftlern aus Münster, Berlin und Groningen hat jetzt eine Studie zu der Frage vorgestellt, wann genau sich Auslandsreisende mit den antibiotikaresistenten Keimen infizieren und welche Risikofaktoren besonders gravierend sind.
An der Studie nahmen über 100 Personen teil, die in der deutsch-niederländischen Grenzregion wohnen. Voraussetzung war, dass die Teilnehmer eine Reise nach Afrika, Asien oder Südamerika machten. In diesen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, sich mit antiobiotikaresistenten Keimen zu infizieren. Das größte Infektionsrisiko liegt mit 75 Prozent bei Reisen nach Südasien vor, etwa in Ländern wie Indien, Pakistan oder Afghanistan.

Was können Reisende tun, um keine solchen Keime mit nach Hause zu bringen? Prof. Frieder Schaumburg von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster rät vor allem eines: „Es ist unnötig, Angst zu haben“. Wichtig sei die Tatsache, dass die meisten Reisenden nur vorübergehend mit bestimmten antibiotikaresistenten Keimen besiedelt seien. Nach der Reise lägen schon bald keine Infektionen mehr vor. Wer bei guter Gesundheit sei, müsse sein Reiseverhalten nicht unbedingt ändern. Denn auch, wenn sich antibiotikaresistente Keime im Körper eines Menschen befänden, hieße das noch lange nicht, dass diese eine Krankheit auslösen.

Wer allerdings unter einem geschwächten Immunsystem leidet, sollte bei einer Reise höhere Vorsicht walten lassen. Die Risikofaktoren für eine Besiedlung sind keine große Überraschung: Wer eine Reise nach Asien unternimmt, in Süßwasser-Gewässern schwimmt und sich vor allem von Streetfood oder nicht vegetarisch ernährt, läuft eher Gefahr, sich mit antibiotikaresistenten Keimen zu infizieren.

Laut der Studie wurden die meisten Probanden auf ihrer Reise vorübergehend mit Extended-Spectrum-Betalaktamasen (ESBL) besiedelt. Das sind bakterielle Enzyme, die gegen mehrere Antibiotika – beispielsweise gegen Penicilline – resistent und für viele Infektionen verantwortlich sind. Ein Beispiel für ESBL-bildende Keime sind die bekannten Escherichia coli (E. coli). Sie kommen auch bei gesunden Menschen in der Darmflora vor und sind in den meisten Fällen nicht gefährlich. Doch gibt es einige pathogene (krank machende) Stämme, die durchaus Infektionen auslösen können. Vermehrt kam es bei den Probanden auch zu Infektionen mit Carbapenem-resistenten (ColR-GN) oder nicht intrinsisch Colistin-resistenten gramnegativen (ColR-GN) Bakterien. Gramnegativ beschreibt ein diagnostisches Unterscheidungsmerkmal verschiedener Bakterienstämme. Durch die Gramfärbung können Keime als gramnegativ (dünne Zellwände) und grampositiv (dicke Zellwände) klassifiziert werden. Anhand dieser Unterscheidungen leiten sich unterschiedliche Behandlungsmethoden ab.

Bei Carbapenemen und Colistin handelt es sich um sogenannte Antibiotika, die aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen nur in wenigen und besonders gefährlichen Fällen von bakteriellen Infektionen verwendet werden sollen. Besonders die vermehrt auftretenden Carbapenem-resistenten Keime stellen Ärzte bei der Behandlung von Infektionen vor Probleme, da diese oft zusammen mit mehreren Resistenzen auftreten.

Die Studie – deren Veröffentlichung in Vorbereitung ist – war Teil des EurHealth1Health-Projektes, das innerhalb des INTERREG-Programms Deutschland-Nederland durchgeführt und durch die Europäische Union, das niederländische Gesundheitsministerium, das NRW-Wirtschaftsministerium sowie die Niedersächsische Staatskanzlei mitfinanziert wird. EurHealth-1Health, das von dem Universitätsklinikum Groningen koordiniert wird, hat zum Ziel, durch grenz- und sektorübergreifende Zusammenarbeit antibiotikaresistente Keime gemeinsam zu bekämpfen und Infektionsprävention zu stärken.

Bild: Die Forscher Priv.-Doz. Dr. Robin Köck (Berlin), Dr. Corinna Glasner (Groningen), Prof. Karsten Becker und Prof. Frieder Schaumburg (beide: Universität Münster) bei der Vorstellung ihrer Studienergebnisse (v.l., Foto: FZ/M. Thomas)

Auszubildende backen für den guten Zweck

Münster – Weihnachtsmusik und der Duft nach frisch gebackenen Keksen liegen in der Luft, die normalerweise auf Hochglanz polierten Arbeitsflächen in der Küche des Restaurants „Gabriel’s“ sind mit Mehl und Teigresten übersäht. Die Auszubildenden des Hotels Kaiserhof backen Weihnachtsplätzchen am laufenden Band und haben sichtlich Spaß daran. „Das ist eine Tradition unseres Hauses. Wir backen jedes Jahr Weihnachtskekse, die dann für einen guten Zweck verkauft werden“, erklärt Daan Brussel, der Auszubildendensprecher des Hotels.

Verkauft wird das leckere Backwerk während eines adventlichen Nachmittags mit Lesungen und Musik, der am 8. Dezember um 16.30 Uhr im Foyer der Raphaelsklinik stattfindet. Alle Einnahmen werden dem „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik“ gespendet. Unter den Vorlesenden wird auch der Schirmherr des Fördervereins, Jörg Adler, sein. „Als ich der Pächterin des Kaiserhofs, Anja Fenneberg, von der Idee erzählte, habe ich offene Türen eingerannt“, berichtet die Vorsitzende des Fördervereins, Gaby Marbach und fährt fort: „Sie fand die Idee super!“. Rund 100 Tüten sollen es am Ende werden, das Rezept für den Teig stammt aus einem alten Kochbuch, wie Brussel verrät.

Die Auszubildenden lernen eigentlich andere Berufe, aber an diesem Tag mutieren sie zu versierten Bäckerinnen und Bäckern: „Für den guten Zweck machen wir das gerne!“, erklärt die angehende Hotelfachfrau Sophie Meyersieck. Und wenn am 8. Dezember adventliche Stimmung im Foyer der Klinik an der Loerstraße aufkommt, wird dies vermutlich nicht zuletzt an den leckeren Keksen der Auszubildenden vom Kaiserhof liegen.

Bild: Auszubildende des Hotels Kaiserhof backen Kekse für den guten Zweck (© Foto Raphaelsklinik)

Winterblues und Weihnachtsfrust

Viele kennen ihn, den „Winterblues“ – die Müdigkeit, die Antriebslosigkeit, die schwankende Stimmung und den Heißhunger auf Süßes, wenn die Tage kürzer und dunkler werden. Doch nicht nur der jahreszeitliche Mangel an natürlichem Tageslicht kann auf die Psyche schlagen. Weihnachten und Silvester kommen auch noch dazu.

Münster – Nicht jeder Winterblues ist eine Depression und die allermeisten depressiven Erkrankungen treten ganzjährig auf. Eine Ausnahme bildet die „Saisonal Abhängige Depression“. Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung leidet daran. Frauen erkranken häufiger als Männer, meistens im mittleren Alter. „Die Saisonal Abhängige Depression ist eine anerkannte depressive Erkrankung, die wiederkehrend, besonders in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Sie kann Erwachsene ebenso wie Kinder und Jugendliche und seltener auch ältere Menschen treffen“, sagt Andreas Pelzer, Leitender Arzt der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Energie und Antrieb sind vermindert, die Stimmung ist gedrückt. Doch unter Schlafstörungen und Appetitlosigkeit, was für Depressionen ansonsten typisch ist, leiden die betroffenen Menschen nicht. Im Gegenteil, ihr Schlafbedürfnis ist sogar erhöht und Heißhunger auf Süßes führt eher zu einer Gewichtszunahme. Vor allem der Mangel an natürlichem Tageslicht sowie die verminderte Lichtintensität werden für die saisonale Depression verantwortlich gemacht. Das Glückshormon Serotonin soll mit an ihrer Entstehung beteiligt sein. Dies würde auch den Heißhunger auf Kohlenhydrate erklären, über den der Körper den Serotonin-Mangel im Gehirn auszugleichen versucht.

„Regelmäßige Bewegung im Freien bei Tageslicht kann oft schon viel bewirken. Auch eine Lichttherapie kann bei dieser Depressionsform sehr hilfreich sein. Bei mittelgradigen und schweren Erkrankungen stehen jedoch krankheitsspezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische und pharmakologische Therapien im Vordergrund“, erklärt Pelzer.

Einsamkeit, Stress und Familienzwist können Depressionen begünstigen

Doch nicht nur der Lichtmangel macht Menschen in dieser Jahreszeit zu schaffen. Auch die besinnliche und harmonische Weihnacht bleibt für viele ein herer Traum. Tatsächlich ist sie häufig von Stress, Familienstreitigkeiten und Einsamkeit gezeichnet. Gründe dafür gibt es viele. „An Weihnachten sind die Erwartungen oft enorm hoch. Alles soll schön sein. Alle sollen sich glücklich über tolle Geschenke freuen und, obwohl sie vielleicht nur einmal im Jahr zusammenkommen, bestens miteinander verstehen. Häufig artet die Vorbereitung in puren Stress aus, die Zeit ist meist knapp und beruflich steht nicht selten noch ein Jahresabschluss bevor. Andere fühlen sich zu dieser Zeit besonders einsam, weil sie an den Feiertagen alleine sind“, so der Münsteraner Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Er rät, die Erwartungen an Weihnachten grundsätzlich herunterzuschrauben und sich weder zu verausgaben noch aus Weihnachtsfrust zu Hause einzugraben. Denn beides könne eine depressive Erkrankung begünstigen. Ebenso wie Vergleiche mit anderen, denen es vermeintlich besser geht.

Nach Weihnachten und Silvester fallen viele Menschen in ein psychisches Loch

Nach den Feiertagen in ein psychisches Loch zu fallen, sei ebenfalls nicht ungewöhnlich, sagt Andreas Pelzer. Zum einen falle die Anspannung von einem ab, zum anderen habe man Zeit, nachzudenken und Bilanz zu ziehen. Die Erschöpfung wird spürbar und sichtbar. Doch auch, wenn alles gut verlaufen ist, kann es einem hinterher schlecht gehen. „Nach einer Zeit großer Anspannung muss sich der Hormonhaushalt erst wieder herunterregulieren. Manchmal kommt es vorübergehend zu einer sogenannten ‚Entlastungsdepression‘. Besonders anfällig sind Menschen, die zu Grübeleien und Stimmungsschwankungen neigen“, betont der leitende Arzt der Christoph-Dornier-Klinik. Diese werde aber nicht als Erkrankung eingestuft.

Psychologisches Infotelefon
Weitere Informationen zu Depressionen erhalten Interessierte unter www.christoph-dornier-klinik.de. Darüber hinaus bietet die Klinik mittwochs von 17 bis 20 Uhr ein Psychologisches Infotelefon an. Zu erreichen sind die Experten unter +49 (0)251 4810-148.

Sodbrennen: Mit dem Roboter gegen den Reflux

Jeder Dritte kämpft zumindest zeitweilig mit Sodbrennen. Neben den Schmerzen leiden Betroffene unter mangelndem Schlaf und Appetitlosigkeit. Frank Fritzsche wurde mit einem robotergestützten, minimal-invasiven Eingriff von seinen Beschwerden befreit.

Münster (ukm/maz) – Viele beschreiben es als brennendes Gefühl oder einen Druckschmerz an Brust und Speiseröhre: Sodbrennen. Jeder Dritte kennt das saure Aufstoßen, Räuspern und Heiserkeit, der Markt an Medikamenten ist riesig. „Doch jüngste Veröffentlichungen zeigen bei jahrelanger, regelmäßiger Säureblocker-Einnahme einen unmittelbaren Zusammenhang mit Erkrankungen wie Demenz oder Osteoporose“, sagt Dr. Jens-Peter Hölzen, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster). „Tatsächlich empfiehlt sich für einen Teil der Patienten eher eine Anti-Reflux-Operation.“ So wie für Frank Fritzsche (53), der zeitweilig sogar sitzend im Bett geschlafen hat, damit ihm die Magensäure nicht im wahrsten Sinne bis zum Hals stand.
Sein Beispiel zeigt, dass Betroffene nichts unversucht lassen: Umstellung der Ernährung, keine kohlensäurehaltigen Getränke, tägliche Einnahme von Medikamenten. Und doch gibt es meist nur Linderung, keine Heilung. „Sogar mein Hobby Motorradfahren war durch die etwas nach vorn geneigte Position eine Qual“, erzählt Fritzsche, der sich nach längerer ärztlicher Behandlung, Magenspiegelung und Säuremessung eine Zweitmeinung am UKM einholte. „Grund für Sodbrennen ist in den meisten Fällen nicht zu viel Magensäure, wie viele annehmen, sondern dass die Säure am falschen Platz ist“, erklärt Privat-Dozent Dr. Mike Laukötter, Bereichsleiter Oberer Gastrointestinaltrakt. „Bei der Operation wird der Verschlussmechanismus des Übergangs der Speiseröhre in den Magen ausgebessert, damit die Magensäure nicht wieder zurück fließen kann.“

Die Ursachen für Sodbrennen können vielfältig sein, nicht immer sind sie zu ergründen. Bei dem Niedersachsen Fritzsche lag ein Zwerchfellbruch zugrunde. Nach der Beratung am UKM entschied er sich für den Eingriff mit dem robotergestützten System Da Vinci. Dem Operateur stehen dabei vier flexible Arme, die über eine Konsole gesteuert werden und viel beweglicher als das menschliche Handgelenk sind, und eine Hochleistungskamera zur Verfügung. „Das millimeter-genaue Operieren ist vor allem an schwer zugänglichen und engen Stellen wichtig, wie zum Beispiel im Bereich der Speiseröhre, wo viele empfindliche Strukturen wie Milz, Leber und Hauptschlagader nicht verletzt werden dürfen“, erklärt Robotik-Chirurg Hölzen. Mit welcher Operationsmethode eine Besserung der Symptome erreicht und ob ein Patient mit Hilfe des Roboters operiert wird, entscheiden die behandelnden Experten jeweils individuell.

Frank Fritzsche verlässt das UKM zwei Tage nach der 90-minütigen Operation positiv gestimmt: „Ich habe seit dem Erwachen nach der OP keine Anzeichen mehr von Sodbrennen.“ Nach Brei am ersten Tag konnte er langsam mit normaler Nahrung beginnen; in etwa sechs Wochen ist seine Speiseröhre dann wieder so trainiert, dass sie normal funktioniert.

Bild: Positiv gestimmt am Krankenbett: Patient Frank Fritzsche mit seinen Operateuren Dr. Jens-Peter Hölzen (l.) und Privat-Dozent Dr. Mike Laukötter.

Neuer Kicker für die Kinderklinik

Münster – Sportlich geht es ab sofort im Spielzimmer der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Clemenshospitals zu. Die kleinen Patienten können sich über einen nagelneuen Fussball-Kicker freuen, der von der Firma „Live Kicker“ gespendet wurde. Vermittelt wurde die Spende von der Stiftung „leuchte auf“ des Fußballvereins Borussia Dortmund. „Der Aufenthalt im Krankenhaus kann gerade für Kinder zwischendurch auch mal langweilig werden“, erklärt der Chefarzt der Kinderklinik, Priv.-Doz. Dr. Otfried Debus, da sei ein Kicker eine sehr schöne Abwechslung, die zugleich auch noch die Auge-Hand-Koordination der Kinder fördere, wie der Mediziner erläutert.


Bild: Freuen sich über den neuen Fussball-Kicker im BVB-Design: Patienten und Mitarbeiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Clemenshospitals (© Foto Clemenshospital)

Pedelec-Simulator: Mit dem Pedelec durchs Klinikfoyer

Münster – Es ist der Albtraum jedes Radfahrers: Gemütlich mit der Leeze auf Münsters Straßen unterwegs zu sein, mit den Gedanken vielleicht gerade ganz woanders und plötzlich öffnet sich die Tür eines Autos oder Kinder kommen zwischen parkenden Fahrzeugen hervorgelaufen. Solche und weitere kniffelige Verkehrssituationen haben sich im Foyer des Clemenshospitals abgespielt und sowohl Mitarbeiter als auch Besucher die Schweißperlen auf die Stirn getrieben.

Mit Westfalens einzigem Pedelec-Simulator konnten unterschiedliche Gefahrensituationen geprobt werden, ein Computerprogramm ermittelte danach die Reaktionsgeschwindigkeit des Fahrers und zeigte an, bei welcher Geschwindigkeit es unweigerlich zum Zusammenstoß gekommen wäre. „Viele Fahrer von E-Bikes müssen erst lernen, langsam zu fahren“, erklärte der Geschäftsführer der Verkehrswacht Münster, Christoph Becker und verwies darauf, dass in vielen Bereichen Münsters eine Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde einfach zu schnell sei. Eine Geschwindigkeit, die auch für ungeübte oder ältere Fahrer mit einem E-Bike problemlos erreicht werden kann.
„Wir finden es natürlich gut, wenn unsere Kolleginnen und Kollegen mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen und auf diese Weise etwas für ihre Gesundheit tun“, erklärte die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Clemenshospitals, Reinhild Everding und fuhr fort „allerdings möchten wir auch, dass sie unfallfrei unterwegs sind, da ist dieser Pedelec-Simulator eine tolle Sache!“. Für das erfolgreiche Absolvieren der simulierten Pedelec-Fahrten gab es für jeden Teilnehmer eine Sicherheitsweste. „Viele Mitarbeiter und Besucher der Klinik haben das Angebot genutzt“, freute sich Everding über den Erfolg der Aktion.

Bild: Christoph Becker und Alexander Barth (r.) von der Verkehrswacht Münster beobachten die Reaktionsgeschwindigkeit einer Klinikbesucherin auf dem Pedelec-Simulator (© Foto Clemenshospital

Urologen spenden für Palliativstation

Münster – Über eine Spende in Höhe von 5.000 Euro kann sich der „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik e.V.“ freuen. Übergeben wurde der Betrag von den Leitern der Urologischen Gemeinschaftspraxis Münster Dr. Walter Otto, Dr. Eckart Gronau und Dr. Maximilian Cohausz an die Vereinsvorsitzende Gaby Marbach. Es handelt sich um das mit der Verleihung des Alexander-von-Lichtenberg-Preises verbundene Preisgeld, das von der Deutschen Gesellschaft für Urologie vergeben wird. Ausgezeichnet wurde damit unter anderem die außergewöhnlich enge Verzahnung zwischen der ambulanten und stationären Versorgung der Patienten und die Erweiterung des Behandlungsspektrums um sogenannte komplementärmedizinische Angebote wie die traditionelle chinesische Medizin. Der Förderverein unterstützt die Palliativstation der Raphaelsklinik bei der Finanzierung von Leistungen, die von den Kassen nicht übernommen werden wie die Musiktherapie oder spezielle Rollstühle. „Diese großzügige Spende wird zu 100 Prozent den Patienten unserer Palliativstation zugute kommen!“, wie Marbach während der Spendenübergabe zusagte.

Bild: Die Vorsitzende des Fördervereins, Gaby Marbach (3.v.r.), nimmt die Spende von Dr. Maximilian Cohausz (3.v.l.) von der Urologischen Gemeinschaftspraxis entgegen.

Gründung einer Sportpsychiatrischen Ambulanz: Hilft Sport gegen das Zappelphilipp-Syndrom?

Sportpsychiatrische Ambulanz zur Erforschung der Auswirkungen von Sport auf die Psyche / Wissenschaftliche Begleitung des Projekts „Skaten statt Ritalin“ / Resilienzförderndes Angebot für Leistungssportler

Münster (ukm/aw) – Die Auswirkungen sportlicher Aktivitäten auf das psychische Befinden und auf psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen sind unbestritten positiv. Mit der Eröffnung einer sportpsychiatrischen Ambulanz an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKM (Universitätsklinikum Münster) hat sich gestern das deutschlandweit nunmehr elfte universitäre Zentrum gegründet, das die Effekte von Sport auf die Psyche erforschen will. Maßgeblich unterstützt wird dieses Kompetenznetzwerk von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN) mit ihrem Referat für Sportpsychiatrie. „Wir befinden uns sicher noch in der initiativen Phase. Es interessieren uns besonders die spezifischen Wirkfaktoren des Sports auf das psychische Befinden und die kognitive Leistungsfähigkeit“, sagt Prof. Patricia Ohrmann, die als Leiterin der Psychiatrischen Institutsambulanz auch die neue Sportambulanz organisiert. „Ein gutes Beispiel dafür ist das Projekt ‚Skaten statt Ritalin‘, das Titus Dittmann mit seiner Stiftung skate-aid initiiert hat. In einem Pilotprojekt haben wir mit dem Institut für Sportwissenschaft der Uni Münster (WWU) in diesem Jahr 30 Kinder aus dem Projekt im Alter zwischen acht und 14 mit einer ADHS-Diagnose ausführlich untersucht.“

Bereits seit 2012 engagiert sich die skate-aid-Stiftung mit speziellen Skateboard-Workshops für hyperaktive Kids mit ADHS. Die beobachteten Wirkungen waren durchweg positiv. Und so sucht die Stiftung seit diesem Jahr den Schulterschluss mit den Forschern, um die Erfolge des Skateboardens auf die Konzentrationsfähigkeit auch wissenschaftlich belegen zu können. Titus Dittmann berichtete in seiner Auftaktrede zur Veranstaltung gestern: „Wir bekommen fast überschwängliche Rückmeldungen von Eltern, die ihre Kinder durch das Skateboarden plötzlich ganz anders erleben. Sie sind konzentrierter und weniger ablenkbar. Sogar mit den Hausaufgaben läuft es plötzlich.“ Gesucht werden nun für eine Kontrollgruppe weitere Kinder mit einer ADHS-Diagnose.

Und noch eine weitere Zielgruppe will die neue sportpsychiatrische Ambulanz erreichen. „Leistungs- und Kadersportler sollen sich künftig bei psychischen Problemen an uns wenden können. Hier werden wir mit dem Institut für Sportmedizin am UKM zusammenarbeiten.“, so Ohrmann. „Der Freitod von Nationaltorhüter Robert Enke im Jahr 2009 hat im öffentlichen Bewusstsein verankert, dass auch die nach außen stark erscheinenden ‚Helden des Sports‘ von psychischen Störungen wie Depressionen betroffen sein können. Wir wollen ein Hilfsangebot schaffen, eine Anlaufstelle, die den Sportlern ermöglicht, Spitzenleistungen zu erbringen und gleichzeitig psychische Resilienz zu trainieren.“

Bild: Referierten anlässlich der Gründung der Sportpsychiatrischen Ambulanz (v.l.n.r.): Dr. Moritz Westhoff (MVZ Bonifatius Hospital Lingen), Titus Dittmann (Gründer der skate-aid-Stiftung), Dr. Karsten Henkel (Sportreferat DGPPN), Prof. Patricia Ohrmann (Leiterin der Sportpsychiatrischen Ambulanz UKM), Prof. Bernd Strauß (Institut für Sportwissenschaft WWU) und Dr. Jonathan Repple (UKM). (© Foto UKM)