Archiv für den Monat: November 2017

Infoveranstaltung zum Thema Herzschwäche lockte viele Besucher in die Raphaelsklinik

Die Informationsveranstaltung der Klinik für Innere Medizin I – Kardiologie „Das schwache Herz“ lockte am 25. November rund 160 Besucher ins Foyer der Raphaelsklinik.

Münster – Betroffene und Interessierte erfuhren, welche modernen Verfahren es gibt, um einer Herzschwäche vorzubeugen oder sie effektiv zu behandeln. „In den letzten Jahren sind große Fortschritte bei den Therapiemöglichkeiten erzielt worden“, sagte Prof. Dr. Claus Spieker, Chefarzt der Inneren Medizin. „Ein Problem ist aber, dass Patienten mit Herzschwäche die damit verbundenen Beschwerden, wie Leistungsabfall, Atemnot und geschwollene Beine, oft als altersbedingt hinnehmen.“ Es solle aber jeder, der unter Atemnot leidet, den Arzt aufsuchen, um zu klären, ob eine Herzschwäche die Ursache ist.

Neben weiteren Vorträgen über zeitgemäße kardiologische Rehabilitation bei Herzinsuffizienz und Neuerungen in der ambulanten Behandlung, standen den Besuchern verschiedene Informationsstände zur Verfügung. Nicht nur die Selbsthilfegruppe „Herz in Takt e.V.“, auch die Ernährungsberatung der Raphaelsklinik waren vor Ort. Hier informierten Mitarbeiter über Herzgesunde Kost und Interessierte konnten ihr individuelles Risiko für Herzkreislauferkrankungen bestimmen lassen. Nach den Vorträgen nutzten die Besucher zahlreich die Möglichkeit den Experten Fragen zu stellen, die diese gerne beantworteten. Viele Anwesende wollten beispielsweise wissen, welche Einschränkungen es im Alltag bei einer bekannten Herzinsuffizienz gibt. „Es spricht nichts dagegen in die Sauna zu gehen oder Sport zu treiben. Man sollte dabei aber auf sich hören und sich nicht verausgaben“, erklärte Dr. Frank Lieder, leitender Kardiologe der Chest Pain Unit (Brustschmerzzentrum).

Die Erkrankungshäufigkeit der Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist seit Jahren steigend. In Deutschland wird die Zahl der Patienten mit Herzschwäche auf zwei bis drei Millionen geschätzt. 300.000 kommen jedes Jahr neu hinzu, 50.000 sterben an dieser Erkrankung.

Bild: Zahlreiche Besucherinnen und Besucher informierten sich am Samstag in der Raphaelsklinik über das Thema Herzschwäche.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Erstes Netzwerktreffen der Babylotsen aus NRW

Babylotsen: Gemeinsamer Austausch zeigt Möglichkeiten und Probleme auf

Münster – Erstmalig trafen sich die Babylotsen verschiedener Geburtskliniken aus Nordrhein-Westfalen zu einem Netzwerktreffen. Der Bedarf an psychosozialer Unterstützung von Familien wächst stetig. Kostenlos beraten die Babylotsen Familien mit besonderem Hilfebedarf. Dabei wird in Absprache mit den Eltern passgenaue Hilfe vor Ort gesucht und in die regionalen Unterstützungsangebote vernetzt. Babylotsen leisten so einen wichtigen Beitrag, der das gesunde Aufwachsen von Kindern ermöglicht. Zum weiteren Ausbau des 2007 ins Leben gerufenen Projektes fand nun das erste Netzwerktreffen der NRW-Babylotsen statt.

Als erster Standort in NRW beteiligte sich 2015 das St. Franziskus-Hospital Münster an dem Projekt Babylotsen. Im weiteren Verlauf kamen das St. Johannes-Hospital Dortmund, das St. Rochus-Hospital Castrop-Rauxel, das St. Marien-Hospital Düren und die St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen hinzu. Beate Riße, Babylotsin im Franziskus Hospital, sieht einen deutlichen Mehrwert durch den neu gegründeten Arbeitskreis: „An unseren jeweiligen Standorten sind wir Einzelkämpfer. Uns fehlt in der täglichen Arbeit der fachliche Austausch“. Das neue Netzwerk ermöglicht, Arbeitsprozesse abzugleichen und Fallbesprechungen durchzuführen.

Das Treffen hatte jedoch auch die Finanzierungsproblematik des Projekts zum Thema. Die Finanzierung von Lotsendiensten in den Geburtskliniken ist derzeit im Regelsystem nicht vorgesehen. Erste Fördermittel laufen an vielen Standorten bereits aus. Das gilt auch für das St. Franziskus-Hospital Münster. „Das Projekt ist sehr wichtig und sinnvoll. Die Finanzierung steht jedoch leider auf der Kippe. Damit die Babylotsin ihre Arbeit bei uns weiterführen kann, sind wir momentan auf der Suche nach finanzieller Unterstützung“, erklärt Dr. Ansgar Klemann, Kaufmännischer Direktor des St. Franziskus-Hospitals.

Bild: Babylotsen der verschiedenen Krankenhäuser in NRW trafen sich in Dortmund zum gemeinsamen Austausch.
v.l.: Beate Riße (Münster), Lucia Goffin (Düren), Sylvia Milke (Hamm-Heessen), Sonja Wollny (Dortmund), Marina Odehnal (Castrop-Rauxel).

Quelle: © St. Franziskus-Hospital Münster

Hebammen überwinden Sprachbarrieren bei der Geburt

Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverbandes verliehen: St. Franziskus-Hospital Münster unter den sechs besten Projekten

Münster – In Berlin wurde jetzt der Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverbands Deutschlands (kkvd) verliehen. Unter den sechs nominierten Krankenhäusern war auch das St. Franziskus-Hospital Münster. Es hatte sich passend zum diesjährigen Caritas-Motto „Zusammen sind wir Heimat“ mit dem Projekt „Kultursensible Geburtshilfe“ beworben, das Sprachbarrieren überwinden hilft.

Die Idee dazu hatte Henrike Adam, Hebamme im St. Franziskus-Hospital. Das Haus verzeichnet jährlich rund 2500 Geburten; etwa 350 Mütter haben einen Migrationshintergrund. Fehlende Sprachkenntnisse können die Betreuung vor, während und nach der Entbindung erschweren. Im Rahmen einer Caritas-Weiterbildung zur Stationsleitung beschäftigte sich Henrike Adam mit Fragen der Verständigung. Ziel des Projektes „Kultursensible Geburtshilfe“ war es, bei den Patientinnen und Mitarbeitern Sprachbarrieren abzubauen, Empathie und Verständnis für kulturelle Unterschiede zu schaffen und Sicherheit zu vermitteln.

Im Juli 2016 wurde eine eigene Projektgruppe gegründet, welche aus drei Hebammen und zwei Gynäkologinnen des St. Franziskus-Hospitals bestand. Gemeinsam haben sie bebilderte Karten mit Begriffen in sechs Sprachen entwickelt. Sie ermöglichen die Verständigung rund um die Geburt auch ohne Deutsch- und Lesekenntnisse. Zudem wurden Anamnesebögen zum Ankreuzen in verschiedenen Sprachen erarbeitet. Für die Mitarbeiter wurde darüber hinaus eine Mappe mit Informationen über den Umgang mit traumatisierten Frauen erstellt. Die Arbeitsabläufe konnten damit vereinfacht und der Informationsfluss verbessert werden. „Ich finde es schön, dass mein Projekt so viel Zuspruch gefunden hat. Unter die Nominierten des kkvd-Sozialpreises zu gehören, hat mich sehr gefreut“, erzählt Henrike Adam.

Bild: Bei der Preisverleihung in Berlin (v.l.): kkvd-Vorsitzender Generalvikar Theo Paul, Iris Schulte-Bocholt, Henrike Adam, Monika Lottmann, Hebammen im St. Franziskus-Hospital Münster, Bernadette Rümmelin, Geschäftsführerin des kkvd, und Dr. Klaus Goedereis, Vorstandsvorsitzender St. Franziskus-Stiftung Münster.

Quelle: © St.-Franziskus-Hospital Münster

Alternative zur OP bei Herzklappenfehler: Erstes Cardioband am UKM implantiert

Neuartiges Katheterverfahren ohne Herz-Lungen-Maschine / Band behebt Klappendefekt dauerhaft, schließt aber weitere Eingriffe nicht aus

Münster (ukm/maz) – Ein kleiner Draht wird in Millimeterarbeit um eine undichte Herzklappe gelegt, akkurat zugezogen – und das vorhandene Leck ist geschlossen. Stefan Szusz‘ Mitralklappe funktioniert seit diesem neuen Eingriff am UKM (Universitätsklinikum Münster) wieder tadellos. Der 46-Jährige ist der erste Patient im Münsterland, bei dem ein schwerer Herzklappenfehler mit dem sogenannten Cardioband behandelt wurde. „Bei diesem Verfahren arbeiten wir uns per Katheter über die Leistenvene zum Herzen vor, wo das Band im linken Vorhof platziert wird“, erklärt Prof. Dr. Helmut Baumgartner, Direktor der Klinik für angeborene (EMAH) und erworbene Herzfehler im Department für Kardiologie und Angiologie. Das Ganze geschieht minimal-invasiv am schlagenden Herzen: Nur ein kleiner Schnitt in der Leiste ist notwendig, der Brustkorb wird nicht eröffnet, die Herz-Lungen-Maschine kommt nicht zum Einsatz. Damit eignet sich die Methode insbesondere für Patienten mit hohem Operationsrisiko.

So wie bei Stefan Szusz. Vom Bett auf die Couch und zurück ins Bett, das war der Radius des Lüdenscheiders im Frühjahr 2017. „Jetzt fühle ich mich richtig gut und kann schon wieder drei Stockwerke am Stück erklimmen“, sagt er knapp vier Monate nach dem Eingriff. Seine Krankengeschichte geht bis 1990 zurück, als die genetisch bedingte Herzmuskelerkrankung nach einem plötzlichen Zusammenbruch diagnostiziert wurde. Über die Jahre hat sie zu einer zunehmenden Erweiterung der linken Kammer mit Reduktion der Pumpfunktion geführt, die wiederum bei der Mitralklappe, also dem Eingangsventil in die Kammer, eine Erweiterung und schwere Undichtigkeit zur Folge hatte. Zwei Kliniken lehnten eine Operation von Szusz aufgrund seines schlechten Allgemeinzustands ab, worauf er im Sommer ans UKM überwiesen wurde.

Drei Stunden hat der Eingriff gedauert, bei dem 15 einzelne, sechs Millimeter kleine Schräubchen zur Fixierung des Bandes in den hinteren Mitralklappenring eingebracht wurden. „Das Band wird so weit zusammengezogen, bis sich die auseinander gewichenen Mitralsegel wieder annähern und die Undichtigkeit behoben ist“, erklärt Baumgartner, der die Katheterbehandlung gemeinsam mit seinen beiden Oberärzten Dr. Gerrit Kaleschke und Dr. Stefan Orwat durchgeführt hat. Während des Verfahrens kann der Zug auf den Ring überprüft und optimal eingestellt, notfalls sogar wieder reduziert werden. Ein weiterer Vorteil: Die Einbringung des Cardiobandes schließt spätere Eingriffe an der Herzklappe nicht aus. „Bei einem jungen Patienten wie Herrn Szusz halten wir uns Optionen offen, noch einmal chirurgisch oder mit dem Katheter einzugreifen“, so der Klinikdirektor. Deshalb hat sich das „Heart-Team“, ein Team aus Herzchirurgen und Kardiologen am UKM, in seinem Fall auch gegen den Mitraclip entschieden, einer sehr erfolgreichen, seit 2011 am münsterschen Klinikum angewandten Methode, bei der die Segel ebenfalls mittels Katheter zusammengeheftet werden.

Nach fünf Tagen konnte Stefan Szusz das UKM wieder verlassen. Aktuell wartet er auf den Beginn seiner Reha-Maßnahme, bevor er ins Berufsleben zurückkehren wird. „Fußball wie früher werde ich zwar nicht wieder spielen können, aber Radfahren, Wandern und Schwimmen sind wieder möglich“, freut sich der Sauerländer.

Bild: Prof. Dr. Helmut Baumgartner (r.), Dr. Stefan Orwat (vorne) und Dr. Gerrit Kaleschke besprechen mit Stefan Szusz, der als erster Patient am UKM vom neuen Cardioband profitiert, die Ergebnisse.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Geburt ohne Kaiserschnitt

Münster – Jetzt, wo der kleine Lemmy satt und glücklich in den Armen seiner Mutter Simone Mückler schlummert, kann man kaum glauben, dass er bereits vor seiner Geburt bei seinen Eltern für einiges Kopfzerbrechen gesorgt hat. Normalerweise drehen sich die Kinder etwa in der 36. Schwangerschaftswoche in die Startposition mit dem Kopf voraus. Drei bis fünf Prozent machen es aber wie Lemmy und liegen mit dem Gesäß oder sogar mit den Füßchen in Richtung Ausgang, in der sogenannten Beckenendlage. „Als ich von meiner Gynäkologin erfahren habe, dass unser Kind in Beckenendlage liegt, war das für mich zunächst sehr schlimm“, berichtet Simone Mückler.

Von Anfang an war für die junge Mutter jedoch klar, dass ein Kaiserschnitt nur die allerletzte Lösung sein soll. „Die natürliche Geburt hat gegenüber dem Kaiserschnitt für Mutter und Kind viele Vorteile“, bestärkt Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals, die Entscheidung der Mutter. „Es handelt sich beim Kaiserschnitt schließlich um eine echte Operation und die Frauen haben nach dem Eingriff die gleichen Probleme wie andere Patienten nach einer OP. Nach der natürlichen Geburt hingegen sind die Frauen wesentlich schneller wieder fit, haben weniger Schmerzen und können das Mutterglück viel besser genießen, was auch dem Baby zugute kommt“, berichtet der Frauenarzt. Auch Simone Mücklers Gynäkologin, ihre Hebamme und ihr Mann Hanno Endres bestärkten die 37-Jährige in ihrer Entscheidung für eine natürliche Geburt. „Ich habe versucht, mit Akupunktur und Osteopathie sanft einzugreifen und eine Drehung in die Kopflage zu bewirken, allerdings ohne Erfolg“, erinnert sie sich. In der Region um Münster werden natürliche Entbindungen von Kindern in Beckenendlage nur von drei Kliniken durchgeführt, das Clemenshospital gehört dazu. „Das Team aus Hebammen und Ärzten muss über viel Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen, in den letzten zehn Jahren ging in den meisten Kliniken jedoch der Trend zum Kaiserschnitt bei einer Beckenendlage“, erklärt Langenberg. Wenn sich zeigt, dass die natürliche Geburt mit einem Risiko für Mutter und Kind verbunden ist, wird auch im Clemenshospital per Kaiserschnitt entbunden, „es ist immer eine Frage des Abwägens“, wie der Chefarzt sagt. Lemmy war offenbar mit der Entscheidung seiner Eltern einverstanden und legte einen Traumstart hin, „die Entbindung ging ruck-zuck, nach insgesamt fünf Stunden war der Kleine auf der Welt!“, freuen sich die jungen Eltern.

Bild: Dr. Rüdiger Langenberg (m.) freut sich mit den Eltern Simone Mückler und Hanno Endres über die natürliche Geburt des kleinen Lemmy

Quelle: © Clemenshospital Münster

Internationales Forscherteam klärt die Wanderungsbewegung des hoch gefährlichen MRSA-Keims USA300

Münster (mfm/sm) – Auch medizinischen Laien ist es inzwischen bekannt: Infektionen mit multiresistenten Keimen sind auf dem Vormarsch. Gängige Medikamente helfen hier oft nicht mehr und für die Patienten gibt es meist keine effektiven Behandlungsmöglichkeiten. Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung dieser Erreger ist es für Forscher essentiell, deren molekulare Evolution und Epidemiologie, also ihre zeitliche und räumliche Entwicklung, zu verstehen. Allerdings fehlen ausgerechnet bei einigen der weltweit verbreitetsten Keime diese Informationen bislang. Für den hochvirulenten Erreger USA300 konnte ein internationales Forscherteam um Prof. Alexander Mellmann von der Universität Münster nun jedoch Antworten auf diese Fragen finden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), die als eine der einflussreichsten interdisziplinären Fachzeitschriften gilt.

USA300 ist ein Subtyp des methicillinresistenten Staphylococcus aureus (S. aureus), besser bekannt als MRSA. „Dieser spezielle Subtyp ist deshalb so interessant, weil er neben seiner Antibiotikaresistenz eine sehr hohe Virulenz aufweist – also besonders krankheitserregend ist – und zunächst außerhalb von Krankenhäusern nachgewiesen wurde“, erklärt Prof. Mellmann, der im Institut für Hygiene des Universitätsklinikums Münster arbeitet. Beim Menschen löst USA300 meist schnell fortschreitende Haut- und tödliche Lungeninfektionen aus. Bereits seit etwa 2000 verbreitet sich der Keim innerhalb der USA und ist dort zunehmend in Krankenhäusern ein Problem, da er sich dort, in der geschlossenen Umgebung, besonders gut vermehren kann. Auch in Europa – also ebenfalls in Deutschland – und der Pazifikregion Asiens konnten Forscher den Keim in früheren Studien bereits als Erreger schwerer Infektionen nachweisen. In Afrika jedoch waren sein Ursprung und Vorkommen bisher unbekannt.

Um hier Antworten zu finden, verglichen die Wissenschaftler – unter anderem aus Deutschland, der Schweiz, Kap Verde, Mosambik und Tansania – in ihrer Studie die Genome von 224 zeitlich und räumlich verschieden auftretenden S. aureus-Isolaten. So gelang es ihnen, die molekulare Evolution und zeitliche globale Verbreitung des USA300 zu rekonstruieren. „Unsere Hypothese war, dass der Erreger in Afrika entstanden sein könnte. Unsere Ergebnisse zeigen aber etwas anderes: Ein Vorläufer des USA300 ist wahrscheinlich Mitte des 19. Jahrhunderts in Zentraleuropa aus einem weniger virulenten, weniger resistenten Bakterium entstanden. Von hier aus gelangte er Anfang des 20. Jahrhunderts nach Nordamerika, entwickelte die Charakteristika des heutigen USA300 und gelangte erst dann auch nach Afrika, wo wir wieder eine Sonderform nachweisen konnten“, so Mellmann. Die Studienergebnisse der Wissenschaftler bilden die Grundlage für eine fortlaufende Überwachung der Verbreitungswege des multiresistenten Keims: Diese zu kennen ist entscheidend, um eine weitere Ausbreitung verhindern und mögliche Ausbrüche besser kontrollieren zu können.

Ihre Studie führten die Forscher über acht Jahre innerhalb des Projektes „Infection, Biology and Epidemiology of Staphylococci and Staphylococcal Diseases in South and Central Afrika“ durch, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde; Link zur Publikation.

Bild: Prof. Alexander Mellmann (Foto: FZ / M. Thomas)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Moderne Hightech-Geräte unterstützen den Herzmuskel

Hilfe für das schwache Herz

Münster – Pro Tag schlägt das menschliche Herz rund hunderttausend Mal. So lange das Zentralorgan rund läuft und nicht ins Stolpern gerät, machen sich die meisten Menschen kaum Gedanken über diese beeindruckende Leistung. So war es früher auch bei Hans-Jürgen Liebig. Eines Tages bemerkte seine Ehefrau jedoch, dass ihrem Mann die Gartenarbeit zunehmend schwerer fiel und auch das Treppensteigen nicht ohne Schweißperlen auf der Stirn zu bewältigen war. Der Besuch beim Hausarzt brachte die Ursache schnell ans Licht, der heute 72-Jährige litt unter einer Herzschwäche. „In Deutschland sind rund zwei Millionen Menschen von einer Schwäche des Herzmuskels, einer sogenannten Herzinsuffizienz, betroffen“, erläutert der leitende Kardiologe der Raphaelsklinik, Dr. Frank Lieder.

Vortrag: „Das schwache Herz“

Datum: Samstag, 25.11.2017
Ort: Foyer der Raphaelsklinik, Loerstraße 23
Uhrzeit: 11.00 Uhr
Zielgruppe: für Interessierte und Betroffene
Besonderheiten: Anmeldung nicht erforderlich, kostenfrei

Die Beschwerden nahmen zu, im Jahr 2003 erlitt Hans-Jürgen Liebig dann einen Herzinfarkt, seine Herzkranzgefäße mussten notfallmäßig mit kleinen Röhren aus Metallgewebe, sogenannten Stents, wieder geöffnet werden. Vor rund einem Jahr war es dann soweit und Liebig musste in der Uniklinik Münster am Herzen operiert werden, ein Bypass wurde gelegt und eine neue Herzklappe implantiert. Die Ärzte empfahlen dem Saerbecker bereits nach dem Eingriff die Implantation eines Gerätes, das die Herzfunktion elektrisch unterstützt und im Fall eines Kammerflimmerns das Organ mit gezielten Stromstößen wieder in Gang bringt. „Das Aggregat, das wir Herrn Liebig eingesetzt haben, ist gewissermaßen der Rolls-Royce unter den Herzschrittmachern“, berichtet Lieder und tatsächlich ist das Gerät ein kleines technisches Wunderwerk. Während ein Sensor ständig die Herzfunktion überwacht, geben zwei Elektroden für die linke und rechte Herzkammer mit jedem Herzschlag einen schwachen Impuls ab, um den Herzmuskel zu unterstützen. Sollte tatsächlich das gefürchtete Kammerflimmern auftreten, wird ein gezielter Stromstoß abgegeben, damit das Herz wieder weiterschlägt. „Bei vielen Menschen tritt dieser Fall nie ein“, sagt Dr. Frank Lieder, fügt aber hinzu: „Das ist wie beim Airbag im Auto. Ich will auch nicht, dass der auslöst, bin in dem Fall aber froh, ihn zu haben!“

Begleitet wird die Veranstaltung von Angeboten zur Bestimmung der Risikofaktoren Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck. Es gibt Tipps zur herzgesunden Ernährung und Kontaktmöglichkeiten zu Selbsthilfegruppen. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Bild: Dr. Frank Lieder (r.) zeigt dem Patienten Hans-Jürgen Liebig, wo die drei Elektroden des Herzschrittmachers am Herzmuskel befestigt sind.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Gefäßerkrankungen: Wie Patienten selbst aktiv werden können

Experten informieren auf den 12. Münsteraner Gefäßtagen (24./25. November) / Veranstaltungen zu Bewegung, Ernährung und Rauchentwöhnung

Münster (ukm/cf) – Aktuelle Studien belegen: Rund 50 Prozent der Patienten mit Herz- und Gefäßkrankheiten in Deutschland leiden an Diabetes, rund 70 Prozent unter Bluthochdruck und jeder 10. ist übergewichtig. Bewegungsmangel, die falsche Ernährung und auch Rauchen bilden damit drei wichtige Risikofaktoren, die Herz- und Gefäßkrankheiten begünstigen können. Was Patienten selbst dagegen tun können, erfahren Interessierte auf den 12. Münsteraner Gefäßtagen am UKM (Universitätsklinikum Münster).

„Diabetes oder auch Rauchen sind Begleitfaktoren zahlreicher Erkrankungen, wie zum Beispiel Herzinfarkten oder der als Schaufensterkrankheit bekannten peripheren arteriellen Verschlusskrankheit“, weiß Prof. Holger Reinecke, Leiter der Abteilung für Angiologie des Departments für Kardiologie und Angiologie am UKM. „Für die Münsteraner Gefäßtage haben wir deshalb ein interdisziplinäres Expertenteam zusammengestellt, das die Patienten aus verschiedenen Blickwinkeln unterstützen kann.“ So erklärt Prof. Stefan-Martin Brand, Direktor des Instituts für Sportmedizin der Medizinischen Fakultät Münster, wie man trotz Herz- und Gefäßerkrankung in Bewegung bleiben kann. Auch externe Referenten konnten für die Veranstaltung gewonnen werden. Dr. Bruno Neuner aus Berlin spricht über erfolgreiche Rauchentwöhnung und Ernährungsspezialist Dr. Carl Meissner klärt über Diäten auf. „Die Experten stellen neueste Konzepte zum Umgang mit den Risikofaktoren vor und geben den Patienten konkrete Hinweise, wie sie selbst aktiv werden können“, so Organisatorin Dr. Eva Freisinger aus der Abteilung für Angiologie am UKM. Neben den Vorträgen stehen die Mediziner auch für individuelle Fragen bereit. Wen die alltägliche Arbeit der Gefäßspezialisten interessiert, kann zudem an Führungen durch die Katheterräume und die Ambulanz teilnehmen. Die Teilnahme an der Patientenveranstaltung ist kostenlos.

Im Anschluss an den Patiententag folgt der wissenschaftliche Teil der Münsteraner Gefäßtage. Am 25. November tauschen sich Mediziner in interdisziplinären Vorträgen und Workshops zu Risiken und Folgen von Diabetes sowie kardiovaskulärem Risikomanagement aus. Organisiert werden die Gefäßtage von den Gefäßmedizinischen Kliniken und Abteilungen am UKM.

12. Münsteraner Gefäßtage

Gefäßmedizin 2017 – Risiken eingehen, Chancen nutzen!
Freitag, 24. November 2017, 15.00 – 18.00 Uhr (Patientenveranstaltung)
Samstag, 25. November 2017,  9.00 – 13.00 Uhr (für Ärzte)

Veranstaltungsort:
Lehrgebäude am UKM, Seminarraum B3-B4 (Obergeschoss)
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude A6
48149 Münster

Bild: Auch Prof. Holger Reinecke, Leiter der Abteilung für Angiologie des Departments für Kardiologie und Angiologie, informiert auf den 12. Münsteraner Gefäßtagen.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster