Archiv für den Monat: Oktober 2017

Herzwochen 2017: Das schwache Herz

Patientenveranstaltungen rund um die Themen Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen am 7. und 8. November 2017

Münster (ukm/aw) – Rudolf Holtkamp ist trotz einer bekannten Herzschwäche mit seinen 82 Jahren noch immer rüstig und aktiv. Seinem Hobby, dem Motorbootfahren, geht er mit großem Ehrgeiz nach. Im Sommer jedoch kam es bei einer Tour mit seiner Yacht auf dem Mittellandkanal zu einem Zwischenfall – mit Vorhofflimmern wurde der Rentner aus Emmerich am Niederrhein mit dem Rettungswagen ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht. „Da wusste ich, ich muss wieder etwas gegen meine Herzrhythmusstörungen unternehmen“, sagt Holtkamp heute. Einige Wochen später nehmen die Spezialisten aus der Abteilung für Rhythmologie im Department für Kardiologie und Angiologie am UKM eine sogenannte Ablation vor, bei der das Gewebe rund um die Lungenvenen verödet wird. Dadurch wird die Quelle, die für seine Herzrhythmusstörungen verantwortlich ist, isoliert und ausgeschaltet. Nach einem ersten solchen Eingriff 2013, bei dem mit Strom verödet wurde, ging es Rudolf Holtkamp erheblich besser. Danach waren seine Herzrhythmusstörungen weg – bis zu der Bootstour in diesem Jahr. Es ist nicht ungewöhnlich, dass eine Ablation mehrmals wiederholt werden muss. „Dieses Mal wählten wir zur Verödung einen Kälteballlon-Katheter, der über die Leistenvene in den linken Herzvorhof geführt wurde“, sagt Oberarzt Dr. Gerrit Frommeyer. „2013 dagegen haben wir die Venen mit Strom verödet. Die Erfolgsquote liegt bei etwa 70% und auch bei Herrn Holtkamp hat die erste Ablation gut geholfen. Doch manchmal erholen sich die ehemals verödeten Stellen und die Herzrhythmusstörungen tauchen damit wieder auf. Mit der Zahl der Eingriffe steigt aber die Aussicht, dass das Herz in seinem normalen Takt schlägt.“

Bild: Wollen die Herzrhythmusstörungen in den Griff bekommen: Patient Rudolf Holtkamp und Oberarzt Dr. Gerrit Frommeyer aus der Abteilung für Rhythmologie am UKM (Foto: UKM)

Rudolf Holtkamp ist mit seinen Rhythmusstörungen und der begleitenden Herzschwäche ein ganz typischer Fall für das Patientenklientel, das am UKM mit zwei Veranstaltungen im Rahmen der Herzwochen beraten will. „Das schwache Herz“: lautet das Thema, das die Deutsche Herzstiftung e.V. in diesem Jahr vorgegeben hat. Während am 7. November Prof. Lars Eckardt und Dr. Christina Wasmer aus der Abteilung für Rhythmologie in Zusammenarbeit mit dem nationalen Vorhofflimmernetzwerk (AFNET) vor allem Patienten mit Herzrhythmusstörungen beraten, sind die zahlreichen anderen Ursachen der Herzschwäche – wie Herzinfarkt oder Herzmuskelentzündung – Thema der Veranstaltung am 8. November unter Leitung von Prof. Johannes Waltenberger, dem Direktor der Klinik für Kardiologie im Department für Kardiologie und Angiologie am UKM. Der mit der Herzschwäche einhergehende Leistungsabfall und die Atemnot, die auftreten kann, aber auch die vielfältigen Therapieoptionen einschließlich der adäquaten Medikation und der Anpassung des Lebensstils können dann vor Ort mit den Experten diskutiert werden.

„Das schwache Herz“ – Herzseminare für Patienten, Angehörige und Interessierte mit Unterstützung der Deutschen Herzstiftung e.V.

Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche
Dienstag, 7. November 2017
Uhrzeit: 17.00 bis 19.30 Uhr sowie
Eintritt frei! [Programm]

Atemnot? Leistungsabfall? Herzschwäche
Mittwoch, 8. November 2017
Uhrzeit: 18.00 bis 20.00 Uhr
Eintritt frei! [Programm]

Veranstaltungsort jeweils:
Universitätsklinikum Münster
Lehrgebäude am Zentralklinikum
Gebäude A5, Hörsaal L20
Albert-Schweitzer-Campus 1
48149 Münster

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Brustrekonstruktion: „Warten ist nie ein Fehler“

Experten informierten über die Möglichkeiten der Brustrekonstruktion nach Brustkrebs

Münster – Erst die Diagnose, dann die belastende Behandlung und danach die Ungewissheit, ob die Erkrankung eventuell wieder aufflammt, die Zeit während und nach einer Brustkrebserkrankung ist für viele Frauen geprägt von Ängsten und Sorgen. Irgendwann kommt jedoch für viele Betroffene, bei denen die Brust operativ entfernt werden musste, die Frage nach einer Wiederherstellung. „Operationen zur Wiederherstellung der weiblichen Brust sind anspruchsvolle Eingriffe, für die der Chirurg viel Erfahrung benötigt und die durchaus zwischen drei und sechs Stunden dauern können“, erklärt der Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals, Dr. Rüdiger Langenberg.

Bild: Dr. Massud Mamarvar und Dr. Rüdiger Langenberg (v.l.) während des Brustkrebstags 2017 im Clemenshospital

Während einer Informationsveranstaltung des Brustzentrums Münsterland im Clemenshospital sprach der Chefarzt Dr. Massud Mamarvar von der Klinik Bassum (Landkreis Diepholz) über das Thema „Möglichkeiten der Brustrekonstruktion bei Patientinnen nach Brustkrebs“. Als Grundvoraussetzung für einen solchen Eingriff nennt der Chirurg zunächst die vollständige Beendigung der Krebsbehandlung, „Warten ist nie ein Fehler“, wie der Experte anmerkt. Dann folgen zwei Eingriffe, zunächst der Wiederaufbau des Volumens und später das Angleichen der rekonstruierten Brust an die andere. Um das entfernte Brustgewebe zu ersetzen, können sowohl künstliche Implantate als auch körpereigenes Gewebe zum Einsatz kommen, das zum Beispiel dem Bauch oder dem Oberschenkel unterhalb des Gesäßes entnommen wird. „Jedes Verfahren hat seine eigene Berechtigung aber es sind nicht immer alle anwendbar“, erklärt Mamarvar. Das Eigengewebe ist für den Körper kein Fremdkörper, es ist weicher als Implantate und lebendes Gewebe. Das Silikonimplantat hingegen ist ein Fremdkörper der sich verkapseln kann und auch tastbar ist. Allerdings ist die Operationsdauer bei künstlichen Implantaten kürzer. Nach dem Eingriff sollten sich die Patientinnen zunächst schonen, nach sechs bis acht Wochen kann aber zum Beispiel wieder Sport getrieben werden.

Spätestens seit Prominente wie Angelina Jolie sich die Brüste haben entfernen lassen, weil sie genetisch ein stark erhöhtes Risiko für Brustkrebs haben, wird diese Form der vorbeugenden Brustoperation auch öffentlich diskutiert. Dr. Rüdiger Langenberg gibt hierbei zu bedenken, dass das Drüsengewebe nie vollständig entfernt werden kann und daher immer ein geringes Restrisiko besteht, dennoch an Brustkrebs zu erkranken. „Wenn ein Defekt der Gene BRCA1 oder BRCA2 vorliegt, das sind die sogenannten Brustkrebsgene, ist auch die Gefahr für Blasen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht, das muss man immer bedenken“, erklärt der Chefarzt den zahlreichen Zuhörerinnen.

Das Brustzentrum Münsterland ist Kooperationspartner in der Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs), einem Zusammenschluss der Tumorzentren von Clemenshospital, Raphaelsklinik und der Fachklink Hornheide.

Krimiabend Corpus Delicti mit Götz Alsmann

Veranstaltung in der Rechtsmedizin des UKM am 15. November / Vorverkauf am 06. November in der Buchhandlung „Wunderkasten“ / Erlös kommt Gewaltopferambulanz zugute

Münster (ukm/maz) – Starke Besetzung: Beim Krimiabend „Corpus Delicti“ am 15. November 2017 (19 Uhr) in der Rechtsmedizin des UKM (Universitätsklinikum Münster) lesen in diesem Jahr Götz Alsmann und Kinderbuchautorin Alexandra Fischer-Hunold. Letztere hat den „Hansjörg-Martin“-Preis 2017 für den besten Kinder- und Jugendkrimi gewonnen und wird über ihre Vorliebe für England, Hunde und kriminelle Machenschaften erzählen. Alsmann liest aus seinem Lieblingskrimi „Stress um Strapse“ und wird ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, welche Abenteuer er aktuell auf seiner Tournee erlebt. Eingerahmt wird das Ganze von Musikerin Rosa Latour, die einen Ausschnitt aus ihrem neuen Bühnenprogramm „How good it feels“ präsentiert. Schirmherren der Veranstaltung sind die münsterschen Krimiautoren Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer.

Neben den Lesungen wird es auch in diesem Jahr die Gelegenheit für einen Rundgang durch das Institut geben. „Wir zeigen die Toxikologie, den Sektionssaal und das DNA-Labor – und natürlich die Gewaltopferambulanz, darum geht es ja schließlich“, sagt Prof. Dr. Heidi Pfeiffer, Direktorin des Instituts für Rechtsmedizin. Denn die Einnahmen des Abends kommen der Einrichtung zugute, an die sich Opfer von Gewalt wenden können, wenn sie ihre Verletzungen dokumentieren und archivieren lassen möchten. „Wir sind darauf spezialisiert, Unfallfolgen von Folgen einer Misshandlung zu unterscheiden und gerichtsfest zu dokumentieren“, erklärt Pfeiffer. Sollte sich das Opfer zur Anzeige entschließen – sofort oder auch erst in einigen Jahren –, können die Untersuchungsergebnisse als Beweismittel vor Gericht verwendet werden.

Info: Das limitierte Kartenkontingent wird ausschließlich am 06. November 2017 um 16.30 Uhr in der Buchhandlung „Wunderkasten“, Rüschhausweg 6, in Gievenbeck verkauft. Reservierungen sind nicht möglich, max. zwei Karten pro Person.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Crouzon-Syndrom: Fünfjähriger Junge aus Bulgarien erfolgreich im Clemenshospital behandelt

Münster – Der fünfjährige Nikolay Petrov aus Bulgarien leidet an der seltenen Erbkrankheit Crouzon-Syndrom, in deren Folge haben sich seine Schädelnähte vorzeitig verschlossen und seine Augenhöhlen sind viel zu klein. Da die medizinische Behandlung aufwändig ist und in seiner Heimat nicht möglich war, litt er unter einer chronischen Erhöhung des Schädelinnendrucks, auf dem rechten Auge war er bereits erblindet, das Sehen auf dem linken Auge war deutlich eingeschränkt und verschlechterte sich in kurzer Zeit. Nikolay drohte zu erblinden.

Die neurochirurgische Klinik am Clemenshospital unter der Leitung von Chefärztin Prof. Dr. Uta Schick ist auf die chirurgische Behandlung von Krankheiten der Sehnerven spezialisiert und auf diesem komplexen Gebiet eine international anerkannte Expertin. Auch werden in der Neurochirurgie regelmäßig Kinder mit vorzeitigen Verschlüssen der Schädelnähte operiert in Kooperation mit dem Cranio-Facialen-Centrum Münster (CFC) unter Leitung des bekannten Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen Prof. Dr. Dr. Ulrich Joos sowie der Kinderintensivstation unter der Leitung der Chefärzte Dr. Georg Hülskamp und Priv.-Doz. Dr. Otfried Debus.

Der bulgarische Assistenzarzt Simeon Georgiev stellte den Kontakt zwischen der Familie und den Chirurgen in Münster her, diese setzten sich für eine Finanzierung der Behandlung ein, so dass Nikolay kurzfristig mit seiner Mutter zur Operation ins Clemenshospital kommen konnte. In einer vielstündigen Operation wurden einerseits die vorderen Teile des Stirnbeins sowie der Augenhöhlen versetzt, besonders aufwändig war aber vor allem die beidseitige, vollständige Entlastung der Sehnerven unter dem Operationsmikroskop, hier war Millimeterarbeit gefragt. Da die Zeit drängte, war die langwierige Vorbehandlung mit einem Gewebeexpander zur Erweiterung der Kopfhaut nicht möglich, so dass zusätzlich auch eine Lappenplastik zum Verschluss der Wunde am Kopf erforderlich wurde. Außerdem wurde dem Kind eine Hirnwasserableitung implantiert zur weiteren Senkung des Schädelinnendrucks. Insgesamt eine erhebliche Belastung für ein kleines Kind, die Nikolay aber durch die umfassende Betreuung gut überstanden hat.

Zur großen Freude der Spezialisten von Clemenshospital und CFC geht es Nikolay heute gut, das Sehvermögen des linken Auges ist erhalten, auf dem zuvor erblindeten Auge kann der Junge wieder hell und dunkel unterscheiden. Dank einer Spende des Vereins „Herzenswünsche“ konnten Nikolay und seine Mutter noch in Deutschland bleiben, um die ambulanten Nachuntersuchungen zu ermöglichen.

Bild: Prof. Dr. Uta Schick und der Oberarzt Dr. Bernd Hoffmann aus der Neurochirurgie des Clemenshospitals und Dr. Georg Hülskamp aus der Kinderklinik des Clemenshospitals freuen sich über die erfolgreiche Behandlung des fünfjährigen Nikolay.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Bettina Wulff besucht kinderneurologische Frührehabilitation in Münster

Münster – Es sind schwere Schicksale, mit denen es die Ärzte und Pflegenden der kinderneurologischen Frührehabilitation im münsterischen Clemenshospital täglich zu tun haben. Eine offene Tuberkulose, die beim Großvater nicht entdeckt wurde und beim Enkelkind eine schwere Hirnerkrankung ausgelöst hat, ein Sturz in den Teich oder von einer Treppe auf den Betonboden, Situationen an der Grenze zwischen Leben und Tot. Und immer wieder auch Fahrradunfälle, die mit einem Helm vermutlich glimpflicher ausgegangen wären.

Gertrud Wietholt ist Vorsitzende des Kinderneurologiehilfe Münster e.V. und kennt viele solcher Schicksale, das Werben für das freiwillige Tragen des Fahrradhelms ist ihr daher eine Herzensangelegenheit. 2011 startete sie mit Unterstützung der Stadt Münster und gemeinsam mit den Projektpartnern ABUS und der Agentur pars pro toto die bundesweite Aktion „Setz auf den Stadthelm“, die inzwischen in über 90 Städten erfolgreich läuft. Schirmherrin dieser Aktion ist Bettina Wulff, Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Um sich über die Arbeit einer spezialisierten Frührehabilitation für Kinder zu informieren, besuchte die ehemalige First Lady das Clemenshospital in Münster und nahm sich viel Zeit, um sich vom Chefarzt Dr. Otfried Debus die Arbeit auf der Station zeigen zu lassen. „Mich beeindruckt das Engagement der Ärzte und Schwestern für eine Arbeit, die sowohl physisch als auch psychisch sehr belastend ist“, berichtet Bettina Wulff noch sichtlich unter dem Eindruck des vorangegangenen Rundgangs stehend.

Bild: Dr. Otfried Debus und Bettina Wulff informieren sich bei der Ergotherapeutin Ursula Trahe-Wissing (v.l.) über ihre Arbeit mit den kleinen Patienten der kinderneurologischen Frührehabilitation des Clemenshospitals in Münster.

Immer wieder kam sie mit Eltern ins Gespräch, erkundigte sich bei Therapeuten nach ihrer Arbeit mit den kleinen Patienten und ließ sich von Debus die Besonderheiten dieser Einrichtung erklären, die in Deutschland in dieser Form nahezu einmalig ist. Neben den Schwestern und Ärzten arbeitet eine Vielzahl weiterer Experten wie Physiotherapeuten, Logopäden, Psychologen, Ergotherapeuten, Lehrer, Seelsorger und weiterer Berufsgruppen eng zusammen, damit alle Möglichkeiten der Versorgung der kleinen Patienten gewährleistet sind. „Die Vielfalt der Bereiche, die hier zusammenarbeiten, ist beeindruckend“, wie Wulff erklärt. Sie habe schon oft erlebt, dass diese Zusammenarbeit über die Grenzen der Professionen hinweg nicht immer reibungslos abläuft, „hier wird sehr flexibel aufeinander eingegangen, das ist vorbildlich!“

Dass die Unterstützung seitens des Gesetzgebers und der Krankenkassen hingegen nicht immer so vorbildlich abläuft, macht Dr. Otfried Debus an mehreren Beispielen fest. So habe zum Beispiel die Musiktherapie bei vielen der neurologisch schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen eine beeindruckende Wirkung, „Es ist sehr anrührend zu erleben, wie die Kinder reagieren, wenn sie die Musik hören. Die Musiktherapie ist oft ein Türöffner für andere Therapien, die Wirkung ist für uns unbestritten“, dennoch bezahlen die Krankenkassen diese Form der Therapie erst seit Anfang dieses Jahres, vorher musste die Klinik das Geld auf anderen Wegen, zum Beispiel von gemeinnützigen Organisationen, beschaffen. Zum Abschied bekam Bettina Wulff eine Fahrradwarnweste überreicht, die kostenlos an die Mitarbeiter des Clemenshospitals und der Raphaelsklinik Münster abgegeben wurden. „Wir haben den Mitarbeitern zum Thema Sicherheit beim Fahrradfahren diese Warnwesten geschenkt, damit sind Sie jetzt automatisch Mitarbeiterin des Hauses“, wie der Vertreter der Klinikleitung meinte, worauf Bettina Wulff lachend entgegnete: „dann bin ich jetzt wohl eine Clemensschwester“.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Brustschmerzzentrum der Raphaelsklinik: Seit 10 Jahren im Herzen der Stadt

Münster – Es gibt zahlreiche mögliche Gründe für Brustschmerzen. Es können sich harmlose Verspannungen oder gutartige Erkrankungen dahinter verbergen, aber auch lebensbedrohliche Gefäßverschlüsse, wie ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie. Häufig können weder Hausarzt noch Notarzt sofort eine sichere Einschätzung vornehmen. Umso wichtiger sind spezialisierte Zentren, in denen geschultes Personal schnell eine Diagnose stellen und die geeignete Therapie einleiten kann. So wie die Chest Pain Unit (Brustschmerzzentrum) der Raphaelsklinik Münster.

Die Chest Pain Unit (CPU) der Raphaelsklinik Münster ist eins von zwei zertifizierten Brustschmerzzentren im Münsterland und auf Patienten mit akuten kardiologischen Problemen spezialisiert. Bereits seit zehn Jahren werden in der Klinik im Herzen der Stadt 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche Patienten mit akuten Brustschmerzen schnell und kompetent behandelt.

Denn jede Minute ist kostbar. Unbehandelt verstirbt ein Drittel aller Betroffenen an einem akuten Herzinfarkt. „Je schneller ein Herzinfarkt behandelt und das Gefäß wieder geöffnet wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten und die weitere Prognose“, sagt Dr. Frank Lieder, leitender Kardiologe der Chest Pain Unit in der Raphaelsklinik Münster. Mögliche Symptome eines Herzinfarktes sind nicht nur starke Schmerzen in der Brust, die typischerweise in den Hals, in den Rücken oder in den Arm ausstrahlen. Anstelle der Brustschmerzen können andere Symptome auftreten wie Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchschmerzen, Schwindel oder Ohnmacht. Gefährdet sind Menschen, die eine familiäre Veranlagung haben oder mehrere Risikofaktoren, die sich schädlich auf die Gefäße des Herzens auswirken. „Ein gestörter Fettstoffwechsel, Hypertonie (zu hoher Blutdruck) und Nikotin bilden eine ´unheilvolle Allianz´“, erklärt Dr. Lieder.

Aber nicht nur ein Herzinfarkt kann der Grund für Brustschmerzen sein. Auch bei anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen, wie einer akuten Lungenembolie oder einem Einriss der Hauptschlagader, können ähnliche Beschwerden auftreten.

Eine sofortige Untersuchung in einem Brustschmerzzentrum ist notwendig, um schnelle Gewissheit zu bekommen und im Notfall optimal reagieren zu können. So wie im Brustschmerzzentrum der Raphaelsklinik, in dem Fachärzte und speziell geschultes Personal schnell eine sichere Diagnose stellen und die geeignete Therapie einleiten können. Dafür, dass das Team nicht aus der Übung kommt, sorgt das hohe Patientenaufkommen in der Innenstadt. „An manchen Tagen werden über 20 Patienten mit einem akuten Brustschmerz in der Chest Pain Unit vorstellig. In den meisten Fällen kann eine lebensbedrohliche Erkrankung aber ausgeschlossen werden“, so Lieder.

Wer sich weiter informieren möchte, kann das am 25. November beim Patiententag in der Raphaelsklinik. Anlässlich der Herzwoche der deutschen Herzstiftung, geht es in der Medizinischen Klinik I von 10 – 13 Uhr um „Das schwache Herz“. Neben Blutdruckmessungen und dem Bestimmen des Cholesterinwertes, werden viele wichtige Informationen rund um die häufigsten Herzerkrankungen angeboten.

Bild: (v. l.) Dieter Nonnhoff, pflegerischer Leiter der Zentralen interdisziplinären Aufnahme (ZIA) und Dr. Frank Lieder, leitender Kardiologe der Chest Pain Unit der Raphaelsklinik, behandeln täglich Patienten mit Brustschmerzen.

Die Chest Pain Unit (CPU, Brustschmerzzentrum) in der Raphaelsklinik ist eine spezielle Ambulanz für Patienten mit akutem Brustschmerz. Im gesamten Münsterland gibt es nur zwei Brustschmerzzentren, die alle Kriterien für eine Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie erfüllen. Dazu gehört, dass zu jeder Tages- und Nachtzeit kardiologische Fachärzte zur Verfügung stehen. In der Raphaelsklinik ist die CPU integraler Bestandteil der Zentralen interdisziplinären Aufnahme (ZIA). Die Chest Pain Unit ist außerdem seit mehreren Jahren fester Bestandteil des Kardionetzwerkes Münster. Das ist ein Zusammenschluss der münsterischen kardiologischen Akutkrankenhäuser (Raphaelsklinik Münster, Universitätsklinikum Münster (UKM) und St. Franziskus-Hospital) sowie der Berufsfeuerwehr Münster für die Versorgung von Patienten mit akuten Brustschmerzen.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Stottern: „Ungeduld ist das größte Problem, das Stotternden begegnet“

Münster – Anlässlich des Welttags des Stotterns (22.10.) spricht Michael Schneider, Lehrlogopäde an der Schule für Logopädie des UKM (Universitätsklinikum Münster), im Interview über die Ursachen von Stottern, Behandlungsmöglichkeiten und Herausforderungen für Betroffene im Alltag.

Stottern ist keine Krankheit, sondern eine Symptomatik. Was passiert bei Leuten, die stottern?
Stottern ist erst einfach mal eine Unterbrechung des Sprechflusses, was erst einmal nichts Besonders ist. Wir alle, die wir spontan sprechen, haben Unterbrechungen, Pausen und Stopps in unseren Sprechaktionen. Der Unterschied zu stotternden Menschen ist nun, dass bei ihnen die Unterbrechungen unwillkürlich sind. Das ist eine Art Kontrollverlust in der Sprechsteuerung, die häufig mit Anspannung verbunden ist. Es gibt typische Symptome des Stotterns: Das sind schnelle Wiederholungen, Dehnungen, bei denen die Artikulationsstellung „einfriert“ und man nicht in der Lage ist, zum nächsten Laut überzugehen, und stumme Blockierungen, da sieht man dann auch die Anspannung im Gesicht, wenn Stotternde versuchen, über den Widerstand hinwegzukommen.

Sind die Ursachen eher psychisch, neurologisch oder motorisch bedingt?
Es ist ein ganzes Geflecht von Ursachen, das auch einen wesentlichen Forschungsbereich ausmacht. So sehr viel weiß man darüber noch nicht. Klar ist, dass genetische Aspekte eine Rolle spielen – Stottern tritt familiär gehäuft auf. Studien haben gezeigt, dass aber auch neurologische Dinge wichtig sind: Hier bestehen auch kleine funktionelle Unterschiede zwischen stotternden und normal sprechenden Menschen, was Sprachplanung und -verarbeitung betrifft. Die psychosoziale Komponente muss auch berücksichtigt werden, insbesondere dann, wenn sich Stottern chronifiziert. Hier entstehen dann auch Sekundärsymptome: Der Kontrollverlust, den Stotternde erleiden, bleibt nicht ohne Folgen. Sie fangen an zu tricksten, schwierige Wörter zu umgehen, Synonyme einzusetzen. Das kann bis dahin führen, dass Stotternde das Leben um dieses Problem herum aufbauen: Sie suchen sich einen Job, in dem sie nicht sprechen müssen, meiden soziale Kontakte und wählen ihre Hobbies danach aus.

Wie viele Menschen sind betroffen?
Ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen, in Deutschland sind es rund 800.000 Menschen. Das ist gesellschafts- und kulturunabhängig: In den USA ist es genauso wie hier. Man weiß auch, dass fünf Prozent der Kinder im Laufe ihrer Sprechentwicklung stottern, aber viele verlieren das Stottern dann schnell wieder, auch ohne therapeutische Unterstützung. Da müssen wir früh ansetzen und dazu beitragen, dass sich das Stottern nicht chronifiziert.

Wann wird Stottern diagnostiziert?
Im besten Fall diagnostizieren wir das schon im Kindesalter. Die Diagnose wird glücklicherweise meist schon sehr früh gestellt, da auch die niedergelassenen Ärzte immer besser geschult sind. Vor 20 Jahren war es mitunter noch so, dass Stottern bis ins Erwachsenenalter nicht diagnostiziert wurde, diese Menschen hatten dann sehr große Probleme in der Schule und im Beruf.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Das ist sehr unterschiedlich – es hängt prinzipiell davon ab, ob wir mit stotternden Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen arbeiten. Bei einem Zweijährigen wählen wir natürlich einen anderen Therapieansatz als bei einem 40-Jährigen. Bei kleinen Kindern haben wir spieltherapeutische Ansätze, da spielt dann auch die Beratung der Eltern eine wesentliche Rolle. In der Erwachsenentherapie arbeiten wir symptomspezifisch, das heißt, dass wir Stotternden für den Moment, in dem sie die Sprechkontrolle verlieren, Werkzeuge an die Hand geben, wieder in flüssiges Sprechen zu kommen. Hierbei ist auch wichtig, dass die Betroffenen lernen, offen mit dem Stottern umzugehen anstatt es ganz zu vermeiden. Wir gehen mit unseren Patienten dafür auch bewusst in die reale Alltagsinteraktion, beispielsweise fragen sie in der Innenstadt nach dem Weg zum Bahnhof. Das Besondere an der logopädischen Behandlung am UKM ist auch, dass wir alle medizinischen Disziplinen unter einem Dach vereinen: Wir kooperieren eng mit den Fachärzten der Phoniatrie und wenn beispielsweise ein neurologisches Problem vorliegt, können wir die Fachexpertise der Kollegen problemlos hinzuziehen.

Wie kann stotternden Menschen im Alltag geholfen werden?
Die meisten Stotternden wünschen sich, dass ihnen mit Geduld begegnet wird. Unsere Welt wird immer schnelllebiger, das gilt natürlich auch für die Kommunikation. Daher hilft man Stotternden schon, indem man ihnen Zeit gibt, ihr Anliegen zu artikulieren. Man sollte ihnen die Worte nicht vorwegnehmen, sondern sie aussprechen lassen – auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Ungeduld ist das größte Problem, das Stotternden begegnet.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Volles Haus beim Bauchspeicheldrüsentag in der Raphaelsklinik

Münster – Beim Bauchspeicheldrüsentag in der Raphaelsklinik Münster informierten Experten des Pankreaszentrums Münster mehr als 150 Besucher rund um das zentrale Bauchorgan. Ein vielseitiges Programm aus Vorträgen zu interessanten Themen rund um die Bauchspeicheldrüse lockte mehr als 150 Interessierte in die Raphaelsklinik. Ärzte, Ernährungsberater, Aromatherapeuten und andere Experten standen für Fragen zur Verfügung und das wurde rege genutzt. Neben der Selbsthilfegruppe der Pankreasoperierten waren auch Produktanbieter mit Informationsständen vor Ort.

Betroffene und Interessierte informierten sich bei Kurzvorträgen, an zahlreichen Informationsständen sowie bei Gesprächen mit den Experten. Von der Anatomie über Untersuchungsmöglichkeiten bis hin zur Frage der Ernährung nach Operationen an der Bauchspeicheldrüse, waren alle wichtigen Themen vertreten. Auch über die neuesten Behandlungsmöglichkeiten in der modernen Medizin erfuhren die Besucher mehr.

In der Raphaelsklinik Münster wurde für die Behandlung von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse eigens ein Zentrum aufgebaut, in dem modernste Methoden zur Diagnostik und Therapie eingesetzt werden. Kern der Arbeit ist die interdisziplinäre Tumorkonferenz, bei der Spezialisten aus den Bereichen Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gastroenterologie, Radiologie, Strahlentherapie, Onkologie und Endokrinologie eng zusammenarbeiten. Die beteiligten Ärzte treffen sich wöchentlich, um gemeinsam neue Fälle zu diskutieren.

Ausstattung und Leistungsfähigkeit des Pankreaszentrums der Raphaelsklinik werden jährlich durch die Deutsche Krebsgesellschaft geprüft. Das Pankreaszentrum Münster ist eines der ersten zertifizierten Pankreaszentren in Nordrhein-Westfalen.

Bild: Dr. Erik Allemeyer, Koordinator des Pankreaszentrums Münster erklärt den zahlreichen Besuchern des Bauchspeicheldrüsentages in der Raphaelsklinik zunächst den Aufbau und die Funktion der Bauchspeicheldrüse.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster