Archiv für den Monat: September 2017

Infoabend „Zurück ins Leben –
Depressionen und Burnout bewältigen“

Münster – Die Depression ist eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Etwa zehn Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer leiden unter depressiven Symptomen. Die meisten fühlen sich niedergeschlagen, antriebslos und müde, haben Kopf- oder Rückenschmerzen, keinen Appetit und schlafen schlecht. Doch die Depression hat viele Gesichter: Auch Gereiztheit und Überaktivität können ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Treten solche Symptome vor allem im beruflichen Kontext auf, spricht man oft eher von einer arbeitsstressbedingten Depression. Oder auch von einem „Burnout“, der sowohl die Folge als langfristig auch die Ursache psychischer und körperlicher Erkrankungen sein kann.

Datum: Mittwoch, 11.10.2017
Ort: Christoph-Dornier-Klinik in Münster, Tibusstraße 7 – 11
Uhrzeit: 18.00 – 20.00 Uhr
Zielgruppe: für Betroffene, Angehörige und Interessierte

Der Informationsabend „Zurück ins Leben – Depressionen & Burnout bewältigen“ gibt einen Überblick über die wichtigsten Merkmale von Depressionen, wie sie entstehen und wie sie erfolgreich behandelt werden können. Auch bietet er Raum für weitergehende Fragen. Ansprechpartner sind Dr. med. Andreas Pelzer, Leitender Arzt, und Dr. Dipl.-Psych. Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Klinik.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Selbststigmatisierung überwinden

Münster – Lebenskrisen hinterlassen Spuren, körperlich und psychisch. Dass sich dies auf die Leistungsfähigkeit auswirkt, ist ganz normal. Leistungsdruck und Wettbewerb machen es schwer, das zu akzeptieren – vor allem im Job. Die eigenen Stigmata und Regeln im Kopf sind dabei oft das größte Problem. Gleichzeitig kann man sie am ehesten verändern. Auch das trägt dazu bei, am Arbeitsplatz psychisch gesund zu bleiben – ein Thema, das der diesjährige Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober ins Zentrum stellt.

79 Prozent der Befragten hatten nach einer Lebenskrise psychische Probleme. Gut 53 Prozent erlebten sich weniger leistungsfähig. Trotzdem ging etwa die Hälfte aller Befragten weiter arbeiten, rund 37Prozent waren jedoch mit ihrer Arbeit unzufrieden, so der aktuelle Fehlzeiten-Report der AOK. „Menschen, die psychisch angeschlagen sind, funktionieren oft gerade auf der Arbeit lange weiter und versuchen Defizite in der Leistungsfähigkeit durch Mehreinsatz zu kompensieren. Dies kostet enorm viel Energie und erhöht auf Dauer das Risiko, psychisch krank zu werden“, erklärt Benedikt Klauke, leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Menschen in Lebenskrisen brauchen vor allem eins: Entlastung. Manchmal hilft eine temporäre Krankschreibung. Eine längerfristige Lösung ist sie in der Regel nicht, da Arbeit neben der Existenzsicherung auch Struktur und Halt geben kann. „Betriebliche Unterstützungsangebote, wie flexible Arbeitszeiten oder eine kurzfristige Umverteilung von Aufgaben, sind daher ebenso wichtig wie die gesellschaftliche Entstigmatisierung von Menschen, die psychisch beeinträchtigt oder nicht hundertprozentig leistungsfähig sind. Eine große Rolle spielen aber auch die eigenen Kritiker im Kopf“, sagt der leitende Arzt der Klinik, Andreas Pelzer. „Vor allem wenn sie Leistungseinbußen und psychische Probleme in den Bereich des persönlichen Versagens rücken.“ Dass sogenannte innere Kritiker so laut werden können, ist nach Ansicht der Experten auch eine Folge des anhaltenden Drangs, sich selbst zu optimieren.

Durchhalteparolen und Optimierungsstrategien bringen in Lebenskrisen jedoch wenig. Vielmehr sollte man vor allem Geduld mit sich haben. Jeder Mensch braucht Zeit und Kraft, um eine schwere Krankheit, das Scheitern einer Partnerschaft oder den Tod eines Angehörigen zu verarbeiten. Und je sorgenfreier er sich diese nehmen kann, desto besser gelingt in der Regel auch die Verarbeitung.

„Die zentrale Frage in solchen Situationen ist, wie gehe ich mit Belastungen, aber auch mit eigenen Ansprüchen um?“, so der Diplom-Psychologe Benedikt Klauke. „Habe ich die Kompetenz, mich für mein Wohl einzusetzen? Kann ich auch mal Nein sagen? Meine Arbeit anders organisieren? Welche inneren Überzeugungen leiten mich? Wie viel muss ich leisten, damit ich mich als etwas wert fühle? Gerade für Menschen, die einen hohen Anspruch an sich haben und sehr pflichtbewusst sind, ist das Nicht-Erfüllen von Erwartungen oft nur schwer auszuhalten. Ebenso das Gefühl, hilfsbedürftig zu sein. Gleichzeitig sind das die Stellschrauben, die man selber beeinflussen kann und an denen wir auch therapeutisch arbeiten können.“

Er rät Menschen in Lebenskrisen, nicht zu warten, bis die Ampel auf Rot steht, sondern sich schon vorher Hilfe zu holen. Sich psychologisch beraten oder psychotherapeutisch unterstützen zu lassen, fühle sich für viele Menschen wie eine persönliche Niederlage an. Dabei übernähmen sie für sich selbst Verantwortung, was eine wichtige Voraussetzung für die Bewältigung einer Krise sei.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Betroffene gründen Selbsthilfegruppe Hautkrebs Münsterland

Auftakttagung soll Patienten miteinander in Kontakt bringen / Erstes umfassendes Selbsthilfe-Angebot in der Region

Münster (ukm/aw) – Es begann mit einem kleinen braunen Fleck auf der rechten Seite seiner Stirn: Karl-Heinz Kupfer ging zum Arzt. Dort teilte man ihm mit, dass es sich nur um einen unspezifischen Altersfleck handele. „Erst als auf dem Fleck etwas wuchs, das aussah wie eine rote Linse, ließ ich das Ganze nicht mehr auf sich beruhen“, so der Pensionär. „Als ich dann die Diagnose malignes Melanom, also „schwarzer Hautkrebs“ bekam, bin ich kurz in ein tiefes Loch gefallen“, bekennt der 72-Jährige. Doch weil Kupfer sich in seinem Leben an vielen Stellen engagiert und eingebracht hat, wollte er auch jetzt nicht resignieren. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es vielen Patienten mit Hautkrebs noch viel schlechter geht, als mir damals“, sagt er. „Dabei trägt sich ein Schicksal doch gemeinsam leichter. Deswegen hatte ich den Gedanken, dass man sich in irgendeiner Weise zusammentun müsste.“

Als dann auch noch Dr. Carsten Weishaupt, Oberarzt und Leiter der Dermatoonkologie und des Hauttumorzentrums am UKM (Universitätsklinikum Münster) mit der Idee auf ihn zukam, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, stand der gemeinsame Entschluss sofort fest. „Bisher gibt es in unserer Region kein solches Angebot für Patienten mit Melanomen“, stellt Weishaupt fest. „Ich bin fest überzeugt, dass eine solche Gruppe immer dann einspringen kann, wenn die Arbeit der Ärzte aus Kapazitätsgründen ihre Grenzen finden muss. Die Diagnose malignes Melanom ist lebensbedrohlich mit ungewissem Ausgang. Eine Selbsthilfegruppe kann seelisch unterstützen und im besten Fall sogar bei allen organisatorischen Dingen des Alltags helfen, insofern hat sie auf jeden Fall einen Mehrwert“, so der Mediziner. „Es wird künftig immer mehr Patienten geben, die dank der besseren Behandlungsmöglichkeiten mit bösartigen Hauttumoren länger leben. Es ist wichtig, dass sie in ihrem Leben ein Ziel vor Augen behalten.“

Die Selbsthilfegruppe Hautkrebs Münsterland soll unter dem Dach des Hautkrebs-Netzwerkes Deutschland e.V. organisiert sein und wäre deutschlandweit die neunte regionale Untergruppe. „Das zeigt, dass wir hier eine Lücke für die Patienten der Region schließen. Denn diese mussten bisher nach Minden fahren, um dort Anschluss zu finden“, sagt Weishaupt.
Für die Gründungsveranstaltung sucht Karl-Heinz Kupfer nun Mitstreiter und will ihnen schon jetzt Berührungsängste nehmen: „Wir wollen hier nicht etwa eine Art Trauer-Café sein. Ziel ist es, dass sich Menschen mit dieser ernsten Diagnose gegenseitig auffangen.“

» Weitere Informationen und Programm

Gründungstreffen Selbsthilfegruppe Hautkrebs Münsterland
Datum Freitag, 06. Oktober 2017 | Uhrzeit 18.00 – 19.30 Uhr
Veranstaltungsort: Hörsaal der Klinik für Hautkrankheiten | Von-Esmarch-Str. 58, 48149 Münster
Organisation und Kontakt:
Katharina Warnking | Telefon 0251.83-58659 | katharina.warnking(at)­ukmuenster(dot)­de

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Polizeieinsatz für Nierentransplantation

Foto: Copyright Julia MauschMünster (ukm/jug) – Von der Klinik den erlösenden Anruf zu erhalten, dass ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, ist meist das Einzige, an das Wartende für Spenderorgane denken können. Über acht Jahre zwischen Hoffen und Bangen verbrachte auch Christiane Datzert, die auf eine Niere wartete. Doch als für die Lingerin endlich ein passendes Organ gefunden war, verpasste sie den wichtigen Anruf des UKM (Universitätsklinikum Münster) – und wurde erst von der hinzugerufenen Polizei über die glückliche Fügung informiert.

„Mein Handy funktionierte an diesem Tag nicht. Und als ich das Haustelefon kontrollierte, war es auf stumm gestellt. Mein Kater muss beim Spielen die Taste gedrückt haben, schließlich hatte ich bei jedem Anruf Hoffnung“, so die 49-Jährige. Nachdem das UKM die Patienten über die üblichen Wege nicht erreichen konnte, alarmierte es die Polizei. „Erst habe ich mich gewundert, was die denn hier machen. Als sie mir dann aber die Nachricht brachten, dass endlich ein passendes Organ für mich gefunden sei, bin ich in Tränen ausgebrochen und habe ich mich einfach nur noch wahnsinnig gefreut“.

Nach der Transplantation der Niere vergangenen Donnerstag scheint nun alles gut zu sein – überraschend gut: „Die neue Niere mag mich anscheinend. Die Ärzte sagen, dass meine Werte überdurchschnittlich seien“, freut sich die Lingenerin. Sie ermutigt die Bevölkerung, sich mit dem Thema Organspende bewusst auseinanderzusetzen: „Wie jetzt mir kann eine Organspende für viele Patienten die Chance auf ein zweites Leben bedeuten.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Riesenhandy soll über die Gefahren der Handynutzung am Steuer aufklären

Münster – Mannsgroß ist das Modell des Smartphones, das im Foyer der Raphaelsklinik fast die Skulptur des Erzengels überragt. Auf dem Display erscheinen Kurznachrichten, wie sie täglich vermutlich zu Hunderten versendet werden: „Wann kommst du?“, „Bin schon unterwegs“, „Bringst du noch Wein mit?“. Plötzlich bricht die Unterhaltung ab, der Bildschirm scheint zu zersplittern, die letzten Fragen bleiben vermutlich für immer unbeantwortet: „Schatz? Hallo?“

Das auffällige Riesenhandy ist eine Aktion der Polizei Münster in Kooperation mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). „Im Jahr 2015 mussten wir bei fast 3.000 Autofahrern und rund 1.500 Radfahrern in Münster die Nutzung des Mobiltelefons während der Fahrt ahnden, die Verstöße auf der Autobahn nicht mit eingerechnet“, berichtet die Polizeioberkommissarin Martina Habeck. Dass dies aus gutem Grund geschieht, zeigt die Unfallstatistik: bei 261 Unfällen im Stadtgebiet mit vier Toten und vielen Verletzten lautete die Ursache „Unachtsamkeit“. „Wir vermuten, dass bei diesen Unfällen eine große Anzahl auf die Nutzung des Mobiltelefons zurückgeht“, wie die Polizistin erklärt.

Anders als bei den Schockbildern auf den Zigarettenschachteln setzen die Initiatoren dieser Kampagne auf den Überraschungseffekt. Das überdimensionale Telefon und die auftauchenden Nachrichten und kurzen Filmsequenzen machen neugierig, Patienten und Besucher bleiben stehen, kommen ins Gespräch und warten auf den Aha-Effekt. Wer sich über das Bußgeld von aktuell 60 Euro und den Punkt in Flensburg ärgert, sollte bedenken, dass das Telefonieren, Fotografieren, Chatten und Surfen im Internet während der Fahrt brandgefährlich ist. Selbst wenn der Blick aufs Handy nur zwei Sekunden dauert, bedeutet das bei Tempo 50 fast 30 Meter im Blindflug. Nach Auskunft der Berliner Polizei entspricht die Ablenkung durch ein Handy-Telefonat am Steuer etwa der Wirkung von 0,8 Promille Alkohol. Habeck, die bei der Polizei im Bereich Verkehrsunfallprävention arbeitet, geht es nicht um Bußgelder sondern um Aufklärung und Vorbeugung: „Wir wollen in die Köpfe, nicht an den Geldbeutel!“

Bild: Wollen gemeinsam über die Gefahren der Handynutzung am Steuer aufklären (v.l.): Verwaltungsdirektor Andreas Mönnig, die Krankenschwestern Veronika Blümel und Anne Laforge, Polizeioberkommissarin Martina Habeck und der ärztliche Direktor der Raphaelsklinik, Prof. Dr. Gunnar Möllenhoff.

Quelle: © Rapahelsklinik Münster

Clemenshospital informiert über Patientensicherheit

Keine Angst vor weißen Kitteln:
Infoveranstaltung am 22.09.2017 am Celemsnhospital

Münster – Wer als Patient ins Krankenhaus geht, braucht in erster Linie eines: Vertrauen. Vertrauen in die Fähigkeiten der Ärzte und Pflegenden und darin, dass hinter den Kulissen alles korrekt abläuft. Anlässlich des internationalen Tags der Patientensicherheit informierten Mitarbeiter des Risikomanagements des Clemenshospitals darüber, was im Krankenhaus bereits unternommen wird, um Risiken zu minimieren und gaben Tipps, was Patienten selber unternehmen können, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Unter dem Motto „Wenn Schweigen gefährlich ist“ stand in diesem Jahr das Thema Kommunikation im Fokus. „Die Patienten und deren Angehörige sollen unbedingt mit den behandelnden Ärzten sprechen, wenn sie glauben, dass zum Beispiel bei der Gabe der Tabletten etwas nicht stimmt“, rät Dr. Carolin Dame vom Risikomanagement, mit Blick auf den allgegenwärtigen Zeitdruck im Krankenhaus fügt die Medizinerin hinzu: „Die Zeit zum Reden muss sein!“

Bild: Informierten im Clemenshospital über das Thema Patientensicherheit (v.l.): Jens Lammers, Dr. Carolin Dame und Rudolf Noltensmeier.

Am Freitag, 22.09., informiert das Team des Risikomanagements der Raphaelsklinik mit einem Infostand im Klinikfoyer ebenfalls über das Thema Patientensicherheit. Interessierte sind herzlich willkommen.

Der Fachkrankenpfleger für Intensivpflege Rudolf Noltensmeier ist ebenfalls Mitglied im Team des Risikomanagements des Clemenshospitals und kennt die Zurückhaltung vieler Patienten, wenn es darum geht, Ärzte aktiv anzusprechen: „Patienten sollten nicht zu viel Respekt vor weißen Kitteln und akademischen Titeln haben und so lange fragen, bis sie alles verstanden haben“, empfiehlt er. Ein großes Thema im Krankenhaus ist die Hygiene. Die Angst vor schwer zu behandelnden Infektionen mit resistenten Keimen gehört zu den größten Sorgen vieler Patienten: „Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ärzte und Pfleger sich nicht häufig genug die Hände desinfizieren oder das Zimmer nicht gründlich genug gereinigt wird, dann äußern Sie diese Bedenken bitte“, sagt Dame. Überhaupt, da sind sich Dr. Carolin Dame, Rudolf Noltensmeier und der Leiter des Qualitätsmanagements, Jens Lammers einig, muss auf allen Ebenen viel miteinander gesprochen werden, um Fehler zu vermeiden.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Aus Schülern werden Ersthelfer

Wilhelm-Hittorf-Gymnasium kooperiert mit Raphaelsklinik

Münster – „Das ist zwar anstrengend aber damit können wir ja Leben retten!“, Finn aus der Klasse 7d des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums bringt es auf den Punkt. Zusammen mit seinen Klassenkameraden übt er die Herzdruckmassage an kleinen Übungspuppen. Bis ein metallisches Knacken im künstlichen Brustkorb die erfolgreiche Druckausübung verkündet, müssen die Schülerinnen und Schüler allerdings einiges an Kraft aufbringen.

„Ihr könnt nichts falsch machen, es sei denn, ihr macht gar nichts“, erklärt Ralf Epping, Fachkrankenpfleger für Anästhesie- und Intensivpflege auf der Intensivstation der Raphaelsklinik. Zwischen dem Gymnasium und der Innenstadtklinik sorgt ein Kooperationsvertrag dafür, dass jedes Jahr die Schüler der siebten Klassen unter Anleitung eines Experten die Grundlagen der Wiederbelebung erlernen. Während der aktuellen „Woche der Wiederbelebung“ wurden so aus rund 120 Schülerinnen und Schülern junge Ersthelfer, die im Ernstfall genau wissen, was zu tun ist. Viele Schüler haben in den Medien den Bericht über einen 83-Jährigen verfolgt, der in einer Essener Bankfiliale gestorben ist, weil ihm niemand geholfen hat, als er bewusstlos am Boden lag. „Ihr hättet den Mann mit Herzdruckmassage bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes vermutlich retten können“, erklärt Epping.

Erst schütteln und laut ansprechen, dann die 110 anrufen, möglichst weitere Personen dazu holen und mit der Wiederbeleben beginnen, die Schüler kennen jetzt die notwendigen Schritte, um Leben zu retten. Welche Informationen die Notrufzentrale am Telefon benötigt, kann Kleris seinen Klassenkameraden genau erklären, er hat bereits zweimal den Notruf gewählt. „In welchem Rhythmus soll man die Herzdruckmassage ausführen, da gibt es so ein Lied, an das man denken soll“, fragt Ralf Epping in die Runde und sofort singt einer der zukünftigen Ersthelfer „Staying alive“ von den Bee Gees. Der Krankenpfleger ist begeistert, stellt aber auch gleich klar, dass die Schüler einfach etwa hundertmal pro Minute drücken sollen, auch wenn sie das Lied nicht kennen.

Bild: Unter der Anleitung des Krankenpflegers Ralf Epping (m.) von der Raphaelsklinik üben die Schüler des Wilhelm-Hittorf-Gymnasiums die Herzdruckmassage.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

„Biowaffe“ Rizin entschlüsselt: UKM-Patient hätte „Regenschirmattentat“ überlebt

Einer von weltweit drei Menschen mit Rizin-Immunität wird am UKM behandelt / Erkenntnisse können perspektivisch zu einem Gegengift führen

Münster (ukm/aw) – London, 1978: Ein Reporter wartet im Stadtverkehr auf den Bus, als ein vorbeigehender Passant ihn anscheinend zufällig mit der Spitze seines Regenschirms am Bein berührt – vier Tage später ist der Mann tot. Die Obduktion ergibt, dass das Pflanzengift Rizin injiziert wurde, mittels einer millimetergroßen Platinkugel ins Bein – die Legende des Regenschirmattentats ist geboren. Obwohl Wissenschaftler bis heute kein wirksames Gegengift gefunden haben, gibt es drei Menschen auf der Welt, die das Attentat überlebt hätten: Sie alle haben einen genetisch bedingten Stoffwechsel-Defekt, können den Zucker Fucose nicht umsetzen. Forscher des Instituts für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IMBA) identifizierten jetzt mit der Unterstützung des Universitätsklinikums Münster (UKM) zwei Gene, die Rizin tödlich machen. Eines davon ist bei den Patienten defekt, deshalb sind ihre Zellen gegen das Gift immun. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Cell Research veröffentlicht worden.

Einer der Menschen, die den Rizin-Angriff überlebt hätten, ist der 20-jährige Jakob* (Name der Redaktion bekannt), der seit seiner Geburt am UKM behandelt wird. Die Forschergruppe aus Wien griff bei ihren Untersuchungen auf Studienergebnisse zurück, die in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am UKM gewonnen wurden: „Vor fast 20 Jahren lernten wir hier Jakob kennen, der genau diese seltene Stoffwechselkrankheit hatte. Den Kollegen aus Wien stellten wir Hautproben zur Verfügung, mithilfe derer sie den Wirkungsmechanismus von Rizin entschlüsseln konnten“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Marquardt, Leiter des Bereichs Angeborene Stoffwechselerkrankungen am UKM. Nach der Aufnahme von Jakob am UKM vor 20 Jahren war es dem UKM-Mediziner im Austausch mit Experten am münsterschen Max-Planck-Institut und aus Heidelberg nach zweijähriger Arbeit gelungen, den molekularen Defekt zu entschlüsseln und eine Therapie zu entwickeln. Die Fieberschübe, die den Jungen dazu zwangen, ein ganzes Jahr im Krankenhaus zu verbringen, waren dank der Medikation schnell vorüber.

„Die neu gewonnenen Erkenntnisse über die Entschlüsselung des Wirkmechanismus eines der tödlichsten Gifte überhaupt sind ein Paradebeispiel dafür, wie die Beschäftigung mit seltenen Erkrankungen nicht nur den betroffenen Patienten helfen kann, sondern auch fundamentale wissenschaftliche Ergebnisse liefert, die der Medizin insgesamt zugutekommen“, so Marquardt. Die Studie ist ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zum Gegengift: „Noch ist das Zukunftsmusik, aber wir sind ein Stück weitergekommen.“

Bild: Prof. Thorsten Marquardt und sein Patient Jakob*.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster