Archiv für den Monat: Juli 2017

Sicheres Hantieren mit Stammzellen: 10.000-Euro-Spende ermöglicht neue Werkbank für das Knochenmark-Transplantationszentrum

Münster (mfm / ls) – Technische Unterstützung im Kampf gegen den Krebs, finanziert aus Spenden: Ärzte und Forscher am Knochenmark-Transplantationszentrum (KMT) des Universitätsklinikums Münster freuen sich über eine 10.000-Euro-Spende des KMT-Freundeskreises. Mit der Summe wurde eine neue Sicherheitswerkbank für ein Labor finanziert. Dies wurde möglich, weil die Sparkasse Münsterland Ost den Freundeskreis mit einer Zuwendung von 5.000 Euro unterstützte.

Am KMT-Zentrum werden seit 1999 Blutstammzellen und Knochenmarkstammzellen transplantiert, um beispielsweise verschiedene Formen von Leukämie zu heilen. Für die Forschungsarbeit mit Zellen im KMT und in der Onkologie sind Sicherheits-Laborwerkbänke unabdingbar, denn in den Labors gelten strenge Bedingungen für die Sauberkeit, unter denen mit Zellen hantiert werden darf. Mithilfe der Neuanschaffung wird eine Verunreinigung der Zellen vermieden. „Gleichzeitig soll so auch eine Gefährdung für die Beschäftigten ausgeschlossen werden“, erklärt Dr. Manfred Gotthardt, Vorsitzender des KMT-Freundeskreises.

Angesichts des steigenden Bedarfes an Knochenmarktransplantationen ist das Zentrum froh über die Finanzspritze, die dazu beiträgt, eines der größten Stammzell-Transplantationsprogramme in Deutschland fortführen zu können. Das KMT ist durch ein Qualitätssiegel zertifiziert, das den europaweit höchstmöglichen medizinischen Standard auf diesem Gebiet ausweist.

Bild: Klinikdirektor Prof. Wolfgang Berdel (l.) und Dr. Manfred Gotthardt, Vorsitzender des KMT-Freundeskreises, freuen sich über die Anschaffung einer Sicherheits-Laborwerkbank mithilfe einer größeren Spende (Foto: FZ/Deiters)

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

Täter ohne Tat

25 Jahre leidet Uwe Saaler* an aggressiven Zwangsgedanken. Sie richten sich gegen diejenigen, die er am meisten liebt: seine Frau, seine Kinder und seine Enkel. Die Scham sitzt tief; keiner weiß, dass er krank ist. Stundenlang grübelt er, meidet den Kontakt. Dann bricht er sein Schweigen – und findet Hilfe

Münster – Der 63-Jährige ist kein Einzelfall. Mehr als zwei von zehn Menschen erkranken an therapiebedürftigen Zwängen. Obwohl sie eine der häufigsten psychischen Erkrankungen sind, werden sie am seltensten behandelt. Die Tendenz, sie aus Scham und Angst zu verheimlichen, ist groß, besonders bei aggressiven Zwangsgedanken, die sich meistens gegen geliebte Menschen richten. Das erschwert auch die richtige Diagnose.

„Menschen, die aggressive Zwangsgedanken entwickeln, erlauben es sich häufig gerade nicht, aggressive Gedanken oder Impulse zu haben und diese in irgendeiner Form auszuleben. Insbesondere gegenüber Familienangehörigen sind Gefühle wie Ärger oder Wut fast tabu. Dieser hohe moralische Anspruch begünstigt die Entwicklung der aggressiven Zwangsgedanken. Je stärker das Verbot ist, desto bedeutungsvoller und mächtiger werden sie“, erklärt Benedikt Klauke, leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Werkzeuge und Kissen werden gedanklich zum Mordinstrument

Bei Uwe Saaler beginnen die Gedanken, als er mit seiner kleinen Tochter eine Puppenstube baut. Während er die Seitenwände vernagelt, denkt er, dass er sie mit dem Hammer erschlagen könnte. Der Gedanke setzt sich fest, wiederholt sich immer wieder, zu Hause, im Baumarkt, bei den Kindern, bei seiner Frau und später bei den Enkeln. Nach schweren Werkzeugen werden auch Kissen „gefährlich“. Der Zwang dehnt sich aus. Schließlich bricht ihm bei jeder Begegnung mit seinen Enkeln der Schweiß aus. Er zieht sich zunehmend zurück und grübelt, oft stundenlang.

Der drohende Verlust der Familie gibt den Anstoß sich zu öffnen

„Die Jahre von 2010 bis 2015 waren die schlimmsten“, sagt Uwe Saaler. Seine Frau und Töchter fragen immer häufiger, warum er nicht zuhört, werfen ihm vor, kein Interesse mehr an ihnen zu haben. Keiner weiß, dass er krank ist. „Das schreckliche Gefühl, nicht mehr zur Familie zu gehören, war der zentrale Anstoß, mich zu öffnen.“ Seine schlimmsten Gedanken behält er für sich. Er befürchtet, dass seine Familie Angst vor ihm haben könnte. Bei ihm treten die Zwangsgedanken oft in Kombination mit materiellen Ängsten oder enttäuschter Erwartung auf. Benedikt Klauke erklärt: „Aufdringliche Gedanken setzen sich häufig auf unangenehme Gefühle, wie Ablehnung, Enttäuschung oder Verlustangst, wenn andere Strategien, diese auszuleben, fehlen“.

2015 wendet sich Saaler an eine Psychiaterin und bekommt Antidepressiva. Es geht ihm besser, aber seine Zwänge lösen sie nicht. Ein Jahr später rät ihm eine Psychologin, sich stationär behandeln zu lassen. Eine Empfehlung führt ihn nach Münster. Im August 2016 hat er dort in der Christoph-Dornier-Klinik ein Erstgespräch. Das Intensivkonzept habe ihn sofort überzeugt, sagt er.

Mensch-ärgere-dich-nicht mit Enkeln – und Hammer im Gepäck

Wenige Wochen später beginnt seine sechswöchige stationäre Therapie. Die Diagnose lautet „Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt“. Jede Woche hat er zehn Einzelpsychotherapiesitzungen. Zusätzlich besucht er Gruppentherapien, darunter die Achtsamkeits- und die Zwangsbewältigungsgruppe. In den ersten zwei Wochen erarbeitet er mit seiner Therapeutin vor allem die biographischen Hintergründe und ein Erklärungsmodell für die Erkrankung. Graphen und Zeichnungen helfen, die Zusammenhänge zu verstehen. „Das war sehr anstrengend, weil man so viel verarbeiten muss“, berichtet der 63-Jährige.

Ab der dritten Woche beginnen die Expositionsübungen, mit und ohne Therapeutin, später auch im familiären Kontext. Es ist wichtig, das Gelernte im Alltag zu erproben. Dafür verbringt er Weihnachten bei seiner Tochter. Im Gepäck: ein Hammer. Während er mit seinen Enkeln Mensch-ärgere-dich-nicht spielt, denkt er „Jetzt könnte ich sie mit dem Hammer erschlagen“, immer wieder, wie ein Mantra. „Als ich ihn dann aus dem Beutel geholt habe, habe ich nicht mal geschwitzt. Ich wusste, ich mach das nicht, egal was ich denke. Es sind nur Gedanken und ein Teil meiner Krankheit“, so Saaler.

Gedanken sind keine Handlungen

„Expositionen mit Reaktionsverhinderung sind die wirksamste psychotherapeutische Methode, um Zwänge zu überwinden“, sagt Diplom-Psychologe Klauke. „Zwangsgedanken zu unterdrücken ist ähnlich vergeblich, wie einen prall gefüllten Ball unter Wasser zu halten. Je mehr wir drücken, desto stärker drängt er an die Oberfläche. Deshalb ist es wichtig, den negativ besetzten und angstauslösenden Gedanken bewusst Raum zu geben. Selbst starke, vermeintlich unerträgliche Gefühle lassen mit der Zeit nach. Durch die Erfahrung, dass nichts passiert, dass Gedanken eben keine Handlungen sind, werden sie entkatastrophisiert. Sie verlieren an Bedeutung und treten in der Folge auch seltener auf.“ Parallel dazu sei es wichtig, Denkmuster und Überzeugungen zu bearbeiten, die die Erkrankung aufrechterhalten.

Früher habe er sich ständig selbst beobachtet, alles Negative auf sich bezogen. Durch die Therapie habe er gelernt, bestimmte Annahmen zu hinterfragen und neu zu bewerten. „Mein Lebensinhalt bestand zu 30 Prozent aus Problemen, heute sind es fünf“, sagt Uwe Saaler. Er genießt die zunehmende Freiheit im Kopf, walkt zwischen den Therapien um den Aasee oder die Promenade entlang, besichtigt mit Mitpatienten den Münsteraner Dom, geht mit ihnen schwimmen. Auch dieses Miteinander und der Austausch mit „Leidensgenossen“ habe ihm sehr geholfen. Er möchte Menschen, die an Zwangsgedanken leiden, Mut machen, sich ihrer Situation zu stellen, sich anzuvertrauen und aktiv zu werden: „Hilfe ist da, aber man muss sie sich holen.“

* Zum Schutz der Person wurde der Name geändert.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Münster mittendrin unterstützt „Mehr Raum für Nähe“

Menschenkicker-Turnier für den guten Zweck

Münster – Das diesjährige Stadtfest „Münster mittendrin“ lockte wieder zahlreiche Besucher in die Innenstadt. Viele feuerten bei den Menschenkicker-Promi-Spielen am Sonntag auf dem Stubengassenplatz das Team des St. Franziskus-Hospitals Münster an, das für den guten Zweck gegen eine Auswahl vom USC Münster und vom SC Preußen 06 e.V. Münster angetreten war. Bei hochsommerlichen Temperaturen hatten die Franziskus-Kicker das Spiel gegen die Volleyballerinnen gewonnen und gegen die Adlerträger knapp verloren. Jetzt übergaben Bernd Redeker, Organisator und Gesellschafter des Stadtfestes „Münster mittendrin“, Carsten Becker von der Preußen Münster Traditions-Elf, Christian Wasmuth, Geschäftsführer von Team Escape, und Edith Preuß, Zahnärztin in Münster, den Erlös an die Spendenkampagne „Mehr Raum für Nähe“. „Wir haben für jedes Tor gespendet und die Summe gemeinsam auf 2.600 Euro aufgerundet. Wir freuen uns, dass damit vier Quadratmeter in der Kinderklinik umgebaut und kindgerecht ausgestattet werden können“, betonen sie. Bereits am Freitag erspielten die WWU Baskets, die Preußen Traditionself und ein Allstar-Team u.a. mit Ex-Preußen-Torwart Daniel Masuch den ersten Teil der Spendensumme.

Bei der Übergabe dabei waren zudem Hanna Orthmann, Spielerin beim USC Münster, und Preußen-Kapitän Adriano Grimaldi. Beide waren beim Menschenkicker-Turnier gegen die Franziskus-Auswahl angetreten und wünschten auch künftig viel Erfolg bei der Spendenkampagne.

Bild: Dr. Ansgar Klemann (r.), Kaufmännischer Direktor, und Dr. Florian Urlichs (l.), Chefarzt der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin, bedankten sich für die Spende. Überreicht wurde sie von (v.l.) Carsten Becker, Edith Preuß, Adriano Grimaldi, Bernd Redeker, Hanna Orthmann und Christian Wasmuth.

Der Chefarzt der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin Dr. Florian Urlichs und der Kaufmännische Direktor Dr. Ansgar Klemann freuten sich sehr über die Spende: „Wir danken den Veranstaltern von ‚Münster mittendrin‘ und allen Spendern für die tatkräftige Unterstützung und den wichtigen Beitrag für kranke Kinder und ihre Eltern“.

Weitere Informationen: www.mehr-raum-für-nähe.de

Durch die Spendenkampagne „Mehr Raum für Nähe“ will das St. Franziskus-Hospital in den nächsten Jahren einen Teil der Gesamtkosten für die Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen der Kinder- und Jugendklinik einwerben. Die Modernisierung ist dringend erforderlich, denn die bauliche Ausstattung entspricht nicht mehr den aktuellen räumlichen Anforderungen einer modernen Kinderklinik. Doch selbst so wichtige Vorhaben wie dieses lassen sich heute nicht mehr aus eigenen und öffentlichen Mitteln finanzieren. Zur Umsetzung des Bauvorhabens benötigt das Hospital knapp 13 Millionen Euro. Etwa 9,5 Millionen Euro werden aus öffentlichen und Eigenmitteln abgedeckt und rund 3,3 Millionen Euro müssen über Spenden finanziert werden.

Quelle: © St. Franziskus-Hospital Münster

Weltweite OP-Premiere: St. Franziskus-Hospital wendet neue Implantationstechnik in Brustschlagader an

Münster – Erstmalig weltweit wurde im St. Franziskus-Hospital Münster beim Einsetzen einer Gefäßprothese ein neues Instrument angewendet. Unter Leitung von Professor Dr. Giovanni Torsello, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Direktor des Centrums für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie des Universitätsklinikums Münster, behandelte das Team damit erfolgreich einen 75-jährigen Patienten, der unter einer lebensbedrohlichen Aussackung (Aneurysma) der Brustaorta litt.

Die minimalinvasive Behandlung dieses Krankheitsbildes, bei der ein Stent ohne Öffnung des Brustkorbes implantiert wird, ist seit Jahren etabliert und stellt eine besonders schonende Therapiemöglichkeit dar. Sehr wichtig hierbei ist die exakte Platzierung der Prothese unter Röntgendurchleuchtung, damit sie sicher in den noch intakten Gefäßbereichen verankert wird. Eine besondere Herausforderung ist die hohe Fließgeschwindigkeit des Blutes in der Brustschlagader. In vielen Fällen ist somit eine deutliche Reduktion des Blutdruckes erforderlich, um eine sichere Prothesenabgabe zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang wurde nun ein Freisetzungsmechanismus entwickelt, der es möglich macht, eine bewährte Endoprothese sehr kontrolliert, sicherer und exakter zu platzieren. Priv.-Doz. Dr. Martin Austermann, leitender Oberarzt in der Klinik für Gefäßchirurgie, hat diese Technik vor einigen Tagen zum ersten Mal eingesetzt und erklärt die Vorteile: „Dank dieses Instrumentes ist es nicht mehr notwendig, den Blutdruck drastisch zu senken. Trotz starkem Blutfluss kann die Prothese sehr exakt platziert werden. Hierbei wird das Implantat nach dem Einsetzen zunächst nur zur Hälfte eröffnet, so dass außerhalb und innerhalb der Prothese weiterhin Blutfluss stattfinden kann. In einem zweiten Schritt wird die Prothese komplett freigesetzt. Jederzeit kann dann die Prothesenlage zusätzlich korrigiert werden.“

Dieser neue Mechanismus hat sich bei dem weltweit ersten Einsatz bewährt. Auch die Produktentwickler selbst haben die Operation vor Ort beobachtet und freuen sich über den Erfolg: Gerhard Jännekes hat die Operation gut überstanden und ist bereits zwei Tag nach der OP weitgehend erholt und fit.

Bild: Das OP-Team freut sich über die erfolgreiche Premiere mit dem neuen Freisetzungsmechanismus.

Quelle: © St. Franziskus-Hospital Münster

Nicht nur bei Krebs: Strahlentherapie

Rund ein Drittel aller Erkrankungen, die mittels Bestrahlung behandelt werden, sind gutartig. Das ergab eine deutschlandweite Abfrage in den strahlentherapeutischen Zentren, die der UKM-Strahlentherapeut Dr. Jan Kriz durchgeführt hat. Für seine Studie hat er den Günther-von-Pannewitz-Preis seiner Fachgesellschaft erhalten.

Münster (ukm/aw) – Fällt das Wort „Bestrahlung“, denkt der Laie spontan an Krebserkrankungen, die auf diese Art und Weise eingedämmt und behandelt werden müssen. „In jedem Fall ist der Begriff der Strahlentherapie erst einmal mit einer Krebserkrankung konnotiert“, weiß Dr. Jan Kriz, Leitender Oberarzt in der Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie – unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Eich. „Was viele nicht wissen: Wir behandeln auch viele Patienten mit gutartigen Erkrankungen, die gut auf eine niedrig dosierte Bestrahlung ansprechen. Die Zahl derer, die mit nicht-malignen Erkrankungen zu uns kommen, wächst stetig.“ Viele entzündliche und degenerative Erkrankungen wie Fersensporn, Tennisellbogen, Schulterschmerzen und Arthrosen der verschiedenen Gelenke können so behandelt werden.

Auch Marion Wigger kam mit einer schmerzenden Gelenkentzündung zum UKM. Innerhalb ihrer dreiwöchigen Behandlung musste der Fersensporn sechs Mal bestrahlt werden. „Aber danach war ich sofort wieder ganz beschwerdefrei“, freut Wiggers sich heute. „Ohne Schmerzmittel oder Spritzen!“ Da die Bestrahlungsdosis weit unterhalb der Dosen angesetzt ist, die zur Krebstherapie verwendet werden müssen, treten kaum Nebenwirkungen auf. Auch hinsichtlich der individuellen Beschwerden wirkt sich die Bestrahlung schmerzhemmend aus: Besonders Schulterschmerzen und Fersensporne sprechen gut auf die Strahlentherapie an.

Für seine Studie zu aktuellen Therapiestrategien bei der Behandlung von gutartigen Erkrankungen hat die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie.V. (DEGRO) Dr. Jan Kriz bei ihrer diesjährigen Jahrestagung mit dem Günther-von-Pannewitz-Preis ausgezeichnet. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird von der DEGRO an Wissenschaftler vergeben, die sich um die Strahlentherapie bei nicht-malignen Erkrankungen verdient gemacht haben.

Bild: (UKM/Fuhrmann) (v.l.) Prof. Hans Eich und Dr. Jan Kriz freuen sich mit Patientin Marion Wigger über die erfolgreiche Behandlung mit dem Linearbeschleuniger.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Herzenswünsche e.V. macht Eltern mobil

Münster – 1000 Euro spendete der Verein Herzenswünsche an die Kinderneurologische Frührehabilitation im Clemenshospital. Um die Eltern und Angehörigen der kleinen Patienten für die Zeit ihres Aufenthaltes mobil zu machen, kaufte die Station zwei sonnengelbe Fahrräder. Wera Röttgering, Gründerin und erste Vorsitzende des Vereins Herzenswünsche e.V., kam persönlich, um sie Priv.-Doz. Dr. Otfried Debus, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Clemenshospital, zu übergeben.

Die Eltern der Kinderneurologischen Frührehabilitation im Clemenshospital können sich freuen. Dank der Spende von Herzenswünsche e.V. und des Engagements von Zweirad Weigang stehen der Station zwei Fahrräder mit praktischen Einkaufstaschen zur Verfügung. Dadurch können die Angehörigen kleinere Besorgungen machen und sind während des oft sehr langen Aufenthaltes nicht nur auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Auto angewiesen. „Es kamen immer wieder Anfragen von Eltern, die ´mal eben´ in die Stadt fahren oder sich einfach ein bisschen bewegen wollten“, erklärte Gerlinde Ehses, Stationsleitung der Kinderneurologischen Frührehabilitation, „denn die Kinder sind in der Regel nicht nur wenige Tage, sondern Wochen oder Monate bei uns.“

Der Bedarf ist da, das sieht auch Debus. „Auch auf anderen Stationen der Kinderklinik müssen Kinder manchmal lange bleiben, etwa bei chronischen Erkrankungen.“ Zu dem Verein, der in Münster gegründet wurde und heute bundesweit tätig ist, bestehe seit langem ein guter Kontakt.

Bild (v. l.): Probefahrt auf sonnengelben Fahrrädern: Priv.-Doz. Dr. Otfrid Debus, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Clemenshospital, Hartmut Hagmann, Regionalgeschäftsführer, Ralf Wennemer, Leiter der Haustechnik, Wera Röttgering , erste Vorsitzende des Vereins Herzenswünsche e.V. und Gerlinde Ehses, Stationsleitung der Kinderneurologischen Frührehabilitation.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Kleines Wunder: Mutter und Baby Mahdi gesund nach Lebertransplantation in der Schwangerschaft

Lebertransplantation bei weltweit einer der frühesten Schwangerschaften / Mutter und Kind der siebenköpfigen Flüchtlingsfamilie wohlauf

Münster (ukm/aw) – Es ist ein bewegtes Leben, das Familie Mohammad aus dem Irak in den letzten beiden Jahren geführt hat: Die Eltern und ihre fünf minderjährigen Kinder mussten monatelang die Strapazen einer dramatischen Flucht über die Türkei und Südosteuropa auf sich nehmen, bevor sie glücklich und wohlbehalten im niedersächsischen Lienen aufgenommen wurden. Dort stellten sie einen Asylantrag und integrierten sich gut. „Es könnte nicht besser sein“, ist das, was der inzwischen 19 Jahre alte Mohammad über die Lebensverhältnisse in seiner neuen Heimat sagt. Doch das kurze Glück währte nicht lange: Ende Oktober wurde seine Mutter Chnar Mustafa ganz plötzlich mit heftigen Oberbauchschmerzen und schlechten Leberwerten ans UKM (Universitätsklinikum Münster) überwiesen. Die Diagnose: akutes Leberversagen. Außerdem noch eine Überraschung: Chnar Mustafa war – ohne es zu wissen – schwanger in der neunten Woche! „Was eigentlich ein Grund zur Freude gewesen wäre, war nun doppelter Anlass zur Sorge“, so Dr. Christian Wilms, Oberarzt der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM. „Die Patientin wurde am Freitag eingeliefert, Sonntag hatte sich ihr Zustand so sehr verschlechtert, dass sie am Folgetag mit höchster Dringlichkeitsstufe (high urgency) auf der Warteliste bei Eurotransplant angemeldet werden musste. Als dann schon am Dienstag mit viel Glück ein passendes Organangebot da war, mussten wir uns entschieden, ob wir tatsächlich operieren. Selten hatte ich so große Bedenken. Ich hatte eine fast schlaflose Nacht“, gibt er unumwunden zu. „Schließlich ging es bei dieser Operation um zwei Leben und nicht um eines“, ergänzt Prof. Daniel Palmes, Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Zwar war klar, dass das Leben der Mutter Vorrang haben musste, aber wir wollten natürlich auch ihrer Bitte, das Leben ihres Kindes zu schützen, gerecht werden.“

Einen Tag später operierte Palmes die 44-jährige Patientin. „Die Transplantation dauerte wegen des noch guten Allgemeinzustands von Frau Mustafa nur dreieinhalb Stunden. So plötzlich wie das fulminante Leberversagen kam, besserte sich mit dem neuen Organ sofort ihr Zustand. Und das Beste: Auch der Embryo überstand den Eingriff unbeschadet.“ Seit der Transplantation muss Chnar Mustafa Immunsuppressiva einnehmen – für das Kind in ihrem Bauch natürlich ein weiteres Risiko. Ein einzelner Versuch des Körpers, die Leber abzustoßen, konnte rechtzeitig durch eine gezielte Gabe der Medikamente verhindert werden. Ansonsten verlief die Schwangerschaft ohne Komplikationen. In der 34. Woche hatte der ungeborene Junge es dann doch eilig: Mahdi wurde per Kaiserschnitt geholt – bei einem Geburtsgewicht von nur rund 1.600 Gramm.

Weltweit sind bisher nur rund zwanzig Fälle von Lebertransplantationen bei Schwangeren beschrieben. Der kleine Mahdi dürfte das glückliche Ergebnis der jüngsten erhaltenen Schwangerschaft trotz dieser risikoreichen OP sein, glauben die Ärzte am UKM. Heute, mit sieben Wochen, ist er noch ein wenig in der Entwicklung zurück, aber gesund. Mit seinen Eltern und fünf Geschwistern lebt er in Lienen. „Der Zustand seiner Mutter muss nach der Transplantation natürlich regelmäßig in unserer Transplantationsambulanz kontrolliert werden. Aber wir sind hoffnungsfroh, dass sich Frau Mustafa viele Jahre guter Gesundheit erfreut und wir freuen uns, dass Mahdi bei uns ist“, so Wilms. Die Aussichten, dass Familie Mohammad in Deutschland bleiben kann, sind deshalb gut. „Es ist alles wie ein kleines Wunder“, sagt Mahdis Bruder Mohammad.

Bild: Dr. Christian Wilms (links) und Prof. Daniel Palmes (rechts) freuen sich mit Mutter Chnar Mustafa und Bruder Mohammad über das kleine Wunder Mahdi.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Informationsveranstaltung: Leben ohne Bauchspeicheldrüse

Informationsveranstaltung von Ärzten und Patientenverein soll Betroffenen helfen / Lebensqualität im Blickpunkt

Münster (ukm/aw) – René Hohenhausen hat vierzig Jahre mit Bauchspeicheldrüse gelebt – in den vergangenen Jahren eher schlecht als recht, denn eine chronische Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) bereitete ihm heftigste Schmerzen. Jetzt, rund zwei Monate nachdem ihm das Organ vollständig entfernt wurde, könne es daher nur noch bergauf gehen: „Die kommenden vierzig Jahre werde ich hoffentlich besser ohne dieses Organ leben können“, sagt der junge Familienvater. In einer komplizierten fünfeinhalbstündigen Operation hatte Prof. Daniel Palmes, Oberarzt an der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) das Pankreas schließlich entfernt. Er war auch derjenige, der Hohenhausen im Vorfeld überzeugte, dass eine Resektion der Bauchspeicheldrüse die bessere Alternative sei: „Die täglichen schlimmen Schmerzen ließen den Patienten teils sogar ohnmächtig werden. Er musste langfristig für sich entscheiden, ob er das weiter ertragen wollte.“ Palmes, der auch Leiter der Oberbauchsprechstunde am UKM ist, riet aber noch aus einem weiteren Grund zur Entfernung: „Als Herr Hohenhausen sich Anfang des Jahres bei mir vorgestellt hat, war er bereits insulinpflichtig geworden. Seine Bauspeicheldrüse hatte durch die jahrelange Entzündung die Insulinproduktion weitgehend eingestellt. Das sprach natürlich auch dafür, das Organ – das in seiner endokrinen Funktion ja bereits weitestgehend überflüssig geworden war – zu entfernen.“

Datum: Samstag, 22. Juli 2017
Ort: Konferenzraum, Ebene 04, Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
Albert-Schweitzer-Campus 1, Gebäude W1, 48149 Münster
Uhrzeit: 10.00 – 13.00 Uhr
Zielgruppe: Betroffene und ihre Partner und/oder Angehörige

Bild: René Hohenhausen (Mitte) lässt sich am gemeinsamen Patienten-Informationstag für Bauchspeicheldrüsenerkrankte von AdP und UKM informieren. (links: Prof. Daniel Palmes, rechts: Matthias Erlenburg, AdP) – © Foto: UKM/Wengenroth

Nicht genug, dass eine schwerwiegende Operation anstand – auch die langfristigen Folgen für seine Lebensqualität konnte Hohenhausen zunächst kaum einschätzen: „Ich wusste nicht, was da noch alles auf mich und auch auf meine Familie zukommen würde“, sagt er. „Von Prof. Palmes habe ich den Tipp bekommen, mich zur besseren Orientierung an den Patientenverein AdP zu wenden, der Bauspeicheldrüsenerkrankte berät.“

Matthias Erlenburg vom Arbeitskreis der Pankreatektomierten e.V. (AdP) erlebt immer wieder, dass sich Patienten in ihrer Unsicherheit an ihn wenden: „Wir unterstützen alle Bauspeicheldrüsenerkrankten aber auch ihre Angehörigen, die oft von den Folgen der Erkrankung mitbetroffen sind. Das alles in enger Zusammenarbeit mit den behandelnden Medizinern. Die Lebensqualität der Patienten steht für uns an erster Stelle. Hier können wir wertvolle Erfahrungswerte weitergeben“, so Erlenburg, der als Angehöriger selbst betroffen ist.

Um ihr Wissen den Betroffenen aus der Region zur Verfügung zu stellen, veranstalten der AdP und die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am 22. Juli 2017 einen Patienten-Informationstag. Hier können neben dem Umgang mit den Folgen der Erkrankung auch die Fragen nach Rehabilitations-maßnahmen oder Frühverrentung geklärt werden.

Das pankreaszentrum ist Bestandteil des Viszeralonkologischen Zentrums am UKM. In der Oberbauchsprechstunde der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie (Anmeldung unter Telefon: 0251.8356361 werden unter anderem patienten mit akuten und chronischen Entzündungen sowie mit Tumoren der Bauchspeicheldrüse durch Spezialisten behandelt.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster