Archiv für den Monat: Juni 2017

Unbekannt und doch ganz ähnlich: Kulturaustausch führt Neurowissenschaftler der Universität Münster in den Iran

Münster/Mashhad (mfm/sk) – Wer die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes zum Iran liest, wird nicht gleich den nächsten Flieger nach Teheran buchen: Kundgebungen, Menschenansammlungen oder Demonstrationen weiträumig meiden, lautet die Empfehlung. Und die deutsche Botschaft rät dazu, sich auch bei nur kurzen Aufenthalten auf die Krisenvorsorgeliste setzen zu lassen. Wer hingegen mit Dr. Petra Hundehege vom münsterschen Institut für Translationale Neurologie redet, bekommt einen ganz anderen Eindruck. Sie hat zusammen mit 15 Neurowissenschaftlern der Universität Münster den ersten internationalen Kongress zu entzündlichen Erkrankungen des Nervensystems im iranischen Mashhad besucht. Die Reise war der Auftakt zu einem zwölfmonatigen, vom deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Forschungs- und Kulturaustausch.

„Trotz der kulturellen Unterschiede zwischen den Ländern gibt es viele Parallelen in der Forschung“, erläutert die Biologin. So befassten sich die Kollegen in der islamischen Republik ebenfalls mit der Erforschung der Multiplen Sklerose sowie mit der Rolle unterschiedlicher Zelltypen bei der Entzündung und Degeneration des Nervensystems. Diese Fragen standen im Zentrum der zahlreichen Vorträge von Studierenden und Wissenschaftlern aus Deutschland und dem Iran. „Während der Referate und auch an den Postern entstand ein intensiver Dialog“, berichtet Hundehege. Nach dem offiziellen Programm gingen die Gespräche auch über die Arbeit im Labor hinaus: So begleiteten die iranischen Kollegen ihre Gäste zum Essen oder bei Ausflügen zu iranischen Kulturdenkmälern wie dem Imam-Rezai-Schrein, einem Areal von mehr als 200.000 qm, das jährlich bis zu 20 Millionen Pilger besuchen.

Diese kulturelle Exotik stand im krassen Gegensatz zur modernen Einstellung der iranischen Gastgeber. Denn entgegen der Klischees waren auch die Frauen an der Universität alles andere als unterdrückt oder zurückgesetzt. „Es war beeindruckend für uns zu sehen, dass die Frauen wissenschaftlich sehr emanzipiert aufgetreten sind“, erzählt Petra Hundehege.

Für Initiator Prof. Dr. Ali Gorji vom Institut für Physiologie I der Universität Münster ging mit der Tour ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Der Biologe mit iranischen Wurzeln forscht seit 1996 in Münster und versucht seitdem kontinuierlich die Kooperation zwischen beiden Ländern zu stärken. In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Dr. Sven Meuth, dem Direktor des Instituts für Translationale Neurologie, und gefördert durch das Programm „Hochschuldialog mit der islamischen Welt“ des DAAD wurde dieser Plan nun Wirklichkeit. Der Austauschdienst finanziert ein Jahr lang das Projekt „LIASE – Linking Iran and Germany: Science, Culture and Education“, das Meuth und Gorji gemeinsam entwickelt haben.
Die nächsten Schritte der Zusammenarbeit zwischen Neuroimmunologen aus Münster und Mashhad sind bereits geplant. Während der Konferenz wurden die beiden besten Poster prämiert und die Preisträger sind nun zu einem mehrmonatigen Forschungsaufenthalt nach Münster eingeladen. Zudem finanziert der DAAD weiteren Nachwuchswissenschaftlern einen Besuch in Westfalen. In den Laboren der Professoren Meuth und Gorji lernen die Gäste dann wissenschaftliche Methoden, die sie nach der Rückkehr auch in ihrem Heimatland anwenden können.

Für die mitgereisten Ärzte aus Westfalen verlief der Wissenstransfer angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise in eine ungewohnte Richtung: Sie bekamen Gelegenheit, iranische Fälle gemeinsam mit Kollegen aus Mashhad zu diskutieren. Dabei lernten die Ärzte aus Deutschland, dass es ein paar kulturelle Regeln zu beachten gilt, die auch bei der Behandlung von Muslimen hier in Deutschland bedeutend sind: So begrüßen Ärzte in Deutschland ihre Patienten oft mit einem Händedruck – doch Händeschütteln unter Männern und Frauen ist im Iran verpönt und sollte daher unterbleiben. Wenn es die klinische Situation erlaubt, sollten zudem Frauen von Frauen und Männer von Männern untersucht werden.
Doch wenn es darauf ankommt, seien die Unterschiede gering, sagt Dr. Stjepana Kovac, Ärztin an der Klinik für Allgemeine Neurologie der münsterschen Uniklinik: „Es war für uns als deutsche Mediziner schön zu sehen, wie unkompliziert der Umgang mit iranischen Patienten ist, wenn diese wenigen Regeln, die auch unabhängig von der klinischen Situation gelten, eingehalten werden. Der Untersuchungsablauf selbst ist der gleiche und es wird wie in allen Ländern auf einen respektvollen Umgang mit den Patienten geachtet.“

Bild: Prof. Sven Meuth und Prof. Ali Gorji (vorn, 4. und 5. v.l.) engagieren sich für den Wissensaustausch mit Neurowissenschaftlern im iranischen Mashhad (Foto: privat)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Pflegekräfte: Begleitung beim beruflichen Wiedereinstieg

Pflegende bekommen individuelle Betreuung und praktische Anleitung nach mehrjähriger Berufspause

Münster/Greven – Das St. Franziskus-Hospital Münster und das Maria-Josef-Hospital Greven bieten examinierten Pflegekräfte, die mehrere Jahre beruflich pausiert haben, einen Wiedereinstiegs­-Kurs für eine Rückkehr in den Pflegeberuf an. Ausgebildete Pflegekräfte bekommen damit die Chance, den Anschluss an die aktuellen berufsfachlichen Kenntnisse und Verfahren zu erlangen.

Der Pflegeberuf ist noch immer hauptsächlich ein Frauenberuf. Damit verbunden unterbricht häufig ein hoher Anteil sehr gut ausgebildeter Fachkräfte familienbedingt ihre Berufstätigkeit. Möchten die Pflegenden nach einigen Jahren wieder in den Beruf einsteigen, trauen sie sich jedoch die Arbeit auf den Stationen oft nicht mehr zu. Die Sorge, der rasanten Entwicklung von medizinischen, technologischen und pflegerischen Neuerungen nicht Stand zu halten, hält viele von ihrer Rückkehr in den Pflegeberuf ab.

Diese Sorge ist nicht unbegründet: Der professionelle Pflegebereich hat sich stetig verändert und weiter entwickelt. Weiterbildungen sind hier unabdingbar, um mit den schnellen Entwicklungen des Pflegeberufs Schritt halten zu können. Bei dem geplanten Kurs setzen sich die Berufsrückkehrer und –innen mit den aktuellen Themen des theoretischen und praktischen Pflegewissens auseinander. Sie können dadurch schnell an ihr berufliches Können anknüpfen und erlangen Sicherheit für die Rückkehr in die Pflegepraxis im Krankenhaus.

Bild: Pflegesituation im Maria- Josef- Hospital Greven, Schubert Fotografie

„Es gibt zahlreiche motivierte und ausgezeichnet qualifizierte Pflegekräfte. Es wäre schade, wenn sie dem Arbeitsmarkt verloren gingen, obwohl sie nach der Familienphase gerne wieder arbeiten würden, es sich jedoch nicht zutrauen“, so die Initiatoren Leonhard Decker und Matthias Apken. Die beiden Pflegedirektoren sind sich einig: „Mit unserem Angebot können wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf die aktuelle Entwicklungen im Berufsleben optimal vorbereiten und Mut machen, den Neustart anzugehen.“

Der Wiedereinstieg soll inhaltlich wie auch organisatorisch den Bedürfnissen der potenziellen Teilnehmer angepasst werden. Dies beinhaltet je nach Kenntnisstand und evtl. bestehenden Fachweiterbildungen die Teilnahme an Fortbildungen zu aktuellen Pflegethemen, wie z.B. Pflege- und Hygienestandards, EDV-Dokumentationen, Reanimationstraining oder Kinästhetik. Ebenso werden die Rückkehrer intensiv durch erfahrene Kollegen im Stationsalltag betreut und angeleitet. Der Praxiseinsatz findet im St. Franziskus-Hospital Münster oder im Maria-Josef-Hospital Greven statt. Der Kurs mit der theoretischen und praktischen Anleitung findet vom 7.11. bis 1.12.2017 statt.

Alle interessierten, potenziellen Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer sind zu einer Infoveranstaltung am Mittwoch, 5. Juli um 18.30 Uhr ins Marienhaus des St. Franziskus-Hospital Münster (St. Mauritz-Freiheit 48) eingeladen. Um unverbindliche Anmeldung unter 0251 935-3999 wird gebeten.

Quelle: @ St. Franziskus-Hospital Münster

Endometriose: Regelschmerzen und unerfüllter Kinderwunsch

Informationsveranstaltung zum Thema Endometriose in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster

Münster – Wenn Frauen während ihrer monatlichen Regelblutung von heftigen Schmerzen geplagt werden, denken die wenigsten an eine ernsthafte Erkrankung. Doch starke Unterleibsschmerzen sind nicht normal. „Diese Schmerzen sollten in jedem Fall gynäkologisch abgeklärt werden, denn in 70-80 Prozent aller Fälle ist eine Endometriose die Ursache nicht nur für Schmerzen bei der Regel und beim Geschlechtsverkehr, sondern häufig auch für ungewollte Kinderlosigkeit“, so Prof. Dr. med. Ludwig Kiesel, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universitätsklinik Münster. In Deutschland ist schätzungsweise jede zehnte Frau davon betroffen, darunter auch viele junge Frauen: Denn die chronische Erkrankung setzt oft schon mit der ersten Regelblutung ein. „Eine frühe Diagnose ist wichtig, um rechtzeitig eine Therapie einzuleiten und spätere Unfruchtbarkeit zu verhindern“, so Professor Kiesel, denn nach wie vor dauert es durchschnittlich sechs bis sieben Jahre bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Aufklärung tut not! In Zusammenarbeit mit der Europäischen Endometriose Liga lädt die Frauenklinik daher am Donnerstag, 29. Juni 2017, zu einer Informationsveranstaltung über Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten ein. Professor Kiesel, Ernährungsberaterin Maria Barnowski, Schmerztherapeut PD Dr. med. Daniel Pöpping, Dr. med. Sebastian Schäfer, Leiter des Endometriosezentrums und Kinderwunschexperte PD Dr. med. Andreas Schüring, stehen Besucherinnen für Fragen zur Verfügung. Zudem berichten betroffene Frauen über ihre Erfahrungen.

Endometriose – schmerzhaft aber behandelbar

Bei der Endometriose handelt es sich um die gutartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut. Herde von ‚versprengtem‘ Gebärmuttergewebe können sich an unterschiedlichen Stellen im kleinen Becken ansiedeln. „Das Gebärmuttergewebe baut sich im Zyklus der Frau auf und wieder ab. Dies führt zu Blutungen und oftmals zu starken Schmerzen“, so Dr. med. Sebastian Schäfer, Leitender Oberarzt und Leiter des Endometriosezentrums der Universitätsfrauenklinik. Anders als in der Gebärmutter kann das Blut nicht nach außen abfließen. Die Endometrioseherde werden immer größer und so können sich blutgefüllte Zysten oder Verwachsungen bilden – diese sind dann oft Ursache einer Unfruchtbarkeit.

Endometriose ist behandelbar. Die Wahl der Therapie wird nach einer gründlichen gynäkologischen Untersuchung getroffen. Je nach Ausprägung des Krankheitsbildes und der Lebensumstände der Patientin erfolgt der Einsatz von Medikamenten, teilweise auch kombiniert mit einer Operation.

Thema: Endometriose
Datum: Donnerstag, 29.06.2017
Ort: Universitätsklinikum, Lehrgebäude, Albert-Schweitzer-Campus 1, Münster
Uhrzeit: 18.30 Uhr
Zielgruppe: betroffene Frauen, ihre Partner und Interessierte
Referenten: Professor Kiesel, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am UKM,
Ernährungsberaterin Maria Barnowski, Schmerztherapeut PD Dr. Daniel Pöpping,
Dr. Sebastian Schäfer, Leiter des Endometriosezentrums
und Kinderwunschexperte PD Dr. Andreas Schüring
Besonderheiten: Anmeldung nicht erforderlich, kostenfrei

Quelle: Universitätsklinikum Münster

Gesundheitscampus Emsdetten:
Einrichtung einer außerklinischen Intensiv- & Beatmungspflege

Steinfurt (mhs/aw) – Gute Nachrichten für die Menschen in Emsdetten: Am 1. September diesen Jahres öffnen sich die Türen der ehemaligen Komfortstation des im Jahr 2015 geschlossenen Marienhospitals wieder zum Wohle der Gesundheitsversorgung aller. In der dritten Etage des Hauses richtet die „Das Gezeitenland mobil GmbH“ rund 20 Versorgungsplätze für Menschen ein, welche beispielsweise auf Grund invasiver Beatmung eine intensivmedizinische Pflege und Betreuung benötigen.

„Wir freuen uns sehr, dass der Kontakt zu den Geschäftsführern des UKM Marienhospital Steinfurt GmbH, Herrn Dr. Thorsten Kraege und Herrn Dirk Schmedding, so reibungslos verlief“, so der Geschäftsführer der Das Gezeitenland mobil GmbH, Damian Stampa. Die beiden Geschäftsführer des UKM MHS ergänzen: „Der Gesundheitscampus Emsdetten wird durch den Einzug der Gezeitenland GmbH weiter mit neuem Leben gefüllt. Durch die bereits ansässigen Haus- und Fachärzte sowie durch die Apotheke und das Sanitätshaus, wird zudem die optimale Versorgung der dann dort betreuten Patienten gewährleistet und der Gesundheitsstandort Emsdetten gestärkt.“

Bei der Gezeitenland mobil GmbH werden Patienten ausschließlich durch dreijährig examiniertes Pflegefachpersonal betreut. Jede Pflegekraft pflegt höchstens bis zu drei Patienten zeitgleich. Außerdem müssen alle Pflegefachkräfte im ersten Beschäftigungsjahr eine zertifizierte Weiterbildung zur Heimbeatmung nachweisen. Zum Start der neuen Intensivpflege im September werden die Pfleger in Emsdetten durch Kollegen der ehemaligen Johannesklinik in Altenberge unterstützt. Diese betreuen dort seit August 2015 bis zu 24 Patienten mit Intensivpflegebedarf und stehen den neuen Kollegen dann mit ihrer Kompetenz und Erfahrung als Ansprechpartner zur Seite.

Mit der Aufnahme des Pflegebetriebs im September wird auch die Cafeteria des ehemaligen Marienhospitals wieder öffnen. So haben neben Patienten und Angehörigen auch alle Mitarbeiter des Campus sowie die Emsdettener Bürger und Freunde dann wieder die Möglichkeit, gemeinsam zu frühstücken oder eine Tasse Kaffee und selbstgebackenen Kuchen zu genießen.

Bild: In der dritten Etage des ehemaligen Marienhospitals nimmt ab September die Das Gezeitenland mobil GmbH ihren Betrieb auf.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Den Arbeitstag musikalisch abschütteln:
Singkreis für Mitarbeiter geht in die Testphase

Internationales Konzept der „Singenden Krankenhäuser“ wird am UKM umgesetzt

Münster (ukm/cf) – Shake it Baby! heißt es seit Mai am UKM: In beinahe allen Kulturen spielt Singen eine wichtige Rolle und auch wissenschaftliche Studien sprechen der Musik zunehmend heilende Wirkung zu. Seit einigen Wochen wird deshalb am UKM (Universitätsklinikum Münster) zur Unterstützung der Mitarbeiter ein besonderes musikalisches Konzept angeboten. „Ob nach einer anstrengenden Frühschicht oder in der späten Mittagspause – Singen hilft, dass wir einfach loslassen und die Belastung abschütteln“, erklärt Organisator Gustav von Blanckenburg, Klinischer Musiktherapeut am UKM.

Die Testphase des Projekts ist Ende Mai gestartet. „Viele sind am Anfang zwar neugierig aber noch etwas zaghaft“, weiß der Singleiter im Auftrag des Netzwerks Singende Krankenhäuser e.V. „Wenn das Eis aber erst einmal gebrochen ist, erkennen die Teilnehmer, wie viel Spaß das gemeinsame Singen macht.“ Gesungen werden einfache Lieder aus aller Welt und auch bekannte Songs wie „I like the flowers“ oder „Wonderwall“– je nach Stimmung der Mitarbeiter. Gustav von Blanckenburg begleitet die Treffen mit der Gitarre. Dabei gilt immer der Grundsatz: Musikalisch sein oder gar Singen können sind keine Voraussetzungen. „Es gibt keine falschen Töne, sondern nur Variationen“, schmunzelt von Blanckenburg.

Der Singkreis für Mitarbeiter basiert auf dem Konzept der Singenden Krankenhäuser. Hinter der Idee steht die Initiative Singende Krankenhäuser e.V., die Singangebote für Gesundheitseinrichtungen anbieten. Der Verein ist international aktiv und steht dafür, die heilende Kraft von Musik zur Gesundheitsfürsorge und Krankheitsbewältigung anzuerkennen. Auch das UKM setzt ein Zeichen und nimmt ab August den wöchentlichen Singkreis in das Programm der Gesundheitsförderung für UKM-Mitarbeiter auf. Mehr Informationen zum Konzept finden Interessierte auch im Internet.

Bild: Beim Singen schütteln Gustav von Blanckenburg und Pflegende des UKM den anstrengenden Arbeitstag ab.

Quelle: © Universiätsklinikum Münster

Patientenorganisation
PRO RETINA Deutschland e.V. feierte 40-jähriges Jubiläum

Fortschritte für Patienten mit seltenen Augenerkrankungen im Fokus

Münster (ukm/aw) – Die Erkrankungen beginnen schleichend und schmerzlos: Die Sehschärfe lässt nach, Farben erscheinen blass, gerade Linien schlagen plötzlich Wellen. Ursache sind Veränderungen im „Makula“ genannten Zentrum der Netzhaut, der Stelle des schärfsten Sehens. Es gibt zahlreiche Augenerkrankungen, bei denen die Zellen in der Makula nach und nach zerstört werden. Insbesondere bei den seltenen Formen spielen Erbfaktoren eine Rolle. Diese seltenen Augenleiden standen im Mittelpunkt einer Tagung, die die Patientenorganisation PRO RETINA Deutschland e.V. zusammen mit der Augenklinik am UKM (Universitätsklinikum Münster) am Wochenende veranstaltete.

Gemeinsamer Patiententag Makula in Zusammenarbeit mit der UKM Augenklinik

Am Samstag diskutierten Expertinnen und Experten über Krankheiten mit komplizierten Namen wie „Makuladystrophie“ oder „Hereditäre Optikus-Neuropathie“. Am Sonntag konnten sich Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen in Workshops bei Spezialisten über diese Erkrankungen informieren. Die Teilnehmer waren aus der ganzen Bundesrepublik angereist. Denn deutschlandweit leiden nur wenige tausend Menschen an einem dieser seltenen Augenleiden. Entsprechend dauert es oft Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Bild: (v.l.) Heike Ferber (Leiterin Arbeitskreis Makula PRO RETINA e.V.), Prof. Nicole Eter, Direktorin der Augenklinik am UKM, Franz Badura und Markus Georg (beide PRO RETINA Deutschland e.V.).

Für diese Menschen hatte Professorin Nicole Eter, die Direktorin der Klinik für Augenheilkunde der Universität Münster, gleich zu Beginn der Tagung gute Nachrichten: Das Wissen über diese Erkrankungen wächst seit einigen Jahren kontinuierlich aufgrund intensiver Forschungsarbeiten. Bei manchen stehen bereits Behandlungsverfahren zur Verfügung, die das Fortschreiten der Erkrankung zumindest aufhalten. Für einige zeichnen sich auch schon mögliche Heilungskonzepte mit modernen Verfahren wie Gentherapie oder Stammzell-behandlung ab, die weltweit intensiv erforscht und in ersten klinischen Studien an Patienten erprobt werden.

Franz Badura, Vorstandsvorsitzender der PRO RETINA Deutschland e.V., und Eter betonten auf der Veranstaltung die Bedeutung des Aufbaus eines Patientenregisters, den die Patientenorganisation vorantreibt. So soll ein Überblick gewonnen werden, wie viele Menschen letztlich von den vielen verschiedenen einzelnen Erkrankungsbildern betroffen sind. Auf Basis der Daten sollen dann Wissenschaftler und Ärzte neue Methoden der Diagnostik und Therapien entwickeln. Die genetischen Ursachen der verschiedenen Makulaerkrankungen sind – trotz des teilweise ähnlichen Krankheitsbildes – durchaus unterschiedlich. Moderne Therapieoptionen setzen jeweils an der spezifischen genetischen Wurzel der Erkrankung an – was auch bedeutet, dass es nicht ein Therapieverfahren für alle Makulaerkrankungen geben wird.

Mit einer Ballonaktion lenkten die Veranstalter am Sonntagnachmittag die Aufmerksamkeit der Menschen in der Stadt Münster und im Umland auf das Thema Sehbehinderung: An den gelben Ballons, die vor der Klinik in den Himmel stiegen, war jeweils eine Simulationsbrille befestigt. Mit Hilfe dieser Brille lassen sich Sehbeeinträchtigungen nachempfinden.

Quelle: © Universiätsklinikum Münster

Marienhospital Steinfurt:
Hohe Qualität in der Versorgung mit künstlichem Gelenkersatz

Endoprothetikzentrum des UKM Marienhospitals Steinfurt ist zertifiziert

Steinfurt (scho) – Für Patienten, die unter Gelenkverschleiß an Knie oder Hüfte leiden, ist der künstliche Gelenkersatz eine letzte Therapiemöglichkeit. Von dem künstlichen Ersatz des erkrankten Gelenkes verspricht weniger Schmerzen und mehr Beweglichkeit. Auch bei Knochenbrüchen, zum Beispiel im Bereich der Hüfte, kann der künstliche Gelenkersatz eine wirksame und schnelle Hilfe sein, um die Geh- und Belastungsfähigkeit des Patienten wiederherzustellen.

Das UKM Marienhospital Steinfurt gehört nun zu den Krankenhäusern, die für diese Eingriffe mit einem Zertifikat ausgezeichnet wurden. Das Endoprothetikzentrum am UKM MHS steht unter der Leitung von Hans-Ulrich Sembowski. „Für Patienten ist das Zertifikat wie ein Gütesiegel“, sagt er. Gemeinsam mit Dr. Andrea Pokorná und Dr. Christoph Schulte ist er einer der drei Hauptoperateure des Zentrums. Dirk Schmedding, Geschäftsführer des Steinfurter Krankenhauses ergänzt: „Wer eine Klinik sucht, die sich auf die Implantation von künstlichen Gelenken spezialisiert hat, kann dank des Zertifikates sicher sein, dass wir die hohen Anforderungen der Fachgesellschaft erfüllen.“

In einem umfangreichen Verfahren wurde überprüft, wie das Krankenhaus in Steinfurt die Prozessabläufe und medizinischen Standards der deutschen Fachgesellschaften erfüllt. Ein besonderes Augenmerk hatten die Prüfer auf die Therapieabläufe im UKM Marienhospital Steinfurt. Sie beschäftigten sich mit den Prozessen, die ein Patient von der Diagnosestellung bis zur Nachsorge im Krankenhaus durchläuft. In zahlreichen Standards und Verfahrensanweisungen sind diese Prozesse genau beschrieben und in einem Qualitätsmanagementsystem hinterlegt.

Vor Ort konnten sich die Prüfer davon überzeugen, dass die Mitarbeiter diese Vorgaben einhalten und weiterentwickeln. Verschiedene Berufsgruppen des Krankenhauses waren an der Prüfung beteiligt. Neben den Chirurgen des Zentrums waren auch Röntgenärzte, Pflegefachkräfte, OP-Pflegefachkräfte, Narkose-Pflegefachkräfte, Krankengymnasten, und der Sozialdienst gefordert. Sembowski ist sich sicher: „Das gute Zusammenspiel der verschiedenen Fachdisziplinen zeigt sich auch in der Zufriedenheit unserer Patienten.“

„Mit unseren Maßnahmen wollen wir für jeden Patienten die hohe Qualität in der Versorgung mit künstlichem Gelelenkersatz sichern“, so Sembowski. Für die Diagnostik steht vor Ort die notwendige technische Ausstattung zur Verfügung. Dazu gehört unter anderem auch die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT). In den Gesprächen mit seinen Patienten legt Sembowski Wert darauf, dass sie umfassend über ihre Erkrankung aufgeklärt werden. Sie sollen realistisch einschätzen können, welchen Erfolg sie durch den operativen Eingriff erreichen. Die Patienten beginnen schon einen Tag nach der Operation mit Übungen, um sich schnell an das alltägliche Leben mit dem künstlichen Gelenkersatz zu gewöhnen. Im Anschluss an den Krankenhausaufenthalt nehmen die Patienten an einer Rehabilitationsmaßnahme teil.

Jeder Operateur muss pro Jahr eine bestimmte Anzahl an Operationen zum Ersatz von geschädigten Gelenken an Hüfte oder Knie vorweisen, um an dem Zertifizierungsverfahren teilnehmen zu können. So sollen ein hohes Maß an Kompetenz, Spezialisierung und Erfahrung gewährleistet werden. Am UKM MHS werden diese Mindestzahlen weit überschritten: Im Jahr 2016 wurden insgesamt fast 500 Eingriffe im Endoprothetikzentrums durchgeführt.

Bild: Die drei Operateure des Endoprothetikzentrums am UKM Marienhospital Steinfurt: Leitender Oberarzt Hans-Ulrich Sembowski (rechts), Oberärztin Dr. Andrea Pokorná und Facharzt Dr. Christoph Schulte (links).

Quelle: © Universitätsklinikum Münster