Archiv für den Monat: Mai 2017

Clemenshospital: Vier Mal Gold für die Hygiene

Münster – Bereits zum vierten Mal in Folge wurde das Clemenshospital Münster mit dem Goldsiegel der „Aktion Saubere Hände“, ausgezeichnet. In Deutschland haben 38 von knapp 2000 Kliniken das Goldsiegel erhalten, unter neun Häusern in Nordrhein-Westfalen erfüllt in Münster nur das Clemenshospital die „goldenen“ Kriterien der „Aktion Saubere Hände“.

„Das Hygienebewusstsein ist bei den Mitarbeitern nach vier Jahren Gold in Folge nachhaltig geprägt und so hoch, dass sie selbständig über hygienische Verbesserungen nachdenken“, erklärt Dr. Carolin Dame, leitende Ärztin der Krankenhaushygiene. Das goldene Siegel und die damit verbundene Qualität sei die Basis für Infektionsprävention und damit für die Patientensicherheit.

Die Händedesinfektion nimmt einen der größten Stellenwerte bei der Krankenhaushygiene ein. Gemessen wird sie am Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln. Jährliche Schulungen und Aktionstage, regelmäßige Begehungen auf den Stationen und zahllose Gespräche mit den Mitarbeitern zeigen deutliche Erfolge: Der Verbrauch an Händedesinfektionsmittel ist kontinuierlich gestiegen und die Infektionszahlen sind seit Jahren rückläufig. Aber auch andere Maßnahmen müssen nachgewiesen werden, um das goldenes Siegel zu bekommen.

Bild: (v.l.) Cornelia Mählmann (Hygienefachkraft in Ausbildung), Claudia Nonnhoff und Martin Wolke (Hygienefachkräfte) sowie Dr. Carolin Dame (leitende Ärztin der Krankenhaushygiene) freuen sich über das Goldsiegel der „Aktion saubere Hände“.

Im Clemenshospital wird die Abteilung Krankenhaushygiene aktuell im Zuge des Neubaus an Bauplanungen beteiligt, denn, so Hygienefachkraft Martin Wolke: „Die Händedesinfektion ist nur ein Teilaspekt des Hygienekonzeptes. Der Gedanke der Hygiene muss alle Arbeitsprozesse durchdringen.“

Die „Aktion Saubere Hände“ ist eine nationale Kampagne zur Verbesserung der Compliance („Regeltreue“) der Händedesinfektion in deutschen Gesundheitseinrichtungen.

Sie wurde im Jahr 2008 ins Leben gerufen – mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit, des Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ), dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) sowie der Gesellschaft für Qualitätsmanagement in der Gesundheitsversorgung e.V..

Rooming-In: Gesunde Nähe im Clemenshospital

Gerade kranke Kinder benötigen viel Aufmerksamkeit und Zuwendung. Die Nähe der Eltern kann sogar den Genesungsprozess fördern. Deshalb ist es wichtig, dass ein Elternteil Platz hat, mit seinem Kind im Krankenhaus zu bleiben.

Münster – So wie bei Justus und Konrad. Die Zwillinge kamen, genau wie ihre beiden Geschwister, im Clemenshospital Münster zur Welt. Wegen des geringen Geburtsgewichts, wurden sie zunächst auf der Kinderintensivstation überwacht. „Vor allem in der frühen Phase der Neugeborenen ist Nähe wichtig, dies gilt natürlich auch für Frühgeborene oder wenn andere gesundheitliche Probleme wie Infekte vorliegen“, erklärt Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik im Clemenshospitals. Deshalb war Claudia Hombergs froh, ganz nah bei ihren Kindern Justus und Konrad bleiben zu können. „Ich fand Rooming-In toll, weil ich rund um die Uhr bei meinen Babys sein konnte. Die Station hat es geschafft, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohl fühlt.“

Rooming-in ist für Kinder aller Altersgruppen wichtig. Es hilft Ängste zu vermeiden und vorhandene abzubauen. Außerdem hat es körperliche Auswirkungen. „Die Nähe führt nachweislich zu einer Entspannung des Neugeborenen oder Kindes, was am Überwachungsmonitor anhand der Herzfrequenz und des Atemrhythmus gut zu sehen ist“, so Langenberg.

Die Kinderintensivstation des Clemenshospitals ist in drei Fachbereiche unterteilt: Neonatologie, Frührehabilitation und Intensivmedizin. Hier werden die kleinen Patienten auf 15 Plätzen medizinisch und pflegerisch betreut. 39 Pflegekräfte und drei Ärzte stehen den Familien zur Seite.

Rooming-In ist mittlerweile gängige Praxis in Kinderkliniken und Krankenhäusern – so auch auf allen Kinderstationen im Clemenshospital. Wenn Neugeborene jedoch auf die Intensivstation müssen, ist dort oft kein Platz für die Eltern. Im Clemenshospital ist das anders. Auf der Kinderintensivstation gibt es mehrere Zimmer, in denen ein Elternteil bei seinem Kind bleiben kann. „Durch die meist integrative Versorgung der Mutter auf der neonatologischen Intensivstation, ist ein sogenanntes Bonding und Zusammenfinden noch besser möglich“, betont Langenberg.

Bonding wirkt wie ein „emotionaler Sekundenkleber“, der die innere Bindung zwischen Eltern und Kind erleichtert, stärkt und aufbaut. Das Neugeborene entwickelt dadurch Urvertrauen. Den Eltern gibt sie Kraft, auch in schwierigen Phasen für das Kind da zu sein. Aber auch für das Klinikpersonal hat Rooming-In einen Vorteil. „Eltern sind die Übersetzer ihrer Babys und Kleinkinder. Durch sie können wir die Kinder und Ihre Bedürfnisse oft besser verstehen“, erklärt Dr. Georg Hülskamp, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Clemenshospital.

Bild: Im Clemenshospital haben Eltern und Ihre Kinder auch auf der Intensivstation ganz viel Platz, so wie Claudia Hombergs und ihre Zwillingen Justus und Konrad (Rooming-In).

Quelle: © Clemenshospital Münster

Leben mit einer Unterarmprothese

Moderne Unterarmprothese ermöglicht Bewegungsfreiheit / Positive Resonanz nach drei Jahren UKM ProTec am Uniklinikum

Münster (ukm/cf) – Getränkekisten heben, nach Einkaufstüten greifen und den Blinker setzten. Eigentlich keine ungewöhnlichen Tätigkeiten, doch für Stefan Weiden war das lange Zeit nicht möglich. Der 46-Jährige ist mit einer angeborenen Fehlbildung am linken Arm auf die Welt gekommen und ist seit seiner Geburt auf eine Unterarmprothese angewiesen. Schon von Beginn an setzte der Dortmunder sein Vertrauen ins UKM (Universitätsklinikum Münster). Für das 2014 gegründete Tochterunternehmen UKM ProTec – Orthopädische Werkstätten war Weiden damit einer der ersten Patienten.

„Seit der Gründung vor drei Jahren haben wir unser oberstes Ziel nie aus den Augen verloren“, so Sebastian Pfister, Geschäftsführer der UKM ProTec. „Wir wollen mit innovativen und individuellen, orthopädischen Hilfsmitteln Menschen wie Stefan Weiden zu einer besseren Lebensqualität verhelfen.“ Denn bereits im Alter von drei Jahren erhielt Weiden seine erste Prothese. „Eigentlich bin ich als Linkshänder geboren – nur leider eben ohne passenden Unterarm“, erzählt der 46-Jährige. „Da musste ich von Anfang an Umlernen – ob beim Schreiben oder Fahrradfahren.“ Lange Zeit galten die Nervensignale in Weidens` Oberarm als zu schwach für eine bewegliche Prothese. „Mit dem Fortschritt der Technik können wir heute mit weniger Signalstärke mehr Bewegungsfreiheit erreichen“, weiß Michael Rolf, Mitarbeiter der UKM ProTec. Der Handersatz glich zu Beginn auch eher einem Haken als einer tatsächlichen Hand. „Früher konzentrierte man sich erst einmal auf die Funktion“, so Rolf. „Heute geht es auch um die Optik. Die Hand soll sich mit möglichst hoher Funktionalität natürlich in das Gesamtbild einfügen.“ Das moderne Prothesensystem ermöglicht dem Sozialarbeiter, alltägliche Aufgaben mit Kraft und Präzision zu bewältigen. Ein großer Vorteil ist beispielsweise das bewegliche Handgelenk. „Niemand sitzt mit der Handkante am Tisch, sondern man legt die Hand natürlich flach hin“, so Weiden. „Das kann ich jetzt auch!“

In der Pubertät gab es auch bei ihm eine Phase der Rebellion. „Man muss selbst Hilfe zulassen“, weiß der Sozialarbeiter. Heute hat er das zum Beruf gemacht und unterstützt als Schwerbehindertenbeauftragter eines weltweit operierenden Konzerns andere Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung. Zur jährlichen Pflichtinspektion seiner Prothese vertraut der Dortmunder aber auch heute noch auf die Expertise der UKM ProTec: „Ich habe mich von Anfang an in Münster gut aufgehoben gefühlt.“

Bild: Stefan Weiden (Mitte) und UKM ProTec-Mitarbeiter Elke Laudage und Michael Rolf sind froh über die vielen Möglichkeiten, die eine moderne Handprothese bietet. (© Foto UKM/Thomas)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Flüchtlingshilfe: Deutschunterricht im Krankenhaus

Ingrid Adler engagiert sich für kurdischen Flüchtling

Münster – Ingrid Adler ist zufrieden mit ihrem Schüler: „Hussein lernt sehr schnell und ist wie ein trockener Schwamm, der alles aufnimmt. Er möchte unbedingt unsere Sprache lernen!“. Die beiden sitzen im Gemeinschaftsraum der Kurzzeitpflege der Raphaelsklinik und lernen Deutsch. Eigentlich wollte sich die 74-Jährige Havixbeckerin von einer Schulteroperation erholen und die Zeit bis zur Rehabilitation überbrücken. Doch dann fiel ihr der 28-jährige Hamad Hussein Nasar auf, der in seinem Rollstuhl sitzend dem Treiben auf der Station zusah. „Ich habe Hussein angeboten, ihm Deutschunterricht zu geben und er war sofort begeistert“, berichtet die ehemalige Altenpflegerin.

Als Übersetzer steht den beiden der Klinikmitarbeiter Yilmaz Kaydu zur Seite: „Das Schicksal des jungen Mannes hat mich sehr berührt“, wie Kaydu sichtlich bewegt berichtet. 1988 wurde die Mutter von Hamad Hussein Nasar Opfer eines Giftgasangriffs der irakischen Armee auf die kurdische Stadt Halabdscha im Norden des Landes. Durch das Gas wurde das ungeborene Baby damals schwer geschädigt, die Knochen konnten sich nicht vollständig entwickeln. Der junge Mann kann kaum gehen, der rechte Arm ist zum Teil gelähmt, die Wirbelsäule ist verkrümmt. Dennoch hat er in seiner Heimat das Abitur erlangt und trotz seiner Behinderung die gefährliche und lange Flucht bewältigt. „Ich hatte zwei Helfer, die mich an beiden Seiten untergehakt haben“, erinnert sich der junge Mann. In Münster kümmerten sich dann der Sozialdienst für Flüchtlinge und die kommunale Erstaufnahmeeinrichtung im engen Austausch um ihn und fragten bei der Kurzzeitpflege der Raphaelsklinik an, ob Platz für den jungen Mann sei.

„Viele Menschen helfen mir hier! Ich will Deutsch lernen und arbeiten“, sagt der junge Mann, während er mit Ingrid Adler weiter Vokabeln übt. Die Lehrbücher stammen von einer Nachbarin ihres Sohnes, die syrische Flüchtlinge unterrichtet. „Nach meiner Reha werde ich mich auf jeden Fall erkundigen, wie es mit Hussein weitergeht“, sagt sie, „wir hoffen alle sehr, dass er in Deutschland bleiben darf!“

Bild: Hamad Hussein Nasar (l.) übt mit Ingrid Adler (r.) Deutsch. Yilmaz Kaydu (m.) hilft gelegentlich beim Übersetzen.

Quelle: © Raphaelisklinik Münster

Malwettbewerb: Traumkrankenhaus Clemenshospital

Münster – Überall im Krankenhaus gibt es ganz viel Platz, die Wände sind voller Blumen, Ärzte und Schwestern flitzen auf Rollschuhen durch die Flure und im OP hängen rosa Traumwolken aus Zuckerwatte. So oder so ähnlich könnte das ideale Krankenhaus durch die Augen eines Kindes aussehen. Mit einem Malwettbewerb ruft das Clemenshospital Münster Kinder und Jugendliche dazu auf, ein Krankenhaus zu malen, wie sie es sich wünschen. 50 Millionen Euro fließen in den Neubau am Düesbergweg. Und der soll auch den Kleinen gefallen. Deswegen lädt die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin alle interessierten Jungen und Mädchen ein, sich mit ihren Ideen am derzeitigen Bauprojekt zu beteiligen.

Der Abgabetermin ist der 30. Juni. Die besten Ideen haben die Chance auf einen Gewinn.

Hier tut sich was

Wir bauen für Sie eine barrierefreie Tiefgarage mit 270 Stellplätzen und einer direkten Anbindung an das Krankenhaus. Über der Tiefgarage werden sieben Etagen mit fünf modernen Pflegestationen errichtet. Die zukünftige Eingangshalle verbindet das Clemenshospital mit dem MedicalCenter. Im Erdgeschoss entsteht ein großzügiges Café mit erweitertem Shopangebot und 70 am Teich gelegenen Außenplätzen.

Bild: Alle interessierten Kinder und Jugendliche sind eingeladen, ihre Idee von einem Traumkrankenhaus zu malen.

Auf der Seite www.clemenshospital.de können sich Interessierte über den Baufortschritt informieren und über die Webcam einen Blick auf die Baustelle werfen. Fragen und Anregungen erreichen uns über baustelle@clemenshospital.de.

Quelle: © Clemenshospital Münster

P.A.R.T.Y im Clemenshospital: Jedes Unfallopfer ist eins zu viel

Münster – „Das Handy war durch den Unfall so kaputt, dass es nicht mehr auslesbar war, aber der Ohrabdruck und Spuren von Gehirngewebe am Handy ließen darauf schließen, dass der Fahrer telefoniert hat.“ Udo Weiss, Polizeidirektor a.D., ist einer der Ehrenamtlichen, die sich für das Präventionsprojekt P.A.R.T.Y. (Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth) engagieren. Im Clemenshospital Münster haben 20 Schüler der Klassen 7 bis 10 des Gymnasiums in Versmold die verschiedenen Stationen eines Schwerverletzten gesehen.

20 interessierte Schulsanitäter aus Versmold verbrachten einen Tag im Clemenshospital Münster. Vom Rettungswagen über den Schockraum, die Intensivstation bis zur Physiotherapie, lernten Sie den oft sehr langen Weg eines Unfallopfers durch das Krankenhaus kennen.

Bild: Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und Mitarbeiter des Clemenshospitals ermöglichten es den Schülern, einen Rettungswagen von innen zu entdecken.

„Im Jahr verunglücken 20.000 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren, das sind 60 Jugendliche täglich“, klärte Dr. Marie Kleine-König, Assistenzärztin im Department für Kinderorthopädie und Deformitätenkorrektur die Gymnasiasten auf. Das P.A.R.T.Y-Programm soll jungen Menschen bewusst machen, wie schnell und wodurch Unfälle passieren können.

Die meisten Unfälle werden nicht nur durch Alkohol, Drogen oder dadurch verursacht, dass sich Jugendliche überschätzen. Eine große Gefahr ist auch die Nutzung des Handys im Straßenverkehr. Oft ist das Smartphone Schuld, wenn Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer abgelenkt sind. „Das Gehirn konzentriert sich immer auf die Haupttätigkeit. Das ist in dem Fall das Telefonat. Dann ist automatisch die visuelle Wahrnehmung des Straßenverkehrs eingeschränkt“, erklärte Udo Weiss.

Der Blick auf das Handy berge die größte Gefahr. „Der Verbindungsaufbau dauert 45 Sekunden. Bei 50 Kilometern pro Stunde fahre ich 14 Meter in der Sekunde, multipliziert man das mit 45, bedeutet es, dass ich 630 Meter blind fahre“.

„Ihr denkt, das passiert immer nur den anderen?“, fragte der erfahrene Polizeibeamte in die Runde ohne auf eine Antwort zu warten. „Guckt nach links und rechts, das sind die anderen, es betrifft also uns alle, es kann jedem passieren.“

Bild: Jethro Rotter, stellvertretende Leitung Anästhesie-Pflege im Clemenshospital erklärte den Jugendlichen im Schockraum, was in den ersten 10 Minuten nach einem Unfall wichtig ist.

Unter den ehrenamtlichen Unterstützern der Aktion, sind neben den Mitarbeitern des Clemenshospitals und der Polizei, auch die Berufsfeuerwehr der Stadt Münster, der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) sowie ehemalige Unfallopfer. Darunter ein Jugendlicher, der vor drei Jahren durch eine Fehleinschätzung ungebremst mit dem Motorrad in einen Sprinter gefahren ist. Er hatte ein schweres Schädel-Hirn Trauma, seine Gesichtsknochen waren zertrümmert, die Augenhöhle, ein Arm und zahlreiche Rippen gebrochen, seine Lunge hatte ein Loch und die Hälfte seines Körpers war gelähmt. Er musste beatmet werden und brauchte lange, um wieder sprechen und laufen zu lernen. Seine Schilderung des langen Leidensweges, der durch einen kurzen Moment der Überschätzung verursacht wurde, beeindruckte die anwesenden Jugendlichen an diesem Tag besonders.

Das Clemenshospital Münster ist im Verbund des TraumaNetzwerks NordWest Anlaufstelle für schwere Unfälle aus dem gesamten Münsterland. Das Team der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie, Handchirurgie und Sportmedizin unter der Leitung von Prof. Dr. med. Horst Rieger versorgt Unfallverletzte aller Schweregrade, von Verkehrsunfällen über Arbeitsunfälle bis zu gravierenden Sportverletzungen.

Das bundesweite Unfallpräventionsprogramm P.A.R.T.Y. (Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth) der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) wird von der Akademie der Unfallchirurgie (AUC) koordiniert.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Endometriose: Das unterschätzte „Frauenleiden“

In jedem Jahr in Deutschland 40.000 neue Fälle / Oft vergehen Jahre bis zur Diagnose / Weltkongress unter UKM-Beteiligung

Münster (ukm/aw) – „Ich freue mich auf mein Älterwerden“ – ein Satz, der von Frauen wahrscheinlich nicht sehr oft zu hören ist. Aber Christel Fröse meint was sie sagt: Seit sie zwölf war, ist ihr Leben von ihrer Krankheit geprägt. Sie leidet unter Endometriose, also unter gutartigen Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter.
Die 47-Jährige hat eine langjährige Leidensgeschichte hinter sich. Als Teenager wurde sie wegen ihrer unerklärlich starken Unterleibsbeschwerden regelmäßig ohnmächtig. „Ich habe viele Tränen gelassen, bis ich irgendwann die Diagnose bekam und damit wusste, woher meine Schmerzen kommen“, so Fröse. Acht bis zwölf Jahre dauert es im Schnitt, bis Ärzte die oft diffusen Beschwerdebilder ihrer Patienten richtig zu deuten wissen. Denn die Wucherungen des Gebärmuttergewebes führen zu Verklebungen und Verwachsungen an vielen Organen und sogar Nerven. Hauptsächlich sind der Bauch- und Beckenraum betroffen – grundsätzlich kann das Endometrium aber überall im Körper wachsen. Bei Christel Fröse führten die Endometriose-Herde zu unerträglichen Unterleibsschmerzen – für die sie lange belächelt wurde. Sie wurde sogar in die „psychosomatische Ecke“ gestellt, sagt sie. „Das ist ein ganz typischer Verlauf dieser unterschätzten Krankheit“, sagt Dr. Sebastian Schäfer als behandelnder Gynäkologe der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe unter Leitung von Prof. Ludwig Kiesel. „Die Frauen schleppen jahrelang ihre Schmerzen als vermeintliches Frauenleiden mit sich. Unbehandelt können diese aber chronifizieren. In solchen Fällen verändert sich im Gehirn sogar die Verschaltung der Nerven. So brennt sich der Schmerz ins Gedächtnis ein und dass, obwohl die Ursache – die Endometriose – häufig schon operativ entfernt wurde“, mahnt Kiesel, der mit seinem Team niedergelassene Gynäkologen weiterbildet, damit diese in ihrer Praxis Endometriose schneller als Diagnose in Erwägung ziehen.

„Endometriose metastasiert wie Krebs“, weiß Prof. Ludwig Kiesel, der vom 17. bis 20. Mai auch als Vorstandmitglied der Welt-Endometriose-Gesellschaft (WES) am Weltkongress in Vancouver (Kanada) teilnimmt. „Zwar ist er gutartig und oft auch hormonell zu behandeln. Trotzdem bleibt in vielen Fällen letztlich nur die Operation, insbesondere wenn die Endometriose einen Kinderwunsch verhindert. Denn die Hälfte aller betroffenen Frauen haben Schwierigkeiten, Nachwuchs zu bekommen.

Bei Christel Fröse sind trotz erfolgreicher Operationen die Schmerzen in den vielen Jahre, in denen die Krankheit unbehandelt war, chronisch geworden. Ihren körperlich sehr fordernden Beruf als Physiotherapeutin kann sie nur noch schwer ausüben. Sie überlegt, künftig als Entspannungstrainerin zu arbeiten, gerade auch mit Endometriose-Patientinnen. Derzeit macht sie ein Praktikum in der Klinik von Prof. Kiesel, um möglichst viel über den Umgang mit der Krankheit zu erfahren. „Frau Fröse hat zum Glück die Fähigkeit, die chronischen Schmerzen positiv für sich umzunutzen“, freut sich Schäfer. Er hat seine Patientin gerade wegen ihrer lebensfrohen Einstellung gebeten, demnächst vor anderen Ärzten von ihren Krankheitserfahrungen zu berichten.

Bild (v.l.): Dr. Sebastian Schäfer und Prof. Dr. Ludwig Kiesel beraten Christel Fröse. Mitte Mai nehmen sie für das UKM am Welt-Endometriose-Kongress in Vancouver teil.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Tag der Pflege (12.05.2017):
Universitätsmedizin braucht Hochleistungspflege

Niklas Wiechert ist der Prototyp des modernen Pflegers: Er trägt den Nachwuchsförderpreis der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und studiert neben dem Job Pflegewissenschaften

Münster (ukm/aw) – „In unserem Zentral-OP mit seinen 18 Operationssälen kann man oft die Anspannung förmlich mit Händen greifen“, beschreibt Niklas Wiechert die Stimmung dort. „Doch eigentlich ist es genau das, was mich an dem Beruf begeistert. Wir sind ein großes Team in einem Hochleistungs-bereich. Wir haben viele Notfälle, viele Schwerstkranke, denen woanders nicht geholfen werden kann. Zu erleben, dass wir es oft können, macht den Job so erfüllend.“

Niklas Wiechert ist ab Mitte Mai das jüngste Mitglied des fünfköpfigen pflegerischen Gesamtleitungsteams im OP-Bereich des UKM (Universitäts-klinikum Münster). Der 26-Jährige hatte schon seine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am UKM gemacht und im letzten Jahr dann die Fachweiterbildung zum Anästhesiepfleger abgeschlossen. Für seine Studie zur Frage, ob Vorwärmung von Patienten vor Beginn der Narkose deren Wärmeverlust nach einer Operation verhindern kann, wurde er 2016 auch mit dem Nachwuchsförderpreis der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste e.V. (DGF) ausgezeichnet. Seitdem hält er zu diesem Thema bundesweit Vorträge auf Pflegekongressen und unterstreicht dabei, dass auch Pflege Forschung braucht. „Viele Standards müssen auch von Seiten der Pflege hinterfragt werden“, sagt er und fügt hinzu: „Nicht nur für die Mediziner, auch für uns Pflegeexperten gilt künftig umso mehr, dass wir unser Wissen direkt ans Krankenbett bringen müssen.“ Translation, also die Umsetzung von Forschung in Behandlungsmethoden, gebe es auch an der Pflege, sagt Wiechert, der berufsbegleitend Pflegewissenschaften an der Hochschule Osnabrück studiert.

Dabei hatte er nie Berührungsängste mit Wechselschichten und Wochenend-diensten: Seine Eltern kommen beide aus der Pflege – das war prägend. An der Anästhesiepflege habe ihn vor allem das Technische begeistert, so Wiechert. Außerdem der „kurze aber dafür umso intensivere Kontakt zu Patienten“. Denn angesichts der hohen Technisierung im OP seien die Minuten vor Einleitung der Narkose entscheidend für das Befinden der Patienten: „Schmerzkatheter und Infusionskanülen müssen angelegt werden und verursachen Schmerzen und auch Angst. Da hilft vor allem Körperkontakt: das Halten der Hand und ein ablenkendes Gespräch über Alltägliches“, erzählt der Pfleger. „So wie die Patienten einschlafen, so wachen sie auch wieder auf.“

Dass bundesweit Pflegende gesucht werden, weiß auch Wiechert, er empfindet die Lage aber nicht als hoffnungslos. Insgesamt müsse man in Deutschland den Berufsstand mehr wertschätzen lernen. „In anderen Ländern ist ein Pfleger oft auf Augenhöhe mit Ärzten. Hierzulande hinkt man dabei noch ein wenig hinterher, weil das Wissen um den inzwischen hohen Spezialisierungsgrad des Berufsstandes noch nicht wirklich verankert ist.“ Der Bedarf an mehr und noch besserer Pflege sei aber nicht wegzudiskutieren.

Bild: Niklas Wiechert bei der Einleitung einer Narkose im OP.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster