Archiv für den Monat: März 2017

Clemenshospital: Spatenstich zum offiziellen Baubeginn

Münster – Das Clemenshospital in Münster wird größer, moderner und schöner. Da wo lange geplant und vor einigen Wochen mit den ersten Bauarbeiten begonnen wurde, haben die Geschäftsführung der Alexianer und der Alexianer Misericordia, die Betriebsleitung und die Bauleitung des Clemenshospitals sowie die Architekten der PDA Planungsgruppe den Spatenstich zum offiziellen Auftakt der Bauarbeiten gemacht. Es sind die umfangreichsten Baumaßnahmen und mit 50 Millionen Euro die größte Investition seit Eröffnung des Krankenhauses im Jahr 1962.

Gebaut wird eine dreistöckige Tiefgarage mit direkter Anbindung an das Krankenhaus, sieben weitere Etagen mit modernen Pflegestationen und Veranstaltungsräumen sowie eine neue Eingangshalle und ein großes Café. „Wir haben uns für einen Neubau entschieden, um den laufenden Betrieb nicht zu beeinträchtigen“, sagte Hartmut Hagmann, Regionalgeschäftsführer der Alexianer Misericordia. Der Bau der Tiefgarage mit mehr als 270 Stellplätzen soll das Gelände um das Clemenshospital entlasten und die Parksituation in den angrenzenden Wohngebieten entspannen. Mit dem Bau des Bettenhauses wird die Situation der Patienten und Mitarbeiter deutlich verbessert. „Gleich am Anfang jeder Station wird es einen offenen Pflegestützpunkt geben. Das soll die moderne Willkommenskultur hier im Haus unterstreichen. Alle Patientenzimmer werden mit integrierter Nasszelle ausgestattet. Außerdem wird es Aufenthaltsräume für Patienten und für Mitarbeiter geben“, erklärte Hildegard Tönsing, Pflegedirektorin des Clemenshospitals.

„Die zukünftige Eingangshalle verbindet das Clemenshospital mit dem MedicalCenter und orientiert sich in Richtung Düesbergweg und Innenstadt. Dadurch bekommt das Clemenshospital ein neues Gesicht“, sagte Karl-Heinz Dörenkämper von der PDA Planungsgruppe.
Damit die Beeinträchtigung durch die Baustelle für alle Betroffenen möglichst gering bleibt, haben die Experten vorgesorgt: „Wir nutzen die neueste Technik und haben alle möglichen Maßnahmen ergriffen, um die Lärm- und Staubentwicklung auf ein Minimum zu reduzieren“, erklärte Sven Kabisch, Projektleitung und Technischer Leiter im Clemenshospital. Die Tiefgarage wird im Herbst/Winter 2018 in Betrieb genommen, erst dann beginnt der Bau des Bettenhauses.

Weitere Informationen

Alle Stationen sind mit modernsten Patientenzimmern, Untersuchungs- und Diensträumen sowie Pflegestützpunkten ausgestattet. In der ersten Etage baut das Clemenshospital als Akademisches Lehrkrankenhaus der Westfälischen Wilhelms-Universität sowie NRW-weit erstes Akademisches Lehrkrankenhaus für Pflege zusätzliche Räume für Schulungen, Weiterbildungen und Veranstaltungen. Im Erdgeschoss entsteht ein großzügiges Café mit einem deutlich erweiterten Shopangebot und 70 Außenplätzen auf einer am Teich gelegenen Terrasse. Die Grünflächen und die große Gräfte bieten Patienten und Besuchern nach der Bauzeit wieder die gewohnten Entspannungsmöglichkeiten an der frischen Luft. Während der Arbeiten im Erdreich werden noch alte Fundamente von Haus Geist erwartet. Die Reste des im 17. Jahrhundert errichteten Anwesens werden von Archäologen aufgenommen und dokumentiert.

Zahlen und Fakten zum Bau

Für das Grundgerüst werden im ersten Schritt auf 290 Metern 378 Bohrpfähle mit je 15 Metern Länge und 80 Zentimeter Durchmesser angelegt. Die Bohrgeräte haben ein Gewicht von 60 bis 80 Tonnen. Es werden 120 bis 150 Kubikmeter Beton pro Woche geliefert, der dann in die 15 Meter tiefen Bohrlöcher gegossen wird. Ist der Beton ausgehärtet, kann die Baugrube ausgehoben werden. Diese wird circa 3.700 Quadratmeter groß und zehn Meter tief. Dafür werden 35.000 Kubikmeter Erde bewegt. Im Herbst 2017 ist die Baugrube fertig, dann beginnen die Arbeiten an der Tiefgarage. Auf drei Etagen und 10.500 Quadratmetern entstehen mehr als 270 Stellplätze.
Interessierte können den Baufortschritt demnächst über eine WebCam auf der Seite www.clemenshospital.de verfolgen. Für Fragen und Anregungen zum Bau wurde eigens eine E-Mail-Adresse eingerichtet: baustelle@clemenshospital.de

Bild (v.l.): Hartmut Hagmann (Regionalgeschäftsführer Alexianer Misericordia), Hildegard Tönsing (Pflegedirektorin Clemenshospital), Andreas Mönnig (Verwaltungsdirektor Clemenshospital und Raphaelsklinik), Jens Lammers (Qualitätsmanagement und Projektorganisation Clemenshospitals), Sr. Marianne Candels (stellv. Pflegedirektorin Clemenshospital), Sven Kabisch (Projektleitung, Alexianer Misericordia), Udo Ahling (PDA Planungsgruppe), Karl-Heinz Dörenkämper (PDA Planungsgruppe), Hermann-Josef Eißing (Projektleitung, Alexianer Misericordia) und Andreas Barthold (Hauptgeschäftsführer Alexianer)

Quelle: © Clemenshospital Münster

Schlechte Krankenhaushygiene kommt teuer zu stehen

Münster – Prof. Dr. Claus Spieker ist sich sicher: „Krankenhauskeime gehören zu den Herausforderungen der Gegenwart“. Der Chefarzt der Raphaelsklinik kennt die Ängste vor Keimen, gegen die kaum ein Mittel hilft, aus vielen Patientengesprächen. Dabei sind die Keime allgegenwärtig, leben auf und im Körper, ohne eine Gefahr darzustellen. „Gefährlich wird es, wenn die Keime dorthin gelangen, wo sie nicht hingehören“, erläutert der hygienebeauftragte Arzt der Raphaelsklinik, Dr. Norbert Gödde während eines Treffens des Rotary Clubs Münster-Himmelreich. Dann drohen Infektionen der Atemwege, Wundinfektionen, Entzündungen der Harnwege oder anderer Bereiche des Körpers.

Ehemals wirksame Antibiotika können nichts mehr ausrichten, weil die Erreger gegen deren Wirkstoffe resistent geworden sind. Ein Grund für diese Entwicklung ist die in vielen Ländern unkontrollierte Gabe von Antibiotika sowohl an Menschen als auch an Tiere. „In Deutschland werden pro Jahr etwa 700 Tonnen Antibiotika von Menschen eingenommen, wohingegen 1.700 Tonnen in der Tierzucht verwendet werden“, berichtet Gödde. Kein Wunder also, dass gerade bei Mitarbeitern aus der Landwirtschaft zunehmend Keime gefunden werden, die mit den gängigen Antibiotika nicht bekämpft werden können. „85 Prozent der resistenten Keime, an denen Patienten in der Klinik erkranken, befinden sich bereits auf dem Patienten, wenn diese das Krankenhaus betreten, 15 Prozent infizieren sich während ihres Klinikaufenthaltes“, erläutert Gödde.

Jährlich sterben in Deutschland etwa 15.000 Menschen an Krankenhausinfektionen. Um solche Infektionen zu vermeiden, wurden zum Beispiel in der Raphaelsklinik Hygienekommissionen bestehend aus der Geschäftsführung, Krankenhaushygienikern, hygienebeauftragten Ärzten und Pflegenden, Hygienefachkräften, Mikrobiologen, Technikern und Apothekern eingerichtet. Ein jährlicher Hygienebericht und die laufende Überwachung durch interne und externe Stellen sowie die strikte Einhaltung der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, die laufende Schulung der Mitarbeiter und die Teilnahme an Studien hält der hygienebeauftragte Arzt der Raphaelsklinik von zentraler Bedeutung. Dreh- und Angelpunkt sei jedoch die Motivation der Mitarbeiter, damit das regelmäßige Desinfizieren der Hände und andere Maßnahmen zum Verhindern der Keimverbreitung in Fleisch und Blut übergehen. An dieser Stelle ist auch eine ausreichende personelle Ausstattung von großer Bedeutung, damit im Stress des Arbeitsalltags die Hygiene nicht zu kurz kommt. Göddes Fazit: „Gute Hygiene ist teuer aber eine schlechte können wir uns nicht leisten!“

Bild: Dr. Norbert Gödde, Prof. Dr. Claus Spieker, Dr. Christian Otte (Leiter des Qualitätsmanagements), Thomas Keck (Präsident des Rotary Clubs Münster-Himmelreich) und der Regionalgeschäftsführer Hartmut Hagmann (v.l.) während der Informationsveranstaltung zur Hygiene in der Raphaelsklinik.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Stabwechsel nach zehn Jahren: Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender Prof. Norbert Roeder übergibt seine Ämter an Prof. Robert Nitsch

Sanierung, Modernisierung und optimierte Patientenversorgung in der Ära Roeder / Nitsch: Exzellenz der münsterschen Universitätsmedizin als Herausforderung des nächsten Jahrzehnts

Münster (ukm/aw) – Drei Monate haben sie gemeinsam kontinuierlich auf eine reibungslose Nachfolge hingearbeitet: Mit der heutigen offiziellen Feier übergibt Prof. Norbert Roeder seine Ämter als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM (Universitätsklinikum Münster) an seinen Nachfolger Prof. Robert Nitsch. Als Roeder diese Aufgaben im Herbst 2006 übernahm, war die Universitätsmedizin in ganz Deutschland in der Krise. Eine wirtschaftliche Neuausrichtung und Reorganisation aller Strukturen auch am UKM war unabdingbar. „Gemeinsam mit dem Kaufmännischen Direktor, Dr. Christoph Hoppenheit, und dem weiteren Vorstandsteam entwickelte Prof. Roeder in dieser Situation das UKM zu einem leistungsstarken und zukunftsfähigen Zentrum der Universitätsmedizin in Deutschland. Er hat ganz maßgeblich die Universitätsmedizin in Münster wieder auf den richtigen Kurs gebracht. Unter seiner Ägide sind viele medizinische Innovationen bis hin zur Entwicklung einer Kliniken-Gruppe angestoßen worden. Für seinen außerordentlichen Einsatz und die kooperative Verbindlichkeit auf allen Ebenen möchte ich ihm stellvertretend für das gesamte UKM herzlich danken“, wandte sich der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Prof. Martin Schulze Schwienhorst, während der offiziellen Ämterübergabe im Lehrgebäude auf dem Universitätscampus an den scheidenden Vorstandsvorsitzenden. Dessen Nachfolger Nitsch wünschte er Glück und Erfolg für die neuen Aufgaben.

Roeder selbst machte in seiner Abschiedsrede deutlich, wie umfassend die Veränderungen in seiner Ära waren: „Wir haben bei diesem Prozess gemeinsam buchstäblich jeden Stein umgedreht und jeden Bereich im Klinikum hinterfragt. Mit dem gleichzeitig eingeschlagenen strategischen Wachstumskurs haben wir auch eine kontinuierliche Weiterentwicklung bei unseren Leistungen als Maximalversorger bewirkt und die Inanspruchnahme durch Patienten erheblich gesteigert. Wir haben die richtigen Maßnahmen ergriffen und das macht mich persönlich stolz.“ Er mahnte aber auch, dass die Fortsetzung des Erfolgskurses in der Zukunft erfordert, dass das UKM sich weiterhin dynamisch auf die sich ständig verändernden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen einstelle. „Ich habe Herrn Nitsch als einen Experten kennengelernt, der für diesen Kurs sehr gute Ideen zur Weiterentwicklung des Universitätsklinikums mitbringt.“

Der 54-jährige Mediziner und Philosoph Nitsch, der aus Mainz nach Münster kommt und zuvor als Professor an der Charité in Berlin und dort mehrere Jahre im Vorstand tätig war, war im vergangenen Juni vom Aufsichtsrat des UKM zum neuen Ärztlichen Direktor bestellt worden. Er dankte Prof. Roeder für die ausgesprochen lehrreichen Wochen seiner Einarbeitung und das gut bestellte Haus, das er hinterlasse: „Herr Roeder hat zusammen mit Herrn Hoppenheit gezeigt, dass man ein Universitätsklinikum auch ohne Renditeabsichten und in öffentlicher Trägerschaft effizient und erfolgreich aufstellen kann. Damit hat er sich national einen bleibenden Namen gemacht“. Für die Zukunft sieht Nitsch das noch engere Zusammenwachsen von UKM und Medizinischer Fakultät zu einer Universitätsmedizin als sein erklärtes Ziel: „Die Universitätsmedizin Münster ist heute schon eine der ersten Adressen in Deutschland. Das wollen wir im gemeinsamen Handeln weiter ausbauen zu einem international sichtbaren Standort der Spitzenmedizin“. Medizinische Forschung in Münster diene dem Wachstum des medizinischen Wissens und somit der Weiterentwicklung von Therapiemöglichkeiten, die den Menschen zur Verfügung gestellt würden. Für all das brauche es Ressourcen. „Wenn wir unsere Aufgabe als Universitätsmedizin zukunftsträchtig ausfüllen sollen, brauchen wir die Unterstützung des Landes für die Umsetzung unseres baulichen Masterplanes, und wir selber müssen neue Mittel – auch auf nationaler Ebene – einwerben, um im Wettbewerb um die medizinische Exzellenz ganz vorne mit dabei zu sein.“

Das unterstrich auch Dr. Christoph Hoppenheit: „Prof. Roeder und ich waren uns beim Sanierungskurs in den letzten Jahren früh einig: Sparen alleine bringt nichts. Wir haben gleichzeitig in die Rahmenbedingungen für Forschung und exzellente Versorgung investiert. Das ist der Königsweg, uns auch für die Zukunft erfolgreich aufzustellen.“ Und in Richtung seines scheidenden Vorstandskollegen Roeder sagte Hoppenheit: „Wir waren das richtige Team zur richtigen Zeit. In einer ganzen Dekade haben wir geschafft, was zu Beginn viele für unmöglich hielten: Wir haben das UKM saniert und auf Kurs gebracht. Wir haben uns zu einem medizinischen Leuchtturm entwickelt, der weit über die Region hinaus strahlt und strahlen wird.“ Und an seinen zukünftigen Vorstandskollegen Nitsch adressierte Hoppenheit die Worte: „Unsere gute Zusammenarbeit hat schon begonnen. Herzlich willkommen im UKM.“

Bild: Stabwechsel nach zehn Jahren: Im Beisein des Aufsichtsratsvorsitzenden des UKM, Prof. Martin Schulze Schwienhorst (l.), und des Kaufmännischen Direktors, Dr. Christoph Hoppenheit (r.), übergibt Prof. Norbert Roeder (2. v. l.) seine Ämter als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM an seinen Nachfolger Prof. Robert Nitsch (2. v. r.)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Beratung am UKM: Stabsstelle Demenzsensible Krankenhaus unterstützt Angehörige

Kostenfreie Beratung und individuelles Pflegetraining: Pflegeexperten des Demenzsensiblen Krankenhauses unterstützen Angehörige

Münster (ukm/cf) – Wenn ein Patient nach Hause entlassen wird, stehen die pflegenden Angehörigen vor einer großen Aufgabe. Das weiß auch Zdenko Miletic. Seine Frau Sonja erhielt vor rund zwei Jahren die Diagnose Demenz. „Mittlerweile muss ich ihr bei vielen alltäglichen Handgriffen helfen“, beschreibt der Borkener. „Da muss man das eigene Ich ein bisschen zurücknehmen.“ Am UKM (Universitätsklinikum Münster) erfuhr Miletic von der kostenlosen Angehörigenberatung. Das Modellprojekt wird von der Stabstelle Demenzsensibles Krankenhaus und der Klinik für Neurologie durchgeführt.

„Wir unterstützen Angehörige mit unserer Arbeit und bereiten sie auf die häusliche Pflege vor“, erklärt Prof. Thomas Duning, Leiter der Stabstelle Demenzsensibles Krankenhaus am UKM und Oberarzt der Neurologie. Die Familiale Pflege entstand aus einer Kooperation der AOK Rheinland/Hamburg und der Universität Bielefeld. Seit das Projekt im Dezember letzten Jahres am UKM umgesetzt wird, haben die Pflegeexperten rund 50 Angehörigen zur Seite gestanden. Um eine gute Betreuung zu gewährleisten, setzt das Programm schon vor der Entlassung der Patienten an. Beratungsgespräche und Pflegeübungen können so bereits am UKM durchgeführt werden, um Sicherheit für den Schritt ins häusliche Umfeld zu schaffen. Liane Janßen, Pflegeberaterin, klärte Zdenko Miletic noch während des stationären Aufenthalts seiner Frau über die Möglichkeiten auf. „Man muss ja nicht nur beim Anziehen oder der Körperpflege helfen, sondern zum Beispiel auch ganz anders kommunizieren“, so Janßen.

Das Modellprojekt beinhaltet auch einen Qualitätscheck zu Hause, der vor oder bis zu sechs Wochen nach der Entlassung möglich ist. Dafür fahren die Pflegeberaterinnen auch bis nach Borken. „Ich bin froh über die Unterstützung“, erzählt Miletic „Sogar nach der Entlassung lässt man uns nicht allein.“ Pflegeberaterin Sandra Großmann erklärt: „Das Haus der Miletics hat beispielsweise viele Treppen. Wenn die Erkrankung voranschreitet, kann es sein, dass Herr Miletic seine Frau körperlich mehr unterstützten muss.“ Die examinierten Pflegekräfte weisen während ihres Besuchs auf Gefahrenherde hin und zeigen einige Hilfestellungen, wie man zum Beispiel den Einstieg in die Badewanne erleichtert. „Manchmal klappt´s noch alleine, aber manchmal eben auch nicht. Dann ist es gut zu wissen, wie ich meiner Frau helfen kann“, so Miletic.

In ganzheitlichen Pflegekursen lernen Angehörige und Interessierte dann alles Wissenswerte zu Lagerungstechniken, Sturzvorbeugung und Körperpflege und tauschen sich mit anderen Betroffenen aus. Ende des Monats will auch Herr Miletic so einen Kurs besuchen: „Wer weiß schon, was in vier Jahren ist. Deshalb bereite ich mich jetzt vor.“ Mehr Informationen zur Angehörigenberatung finden Sie auf der UKM-Internetseite.

Bild: Individuelle Beratung: Sandra Großmann (l.) und Liane Janßen (r.) von der Angehörigenberatung machen einen Qualitätscheck beim Ehepaar Miletic zu Hause.

Morbus Pompe: 300 Kilometer für die richtige Behandlung:

Münster – Kaum konnte die kleine Petra Pauly richtig laufen, da kamen schon die ersten Unsicherheiten beim Gehen, oft geriet sie ins Straucheln und fiel aus unerfindlichen Gründen hin. Nach eigehenden Untersuchungen erhielten die Eltern eine Diagnose, die zunächst nur weitere Fragezeichen brachte: Morbus Pompe, eine sehr seltene Erbkrankheit. Nur etwa 200 Menschen leiden in Deutschland unter diesem Krankheitsbild, das eine fortschreitende Muskelschwäche besonders der Atemmuskulatur bewirkt. „Seit ihrem 17. Lebensjahr sitzt Petra im Rollstuhl, später musste sie zur Unterstützung der Atmung eine Maske tragen, seit 2004 wird sie über eine Kanüle in der Luftröhre künstlich beatmet“, fasst ihre Mutter Ursula Pauly den Verlauf der Krankheit bei ihrer Tochter zusammen.

„Anfangs war es schwer, mich vollkommen auf die Technik zu verlassen, jetzt ist das normal“, die 39-Jährige bewegt beim Sprechen nur die Lippen doch ihre Mutter versteht jedes Wort. Mutter und Tochter wohnen zusammen in der Nähe von Trier, zur Kontrolle der Beatmung und um den Verdacht einer Lungenentzündung auszuschließen, wurde die Patientin mit dem Rettungswagen in das mehr als 300 Kilometer entfernte Clemenshospital gebracht. „Hier zeigt sich ein echter Notstand, es gibt für erwachsene Patienten einfach nicht genügend spezialisierte Beatmungs-Intensivstationen wie diese“, erläutert Prof. Dr. Peter Young, der in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Münster Chefarzt der Klinik für Beatmungs- und Schlafmedizin des Clemenshospitals ist.
Bis zum 18. Lebensjahr konnte die Behandlung in einer spezialisierten Kinderklinik in Mainz erfolgen, danach mussten Mutter und Tochter bis nach Essen fahren. Seit auch dort die Behandlung nicht mehr möglich ist, heißt das Fahrtziel für den Rettungswagen Münster. Die neue Abteilung im Clemenshospital weist eine deutschlandweite Besonderheit auf, sie wird gemeinsam von Neurologen und Pneumologen geführt, also von Fachleuten für Erkrankungen des Nervensystems und der Lunge, wie dies bei Petra Pauly der Fall ist. [www.intensiv-muenster.de]

Bild: Die Patientin Petra Pauly ist zusammen mit ihrer Mutter Ursula Pauly (l.) aus Trier angereist, um sich von Rudolf Noltensmeier, Priv.-Doz. Dr. Inga Teismann und Prof. Dr. Peter Young (v.l.) im Clemenshospital behandeln zu lassen.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Informationstag MAgKs: „Früherkennung hat mir das Leben gerettet“

Früherkennung durch Vorsorge: Krebs tut nicht weh

Münster – Experten der Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs) erklärten am Patiententag „Früherkennung, Prävention und Umgang mit Krebs“ in der Bezirksregierung über 50 Besuchern, warum Vorsorge so wichtig ist.

„Der liebe Gott hat die Nervenzellen in der Lunge vergessen, deshalb tut Krebs nicht weh. Und deshalb gehen die Menschen nicht zum Arzt“, warnte Prof. Dr. Peter Feindt, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie im Clemenshospital. Dabei sei beispielsweise Lungenkrebs heilbar, wenn er sehr früh entdeckt werden würde.

Die Referenten der verschiedenen Fachrichtungen gaben Tipps und informierten über neue Erkenntnisse. „UV-Schutz bekommt man durch textilen Schutz. Sonnencremes schützen nur vor Sonnenbrand, nicht vor Hautkrebs, denn sie sind wie ein Gitter, durch das UV-Strahlen immer noch durchgehen“, erklärte Priv.-Doz. Dr. Hans-Joachim Schulze, Leitender Arzt der Abteilung Dermatologie und Dermatohistologie an der Fachklinik Hornheide, Leiter des Hauttumorzentrum und MAgKs-Zentrumsleiter. Wer es genau wissen wolle, könne sich auf euromelanom.org das aktuelle UV-Risiko anzeigen lassen.

Weitere Themen waren unter anderem „Darmkrebsfrüherkennung: Rohr oder Röhre? Koloskopie-Verfahren und virtuelle Koloskopie“ und „Ernährung und Krebsvorbeugung – Worauf es beim Essen ankommt“. Und auch die Krebsberatungsstelle Münster sowie Vertreter verschiedener Selbsthilfegruppen waren beim MAgKs-Patiententag, um sich Interessierten und Betroffenen für Fragen zur Verfügung zu stellen.

Die Besucher des Patiententages konnten den ganzen Tag frei wählen, ob sie sich einen der Vorträge anhören oder im Foyer an den Informationsständen oder im Vier-Augen-Gespräch mit den Experten informieren wollten.

Die Münsteraner Allianz gegen den Krebs (MAgKs) ist ein Zusammenschluss des Clemenshospitals, der Fachklinik Hornheide und der Raphaelsklinik zur Verbesserung der Versorgung von Krebspatienten durch Gründung eines gemeinsamen Onkologischen Zentrums. Der enge Austausch zwischen den verschieden Fachdisziplinen der insgesamt zehn zertifizierten Organkrebszentren in diesem Zusammenschluss ermöglicht die optimale Behandlung gerade bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen, bei den oft mehrere Bereiche betroffen sind. In sogenannten Tumorkonferenzen tauschen sich Chirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen und andere Experten aus.

Bild: Beim Patiententag der MAgKs konnten sich die Besucher bei Vorträgen, an Informationsständen und im Vier-Augen-Gespräch mit den Experten informieren.

Quelle: © Alexianer Misericordia GmbH

Tumor beseitigt: Von einer riesigen Last befreit!

Gemeinsam bekämpften Kinderonkologen und Thoraxchirurgen des UKM den Tumor in Louisa Hermelings Brustkorb. Jetzt kann die 16-Jährige endlich wieder unbeschwert den Alltag genießen!

Münster (ukm/lie) – Die Größe des Tumors in Louisa Hermelings Brustkorb war atemraubend: Mit 18 Zentimetern hatte er den Durchmesser eines Handballs, verdrängte den linken Lungenflügel fast vollständig und drückte sogar aufs Herz. Trotzdem spürte die zierliche 16-Jährige lange Zeit nichts davon.

„Das ist das Heimtückische bei Tumoren im Bereich der Lunge“, weiß Priv.-Doz. Dr. Karsten Wiebe, Leiter der Thoraxchirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster). „Sie verursachen lange keine Symptome und können daher unbemerkt groß werden.“ So klagte auch Louisa lediglich über Nacken- und Schulterschmerzen, mit denen die Schülerin aus Rheine zunächst zum Orthopäden ging. Als dann noch regelmäßig auftretendes, heftiges Seitenstechen hinzukam, ließ sie sich in ihrer Heimatstadt im Krankenhaus durchchecken. Die dort gemachten MRT-Aufnahmen zeigten den erschreckenden Befund: Eine große Raumforderung im Bereich des linken Lungenflügels.

Für weitere Untersuchungen wurde Louisa direkt zu den Experten der Kinder-onkologie des UKM geschickt. Als die Ärzte bei ihr eine erhöhte Konzentration des Tumormarkers AFP (Alpha-1-Fetoprotein) nachwiesen, war auch ohne Biopsie schnell klar, dass die Veränderungen nicht „nur“ gutartig waren. „Das kann gar nicht sein“, war Louisas Mutter Karin Hermeling völlig überrascht. Mit der Diagnose Krebs hatte niemand in der Familie gerechnet.

„Es handelte sich um einen gemischten Keimzelltumor mit gut- und bösartigen Anteilen“, erzählt Kinderonkologin Dr. Birgit Fröhlich. „Das ist im Kindes- und Jugendalter sehr, sehr selten.“ Sofort begann sie gemeinsam mit ihren Kollegen der anderen Fachbereiche des Zentrums für Krebsmedizin (CCCM) mit der Therapieplanung. Die bösartigen Anteile des Tumors konnten die Kinderonkologen erfolgreich mit einer Chemotherapie bekämpfen. Das restliche Gewebe musste operativ entfernt werden.

„Aus onkologischer Sicht war es wichtig, den Tumor als Ganzes herauszunehmen“, betont Wiebe. „Wegen seiner enormen Größe und Lage war das eine besondere Herausforderung.“ Mit dem nach seiner Form benannten „Türflügelschnitt“ gelang es dem Thoraxchirurgen und seinem Team, das betroffene Gewebe vollständig zu entfernen und zugleich die umgebenden Strukturen und empfindlichen Nerven zu schonen. „Gemeinsam konnten wir Louisa sprichwörtlich von einer riesigen Last befreien“, ist nicht nur Wiebe über den Behandlungserfolg erleichtert. „Den bist du los!“, freut sich auch Kollegin Fröhlich.

Heute, einen Monat nach der OP, geht es Louisa wieder gut. Den vierten und letzten Chemotherapiezyklus hat sie gerade abgeschlossen. Jetzt kann die 16-Jährige endlich wieder unbeschwert den Alltag mit Familie und Freunden genießen. Bald darf sie auch wieder in die Schule gehen: Louisa möchte gerne ihr Fachabitur machen – mit Schwerpunkt Gesundheit.

Bild: Louisa (l.) und ihre Mutter Karin Hermeling (2.v.r.) freuen sich gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Karsten Wiebe und Dr. Birgit Fröhlich über den Behandlungserfolg.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Weltweit einmalige Studie belegt Wirksamkeit intensiver Sprachtherapie bei chronischer Aphasie

Nach dem Schlaganfall die Worte wiederfinden

Münster (mfm/sm) – Mit „Sprachlosigkeit“ lässt sich die Erkrankung „Aphasie“ aus dem Griechischen übersetzen. Den Betroffenen fehlen buchstäblich die Worte – und das dauerhaft. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Sprachforschern der Universität Münster hat nun eine Studie zur Wirksamkeit von intensiver Sprachtherapie bei Patienten durchgeführt, bei denen die Aphasie von einem Schlaganfall herrührt, der bereits sechs Monate oder länger zurücklag. Das Besondere: Weltweit ist dies die erste Studie in dieser Patientengruppe mit chronischer Aphasie, die unter regulären klinischen Bedingungen an verschiedenen Zentren stattfand und eine nicht behandelte Kontrollgruppe einschloss. Und: Die Erkenntnisse, veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Lancet“, belegen, was Sprachtherapeuten und Rehabilitationsmediziner aufgrund klinischer Erfahrungen eigentlich schon wussten, wofür bisher allerdings ausreichende wissenschaftliche Belege fehlten. In dieser nun nachgewiesenen Evidenz liegt die große Bedeutung des Projektes.

In etwa 85 Prozent der Fälle haben Menschen mit chronischer Aphasie zuvor einen Schlaganfall erlitten, der das „sprachliche Netzwerk“ im Gehirn geschädigt hat. Die Patienten sind sowohl beim Sprechen und Verstehen von Lautsprache als auch beim Lesen und Schreiben beeinträchtigt. Dabei ist die Schwere der Aphasie von Mensch zu Mensch verschieden. Obwohl die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie seit über zehn Jahren eine Intensiv-Sprachtherapie als den Königsweg empfiehlt und diese daher Behandlungsalltag sein sollte, übernehmen die deutschen Krankenkassen die Kosten hierfür nicht ohne Weiteres. Der Grund ist die fehlende wissenschaftliche Evidenz: Es mangelt an Ergebnissen aus multizentrischen, randomisierten und kontrollierten klinischen Studien, die die Wirksamkeit der Therapie hinreichend belegen. Diese liefert nun das Projekt der „FCET2EC study group“ unter der Leitung von Privatdozentin Dr. Caterina Breitenstein aus der münsterschen Uniklinik für Allgemeine Neurologie – noch dazu mit einer einmalig großen Stichprobe. In deutschlandweit 19 ambulanten oder (teil-)stationären Kliniken sowie Rehabilitationszentren nahmen 156 Menschen mit schlaganfallbedingter chronischer Aphasie an der Studie teil – mit Erfolg.

Bild: Die Mitarbeiter der FCET2EC-Studienzentrale in Münster während der aktiven Projektphase, darunter auch Priv.-Doz. Dr. Caterina Breitenstein (2.v.r.; Foto: FZ)

„Für unser Forschungsvorhaben kamen nur solche Patienten in Frage, bei denen der letzte Schlaganfall vor Therapiebeginn mindestens sechs Monate zurücklag und die eine dauerhafte Sprachstörung zurückbehielten. Nach einem halben Jahr sind die Symptome einer Aphasie verfestigt und es ist ohne intensive Behandlung nicht mehr mit einer Besserung zu rechnen“, erklärt Neurowissenschaftlerin und Erstautorin Breitenstein. Um den Leistungsstand der Betroffenen festzustellen, absolvierten diese als erste Maßnahme innerhalb der Studie zahlreiche Sprachtests. Nach der Bestimmung des Störungsbildes und Schweregrades wurden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. „Für die eine begann sofort eine dreiwöchige intensive Sprachtherapie, für die andere, die Kontrollgruppe, erst nach ebenso langer Wartezeit“, so Breitenstein. Durch dieses Vorgehen konnte das Team ausschließen, dass sich eine positive Entwicklung auch ohne diese Intervention eingestellt hätte.

Während der Behandlungsphase absolvierten die Teilnehmer mindestens zehn Stunden pro Woche ein individuelles Programm aus Einzel- und Gruppensitzungen: Im linguistischen Teil hatten sie beispielsweise in Wortfindungsübungen fehlende Begriffe in Lückensätzen zu ergänzen – immer und immer wieder. Die Sätze beschrieben stets eine Situation aus dem Alltag. Durch die häufige Wiederholung „lernt“ das Gehirn nachhaltig, auch den entsprechenden Situationen im Alltag schneller die richtigen Wörter zuzuordnen, so die Vermutung der Forscher.

In Rollenspielen, die zum sogenannten kommunikativen Part der Therapie zählen, lernten die Studienteilnehmer, ihr gesamtes Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten einzusetzen. Eine typische Aufgabe: Einem Passanten – gespielt vom Therapeuten – soll mit Worten, aber auch durch Zeigen und Zeichnen der richtige Weg auf einem Stadtplan gewiesen werden. „Mit einem solchen Rollenspiel wollen wir die Patienten ermutigen, ihre Störung auch mit nonverbalen Formen der Kommunikation auszugleichen“, beschreibt die Seniorautorin der Studie, Prof. Annette Baumgärtner von der Hochschule Fresenius, den Sinn der Übung. Außerdem stand täglich mindestens eine Stunde Eigentraining auf dem Behandlungsprogramm.

Nach der Therapie wurde der sprachliche und kommunikative Leistungsstand der Betroffenen noch einmal ermittelt. Der Vergleich mit den Testergebnissen vor Behandlungsbeginn zeigte es deutlich: Bei den Studienteilnehmern der Interventionsgruppe hatte sich die verbale Kommunikationsfähigkeit in bis dahin nicht geübten Alltagssituationen, wie das telefonische Verschieben eines Arzttermins, nachweislich verbessert. Auch bei der Nachuntersuchung ein halbes Jahr später hielten die erzielten Effekte an. Damit konnten die Wissenschaftler zeigen, dass eine mindestens dreiwöchige intensive Sprachtherapie mit zehn Zeitstunden pro Woche als Minimum ein wirksames und nachhaltiges Behandlungsverfahren für Schlaganfallpatienten mit chronischer Aphasie ist. Die Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass die Kostenübernahme dieser Therapie künftig einfacher von den entsprechenden Trägern des Gesundheitswesens genehmigt wird.

Förderer der Studie waren das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie die Gesellschaft für Aphasieforschung und -behandlung. Maßgeblich beteiligt an der jetzigen Publikation in „Lancet“ waren Wissenschaftler der Unikliniken Tübingen, Aachen, Berlin und Leipzig.

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Quelle: © Medizinische Fakultät Münster