Archiv für das Jahr: 2017

Neuartige Stent-Technologie:
Europaweite OP-Premiere in Münster

Münster – Erstmalig europaweit wurde im St. Franziskus-Hospital Münster ein neuartiges Gefäßimplantat (Stent) angewendet. Unter Leitung von Prof. Dr. Giovanni Torsello, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Direktor des Centrums für Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie des Universitätsklinikums Münster, behandelte das Team damit erfolgreich u.a. Patienten, die unter schweren Formen der arteriellen Verschlusskrankheit, der sogenannten „Schaufensterkrankheit“ litten.

Bei diesem Krankheitsbild können sich Gefäßveränderungen in gewundenen Bereichen der Schlagader befinden. Hierfür wurden bislang besonders flexible Gefäßimplantate eingesetzt, die der Gefäßführung nachgeben. Diese besitzen jedoch für schwere Läsionen oft nicht die ausreichende Aufstellkraft, bzw. Stabilität. Demgegenüber sind besonders „starke“ Stents für bewegliche Gefäßabschnitte nicht flexibel genug. Der neuartige Stent besitzt gleichzeitig eine hohe Stabilität und Flexibilität. „Zusätzlich ist er mit einer gerinnungshemmenden Substanz ausgekleidet, die einen erneuten Verschluss verhindert. Patienten mit Verletzungen der Becken- oder Bauchschlagader oder mit einem komplexen Aneurysma profitieren besonders von dieser neuen Entwicklung“, erklärt der leitende Oberarzt PD Dr. Martin Austermann. Im Vorfeld sei die Produktneuheit aus den USA umfangreichen Prüfungen im St. Franziskus-Hospital in einer kontrollierten Laborumgebung unterzogen worden.
Das neue Präparat hat sich beim europaweit ersten Einsatz bewährt. Bernhard Henneken ist einer der Ersten, denen der neue Stent eingesetzt worden ist. Wie auch die anderen Patienten, hat er die Operation gut überstanden. Bereits einen Tag nach dem Eingriff konnte er fit nach Hause entlassen werden.

Seit vielen Jahren gehört die Klinik für Gefäßchirurgie erfolgreich zu den Produktpionieren. Als führende Klinik für gefäßchirurgische Innovationen werden hier wiederholt europa- und weltweit erstmalig Technologien und Produktneuheiten eingesetzt. So wurde der inzwischen weltweit am häufigsten eingesetzte Stent (= Endurant Prothese) zum ersten Mal vor zehn Jahren im St. Franziskus-Hospital verwendet. Ebenso blickt das Team auf zahlreiche OP-Premieren mit neuen, besonders schonenden minimal-invasiven Verfahren zurück.

Bild: Chefarzt Prof. Dr. Giovanni Torsello (l.) und der leitende Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Martin Austermann mit Bernhard Henneken, bei dem europaweit zum ersten Mal der neue Stent eingesetzt wurde.

Mehr Parkraum am Clemenshospital:
Bauarbeiten schreiten voran

Münster – Das Ziel des großzügig und modern geplanten Neubaus am Clemenshospital ist es, mehr Raum für moderne Medizin, Pflege, Bildung, Aufenthalt und Platz für die Entlastung der Anwohner durch Parkfläche in der Tiefgarage zu schaffen. Insgesamt entstehen drei unterirdische und sieben oberirdische Etagen. Die lärmintensiveren Arbeiten zur Errichtung der Bohrpfahlwand sind abgeschlossen und die Baustelle nimmt immer mehr Gestalt an. Schon bald wird nicht mehr in die Tiefe gegraben, sondern in die Höhe gebaut.

Acht Monate sind seit dem offiziellen Spatenstich vergangen. Es wurde gebaggert, gegraben, geschaufelt, skizziert, vermessen, planiert, gebohrt und das war nicht immer leise. Der bislang lärmintensivste Teil der Bauarbeiten ist abgeschlossen. Aber nicht nur das sorgt für mehr Ruhe. „Wir nutzen die neueste Technik und haben alle möglichen Maßnahmen ergriffen, um die Lärm- und Staubentwicklung auf ein Minimum zu reduzieren“, erklärt Hermann-Josef Eissing, Leiter Geschäftsbereich Bauwesen im Clemenshospital. Die gut isolierten Fenster des Hospitals tun ihr Übriges, damit Patienten, Besucher und Mitarbeiter möglichst wenig von den Bauarbeiten mitbekommen.

Mithilfe von Bohrpfahlwänden wurde die ausgehobene Grube aufwändig gestützt. Jetzt ist es soweit, auf dieser Grundlage kann mit den Hochbau­arbeiten begonnen werden. Auf dem Weg dorthin waren nicht nur Bauarbeiter, Ingenieure und Architekten unermüdlich im Einsatz. Auch Archäologen und Sprengstoffexperten vom Kampfmittelräumdienst hatten hier zu tun. Außerdem halfen kleine Baggerfahrer aus der Kinderklinik beim Fahren der großen Bagger. Diese Idee hatte Lothar Hülsmann. Der Polier sah die Kleinen am Fenster stehen, wie sie sich die Nasen platt drückten und die Bagger beobachteten. Deshalb lud er sie ein, auf seinem Bagger mitzufahren. Das Loch für die Tiefgarage ist jetzt 3700 Quadratmeter groß und zehn Meter tief. 37.000 Kubikmeter Erde wurden ausgehoben, das entspricht etwa 3100 LKW-Ladungen.

Bild: Die Grube ist ausgehoben, schon bald beginnen die Hochbauarbeiten.

Bei der Weihnachtswünsche-Aktion des Clemenshospitals werden Wünsche wahr

Münster – Zu Weihnachten tut es gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und bedürftigen Menschen eine Freude zu machen. Deshalb ist es mittlerweile eine Tradition bei den Mitarbeitern des Clemenshospitals, einen Wunschbaum aufzustellen, um Geschenke für mehrere münsterische Einrichtungen zu sammeln. Seit Ende November stand der Weihnachtsbaum vor der Mitarbeitercafeteria geschmückt mit rund 60 Wunschzetteln, die von den Mitarbeitern mitgenommen werden konnten. Die Geschenke wurden zentral gesammelt und den Einrichtungen jetzt übergeben.

Einen Wunsch frei – da würde den meisten Menschen vermutlich vieles einfallen. Ein Smartphone, neue Kleidung, Geld oder teure Gutscheine. Und doch gibt es Menschen, die ihren Weihnachtswunsch hergeben für einen ganz bescheidenen Wunsch. Das Clemenshospital hat die Bewohner von drei Einrichtungen in Münster gebeten, ihre Weihnachtswünsche aufzuschreiben. Die Wunschzettel kamen von Gästen aus dem Treffpunkt „An der Clemenskirche“, von Patienten des ambulanten Pflegedienstes am Clemenshospital, Bewohnern der Alexianer-Behinderteneinrichtung „Alexius-Gruppe“ sowie jungen Menschen vom „Jugendwohnen im Kettlerhaus“.
Einen „schönen warmen Kapuzenpullover“ wünscht sich zum Beispiel Thorsten und schreibt noch „darüber würde ich mich sehr freuen“. Auf dem Wunschzettel der 85-jährigen Renate stehen weiße Baumwollsocken. Vor allem Winterschuhe, Mützen und Schals sowie Süßigkeiten und Nüsse fanden sich auf den fast 60 Wunschzetteln am Tannenbaum im Clemenshospital. Aber auch Medikamente gegen Erkältung, das Buch „Im Inneren Reichtum ankommen“ oder eine neue Matratze wünschten sich manche zu Weihnachten.

„Mich berührt es immer wieder sehr, wenn ich Mitmenschen durch die Erfüllung von so bescheidenen Wünschen, wie beispielsweise warmer Kleidung, glücklich machen kann. Ich finde aber auch die ungewöhnlichen Wünsche sehr ergreifend“, sagt Reinhild Everding, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Clemenshospitals und Mitorganisatorin der Aktion.


Bild: Viele Mitarbeiter des Clemenshospitals haben bedürftigen Menschen aus Münster einen Wunsch erfüllt. Marcel Kortekaas, Andrea Frye und Tanja Sollwedel (v.l.) sammelten die Geschenke und übergaben sie den Einrichtungen.

Simon Schlattmann:
Herr Krebs muss weg! – Alles in jedem Moment.

Münster (ukm/lie) – Ungebetener Besuch kann hartnäckig sein. Das musste Simon Schlattmann schon früh lernen. Gerade einmal 11 Jahre war er alt, als er 1990 zum ersten Mal „Bekanntschaft mit Herrn Krebs“ machte. Heute ist Simon Schlattmann 37 und seine persönliche Geschichte Teil des im Aschendorff Verlag erschienenen Buches „Alles in jedem Moment“. Kinder, Jugendliche, ihre Eltern, ehemalige Betroffene und auch Lehrer erzählen darin von ihrem Alltag mit der Krankheit.

Mit eindringlichen Geschichten, Bildern und Liedern vermitteln die Autoren auf ganz unterschiedliche Art und Weise Eindrücke von der Gefühls- und Erfahrungswelt krebskranker Kinder – von der Angst und der Verzweiflung, aber auch von der Kreativität, dem Humor und vor allem der Kraft, mit denen die Kinder und Jugendlichen der lebensbedrohlichen Erkrankung begegnen.

Bild: Auch Simon Schlattmann, Geschäftsführer des Familienhauses, hat an dem berührenden Werk mitgewirkt. (© UKM/Deiters-Keul)

„Die Diagnose stellt nicht nur den eigenen Alltag, sondern auch den der ganzen Familie auf den Kopf“, weiß Schlattmann, der heute Geschäftsführer des „Familienhaus am UKM“ (Universitätsklinikum Münster) ist. In seiner Geschichte „Herr Krebs – ein zerstörerischer Fiesling“ erzählt er davon, wie er durch die Erkrankung nicht nur Haare und Gewicht, sondern auch sein rechtes Bein verlor. Es hatten sich zudem Metastasen in der Lunge gebildet. Fast schon trotzig stellte er sich dennoch dem „Fiesling“ gegenüber: „Ich streckte ihm die Zunge raus und lachte über ihn, aber leider nicht so lange.“ Denn die Krankheit kehrte mehrmals wieder. 1993 als 14-Jähriger und dann nochmal 1996 als 17-Jähriger musste er sich als inzwischen Jugendlicher mit „Herrn Krebs“ auseinandersetzen. „In diesem Alter habe ich auch erst richtig realisiert, dass mein Leben wirklich auf Messers Schneide stand“, erinnert sich Schlattmann, für den Aufgeben trotzdem nie in Frage kam. „Meine Familie und meine Freunde waren während der ganzen Zeit für mich da. Durch ihre Unterstützung bin ich gut ins Leben zurückgekommen“, so der Münsteraner.

Seine Mutter Monika Schlattmann war es, die sich damals für den Bau eines Familienhauses stark machte. Auch weiter entfernt wohnende Angehörige von schwerkranken Patienten, die im UKM behandelt werden, sollten in schwierigen Zeiten einen Ort des Rückzugs und der familiären Geborgenheit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Klinikum finden. Im Verein „Familienhaus am UKM“ entstand dann vor gut einem Jahr auch die Idee für das Buch. „Wir wollten den Kindern und Jugendlichen ein Forum bieten, von ihren Erfahrungen, Ängsten, Wünschen und Träumen zu berichten“, erklärt Monika Schlattmann, die erste Vorsitzende des Vereins ist. Die meisten der beteiligten Autoren waren oder sind Patienten der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie des UKM. Viele von ihnen waren während ihrer Behandlung Gast im Familienhaus. „Jeder geht anders mit seinen Erfahrungen um“, erzählt Simon Schlattmann. „Aber alle haben ein gemeinsames Ziel: Herr Krebs muss weg!“

„Alles in jedem Moment. Kinder und Jugendliche erzählen von ihrem Leben mit Krebs“
Aschendorff Verlag, 19,80 Euro.
Neben Texten und gemalten Bildern beinhaltet das Buch auch Lieder, die gehört werden können, wenn ein QR-Code gescannt wird.

Dr. Alina Busch erhält Promotionspreis für Forschung zum Ohrspeicheldrüsenkrebs

Münster (mfm/ls) – Ohrspeicheldrüsenkrebs in Zukunft besser diagnostizieren zu können: Dafür hat Dr. Alina Busch mit ihrer Doktorarbeit die Basis gelegt – und nun den Förderpreis der Maria-Möller-Stiftung für eine herausragende onkologische Promotion erhalten. Die Medizinische Fakultät der Universität Münster, an der sie den Titel erwarb, würdigt mit der Auszeichnung Buschs Studie „Prognostische Relevanz von Epithelial-mesenchymaler Transition und Proliferation in primären Parotiskarzinomen“. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert.

Welche spezifischen Mechanismen führen dazu, dass sich normales Speicheldrüsengewebe zu einem bösartigen Tumor entwickelt? Darüber war bislang wenig bekannt – wohl auch deshalb, weil das Thema zwar große Relevanz für die einzelnen Patienten hat, die Zahl der Betroffenen insgesamt aber sehr gering ist: 2012 gab es circa 700 Fälle von sogenannten Parotiskarzinomen in Deutschland. Zum Vergleich: In denselben Zeitraum fielen 70.000 Fälle von Brustkrebs. Die Zahl der Forschungsarbeiten zu diesem Thema ist daher klein. Bösartige Tumore der Ohrspeicheldrüse werden zudem in 24 verschiedene Subtypen eingeteilt. Eine solche Heterogenität weist keine andere Gruppe von Tumoren im menschlichen Körper auf.

Jeder Tumor ist anders, somit ist schwer vorherzusagen, wie schnell er wächst und wie aggressiv er ist – Eigenschaften, die relevant für Prognose und Therapieentscheidung sind. Mithilfe der Ergebnisse ihrer Dissertation hat Dr. Alina Busch Pathologen ein wenig bei dieser Herausforderung geholfen. Sie konnte zeigen, dass sich das immunhistochemische Markerprofil der verschiedenen Untergruppen von Parotiskarzinomen deutlich voneinander unterscheidet. Diese Beobachtung kann Pathologen zukünftig möglicherweise dabei unterstützen, eine sicherere Einteilung innerhalb der Subtypen von Parotiskarzinomen vorzunehmen. Prognosen zu Krankheitsverlauf und Überlebenschancen können so deutlich präziser getroffen und über eine angemessen Therapie der Erkrankung entschieden werden.

Dr. Alina Busch ist seit Anfang 2017 als Assistenzärztin am Onkologischen Zentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tätig und will sich auch dort weiterhin dafür einsetzen, dass das Verständnis von Krebs wächst. „Mein größtes Ziel ist es, bei der Entwicklung neuer Therapien und Substanzen mitzuwirken, die die Behandlungsmöglichkeiten für einzelne Tumorerkrankungen deutlich verbessern“, erklärt die Preisträgerin. „Die Genese und Therapie bösartiger Tumore als fächerübergreifende Thematik hat mich bereits früh im Studium interessiert – auch innerhalb chirurgischer Disziplinen wie der HNO. Nicht zuletzt hat der Teil meines Praktischen Jahres, den ich am Universitätsklinikum Münster in der Klinik für Hämatologie und Onkologie absolvieren konnte, mein Interesse jedoch in Richtung Onkologie gelenkt“, so Dr. Busch.

Bild: Prof. Heidi Pfeiffer (l.) überreichte Dr. Alina Busch die Preisurkunde (Foto: FZ / G. Grothues)

UKM einziges Klinikum deutschlandweit mit zertifiziertem Ultraschallzentrum

Immer im Bild: Ultraschall von der Diagnostik bis zur Therapie

Münster (ukm/aw) – Dr. Thomas Ermert hat am Vormittag in Berlin seinen großen Auftritt. Im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin darf er im Rahmen der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) die Arbeit des bundesweit einzigen zertifizierten Ultraschall-Zentrums vorstellen – und das ist am UKM (Universitätsklinikum Münster). Dabei berichtet der Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie nicht nur von seiner eigenen Arbeit, sondern auch von der der UKM-Kollegen Dr. Ralf Schmitz, Leiter der Pränatalmedizin, und Dr. Hauke Heinzow, leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik B für Gastroenterologie und Hepatologie. „Die drei Kliniken bilden zusammen das UKM-Ultraschallzentrum. Als einzige Klinik bundesweit haben wir so ein Zentrum, in dem sich – nach den Vorgaben der DEGUM – mindestens drei zertifizierte Abteilungen zusammengeschlossen haben müssen. Wir haben alle eine spezielle Ultraschall-Ausbildung, die wir fachübergreifend einsetzen“, freut sich Ermert über die Synergieeffekte zum Wohle der Patienten.

Bild: Patientin Sonja Stresow* mit den Experten des deutschlandweit einzigen zertifizierten Ultraschallzentrums am UKM (v.l.): Dr. Hauke Heinzow, Dr. Thomas Ermert und Dr. Ralf Schmitz. (© Foto UKM)

Eine dieser Patientinnen, der die interdisziplinäre Arbeit mit Ultraschall zu Gute kommt, ist Sonja Stresow* (*Name der Redaktion bekannt). Die 30-Jährige ist hochschwanger in der 37. Woche und leidet an einer Implantationsstörung mit erhöhtem Blutungsrisiko unter der Geburt. „In ein paar Tagen werden wir die Geburt deswegen kontrolliert einleiten“, sagt Dr. Ralf Schmitz. „Bei Frau Stresow war der Einsatz eines Doppler-Ultraschalls mit hochauflösender Bildqualität zum einen pränatal diagnostisch absolut wertvoll, um die Störung überhaupt zu erkennen. Anders als bei unkomplizierten Schwangerschaften muss die Patientin aber auch engmaschig überwacht werden, sozusagen in ‚real time‘. Deswegen ist die Patientin auch schon seit Wochen stationär aufgenommen, um jedes Risiko auszuschließen.“ Und Dr. Hauke Heinzow fügt aus der Sicht des Internisten hinzu: „Ultraschall ist nicht nur diagnostisch notwendig und sinnvoll, sondern kann für den einzelnen Patienten auch therapeutisch unterstützend eingesetzt werden. Die Prognose, dass Frau Stresow für das letzte Drittel ihrer Schwangerschaft dauerhaft überwacht werden muss, konnte leicht gestellt werden. Medizinische Maßnahmen könnten im Ernstfall sofort ergriffen werden.“ „Wir könnten den Ultraschall auch intraoperativ einsetzen, wenn dies nötig würde“, ergänzt Herr Ermert.

Herr Ermert wird heute bei der Pressekonferenz der DEGUM in Berlin von Patienten wie Sonja Stresow* berichten: „An einem Fall wie dem ihren lässt sich leicht festmachen, warum in Deutschland eine fächerübergreifende Ultraschallausbildung weiterentwickelt werden muss. In Ultraschall-Zentren arbeiten Spezialisten verschiedener Fachrichtungen zusammen und können gegenseitig von der Expertise des Einzelnen profitieren.“

Deutsch-niederländisches Projekt soll Händehygiene von Grundschülern verbessern

Münster (mfm/sm) – Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und das von klein auf: Schon Kinder erlernen früh Verhaltensweisen, die ihren Alltag strukturieren und sich zu Gewohnheiten verfestigen wie beispielsweise Händewaschen als Ritual vor dem Essen. Aber auch im Kampf gegen die Verbreitung von Krankheitserregern ist Händewäschen immens wichtig – will jedoch gelernt sein. Hier helfen nun Wissenschaftler des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und des Instituts für Erziehungswissenschaften der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU): Gemeinsam mit Kollegen aus Wissenschaft und Wirtschaft der deutsch-niederländischen Grenzregion untersuchen sie in ihrer Studie das Wissen und die Motivation von Grundschülern zur Händehygiene. Mithilfe ihrer Ergebnisse erarbeiten die Forscher anschließend moderne, altersgerechte Unterrichtsmaterialien, damit die Kinder früh selbstständig ein Bewusstsein für richtige Händehygiene entwickeln.

Erreger von Atemwegs-, Darm- oder Hautinfektionen werden im Alltag vor allem durch unsere Hände übertragen. Hinzu kommen Infektionen mit multiresistenten Keimen, die in deutschen und niederländischen Krankenhäusern längst ein Problem sind. „Hier helfen gängige Antibiotika oft nicht und häufig gibt es für Betroffene deshalb nur noch eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten.“, weiß Prof. Karsten Becker vom Institut für Medizinische Mikrobiologie. Während im Krankenhaus Händedesinfektion Pflicht ist, so gilt im Alltag gründliches Händewaschen immer noch als die beste Prävention. Deshalb sei es umso wichtiger, schon Grundschüler an eine richtige Händehygiene heranzuführen, so Becker.

Bild: Das Projektteam des Händehygiene-Studie bei der Auftaktveranstaltung. Um die die richtige Händehygiene bei Grundschulkindern geht es bei einem neuen Forschungsprojekt unter Leitung von Wissenschaftlern der WWU Münster (Foto: K. Becker)

„Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es nur sehr wenig Daten, die das Hygieneverhalten von Kindern abbilden“, erklärt der Mediziner. Deshalb soll die auf drei Jahre angelegte und mit über 100.000 Euro geförderte Studie – als Teil der Projekte EurHealth-1Health und health-i-care innerhalb der Initiative Interreg V-A der Europäischen Union – das Wissen und die Motivation von Grundschülern zum Thema Händehygiene aufdecken. „Wir arbeiten eng mit unseren Nachbarn in den Niederlanden zusammen, denn für Mikroorganismen bestehen nun mal keine Ländergrenzen“, so Becker.

Auf Grundlage der Ergebnisse entwickeln die münsterschen Mikrobiologen gemeinsam mit Wissenschaftlern aus dem Institut für Erziehungswissenschaft der WWU und der Abteilung für Psychologie, Gesundheit und Technologie der Universität Twente altersgerechte Unterrichtsmaterialien, die das Bewusstsein der Kinder für Händehygiene im Alltag stärken sollen. „Wir planen zusammen mit einem Hygieneunternehmen auch spezielle Seifenspender für Schulen zu entwickeln, die die Kinder mitgestalten können. So wollen wir sie nachhaltig zu regelmäßigem und richtigem Händewaschen motivieren“, führt Becker aus. Dank einer eingebauten smarten Technologie können die Seifenspender aber noch mehr: Sie zeichnen – völlig anonym – Informationen zu ihrer Benutzung auf. Während ihres Einsatzes in 13 Grundschulen im Kreis Steinfurt, unter anderem in Laer, Greven, Altenberge und Emsdetten, wollen die Forscher auswerten, ob sich das Waschverhalten der Schüler – angeschoben von den neuen Unterrichtsmaterialien und ansprechenden Spendern – tatsächlich verändert.

Die EU-Initiative Interreg V-A ist Teil des Strukturfonds zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Europäischen Union und umfasst verschiedene Projekte wie eben EurHealth-1Health und health-i-care. Diese werden vom Universitair Medisch Centrum in Groningen koordiniert und bringen Wissenschaftler und Entwickler von Universitäten, Unternehmen und anderen Einrichtungen der deutsch-niederländischen Grenzregion zusammen. Gemeinsam erarbeiten sie neue Ansätze zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Infektionskrankheiten – insbesondere solcher mit multiresistenten Erregern.

Schneller und genauer: UKM führt Laborautomation für DNA-Analyse ein

Pipettierroboter und Sequenziergerät ermöglichen rasche, standardisierte Diagnostik bei Krebserkrankungen und früheren Therapiebeginn

Münster (ukm/maz) – Vier bis sechs Wochen, statt zwei bis drei Monate: Patientenproben können im Institut für Humangenetik des UKM (Universitätsklinikum Münster) ab sofort deutlich schneller bearbeitet werden. Mit der Anschaffung eines Pipettierroboters zur Aufbereitung von DNA-Proben verfügt das Team des molekularbiologischen DNA-Labors jetzt über eine komplette Laborautomation. „Bisher war es möglich, händisch acht Proben pro Tag aufzubereiten, jetzt sind es 96“, belegt Dr. Jochen Seggewiß die schnellere Bearbeitung mit Zahlen. In Kombination mit dem bereits vorhandenen Sequenziergerät, einem sogenannten Next-Generation-Sequencer (NGS), ist damit nicht nur eine rasche Analyse einzelner Gene und eines vielfältigen Gen-Panels möglich, sondern auch eine umfangreiche Sequenzierung, also das Auslesen des genetischen Codes, aller protein-codierenden Bereiche (ca. 20.000 Gene). Für die akut therapierelevante Diagnostik erfolgt dies sogar innerhalb weniger Tage.

Sowohl für die einsendenden Kliniken als auch die betroffenen Patienten bedeutet das eine deutliche Verringerung der Wartezeit, ob zum Beispiel eine Krebserkrankung oder eine mögliche Disposition vorliegt. „Wir haben eine Vielzahl an Gen-Panels eingerichtet, die im Sinne einer Stufendiagnostik auf unterschiedliche klinische und familien-anamnestische Konstellationen von Krebserkrankungen oder syndromalen Erkrankungen zugeschnitten sind“, erklärt Carolin Dreier, Medizinisch-Technische Assistentin im DNA-Labor. „Wir können das Design aber in Absprache mit den Kliniken auch kurzfristig je nach Wunsch erweitern und ein individuelles Gen-Panel anlegen.“

Der neue Pipettierroboter füttert in diesem Gesamtprozess das Hochdurchsatz-Sequenzier-Gerät, 24 bis 30 Stunden dauert ein Lauf je Gerät. Die Arbeiten davor – die Gewinnung der DNA aus Blut, einem Tumor oder Nasenabstrich – und danach – die Interpretation und Analyse der Ergebnisse – werden weiterhin von den acht Medizinisch-Technischen Assistenten und sechs Wissenschaftlern des Instituts selbst durchgeführt. Die gesamte Laborautomation ist vom Probeneingang bis zur Ausgabe von der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS) akkreditiert.

Die Neuanschaffung trägt damit neben der zeitlichen Komponente vor allem zur Qualitätssicherung bei: Die Bearbeitung der jährlich rund 1500 Proben werden gleichmäßig und standardisiert durchgeführt, Anwender-bedingte Ungenauigkeiten sind ausgeschlossen. Das Laborteam sieht sich mit dieser Ausstattung gut aufgestellt. „Zwar gibt es noch andere Roboter in der Region, in der Diagnostik sind wir in dieser Größenordnung derzeit aber die Einzigen in Westfalen“, sagt Seggewiß.

Bild: Dr. Jochen Seggewiß und Carolin Dreier zeigen den neuen Pipettierroboters, der 96 Proben auf einer Platte gleichzeitig aufbereitet.