Archiv für den Monat: November 2016

Vorleseaktion für Frühgeborene am St. Franziskus-Hospital

„Eine Stimme für Frühchen“

Münster – Anlässlich des bundesweiten Vorlesetages fand im St. Franziskus-Hospital Münster eine Vorleseaktion für Frühgeborene statt. Julia Schierhold-Urlichs trug aus ihrem Buch „Eine Stimme für Frühchen“ vor, das im März 2017 erscheint und dann allen Eltern von Frühgeborenen im Franziskus Hospital als Geschenk mitgegeben wird.

Vorlesen ist eine gute Möglichkeit für die Eltern, aktiv etwas für ihre Kinder zu tun. Dies nimmt ihnen oftmals einen Teil ihrer Hilflosigkeit und wirkt sich positiv auf die Frühgeborenen aus, denn sie kennen die Stimmen ihrer Eltern bereits aus der Schwangerschaft – der Klang gibt ihnen Sicherheit und Geborgenheit. „Die Stimme der Eltern beruhigt die Kinder und ist für die Bindungsförderung enorm wichtig“, fasst Dr. Florian Urlichs, Chefarzt der Neonatologie und Kinderintensivmedizin, zusammen. Damit die Frühchen möglichst häufig die elterlichen Stimmen hören, stattet das Franziskus Hospital zukünftig jeden Inkubator mit einem MP3-Player aus. „So können wir den Babys die aufgenommen Stimmen der Eltern vorspielen, wenn diese mal nicht bei ihrem Kind sein können“, erklärt Dr. Urlichs.

Julia Schierhold-Urlichs, die Autorin des Buches, ist selbst Mutter von vier Kindern, zwei davon späte Frühchen. Die eineiigen Zwillinge kamen in der 35. Schwangerschaftswoche zur Welt. Zum Schreiben inspiriert hat sie ihr Mann Dr. Florian Urlichs. Er hat ihr von einem Vater berichtet, der am Bettchen seiner 255 Gramm zarten Tochter gesessen und ihr vorgelesen hatte. Dadurch entstand die Idee zu dem Buch, das Vorlesegeschichten und Erfahrungsberichte von Frühgeborenen-Eltern beinhaltet.[Weitere Informationen]

Bild: Julia Schierhold-Urlichs (r.) las den Frühgeborenen im Franziskus Hospital Geschichten vor. Dr. Florian Urlichs, Chefarzt der Neonatologie und Kinderintensivmedizin, und eine Mutter von zwei Frühchen hörten gespannt zu.

Quelle: © St. Franziskus-Hospital Münster

Spendenaktion „Mehr-Raum-für-Nähe“: Die Kinderklinik für die Wand

Zwölf Bilder aus der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Franziskus-Hospitals

mehr-raum-fuer-naeheMünster – Das St. Franziskus-Hospital Münster hat für 2017 einen Benefizkalender gestaltet, der ab sofort in der Bücherei und im Pavillon Bröker im Hospital für eine Spende für die Kampagne „Mehr Raum für Nähe“ erhältlich ist. Der Wandkalender im Format DIN A3 quer setzt jeden Monat ein emotionales Bild mit Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern in Szene und gewährt vielfältige Einblicke in den Alltag der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

„Der Kalender ist ein echter Hingucker und ein ideales Weihnachtsgeschenk, um Familie und Freunden eine Freude zu bereiten und gleichzeitig etwas Gutes für die Kinder in unserer Region zu tun“, betont PD Dr. Michael Böswald, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Kinder- und Jugendmedizin. Die Aufnahmen stammen von seiner Tochter Franziska Böswald, Fotografin aus Oxford, die sofort von der Idee des Kalenders begeistert war. Sie hat sich, wie auch die Druckerei „WWF Druck und Medien GmbH“, bereit erklärt, kostenfrei zu arbeiten. Dadurch kommt der gesamte Erlös zu 100 Prozent dem Umbau der Kinder- und Jugendklinik zu Gute. Diese Modernisierung ist dringend erforderlich, denn die bauliche Ausstattung entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen einer modernen Kinderklinik. Zur Umsetzung benötigt das St. Franziskus-Hospital Münster knapp 13 Millionen Euro. Etwa 9,5 Millionen Euro werden aus öffentlichen und Eigenmitteln abgedeckt und rund 3,3 Millionen Euro müssen über Spenden finanziert werden.

Weitere Informationen zur Kampagne: www.mehr-raum-fuer-naehe.de
Unser Spendenkonto: IBAN: DE02 4006 0265 0007 3736 10

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Bild: Freuen sich über den Benefizkalender (v.l.): Britta Franz, Heilpädagogin im St. Franziskus-Hospital Münster, PD Dr. Michael Böswald, Chefarzt der Klinik für Allgemein Kinder- und Jugendmedizin, Lisa-Marie Hanke, Kinderkrankenschwester und Laura Machena Aso, Assistenzärztin.

Quelle: © St. Franziskus-Hospital Münster

Mit Radiowellen gegen Krampfadern

Alternative zum Venen-Stripping / 20 Prozent aller Europäer leiden unter Krampfadern / Viele gesetzliche Krankenkassen übernehmen Kosten

Münster (ukm/aw) – Verena Janzen ist gerade einmal vierzig geworden – eigentlich noch kein Alter für Krampfadern, sollte man denken. Weil sie aber familiär bedingt ein schwaches Bindegewebe hat, kämpfte sie schon früh mit Symptomen wie schweren Beinen und unschönen blauverfärbten Venen an der Wade. „Eine Venenschwäche ist keine Frage des Alters“, weiß Prof. Dr. Tobias Görge, Leiter des Venen-Kompetenz-Zentrums an der Hautklinik des UKM (Universitätsklinikum Münster). „Wir haben Patientinnen, die noch die Schule besuchen und die schon die typischen Symptome aufweisen. Kritisch wird es dann, wenn das Blut aus den Venen ‚versackt‘, wenn wir also venösen Rückfluss diagnostizieren. Dann ist eine Behandlung eigentlich unumgänglich.“

Auch bei Verena Janzen ergab die phlebologische Untersuchung, dass das in den Venen versackte, sauerstoffarme „verbrauchte“ Blut nicht mehr am normalen Blutkreislauf teilnimmt. Unbehandelt kann venöser Rückfluss zu Komplikationen wie dem „offenen Bein“ und schlimmstenfalls sogar zu Thrombosen oder Embolien führen. Die häufig als Volksleiden abgetanen Krampfadern sind dann lebensbedrohlich. „Ich hatte Bedenken, ob ich mich einer konventionelle Operation wie dem Venen-Stripping (Krossektomie) unterziehen sollte“, erzählt Verena Janzen. „Mein Vater hat mir erzählt, wie blutig das damals bei ihm war. Da habe ich mich auf die Suche nach alternativen Methoden gemacht.“

Im Venen-Kompetenz-Zentrum wird inzwischen seit mehr als fünf Jahren das Ausschalten der Krampfadern durch Verödung mittels Radiowellen angeboten. Dabei wird – unter örtlicher Betäubung – ein flexibler Hitze-Katheter in die Vene eingeführt und bis zur Leiste vorgeschoben. Dort werden dann die betroffenen Venenzweige „verkocht“. Die übrigbleibenden Venenreste werden mit der Zeit vom Körper selbst abgebaut. Die Radiofrequenztherapie erfolgt in der Regel ambulant – der Patient kann danach sofort wieder nach Hause. Bestimmte gesetzliche Krankenkassen übernehmen seit einiger Zeit die Kosten der Behandlung mit Radiowellen alternativ zur herkömmlichen Krossektomie. Bei 95 Prozent aller Fälle, bei denen eine Operation indiziert ist, ist die Radiofrequenztherapie möglich. „Die Methode ist absolut unblutig“, freut sich Görge. „Es gibt keine Wunden oder Vernarbungen. Für den Patienten ist das ganze Verfahren angenehmer.“ Er ist sich sicher, dass dem endovenösen Verfahren in der Venentherapie die Zukunft gehört.

Verena Janzen hat nun keine sichtbaren Krampfadern mehr an der Wade – ein angenehmer, wenn auch nur kosmetischer Nebeneffekt, über den sie sich trotzdem freut: „Natürlich war der Eingriff kein Picknick. Die Spritzen für die Betäubung waren schon unangenehm. Aber wenn ich mich nochmal zwischen einer Wurzelbehandlung beim Zahnarzt oder der Venenverödung mit Radiowellen entscheiden sollte, würde ich letzteres nehmen.“

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Bild: Prof. Dr. Tobias Görge kontrolliert den Erfolg der Radiowellen-Therapie bei Verena Janzen.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Ausbau der telemedizinischen Vernetzung (TELnet@NRW): Das Münsterland profitiert

20 Millionen Euro aus bundesweiten Innovationsfonds / Datenaustausch mittels telemedizinischer Visiten / UKM und Universitätsklinikum Aachen beraten beteiligte Kliniken

Münster (ukm/aw) – Das Bundesgesundheitsministerium wird im Rahmen des bundesweiten Innovationsfonds der Krankenkassen ab 2017 den Aufbau von telemedizinischen Netzwerken in den Modell-Regionen Aachen und Münsterland („TELnet@NRW“) fördern. Dazu werden aus dem Fonds 20 Millionen Euro bereitgestellt, gab Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens heute in Düsseldorf bekannt. „Telemedizin kann Leben retten. Wenn Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Krankenhäusern und Praxen sich gemeinsam über einen kurzen Draht mit dem Ziel einer bestmöglichen Behandlung abstimmen, steigt die Qualität der Versorgung insgesamt. Dafür steht TELnet@NRW“, erklärte Steffens.
Ziel des Projekts ist es, sichere Video-Kommunikationsverbindungen mit einem schnellen und geschützten Datenaustausch zwischen den beteiligten Einrichtungen zu etablieren. Ärztinnen und Ärzte verschiedener Krankenhäuser und Arztpraxen beraten dann per Videokonferenz gemeinsam, welche Therapie die jeweils beste ist.

Im Münsterland sind neben dem UKM (Universitätsklinikum Münster) und der kürzlich übernommenen UKM Marienhospital Steinfurt GmbH sieben weitere Krankenhäuser aus den Kreisen Arnsberg, Coesfeld, Gronau, Steinfurt, Warendorf sowie der Stadt Münster beteiligt. Das Universitätsklinikum Aachen als Projektleiter und das UKM als regionaler Leiter werden den beteiligten Kliniken rund um die Uhr mit Expertenrat zur Verfügung stehen. Außerdem sind zwei Hausärzte-Netzwerke in die telemedizinischen Visiten miteingebunden. Weiterhin sind die Universität Bielefeld, das Zentrum für Telematik und Telemedizin, die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen sowie die Techniker Krankenkassen an dem Projekt beteiligt.

„Besonders profitieren sollen Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden, sowie Patienten mit schweren Infektionen. Ziel ist, dass jeder Patient – unabhängig vom Ort der Behandlung – vom Expertenwissen der Spezialisten profitieren kann“, so Prof. Björn Ellger, Leiter der operativen Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie am UKM. Und Dr. Christian Juhra, Leiter der Stabstelle Telemedizin, ergänzt: „Im optimalen Fall kann die Behandlung im heimatnahen Krankenhaus mit Unterstützung der Spezialisten aus dem Universitätsklinikum fortgesetzt werden. Gleichzeitig kann durch die telemedizinische Visite die Notwendigkeit der Verlegung schneller als bisher erkannt werden. Durch die gemeinsame Behandlung bekommt der Patient so die bestmögliche Expertise.“

Das Modellprojekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt – nach der Auswertung wird entschieden, ob die telemedizinischen Visiten Teil der Regelversorgung werden können.

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Bild: Prof. Dr. Björn Ellger, Leiter der operativen Intensivmedizin, Prof. Dr. Alexander Zarbock, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, und Dr. Christian Juhra, Leiter der Stabstelle Telemedizin freuen sich, Teil des Projekts „TELnet@NRW“ zu sein.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Aktionswoche Orthofit „Zeigt her Eure Füße“

Kinderorthopäden des St. Franziskus-Hospitals gestalten interaktive Unterrichtsstunde an der Mauritzschule

Münster – Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Zeigt her Eure Füße“ besuchten Dr. Eckhard Maicher, Oberarzt für Kinder- und Neuro-Orthopädie am Franziskus Hospital und Dr. Sandra Zelle, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, jetzt die dritte Klasse der Mauritzschule. Im Vordergrund der besonderen Schulstunde standen interaktive Wahrnehmungsübungen zum Thema Fußgesundheit. Dr. Maicher erarbeitete mit den Kindern spielerisch, was sie tun können, damit ihre Füße gesund bleiben.

„Unsere Füße tragen jeden Tag eine große Last. Sie sorgen dafür, dass wir laufen, Sport treiben und spielen können. Daher ist es besonders wichtig, die Füße bereits in jungen Jahren regelmäßig zu trainieren“, erzählte der Kinderorthopäde seinen kleinen Zuhörern. Nach einer ersten Fragerunde, in der Dr. Maicher den Kindern viel Spannendes über die Knochen, Muskulatur sowie Funktion des Fußes beigebracht hat, standen spielerische Übungen und Bewegung auf dem Programm: Ob Murmeln mit den Zehen vom Boden aufnehmen, einen kleinen Ball mit den Füßen an den Nachbarn weitergeben oder mit den Füßen malen – die Schülerinnen und Schüler der Grundschule bewiesen großes Geschick im Umgang mit ihren Füßen. Zudem wurden Abdrücke genommen und Fußumrisse gezeichnet. Zum Abschluss durften alle Schüler auf einem Bein durch die Klasse hüpfen: „Um dabei federleicht und leise zu sein, wird die Muskulatur beansprucht, der ganze Fuß dadurch trainiert“, erklärt Dr. Maicher.

Zum Hintergrund: Die Aktion Orthofit „Zeigt her Eure Füße“ wird vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. bereits zum siebten Mal organisiert. Unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe veranstalten Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Woche vom 21. – 25. November 2016 interaktive Sportstunden mit Kindern, um ihnen spielerisch den Spaß an aktiven Füßen und der Bewegung zu vermitteln.

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Bild: Dr. med. Eckhard Maicher, Oberarzt für Kinder-und Neuro-Orthopädie am Franziskus Hospital, zeigte den Drittklässlern viele Übungen für die Fußgesundheit, darunter den Einbeinstand, der die Balance trainiert.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Dr. Julian Varghese erhält Rolf-Hansen-Memorial-Award

Optimierte Nutzung von Patientendaten für die Leukämie-Forschung

Münster (mfm/ps) – Der Umgang mit „Big Data“ spielt nicht nur bei den Betreibern von Social-Media-Kanälen eine Rolle, sondern beschäftigt in Form der elektronischen Patientenakte seit längerem auch die Medizin. Um eine europaweite Nutzung dieser Daten zu ermöglichen, gründete sich 1976 der Europäische Verband für Medizinische Informatik, der jährlich den Rolf-Hansen-Memorial-Award für herausragende Forschungsarbeiten vergibt. Dieses Jahr ging der nach einem norwegischen Medizininformatiker benannte Preis an einen Forscher der Universität Münster: Dr. Julian Varghese.

Der Mitarbeiter des Instituts für Medizinische Informatik (IMI) wurde für seine Arbeit zur Datenerhebung bei Leukämie auf der Konferenz „Medical Informatics Europe MIE“ in München ausgezeichnet. Zusammen mit einigen Institutskollegen und Hämatologen aus dem „European Leukemia Network“ analysierte er mehrere Blutkrebs-Studien und -Register. Dabei achteten die Forscher darauf, welche Informationen abgefragt wurden und formulierten daraus einen umfassenden Katalog notwendiger Angaben. Dieser sogenannte Kerndatensatz ist auf der institutseigenen Website frei verfügbar und kann von Forschern und Klinikern als „Raster“ für die eigene elektronische Patientendokumentation genutzt werden. Die auf diese Weise einheitlich erhobenen Informationen können leichter zwischen verschiedenen Standorten ausgetauscht werden.

Doch nicht nur durch seine Forschungsergebnisse will Dr. Julian Varghese den Kampf gegen Krebs unterstützen: Da auch sein Preisgeld erkrankten Menschen zugutekommen sollte, entschied er sich, die mit der Auszeichnung verbundene Summe von 1.000 Euro der Kinderkrebshilfe Münster zu spenden. Der Wissenschaftler trägt somit dazu bei, dass die Kinder auf den Krebsstationen des Universitätsklinikums Münster an Kunst-, Musik- und Sporttherapien teilnehmen können sowie Spiel- und Bastelmaterial bekommen.

Publikation von Varghese et al. über den Kerndatensatz zur Myeloiden Leukämie [Link]

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Bild: Dr. Julian Varghese (Mitte) freut sich zusammen mit (v.l.) Prof. Martin Dugas (IMI-Direktor), Nicole Sagorski (IMI), Prof. Claudia Rössig (Klinikdirektorin Pädiatrische Hämatologie und Onkologie), Anette Blomberg (Kinderkrebshilfe Münster) und Sarah Sandmann (IMI) über die gespendete Summe (Foto: privat)

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

Gute Resonanz beim Stomatag

Münster – Das Foyer der Raphaelsklinik war am Samstag gut besucht. Mehr als 70 Interessierte und Betroffene informierten sich beim Stomatag über verschiedene Themen rund um den künstlichen Darmausgang.

Vor 25 Jahren riefen ein Chirurg und eine Krankenschwester in der Raphaelsklinik die Stomapflege ins Leben. Inzwischen ist sie ein wichtiger Bestandteil der Stomatherapie im eigenen Darmkrebszentrum. Bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Stoma, berichteten Experten des Darmkrebszentrums der Raphaelsklinik unter anderem über die Entwicklung der Pflege in der Stomatherapie, über Darm- und Stomachirurgie sowie über Hilfsmittel und Kostenübernahme. Der künstliche Darmausgang ist immer noch ein Tabuthema. Dabei erkranken in Deutschland jedes Jahr über 70.000 Menschen an Darmkrebs, mehr als 100.000 Menschen leben mit einem Stoma (Quelle: Deutsche ILCO). „Bei meiner Arbeit in der stomatherapeutischen Pflege schaue ich, wie die Bedürfnisse der Patienten sind, damit ich die Versorgung individuell für den Betroffenen anpassen kann. Ziel ist es, möglichst nah an die gewohnte Lebensqualität heranzukommen“, erklärte Olaf Hagedorn, Krankenpfleger mit Weiterbildung Pflegeexperte Stoma, Inkontinenz und Wunde. Dafür gibt es über 200 Stoma-Systeme. Genug, um für jeden Patienten das individuell passende System zu finden. Einige der bewährten Systeme und neuen Produkte konnten sich interessierte Patienten beim Stomatag von den verschiedenen Anbietern zeigen lassen.

Die Raphaelsklinik hat den stomatherapeutischen Bereich der Pflege bereits vor 25 Jahren in die Behandlungsabläufe integriert. Um Patienten mit Darmkrebs menschlich und fachlich bestmöglich zu behandeln, haben Experten aus allen beteiligten Fachbereichen im Jahr 2009 das Darmkrebszentrum der Raphaelsklinik Münster gegründet, das seitdem jährlich von der Deutschen Krebsgesellschaft überprüft wird.

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Bild: Angelika Gerhardy, pflegerische Zentrumsleitung in der Raphaelsklinik Münster, erklärte den Betroffenen was auf sie zukommt, wenn sie ins Krankenhaus müssen.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Reinigungszwang: Wenn das Leben ohne Handschuh nicht mehr funktioniert

artikel-cdk_21112016Münster – Kalt ist es geworden. Christian D. ist erleichtert. Keiner starrt mehr auf seine Hände, die Handschuhe fallen nicht mehr auf. Im Sommer ist das anders. Rund 50 Paar Einmalhandschuhe verbraucht er am Tag. Sonst könnte er seine Wohnung nicht verlassen, kein Geländer anfassen, keine Tür, keinen Automaten. Alles, was von Menschen berührt wird, ist für ihn potentiell gefährlich.

Seit acht Jahren leidet Christian D. an einem Wasch- und Reinigungszwang. In der Kälte leuchten seine Hände krebsrot. Die Haut ist dünn wie Papier, rissig und wund gewaschen. Und noch anfälliger für Keime, vor denen er sich panisch fürchtet. Die Handschuhe beruhigen ihn, aber nur kurzfristig. Die Angst, sich mit HIV oder anderen schweren Krankheiten zu infizieren, holt ihn immer wieder ein. Egal wie oft und lange er seine Hände wäscht, egal wie viel Desinfektionsmittel er benutzt, egal wie gründlich er putzt. Irgendwann müssen es zwei Lagen Handschuhe sein.

Zwänge spielen sich oft im Verborgenen ab. In Deutschland geht man von mindestens 2,3 Millionen betroffenen Menschen aus. Am häufigsten sind Wasch- und Reinigungszwänge, verbunden mit der panischen Angst, sich oder auch andere durch Schmutz, Körperflüssigkeiten, Bakterien oder Viren zu gefährden. Deshalb wird ein direkter Kontakt möglichst vermieden. Doch schon der Gedanke daran kann Panik auslösen und stundenlange Wasch- und Reinigungsrituale nach sich ziehen.

Die meisten wissen, dass ihr Verhalten mindestens übertrieben ist, und schämen sich dafür. Häufig werden Partner, Eltern oder andere Familienangehörige in die Zwänge einbezogen. Auf Drängen der Betroffenen übernehmen sie Rituale, berühren zum Beispiel bestimmte Dinge nicht oder ziehen sich nach dem Betreten der Wohnung um, um diese nicht zu „verseuchen“, wodurch sich der Zwang weiter verfestigt.

„Oft werden Zwänge mit Ängsten oder Depressionen verwechselt. Bis eine Zwangserkrankung angemessen behandelt wird, vergehen durchschnittlich mehr als sieben Jahre, in denen sich die Menschen durch ihr Leben quälen, wertvolle soziale Kontakte verlieren und nicht selten auch ihren Job. Dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten ausgesprochen gut“, sagt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Als Faustregel gilt: Wer täglich mehr als eine Stunde mit Zwangsgedanken oder -handlungen verbringt und darunter leidet, sollte sich professionelle Hilfe suchen. Denn Zwänge verschwinden in der Regel nicht von alleine. Bei Christian D. hat das Leben schließlich nicht mehr funktioniert. Auch mit Handschuhen nicht. Nun lernt er Schritt für Schritt, sich seinen Ängsten zu stellen und weder in die Vermeidung noch in seine Rituale zu flüchten. Er beginnt zu verstehen, dass er Risiken und Gefahren unrealistisch hoch einschätzt und viel zu viel Verantwortung übernehmen möchte. Dass er mit dem Zwang Menschen auf Distanz hält und sich so vor dem Gefühl der Abhängigkeit schützt. Denn auch solche Funktionen kann eine Zwangserkrankung haben.

Um niederschwellig über Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, bietet die Christoph-Dornier-Klinik jeden Mittwoch eine kostenlose Telefonberatung an. Zu erreichen sind die Psychologen der Klinik zwischen 17 und 20 Uhr unter +49 (0)251 4810-148. Weitere Informationen erhalten Betroffene und Angehörige auch unter www.christoph-dornier-klinik.de.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster