Archiv für den Monat: Juli 2016

10 Jahre „Bunter Kreis“ am St. Franziskus-Hospital

Viele Erfolge bei der Kooperation für Kinder und Familien

Münster – Seit einer Dekade profitieren Eltern und ihre Kinder von der Zusammenarbeit des „Bunten Kreises Münsterland“ und dem St. Franziskus-Hospital Münster.

Der Vertrag mit dem Hospital zur Nachsorge für Familien mit chronisch und schwer kranken Kindern wurde im Juni 2006 geschlossen. Heute gibt es am St. Franziskus-Hospital ein eigenständiges Team vor Ort mit vier Nachsorgeschwestern, einer Nachsorgeleitung und einer Psychologin. Dieses Team kann rund 30 Familien im Jahr begleiten.

Die Geschäftsführerin des Bunten Kreises, Elisabeth Böke, das Direktorium des St. Franziskus-Hospitals und der zuständige Chefarzt der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin, Dr. Florian Urlichs freuen sich über viele Erfolgsgeschichten. „Wir wollen den Eltern stets das Gefühl vermitteln, auch zu Hause nicht allein gelassen zu werden. Sie sollen sich darauf verlassen können, dass immer eine kompetente und aus dem Klinikaufenthalt vertraute Ansprechpartnerin vom Bunten Kreis zur Seite steht“, unterstreicht Dr. Urlichs. Dabei werden die Angebote des Bunten Kreises nach wie vor zum überwiegenden Teil aus Spenden finanziert: Rund 60 Prozent der Aufwendungen muss der Verein selbst einwerben.

Die Kooperation mit der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin am St. Franziskus-Hospital ist die wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen der Begleitung von betroffenen Familien. „Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“, betont Elisabeth Böke. „In den letzten zehn Jahren haben wir an allen Standorten des Bunten Kreises rund 200 Familien auf ihrem Weg begleitet. Diese sind sehr dankbar für die Begleitung in stürmischen Zeiten, zum Beispiel dann, wenn ein krankes Frühgeborenes endlich nach Hause gehen kann und die Eltern die Versorgung allein übernehmen“, erläutert Elisabeth Böke, Geschäftsführerin des Bunten Kreises Münsterland.

Häufige Krankheitsbilder sind Fehlbildungen oder Stoffwechselerkrankungen. Durch ihre Besuche und Ratschläge beim Übergang nach Hause erleichtern die Mitarbeiter des „Bunten Kreises“ den Familien diesen Schritt und geben den Eltern Sicherheit. Auch wenn direkt nach der Geburt oder in sehr jungem Alter große Operationen anstehen, sind die Mitarbeiter des Bunten Kreises schon im Krankenhaus dabei und stehen auch nach dem Klinikaufenthalt mit Rat und Tat zur Seite.

Was hat sich in den letzten Jahren geändert? Im Wandel sind zum einen die Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, aber auch die Gesellschaft: Heute werden Frühgeborene häufig schon in der 37. Woche nach Hause entlassen. Auch die wachsende Zahl von Flüchtlingen erfordert den Aufbau neuer Netzwerke zur angemessenen Betreuung. Die Mitarbeiter des Nachsorgevereins stellen häufig fest, dass die Unterstützung in den Familien, zum Beispiel durch Großeltern, nicht mehr wie vor Jahren gewährleistet ist: Diese stehen häufig noch selbst im Beruf. Aber auch die Mütter stellen andere Ansprüche: Sie wollen häufiger auch mit einem beeinträchtigten Kind in den Beruf zurückkehren, nicht zuletzt auch zur Sicherung des Familieneinkommens. Gleichzeitig sind Väter immer mehr in die Kinderbetreuung eingebunden, dabei spielt die Inanspruchnahme von Elternzeiten eine wichtige Rolle. Die zunehmende Betreuung von Geschwisterkindern in Kindertagestätten sorgt bei betroffenen Familien für mehr Sicherheit im Tagesablauf.

Der Bunte Kreis Münsterland wird auch weiterhin mit Aktionen wie dem vorweihnachtlichen Clementinenverkauf, dem Verkauf von Ostereiern und Geschenken oder mit Aktionen rund um den „Weltfrühchentag“ im Hospital aktiv sein und Spenden sammeln.

Zehn Jahre Bunter Kreis Münsterland (BKM): Meilensteine

2000: Der Verein Bunter Kreis Münsterland e.V. wird gegründet. Entsteht aus der Initiative der Christophorus Klinken Coesfeld, ausgestattet mit einem Schreibtisch, einem Telefon sowie Menschen mit einer Vision und viel Herzblut.
2001: Die erste Familie wird begleitet.
2002: Asthmaschulungen werden an den BKM angebunden.
2002: Gesprächskreis „Trauernder Eltern“ wird ins Leben gerufen.
2002: Grabstätte für in der Schwangerschaft sehr früh verstorbene Kinder wird eingeweiht.
2005: Erweiterung des Schulungsprogrammes: Neurodermitis-Schulungen
2006: Standorte in Rheine am Mathias-Spital und in Münster am St. Franziskus Hospital werden aufgebaut.
2008: „Elterngruppe Frühgeborener“ wird als Angebot fest verankert.
2009: Der „Gute Start – Frühe Hilfen für Familien“ nimmt seine Arbeit an den Christophorus Kliniken auf.
2012: Die bestehende Elterngruppe „Herzpflaster“ schließt sich dem BKM an.
2013: Kinder- und Jugendklinik des UKM kooperiert mit dem BKM. Die Nachsorge wird am UKM aufgebaut.
2014: Das dreijährige Projekt „Guter Start – Frühe Hilfen für Familien“ in Rheine am Mathias-Spital Rheine geht an den Start.
2014: Psychosoziale Beratung für Eltern von chronisch und schwer kranken Kindern wird als dreijähriges Projekt aufgebaut
2015: Start des zweijährigen Familienhebammenprojektes für die Stadt Coesfeld

10-Jahre-bunter-kreis

Bild: Trafen zum „Zehnjähringen“ alle zusammen (v.l.): Maria Engelmeier, Klara Schulze Hannöver, Hildegard Dreckmann (Bunter Kreis Münsterland), Cordula Lennerz (St. Franziskus-Hospital/Bunter Kreis Münsterland), Burkhard Nolte, Cornelia Rumselke, Leonhard Decker (St. Franziskus-Hospital), Simone Uhle, Petra Becks (Bunter Kreis Münsterland), Dr. Ansgar Klemann (St. Franziskus-Hospital), Christa Schulze Kremer (St. Franziskus-Hospital/Bunter Kreis Münsterland), Elke Rosendahl, Elisabeth Böke (Bunter Kreis Münsterland) und Dr. Florian Urlichs (St. Franziskus-Hospital).

Quelle: © St. Franziskus Hospital Münster

„Monsterjagd mit Suchtpotenzial“ – Macht Pokémon Go süchtig?

Artikel-CDK_18072016Münster – Fragen an die Diplom-Psychologin Judith Müller. Sie ist stellvertretende Leitende Psychologische Psychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik in Münster. Zu ihren Patienten zählen auch Menschen, die sich in der virtuellen Welt verloren haben.

„Irre Monsterjagd mit Suchtpotenzial“ betitelt die Nachrichtenagentur dpa den Hype um Pokémon Go. Mehr als zehn Millionen Menschen haben sich das sogenannte Augmented-Reality-Spiel in Deutschland bereits heruntergeladen. Unermüdlich jagen sie nun kleine digitale Monster, sammeln Punkte, kämpfen.

Macht Pokémon Go süchtig?

Judith Müller (JM): Das Spiel hat ebenso viel Suchtpotenzial wie andere Computer- oder Onlinespiele auch. Besonders ist sicherlich die Vermischung von Realität und Fiktion, mit der die Grenzen noch weiter verschwimmen. Nur weil man sich in der realen Welt bewegt, was grundsätzlich ein positiver Effekt ist, nimmt man ja nicht automatisch am realen Leben teil. Wer komplett im Spiel versinkt, nimmt seine Umgebung kaum mehr wahr – das gilt „indoor“ ebenso wie „outdoor“. Wobei hier das Risiko größer ist, körperlich Schaden zu nehmen, weil man zum Beispiel bei der „Jagd“ vor ein Auto läuft. Psychisch und sozial wird es für diejenigen problematisch, die so tief im Spiel versinken, dass sie es nicht oder kaum noch schaffen, aufzutauchen und sich den realen Lebensaufgaben zu widmen. Das gilt übrigens für alle Formen der exzessiven Mediennutzung, also auch für soziale Netzwerke oder Youtube.

Wer ist gefährdet, in eine Abhängigkeit zu rutschen?

JM: Unserer Erfahrung nach sind besonders Menschen gefährdet, eine Medienabhängigkeit zu entwickeln, die hohe Erwartungen an sich selbst stellen, aber wenig Vertrauen haben, diese Erwartungen auch erfüllen zu können. Hierzu zählt zum Bei-spiel der Student, der in die virtuelle Welt abtaucht, statt sich auf Prüfungen vorzubereiten, weil er dort klare Aufträge, klare Regeln und (schnelle) Erfolgserlebnisse findet – strukturierte Ablenkung, unbegrenzt verfügbar. Auch Pokémon Go bedient diese grundmenschlichen Motive. Es gibt einen weitgehend fremdbestimmten Rahmen, der relativ wenig autonomes Handeln erfordert. Das kann zeitweilig sehr entspannend sein. Die meisten Menschen mit einer Medienabhängigkeit sind sozial eher ängstlich, manchmal auch sozial isoliert, haben ein geringes Selbstwertgefühl oder sind familiär entfremdet. Auch Suchterkrankungen von Angehörigen können ein Risikofaktor sein, ebenso eine fehlende Perspektive. Wer sich in die virtuelle Welt flüchtet, weil er im realen Leben nicht zurechtkommt, läuft Gefahr, sich dort zu verlieren – selbst wenn er sich dabei auf realen Wegen bewegt.

Woran macht sich eine Medienabhängigkeit bemerkbar?

JM: Zu den Symptomen der Medienabhängigkeit zählen

  • ein starkes Bedürfnis oder ein innerer Zwang zu spielen, in sozialen Netzwerken
    oder zum Beispiel auf Youtube unterwegs zu sein,
  • Kontrollverlust,
  • Entzugserscheinungen wie innere Unruhe, Schlafstörungen, Gereiztheit und
    Aggressivität, wenn zum Beispiel das Internet nicht funktioniert.
  • Stetige Zunahme der Medien- oder Internetaktivität, weil das Spielen/Chatten
    immer weniger entspannt oder befriedigt. Sogenannte Toleranzentwicklung.
  • „Offline“-Hobbys, Lebensaufgaben und soziale Kontakte werden vernachlässigt,
  • negativen Folgen, wie Misserfolg in der Schule oder im Studium, Gefährdung
    oder sogar Verlust des Arbeitsplatzes, verdrängt.
  • Viele Menschen mit einer Medienabhängigkeit leiden zusätzlich an einer
    Depression, einer Persönlichkeitsstörung, einer Angst- oder Suchterkrankung.

Was empfehlen Sie den betroffenen Menschen?

JM: Holen Sie sich rechtzeitig Hilfe, auch als Angehörige! Es gibt inzwischen gute Beratungs- und ambulante Hilfsangebote, auch wenn die Versorgungslage insgesamt noch nicht optimal ist. Wenn das Problem schon länger besteht, sich schwerwiegende Folgen wie der Verlust der Partnerschaft oder des Arbeitsplatzes abzeichnen, der soziale Rückhalt fehlt und weitere psychische Probleme auftreten, sollten sie auch eine stationäre Behandlung in Erwägung ziehen.

Beratungstelefon: Mittwochs zwischen 17 und 20 Uhr bietet die Christoph-Dornier-Klinik eine kostenlose telefonische Beratung an. Zu erreichen sind die Experten unter +49 (0)251 4810-148.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Promotion zur Rolle von RTK bei Ewing-Sarkomen:
Möller-Preis geht an Krebsforscherin Dr. Amelie Tillmanns

Artikel-MFM_12072016Münster (mfm/tw) – Amélie Tillmanns hat den Onkologie-Promotionspreis der Maria-Möller-Stiftung erhalten. Die Stiftung zeichnet die Promovendin der Universität Münster für ihre wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Ewing-Sarkom, einer vor allem bei Kindern und Jugendlichen verbreiteten Knochenkrebsform, aus.

In ihrer Doktorarbeit befasste sich Tillmanns mit der Rolle von Rezeptor-Tyrosinkinasen (RTK) – das sind Proteine an der Zellmembran, die Signale aus dem Körper ins Zellinnere leiten, unter anderem für Zellwachstum und Zellwanderung. Aus bisherigen Studien ist bereits bekannt, dass manche Tumoren über besonders viele RTK verfügen und dadurch zu schnellerem Wachstum oder stärkerer Tumorausbreitung (Metastasierung) angeregt werden. Durch Blockade der RTK könnte das Wachstum der Tumoren gebremst werden. Bei Lungen- und Brustkrebs wird dieser Behandlungsweg bereits angewandt.

Ein Ziel von Tillmanns Doktorarbeit war es, besser zu verstehen, welche RTK bei Ewing-Sarkomen besonders häufig auftreten und möglicherweise zur Aggressivität der Tumore beitragen. Insgesamt sind 58 unterschiedliche RTK bekannt, 45 davon konnte Tillmanns in 21 untersuchten Ewing-Sarkomen nachweisen.

Außerdem identifizierte Tillmanns RTK, die als Ziele einer Tumorbehandlung besonders attraktiv erscheinen. Dazu gehört ROR1: Aus bisherigen Studien ist bereits bekannt, dass ROR1 eventuell eine Rolle bei der Metastasenbildung spielt. Tillmanns konnte nachweisen, dass eine Blockade von ROR1 die Zellwanderung beeinträchtigt. Möglicherweise könnte auf dieser Grundlage eine neue Therapie entwickelt werden.

Tillmanns wuchs in Neuss bei Düsseldorf auf. Nach dem Abitur studierte sie von 2007 bis 2014 Humanmedizin in Münster. Ihre Approbation als Ärztin erhielt Tillmanns im Frühjahr 2015, die Promotion schloss sie in diesem Januar ab. Derzeit arbeitet Tillmanns als Assistenzärztin in der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie – das ist eine Disziplin, die sich mit Sprach-, Stimm- und Hörstörungen befasst – an der Uniklinik Münster. Die Krebsforschung lässt sie aber nicht los: In einem Projekt befasst sich die Ärztin mit den Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten auf das Gehör junger Patienten.

Der Rechtsanwalt Dr. Gerd Möller gründete die Maria-Möller-Stiftung im Andenken an seine Frau Maria Möller, die 2006 nach mehrjähriger Krankheit an Brustkrebs verstorben war.

Der mit 1.000 Euro dotierte Maria-Möller-Promotionspreis wird seit 2008 zweimal jährlich an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster vergeben – für herausragende Doktorarbeiten, die an der Fakultät entstanden sind und sich mit Früherkennung, Heilung oder Linderung von Krebserkrankungen befassen. Tillmanns wird das Preisgeld an eine abgelegene Dorfklinik in Guatemala, in der sie 2015 einige Wochen lang arbeitete, für die Anschaffung neuer Geräte oder Medikamente spenden.

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

UKM und Klinikum Osnabrück gründen gemeinsames Epilepsiezentrum EMOS

Synergetische Effekte sollen zu besserer Patientenversorgung in der Region führen / Zertifizierung durch Fachgesellschaft liegt vor

Münster (ukm/aw) – Rund 24.000 erwachsene Epilepsie-Patienten aus dem Münsterland und dem südlichen Niedersachsen können künftig besser und umfassender versorgt werden. Das UKM (Universitätsklinikum Münster) und das Klinikum Osnabrück kooperieren im Bereich der Epileptologie und haben das gemeinsame „Epilepsiezentrum Münster-Osnabrück (EMOS)“ gegründet.
Beide Krankenhäuser erweitern somit ihren jeweiligen Einzugsbereich. Die Zertifizierung für das gemeinsame Zentrum durch die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie e.V. (DGfE) liegt bereits vor.

„Es ist wichtig, dass wir nicht mehr jeder unser eigenes Süppchen kochen, sondern das vorhandene Know-how, die apparativen Möglichkeiten und Kapazitäten beider Häuser allen Patienten zugänglich machen“, so Dr. Gabriel Möddel, Oberarzt im Bereich Epileptologie der Klinik für Schlafmedizin und neuromuskuläre Erkrankungen.

Priv-Doz. Dr. Christoph Kellinghaus, Leiter der Spezialambulanz Epilepsie der Neurologischen Klinik des Klinikums Osnabrück, ergänzt: „Die Patienten bekommen nun ,Epileptologie aus einer Hand‘. Also von der Diagnostik über die ambulante oder stationäre Behandlung bis hin zu modernsten invasiven Behandlungsverfahren. Durch den Wegfall der Schnittstellen müssen Patienten auch bei komplexeren Diagnosen nicht mehr den Ansprechpartner wechseln oder gar in die weit entfernten überregionalen Zentren ausweichen.“

Gerade bei einem Therapiebedarf, der über die Versorgungsmöglichkeiten der bisherigen Ambulanzen hinausging, mussten Patienten bislang an eines der überregionalen Epilepsiezentren überwiesen werden. Weil diese jedoch stark frequentiert sind, mussten Patienten dort manchmal monatelang auf einen Termin warten.

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Bild: Die Teams von Priv.-Doz. Dr. Christoph Kellinghaus (obere Reihe, 2. v.l.) vom Klinikum Osnabrück und Dr. Gabriel Möddel (obere Reihe, Mitte) vom UKM arbeiten im Bereich Epilepsie künftig eng zusammen.

Weitere Vorteile

Durch das neu gegründete gemeinsame Epilepsiezentrum EMOS werden aber nicht nur die Wege und Wartezeiten kürzer. Synergieeffekte entstehen auch durch die optimale Nutzung der jeweiligen Spezialisierungen.
Während das Klinikum Osnabrück beispielsweise künftig vorwiegend die Behandlung von Mehrfachbehinderten mit Epilepsie übernimmt, sollen die invasiven und operativen Eingriffe vor allem am UKM durchgeführt werden.

Der Wissenstransfer zwischen den bisherigen Ambulanzen wirkt sich auch auf die ärztliche Weiterbildung aus. (Angehende) Fachärzte bekommen im Austausch die Expertise der jeweils anderen Klinik intensiv vermittelt.

Durch die Kooperation der beiden Häuser ergeben sich auch für die Fachärzte und Weiterbildungsassistenten neue Fortbildungsmöglichkeiten. Durch Rotation lernen sie das gesamte Tätigkeitsspektrum der jeweils anderen Kooperations-Klinik kennen.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Raphaelsklinik – Kooperation mit dem Wilhelm-Hittorf-Gymnasium

Ärzte unterstützen Schüler

Münster – Unterrichtsthemen wie Organspende, Grenzen der Intensivmedizin oder Sterbebegleitung sind nicht gerade leichte Kost für einen Neuntklässler. Die Unterstützung durch erfahrene Ärzte, die täglich mit diesen Themen in Berührung kommen, kann hier nur hilfreich sein. Zur besseren Vermittlung medizinischer und ethischer Themen im Unterricht durch Ärzte und Pflegende der Raphaelsklinik kam es jetzt zwischen dem Wilhelm-Hittorf-Gymnasium und der Innenstadtklinik zu einer vertraglich festgelegten Kooperation. „Wenn ein Arzt den Schülern diese Dinge erklärt, hat das einen ganz anderen Stellenwert, als wenn ein Lehrer das macht, auch wenn dieser noch so engagiert ist“, erklärt der Leiter des Gymnasiums, Christian Schrand.

Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, Chefarzt und Leiter des Ethikkomitees der Raphaelsklinik, hat bereits erste Erfahrungen im Unterricht gesammelt: „Die Schüler sind sehr gut vorbereitet und stellen beeindruckend tiefgreifende Fragen, aus denen klar wird, dass sie sich sehr intensiv mit den Themen beschäftigt haben“. Dass es in einer neunten Klasse während des Unterrichts selten mucksmäuschenstill zugeht, berichtet Katharina Riethmüller, die an der Schule unter anderem für das Thema Gesundheit zuständig ist. Anders ist dies, wenn der Gast aus der Raphaelsklinik von seiner Arbeit berichtet. Dann sind die Jugendlichen konzentriert bei der Sache und verfolgen die Materie sehr intensiv. „Das Thema Organspende zum Beispiel wurde von einigen Schülern in der Familie weiterdiskutiert“, wie die Lehrerin berichtet. Zusammen mit ihrem Kollegen Klaus Posingies koordiniert sie die Einsätze der außerschulischen Experten.

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Bild: Freuen sich über die Kooperation zwischen Raphaelsklinik und Wilhelm-Hittorf-Gymnasium (v. l.): Christian Schrand, Prof. Dr. Dr. Matthias Hoffmann, Andreas Mönnig und Katharina Riethmüller.

Vorteile der Kooperation

Die Kooperation hat für beide Seiten Vorteile, wie der Verwaltungsdirektor der Raphaelsklinik, Andreas Mönnig, erläutert: „Zum einen dienen wir der Schule als außerschulischer Lernort, zum anderen möchten wir die Schüler in Form von Praktika für die Berufswelt des Krankenhauses begeistern“. Neben der Behandlung der medizinischen und ethischen Themen im Unterricht sind auch Kurse in Wiederbelebung geplant, die zunächst mit den Lehrern durchgeführt werden, damit diese danach die Schüler auf diesem Gebiet schulen können.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Kreuzbanderhaltende Endoprothese
nimmt Knie-OP den Schrecken

Neuartige Prothese ermöglicht den Erhalt der intakten Kreuzbänder

Münster (ukm/aw) – Pasquale Caporale strahlt: dass er innerhalb weniger Monate an beiden Kniegelenken Prothesen bekommen hat, ist kaum zu glauben. In seiner Freizeit spielt er sogar schon wieder Fußball.
Im August 2015 haben die Orthopäden des UKM (Universitätsklinikum Münster) ihm rechts die erste Prothese eingesetzt. Keine herkömmliche allerdings: Eine neuartige Form mit einer Aussparung an der Stelle, wo die Kreuzbänder sitzen, hat möglich gemacht, Caporales vorhandene und noch intakte Kniebänder zu erhalten. Der Eingriff verlief problemlos und der 62-Jährige war nach vergleichsweise kurzer Rehabilitation wieder mobil.

Dr. Ralf Dieckmann, Leiter des EndoProthetikZentrums der Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie am UKM hatte ihm diese neue Art der Knie-Endoprothese eingesetzt: „Früher mussten wir die Kreuzbänder bei einer Operation mitentfernen. Dass sie nun erhalten bleiben können, macht das Kniegelenk viel stabiler und der Patient ist schneller wieder auf den Beinen.“

Durch bessere Sensibilität im Knie früher wieder mobil

Durch die kreuzbanderhaltende Knieprothese bleibt vor allem die Tiefensensibilität des Kniegelenks erhalten. Die Patienten haben, anders als bei einer konventionellen Endoprothese, nicht mehr das Gefühl, dass ihr Kniegelenk ein Fremdkörper ist. Der Bewegungsablauf fühlt sich innerhalb kurzer Zeit weitgehend wie früher an. „So sind natürlich auch die schnellen Fortschritte mit Hinblick auf die Beweglichkeit zu erklären“, freut sich Dieckmann. Allerdings, schränkt er ein, ist die Prothese nicht für jeden Patienten geeignet: „Die Arthrose im Kniegelenk darf noch nicht zu weit fortgeschritten sein, die Bänder natürlich nicht vorgeschädigt.“ Eine gewisse Fitness sei also Voraussetzung.

Zehn Patienten wurden am UKM seit dem vergangenen Jahr mit der neuen Prothese versorgt, Caporale ist bisher der einzige, der beidseitig operiert wurde. In ganz Nordrhein-Westfalen wird die kreuzbanderhaltende Prothese bisher nur am EndoProthetikZentrum des UKM verwendet.

Pasquale Caporale ließ wegen des großen Erfolgs der ersten OP Anfang des Jahres auch das linke Kniegelenk operieren. „Hätte ich gewusst, dass das Ergebnis so gut ist – ich hätte mich viel eher zu einer Operation entschlossen“, sagt der gelernte Maurer heute. „Jahrelang hatte ich unerträgliche Schmerzen. Bei der Arbeit und in meiner Freizeit. Dazu kam noch die Angst, dass ich mit Knieprothesen nicht mehr richtig laufen können würde.“ Nur deshalb habe er die Zähne aufeinander gebissen – und viel zu lange gelitten, sagt er: „Jedem Patienten, der eine Chance auf eine kreuzbanderhaltende Knieprothese hat, kann ich diese nur empfehlen.“

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Bild: Dr. Ralf Dieckmann und der Patient Pasquale Caporale sind mit dem Ergebnis der kreuzbanderhaltenden Operation sehr zufrieden.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Aufbau einer neuen Klinik für neurologische Schlaf- und Beatmungsmedizin in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Münster

Münster – Mit einer neu geschaffenen Klinik für neurologische Schlaf- und Beatmungsmedizin am Clemenshospital in enger Kooperation mit dem Universitätsklinikum Münster (UKM) wird die Versorgung von beatmeten Patienten mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sowie von Patienten mit einer amyotrophen Lateralsklerose (ALS) in der Region Münsterland wesentlich verbessert. Die Funktion des Chefarztes wird Prof. Dr. Peter Young übernehmen, der weiterhin auch die Leitung der Klinik für Schlafmedizin und neuromuskuläre Erkrankungen am UKM innehaben wird.

„Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen einem ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der neuromuskulären Erkrankungen wie Prof. Young und einer erfahrenen Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde, wie sie am Clemenshospital seit vielen Jahren existiert, ist deutschlandweit einmalig und eröffnet der Behandlung von Patienten mit Erkrankungen der Atemwege durch neuromuskuläre Beeinträchtigungen neue Perspektiven“, wie der Regionalgeschäftsführer der Alexianer Misericordia GmbH, Hartmut Hagmann, erläutert. Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, ergänzt: “Durch die Schaffung neuer Kapazitäten vor allem bei den Beatmungsplätzen wird dem wachsenden Bedarf für diese Patientengruppe sichtbar Rechnung getragen. Prof. Young wird nun mit seiner Expertise auch im Clemenshospital Patienten zur Seite stehen können.“

„Der Aufbau der Abteilung für Schlaf- und Beatmungsmedizin erfolgt mehrstufig im Zuge der aktuellen Baumaßnahmen am Clemenshospital“, berichtet der Hauptgeschäftsführer der Alexianer, Andreas Barthold. Spätestens zum Ende dieses Jahres wird zunächst eine Beatmungsintensivstation mit acht Betten in Betrieb gehen, bis Mitte 2019 soll dann mit dem Abschluss der Baumaßnahmen die Kapazität auf 18 Betten ausgebaut werden.

Die Notwendigkeit von mehr Beatmungsplätzen, so Prof. Dr. Peter Young, ist sowohl für Patienten mit COPD als auch mit ALS unfraglich: „Während bekanntermaßen bei Patienten mit einer COPD die Entwöhnung von einer Beatmung im Vordergrund steht, kann Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen die Möglichkeit einer Entwöhnung von der Beatmung viel zu selten angeboten werden. Auch sollen Patienten mit einer neuromuskulären Erkrankung wie der ALS frühzeitig an eine Beatmung gewöhnt werden, was die Überlebenszeit und Lebensqualität deutlich verlängert. “

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Bild: (v.l.) Prof. Dr. Norbert Roeder UKM), Hartmut Hagmann (Alexianer), Prof. Dr. Peter Young (UKM), Dr. Klaus-Peter Czudaj (Clemenshospital), Dr. Christoph Hoppenheit (UKM) und Andreas Barthold (Alexianer) freuen sich, dass die Versorgung von Patienten mit einer COPD- oder ALS-Erkrankung durch die Kooperation von UKM und Clemenshospital zukünftig deutlich verbessert wird.

Hintergrund

Der Begriff COPD umfasst alle chronischen Erkrankungen der Lunge, die mit Husten, vermehrtem Auswurf und Atemnot unter Belastung verbunden sind. Umgangssprachlich wird häufig der Begriff Raucherlunge verwendet, was darauf hinweist, dass besonders Raucher und Passivraucher von einer COPD betroffen sind. Es gibt aber auch andere Faktoren, die eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung verursachen können. Deutschlandweit sind etwa drei bis fünf Millionen Menschen von dieser Erkrankung betroffen.

Bei der ALS handelt es sich um eine fortschreitende Degeneration der motorischen Nerven, was zu einer starken Beeinträchtigung der Muskulatur, so auch der Atemmuskulatur, führt. Im vorletzten Jahr rückte die Erkrankung durch die sogenannte Ice-Bucket-Challenge in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, die als Spendenaktion vor allem in den sozialen Medien sehr präsent war. Prominente Betroffene sind der Physiker Stephen Hawking und der verstorbene Maler Jörg Immendorff. Hierzulande sind etwa 6.000 bis 7.000 Menschen von einer ALS betroffen.

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) gehört bundesweit zu den erfolgreichsten universitätsmedizinischen Maximalversorgern. Derzeit verfügt das Universitätsklinikum Münster über rund 1500 Betten und mehr als 30 Kliniken sowie zahlreiche Institute und Zentren. Im Jahr 2015 wurden im UKM etwa 62.000 Patienten stationär versorgt, ambulant gab es mehr als 500.000 Behandlungen. Mit knapp 10.000 Mitarbeitern ist die UKM-Gruppe einer der größte Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in der Region.

Das Clemenshospital ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und vollständig nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert. Es verfügt über 405 Betten in 12 Kliniken. Angegliedert sind eine Kurzzeitpflege, ein ambulanter Pflegedienst und das MedicalCenter (Ärztehaus).

Die Alexianer sind ein Unternehmen der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, in dem bundesweit rund 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt sind. Mit 800-jähriger Tradition betreiben die Alexianer Krankenhäuser, Einrichtungen der Senioren-, Eingliederungs- und Jugendhilfe, Gesundheitsförderungs- und Rehabilitationseinrichtungen, ambulante Versorgungs- und Pflegeeinrichtungen sowie Werkstätten für behinderte Menschen und Integrationsfirmen. Träger der Unternehmensgruppe ist die Stiftung der Alexianerbrüder.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Goldenes Siegel für die Hygiene im Clemenshospital

Das Clemenshospital ist zum dritten Mal in Folge mit dem Goldsiegel ausgezeichnet worden

Münster – Die Hygiene im Clemenshospital ist Gold wert, zumindest aus Sicht der „Aktion Saubere Hände“, an der sich knapp 1.000 Krankenhäuser in ganz Deutschland beteiligen. Bereits zum dritten Mal in Folge wurde die Klinik am Düesbergweg mit dem Goldsiegel ausgezeichnet, „Damit sind wir im Münsterland die einzigen, denen dies gelungen ist. In ganz Deutschland sind es nur drei Kliniken“, wie die Hygienefachkraft Martin Wolke bestätigt. Ein wichtiger Punkt für die Vergabe des Siegels ist der Verbrauch an Händedesinfektionsmitteln, steigt dieser im Verlauf eines Jahres an, wird davon ausgegangen, dass sich die Mitarbeiter während der Arbeit häufiger als früher die Hände desinfizieren. Um dies zu erreichen, führt das Team der Krankenhaushygiene regelmäßige Schulungen durch, begleitet Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit auf den Stationen, gibt Tipps und Anregungen.

Außerdem finden jährlich öffentliche Aktionstage zum Thema Hygiene statt. Erklärtes Ziel ist die Vermeidung von Krankenhausinfektionen, „Die Sensibilität von Patienten und Besuchern ist bei diesem Thema sehr hoch“, berichtet Dr. Carolin Dame, Krankenhaushygienikerin von Clemenshospital und Raphaelsklinik. Der Erfolg ist messbar, im Clemenshospital sind die Zahlen an Infektionen, die im Krankenhaus erworben wurden, seit Jahren rückläufig. Auch Besucher und Angehörige werden mit ins Boot geholt: „Bei uns hängen mehr öffentliche Desinfektionsspender an den Wänden als offiziell vorgeschrieben ist“, sagt die Hygienefachkraft Claudia Nonnhoff und weist darauf hin, dass der Erfolg nur möglich sei, wenn alle an einem Strang ziehen.

Die Abteilung Krankenhaushygiene wird auch an Bauplanungen beteiligt und beurteilt Arbeitsprozesse, regelmäßig trifft sich ein Lenkungsausschuss, an dem auch die Betriebsleitung beteiligt ist, denn, so die Hygieneexperten: „Die Händedesinfektion ist nur ein Teilaspekt des Hygienekonzeptes. Der Gedanke der Hygiene muss alle Arbeitsprozesse durchdringen.“

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Bild: Claudia Nonnhoff, Cornelia Mählmann, Dr. Carolin Dame und Martin Wolke von der Abteilung Krankenhaushygiene (v.l.) freuen sich über die erneute Auszeichnung durch die „Aktion Saubere Hände“.

Quelle: © Clemenshospital Münster