Archiv für den Monat: Juni 2016

Agoraphobie: Wenn die Reise schon an der Haustür endet

Artikel-CDK_28062016Münster – Etwa fünf Prozent aller Frauen und Männer in Deutschland leiden an einer Agoraphobie. Sie fürchten sich vor öffentlichen Plätzen, vor Menschenmengen, vor Situationen, aus denen eine Flucht schwierig oder peinlich sein könnte. Reisen mit dem Auto, Zug oder Flugzeug in die Sonne, ans Meer sind für die meisten undenkbar. Bei manchen Menschen ist die Angst so groß, dass selbst der nächste Briefkasten unerreichbar erscheint.

Was sind die Symptome der Agoraphobie?

„Eine Agoraphobie kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein. Oft gibt es ‚magische Grenzen‘, die den Bewegungsradius bestimmen. Eine kann zum Beispiel bis zum 50 Kilometer entfernten Arbeitsplatz reichen, eine andere schon 500 Meter hinter der eigenen Haustür enden. Im schlimmsten Fall ist die Haustür selbst die Grenze“, erklärt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Wer ist von Agoraphobie betroffen?

Frauen sind mehr als doppelt so häufig von der Angsterkrankung betroffen wie Männer; meistens verläuft die Agoraphobie chronisch. Der Wunsch zu verreisen, im Urlaub mal „die Seele baumeln zu lassen“ versiegt jedoch fast nie. Meist ist die Angst vor der Angst das größte Hindernis. „Diese sogenannte Erwartungsangst drängt die positiven Gedanken an eine Reise in den Hintergrund und hemmt sowohl die geistige als auch die körperliche Beweglichkeit, die korrigierende Erfahrungen ermöglichen würde. Sie ist also ein wesentlicher aufrechterhaltender Faktor, der durch das Vermeiden der angstbesetzten Situationen weiter verstärkt wird“, so Klauke.

Zu erleben wie der Schweiß ausbricht, sich der Brustkorb verengt, das Herz rast und der Kopf im Schwindel versinkt, macht Angst. Angst, die Kontrolle zu verlieren, hilflos ausgeliefert zu sein, in Ohnmacht zu fallen oder gar zu sterben. Wie in einem Teufelskreis schaukelt sich die Angst immer weiter auf. Panikattacken sind keine Seltenheit.

Behandlungsmöglichkeiten

Wer wieder selbst über sein Leben bestimmen möchte, muss sich seiner Angst stellen. „Es geht dabei nicht ausschließlich darum, die Angstsymptome auszuhalten, sondern sie bewusst wahrzunehmen, zu akzeptieren und sich trotzdem Schritt für Schritt weiterzubewegen und neue, positive Erlebnisräume zu erobern. Die Erfahrung, nicht vor Angst zu sterben, ist eine wichtige, aber eher passive Erfahrung. Noch wichtiger ist es, sich selbst wieder als aktiv handelnden Menschen zu erleben. Das Ziel ist nicht, die Angst auszuschalten, denn sie ist per se nicht gefährlich, sondern ihr an Einfluss zu nehmen und die angstbezogenen Erwartungen zu widerlegen. Dies ist nur über korrigierende Erfahrungen möglich“, betont der Münsteraner Psychologe Benedikt Klauke.

In der Expositionstherapie, der bisher wirksamsten Behandlungsmethode von Angsterkrankungen, verschiebt sich der Fokus zunehmend von der reinen Habituation (sich an die Angst gewöhnen) hin zum sogenannten „inhibitorischen (die Angst hemmenden) Lernen“. Dafür braucht es immer wieder neue (Selbst-)Versuche in unterschiedlichen Situationen, schwierigen und weniger schwierigen. Die Variation unterstützt den Lernprozess. „Für jemanden, der sich jahrelang nur einen Kilometer von Zuhause wegbewegen konnte, fühlt sich ein Besuch bei Freunden, die 20 Kilometer entfernt wohnen, wie eine Weltreise an. Ich erlebe immer wieder bei Patienten, wie stolz sie für jeden gewonnen Meter sind“, so Klauke.

Wichtig ist auch, dass die Betroffenen während der Expositionen die Angst verbalisieren, genau erklären, was sie empfinden, und die aufkommenden Gefühle nicht „wegdrücken“. Auch das helfe, die Kontrolle zurückzugewinnen und die körperliche Angstreaktion zu hemmen. Wenn die Übungen mal nicht gelingen, sei das nicht schlimm, sagt der Psychologe. Es gehe darum, den einzelnen Schritt zu würdigen und am Ball zu bleiben. Besonders motivierend sei ein attraktives Ziel – zum Beispiel ein gemeinsamer Familienurlaub am Meer.

Beratungstelefon
Mittwochs zwischen 17 und 20 Uhr können sich Betroffene und Angehörige kostenlos über die Behandlungsmöglichkeiten der Agoraphobie informieren. Zu erreichen sind die Experten der Christoph-Dornier-Klinik unter +49 (0)251 4810-148.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Komplexe Hirntumor-Operationen live nach London übertragen

Neurochirurg Prof. Dr. Walter Stummer operiert und beantwortet dabei live Fragen für internationales Fachpublikum

Artikel-UKM_27062016Münster (ukm/aw) – 200 Neurochirurginnen und -chirurgen in London lauschten am 23. Juni gebannt den Erklärungen von Prof. Dr. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster) und seit kurzem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC). Während er am offenen Hirn operierte, war der Patient wach und ansprechbar.

Für die Teilnehmer des diesjährigen internationalen Kongresses der Neurochirurgen in London eine Besonderheit: Denn Stummer operierte mit dem von ihm entwickelten Farbstoff 5-ALA. Dieser reichert sich besonders in Tumorzellen des Gehirns an und hilft, diese zu erkennen und zu entfernen. Er kombinierte diese Technik zusätzlich mit weiteren modernsten Verfahren zur elektrischen Überwachung der Gehirnfunktion. So können – auch bei Wach-OPs – wichtige Hirnareale, die z.B. für Sprache und Bewegung verantwortlich sind, geschont werden. Das Risiko, sie zu verletzen, wird minimiert. „Wir setzen den Fluoreszenzfarbstoff 5-ALA regelmäßig ein – je nach Lokalisation des Tumors auch in Kombination mit Wach-Operationen“, so beschreibt Stummer die Technik, die er bereits zum vierten Mal in Folge beim „London live course“ präsentierte. Die Lehrveranstaltung, die für ein internationales Publikum von Neurochirurgen durchgeführt wird, wird von den weltweit renommiertesteten Hirntumorspezialisten abgehalten.

In diesem Jahr wurden gleich zwei OPs aus verschiedenen Operationssälen des UKM übertragen. Dank der technischen Unterstützung des Zentrums für Informationsverarbeitung (ZIV) parallel mittels Videokonferenz. Die Neurochirurgen der Konferenz in London sahen so Bilder in HD-Qualität, für Nachfragen waren sie per Funk zugeschaltet.

Neben Stummers Operationen wurden im Rahmen des Kongresses auch die von führenden Gehirnchirurgen aus San Francisco, Brisbane und Mailand übertragen. Im Anschluss an die OP reiste Stummer selbst nach London. Dort diskutierte er mit anderen Experten seine Technik – und freute sich über das gelungene Ergebnis: „Die Operationen verliefen einwandfrei. Der Patient, der im Vorfeld der Übertragung zugestimmt hat, ist wohlauf.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Wohltätigkeits-Golfturnier: 1510 Euro für den guten Zweck

Münster – Während eines Wohltätigkeits-Golfturniers des Golfclub Münster-Tinnen kamen am vergangenen Sonntag 1510 Euro zugunsten des Fördervereins Palliativmedizin Raphaelsklinik e. V. zusammen. Der Schirmherr des Fördervereins, Jörg Adler und der stellvertretende Vorsitzende Dr. Holger Timmer nahmen die Spende entgegen, die vollständig den Patientinnen und Patienten der Palliativstation des Innenstadtkrankenhauses zugutekommen wird. „Es gibt viele Dinge, die von der Klinik oder den Kostenträgern nicht finanziert werden können, hier wird der Förderverein aktiv“, erläutert Timmer. Initiiert wurde das Benefiz-Golfturnier von Puppa Thiele, die auch zahlreiche hochwertige Preisspenden für die begleitende Tombola organisiert hat. Auf der Palliativstation werden unheilbar erkrankte Menschen in ihrer letzten Lebensphase betreut und behandelt.

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Bild: Der Schirmherr Jörg Adler, die Organisatorin Puppa Thiele und der stellvertretende Vereinsvorsitzende Dr. Holger Timmer (v. l.) freuen sich über das erfolgreiche Golfturnier zugunsten des Fördervereins Palliativmedizin Raphaelsklinik e. V.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Sommer, Sonne, Sonnenbrand:
Expertentipps zum richtigen Umgang mit der Sonne

Interview mit dem Leiter des UKM-Hauttumorzentrums, Dr. Carsten Weishaupt

Artikel-UKM_20062016Münster (ukm/ks) – Immer wieder verwöhnt uns die Sonne zwischen den Regentagen – der UKM-Experte Dr. Carsten Weishaupt informiert anlässlich des Tages des Sonnenschutzes am 21. Juni über den richtigen Umgang mit Sonne und den Schutz vor Hautkrebs.

Die Sonne wurde heiß ersehnt. Viele fliegen ihr entgegen. Dürfen wir denn überhaupt in die Sonne?
Weishaupt: Die Sonne hat durchaus einen positiven Einfluss auf unser Gemüt und ist nicht zuletzt wichtig für Stoffwechselprozesse in der Haut. Wie die meisten Dinge im Leben ist aber auch Sonneneinstrahlung in einer zu hohen Dosis schädlich. Es kann zur Bildung von weißem oder schwarzem Hautkrebs kommen. Daher gilt es, zu lange und zu intensive Sonnenbäder zu vermeiden.

Was muss beachtet werden, damit man diese auch richtig genießen kann?
Weishaupt: Insbesondere in den Mittagsstunden von 11 bis 15 Uhr ist die Intensität der Sonne am stärksten. In dieser Zeit sollte man sich drinnen oder im Schatten aufhalten. Was viele allerdings unterschätzen: Auch im Schatten kommen noch bis zu 50 Prozent des UV-Lichtes an.

Warum ist es wichtig, gerade Kinder vor zu viel Sonne zu schützen?
Weishaupt: Die kindliche Haut ist sehr empfindlich. Erst ab dem zweiten Lebensjahr verfügt die Haut über die Mechanismen der Bräunung. Studien haben gezeigt, dass insbesondere Sonnenbrände in der Kindheit die Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Hautkrebs erhöhen.

Was muss ich bei Sonnencremes beachten?
Weishaupt: Einmal am Tag eincremen genügt, wenn man die Creme dick genug aufträgt. Wenn man viel schwitzt oder badet, sollte nachgecremt werden. Mehrfaches Auftragen potenziert zudem die Wirkung. Der Tubenrest des letzten Jahres hat wahrscheinlich an Wirkung verloren. Besser ist die Verwendung einer neuen Packung. Für Kinder konnte in einer Studie gezeigt werden, dass das Auftragen des Sonnenschutzes mit Hilfe von Pumpsprays besser ist als die Tubenform. Wichtig ist es, dick aufzutragen und mindestens 20 Minuten vor dem Gang in die Sonne. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Sonnenmilch UVA- und UVB-Schutz bietet und insbesondere beim Schwimmen auch wasserfest ist.

Ist UV-Schutzkleidung zu 100 Prozent lichtundurchlässig?
Weishaupt: Ja. Hier sollte auf entsprechende DIN-Normen wie UV-Standard 801 geachtet werden. Auch diese Textilien bieten keinen hundertprozentigen Schutz, aber er ist in der Regel deutlich höher als der von Sonnencremes.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Tabuthema Inkontinenz: UKM-Experten beraten Betroffene per Telefon-Hotline

Service-Angebot zur Weltinkontinenzwoche am 22. Juni 2016 / Betroffene bleiben auf Wunsch anonym

Artikel-UKM_17062016Münster (ukm/aw) – Das Problem der Harn- und Stuhlinkontinenz ist weit verbreitet und wird oft tabuisiert. Es betrifft Alte und Junge, Männer wie Frauen. Viele ziehen sich zurück in die soziale Isolation, halten es gegenüber Freunden und Familienangehörigen geheim und scheuen den Weg zum Arzt. Im Rahmen der Welt-Kontinenz-Woche möchte das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum des UKM (Universitätsklinikum Münster) Hilfestellung bieten und richtet eine eintägige Telefonhotline ein. Betroffenen und Angehörigen haben so die Möglichkeit, ihr Problem den Spezialisten des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums anonym zu schildern.

Am Mittwoch, dem 22.06.2016 von 15:00 Uhr bis 18:00 Uhr geben Dr. Fabian Queißert (Facharzt für Urologie), Dr. Felix Strube (Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe) und Priv.-Doz. Dr. Emile Rijcken (Facharzt für Viszeralchirurgie und Proktologie) Tipps und Hinweise zum Umgang mit Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz und Funktionsstörungen des Beckenbodens. Unter der Hotline 0251/83-48344 stehen die Experten gerne Rede und Antwort.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

„Wir brauchen Sie hier“: PTA-Schülerinnen zu Besuch in der Krankenhausapotheke des UKM

Mangel an Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen in Krankenhausapotheken / Kaum Kenntnisse über das Tätigkeitsfeld der PTA im Krankenhausumfeld

Münster (ukm/aw) – Zusammen mit ihrer Lehrerin haben sich heute PTA-Schüler der Völker-Schule Osnabrück auf Studienfahrt ins benachbarte Münster begeben. 27 junge Frauen und ein Mann der PTA-Schule hatten ein Ziel: die Krankenhausapotheke des UKM (Universitätsklinikum Münster).

Ein für beide Seiten wichtiger Austausch, freut sich der Leiter der Krankenhausapotheke, Dr. Christoph Klaas: „Kaum eine Pharmazeutisch-technische Assistentin lernt in ihrer Ausbildung einmal die Krankenhausseite kennen. Die meisten arbeiten deswegen im Anschluss auch in öffentlichen Apotheken.“ Eine spontane Umfrage unter den angehenden PTAs scheint das zu bestätigen: Nur eine hat für die erste Anstellung eine Krankenhausapotheke ins Auge gefasst – dort will sie drei Monate arbeiten. „Da genau wollen wir mit dem Besuch ansetzen“, sagt Klaas. „Viele PTAs wissen gar nicht, wie interessant das Arbeitsfeld in einer Krankenhausapotheke ist.“ Er schätzt, dass bisher höchstens fünf Prozent der meist weiblichen Absolventen jemals in einer Krankenhausapotheke arbeiten.

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Bild: 27 junge Frauen und ein Mann: Die PTA-Abschlussklasse der Osnabrücker Völker-Schule besucht die Krankenhausapotheke des UKM. Leiter Dr. Christoph Klaas und Apothekerin Dr. Nardos Hölscher standen Rede und Antwort.

Wie spannend und vielseitig der Beruf PTA im Krankenhaus sein kann, davon konnten sich die Schüler heute beim Rundgang durch die Apotheke überzeugen. So wurde ihnen unter anderem der neue Arzneimittel-Kommissionierautomat erklärt, der erst im vergangenen Jahr neu angeschafft wurde. Das Raumwunder bietet Platz für 45.000 Medikamente und ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie Technologie in die Krankenhausapotheke Einzug gehalten hat. Aber auch wie Ernährungslösungen oder Kapseln mit Spezialdosierungen für die Patienten hergestellt werden, konnten die Schüler lernen.

Am Ende des Besuchs wendet sich Christoph Klaas noch einmal direkt an die Völker-Schüler: „Gerade in der Zukunft werden wir noch mehr von Ihnen brauchen. Der Aufgabenbereich entwickelt sich im Krankenhaus ständig weiter. Hier gibt es Zukunftsperspektiven. Wir brauchen Sie hier.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Schon 260 Projekte finanziert:
IZKF Münster feiert mit 200 Gästen sein 20-jähriges Bestehen

Münster (mfm/jr) – Diese Einrichtung bringt Nachwuchskräfte ins Rotieren – und das ist durchaus gewollt so: Schon über 90 jungen Ärztinnen und Ärzten aus 20 Kliniken und Instituten verhalf das „Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung“ (IZKF) der münsterschen Universitätsmedizin zu einem zeitweisen Wechsel – sprich: einer Rotation – aus der Krankenversorgung in die Forschung. Als zentrales Förderinstrument der Medizinischen Fakultät der Universität Münster unterstützt das IZKF innovative Forschung und den wissenschaftlichen Nachwuchs; bislang wurden 260 Projekte gefördert und zwölf Nachwuchsgruppen eingerichtet. Eine Leistungsbilanz, die sich sehen lassen kann – und die jetzt gefeiert wird: Anlässlich seines 20-jährigen Bestehens lädt das IZKF für den 16. und 17. Juni zu einem internationalen Symposium im münsterschen Schloss ein. Erwartet werden rund 200 Teilnehmer.

Der Startschuss für die Gründung von bundesweit acht Interdisziplinären Zentren für Klinische Forschung fiel Mitte der 1990er Jahre durch das Bundesforschungsministerium. Die Forschungsverbünde sollten der deutschen Universitätsmedizin neue Strukturen und Impulse geben sowie eine Brücke zwischen den Medizinischen Fakultäten und den Universitätsklinika schlagen, so der Anspruch. Von Beginn an mit dabei: das IZKF Münster. Seine Arbeit nahm es 1996 als Forschungsverbund zu „Chronischen Erkrankungen“ auf. Heute versteht es sich als Förderinstrument der Spitzenforschung und als Motor für die Profilbildung der medizinischen Forschung an der Universität Münster (WWU).

„Das IZKF hat Standards entwickelt, die der gesamten Forschung an der Fakultät zugutekommen“, bilanziert Prof. Volker Gerke, der dem IZKF in Münster seit 2012 als Sprecher vorsteht. Er verweist auf 35 Forschungsprojekte und 85 Personalstellen, die das Förderinstrument pro Jahr durchschnittlich finanziert. Das dafür eingesetzte Budget von knapp fünf Millionen Euro jährlich stellt seit dem Auslaufen der staatlichen Anschubfinanzierung im Jahr 2004 die Medizinische Fakultät bereit.
„Die Entscheidung, das IZKF fortzuführen, war richtig. Denn das Ziel der Medizinischen Fakultät, die Forschungsaktivitäten in ihrem Bereich über ein interdisziplinäres Zentrum zu bündeln und zu forcieren, hat einen erheblichen Innovationsschub für die gesamte klinische Forschung in Münster hervorgebracht“, würdigt Prof. Mathias Herrmann, der Dekan der Medizinischen Fakultät, die Leistungen des IZKF in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Bearbeitet werden in Münster aktuell vor allem Fragestellungen aus den Schwerpunkten „Vaskuläre Erkrankungen“, „Entzündung und Infektion“ sowie „Erkrankungen des Nervensystems“. Neben innovativen Forschungsvorhaben in diesen Bereichen fördert das IZKF auch andere Forschungsprojekte an der Medizinischen Fakultät und nutzt die ihm anvertrauten Mittel auch für die Nachwuchsförderung.

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Bild: Rund 260 Projekte aus der Medizinischen Forschung in Münster hat das dortige IZKF bereits gefördert – und stetig werden es mehr (Foto: IZKF)

Eine in diesem Bereich stark nachgefragte Förderung ist das vom IZKF entwickelte SEED-Programm. Es richtet sich an junge Ärztinnen und Ärzte in der Facharztausbildung und ermöglicht es ihnen, eigene wissenschaftliche Projekte zu entwickeln. Laut Dr. Sabine Blass-Kampmann, Geschäftsführerin des IZKF Münster, vermittelt SEED zugleich die verantwortliche Leitung eines eigenen Projektes und garantiert eine erfolgreiche Facharztausbildung. In enger Kooperation zwischen der beteiligten Klinik und einem theoretischen Institut wird besonders die Vernetzung zwischen Medizinern und Naturwissenschaftlern intensiviert, um die Fragestellungen optimal zu bearbeiten.

Die feierliche Veranstaltung zum Jubiläum des IZKF Münster im Schloss wird Prof. Ursula Nelles als Rektorin der WWU eröffnen. Neben namhaften Experten aus dem In- und Ausland werden auch zahlreiche Alumni unter den Teilnehmern sein. „Als Ehrengast können wir Ministerialdirektor a.D. Dr. Peter Lange begrüßen, der das Strukturförderprogramm für die IZKF im Jahr 1993 initiiert hat“, freut sich Prof. Volker Gerke als Vorstandsvorsitzender auf die zweitägige Veranstaltung. Auf die offizielle Eröffnung am frühen Nachmittag des 16. Juni werden zahlreiche wissenschaftliche Vorträge zu den thematischen Schwerpunkten des IZKF folgen.

Lesetipp: Die Geschichte und Leistung der deutschen IZKF wird in einem Sonderteil der „duz – Deutsche Universitätszeitung“ behandelt, das ab dem 23. Juni kostenlos online zur Verfügung steht (www.duz.de). Auf dem Jubiläumssymposium erhalten die Besucher Vorabexemplare der Publikation.

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

Ab in den Urlaub – wo brauche ich welche Impfung?

Interview mit Priv.-Doz. Dr. Frieder Schaumburg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie am UKM

Artikel-UKM_14062016Münster (ukm/ks) – Unser UKM-Experte informiert darüber, wo welcher Impfschutz benötigt wird und wann die Impfung erfolgen muss. Auch klärt Priv.-Doz. Dr. Frieder Schaumburg über die Gefahren und Schutzmöglichkeiten gegen das Zika-Virus auf.

Frage: Wer in den Urlaub fährt oder fliegt sollte früh genug abklären, ob ein besonderer Impfschutz erforderlich ist.
Schaumburg: Die Basis aller Vorbereitung sind die Standard-Impfungen, die auch für Deutschland notwendig sind. Das heißt: Immer vor einer Reise den Impfpass auf Aktualität vom Hausarzt überprüfen lassen. Und als Faustregel kann man sich für Europa merken, dass für alle Länder, die südlich und östlich von Deutschland liegen, eine Hepatitis A-Impfung empfohlen wird. In den Alpenländern, in Osteuropa, im Baltikum und den skandinavischen Ostsee-Regionen sollte man sich gegen „Frühsommer-Meningoenzephalitis“, kurz FSME, impfen lassen. Die Viren, die eine Hirnhautentzündung verursachen können, werden von Zecken auf den Menschen übertragen. Gegen Gelbfieber sollte man sich impfen lassen, wenn man Reisen in die Sub-Sahara, Afrika und Südamerika plant. Bei Reisen in die Tropen und Subtropen empfehlen wir Impfungen gegen Hepatitis-A und Tollwut. Wer nach Süd-Ost-Asien reist, sollte sich zusätzlich gegen die Japanische Enzephalitis impfen lassen.

Frage: Wann sollte eine Impfung erfolgen?
Schaumburg: Idealerweise sollte man seinen Impfschutz spätestens sechs Wochen vor der Reise aufgebaut haben. Wenn bereits eine Grundimmunisierung erfolgt ist, dann reichen auch wenige Tage vorher aus. Einfachimpfungen sollte man zehn bis 14 Tage vor der Abreise bekommen haben, damit ein ausreichender Impfschutz gewährleistet ist. Wer sich in Sachen Impfschutz vor der Urlaubsreise unsicher ist, dem helfen wir gerne in unserer Impfambulanz weiter.

Frage: Gibt es mittlerweile einen Impfschutz gegen das Zika-Virus?
Schaumburg: Momentan wird daran gearbeitet, einen Impfstoff zu entwickeln. Noch gibt es keinen, man ist aber zuversichtlich, dass man einen finden wird. Das Zika-Virus ähnelt sehr dem Gelbfieber-Virus und dagegen gibt es bereits eine Impfung.

Frage: Wie kann man sich dennoch gegen das Zika-Virus schützen?
Schaumburg: a hilft eigentlich nur der allgemeine Schutz gegen Mücken und nicht in die betroffenen Länder zu reisen. Das wären aktuell Süd- und Mittelamerika inklusive Karibik. Es ist zu beachten, dass das Virus sexuell übertragen werden kann und dass es bei infizierten Schwangeren zu Fehlbildungen der Babys kommen kann. Schwangeren raten wir deshalb vor Reisen in die betroffenen Länder ab.

Impfambulanz am UKM:

Terminanfragen werden Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag in der Zeit von 10.00 bis 12.00 Uhr unter der Telefonnummer 0251/83 – 55373 entgegengenommen.

Vorabinformationen zu einzelnen Ländern und Erkrankungen gibt es hier

WHO-Reisemedizin (Weltgesundheitsorganisation)
Tropenmedizinische Gesellschaft
Fit-for-Travel
Travelmed
Centrum für Reisemedizin (CRM)
• Auswärtiges Amt (inkl. aktueller Reisemerkblätter zum Herunterladen)
Centers for Disease Control (USA)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster