Archiv für den Monat: Mai 2016

Clemenshospital ehrt Mitarbeiter

Artikel-CLH_30052016Münster – Während einer Feierstunde wurden die Jubilare und Ruheständler des Clemenshospitals mit einem festlichen Essen geehrt. Nachdem die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, Reinhild Everding, jedem Jubilar persönlich gratulierte und ein Präsent übereichte, bedankte sich der Verwaltungsdirektor Christian Bake bei den Anwesenden: „Dass heute so viele Mitarbeiter geehrte werden, ist sicher ein Zeichen für das gute Betriebsklima in unserer Klinik. Außerdem ist Ihre Berufserfahrung das Fundament für die hohe Qualität der Patientenversorgung in unserem Haus.“

Seit 40 Jahren ist Ulrike Küster am Clemenshospital tätig. Petra Stöppler, Gisela Beeck und Gabriele Rosen begannen vor 35 Jahren ihren Dienst in der Klinik am Düesbergweg, Heike Paul, Barbara Adrian, Thomas Pricking, Monika Renneke, Elisabeth Linnemann, Jutta Bolin, Monika Mersmann, Martina Pegel und Schwester Marianne Candels arbeiten seit 30 Jahren im Clemenshospital.

Für ihre 25-jährige Tätigkeit sowohl im Clemenshospital als auch in der Caritas wurden Anke Radtke, Beate Mens, Klaus Menzel, Maren Veenker, Susanne Bordewick, Marcus Diederichs, Eva-Marie Davids und Dr. Jörg-Richard Staemmler mit der silbernen Ehrennadel der Caritas ausgezeichnet. Christiane Hahnebeck und Michaele Rump bringen es auf 25 Dienstjahre im Clemenshospital, Claudia Averkamp, Bianka Ewigmann und Dieter Nonnhoff sind seit 25 Jahren in Einrichtungen der Caritas tätig und erhielten ebenfalls die silberne Ehrennadel.
Seit 20 Jahren arbeiten Dagmar Hoffmann, Gabriele Buchbinder, Marion Tolentino, Dorothee Edelbrock, Dr. Stephanie Terwey, Marina Roth, Natalie Kittner, Mechthild Schotte, Davorka Puljic, Doros Garbe, Heike Pennekamp, Friedrich Fernholz, Anja Haves und Schwester Florentiana am Düesbergweg.
Seit zehn Jahren sind Sabine Volpers, Dr. Daniel Winkelmann, Katharina Drechsel, Andrea Löwendorf, Dr. Tobias Poeplau, Dominik Uekötter, Catharina Kübler, Ann-Christin Baumhöver, Dr. Matthias Holzer und Miriam Dreckmann im Clemenshospital angestellt.

In den Ruhestand verabschiedet wurden Gisela Ruthenfranz, Dr. Albert Lübbesmeyer, Dr. Karl-Heinz Schmidt, Christine van Dülmen, Ingrid Münzberger und Roswitha Thoers, die außerdem für ihre 20-jährige Tätigkeit geehrt wurde.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Selbsthilfegruppe „Deutsche ILCO“ besucht Münster

Artikel-RAK_30052016Münster – Die „Deutsche ILCO“, eine Selbsthilfevereinigung für Menschen mit einem künstlichen Darmausgang, einer künstlichen Harnableitung oder Darmkrebs, startete mit 44 Mitgliedern an einem sonnigen Tag gut gelaunt eine Tour durch Münster. Auf eine informative Fahrt mit dem Doppeldecker-Sightseeing-Bus folgte eine Ausfahrt mit dem Wasserbus über den Aasee. Einen Zwischenstopp gab es im Mühlenhof-Freilichtmuseum mit einer Führung und einem Mittagsimbiss. Den Abschluss dieser Fahrt bildete eine Kaffee-und Kuchenpause an den Aaseeterrassen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden 2. Mittwoch im Monat um 15:30 Uhr in der Raphaelsklinik Münster, Loerstraße 23, Interessierte und Betroffene sind herzlich willkommen.

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Neue Erkenntnisse zum Lungenversagen bei Pneunomie:
Dr. Jan Rossaint erhält DGAI-Forschungsstipendium

Münster (mfm/ps) – Husten, Atemnot, Fieber und Schüttelfrost – das können Anzeichen einer Lungenentzündung sein. In der Folge einer Infektion des Lungengewebes kann es sogar zu einer Blutvergiftung oder anderen Komplikationen kommen. Wie genau die Abwehrreaktion des Körpers bei einer Pneumonie – so der Fachbegriff – abläuft, hat der münstersche Universitätsmediziner Dr. Jan Rossaint untersucht – und für seine Arbeit das Fresenius-Forschungsstipendium der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) erhalten. Auf dem „Deutschen Anästhesiecongress“ (DAC) in Leipzig nahm er den Preis entgegen.

„Wenn eine Lungenentzündung vorliegt, wird diese oft durch eine bakterielle Infektion ausgelöst“, erläutert der aus Aachen stammende Anästhesiologe. „In gravierenden Fällen kann die Lungenentzündung sogar ein akutes Lungenversagen zur Folge haben“, so Rossaint, der in der münsterschen Uniklinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie arbeitet. Mit seiner prämiierten Forschungsarbeit konnte der 33-jährige einen Beitrag leisten, um diese Komplikation zu therapieren: Mit seinen Forschungen fand er heraus, dass die weißen Blutkörperchen, die für die Immunabwehr verantwortlich sind, aktiviert werden durch eine Reaktion zwischen Granulozyten – das ist eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen – und Thrombozyten, den kleinsten Zellen des Blutes (auch Blutplättchen genannt). Ausgehend von diesen Erkenntnissen zum Beginn der Immunreaktion könnten künftig neue Therapieansätze gegen das Lungenversagen entwickelt werden.

Das an Rossaint überreichte Forschungsstipendium ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert, die die Fresenius-Stiftung trägt, und wird jährlich von der DGAI vergeben. Mit ihrem Preis will die Fachgesellschaft längerfristige Forschungsprojekte fördern und derart die interdisziplinäre Forschung von Ärzten aus den Gebieten der Anästhesiologie, der Intensiv- und Notfallmedizin unterstützen.

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Bild: Übergabe der Stipendiumsurkunde in Leipzig: Kongresspräsident Prof. Frank Wappler, DGAI-Präsidentin Prof. Thea Koch, Preisträgerin Dr. Christina Weisheit, Preisträger Dr. Jan Rossaint (v. l. n. r.; Foto: DGAI e.V.)

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

Gemeinsam gegen Brustkrebs:
UKM und Bergmannsheil Bochum kooperieren

Onkologische und plastisch-rekonstruktive Expertise an einem Ort / Gemeinsame Sprechstunde für Patientinnen angelaufen

Münster (ukm/aw) – Die Diagnose Brustkrebs ist für Frauen ein Schock: Neben der Fokussierung auf das eigene Überleben ist für Patientinnen psychologisch und für die eigene Körperwahrnehmung sehr wichtig, wie es nach einer möglichen Amputation weitergehen kann. Der Erhalt und/oder die ästhetische Rekonstruktion der Brust stehen für Betroffene bei einer Tumorentfernung aus verständlichen Gründen mit im Vordergrund. Eine neu eingerichtete gemeinsame Sprechstunde des Brustzentrums am UKM (Universitätsklinikum Münster) mit plastischen Chirurgen des Bergmannsheils (Ruhr-Universität Bochum) betreut Brustkrebs-Patientinnen direkt aus einer Hand.

Onkoplastische Rekonstruktionen und Brustrekonstruktionen mittels Implantaten gehörten schon immer zum Angebot des UKM Brustzentrums. Neu ist, dass nun auch die mikrochirurgischen Techniken zur Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe direkt am UKM angeboten werden können. „Über eine gemeinsame Sprechstunde können wir für jede Frau individuell die optimale Operationstechnik festlegen“, so Dr. Joke Tio, Leiterin des Bereiches Senologie am Brustzentrum der Universitätsfrauenklinik. Sowohl die onkologische Behandlung als auch gegebenenfalls die Eigengewebsrekonstruktion werden im Expertenteam eng miteinander abgestimmt.

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Bild: (v.l.n.r.) Die Leiterin des UKM Brustzentrums Dr. Joke Tio (mit ihrem Team Dr. Carl Opitz und Dr. Isabel Radke) freut sich mit Prof. Dr. Marcus Lehnhardt und Prof. Dr. Adrien Daigeler sowie Priv.-Doz. Dr. Tobias Hirsch vom Bergmannsheil (Ruhr-Universität Bochum) auf die gemeinsame Zusammenarbeit.

Tio freut sich über die neue, disziplinübergreifende Zusammenarbeit: „Es ist ein großer Fortschritt, den onkologischen und den plastischen Aspekt der Brustkrebsbehandlung ab sofort als Einheit in unserem Haus anbieten zu können.“ Hierfür ist künftig das Team unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Marcus Lehnhardt, Universitätsklinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, Handchirurgiezentrum, Operatives Referenzzentrum für Gliedmaßentumoren am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil zuständig. Er betont, dass durch eine mikrochirurgische Rekonstruktion mit Eigengewebe die Brust inzwischen nahezu optimal wiederhergestellt werden kann: „Die dabei verwendeten Techniken haben sich in den letzten zehn Jahren dramatisch fortentwickelt. So sind wir heute in der Lage, mit körpereigenem Gewebe die weibliche Brust nach einer Krebserkrankung nahezu vollständig wiederherzustellen. Die Plastische Chirurgie stellt daher einen wichtigen Partner im interdisziplinären Brustzentrum dar.“

Info: Die Sprechstunde findet ab sofort jeden Donnerstag von 8:00 bis 12:00 im Brustzentrum des UKM statt. Anmeldungen sind telefonisch unter 0251- 83-48278 möglich.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Experten für starke Gelenke:
Fünf Ärzte des UKM unter den Top-Medizinern im neuen Focus „Gesundheit“

Artikel-UKM_23052016Münster (ukm/aw) – Rücken, Schulter, Hüfte oder Knie – fast jeder ist im Laufe seines Lebens irgendwann einmal von Beschwerden betroffen, die von den Knochen oder Gelenken herrühren. Doch wie findet man einen guten Arzt, der die Folgen von (Sport-)Unfällen, altersbedingtem Verschleiß oder Fehlbelastungen lindern kann?
Am UKM (Universitätsklinikum Münster) gibt es ausgezeichnete Ärzte, die mit ihren therapeutischen und operativen Methoden Entlastung verschaffen können. Das jedenfalls sagt der neue Focus „Gesundheit Hüfte, Knie & Schulter“ (Juni/Juli 2016). Er zählt fünf führende Spezialisten des UKM zu den Top-Medizinern in Sachen Fuß-, Hand-, Hüft-, Knie- und Schulterchirurgie, bzw. Rückenschmerzen und Unfallchirurgie.

Für die Ärzteliste hat der Focus Klinikchefs, Oberärzte und niedergelassene Fachärzte befragt, wohin sie ihre Patienten mit Knochen- und Gelenkbeschwerden überweisen. Auch die Anzahl der Publikationen floss in die Bewertung mit ein, ebenso wie die weitere fachliche Spezialisierung der Mediziner.

Fußchirurgie
PD Dr. Sabine Ochmann
Geschäftsführende Oberärztin, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

Handchirurgie
Prof. Dr. Martin Langer
Stellvertr. Direktor, Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

Schulterchirurgie
Prof. Dr. Dennis Liem
Sektionsleiter, Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie

Unfallchirurgie
Univ.-Prof. Dr. Michael J. Raschke
Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie

Rückenschmerz
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Ingrid Gralow (in Ruhestand)
Ehem. Leiterin der Schmerzklinik, Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Susac-Syndrom stellt die Welt der Betroffenen plötzlich auf den Kopf

Weltweit nur rund 300 Betroffene der seltenen neurologischen Erkrankung, 30 von ihnen heute am UKM zu Gast / Patientin Inga Fritz aus dem Münsterland dank Immuntherapie heute fast beschwerdefrei

Münster (ukm/aw) – Sie stellen plötzlich und ohne ersichtlichen Grund ihre Schuhe in den Kühlschrank oder fangen über Nacht an, mit Familie und Freunden nur noch in einer Fremdsprache zu sprechen. Patienten, die vom Susac-Syndrom betroffen sind, trifft die neurologische Erkrankung meist aus heiterem Himmel. Ursache sind entzündliche Prozesse der kleinsten Blutgefäße des Gehirns, der Netzhaut und des Innenohrs mit vermutlich autoimmunen Wurzeln. Plötzlich auftretende Verwirrtheit, Gedächtnislücken oder sogar Persönlichkeitsveränderungen können einen fulminanten Verlauf nehmen. Manchmal erkennen sich die Patienten selbst, im wahrsten Sinne des Wortes kaum wieder.

Ganz so dramatisch war der Krankheitsverlauf bei Inga Fritz aus dem Münsterland nicht. Die ersten Symptome waren im Sommer 2014 bei ihr eher diffus: „Als ich plötzlich nicht mehr richtig hören konnte, glaubte ich zuerst an einen Hörsturz. Mein Mann und ich hatten gerade erst ein Haus gebaut und ich habe das auf Stress zurückgeführt. Als ich dann eines Morgens aufwachte und auf dem rechten Auge plötzlich alles mit einem schwarzen Rahmen sah, bekam ich schon etwas Angst“, so die 43-Jährige. Dennoch dauerte es fast ein halbes Jahr, bis die Diagnose eher durch Zufall gestellt werden konnte: Eine befreundete Augenärztin vermutete hinter den Beschwerden das Susac-Syndrom und empfahl Inga Fritz die Neurologin Dr. Ilka Kleffner vom UKM (Universitätsklinikum Münster).

Weltweit gibt es nur rund 300 Menschen mit dem seltenen Syndrom. „Typisch ist die klassische Trias aus Enzephalopathie, mit Symptomen wie starken Kopfschmerzen und neurologischen Defiziten aus Seh- und aus Hörstörungen“, sagt Kleffner, Funktionsoberärztin der Klinik für Allgemeine Neurologie des UKM und eine der wenigen Experten weltweit. Das Susac-Syndrom tritt in einzelnen Episoden auf und verläuft schubweise. Betroffen sind meist junge Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, aber auch Männer erkranken im Geschlechterverhältnis von etwa 3:1. So unerwartet die Krankheit auftritt, so gut kann ihre Entzündungsaktivität aber auch in Schach gehalten werden: mit Kortison, modernen Immuntherapien und ASS (Acetylsalicylsäure) kann die Krankheit oft gut behandelt werden.

Ilka Fritz kann dank der Therapie mittlerweile wieder fast ohne Einschränkungen leben und arbeitet weiter in ihrem Beruf als Grundschullehrerin. Auf das heutige Susac-Treffen, zu dem rund 30 Betroffene nach Münster gekommen sind, war sie im Vorfeld sehr gespannt: „Es ist interessant, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen“, sagt Fritz, „Schließlich ist die Krankheit so individuell wie selten – jede Geschichte dahinter sieht anders aus.“

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Bild: Vor allem Frauen erkranken am Susac-Syndrom: Insgesamt 30 Betroffene tauschten sich heute am UKM über das Susac-Syndrom mit Prof. Dr. Dr. Sven Meuth (l.), Dr. Ilka Kleffner (4.v.r.) und Prof. Dr. Thomas Duning (2.v.r.) vom UKM sowie Dr. Jan-Markus Dörr (r./Klinik Hennigsdorf) aus.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Gesunde Frauen gesucht:
Studie zu den Ursachen der Fibromyalgie

Münster (mfm/ps) – Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung, von der vor allem Frauen betroffen sind. Da die körperlichen Schmerzen auch mit Konzentrationsstörungen einhergehen, werden an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster die neurobiologischen Grundlagen der Fibromyalgie untersucht. Für diese Forschung sucht die Klinik nun weibliche Probanden – die, da es sich um die Kontrollgruppe handelt, keine ständigen Schmerzen haben dürfen.

Bei der Studie analysiert die Forschergruppe unter Leitung von Prof. Markus Burgmer die Wechselwirkungen zwischen der Aufmerksamkeitsfähigkeit und der Verarbeitung von Schmerzen im Gehirn. Eingesetzt wird hierfür das bildgebende Verfahren der funktionellen Kernspintomographie (kurz: fMRT). Die Probandinnen sollen Aufmerksamkeitsaufgaben bewältigen, wie das Erinnern von Buchstabenreihen, während sie einem leichten, kurzen Schmerz ausgesetzt sind – der selbstverständlich folgenlos ist.
Gesucht werden gesunde Probandinnen der Jahrgänge von 1940 bis 1960, die keine dauerhaften Schmerzen und – wegen des Liegens in der „Röhre“ – keine Angst in engen Räumen haben. Als Dank für die Teilnahme gibt es eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro sowie eine CD, auf der die eigenen MRT-Aufnahmen des Gehirns gespeichert sind. Interessentinnen können sich per E-Mail (fibromyalgie@ukmuenster.de) oder Telefon (0251-8352905) bei der Klinik melden.

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Bild: Prof. Burgmer erklärt einer Studienteilnehmerin die Untersuchung im MRT-Gerät (Foto: FZ/M. Thomas)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Meilenstein der MS-Forschung:
Münstersche Neuroimmunologen finden Ursache für körpereigenes Abwehrdefizit – und passendes Gegenmittel

Münster/München (mfm/sk) – Die beteiligten Forscher sprechen von einem Meilenstein: Neuroimmunologen und Neuropathologen der Universitäten Münster und München haben entdeckt, was genau im Körper bei der Multiplen Sklerose (MS) falsch läuft: Zellen des angeborenen Immunsystems – die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) – erfüllen bei MS ihre Schutzfunktion nicht mehr. Sie können Effektor-T-Zellen – das sind die Zellen, die bei der Krankheit im Körper Schaden anrichten – nicht ausreichend in Schach halten. Zugleich konnten die Neurowissenschaftler zeigen: Es gibt eine Therapie für die schubförmige MS, die geradezu maßgeschneidert ist, um das Defizit zu beheben: die Blockade des Interleukin-2-Rezeptors. Der dafür einsetzbare Wirkstoff Daclizumab wurde gerade von der EU-Arzneimittelbehörde EMA zur Zulassung empfohlen – Patienten können ihn also schon bald als Therapie verwenden. Die Wirkung des neuen Medikaments wurde – auch unter Beteiligung der Münsteraner Neuroimmunologen – bereits in Studien nachgewiesen. Ihre Ergebnisse – erzielt im Sonderforschungsbereich TR-128 „Multiple Sklerose“ – sind nachzulesen in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Ein gesundes Immunsystem funktioniert wie eine effiziente Verkehrskontrolle. Die Raser – hier: autoreaktive T-Lymphozyten – werden herausgefischt und bestraft. Andererseits reicht allein die Drohung mit den „Knöllchen“, damit das Gros der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt. So werden potenzielle Gefährder in Schach gehalten. Bei der Multiplen Sklerose aber ist diese Kontrolle gestört: Autoreaktive T-Zellen überqueren ungehindert die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn und greifen dort die Schutzschicht der Nervenzellen an. Um im Bild zu bleiben: Die Raser werden nicht gestoppt und verursachen schwere Unfälle.

Die Projektleiter Dr. Catharina Groß und Prof. Heinz Wiendl von der münsterschen Uniklinik für Allgemeine Neurologie zeigten: Zellen des angeborenen Immunsystems – die NK-Zellen – tragen bei gesunden Menschen entscheidend dazu bei, gefährliche autoreaktive T-Zellen in Schach zu halten. Die Forscher entschlüsselten sogar den genauen molekularen Mechanismus, mit dem NK-Zellen das Immunsystem schützen. Außerdem enthüllten sie, dass bei der MS nicht nur die Überwachungsmechanismen des Immunsystems versagen: Zusätzlich nutzen die schädlichen T-Zellen Tricks, um der Kontrolle der natürlichen Killerzellen zu entgehen – etwa so, als würden Verkehrssünder ihre Nummernschilder abschrauben, um nicht identifiziert zu werden.

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Bild: Dr. Catharina Groß, Prof. Heinz Wiendl und Dr. Andreas Schulte-Mecklenbeck bei der Arbeit im Labor (Foto: FZ)

Die Wissenschaftler belegten aber auch: Mit dem monoklonalen Antikörper gegen den Interleukin-2-Rezeptor (Daclizumab) gibt es einen vielversprechenden Wirkstoff, der die immunregulatorische Funktion des NK-Zellen stärken kann – eine Unterstützung für die Verkehrskontrolle sozusagen. „Wir konnten zeigen, dass Daclizumab nicht nur die positive immunregulatorische Funktion der natürlichen Killerzellen verstärkt“, sagt Dr. Groß, deren Arbeit von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) gefördert wurde. Zusammen mit den Kollegen untersuchte sie unter anderem auch Blut von Patienten mit Multipler Sklerose, die bereits mit dem neuen Präparat behandelt wurden. Der Wirkstoff führe dazu, dass die schädlichen T-Zellen wieder empfänglicher für die Regulation durch NK-Zellen seien. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat nach erfolgreichen Phase-II- und Phase–III-Studien bei MS-Patienten das Präparat Ende April zur Zulassung empfohlen.

Für Forschungserfolge wie diese brauche es nicht nur das Wissen der Neuroimmunologen aus Westfalen, betont Projekt- und Arbeitsgruppenleiter Wiendl. Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Neurowissenschaftlern Prof. Reinhard Hohlfeld und Priv.-Doz. Dr. Klaus Dornmair von der Universität München sowie Prof. Tanja Kuhlmann aus der münsterschen Neuropathologie habe das Projekt vorangetrieben. Alle Genannten kooperieren innerhalb des Sonderforschungsbereiches TR-128 „Multiple Sklerose“ der DFG. Dessen klinische Translationsplattform stellte auch die notwendigen Blut- und Nervenwasserproben von Patienten für Analysen zur Verfügung.

Publikation: Gross CC, Schulte-Mecklenbeck A, Rünzi A, Kuhlmann T, Posevitz-Fejfár A, Schwab N, Schneider-Hohendorf T, Herich A, Held K, KonjeviM, Hartwig M, Dornmair K, Hohlfeld R, Ziemssen T, Klotz L, Meuth SG, Wiendl H, Impaired NK-mediated regulation of T-cell activity in multiple sclerosis is reconstituted by IL-2 receptor modulation. PNAS 2016; published ahead of print May 9, 2016, doi:10.1073/pnas.1524924113 [Link]

Quelle: © Universitätsklinikum Münster