Archiv für den Monat: April 2016

127 Schülerinnen und Schüler haben das UKM beim Girls‘ und Boys‘ Day kennengelernt

Teilnehmerzahl zu den vergangenen Jahren deutlich gestiegen / Viele Klinikbereiche haben sich beteiligt

Münster (ukm/lb) – Einblicke in den Alltag eines Krankenhauses haben heute 127 Mädchen und Jungen beim Girls‘ und Boys‘ Day am UKM (Universitätsklinikum Münster) erhalten. Damit ist die Zahl der Teilnehmer zu den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, in denen um die 100 Schülerinnen und Schüler einen Tag in den Klinikbetrieb schnupperten.

„Wir haben uns besonders gefreut, dass viele Bereiche des UKM sich an diesem Tag beteiligt haben“, sagt Klaudia Sauer, Leiterin der Personalentwicklung am UKM. „Wir bieten den Mädchen und Jungen ein großes Spektrum an Berufen von der Krankenversorgung über die Wissenschaft bis zur Feuerwehr.“ So konnten die Kinder wissenschaftlichen Vorträgen lauschen, die Krankenversorgung und die Verwaltung kennenlernen oder sich bei der Feuerwehr ausprobieren. Auch die Tochterunternehmen des UKM waren mit an Bord.“

Bild 1: Wie wird ein Feuer richtig gelöscht? Dieser Aufgabe stellten sich einige Mädchen beim Girls‘ und Boys‘ Day am UKM. Sie probierten sich einen Tag bei der Werkfeuerwehr.

Bild 2: Frauen in Männerberufen? Am UKM konnten die Mädchen auch die Elektrowerkstatt kennenlernen. Sie prüften beispielsweise mit Unterstützung eines Azubis die Spannung an einer Schaltanlage.

Bild 3: Für Jungen und Mädchen gleichermaßen spannend: In der Augenklinik haben die Teilnehmer des Boys‘ und Girls‘ Day den Augeninnendruck gemessen.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Wissenschaftspreis für münsterschen Nuklearmediziner:
Dr. Kambiz Rahbar forscht für individuellere Diagnostik bei Prostatakrebs

Artikel-MFM_26042016Münster (mfm/sr) – Wie lassen sich Tumorzellen in der Prostata genau lokalisieren? Und wie lässt sich die Behandlung von Patienten mit diesem Wissen noch zielgerichteter planen? Diese Fragen hat sich Dr. Kambiz Rahbar, Oberarzt in der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Münster (UKM), gestellt. Herausgefunden hat er, dass die bildgebende Untersuchung mit speziellen radioaktiv markierten Substanzen (Ga-68-PSMA PET/CT) helfen kann, die Ausdehnung des Tumors in der Prostata von Patienten genau einzugrenzen. Die mit diesem Verfahren erzeugten Schichtbilder der Prostata lassen zunächst von außen darauf schließen, wo und in welchem Ausmaß sich Turmorzellen in der Prostata befinden. Für seine Pilotstudie ist der Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Münster jetzt mit dem „Georg-von-Hevesy-Preis“ der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (DGN) ausgezeichnet worden. Dieser gilt als der wichtigste Forschungspreis in der deutschen Nuklearmedizin.

„Unsere Ergebnisse könnten dazu beitragen, Biopsien zur Sicherung der Diagnose in Zukunft zielgerichteter durchzuführen und damit die Belastung von Patienten zu verringern“, sagt Rahbar. Darüber hinaus könnte die Untersuchung mit dem PSMA PET/CT dabei helfen, die Therapie für den einzelnen Patienten besser zu planen, weil der Tumor genauer abgegrenzt werden kann.

Das Prostatakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Bei der Untersuchung, wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, hilft seit rund drei Jahren ein neues bildgebendes Untersuchungsverfahren in der Klinik für Nuklearmedizin am UKM: Mithilfe einer speziellen Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können die Mediziner das prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) im Körper des Patienten sichtbar machen. Bei PSMA handelt es sich um ein Eiweiß, das auf der Zelloberfläche von Prostatakrebszellen vermehrt vorhanden ist. Bei der Untersuchung spritzen die Mediziner den Patienten eine Substanz, die radioaktiv markiert ist. Diese Substanz spürt PSMA im Körper auf und bindet dort. Durch die radioaktive Markierung lässt sich darstellen, wo sich die Substanz im Körper anreichert. Darüber kann der Arzt Prostatatumore erkennen und feststellen, ob und wo sich bereits Metastasen gebildet haben.

Das Verfahren bietet viele Chancen für die Diagnostik sowie Therapie von Tumorerkrankungen und wird in hochspezialisierten Zentren eingesetzt. Dr. Rahbar untersuchte nun erstmals, wie genau und zuverlässig sich der Tumor mithilfe der Bildgebung von gesundem Gewebe abgrenzen lässt. Dazu fertigte er Schichtbilder der Prostata an. Danach wurde den Patienten die Prostata entnommen – denn bei allen Studienteilnehmern stand bereits im Vorfeld fest, dass aufgrund ihrer Erkrankung eine solche Operation unausweichlich sein würde. Pathologen untersuchten anschließend die einzelnen Prostataschichten unter dem Mikroskop. Das Ergebnis: Die Analyse des Gewebes und die Daten der vorherigen bildgebenden Untersuchung mit PSMA-PET/CT stimmten sehr gut überein. „Unsere Bilder zeigten eine hohe Korrelation mit der Histologie, also der Gewebeuntersuchung“, berichtet Rahbar. So konnten die Mediziner mit 92-prozentiger Sicherheit bereits im Vorfeld sichtbar machen, wo und in welchem Ausmaß sich die Tumorzellen befanden.

So könnten die Ergebnisse dazu beitragen, Biopsien in Zukunft zielgerichteter durchzuführen und damit die Belastung von Patienten zu verringern. Bisher müssen Ärzte für die Diagnostik quasi blind Gewebeproben aus der Prostata entnehmen. Ein einziger Einstich reicht dabei häufig nicht aus. Mithilfe der Bildgebung ließe sich die Zahl der notwendigen Gewebeproben reduzieren. Darüber hinaus könnte die Untersuchung dabei helfen, die Therapie besser zu planen und auf den Patienten abzustimmen. Das Verfahren steht jedoch noch am Anfang; bei der aktuellen Untersuchung handelt es sich um eine Pilotstudie.

Kambiz Rahbar beschäftigt sich intensiv mit Verfahren für die Diagnostik und Therapie von Prostatakrebs. Seit 2008 ist er in der Klinik für Nuklearmedizin am UKM tätig, seit 2013 als Oberarzt.

Der Georg-von-Hevesy-Preis der DGN ist nach dem Pionier des Faches Nuklearmedizin benannt. Seine grundlegenden experimentellen Forschungsarbeiten über künstliche Radionuklide, also radioaktive Atomsorten, waren die Voraussetzung für die Anwendung radioaktiver Tracer in der Medizin. Tracer sind injizierbare Substanzen, die bestimmte Zielmoleküle im Körper aufspüren, sich an sie binden und die Moleküle markieren. Der mit 2.500 Euro dotierte Georg-von-Hevesy-Preis wird jährlich verliehen, und zwar an den Hauptautor einer hochrangigen Publikation des Vorjahres. [Link zur Publikation]

Quelle: © Medizinische Fakultät Münster

Neues Verfahren im Kampf gegen Tumore und Metastasen in Wirbelkörpern

Mit Wärme gegen den Krebs

Münster – Absiedlungen von Krebszellen im Körper, sogenannte Metastasen, sind gefürchtete Begleiterscheinungen von Tumorerkrankungen. „Vor allem Brust-, Prostata-, Nieren-, Lungen- und Hautkrebs führen leider oft zu schmerzhaften Metastasen in den Knochen, besonders in den Wirbelkörpern“, erläutert Manfred Pützler, einer der beiden Chefärzte der gemeinsamen Verbundabteilung für Radiologie und Nuklearmedizin von Clemenshospital und Raphaelsklinik. Gemeinsam mit seinem Chefarztkollegen Prof. Dr. Johannes Weßling freut sich der Radiologe über die Einführung einer neuen Technik zur Behandlung von Wirbelkörpermetastasen.

Bei der sogenannten STAR-Tumorablation wird mit einer kleinen Kanüle eine bewegliche Sonde direkt zur Metastase geführt. Deren Spitze erwärmt das umliegende Gewebe kontrolliert und gleichmäßig, die bösartigen Tumorzellen sterben ab. „Die Ausdehnung des Wärmefeldes ist sehr genau zu kontrollieren, umliegende, empfindliche Strukturen der Wirbelsäule bleiben dabei geschützt“, erklärt der Radiologe. Falls nötig, kann zum Ausfüllen des im Wirbelkörper entstehenden Hohlraums durch die gleiche Kanüle computergesteuert eine flüssige, zementartige Masse eingespritzt werden, die in dem Knochen aushärtet und ihn vor dem Zusammenbrechen schützt. Anders als bei früheren Verfahren wird die gesunde Knochenstruktur geschont, was die Knochenheilung deutlich verbessert. Der Patient ist während der Behandlung schmerzfrei und behält höchstens eine kleine, punktförmige Narbe zurück. Nach dem Eingriff haben die Patienten wesentlich weniger Schmerzen, sodass die Einnahme von Schmerzmitteln deutlich verringert werden kann. Nach einem nur dreitägigen Krankenhausaufenthalt können eventuell notwendige andere Therapien sofort angeschlossen werden, beschreibt Pützler weitere Vorteile des Verfahrens.
Während die STAR-Tumorablation weltweit bereits bei rund 5000 Patienten erfolgreich angewendet wurde, ist dieses Verfahren in Deutschland bislang wenig verbreitet. In Münster wird es nur an der Raphaelsklinik, einem der beiden Standorte der Verbundabteilung, durchgeführt. „Dies ist eine neue ergänzende Methode innerhalb der Möglichkeiten von Chirurgie, Chemotherapie, Radiologie und Strahlentherapie im Kampf gegen den Krebs“, sagt der Chefarzt und macht klar, dass der jeweils erfolgversprechendste Weg immer unter allen beteiligten Fachdisziplinen besprochen und abgewogen werden muss.
Die Tumorzentren der Raphaelsklinik sind zusammen mit denen des Clemenshospitals und der Fachklinik Hornheide in der „Münsteraner Allianz gegen Krebs“ (MAgKs) zusammengeschlossen, deren Experten sich regelmäßig zu Tumorkonferenzen treffen, die Fälle aller Patienten innerhalb der drei Krankenhäuser besprechen und dabei gemeinsam und klinikübergreifend den besten Behandlungsweg erarbeiten.

RAK_Wirbelmetastasen

Bild: Chefarzt Manfred Pützler von der Raphaelsklinik (l.) mit dem Entwickler der STAR-Tumorablation, Prof. Dr. Andreas Kurth vom Klinikum Frankfurt (Oder).

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Tinnitus durch Lärm: Wenn es rauscht im Ohr

Weltweiter Tag gegen Lärm (27.04.) sensibilisiert für Gefahren konstanter Lärmbelastung. In Münster entwickeln Mediziner auf Basis neurowissenschaftlicher Studien eine App gegen das Störgeräusch

Münster (ukm/cf) – Ob laute Musik über In-Ohr-Kopfhörer oder eine Geräuschkulisse am Arbeitsplatz: Lärm ist ein ständiger Begleiter. Beinahe überall ist man einer konstanten Lärmbelastung ausgesetzt – teilweise bis zu 100 dB. „Das ist eine immense Belastung für das Ohr“, weiß Prof. Dr. Christo Pantev, Direktor des Instituts für Biomagnetismus und Biosignalanalyse an der Medizinischen Fakultät Münster. Gemeinsam mit Prof. Dr. Claudia Rudack, Direktorin der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des UKM (Universitätsklinikum Münster), forscht er seit Langem über die Gefahren konstanter Lärmbelastung, die in diesem Jahr Motto des weltweiten Tags gegen Lärm (27.04.) sind.

Die Folgen von Lärm können von Unkonzentriertheit und erhöhtem Stressempfinden bis zum belastenden Tinnitus (Ohrensausen) führen. Letzterer beginnt im Innenohr und führt erst zu einer partiellen Hörminderung, die durch das Gehirn ausgeglichen wird. „Mit der Zeit kommt es zu einer komplett unabhängig vom Ohr gesteuerten Schallempfindung“, erklärt Pantev. „Die hyperaktiven Neuronen im Gehirn senden permanent Signale, die nur die Betroffenen hören können.“ Für sie stellt die Tinnitus-Wahrnehmung eine enorme Einschränkung ihrer Lebensqualität dar. Um diesen Menschen zu helfen, entwickelten die Wissenschaftler in Münster eine elektrophysiologische Musiktherapie.

Auf der Basis von neurowissenschaftlichen Studien mit über 250 Teilnehmern fanden die Forscher eine positiv-lindernde Wirkung des sogenannten physiologischen Effekts der seitlichen Hemmung heraus. „Wir setzen quasi eine Kerbe im Musikspektrum rund um die Frequenz des Tinnitus und passen so die Musik individuell an“, macht Pantev den Prozess deutlich. Durch das Auslassen der jeweiligen Frequenzen im Musikspektrum werden die für den Tinnitus verantwortlichen Neuronen nicht weiter gereizt. Durch die Mobilisierung der Nachbarneuronen kann der Tinnitus dauerhaft gelindert werden. Im Laufe der münsterschen Studien konnte die durchschnittliche Tinnituslautheit um etwa 25 Prozent reduziert werden. Momentan entwickeln die Wissenschaftler in Kooperation mit einem australischen Unternehmen eine App, mit der Betroffene zuerst ihre Tinnitusfrequenz zuverlässig bestimmen und dementsprechend ihre Lieblingsmusik individuell anpassen können. So kann eine ausreichend lange Nutzung zu einer nachhaltigen Minderung führen. Die App wird voraussichtlich im Sommer 2016 erhältlich sein.

Generell gilt, dass zu lautes Musik hören über Kopfhörer das Ohr auf Dauer schädigt – wenn der Sitznachbar im Zug mithören kann, ist es zu laut. Ist man am Arbeitsplatz von einer starken Lärmbelastung betroffen, hilft das konsequente Tragen von Ohrenschützern. In seltenen Fällen ist ein Tinnitus eine Nebenwirkung von Medikamenten wie beispielsweise Antidepressiva oder Blutdrucksenkern. Hier hilft eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.

UKM_Messung_Labor

Bild: Wenn es rauscht im Ohr: Prof. Dr. Christo Pantev bei einer Messung im Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse in Münster.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen:
UKM erhält 3. Gütesiegel in Folge

Münster (ukm/maz) – Das Fazit der drei Visitoren fiel am Ende einstimmig aus: Das UKM (Universitätsklinikum Münster) erhält nach der Zertifizierung 2010 und (erster) erfolgreicher Rezertifizierung 2013 jetzt für weitere drei Jahre das Zertifikat für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen (KTQ). „Die erneute Rezertifizierung macht uns insbesondere stolz, weil sie nicht nur belegt, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die geforderte Qualität täglich leben, sondern wir auch die kontinuierliche Weiterentwicklung der geprüften Kriterien innerhalb des Klinikums nachweisen konnten“, sagt Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM.

Insgesamt acht Tage waren die drei unabhängigen QM-Sachverständigen für die KTQ-GmbH, einer Gesellschaft der Verbände der Kranken- und Pflegekassen auf Bundesebene, der Bundesärztekammer – Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Ärztekammern, der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. und des Deutschen Pflegerates e.V., in Münster im Einsatz. Das Visitationsteam führte zehn kollegiale Dialoge und prüfte bei 25 Vor-Ort-Visitationen mit Dokumenteneinsicht die von der KTQ geforderten Qualitätsanforderungen in den sechs Kategorien Patientenorientierung, Mitarbeiterorientierung, Sicherheit/Risikomanagement, Informations-/Kommunikations­wesen, Unternehmensführung und Qualitätsmanagement.

Die Visitoren hoben in ihrer Bewertung des UKM positiv vor allem den Aufnahmeprozess von Patienten, das vielfältige medizinische Leistungsspektrum, die umfassenden Leitlinien, die Weiterbildungsmöglichkeiten, den strukturierten Arbeitsschutz, die Trauerbewältigung durch die Seelsorge, die Telemedizin und die Digitalisierung der Patientenakten sowie das Leitbild und das Lob- und Beschwerdemanagement hervor. An Verbesserungsmöglichkeiten wurden u.a. das Wegeleitsystem auf dem Gelände, das Entlassungsmanagement von Patienten sowie die Abschaffung von handschriftlichen Labor-Anforderungen genannt. „Wir werden an diesen Punkten arbeiten“, sichert Roeder zu.

Vor sechs Jahren war das UKM zum ersten Mal als damals erstes Universitätsklinikum in NRW ausgezeichnet worden. Das Siegel ist jeweils drei Jahre gültig, die jetzige Rezertifizierung sowie die im Jahr 2013 erfolgten nahtlos.

UKM_KTQ-Zertifizierung

Bild: Freuen sich über die erneute Rezertifizierung des UKM: Prof. Dr. Norbert Roeder, Pflegedirektor Michael Rentmeister, Dr. Christoph Hoppenheit und Dr. Beate Wolter (Leiterin zentrales Qualitäts- und klinisches Risikomanagement).

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Münstersche Neuroimmunologen publizieren neue Erkenntnisse zu den Ursachen der Rasmussen-Enzephalitis

Der Übeltäter heißt CD-8

Münster (mfm/sk) – Die Ursache: eine rätselhafte Entzündung einer Gehirnhälfte. Die Folgen: Sprachstörungen, Lähmungen und Krämpfe, die ohne Therapie zum Tod führen können. Die Diagnose: Rasmussen-Enzephalitis, kurz RE. Diese Krankheit betrifft vor allem Kinder unter zehn Jahren – und ist sehr selten. Weniger als 50 Fälle werden jährlich in Deutschland neu festgestellt, somit ist RE in der Forschung kein sehr allzu großes Thema und Therapiemöglichkeiten gibt es kaum. Die Entfernung der befallenen Gehirnregion ist oft der letzte Ausweg für die Betroffenen. Neuroimmunologen der Universität Münster liefern nun neue Hinweise zum Verständnis der Krankheit: Das Team entschlüsselte die biochemische und genetische Zusammensetzung der Zellen, die vermutlich RE auslösen, und publizierte seine Erkenntnisse jetzt im renommierten Fachmagazin „Nature Communications“.

Wissenschaftler der neurologischen Uniklinik von Prof. Heinz Wiendl hatten bereits 2009 bestimmte Immunzellen identifiziert, die Schäden im Gehirn von Rasmussen-Patienten verursachen, nämlich die zytotoxischen CD8-T-Zellen. Seitdem haben sie diese Zellen detaillierter analysiert und fanden heraus: Je schwerer die Krankheit verläuft, desto mehr davon finden sich. „Überraschenderweise haben wir diese krankhaft vermehrten Zellen auch im Blut festgestellt, obwohl der Krankheitsprozess selbst ja ausschließlich im Gehirn abläuft“ erläutert Arbeitsgruppenleiter PD Dr. Nicholas Schwab. Seine Kollegen und er schlussfolgerten: Die schädlichen Zellen bilden sich in der Blutbahn und wandern von dort vermutlich über die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn, wo sie das Gewebe angreifen und die Rasmussen-Enzephalitis auslösen.

Das optimale Medikament würde dafür sorgen, dass sich die CD8-T-Zellen gar nicht erst ausbreiten oder nur geschwächt ins Hirngewebe eindringen können. Das können auch die neueren Immuntherapeutika bislang nicht leisten: „Wir haben einzelne Patienten untersucht, die mit unterschiedlichen Medikamenten behandelt wurden: Keines der Präparate veränderte die CD8-Zellen oder machte sie unschädlich. Die Zahl der Zellen in der Peripherie zu beschränken, könnte eine Möglichkeit sein, die Krankheit einzudämmen. Dafür bedarf es klinischer Studien, die bei der geringen Zahl der Patienten aber nur schwer durchzuführen sind“, resümiert Schwab.
Zur Entwicklung eines wirksamen Medikaments ist es also noch ein langer Weg. Durch ihre Entdeckung sind die münsterschen Neurowissenschaftler mit Unterstützung von Kollegen aus Bonn, Bielefeld-Bethel und München ihrem Ziel jedoch ein großes Stück nähergekommen, so Prof. Wiendl: „Mit Hilfe des genetischen Codes der schädlichen CD8-Zellen können wir vielleicht herausfinden, gegen welche speziellen Proteine im Gehirn sich die Krankheit richtet“. Das sei der nächste wichtige Schritt im Verständnis der Krankheit, auf dem dann eine Therapie aufbauen könne. [Link zur Publikation]

Rasmussen-Enzephalitis_THO_2444_pres

Bild: Freuen sich über die hochrangige Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse (v.l.n.r.:): Prof. Heinz Wiendl, Dr. Tilman Schneider-Hohendorf, Prof. Gerhard Kurlemann und PD Dr. Nicholas Schwab (Foto: FZ/M. Thomas)

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Infoabend: Burnout und Depressionen bewältigen

Merkmale, Ursachen und Wege aus Burnout und Depression stehen am 27. April im Fokus des Infoabends in der Christoph-Dornier-Klinik in Münster

Artikel-CDK_13042016Münster – Depressionen sind eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Experten zufolge erkrankt fast jeder Fünfte mindestens ein Mal in seinem Leben an einer depressiven Episode. Allein in Münster beträfe dies lebenszeitbezogen rund 54.000 Menschen. Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und verschiedene körperliche Beschwerden, wie zum Beispiel Veränderungen des Schlafs oder des Appetits, sind die häufigsten Anzeichen.

Eine Depression kann sich aber ebenso in zunehmender Aggressivität, Aktionismus und verminderter Stresstoleranz äußern. Treten solche Symptome vor allem im beruflichen Kontext auf, spricht man oft eher von einem Burnout. Dieser kann jedoch sowohl Ursache als auch Folge einer depressiven Erkrankung sein.

Viele der Betroffenen wenden sich zunächst mit körperlichen Problemen, wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Herzbeschwerden an ihren Arzt. Einige setzen alles  daran, dass ihre Umwelt nichts von ihrem Zustand bemerkt. „Bei depressiven Menschen  dominiert immer noch das Gefühl, dass sie für ihren Zustand selbst verantwortlich sind. Dabei  kann eine Depression jeden treffen, unabhängig vom Alter, Geschlecht oder sozialem Status“, sagt Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut der Christoph-Dornier-Klinik in Münster.

Datum: Mittwoch, 27.04.2016
Ort: Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie,
Tibusstraße 7 – 11, Münster
Uhrzeit: 17.00 – 19.00 Uhr
Zielgruppe: Betroffene, Angehörige und Interessierte
Referenten: u.a. Benedikt Klauke, Leitender Psychologischer Psychotherapeut
der Christoph-Dornier-Klinik
Besonderheiten: Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter Tel. 0251/4810-102

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Spanische Pflegekräfte nehmen Arbeit am UKM auf

Münster (ukm/cf) – Die UKM Pflege wird noch internationaler: Am UKM (Universitätsklinikum Münster) wurden jetzt fünf spanische Fachkräfte begrüßt, die zukünftig das Team der UKM Pflege unterstützen werden. Die neuen Pflegekräfte sind Teil eines 2013 ins Leben gerufenen Pilotprojekts am münsterschen Klinikum, um dem wachsenden Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken. „Natürlich wollen und können wir unseren Bedarf an den expandieren Hochleistungsbereichen der universitären Versorgung zukünftig nicht komplett über ausländische Fachkräfte kompensieren, aber dies hilft uns in Teilbereichen sehr“, sagt Michael Rentmeister, Pflegedirektor am UKM.

Das Fazit nach der zweijährigen Pilotphase mit sieben Pflegerinnen und Pflegern aus Spanien fiel positiv aus. „Die pflegerische Ausbildung in ihrem Heimatland erfolgt durch ein Bachelor-Studium, sodass spanische Fachkräfte sehr gute theoretische Grundlagen vorweisen können“, weiß Sabine Simski, Klinikenpflegedienstleitung am UKM. Allerdings verfügen Berufsanfänger über geringere Praxiskenntnisse als ihre deutschen Kollegen. „Deshalb ist uns neben den Sprachkenntnissen eine ausführliche Einarbeitung sehr wichtig.“ Alle sieben Fachkräfte des Pilotprojekts sind mittlerweile fest am Klinikum etabliert.

Die weiteren, nun neu eingestellten Mitarbeiter besuchen zurzeit einen Sprachkurs. „Am Ende des Kurses ist ein Test zu absolvieren, um zu beweisen, dass die Deutschkenntnisse mindestens dem Sprachniveau B1 entsprechen. So kann gewährleistet werden, dass mit den Patienten keine Verständigungsprobleme auftreten“, stellt Simski klar. Nach erfolgreichem Abschluss werden sie dann als Gesundheits- und Krankenpfleger am UKM arbeiten.

Aufgrund der positiven Entwicklung mit den Fachkräften aus Spanien wurde das Projekt auch auf Italien ausgeweitet. Bereits im März nahmen zehn Italiener die Arbeit am UKM auf. Ende des Jahres sollen weitere italienische Fachkräfte folgen. Eingesetzt werden die neuen Pflegerinnen und Pfleger aus Spanien und Italien in den Bereichen Intensivpflege, Chirurgie, Gynäkologie und Orthopädie.

UKM_Begruessung_Spanische_Pflegekraefte

Foto: Die neuen spanischen Pflegekräfte freuen sich mit den Klinikenpflegedienstleitungen, Stationsleitungen und den bereits am UKM tätigen spanischen Kolleginnen und Kollegen auf die gemeinsame Arbeit.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster