Archiv für den Monat: März 2016

UKM als Top Nationaler Arbeitgeber 2016 ausgezeichnet

Nur zwei Unikliniken in Nordrhein-Westfalen prämiert

Münster (ukm/lb) – Top Nationaler Arbeitgeber 2016: Zu dieser Liste zählt auch das UKM (Universitätsklinikum Münster). In einer Studie des Magazins Focus belegt das Klinikum im Bereich Gesundheit und Soziales den 11. von 53 Plätzen, unter den Großunternehmen liegt das UKM hier sogar auf Platz 9. Damit ist es das einzige Krankenhaus im Münsterland, das diese Auszeichnung erhält und ist neben Aachen die einzige prämierte Uniklinik in Nordrhein-Westfalen.

Das Ranking wurde über drei Kanäle erstellt: Zum einen hat das Hamburger Statistikunternehmen Statista zufällig ausgewählte Arbeitnehmer befragt, Xing-Mitglieder haben Auskunft gegeben und Bewertungen auf dem Internetportal kununu sind ebenfalls mit eingeflossen. Die Themen umfassten beispielsweise Sozialleistungen, Gehalt, Aufstiegschancen und das Betriebsklima. Zusätzlich sind die Vorjahresergebnisse in der Berechnung berücksichtigt worden.

„Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung. Sie zeigt uns, dass wir am UKM die richtigen Schritte gegangen sind“, sagt Peter Plester, Leiter des Geschäftsbereichs Personal. „Gerade unsere Weiterbildungsangebote sind durch direkte Rückmeldungen der Schulungsteilnehmer an die Bedürfnisse der Beschäftigten angepasst. Daneben wollen wir mit zahlreichen Angeboten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.“

Die Studie berücksichtigt, abgesehen vom IT-Bereich, nur Firmen ab mindestens 500 Mitarbeitern. Besonderen Wert hat Statista auf die Frage gelegt: „Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie einem Bekannten oder Familienmitglied Ihren Arbeitgeber weiterempfehlen?“. Der Grund? Nur zufriedene Arbeitnehmer raten Freunden, dort anzufangen.

2016_03_29_Top_Arbeitgeber

Bild: Peter Plester (Mitte) zeigt die Auszeichnungsurkunde zum Top Nationalen Arbeitgeber. Mit ihm freuen sich der Koch Robin Meiners (v. l.), die Gesundheits- und Krankenpflegerin Silvia Leipnitz, die leitende Oberärztin der Sektion Transplantationsnephrologie der Klinik für Innere Medizin D, Prof. Dr. Barbara Suwelack, und Elvis Hromadzic aus dem Materialmanagement.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Die „Horizont“ Kinderkrebshilfe aus Weseke
spendet 140.500 Euro für die Palliativversorgung und andere Projekte am UKM.

Ein Bad der Gefühle bei der Spendenübergabe der Kinderkrebshilfe Weseke

Münster (ukm/lk) – „Tränen, Trauer, Hoffnungsschimmer – wie trauern Kinder?“ war das Motto der Pantomime zu Beginn der Spendenveranstaltung des Vereins Kinderkrebshilfe aus Weseke zugunsten der Palliativversorgung am UKM (Universitätsklinikum Münster). Dabei begleitete Clinic-Clown und Pantomime Christoph Gilsbach den letzten Lebensweg eines Teddys auf einfühlsame Weise, unterstützt vom Mitarbeiterinnen-Chor des UKM. „Kunst und Gesang gehören ganz entscheidend zur Trauerbewältigung“, erklärte Maria Runtenberg, Diplom-Pädagogin des Brücken-Teams des UKM, bei dem kleinen Festakt. In einem zweistündigen Rahmenprogramm hat Burkhard Mudrack, stellvertretender Vorsitzender der Horizont Kinderkrebshilfe Weseke, die Spende in Höhe von 140.500 Euro an unterschiedliche Projekte und an das Brücken-Team des UKM überreicht. Das Brückenteam stellt im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) für Kinder und Jugendliche eine Verbindung zwischen Klinik und häuslicher Umgebung her.

Unterstützt werden mit den Geldern insgesamt fünf Projekte am UKM: Dazu gehören das Projekt „Zaferna“ von Prof. Dr. Joachim Boos, eine Skifreizeit für Kinder, egal mit welcher körperlichen Einschränkung, ebenso wie eine Sportwissenschaftlerin, die auf der Kinderonkologie ihr Wissen einbringt. Des Weiteren werden das Projekt „Auszeit“ von Monika Rüffer aus der Kinderonkologie, der Ausbau der Nachsorge der SAPV sowie das Studienbüro der Kinderonkologie unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Rössig gefördert.

Links zu den einzelnen Spendenprojekten:

Bild1_Horizonte_Spenden_Übergabe

Bild: Eine stolze Summe von 140.500 Euro übergibt „Horizonte“-Vorsitzende Silke Weinbrenner (mit Scheck) zur Freude von Prof. Dr. Claudia Rössig (5.v.l.), Klinikdirektorin Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am UKM, und allen Projektbeteiligten.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Anfallsfrei zum Wunschkind

Epilepsie-Medikamente können Fehlbildungen bei Ungeborenen verursachen. Die 29 Jahre alte Sonja Plonka unterzog sich deshalb einer Operation am Gehirn. Jetzt ist sie anfallsfrei – und endlich schwanger.

Artikel-UKM_17032016Münster (ukm/maz) – Nicht durchschlafen können, dass wird für die werdende Mutter Sonja Plonka nichts Neues sein. Doch bisher war es kein Babygeschrei, das die 29-Jährige um den Schlaf brachte. Drei bis acht epileptische Anfälle plagten sie seit ihrem sechsten Lebensjahr pro Nacht – je nach Medikamentenzusammenstellung mal mehr, mal weniger. Eine Zeitlang gelang es sogar, dass sie anfallsfrei war. „Mit dem entsprechenden Medikament war aber mein großer Wunsch, schwanger zu werden, völlig ausgeschlossen, da die Gefahr für Fehlbildungen zu groß war“, erzählt die verheiratete Dortmunderin.

2013 stellte sie sich mit ihrem Wunsch das erste Mal im UKM (Universitätsklinikum Münster) vor, durch einen Aufruf zu einer Studie wurde Plonka auf das Klinikum aufmerksam. „Nach einer Messung der magnetischen Aktivität des Gehirns durch das Team von Privat-Dozent Dr. Carsten Wolters vom Institut für Biomagnetismus und einem Forschungs-MRT haben wir eine Anlagestörung im rechten Stirnlappen entdeckt“, erklärt Oberarzt Dr. Gabriel Möddel, Leiter des Bereichs Epileptologie in der Klinik für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen am UKM. Die Vermutung, den Auslöser für die Anfälle gefunden zu haben, bestätigte sich bei weiterer Diagnostik in der Klinik für Neurochirurgie mittels Tiefenelektroden, die der Patientin für zwei Wochen eingesetzt wurden. „Bereits zehn Sekunden vor dem Anfall konnte man damit millimetergenau die betroffene Stelle im Gehirn definieren“, fasst Möddel die Untersuchungsergebnisse zusammen. Vor der anstehenden OP versicherten sich die Mediziner noch mit dem sogenannten Wada-Test, der durch Injektion eines Narkosemittels in die Hirnschlagader bei der Beurteilung hilft, dass bei einer Hirnoperation keine für die Sprache wichtigen Funktionsbereiche geschädigt werden. „Danach wussten wir, dass wir die zwei betroffenen Zentimeter ohne größeres Risiko entfernen können“, erklärt Möddel. „Dieser Eingriff ist die derzeit wirksamste Therapie bei Epilepsie und Frau Plonka hat damit eine Chance von 80 Prozent, dass sie anfallsfrei bleibt.“ Derzeit führen die Neurochirurgen um Prof. Dr. Walter Stummer in Münster zehn bis zwölf Operationen dieser Art pro Jahr durch; ein Eingriff wird erst in Betracht gezogen, wenn mindestens zwei verschiedene Medikamenten-Kombinationen getestet und nicht den entsprechenden Erfolg gebracht haben.

Auch Sonja Plonka muss weiterhin Medikamente nehmen, jedoch nur noch zwei – und keines davon birgt Risiken bei einer Schwangerschaft. Im Sommer erwartet die 29-Jährige nach drei Jahren Wartezeit ihr erstes Kind. Sorgen hat die junge Frau kaum. „Ich habe keine erblich bedingte Epilepsie, sodass keine Gefahr für unser Kind besteht“, sagt Plonka, die sich noch einmal abschließend die Bestätigung von ihrem behandelnden Arzt holt, dass eine natürliche Geburt problemlos möglich ist. „Sie sind eine ganz normale Erstgebärende. Ein erhöhtes Anfallsrisiko besteht nicht und damit auch keine Indikation für einen Kaiserschnitt“, beruhigt Dr. Gabriel Möddel seine Patientin.

Quelle: © Universitätsklinkikum Münster

Qualität des UKM Traumazentrums erneut bestätigt

Unfallchirurgie erhält zweite Re-Zertifizierung als Teil der Initiative TraumaNetzwerk NordWest / Spezialteam steht 24 Stunden für schwerstverletzte Patienten zur Verfügung

Münster (ukm/cf) – Die Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des UKM (Universitätsklinikum Münster) ist bereits zum dritten Mal in Folge in ihrer Arbeit als Teil der Initiative TraumaNetzwerk NordWest bestätigt worden. Die unabhängige Zertifizierungsfirma DIOcert GmbH kontrollierte die Prozesse in der Unfallchirurgie und vergab erneut die Qualitätsauszeichnung nach Münster. „Wir freuen uns nach dem Prüftermin im Dezember sehr, dass uns jetzt die hohe Qualität unserer Unfallchirurgie am UKM erneut offiziell bestätigt wurde“, sagt Klinikdirektor Prof. Dr. Michael Raschke. „Die Initiative TraumaNetzwerk NordWest ist ein wichtiger Beitrag zur optimalen Patientenversorgung in der Region und wir sind stolz, ein Teil davon zu sein.“

Die Kliniken des TraumaNetzwerks müssen sich regelmäßigen Qualitätsprüfungen unterziehen. Die speziellen Kriterien sind im Weißbuch der Schwerverletztenversorgung der DGU (Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie) festgeschrieben. Neben einem Hubschrauberlandeplatz und einer Intensivstation sind unter anderem eine Blutbank und eine 24-stündige Verfügbarkeit eines Spezialteams notwendige Voraussetzungen.

2007 wurde das TraumaNetzwerk NordWest ins Leben gerufen. Mit Hilfe des UKM und allen eingebundenen Rettungsdiensten, Ärzten und Kliniken der Region kann jeder schwerverletzte Patient innerhalb von 30 Minuten vom Unfallort in ein geeignetes Krankenhaus transportiert und dort optimal versorgt werden.
UKM_Zertifikat_Traumanetzwerk

Bild: Zum dritten Mal in Folge ausgezeichnet: Direktor Prof. Dr. Michael Raschke mit Dr. Christian Juhra (l). und Dr. Benedikt Schliemann (r.) aus dem Team der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Mehr Patientensicherheit nach Operationen:
Mobiles Mini-Ultraschallgerät soll dabei helfen

Medizinisches Einsatz-Team soll Notfälle vermeiden: UKM startet Projekt als eine der ersten Kliniken bundeweit / Mobiles Mini-Ultraschallgerät ermöglicht Untersuchungen am Krankenbett

Münster (ukm/js) – Im Notfall zählt jede Sekunde. In jedem Krankenhaus gibt es dafür genau festgelegte Ablaufpläne und Vorgehensweisen. Doch was kann man präventiv tun, um Notfälle nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen zu lassen? Am UKM (Universitätsklinikum Münster) gibt es dafür seit Kurzem das sogenannte „Medizinische Einsatz-Team“ (MET) der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie. „Bei operativen Patienten besteht je nach Vorerkrankung und Art des Eingriffs das Risiko, nach der OP Komplikationen zu entwickeln und zum Notfall zu werden. Risikopatienten werden daher am UKM vor der OP identifiziert und erhalten nach der OP von einem Facharzt für Anästhesie eine zusätzliche Visite“, macht Prof. Dr. Dr. h.c. Hugo Van Aken, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie, deutlich. Gleichzeitig wird auf allen operativen Stationen standardmäßig neben Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Schmerzen auch die Sauerstoffsättigung der Patienten bestimmt und dokumentiert. „Studien belegen eindrucksvoll, dass dieser Wert ein entscheidendes Alarmierungskriterium bei anbahnenden Komplikationen ist“, erläutert Van Aken diese Maßnahme. Zusätzlich besteht ein intensivmedizinischer Konsildienst für alle operativen Stationen. Rund um die Uhr ist ein Facharzt mit intensivmedizinischer Erfahrung verfügbar, der von der Station angefordert werden kann, wenn sich der Zustand eines Patienten nach der OP verschlechtert. „Diese Situation kennen viele Ärzte und Pflegende: Der Patient ist nach einer OP stabil, doch plötzlich ändern sich die Vitalwerte, die Therapie schlägt nicht wie gewünscht an und der Zustand des Patienten verschlechtert sich, ist aber nicht akut lebensbedrohlich. Hier unterstützen wir mit unserer intensivmedizinischen Expertise, damit der Fall nicht erst zum Notfall wird“, erklärt Prof. Dr. Björn Ellger, Leiter der operativen Intensivmedizin. Verlängerte Krankenhausaufenthalte, ungeplante Aufnahmen auf die Intensivstationen und Todesfälle sollen so verhindert und die Patientensicherheit verbessert werden. Mit seinem MET ist das UKM Vorreiter: Denn das innovative Pilotprojekt existiert in dieser Form lediglich in drei anderen Kliniken in Deutschland (UK Bonn, Dresden und Mainz), sein Nutzen ist aber bereits durch viele umfassende internationale Studienergebnisse belegt.

ukm_MET_mobiles_Ultraschallgerät

Bild: Modernste Technik für das MET: Prof. Dr. Dr. h. c. Hugo Van Aken, Prof. Dr. Björn Ellger sowie Priv.-Doz. Dr. med. Antje Gottschalk, Dr. Thomas Ermert und Priv.-Doz. Dr. med. Christian Ertmer nutzen seit kurzem das Handheld-Sonogerät.

Für ihren Einsatz auf den Normalstationen sind die Fachärzte des MET auch besonders ausgestattet: Seit wenigen Wochen ist ein neues „Handheld-Sonogerät“ im Einsatz. Dahinter verbirgt sich ein Ultraschallkopf angeschlossen an ein Ultraschallgerät in der Größe eines Tablet. Das Gerät wird in dieser Form vom UKM als erste Klinik bundesweit genutzt. Hinter dem unscheinbaren Gerät versteckt sich jede Menge Technik auf kleinstem Raum, die es den Ärzten ermöglicht das Gerät in der Kitteltasche mitzuführen und direkt am Krankenbett Ultraschalluntersuchungen vorzunehmen. „Das Ultraschallgerät kommt zum Patienten und nicht der Patient zum Ultraschallgerät“, bringt Prof. Dr. Björn Ellger es auf den Punkt.

Quelle: Universitätsklinikum Münster

Häkelbären brachten Spende für die Palliativstation

Münster – Ob im Urlaub am Strand oder abends vor dem Fernseher, Gaby Marbach häkelt. Die Früchte ihrer Arbeit sind allerdings keine Socken oder Topflappen sondern niedliche kleine Bären, die kein Herz kalt lassen. Für 15 Euro pro Stück hat die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Raphaelsklinik die knuffigen Gesellen während der Adventszeit und bei öffentlichen Veranstaltungen an die Besucher der Innenstadtklinik verkauft. Die unglaubliche Summe von 1615 Euro ist auf diese Weise zusammengekommen.

Der Schirmherr des Fördervereins Palliativmedizin Raphaelsklinik e.V., Jörg Adler, der leitende Arzt Dr. Marc Theisen und der Chefarzt der Klinik für Hämatologie und Onkologie, Dr. Holger Timmer freuen sich über die großzügige Spende: „Das Geld kommt vollständig den Patienten der Palliative Care Einheit zugute“, erläutert Theisen und berichtet, dass nicht alles, was die Patienten der Station benötigen, von der Klinik oder den Krankenkassen bezahlt werden kann. Anschaffungen wie kleine Tischventilatoren für die heißen Sommertage, Musikanlagen für jedes Zimmer oder teure Spezialrollstühle für die Fahrt in den Klinikgarten können nur über Spenden finanziert werden.

„Während ich die Bären verkauft habe, kam ich oft mit den Menschen ins Gespräch und konnte über die Palliativmedizin informieren. Viele Menschen haben falsche Vorstellungen von den Aufgaben einer solchen Station“, berichtet Gaby Marbach.

RAK_Spende-Palliativstation

Bild: Jörg Adler, Dr. Marc Theisen und Dr. Holger Timmer (v.l.) freuen sich über den Erfolg der Häkelaktion von Gaby Marbach (2.v.r.).

Quelle: © Raphaelsklinik Münster

Geburt am besten auf natürlichem Weg

Münster – Kaiserschnitt oder natürliche Geburt? Diese Entscheidung trifft oft die Natur: Ungünstige Lage des Kindes, Lebensgefahr für Mutter oder Kind oder eine Vorerkrankung wie HIV, in diesen Fällen ist der Kaiserschnitt unumgänglich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Kaiserschnittrate von 10 bis 15 Prozent, in vielen Regionen liegt die Quote jedoch wesentlich höher, in NRW bei 34 Prozent.

Die niedrigste Quote Münsters findet sich mit 24 Prozent im Clemenshospital und dies, obwohl die Klinik am Düesbergweg ein Perinatalzentrum Level II für Frühgeborene vorweist. „Die Sicherheit von Mutter und Kind hat natürlich immer Vorrang“, erläutert Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals. Arzt und Hebammen sind aber auch davon überzeugt, dass die natürliche Geburt für Mutter und Kind besser ist.

Christina Baumeier hat beides erlebt, während ihre Tochter Fanny vor rund zwei Jahren mit einem Kaiserschnitt auf die Welt kam, hat Lucy den natürlichen Weg genommen. „Ich bin froh, die Erfahrung gemacht zu haben, was es bedeutet, eine natürliche Geburt zu erleben“, berichtet die 39-Jährige. Vorher hat sie sich während der Hebammensprechstunde des Clemenshospitals eingehend informiert. „Wir sind jederzeit zu zweit im Team, dadurch ist eine enge Begleitung möglich“, erklärt die Hebamme Julia Horstmann. Der Schlüssel ist ein erfahrenes Team, das gut aufeinander eingespielt ist, da ist sich der Chefarzt sicher.
Ob Kinder, die auf natürlichem Weg geboren wurden, tatsächlich später seltener an chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Asthma erkranken oder weniger anfällig für Allergien sind, wird in manchen Veröffentlichungen zwar behauptet, ist aber nicht bewiesen. Für die Mutter hat die natürliche Geburt jedoch einen klaren Vorteil, wie Langenberg aus Erfahrung weiß, ohne Kaiserschnitt sind die Frauen wesentlich schneller fit als nach einem solchen Eingriff.

CLE_Geburt

Bild: Christina Baumeier strahlt und auch die Hebammen Julia Horstmann (r.) und Lena Althoff freuen sich mit Dr. Rüdiger Langenberg über die natürliche Geburt von Lucy.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Traumafolgestörungen:
Ein unverarbeitetes Trauma gleicht einem Splitter

Ihn zu ziehen tut noch einmal weh, aber dann kann die Wunde heilen. Doch gerade bei jungen Menschen werden Traumafolgestörungen leicht übersehen oder unterschätzt. Dabei waren die Behandlungsmöglichkeiten noch nie so gut wie heute.

Artikel-CDK_01032016Münster – Traumatische Erlebnisse bringen Menschen an die Grenzen ihrer Widerstandskraft. Rund ein Viertel der Betroffenen erkrankt an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Für junge Menschen sind die Folgen besonders schwerwiegend, auch weil sie oft zu spät oder falsch behandelt werden. „Bei Kindern und Jugendlichen sind die klassischen Diagnosekriterien einer PTBS nur selten komplett erfüllt. Häufig stehen andere Symptome im Vordergrund, bei Jugendlichen zum Beispiel impulsives oder aggressives Verhalten, auch sich selbst gegenüber. Das erschwert die Diagnose“, sagt Diplom-Psychologin Vera Frühauf von der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster.

In 90 Prozent der Fälle kommt eine weitere psychische Krankheit hinzu

Auch können andere psychische Erkrankungen, wie Zwang, Depression oder Sucht, die Traumafolgestörung überlagern. Denn die PTBS bleibt selten allein. Fast 90 Prozent der Erkrankten weisen mindestens eine weitere Diagnose auf. Das erkläre auch, warum manche Therapien keinen Erfolg hätten, so die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, die den Bereich Jugendliche und junge Erwachsene leitet. Die meisten der dort behandelten Patienten haben ein einzelnes Trauma erlebt, wie einen Unfall, eine lebensbedrohliche Krankheit, einen Überfall oder eine Vergewaltigung. Sie waren entweder unmittelbar betroffen oder Zeugen. Ebenso wie die Patienten mit komplexen Traumatisierungen, zum Beispiel durch wiederholte (sexuelle) Gewalterfahrungen.

Je jünger die Betroffenen sind, desto stärker variieren die Symptome

Neben Aggressionen und selbstverletzendem Verhalten können auch vermehrter Alkoholkonsum, die Neigung zu Straftaten, sozialer Rückzug oder Konzentrationsschwierigkeiten auf eine Traumafolgestörung hinweisen. Je jünger die Betroffenen sind, desto stärker variieren die Symptome und desto weniger offensichtlich zeigen sich die Kernmerkmale der PTBS: ungewollte, häufig erschreckend reale Erinnerungen an das traumatische Erleben (sogenannte Flashbacks), Gefühlstaubheit und Gefühle der Entfremdung bei gleichzeitiger Übererregtheit sowie die Vermeidung von Aktivitäten oder Personen, die an das traumatische Ereignis erinnern.

Noch nie waren die Behandlungsmöglichkeiten so gut wie heute

Ein unverarbeitetes Trauma gleicht einem Splitter. Bei menschgemachten seelischen Verletzungen sitzt dieser besonders tief. Wenn der Splitter bleibt, kann sich die Wunde immer wieder entzünden. Jede Berührung schmerzt. Mit solchen Bildern arbeiten auch Vera Frühauf und ihr Team: „Einen Splitter herauszuziehen tut noch einmal kurz weh, aber dann kann die Wunde heilen.“ Es ist wichtig, eine gemeinsame Sprache zu finden und die Jugendlichen zu ermutigen, sich dem Geschehen noch einmal zu stellen. Sobald sie dafür bereit sind. Denn noch nie waren die Behandlungsmöglichkeiten so gut wie heute.

Information, Traumakonfrontation und Integration

Wissenschaftlich am besten überprüft ist die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie. Die einzelnen Behandlungsmodule werden alters- und entwicklungsgerecht an den individuellen Bedarf angepasst. Ihr Ziel ist es zunächst, die Jugendlichen – und auch ihre Eltern – zu Experten in eigener Sache zu machen. Neben dem Verständnis, was traumatischer Stress im Gehirn bewirkt, und der Aktivierung von Ressourcen dient hierzu die Vorbereitung auf die Traumakonfrontation. Denn um die Gefühle und Sinneseindrücke, die sich unter dem traumatischen Stress abgespalten haben, wieder mit dem Ort und der Situation zu verbinden, muss der Splitter, der sozusagen quer im Gehirn sitzt, freigelegt und in das autobiografische Gedächtnis integriert werden.

Ein zentraler Bestandteil der intensiven Traumatherapie in Münster sind daher sogenannte Narrative (Erzählungen). Sie ermöglichen eine schrittweise Annäherung an das traumatische Geschehen und eine neue Bewertung. Sie werden von den Jugendlichen selbst verfasst oder dem Therapeuten diktiert. Erst beschreiben die Patienten mit der für sie notwendigen Distanz, was und wie sie sich selbst erlebt haben, beginnend mit der „guten“ Zeit vor dem Trauma und endend mit einem „sicheren“ Moment nach dem Trauma. Bei jedem erneuten Vorlesen der „Geschichte“ werden traumabezogene Gedanken und Gefühle ergänzt, irgendwann der schlimmste Moment. Dabei lassen sich auch traumabedingte negative Wahrnehmungen und Selbstüberzeugungen, wie „ich bin nirgendwo in Sicherheit“ oder „ich bin schuld“ identifizieren und positiv verändern. Zu wissen, dass der Therapeut auch am nächsten Tag für sie da ist, gibt den Jugendlichen zusätzlichen Halt.

Angst vor Retraumatisierung

Viele Jugendliche und vor allem ihre Eltern haben Angst vor einer Retraumatisierung. Diese ist verständlich, aber unbegründet. „Selbst der Abbruch einer Traumakonfrontation, was bei uns selten vorkommt, bewirkt keine Retraumatisierung. Belastende Gefühle und auch Stimmungseinbrüche sind zwar möglich, treten aber nur vorübergehend auf und sind ein Teil des Heilungsprozesses“, erklärt die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik, Münster