Archiv für den Monat: Februar 2016

Vertrag unterzeichnet: UKM übernimmt ab März
Geschäftsbesorgung des Marienhospitals Steinfurt

Hauptabteilungen für Innere Medizin und Chirurgie verbleiben am Standort Steinfurt-Borghorst / Abteilung für Psychosomatik wird nach Emsdetten verlegt

Münster (ukm/maz) – In Münster wurde heute Vormittag offiziell die Zusammenarbeit zwischen der Marienhospital Münsterland GmbH (MHM) und dem UKM (Universitätsklinikum Münster) besiegelt. Damit übernimmt das UKM wie Ende Januar verkündet zum 01. März 2016 die Geschäftsbesorgung für das Marienhospital in Steinfurt-Borghorst.

Nach der Unterzeichnung des Vertrages durch Dirk Schmedding und Ulrich Scheer, Geschäftsführer des Marienhospitals, sowie Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM, und Dr. Christoph Hoppenheit, Kaufmännischer Direktor und stellv. Vorstandsvorsitzender des UKM, werden nun weitere Schritte unternommen, die den erfolgreichen Betrieb des Marienhospitals Münsterland langfristig gewährleisten sollen. „Unser Ziel ist es, das Haus nachhaltig zukunftsfähig aufzustellen und damit die medizinische Versorgung in der Region Steinfurt sicherzustellen“, sagte Roeder mit dem Hinweis, dass für diesen Modernisierungskurs Investitionen notwendig seien. Geplant ist u.a. der Bau eines neuen Bettenhauses, der schon im Jahr 2017 beginnen soll. „Wir gehen davon aus, dass unser Konzept bei allen Beteiligten als verantwortungsvolle Lösung Zustimmung findet.“

Die Pläne des UKM und der Marienhospital Münsterland GmbH bauen auf dem etablierten Leistungsspektrum des Krankenhauses auf: Die Hauptabteilungen für Innere Medizin und Chirurgie sollen am Standort Steinfurt-Borghorst gefestigt und das Leistungsangebot gemeinsam mit dem UKM weiterentwickelt werden. Die Abteilung für Psychosomatik, die derzeit an den Standorten in Laer und Altenberge untergebracht ist, soll zeitnah nach Emsdetten verlegt werden. „Auch wenn diese fraglos notwendigen Schritte für einige unserer Mitarbeiter Veränderungen mit sich bringen, sieht die gesamte Belegschaft der Zusammenarbeit mit dem UKM mit großer Zuversicht entgegen“, so Dirk Schmedding.

Roeder ging in diesem Zusammenhang auch noch einmal abschließend auf die Überlegungen zur Standortwahl ein: „Wir nehmen die Fragen der Bevölkerung zur medizinischen Versorgung vor Ort sehr ernst. Unter den heutigen Krankenhausfinanzierungsbedingungen können Krankenhäuser jedoch nur wirtschaftlich betrieben werden, wenn die zur Verfügung gestellten Ressourcen optimal ausgelastet werden. Wir sind nach sorgfältiger Abwägung auch unter Berücksichtigung der Investitionskosten an beiden Standorten zu dem Ergebnis gekommen, dass die tragfähigste und wirtschaftlichste Lösung ist, das Haus in Steinfurt weiter zu betreiben und in Emsdetten die Psychosomatik anzusiedeln. Gleichzeitig kann mit diesem Konzept nachhaltig eine gute Versorgung für die gesamte Region inklusive Emsdetten gewährleistet werden. Dennoch würden wir es sehr begrüßen, wenn am Standort Emsdetten gemeinsam mit dem Investor, der das Gebäude erwerben wird, weitere ambulante Gesundheitsleistungen angesiedelt werden und ein Gesundheitscampus entsteht. Das UKM wird diesen Prozess gerne unterstützen, kann dort jedoch nicht noch zusätzlich in wirtschaftlicher Verantwortung stehen.“

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Bild: (von links) Ulrich Scheer und Dirk Schmedding (Geschäftsführer Marienhospital Münsterland GmbH) mit Prof. Dr. Norbert Roeder und Dr. Christoph Hoppenheit (Vorstand UKM) bei der heutigen Vertragsunterzeichnung zur Geschäftsbesorgung für das Marienhospital in Steinfurt-Borghorst.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Thymusdrüse: Falsche Befehle aus der Brust

Die Thymusdrüse sorgt im Kindesalter dafür, dass sich das Immunsystem entwickelt. Danach bildet sich das Organ zurück. Nicht so bei Jörg W.: Antikörper richteten sich bis zur körperlichen Erschöpfung gegen den eigenen Körper. Jetzt wurde das Organ operativ entfernt, erstmals minimalinvasiv am UKM.

Münster (ukm/maz) – Christian W. ist aktiv und sportlich – bis ihm plötzlich die Kraft ausgeht. Der heute 47-Jährige wird von seinem zehn Jahre alten Sohn beim Joggen abgehängt, die etablierte 60 Kilometer lange Mountainbike-Runde mit seinen Freunden muss er bereits nach wenigen Kilometern abbrechen. „Die Muskeln haben dicht gemacht“, erzählt der Arnsberger. „Es hat sich angefühlt, wie nach einer großen sportlichen Anstrengung, dabei waren wir doch gerade erst losgefahren.“ Das war im Jahr 2010. Anschließend wurde er auf Herz und Nieren getestet – ohne Befund. Im Sommer 2015 stellt er sich im UKM (Universitätsklinikum Münster) vor. Diagnose: Neuromyotonie, eine seltene neuromuskuläre Erkrankung.

„Bei dieser Erkrankung werden Auto-Antikörper gegen die Nervenzellen gebildet, die die Muskulatur ansteuern. Patienten bemerken ein permanentes Verspannungsgefühl in den Muskeln, häufige Muskelkrämpfe und eine Abnahme der körperlichen Belastbarkeit“, erklärt Dr. Matthias Boentert, Leitender Oberarzt der Klinik für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen. Ein Teil der Betroffenen weist eine vergrößerte Thymusdrüse auf – wie Christian W.. Dieses flache, etwa handtellergroße Organ liegt mittig in der Brust. Während es im Kindesalter für die Ausbildung des Immunsystems von großer Bedeutung ist, bildet es sich normalerweise in der Pubertät zurück und das Gewebe verfettet. Beim Patienten geschah das Gegenteil: Das Organ blieb aktiv und sorgte dafür, dass sich Antikörper gegen den eigenen Körper richteten.

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Bild: Thoraxchirurg Privat-Dozent Dr. Karsten Wiebe (r.) erklärt Christian W., wo genau die Thymusdrüse liegt.

Bei ihm wurde der Thymus im Oktober operativ entfernt, erstmals minimalinvasiv am UKM. „Wir haben mit drei kleinen Schnitten zwischen Brust und Hals endoskopisch gearbeitet und mussten nicht wie bisher das Brustbein aufschneiden und den Knochen durchsägen“, erklärt Privat-Dozent Dr. Karsten Wiebe (Leiter der Sektion Thoraxchirurgie und Lungentransplantation), der die Operation durchgeführt hat. Mithilfe eines Beutels wurde das Organ durch eine der kleinen Öffnungen sicher geborgen, bereits eine Woche später konnte Wiesehoff dank der deutlich schonenderen OP-Technik entlassen werden. Anschließend war Geduld gefragt. Denn: „Es gibt keinen Soforteffekt, wenn man den Thymus entfernt“, stellt Wiebe klar. „Das dauert einige Wochen, da die Antikörper anfangs noch in der Blutbahn sind.“ Sollten diese dennoch nicht vollständig verschwinden, erfolgt ergänzend eine medikamentöse Therapie.

Seitdem ist einige Zeit vergangen, für Christian W. hat sich der Eingriff nach jetzigem Stand gelohnt. „Die Physiotherapie hat gut angeschlagen und ich habe begonnen, die ersten ein bis zwei Kilometer zu joggen“, freut sich der Familienvater, der das Training nun langsam steigern will, um zu alter Stärke zurück zu gelangen. „Vielleicht kann ich dann im Sommer schon wieder mit meinem Sohn mithalten“, formuliert er seine Ziele.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Neue Therapien gegen den Krebs

Münster – Mit Krebs im Leben stehen – der Titel des Informationstages der Münsteraner Allianz gegen Krebs (MAgKs) mag auf den ersten Blick etwas seltsam klingen, haben die meisten Betroffenen doch zunächst Angst, ihr Leben könnte sich dem Ende neigen. Doch die Diagnose Krebs ist heutzutage nicht mehr automatisch ein Todesurteil. Im Gegenteil: Die moderne Medizin ermöglicht vielen Betroffenen ein längeres Leben mit durchaus hoher Lebensqualität. Welche neuen Therapien dazu beitragen und wie sich die Selbstuntersuchung oder auch die Früherkennung darauf auswirken, erfuhren Betroffene, Angehörige und alle Interessierten beim Infotag der MAgKs am Mittwoch, 17. Februar, von 10 bis 14.30 Uhr in der Bezirksregierung Münster.

Die Betreuung aus einer Hand hat sich die MAgKs auf die Fahnen geschrieben. Durch den Zusammenschluss von Clemenshospital, Raphaelsklinik und Fachklinik Hornheide zur Allianz ist es möglich, das beste Ergebnis für den Patienten zu erzielen. Gemeinsam werden Diagnosen diskutiert und Behandlungen besprochen. Kurze Wege für den Patienten sind dabei ganz wichtig. Und nicht nur die medizinisch-pflegerische Versorgung spielt dabei eine Rolle, auch Psychoonkologen, Ernährungswissenschaftler und Selbsthilfegruppen arbeiten in der Allianz eng zum Wohle des Patienten zusammen. All diese Berufsgruppen präsentierten sich daher auch beim Patiententag, und standen den Besuchern für persönliche Gespräche zur Verfügung.

Selbsthilfegruppen

Bild: Bei der Talkrunde der Selbsthilfegruppen wurde dazu ermuntert, sich mit seinen Sorgen und Ängsten einer Gruppe anzuvertrauen.

Während der Talkrunde mit Vertretern unterschiedlicher Selbsthilfegruppen wurde deutlich, dass die Hemmschwelle bei vielen Betroffenen groß ist, sich Fremden gegenüber zu öffnen. Oftmals sei die Angst da, nur über Krankheiten sprechen zu müssen. Doch alle Vertreter bekräftigten, dass in Selbsthilfegruppen über alles geredet wird, was den Menschen bewegt, und dass durchaus auch zusammen gelacht wird.

Neben den medizinischen Vorträgen rund um neue Therapien bei Lymphdrüsenkrebs oder die minimal invasive radiologische Krebstherapie gab zudem Gilbert Aldejohann, Geschäftsführer der Alexianer Misericordia GmbH, einen Überblick darüber, welche Rechte Patienten im Krankenhaus haben.

Bei seinem Vortrag mit dem Titel „Früherkennung: Der Blick mit Ultraschall und Endoskopie in den Magen-Darm-Trakt“ wies Privat-Dozent Dr. Ulrich Peitz, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie an der Raphaelsklinik daraufhin, dass die Darmkrebsvorsorge zwar erst mit 55 Jahren von den Krankenkassen bezahlt wird, sie aber bei erblicher Vorbelastung oder Beschwerden auch früher durchgeführt werden kann und sollte.

Abgerundet wurde das Angebot durch zahlreiche Informationsstände der Tumorzentren und Selbsthilfegruppen.

Quelle: © Clemenshospital Münster

Erster Palliativtag in der Raphaelsklinik

„Es geht nicht um das Sterben, es geht um das Leben“

Artikel-RAK_15022016Münster –  Erstmals fand im Foyer der Raphaelsklinik der öffentliche Palliativtag des „Förderverein Palliativmedizin Raphaelsklinik e. V.“ statt. Über 100 Zuhörer konnten sich aus erster Hand über ein Thema informieren, über das in den letzten Monaten, auch auf politischer Ebene, viel diskutiert wurde. „In der Öffentlichkeit besteht ein viel zu düsteres Bild von der Palliativversorgung, dem wollen wir mit unserer Veranstaltung etwas entgegensetzen“, erklärt der ärztliche Leiter der Palliative Care Einheit der Raphaelsklinik, Dr. Marc Theisen und stellt klar: „Es geht bei unserer Arbeit nicht um das Sterben, es geht um das Leben“.

Nach einer intensiven Podiumsdiskussion mit neun Experten aus den Bereichen Medizin, Pflege, Psychoonkologie, Physiotherapie, Sozialdienst und Seelsorge sowie Vertretern des Palliativnetzwerks und der Hospizbewegung folgte ein bewegender Vortrag des ehemaligen Bundesministers und Vizekanzlers Franz Müntefering. Der 76-Jährige ist Mitglied im Stiftungsrat der Deutschen Hospiz- und Palliativstiftung und beklagt, dass das Thema Tod und Sterben zu oft verdrängt wird: „Man muss das Sterben zulassen, aber es muss auch begleitet werden, es muss Hilfe geben.“ Engagiert tritt er in seiner Rede daher auch dafür ein, die Arbeitsbedingungen aller in der Versorgung Schwerstkranker Beschäftigten zu verbessern: „Die Pflege in Palliativ- oder Hospizeinrichtungen macht sich nicht von selber, das muss man gelernt haben! Die Berufe müssen attraktiver werden, woher sollen sonst in der Zukunft die Ärzte und Pfleger kommen, die wir brauchen, um immer mehr Palliativpatienten zu versorgen?“
Die legale aktive Sterbehilfe, wie sie in der Vergangenheit immer wieder diskutiert und gefordert wurde, lehnt Müntefering ab: „Der Satz ‚Ich will nicht mehr leben’ heißt oftmals nichts anderes als ‚Ich will so nicht mehr leben’ und ist ein Appell, die Sorgen Schwerstkranker in all ihren Facetten ernst zu nehmen und Hilfe anzubieten.“
Allen Beiträgen war eine klare Aussage gemeinsam: Eine gewissenhafte Palliativversorgung ist der wirksamste Weg, den Ruf nach aktiver Sterbehilfe zu entkräften.

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div class=“bildunterschrift“>Bild: Franz Müntefering setzte sich während seines Vortrags im Foyer der Raphaelsklinik engagiert für die Palliativ- und Hospizarbeit ein (© Foto: Markus Hauschild).

Quelle: © Raphaelsklinik Münster