Archiv für das Jahr: 2016

„Wunderkind“-Gerät ermöglicht neue Zelltherapie

UKM-Kinderonkologin plant Studie mit CAR T-Zellen zur Bekämpfung akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL)

Münster (ukm/ks) – Mit einem neuen Gerät wollen Experten des UKM (Universitätsklinikum Münster) bald Leukämie-Patienten eine neue Therapie anbieten.

So funktioniert die neue Methode: Im ersten Schritt werden aus dem Blut von Patienten Zellen isoliert, ähnlich der bereits seit vielen Jahren etablierten Sammlung blutbildender Stammzellen für Transplantationen. In diesem Fall sind es spezialisierte körpereigene Abwehrzellen, sogenannte T-Zellen, die aktiviert und mit einer Erkennungshilfe, einem sogenannten CAR, versehen und dann dem Patient zurückgegeben werden. Die CARs ermöglichen den T-Zellen eine gezielte Erkennung und Abwehr der Leukämiezellen. Erste Studien mit CAR T-Zellen in den USA haben eine vielversprechende Wirksamkeit bei Patienten mit Rückfällen akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) gezeigt, die auf eine Chemotherapie nicht mehr ansprachen.
„Wir wollen die neue Therapie mit CAR T-Zellen allen Patienten, die sie benötigen, zugänglich machen und sie gleichzeitig zur Behandlung anderer Krankheitsbilder weiterentwickeln“, sagt Prof. Claudia Rössig, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie.

Bisher stehen CAR T-Zellen nur in wenigen klinischen Studien pharmazeutischer Firmen zur Verfügung. Das Gerät bedeutet eine erhebliche Vereinfachung des sehr aufwändigen Herstellungsprozesses und ermöglicht somit zukünftig auch akademischen Zentren die Produktion von CAR T-Zellen. „Hier am UKM wird das Gerät von unseren Experten des Instituts für Transfusionsmedizin und Transplantationsimmunologie bedient, die auch die Stammzellprodukte für die Knochenmarktransplantation herstellen“, so Prof. Rössig. Die wissenschaftliche Weiterentwicklung der Methode auch für andere Krankheiten bleibt auf diese Weise in akademischer Hand.

Seit über zehn Jahren forscht Rössig an zelltherapeutischen Verfahren zur Behandlung von Krebserkrankungen des Kindesalters. Für die sichere und wirksame Anwendung der CAR-T-Zellen bei der Leukämie plant sie eine klinische Studie unter Beteiligung mehrerer deutscher onkologischer Zentren. „Nur durch die enorme finanzielle Unterstützung der Kinderkrebshilfe Münster (130.000 Euro) und des Freundeskreises KMT Münster (55.000 Euro) können wir das Gerät nun hier am UKM einsetzen. „Das Projekt setzt eine langjährige bewährte Kooperation zwischen Kinderonkologie, internistischer Onkologie und Transfusionsmedizin am UKM fort“, freut sich Priv.-Doz. Dr. Georg Geißler, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin und Transplantationsimmunologie . Gleichzeitig kümmert sich das Institut um die notwendigen rechtlichen Grundlagen für die Herstellungserlaubnis für die auf diese Weise hergestellten CAR T-Zellen. „Es ist unsere Hauptaufgabe, sicherzustellen, dass den Patienten zur Behandlung ein qualitativ hochwertiges Produkt bereitgestellt wird“, betont Geißler.

Bild: Große Finanzspritze für „Wunderkind“-Gerät: (v.l.) Vorstand der Kinderkrebshilfe Münster Jan Schneider, Vorstandsmitglied des Freundeskreises KMT Münster Prof. Dr. Heribert Jürgens, Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin Priv.-Doz. Dr. Georg Geißler, Transfusions-Experte Dr. Ulf Krause, Direktorin der Kinderonkologie Prof. Dr. Claudia Rössig sowie Lutz Stroetmann vom Freundeskreis KMT Münster.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Diabetes Kooperation: Betroffene vernetzen

Münster – Bei der Adventsfeier der Diabetes Kooperation Münster informierte Prof. Dr. Peter Baumgart, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I im Clemenshospital, rund 40 Gäste über das Thema „Lebensverlängerung für Diabetiker durch neue Medikamente“.

„Die Anzahl der an Diabetes erkrankten Menschen nimmt drastisch zu. Derzeit gibt es weltweit knapp 400 Millionen Diabetiker“, erklärte Baumgart. Das liege daran, dass die Häufigkeit von Übergewicht in der ganzen Welt drastisch zunehme – das Hauptproblem des Typ-2-Diabetes. Klassischerweise ist Insulin Mittel der Wahl bei Patienten, bei denen mit Lebensstiloptimierung und oralen Antidiabetika keine ausreichende Blutzuckersenkung erreicht werden kann. Um das Risiko gefürchteter Komplikationen, wie etwa Herz-Kreislauf-Problemen, zu verringern, sollten Diabetiker ein paar Dinge beachten. Neben einer gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung, sollte der Blutzucker mit den richtigen Medikamenten gut eingestellt sein. Neben den klassischen Mitteln zur Blutzuckerregulierung wie Insulin oder Metformin, gibt es neue Medikamente, die eine positive Wirkung auf die Lebenserwartung haben, so Baumgart. Das Diabetes-Medikament Empagliflozin beispielsweise könne laut einer Studie (EMPA-REG OUTCOME-Studie) vor dem Herz-Kreislauf-Tod schützen. „Empagliflozin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es zur vermehrten Zuckerausscheidung durch die Nieren führt“, beschrieb Baumgart die Wirkung. Liraglutid dagegen stimuliere die Insulinsekretion, den Blutzucker und senke das Gewicht durch eine verzögerte Magenentleerung sowie eine Verminderung des Hungergefühls. Auch Liraglutid kann das Leben von Typ-2-Diabetikern verlängern, sagte der Experte.

Die Diabeteskooperation Münster wurde vor 18 Jahren gegründet. Sie bietet Menschen mit neu diagnostiziertem sowie bereits bekanntem Diabetes individuelle Beratung und effektive Unterstützung in allen Lebenslagen. Die Diabetes Kooperation versteht sich als Netzwerk, das Kontakt zu Experten unterschiedlicher Fachbereiche herstellt. Es finden regelmäßige Treffen mit Vorträgen zu aktuellen Themen statt, zu denen alle Interessierten eingeladen sind.

Bild: Prof. Dr. Peter Baumgart, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I im Clemenshospital, informierte über das Thema „Lebensverlängerung für Diabetiker durch neue Medikamente“.

Quelle: © Clemenshospital Münster

PSA-Test: Ja oder Nein? Entscheidungshilfe kann Männern den Weg weisen

Projekt des UKM Prostatazentrums hilft, das Risiko abzuwägen / Gefördert von den Deutschen Krebshilfe / Ausgezeichnet als beispielhaftes Projekt „Landesinitiative Gesundes Land NRW“

Münster (ukm/aw) – Für sein Studien- und Modellprojekt „PSAInForm“ ist das UKM Prostatazentrum mit dem Logo „Beispielhaftes Projekt Gesundes Land NRW“ ausgezeichnet worden. Der Wettbewerb des Landesgesundheits-ministeriums will die Selbstbestimmung von Patientinnen und Patienten stärken. „Damit sind unsere Anstrengungen, eine Entscheidungshilfe für Männer zu entwickeln, die ihnen hilft, abzuwägen, ob sie einen PSA-Test machen wollen, belohnt worden“, freut sich Prof. Axel Semjonow, Leiter des UKM Prostatazentrums (Universitätsklinikum Münster).

Der PSA-Test ist ein Bluttest, mit dessen Hilfe die Höhe des PSA (Prostata-spezifisches Antigen) im Blut bestimmt werden kann. PSA ist ein Eiweißstoff, der nur im Prostatagewebe vorkommt und in ganz geringen Mengen im Blut nachweisbar ist. Der Blut-Test ist die empfindlichste Methode zur Früher-kennung von Prostata-Krebs: Mit Vor-, aber auch Nachteilen. So kann ein erhöhter PSA-Wert einen frühzeitigen Hinweis auf Prostata-Krebs geben und damit helfen Prostata-Krebs-Todesfälle zu verhindern, er kann aber auch zur Diagnose von sehr frühen und mutmaßlich harmlosen Prostata-Krebs-Arten führen, die keine, oder nur eine verzögerte Therapie erfordern. Zudem können auch gutartige Erkrankungen (z.B. Prostatavergrößerungen oder -entzündungen) mit einem erhöhten PSA-Wert einhergehen: „Das macht die Entscheidung für oder gegen den Test so schwierig“, weiß Semjonow, „Ein normales Testergebnis kann Männer beruhigen, ein auffälliges Ergebnis aber verunsichern. Es schürt die Angst vor einem vielleicht vorhandenen Krebs, mit dem man andererseits aber unter Umständen sogar Jahre problemlos leben kann. Es gibt keine ‚richtige‘ oder ‚falsche‘ Entscheidung den Test zu machen: Wichtig ist es, eine eigene Entscheidung zu treffen.“

Um Männer dabei zu unterstützen, hat das UKM Prostatazentrum die Entscheidungshilfe „PSAInForm“ entwickelt. Das Studien und Modellprojekt soll in erster Linie die Selbstbestimmung von Männern im Rahmen der Prostatakrebs-Früherkennung stärken. Die Entscheidungshilfe wird im Rahmen der Studie Arztpraxen im Regierungsbezirk Münster in Form eines Computerprogrammes zur Verfügung gestellt. Zusammen mit dem Arzt „klickt“ sich der interessierte Mann dabei durch neun Seiten, auf denen ihm mit Daten und Fakten das „Für“ und „Wider“ des PSA-Tests näher gebracht wird. Die Entscheidungshilfe klärt zum Beispiel darüber auf, wie hoch das Risiko ist, an Prostatakrebs tatsächlich erkrankt zu sein oder sogar daran zu versterben – und das jeweils mit und ohne PSA-Test. „Die Risikoabwägung muss am Ende aber jeder Einzelne für sich treffen“, sagt Christiane Bothe, Studienkoordina-torin und Geschäftsführerin des UKM Prostatazentrums. Ziel der Studie ist es, dass die Männer gut informiert die für sie richtige Wahl treffen.“ Unterstützt wird „PSAInForm“ von der Deutsche Krebshilfe, die das Modellprojekt seit 2013 mit insgesamt zwei Millionen Euro fördert.

Bild: Prof. Dr. Axel Semjonow (rechts) und das Team des UKM Prostata-Zentrums sind für die Entwicklung von „PSAInForm“ vom Land ausgezeichnet worden.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Alle Jahre wieder: Wie gute Vorsätze gelingen

Münster – Am Jahresende steht häufig die Erkenntnis: Von den guten Vorsätzen ist nicht viel geblieben. „Grund ist die eingebaute Misserfolgsfalle“, sagt Judith Müller von der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster und erklärt, wie man dieser Falle entgehen kann.

Die Misserfolgsfalle ist ein motivationspsychologisch sehr einfacher, aber wirkungsvoller Mechanismus:
„Wer sich zu viel auf einmal vornimmt, ohne die notwendigen Verhaltensänderungen zu planen und auch Rückschläge einzukalkulieren, fühlt sich nach kurzer Zeit überfordert, scheitert, verliert den Glauben daran, etwas ändern zu können – und gibt die guten Vorsätze wieder auf. Im Extremfall kann das selbst dringend notwendige Veränderungen blockieren“, erläutert Judith Müller, stellvertretende leitende Psychologische Psychotherapeutin der Christoph-Dornier-Klinik.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich gute Vorsätze meistens auf Angewohnheiten beziehen, die schonlange bestehen und sich nur mit einiger Anstrengung ändern lassen. Damit es nicht nur beim guten Vorsatz bleibt, empfiehlt die Psychologin:

  • Nur Vorsätze fassen, die man selbst wirklich will. Gewohnheiten nicht der Familie, Freunden oder dem Arzt zuliebe ändern.
  • Vorteile, die man sich von der Veränderung erwartet, klar benennen und aufschreiben.
  • Sich nicht zu viel auf einmal vornehmen. Wer seine guten Vorsätze nacheinander umsetzt, hat die besten Aussichten auf Erfolg.
  • Vorsätze klar formulieren und den Weg der Umsetzung festlegen.
  • Sich realistische Ziele setzen und in kleinen Schritten vorgehen.
  • Vorher planen, wie man mit Versuchungen und Hemmnissen umgeht.
  • Sich belohnen, wenn die Umsetzung eines Vorsatzes gut klappt und Teilerfolge erzielt wurden.
  • Nicht aufgeben, wenn die Pläne kurzfristig nicht gelingen. „Ausrutscher“ sind verzeihlich.
  • Bei tiefgreifenden, die Lebensplanung betreffenden Entscheidungen kann ein wichtiger erster Schritt sein, sich fachkundige Unterstützung zu suchen. Vor allem wenn psychische Probleme eine Verhaltensänderung erschweren.
Hintergrundinformationen zur Klinik
Die Christoph-Dornier-Klinik wurde 1993 in Münster als konzessionierte Privatklinik für Psychotherapie eröffnet. Mit ihrem wissenschaftlich begründeten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzept leistete sie in Deutschland Pionierarbeit. Auf Basis aktueller Forschungsergebnisse und langjähriger Erfahrung wurde dieses um klärungsorientierte und schematherapeutische Anteile erweitert. Zu den Behandlungsschwerpunkten des 50-Betten-Hauses zählen Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, Essstörungen, Depressionen, Traumafolgestörungen, Persönlichkeitsstörungen und Internetabhängigkeit. Das Intensivkonzept der Klinik beinhaltet bis zu zehn Einzelsitzungen pro Woche zuzüglich weiterer, auf den individuellen Bedarf abgestimmter Gruppentherapien. Bei Bedarf finden therapeutische Übungen auch im Lebensumfeld des Patienten statt. Das Behandlungsangebot richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Intensivpatienten am UKM trainieren am Ergometer – dank speziell angefertigter Lagerungswürfel

Schnellerer Heilungsprozess, weniger negative Begleiterscheinungen: UKM-Physiotherapeuten mobilisieren Patienten so früh wie möglich

Münster (ukm/ks) – „Das Wichtigste für unsere Patienten auf der Intensivstation ist es, dass wir sie so schnell wie möglich aus der Liegeposition bekommen – und wenn es nur wenige Minuten im aufrechten Sitz sind.“ Dieser Gedanke bewog Jochen Bräunig und Roland Völkel, Physiotherapeuten am UKM (Universitätsklinikum Münster), dazu, eine eigentlich ganz simple und doch extrem wirksame Weiterentwicklung der sogenannten „Lagerungswürfel“ zu entwerfen. „Dieses Würfelset – bestehend aus zwei Armteilen und einem Rückenteil – dient dazu, schwer kranke Patienten auf der Intensivstation an der Bettkante aufzusetzen. Das beschleunigt den Heilungsprozess und vor allem werden Begleiterscheinungen wie zum Beispiel Wundliegen oder Lungenentzündungen vermieden“, weiß Jochen Bräunig. Das Problem bei den frei erhältlichen Würfeln: Sie sind nicht auf die durchschnittliche Größe von Patienten, die in den Klinikbetten liegen, abgestimmt. Auch sind sie oft nicht leicht asymetrisch, was das sichere Sitzen des Betroffenen verbessert.

„Weil wir am Uniklinikum arbeiten, sind wir wissenschaftlich vorgegangen und haben einfach selbst nachgemessen“, so Bräunig. Solche individuellen Spezialanfertigungen auf dem freien Markt zu bekommen, war nicht möglich. Die UKM-Polsterei konnte in einem einmaligen Sonderauftrag kurzfristig aushelfen: Eduardo Patricio und seine Kollegen stellen im Regelbetrieb sicher, dass am gesamten Campus des UKM – überwiegend in den klinischen Bereichen – die immer anspruchsvolleren Hygieneanforderungen in Bezug auf die Gardinen und Duschvorhänge eingehalten werden. Darüber hinaus werden vereinzelt Polsterarbeiten unter Abwägung der Wirtschaftlichkeit durchgeführt. Die operative Intensivstation des UKM ist dank der Polsterei jetzt komplett ausgestattet. „Nun können unsere Patienten nicht nur aufrecht an der Bettkante sitzen, sondern sogar am Ergometer trainieren“, freuen sich die Physiotherapeuten. Auch die Arme der Patienten können angewinkelt auf den Polstern aufliegen. Das fördert die bessere Belüftung der Lunge.

Nicht nur die Physiotherapeuten sind glücklich über die Würfel. Auch für die Pflegekräfte bedeuten sie eine große Entlastung. Anstelle von mindestens vier Personen schafft es jetzt sogar eine Pflegekraft alleine, den Patienten in die Sitzposition zu bekommen. Das Aufsetzen an der Bettkante ist dadurch auch wesentlich rückenschonender als das „Hieven“ eines Patienten in einen Stuhl. Während der Sitzphase muss außerdem lediglich ein Physiotherapeut zum Üben oder eine Pflegekraft zur Überwachung anwesend sein.

„Wir als Physiotherapeuten am UKM wollen sehr gerne einen Beitrag dazu leisten, dass Intensivpatienten schneller wieder auf die Beine kommen oder zumindest ihr Körper im Rahmen der individuellen Möglichkeiten zielführend mobil gehalten wird“, sind sich Roland Völkel und Jochen Bräunig einig.

Bild: Dank der speziell angefertigten Lagerungswürfel kann Rainer Peterlin schon wieder mit dem Ergometer trainieren. Die Physiotherapeuten Jochen Bräunig (links) und Roland Völkel (rechts) haben die praktischen Würfel ausgeklügelt. Eduardo Patricio von der UKM-Polsterei hat sie mit seinen Kollegen angefertigt.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

10 Jahre Brustzentrum Münsterland

Erstes Brustzentrum des Münsterlandes feiert rundes Jubiläum

Münster – „Bereits 2006 wurde das Brustzentrum Münsterland gegründet, damit sind wir das erste Brustzentrum dieser Region“, berichtet Dr. Rüdiger Langenberg, Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals und Zentrumsleiter. Dem Zentrum gehören neben dem Clemenshospital in Münster noch die Christophorus-Kliniken in Coesfeld als Operationsstandorte an. Wöchentliche gemeinsame Tumorkonferenzen mit Gynäkologen, Radiologen, Onkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen sowie die Einbindung der niedergelassenen Ärzte sorgen dafür, dass den erkrankten Patientinnen eine qualitativ optimale Behandlung und Betreuung angeboten werden kann.

Über 3.000 Primärkarzinome

„An beiden Standorten operieren wir pro Jahr rund 340 primäre Mammakarzinome. Damit ist die Operation des neu entdeckten Brustkrebses gemeint“, erklärt Langenberg und weist darauf hin, dass sich betroffene Patientinnen unbedingt in einem zertifizierten Brustzentrum behandeln lassen sollten. Patientinnen, die in (Brust-) Krebszentren behandelt werden, leben statistisch gesehen länger. Im Brustzentrum Münsterland wurden in den vergangenen zehn Jahren über 3.000 Primärkarzinome operiert. Das Clemenshospital bietet dafür eine umfangreiche medizinische Versorgung inklusive Strahlentherapie, Onkologie und Pathologie an.

Ganzheitliche Versorgung

Frauen mit einer derart belastenden Diagnose benötigen allerdings nicht nur medizinische Betreuung. Speziell fort- und weitergebildete Breast Care Nurses sowie Fachkrankenschwestern für Onkologie, Psychoonkologinnen und der klinische Sozialdienst bemühen sich um die ganzheitliche Versorgung der Patientinnen vor, während und nach der Behandlung. „Die Vorteile eines zertifizierten Brustzentrums liegen auf der Hand“, ist sich Dr. Rüdiger Langenberg sicher und skizziert die wichtigsten: „Die Behandlung aus einer Hand, an einem Standort, von Experten, die sehr viel Erfahrung und Routine mitbringen und auf der Grundlage aktuellster wissenschaftlicher Erkenntnisse handeln“. In Brustzentrum Münsterland gibt es regelmäßige Tumorkonferenzen, an denen aus jedem medizinischen Bereich Experten teilnehmen. „Dadurch können wir eine optimale Empfehlung für die Patientin aussprechen“, erklärt der Zentrumsleiter. Durch die Einführung der Brustzentren in Kombination mit einem strukturierten Screening konnte die Sterblichkeitsrate in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden.

Münsteraner Allianz gegen Krebs

Das Brustzentrum Münsterland ist außerdem Mitglied der Münsteraner Allianz gegen Krebs – MAgKs, dem deutschlandweit einzigem trägerübergreifenden onkologischen Zentrum, in dem die Kompetenzen der Tumorzentren von Clemenshospital, Fachklinik Hornheide und Raphaelsklinik gebündelt werden.
„Die Zusammenarbeit der Kliniken und Disziplinen spielt eine große Rolle“, erklärt Langenberg und beschreibt den beispielhaften Weg einer fiktiven Patientin: „Sagen wir eine Patientin stellt sich in einer unserer Kliniken mit einem möglichen Brustkrebs vor, weil ihr Gynäkologe etwas getastet hat. Im Brustzentrum Münsterland würden wir zunächst eine Stanzbiopsie machen. Da die meisten Frauen mit einem Mammakarzinom brusterhaltend behandelt werden können, würden wir sie nach der Operation hausintern an die Klinik für Strahlentherapie von Chefarzt Prof. Dr. Arnt-René Fischedick weiterleiten. Prof. Fischedick ist Facharzt für Strahlentherapie und Radioonkologie. Durch die Strahlentherapie ist bei brusterhaltender operativer Therapie eine noch höhere Sicherheit zu erreichen und ein Wiederauftreten kann reduziert werden. Sollte die Brust nicht erhalten werden können, was wirklich selten der Fall ist, steht uns mit der Fachklink Hornheide ein hochkompetenter Partner für den Brustaufbau zur Verfügung. Drei Kliniken – ein Zentrum.“

www.das-brustzentrum.de

2005 hat das NRW-Gesundheitsministerium ein Programm mit dem Ziel gestartet, die Behandlung von Frauen und Männern mit Brustkrebs zu verbessern. Zu diesem Zweck wurde ein eigenes Zertifizierungsmodell entwickelt, das die Brustzentren umsetzen müssen. Es wurden insgesamt 51 Brustzentren mit 93 Operations-Standorten ernannt. Mit der Durchführung der Zertifizierung wurde ÄKzert, die Zertifizierungsstelle der Ärztekammer Westfalen-Lippe, beauftragt. In allen anderen Bundesländern übernimmt diese Aufgabe die Deutsche Krebsgesellschaft. Die Anforderungen in NRW sind mit denen der Deutschen Krebsgesellschaft allerdings nahezu identisch.

Bild: Dr. Rüdiger Langenberg ist Chefarzt der Frauenklinik des Clemenshospitals sowie Leiter des Brustkrebszentrum Münsterland.

Quelle: © Brustzentrum Münsterland

Eine Kerze im Fenster:
Familien gedenken ihrer an Krebs verstorbenen Kinder

Das Team der Kinderonkologie am UKM (Universitätsklinikum Münster) organisiert jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember eine Gedenkfeier für die verstorbenen Kinder der Abteilung. Seit 15 Jahren bietet die Feier in der Klinikkirche Raum für Trauer – und gibt neue Hoffnung, sagt Marion Thomas, Mutter des verstorbenen Fynn-Levi.

Münster (ukm/aw) – Der zweite Sonntag im Dezember ist der offizielle Worldwide Candle Lighting Day. Weltweit laden an diesem Tag Selbsthilfegruppen trauernder Eltern dazu ein, inne zu halten und sich mit einem Kerzenlicht im Fenster ihrer verstorbenen Kinder zu erinnern. „Wir wollten mit der Gedenkfeier einen Ort der Begegnung für Betroffene schaffen“, sagt Mirjam Barbotin, Fachgesundheits- und Kinderkrankenpflegerin für palliativ care in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. „Deswegen hatten wir vor 15 Jahren die Idee, alle Eltern, die wir beim Sterben ihres Kindes begleitet haben, an diesem Tag einzuladen, sich mit anderen verwaisten Müttern und Vätern auszutauschen und zu erinnern.“ Selbst aus dem Ausland kommen seitdem Eltern zurück an den Ort, an dem sie über Wochen und Monate mit ihrem Kind gelitten haben.

Musik, kleine Lesungen und das Entzünden von Kerzen: Inzwischen füllen rund 250 Teilnehmer die Gedenkfeier in der Klinikkirche. Marion Thomas hat 2008 ihren Sohn Fynn Levi verloren – der zweijährige, fröhliche Junge starb an einem Hirntumor. Mit ihrem Mann und zwei weiteren Kindern war sie in diesem Jahr zum achten Mal dabei: „Es ist jedes Mal eine unendlich traurige Feier – und auf der anderen Seite auch so total schön. Das Team hat für uns schon Engel gebastelt oder Drachen aus Papier. Die hängen wir zuhause dann immer rund um Fynn-Levis Fotos auf.“

Den Mitarbeitern der Kinderonkologie ist die Familie trotz der schweren Zeit damals dankbar: “Es gibt hier ein paar Menschen, zu denen wir echtes Vertrauen gefasst haben. Sie haben Fynn-Levi ja damals öfter gesehen als die eigenen Großeltern. Manchmal begegnet man sich in der Stadt – dann wissen diese Menschen immer noch, wer mein Sohn war.“ Der Tod von Fynn-Levi ereilte die Familie Thomas letztlich plötzlich – lange hatte es so ausgesehen, als hätten die Ärzte das Wachstum des Tumors bekämpfen können. Am Ende siegte dennoch der Krebs. Der Blick zurück ist für Marion Thomas trotzdem nicht bitter: “Klar haben wir die Wochen damals verflucht. Auf der anderen Seite hat man uns auf der Station wertvolle Zeit miteinander geschenkt, die wir sonst niemals gehabt hätten.“

Ob sie auch im kommenden Jahr zur Gedenkfeier in der Klinikkirche gehen wird, weiß Marion Thomas nicht: “Ich denke jedes Jahr: Nun ist es genug! Trotzdem gehen wir immer wieder hin. Bei aller Traurigkeit: Diese Feier ist für meine Familie auch immer wieder der Auftakt zum Advent. Ein intensiver Beginn einer Zeit der Freude.“ Finanziert wird die Gedenkfeier für die verstorbenen Kinder von der Kinderkrebshilfe Münster e.V.. Am UKM ist Mirjam Barbotin Ansprechpartnerin für alle, die mehr erfahren wollen.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Stiftung KinderHerz Deutschland unterstützt Projekt zum Aktivitäts-Tracking herzkranker Kinder

Ministerin Svenja Schulze verleiht erstmals den KinderHerz-Innovationspreis NRW / Projekt der UKM Kinderkardiologie soll über Spenden unterstützt werden

Münster (ukm/aw) – Mit insgesamt 150.000 Euro treiben das Land Nordrhein-Westfalen und die Stiftung KinderHerz Deutschland die Forschung für herzkranke Kinder voran. Das Geld fließt in drei Projekte, die in Münster erstmals mit dem KinderHerz-Innovationspreis NRW ausgezeichnet wurden. Beworben hatten sich Herzzentren aus ganz Nordrhein-Westfalen mit acht Forschungsvorhaben. Auch Dr. Astrid Lammers, Kinderkardiologin in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Kardiologie – am UKM (Universitätsklinikum Münster), reichte ein zukunftsweisendes Projekt ein. Lammers hatte sich mit einem Projekt zum Aktivitätstracking von herzkranken Kindern beworben. Tracking-Armbänder zeichnen dabei die körperliche Aktivität der Kinder auf und geben so Aufschluss über ihren Bewegungsradius im Alltag und ‚funktionellen Status’. So können Veränderungen in der Belastbarkeit frühzeitig erkannt und die Behandlung der Patienten individuell angepasst werden. Auch können therapeutische Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Belastbarkeit der Patienten überwacht werden.

Der von Frau Lammers eingereichte Antrag schaffte es am Ende nicht unter die Sieger, sie konnte sich aber überraschend doch noch freuen. Denn die Geschäftsführerin der Stiftung KinderHerz Deutschland, Sylvia Paul, gab bekannt, dass die Stiftung das Münsteraner Forschungsvorhaben unterstützen will, da es nach Punkten zweiter Sieger gewesen wäre. Eine Spendenaktion soll das Geld sammeln. Spontan erklärte sich WestLotto als Gastgeber der Abendveranstaltung bereit, 10.000 Euro für das Projekt beizusteuern. „Wir wollten damit ein Zeichen setzen und als Unternehmen aus der Region vorangehen, damit die benötigte Summe zusammenkommt und auch dieses Projekt schnell umgesetzt werden kann“, erklärte Andreas Kötter, Geschäftsführer von Deutschlands größtem Lotterieveranstalter, die großzügige Geste. Die Stiftung KinderHerz Deutschland reichte die Gelder von vier weiteren Spendern in Höhe von 6.450 Euro weiter, aus denen die Anschaffung der Aktivitätstracker bezahlt werden soll.

„Ich danke der Stiftung ganz herzlich für ihre Initiative und das Engagement für herzkranke Kinder. Mit der Spendenzusage werden wir sicherlich das initial geplante Pilotprojekt der Erhebung normaler Werte bei gesunden Schulkindern auf den Weg bringen können“, freute sich Lammers. Ziel ist es, für Kinder mit angeborenen Herzfehlern und/oder Lungenhochdruck die ambulante Überwachung und Einstellung der Therapie so optimal und komfortabel wie möglich zu gestalten.

Bild: Dr. med. Astrid Lammers erklärt ihrem Patienten George den Aktivitäten-Tracker.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster