Archiv für den Monat: Juli 2015

Münster nimmt durch Bluthochdruckstudie Vorreiterposition ein

Neue Behandlungsmethode zeigt erste Erfolge

Münster – Hämmernde Kopfschmerzen, Hautrötung, Herzklopfen, Ilona Rambow hat jahrelang unter ihrem sehr hohen Blutdruck gelitten, selbst drei unterschiedliche Medikamente, die sie regelmäßig einnehmen musste, halfen nicht mehr. Im April wurde sie im Rahmen der WAVE IV-Studie im Clemenshospital mit einer neuen Methode behandelt, „Der Blutdruck ist daraufhin von über 200 mmHg auf unter 150 mmHg gesunken, die Beschwerden sind verschwunden.“

„Bei diesem vollkommen neuen Verfahren werden die Nierenarterien mit speziellen Ultraschallwellen behandelt“, erläutert Prof. Dr. Peter Baumgart, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Nach der unblutigen Behandlung, bei der die Patienten wie bei einer Darm- oder Magenspiegelung schlafen, liefern die Nerven im Bereich der Nierenarterien falsche Werte an das Gehirn, das daraufhin den Blutdruck senkt. Noch befindet sich das Gerät, das in den USA entwickelt wurde und nun weltweit getestet wird, in der Erprobungsphase. Fünf Zentren, überwiegend Unikliniken, nehmen in Deutschland an dieser Studie teil, „am aktivsten ist hierbei das Clemenshospital“, wie Marc Höhne von der Herstellerfirma Kona bestätigt. Die bislang vorliegenden Ergebnisse sind sehr ermutigend, eine wahre Revolution in der Behandlung des schweren Bluthochdrucks könnte sich anbahnen, da sind sich die Experten der Klinik am Düesbergweg und der Herstellerfirma sicher.

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Bild: Prof. Dr. Peter Baumgart (r.) erläutert Bernadette Spinnen die Funktionsweise des neuartigen Behandlungsgerätes aus den USA.

„Es ist kein Zufall, dass Münster ein Standort für diese internationale Bluthochdruckstudie ist. Münster ist eine Wissenschaftsstadt und gleichzeitig eine Gesundheitsstadt, in der alle medizinischen Kräfte, Krankenhäuser, Hochschulen und Hausärzte, zusammenarbeiten. Das ist für die Forschung einzigartig und letztendlich für die Bürgerinnen und Bürger, Patientinnen und Patienten, von enormer Bedeutung“, freut sich die Leiterin von Münster Marketing, Bernadette Spinnen darüber, dass die Studie in Münster durchgeführt wird. Auch Prof. Peter Wieacker, Sprecher des Facharbeitskreises Medizinische Prävention der Allianz für Wissenschaft und Leiter des Instituts für Humangenetik der Uniklinik, hebt die Vorteile für die Stadt hervor: „Die medizinische Forschung, die Prävention und Behandlung von Hypertonie ist eines der Kernthemen des Facharbeitskreises. Die medizinische Forschung ist ein Zukunftsmotor für die Stadt Münster und so können beide, Wissenschaft und Stadt, von Pionierprojekten wie der WAVE IV -Studie nur profitieren.“

Quelle: © Clemenshospital Münster

Angriff des Immunsystems durch Schmetterlingsflechte

Vor 19 Monaten ging es Tina plötzlich schlecht, Niere, Herz und Hirn waren stark beeinträchtigt. Diagnose: Systemischer Lupus erythematodes (Schmetterlingsflechte), eine seltene Autoimmunerkrankung. Jetzt hat sie Abitur gemacht. Zur Kontrolle ins UKM muss sie nur noch selten.

Münster (ukm/maz) – Erhöhter Hirndruck, Herzbeutelentzündung, Verdacht auf Leukämie: Der Dezember 2013 war für Familie H. ein Höllenritt. Von Tag zu Tag ging es Tochter Tina (16) schlechter, plötzlich schwollen auch die Hände und das Gesicht an, die Nieren arbeiteten nur noch eingeschränkt.

Den Ärzten im Krankenhaus in Lippstadt ist es zu verdanken, dass Tina heute, anderthalb Jahre später, mit beiden Beinen fest im Leben steht, nach erfolgreichem Abitur nun auf einen Studienplatz wartet. Denn nachdem Leukämie ausgeschlossen werden konnte, überwiesen die Mediziner sie umgehend an die Experten der Klinik für Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie des UKM (Universitätsklinikum Münster) – mit dem Verdacht auf die seltene Autoimmunerkrankung Lupus, auch Schmetterlingsflechte genannt, der sich bestätigte. „Bei dieser Erkrankung kämpft das Immunsystem gegen den eigenen Körper“, erklärt Funktionsoberarzt Dr. Claas Hinze. „Die Folgen können vielfältig sein, wie sich bei Tina gezeigt hat. Dazu gehören Entzündungen von Organen oder Gefäßen, von Gelenken, Muskeln und Nerven. Auch Hautveränderungen sind typisch.“ Die Entstehung und Ursachen von Lupus sind noch weitestgehend ungeklärt, nicht mehr als fünf von 10.000 Menschen leiden darunter – Frauen fünf- bis zehnmal häufiger als Männer. Meist tritt Lupus bei ihnen bis zum 25. Lebensjahr auf. So wie bei Tina.

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Bild: Regelmäßig kommt Tina in die Klinik für Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie des UKM. Neben den Gelenken, Blut, Urin und Gefäßen kontrolliert Dr. Claas Hinze die Nagelhaut, deren Veränderung bei Lupus ein erstes Indiz für einen erneuten Schub der seltenen Autoimmunerkrankung sein kann.

Der Verlauf muss jedoch längst nicht so dramatisch sein wie bei der jungen Frau aus Rheda-Wiedenbrück: „Die meisten Patienten gehen erstmals wegen Gelenkschmerzen oder -schwellungen oder Hautausschlägen zum Arzt“, so Hinze. Die Diagnose erfolgt häufig verzögert. „Das kann später zum Problem werden“, weiß Hinze, „denn bei Lupus ist die frühe Diagnose wichtig, um den Befall innerer Organe rechtzeitig zu erkennen und Folgeschäden zu verhindern.“ Mit Medikamenten ist die Erkrankung, wenn sie frühzeitig erkannt wird, meistens gut in den Griff zu bekommen. Bei Tina waren es in der Akutphase 13 verschiedene an der Zahl, mittlerweile nimmt sie nur noch sechs verschiedene Medikamente.

„Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich meine Beeinträchtigung anfangs bei 9, jetzt nur noch bei 1 einordnen“, sagt die heute 18-Jährige zufrieden. Mit den Gelenken hat Tina ebenso wenige Probleme wie mit geschwollenen Lymphknoten, auch vor den typischen Gefäßveränderungen bei Lupus blieb sie bisher verschont. Ihr Gewicht, das während der Intensivtherapie durch ihren schlechten körperlichen Zustand und eine Kortisontherapie von 48 bis 62 Kilogramm reichte, hat sich normalisiert. Nur vor der Sonne muss sie sich schützen, da die Haut bei Lupus sehr empfindlich ist. „Und meine Kondition ist noch nicht 100-prozentig wieder auf dem Stand wie früher“, sagt die Abiturientin. „Aber sonst fühle ich mich sehr gut.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Eine App für alle Fälle: App „Notfallstandards“

Notaufnahme des UKM führt das System „Notfallstandards“ für die Notfalldiagnostik und -therapie ein

Münster (ukm/rem) – Reger Andrang in der Notaufnahme – gerade nachts und am Wochenende ist das keine Seltenheit. Insbesondere in Notfallsituationen sind schnelles Handeln und differenzialdiagnostische Überlegungen überlebenswichtig. Die interdisziplinäre Notaufnahme (LANO) des UKM (Universitätsklinikum Münster) hat jetzt einen Weg gefunden, diesen Anforderungen noch besser gerecht zu werden. Mit der App „Notfallstandards“, die vom Universitätsspital Basel entwickelt wurde, bietet das Klinikum den Ärzten schnelle Informationen im Notfall. „Bei dem zeitlichen Druck, der in der Notaufnahme herrscht, bleibt nicht immer Zeit, um alle relevanten Differentialdiagnosen in den üblichen Lehrbüchern nachzuschlagen. Die App liefert dann einen kurzen symptom- und fachorientierten Leitfaden“, beschreibt Privat-Dozent Dr. Philipp Kümpers, oberärztlicher Leiter der LANO, die Vorteile der Anwendung.

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Bild: Dr. Arne Bokemeyer, Prof. Dr. Hermann Pavenstädt und Privat-Dozent Dr. Philipp Kümpers (v.l.) und sind von der App „Notfallstandards“ überzeugt.

Das Programm arbeitet mit standardisierten Folien, die von jedem Klinikum selbst angepasst werden können. „Von den 1.000 Folien haben wir rund 70 Folien bearbeitet und auf unsere Standards angepasst. Vor allem die Möglichkeit, Telefonlisten und Links zu Dokumenten zu hinterlegen, bietet den wechselnden Kollegen eine schnelle Reaktionsbasis“, so Kümpers weiter. Neben verschiedenen Krankenhäusern in der Schweiz, Österreich und Italien wird die App auch in Deutschland bereits an unterschiedlichen Kliniken genutzt.

Am UKM läuft das Pilotprojekt zunächst für vier Jahre und wird derzeit finanziert durch die Medizinische Klinik D. „In der Notaufnahme haben wir alle sechs Monate elf neue Assistenzärzte. Das macht einen schnellen Überblick ohne allzu große Einarbeitung besonders wichtig. Durch die Einführung der App kann die Weiterbildung der jungen Ärzte deutlich vereinfacht werden“, betont Prof. Dr. Hermann Pavenstädt, Direktor der Klinik. Auch für Studenten bildet die App eine gute Entscheidungshilfe bei verschiedenen Behandlungsfeldern.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Wir verstehen uns:
Mehrsprachige Broschüre unterstützt Pflegekräfte und Patienten bei der Verständigung

Einfach und effektiv: Symbole und Übersetzungen erleichtern Pflegenden und ausländischen Patienten den Klinikalltag am UKM

Münster (ukm/ks) – Für ein verständnisvolles Miteinander: Eine mehrsprachige Broschüre mit pflegerelevanten Fragen hilft ab sofort Pflegenden und ausländischen Patienten am UKM (Universitätsklinikum Münster) im Klinikalltag. Initiiert wurde die laminierte und somit abwaschbare Broschüre vom Internationalen Patientenmanagement (IPM). Die Verantwortlichen des IPM waren von dem praktischen Vorgehen der Gesundheits- und Krankenpfleger begeistert, die schon seit mehreren Jahre einen Ordner führen, in dem Sie pflegerelevante Fragen und deren Übersetzungen sammeln. „Am UKM haben wir viele Patienten, die weder deutsch noch englisch sprechen. Bei der Visite ist deshalb ein Übersetzer dabei, aber natürlich kann dieser nicht 24 Stunden bereitstehen“, heißt es von Dr. Kathrin Schepers vom Internationalen Patientenmanagement.

In neun Sprachen (Arabisch, Englisch, Spanisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch, Russisch und Türkisch), die am UKM am häufigsten von den Patienten gesprochen werden, wurden die dringlichsten Fragen jetzt in der Broschüre zusammengestellt und übersetzt. Außerdem helfen Symbolseiten, die vom Röntgen bis zum Blutabnehmen reichen und verschiedene Uhrensymbole beinhalten, in der Kommunikation zwischen Pflege und Patienten. Körper- und Skelettabbildungen in Kombination mit Symbolen wie Daumen hoch oder runter und eine Schmerzskala von 1 bis 10 vervollständigen die Broschüre.

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Bild: Arabisch, Englisch, Spanisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch, Russisch und Türkisch: Neue mehrsprachige Broschüre mit pflegerelevanten Fragen unterstützt die Kommunikation zwischen ausländischen Patienten und Pflegenden am UKM.

Erstellt wurde das 21 Seiten umfassende Werk gemeinsam mit den Pflegenden, den Verantwortlichen für die Weiterbildung der Pflegenden und einer Gruppe Studierender. „Es war nicht so einfach, genau die richtigen Fragen und Symbole zu finden. Es sollte ja vor allem übersichtlich und praktisch bleiben“, so Schepers. „Das war wirklich sehr gute Teamarbeit, denn ich denke, wir haben die relevanten Punkte festgehalten und das auf anschauliche Weise.“

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Verschlucktes Kindspech:
Lucy lebt dank Spezialtherapie (ECMO-Therapie)

Lunge konnte durch ECMO-Therapie heilen / UKM setzt Therapie bei Kindern und Erwachsenen ein

Münster (ukm/jb) – Wenn Lucy lächelt und gluckst, strahlen auch ihre Eltern glücklich. Doch noch vor wenigen Tagen war daran nicht zu denken. Die Neugeborene konnte nicht eigenständig atmen, war abhängig von Maschinen, da während des Geburtsvorgangs Stuhlgang (Mekonium, auch „Kindspech“ genannt) aus dem Fruchtwasser in die Lunge eingedrungen war. Diagnose: Mekoniumaspirationsyndrom (MAS). Letztendlich sicherte eine Kanüle, die Blut von der Leiste – angereichert durch Sauerstoff – in den Hals transportierte, das Überleben des kleinen Mädchens. „Diese sehr spezielle Methode gehört längst nicht zur Standardtherapie und wird nur bei Patienten eingesetzt, die durch Beatmungsmaschinen nicht mehr oder nur schwer beatmet werden können“, erklärt Dr. Claudius Werner, Leiter der Neonatologie und Pädiatrischen Pneumologie der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Allgemeine Pädiatrie – des UKM (Universitätsklinikum Münster). Seit zwei Jahren ist das UKM Mitglied im ARDS (akutes Lungenversagen)-Netzwerk Deutschland und eines der wenigen Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen, das diese so genannte ECMO-Therapie einsetzt – bei Kindern und Erwachsenen.

Die Entscheidung für die extracorporale Membranoxygenierung (ECMO) fiel schnell, als Lucy nach der Geburt ins UKM eingeliefert wurde. Denn das Verfahren, bei dem sauerstoffarmes Blut über einen Oxygenator mit Sauerstoff angereichert und anschließend dem Patienten wieder zugeführt wird, bietet zwei entscheidende Vorteile: „Mit einer deutlich geringeren Komplikationsrate können wir so das Blut der Patienten direkt mit Sauerstoff versorgen“, so Werner, „und das, während die Lunge ohne belastende Beatmungsmethoden schonend heilen und sich entfalten kann.“

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Bild (v.l.): Lucy hat es geschafft: Katharina Lethaus und Silvia Wolf (UKM Pflege) freuen sich gemeinsam mit Lucys Eltern und Dr. Claudius Werner (Leiter Neonatologie und Pädiatrische Pneumologie) über den erfolgreichen Behandlungsverlauf des kleinen Mädchens.

Lucy hat nicht nur überlebt, ihre Lunge konnte sich auch regenerieren. Das eigene Kind verkabelt und an Maschinen angeschlossen auf der Kinderintensivstation zu sehen – für die jungen Eltern war das verständlicherweise zunächst eine schwierige Situation. „Jetzt können wir sagen, dass wir uns hier sehr gut aufgehoben fühlten. Denn wir konnten Ärzten und Pflegenden jederzeit alle Fragen stellen. Alles wurde geduldig erklärt, Entscheidungen transparent mitgeteilt. Das hat uns sehr geholfen“, sagt Lucys Vater. Nicht nur er und seine Frau wachten in den vergangenen Wochen am Krankenbett, auch andere Familienangehörige konnten Lucy jederzeit besuchen. Die Tauffeier, die von der UKM Seelsorge bereits an Lucys erstem Lebenstag organisiert wurde, half der Familie ebenfalls durch diese schwierige Zeit. „Die menschliche Begleitung war für uns ein sehr wichtiger Aspekt“, sind sich die Eltern einig.

Auch das Team der Kinderklinik ist mit dem Behandlungsverlauf des kleinen Mädchens zufrieden: „Ich bin sehr froh, dass wir in Zusammenarbeit mit der Kinderherzchirurgie die ECMO-Therapie bei schwerem Atemversagen von Neugeborenen anbieten können und so Kindern wie Lucy eine gute Chance auf ein gesundes Leben geben können“, betont Prof. Dr. Heymut Omran, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Allgemeine Pädiatrie.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Medienabhängigkeit:
Wann ist eine stationäre Therapie sinnvoll?

Artikel-CDK_13072015Münster – 560.000 Menschen gelten in Deutschland als computer- oder onlinesüchtig. Gefangen in der virtuellen Welt verlieren sie die Kontrolle über ihr Leben. Eine stationäre Therapie kann helfen, der digitalen Abhängigkeit zu entkommen.

Medienabhängigkeit: Viele Menschen nutzen das Internet, um Problemen im realen Leben zu entkommen. Sie suchen Entlastung, Gemeinschaft und Anerkennung, auch Herausforderung, und werden in Online-Spielen oder sozialen Netzwerken fündig. Oft merken sie gar nicht, dass sie immer mehr Zeit im Internet verbringen und ihr Tagesablauf zunehmend computergesteuert ist. Der Übergang in eine Sucht ist fließend. „Es gibt inzwischen gute ambulante Hilfsangebote, auch wenn die Versorgungslage insgesamt noch nicht optimal ist. Eine stationäre Behandlung ist zu empfehlen, wenn das Problem schon länger besteht, sich schwerwiegende Folgen wie der Verlust der Partnerschaft oder des Arbeitsplatzes abzeichnen, der soziale Rückhalt fehlt und weitere psychische Störungen auftreten“, sagt Judith Kugelmann, stellvertretende leitende Psychologin der Christoph-Dornier Klinik in Münster.

Bei 90 Prozent der pathologischen Internetnutzer lassen sich depressive Syndrome, Angst-erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen sowie Suchtmittelmissbrauch oder -abhängigkeiten diagnostizieren – fast viermal häufiger als bei „normalen“ Nutzern. Dennoch ist die Hemmschwelle, sich einer spezialisierten Klinik anzuvertrauen, groß. Manche erkennen die Dramatik der Situation selbst gar nicht mehr, anderen stehen Ängste im Weg, vor der Leere des Offline-Seins und dem, was diese Leere dann fällt. Dabei bietet eine stationäre Therapie die Chance, das Suchtverhalten in einem geschätzten Rahmen zu unterbrechen, Schritt für Schritt Alternativen zu entwickeln und intensiv an den Hintergrundkonflikten zu arbeiten. Ein geregelter Tagesablauf, regelmäßige Essenszeiten und die realen Kontakte zu anderen Menschen geben Struktur und verbessern die soziale Kompetenz.

In der Christoph-Dornier-Klinik werden die Behandlungsziele gemeinsam mit dem Patienten erarbeitet. Zehn Sitzungen pro Woche zuzüglich Gruppentherapien ermöglichen eine individuelle intensivtherapeutische Begleitung, die bei Bedarf auch das häusliche Umfeld einbezieht. Ziel der Behandlung ist eine starke Reduktion der Online-Zeiten und gegebenenfalls auch die vollständige Aufgabe des süchtig machenden Spiels oder Programms. Dafür müssen Nutzungsgewohnheiten verändert und alternative Verhaltensweisen aufgebaut werden. Weiteres Ziel ist es, den zuvor eingeengten persönlichen Handlungsspielraum wieder zu erweitern und vernachlässigte Aktivitäten sowie soziale Kontakte wieder aufzubauen. Parallel dazu gilt es Auswege aus zusätzlich bestehenden psychischen Störungen zu erarbeiten. Denn die pathologische Internetnutzung kann Ausgangspunkt, aufrechterhaltende Bedingung, aber auch ein Lösungsversuch für die sich darstellende Problematik sein. Weitere Informationen unter www.c-d-k.de.

Zudem bietet die Christoph-Dornier-Klinik mittwochs zwischen 17 und 20 Uhr unter der Rufnummer 0251/ 48 10-148 oder -140 ein kostenloses Beratungstelefon an.

Quelle: © Christoph-Dornier-Klinik Münster

Bewährte Qualität:
Zentrum für Krebsmedizin des UKM (CCCM) zum vierten Mal in Folge zertifiziert

Prüfung durch das unabhängige Institut OnkoZert im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft / Rezertifizierung als fachübergreifendes „Onkologisches Zentrum“

Münster (ukm/lie) – Beim Kampf gegen Krebs sind schnelles Handeln und die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Experten besonders wichtig. Das Zentrum für Krebsmedizin (CCCM – Comprehensive Cancer Center Münster) des UKM (Universitätsklinikum Münster) überzeugte nun bereits zum vierten Mal in Folge bei der Prüfung durch das unabhängige Institut OnkoZert, das im Auftrag der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) das Zertifizierungssystem betreut. „Wir sind stolz darauf, dass wir unseren Patienten nun schon im vierten Jahr den Nachweis bieten können, dass unser Zentrum über die notwendigen Strukturen und ein reibungslos funktionierendes Netzwerk von Spezialisten zur bestmöglichen und ganzheitlichen Behandlung verfügt“, freut sich Zentrumsdirektor Prof. Dr. Jörg Haier über die Auszeichnung. Insgesamt sechs externe Auditoren nahmen zwei Tage lang Strukturen, Zahlen und Arbeitsabläufe in Augenschein. Ziel des Zertifizierungssystems ist es, die Versorgung von Krebspatienten flächendeckend zu verbessern.

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Bild: Gemeinsam für mehr Qualität: Prof. Dr. Jörg Haier (4.v.l.) mit Vertretern der Organzentren und den QM-Beauftragten des CCCM.

Das CCCM ist mit über 30 universitären Kliniken, Abteilungen, Instituten und Organzentren, in denen alle gut- und bösartigen Tumorarten und Systemerkrankungen behandelt werden, das größte Krebszentrum im Münsterland. „Die reibungslose Kooperation ist eine wesentliche Voraussetzung für die Behandlung auf höchstem Niveau“, erklärt Haier. „Wir möchten, dass sich unsere Patienten nicht nur medizinisch bestens versorgt, sondern auch sicher und wohl fühlen.“ Ergänzend zur hoch spezialisierten Versorgung, sozialmedizinischen und psychoonkologischen Unterstützung, bietet das Zentrum daher auch spezielle Begleittherapien aus den Bereichen Kunst und Sport für Menschen mit und nach Krebserkrankungen an. Diese begleitenden Therapien können dazu beitragen, dass die Patienten die oft körperlich und psychisch anstrengende Behandlung besser durchstehen. Dies führt zu weniger Therapieabbrüchen, höheren Behandlungserfolgen und deutlich gesteigerter Lebensqualität.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster

Clinic-Clowns:
Projektstart im UKM Knochenmarktransplantationszentrum

Intensive Vorbereitungen und spezielle Kleidung machen es möglich, dass die Clowns nun auch auf der Isolierstation tätig sein können

Münster (ukm/ks) – Ab sofort sind die UKM Clinic-Clowns auch auf der im UKM Knochenmarktransplantationszentrum (KMT-Zentrum) im Einsatz.

Doch wie muntert man als Clinic-Clown Kinder auf, die nach einer Knochenmarktransplantation für sechs Wochen im Einzelzimmer auf der Isolierstation feststecken? Eine Isolierstation darf nur durch eine Schleuse betreten werden. Da zieht man einen sterilen Kittel an sowie spezielle Schuhe, stülpt sich ein Haarnetz über und zieht sich einen Mundschutz an. Man stelle sich also einen Clown vor ohne übergroßes Schuhwerk, ohne Kostüm, ohne wilde Haarmähne, ohne rote Nase und einem großen breiten Grinsen, das keiner sieht, weil es hinter einem Stück undurchsichtigem Stoff versteckt ist. Normale Clowns würden jetzt höchstwahrscheinlich mit heruntergezogenen Mundwinkeln ihren roten Koffer packen und mit ihren übergroßen Schuhen von dannen schlurfen und Kinder auf den weniger komplizierten Stationen bespaßen. „Aber wir haben einfach die besten Clinic-Clowns der Welt hier bei uns am UKM“, die Augen von Univ.-Prof. Dr. Claudia Rössig, der Direktorin der Kinderonkologie, leuchten bei diesem Kompliment. „Sie können so sensibel mit den oft schwerstkranken Kindern und auch ihren Eltern umgehen. Unsere Clowns sind ein ganz wichtiger Bestandteil der Therapie. Es ist wunderbar, dass jetzt auch die Kinder auf der KMT-Station davon profitieren können.“

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Bild (v.l.): Pflegerin Lea Preiss, mit der Idee, die Clowns auf die Kinderstation des KMT-Zentrums zu holen; Kulturreferent Christian Heeck, der die Clinic-Clowns ans UKM brachte; Prof. Dr. Claudia Rössig, Direktorin der Kinderonkologie und Dr. Manfred Gotthardt, der Vorsitzende des Freundeskreis KMT Münster in den speziellen Clownskittel; vorne Clown Konrad, einer der sechs UKM Clinic-Clowns.

Bevor das möglich wurde, mussten die Clowns erst einmal einen Intensivworkshop absolvieren, so Clown Konrad: „Wir mussten neue Wege gehen und erarbeiten, wie wir als Clowns sichtbar sind auch ohne unsere herkömmlichen Mittel. Zum Beispiel durch viel mehr Gestik und durch unsere Körpersprache, denn die Mimik bleibt ja unter dem Mundschutz verborgen.“ Große Unterstützung kam von Doris Rottwinkel aus der Wäscherei. Spontan war sie bereit, zehn ganz besondere Clowns-Kittel zu nähen, die auf der Station bleiben können und den Anforderungen einer Isolierstation gerecht werden. Und auf die Nasen müssen die Clowns auch nicht verzichten, sie haben sich welche aus Kautschuk angeschafft. Die Kinder bekommen rote Plastiknasen, so dass sie ganz leicht desinfiziert werden können. „Außerdem haben wir eine „Stations-Gitarre“, freut sich Michael Westermeier alias Clown Konrad.

Dass die Clinic-Clowns überhaupt auf die Kinderstation des KMT-Zentrums dürfen, haben sie Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin Lea Preiss zu verdanken. Sie reichte ihren Herzenswunsch beim UKM Ideenwettbewerb ein. Die Startfinanzierung wurde durch den Erlös des Round-Table 48-Entenrennens ermöglicht. Für die Materialkosten der Sonderausstattung kam der Freundeskreis KMT Münster auf.

Quelle: © Universitätsklinikum Münster